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Full text of "Worterbuch zu dr. Martin Luthers deutschen Schriften"

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II liilMlllill 

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WÖRTERKUCH 

zu 7lß X'/fj 

m. MARTIN LUTHERS 

DEUTSCHEN SCHKll'TEN 

VON 

PH. DIETZ 
ZWEITER BASD. 

EBSTE LIEFEBINO. 
G -< HmIm. 



LEIPZIG. 

VEIU.AO VON F. C. W. VOGEX. 
IS72. 




G. 



fVie bei den labialen und dentalen be- 
gegnen wir bei L, auch einem schwanken- 
den gebrauche der gutturalen, wofür bereits 
vorr, XVII, XVIII hinreichende beispiele 
zusammengestellt wurden, die hier noch 
durch einige wenige vervollständigt werden 
sollen. 

1) Mit k [in- und auslautend von L. ck, 
anfangs auch gk geschrieben) statt der 
gutturalen media mögen aus den früheren 
Schriften L.'s noch angemerkt werden: 
€wigk, ewigklich (e wicklich), honigk, teyck 
(neben sawrleyg), langk, lancksara, gesangk, 
gefengknis, vergengklich, vberschwenckÜch. 
iunck, iunckfraw, berck, wagenburgk, Augs- 
purgk. 

2) Mit g /ur k : schlang gracilis, fleisch- 
bang, krangheit, tranggeld. 

3) Als weiterer beleg des Schwankens 
zwischen g und ch stehe hier noch die 
einigemal vorkommende Schreibung grie- 
gisch (auch kriegsch) für griechisch, ver- 
einzelt steht rachgirich (rachg)Tich), sarch; 
auch für flugs, in den früheren Schriften 
gewöhnlich flux, begegnet einmal fluchs/ 

4) Mit h wechselt g in den praesentialen 
formen von sclilagen(L.schlahen) und dessen 
Zusammensetzungen, doch herrscht der ur- 
sprüngliche laut (h) vor. 

5) In dem mehrmals erscheinenden iunp- 
fraw für iungfraw hat sich g dem flaut 
assimiliert. 

Gemination des g kommt äuszerst selten 
vor; mir sind auszer flügg (so nach der 
unzuverlässigen Schreibung bei de Wette) 
und dem ein parmal begegnenden liggen 
jacere keine weiteren beispiele im augen- 
blicke zur hand. 

dabe (gab), f. donum, mhd, gäbe (Ben. 
1, SOS*"), aus dem pl. praeL von geben 

DnBTZ, Wörterbuch. U. 



(Weigand wtb. 1, 3S2). L. gebraucht 
das worl 

1) von den leiblichen wie geistlichen 
gnadeng eschenken, welche gott an die men- 
schen austheilt: alle gute gäbe vnd alle voll- 
komene gäbe kompt von oben herab, von liem 
valer des liechts. Jac. 1, 17; vnd werden 
sich zu den gaben des herrn heu (Ten, nemhch 
zum getreide, inost, öle, vnd junge schafe vnd 
ochsen. Jer. 31, 12; kiuder sind eine gäbe 
des herrn. ps. 127, 3; nu dieser segen . ., 
begreiffit jnn sich alle andere gaben , die zu- 
erhaltung des volcks not sind, als haus, hoff", 
gelt, kleider, vieh, weih, kind, gesinde. der 
147. psalm. (1532). Biij"; gäbe des friedes. 
ebend. C/'; die schrilTt straffet das, das er 
(Esau) die erste gepurt verachtet vnd ynn 
wind schlug, wilchs doch eine feine gäbe von 
golt war. vber das erste buch Mose/(lo'21). 
Ji ij'' ; das er yhn aber macht gibt fleisch zu 
essen, ist, wie gesagt, ein newe gäbe, ebend. 
aj^'; denn wo man ehe vnd junckfrawschafl't 
gegenander hellt, so ist freylich die keuscheyt 
eyn edler gäbe denn die ehe, aber dennoch 
ist die ehe ia so wol eyn gottis gäbe als die 
keuscheyt. das 7. cap. s. Pauli zu den 
Corinthern. (1523). Ciij* ; das euangelium ist 
ein lauter geschencke, gab vnd heil, wie das 
gesetzvndeuang. zu vnterscheiden. (1532 >. 
Aiiij*'; die gäbe des heiligen geisls. apost, 
gesch. 2, 38 ; von den geistlichen gaben aber 
wd ich euch, lieben brüder, nicht verhalten. 
1 Cor. 12, 1; die gäbe gesund zumachen. 
V. 9. 

2) von geschenken von menschen an 
menschen : so haben wir sonst keine gäbe, 
die wir dem man goltes bringen. 1 Sam. 9, 7; 
sie nemen alle gerne geschencke vnd trachten 
nach gaben. Jes. 1, 23; werdet jr mir den 
träum anzeigen vnd deuten, so solt jr ge- 

l 



GABEL 



GAFFEN 



schenck, gaben vnd grosse ehre von mir ha- 
ben. Dan, 2, 6 ; verzeug die gäbe dem dürff- 
tigen nicht. Sir, 4,3; ja ein worl ist offt 
angenemer, denn ein grosse gäbe. 18, 17; 
ein vnfreundliche gäbe ist verdrieslich. v. 1 S ; 
so denn jr, die jr doch arg seid, künd 
dennocli ei\Ten kindern gute gäbe geben, 
wie viel mehr wird ewer vater im himel 
gutes geben, denen die jn bitten? Mallh. 
7, 11. 

3) von den freiwilligen opfergaben : vnd 
eyn iglicher bracht seyns hertzen gäbe, var, zu 
2 Mos. 35, 21 ; vnd sie namen zu sich von 
Mose alle hebe, die die kinder Israel brachten 
zu dem wercke des diensts des heiligthums, 
das es gemacht würde, denn sie brachten alle 
morgen jre willige gäbe {var, steure) zu jm. 
2 Mos, 36, 3 ; vnd die fürsten opiferten zur 
ein weihung des altars an dem tage, da er ge- 
weihet ward, vnd opfferten jre gäbe für dem 
altar. 4 Mos. 7, 10; am ersten tage opfferte 
seine gäbe Nahesson . . . vnd seine gäbe war 
eine silberne schüssel . . . eine silberne schale 
... da zu einen güldenen leffel . . . einen 
farren aus den rindern, 'einen widder, ein 
jerig lamb zum brandopffer, einen zigenbock 
zum sündopifer, vnd zum danckoplTer zwey 
rinder, fünff widder, fiinff bocke vnd fünff 
jerige lemmer. das ist die gäbe Nahesson. 
t?. 12 — 17; warumb sollen wir geringer 
sein, das wir vnsere gäbe dem herrn nicht 
bringen müssen zu seiner zeit vnter den kin- 
dern Israel ? 4 Mos, 9, 7 ; wenn du deine 
gäbe aufl* den altar opfferst. Mallh. 5, 23; 
durch den glauben hat Abel gott ein grösser 
opffer gethan, denn Kain, durch welchen er 
Zeugnis vberkomen hat, das er gerecht sey, 
da gott zeugele von seiner gäbe. Hebr, 11,4. 
doch sieht gäbe auch von gebotenen opfern : 
vnd opflere die gäbe, die Moses befolhen hat. 
Mallh. 8, 4. 

Clabel (gabbel L.*s hausrechnung de Wette 
hr. 6, 331), f. farca, mhd. gabel (Ben. 1, 
509**), ahd. gabela, kapala {Graff 4, 127). 
lieber die etymologie des Wortes vgl. Wei~ 
gand wtb. 1, 382 und Kuhn zeilschr. 
1, 136. 

1 ) eigentlich : die schneiten an den sensen 
vnd ha wen vnd gabbel n vnd beüen waren ab- 
geerbeitet. 1 Sam. 13, 21; gabeln vnd 



hippen. das 14. vnd 15. cap, Johannis. 
(1538). aaa üj*. 

2) uneigenllich: darumb meinen sie {die 
dem herrn die versuchliche frage vorlegen- 
den pharisäer, ob es recht «et, dasz man 
dem kaiser zins gebe) er sol sich auch also 
kutzeln vnd mit dem fabchen rhümen be- 
thoren lassen, das er sich gebe in jre zwo 
gabeln vnd mordstiche, ehe ers gewar würde. 
sermon auffMaUh, 22. (1535). Anij^. ausleg. 
der evang. (1544). CC 6*. 

fiabelstick, m. ictus furcae : behutt gott 
für gabelstichenn, die machen drey locher. 
auff das vberehrisU. buch, (1521). AijV 

^Mtlkfjähe, schnell, eilig: zum ersten ist 
die liebe langmütig,, das ist gedultig, ist nicht 
gach noch schnei zum zorn. ausleg. der ep. 
vnd euang. vom heil, dreykönigefest. (1525). 
hj**; also gach ist den leuten vnd yhrem teuffet 
mit yhrem irrsal. das diese wort etc. (1527). 
s iiij*. später die jetzt übliche Schreibung 
jach (s. d.); mhd. gkch (Ben, 1, 453), ahd. 
gÄhi {Gralf 4, 129), üu gangan, gän gehen 
(fVeigand wtb. 1, 383. Lexer hand- 
wtb. 722). 

Claek, naturlaut der ganSy s, gag. 

Clack, pranger, s. gak. 

Clackeiij cacare, s. kacken. 

ClaifeBi eig. mit offenem munde sehen, 
dann auch : anhaltend und eifrig schauen, 
mhd. kapfen [Ben. 1, 786), ahd. chaphen 
{Graff 4, 369): das maul offen haben vnd 
gaffen, das schöne confilemini. (1530). Jij^ ; 
darumb sollet jr ja dabei bleiben vnd euch 
nicht das maul aufisperren lassen nach einem 
andern zu gaffen, das 1 5. cap. der ersten 
ep. s. Pauli an die Corinther, (1534). Bij**; 
gen himel gaffen, von den schlüsseln. {ib30). 
Hiiij"; nach einem kronch jnn der luflH gaffen. 
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). 
Dj*; vber sich gaffen. Jes, 8, 22; noch 
gafften vnser äugen auff die nichtige hülffe. 
klagt, Jer. 4, 17; jderman fulet allein sein 
vngemach vnd gaffet auff des andern gut 
gemach, das man kinder zur schulen halten 
solle. (1530). Gij**; das wir nicht auff die 
werck odder wirde der heyligen gaffen sollen. 
post. (1528). 334* ; das sie ym abendmal das 
wort gotts nicht sehen vnd allein ynn das 
leibliche essen gucken vnd gaffen, das diese 



GAFFER 



«GÄKEX 



toori etc. (1527). rj'*. uneigenUich: wir 
sehen vnd hören, wie aller menschen hertzen 
auff diesen reichstag gaffen vnd warten, rer- 
manung an die geistlichen. (1530). Aij^ 
substantivisch: das vergebliche lange gaffen. 
ebend. Alf ; darumb lassen sie jr speien vnd 
gaffen noch heats tages nicht, das 53. eap» 
des proph. Jesaia. (1539). Kij*^. 

Cafer, m. spectator, mhd. kapfsere {Ben. 
1, 787): er verdamet auch die gaffer vnd 
erforscher. Eisl, ausg. 2, 181*. 

ISag (gack), naturlaut der gans : ich will 
mich in ihr juristerey nicht vertiefen vnd 
kunnt ich auch nichts mehr, denn wie eine 
gans gag dazu sagen, de Weite br. 4, 663 ; 
vnd wenn ich sie hette sollen fragen, wie 
man die ersten zwey wort Matthei. j. über 
generationis, solle verdeudschen, so hette jhr 
keiner gewust gack dazu zu sagen, von dol' 
metschen. (1530). Aiiij*. 

Clake (gehe), schnell, plötzlich, mhd. gaehe 
{Ben. 1, 454"*), ahd. gahi (Graff A, 129): 
das ^ehe vnd plutzig verderben, ausleg. der 
euang. von oslem etc. (1527). o 6*^. s. jähe. 

Cäheadl (gehend), dasselbe: des gehenden 
todts. von kauffshandlung vnd wucher. 
(1524). ^f. 

CihCMniig (gehezomig), joAiomt j^ : gehe- 
zornige, vngedultige kopffe. das 5. 6. vnd 
7. cap. s. Matthei. (1532). liiij*. 

CiUick (gahlich), adv. plötzlich, jählings, 
mhd. gaeheliche gaeliche {Lex er 725. Ben. 
1, 454'): das einteib gahlich drob sterben, 
etlich wansinnig werden, grund vnd vrsach. 
(1520). ef. 

CliUiag fgehling), adj. plötzlich: denn 
da sol er wol alle schreckliche, gehlinge, 
böse todte fürhalten. Jen. 1, 181*. 

CaUiif; (gehling), adv. mhd. gaehelingen 
{Lex er 12b): da man entweder gehling 
hinstirbt oder in aberwitz aus schwacheit feit. 
hausposl. Wittenb. (1545). festtheil 101'; 
das dieser mensch gehling hingangen oder 
in Wahnwitz gefallen ist. ebend. 

ÜiUiags (gehlings), adv. dasselbe: nu 
ist die pestilentz vnd gifft ein solcher tod, die 
nicht gehlings vnd plötzlich würget, das 
15. cap. der ersten ep. s. Pauli an die 
Corinther. (1534). kiij'. 

fiah«5 gabt, s. gehen. 



littlea (gehnemeulen) , gähnend 
den mund aufsperren: gaffen vnd gehue* 
meulen die weil auff das leiblich essen, das 
diese worl. (1527). liij'; wir klotze vnd 
steine achtens eben, wenn wirs hören, als 
fiele ein fauler apffel vom bäum, gehnemeulen 
dagegen, oh, hastu nicht mehr gesehen, das 
ein Xauler apffel vom bäum feilet? der 111. 
psalm. (1530). Eiiif. 

v^/. ginmaulen {Schmellerwlb. 1^919)• 
d&krea^ fermentescere, mhd. g&n {Ben. 

1, b29% mit g aus j und r aus s, denn ahd. 
j^sa^ {Graff 1, 611), welches mhd. neben 
g6rn noch fortdauert. L. hat noch die ur> 
sprünglichen praesenlialformen mit i (ie, 
ieh) : o dem hier ist recht gegeben , darumb 
giehrt vnd scheumet es so wol. wamunge 
an s. L Deudschen. (1531). Eiäj'; ein fass 
darinnen ein most gieret. EisL 1, 364'. 

Clakt^ s. geist. 
Claister^ s. geister. 

dak (gack), m. pranger, schandpfahl, 
ein niederdeutsches wort {vgl. brem. wtb. 

2, 716. 717. Grimm wtb. .4, 47. 48. 
Vilmaridiot. 190. Schmeller wtb. i^ 
882): weil sie sich so gewis jrs dings 
rhümen, so sollen sie es auch gewis machen 
oder sollen gack stehen {am pranger stehen, 
öffentlich zu schänden werden), vom abend» 
mal Christi. (1534). s ij'. 

Cakea (geken, gecken), vom geschrei der 
dohle, der krähe, des raben vnd anderm 
kreischenden gesehrei: da haben die dolen 
vnd kraen einen reichstag hingelegt ... da 
geckt jung vnd alt durch einander, nacM^er 
angewandt auf Sophisten und papisten : wie 
seer nützlich volck es ist alles zuuerzeren, 
was auf erden ist, vnd dafür gecken für die 
lange weil. Jen. 5, 21'; es ist ein dolen 
vnd raben gegecke vnd noch nicht so gut als 
das gecken der dolen, denn die selben gecken 
doch mit liebe und lust,^sie aber heulen jhr 
gegeck mit vnlust, wie die vhu vnd nacht- 
eulen. das man kinder zur schulen halten 
solle. (1530). Df; {die papisten) da widder 
gecken on grund der schrifft. die kl. ant" 
wort. (1533). Eüj"*; die frösche sind die 
Sophisten ... die viel gecken wider das 
euangelium. vorr. auff die offenb. Joh. 
Bindseill, M2; die frösche sind die 



GÄKEN 



GALL 



plauderer, so jlzt den fürsten heuchlen vnd 
wider das euängelium geken. randgL zu 
offerib, Joh, 16, 13. 8. auch käken. 

Hikeii^ n. schreien: das gecken der dolen. 
s, vorher, 

Üikkitüf (geckzen), n. dasselbe: jeder- 
man, der Christum vnd sein wort von hertzen 
lieb hat, der ist schuldig vnd pflichtig des 
römischen antichrists vnd seiner heuchler vnd 
frösche, alten vnd newen, geckzen, lügen 
vnd falsche lere mit Worten vnd wercken vnd 
wo mit er nur kan, getrost zu widerstreben. 
Jen, 3, 187*. 

UMtLüfpL heiL. galben, galbanum, /aX- 
ßavT], ein stark vnd strenge riechendes 
gummi Syriens : nim zu dir specerey . . . 
galben vnd reinen Weyrauch . . . vnd mache 
reuchwerg draus. 2 Mos, 30, 34; galban 
vnd onych. Sir, 24, 21. 

mhd, galban (Lex er 727). 

dalee^ f. galeere, ruderschiff mit niedri- 
gem borde : als wenn er yhn ewig ynn einen 
kercker legt odder auff eyn galee schmidet. 
das die ellern die kinder zur ehe nicht 
zwingen sollen, (1524). Aiij''; vnd werden 
weite Wassergraben sein, das darüber kein 
schiff mit rudern faren, noch galehen da hin 
schiffen werden. Jes, 33, 21; galleeu voller 
gelreyds. tischr, 24*^. 

mhd, gale, galie, galeide (Ben. 1, 458^. 
Lexerl2S), aus m/a(. galeida. vgl, Wei" 
gand wtb. 1, 385. 

(ialgeu^ m. palibulum, L, noch galge 
(randgl, zu Matth. 21 y 33), m/id. galge 
(Ben. 1, 458*^), ahd, galgo (GraffA, 185): 
nach dreien tagen wird dir Pharao dein heubt 
erheben vnd dich an galgen beugen. 1 Mos, 
40, 19; zu letzt komen sie beide an den 
galgen. Sir. 20, 27 ; an den liechleu galgen 
hengen. wider den falsch genanten geistl, 
stand, (1522). Gj"; wo man sie alle an gal- 
gen hengen solte, ^as diebe sind vnd doch 
nicht heissen wollen, solt die weit bald wüst 
werden vnd beide an hengern vnd galgen ge- 
brechen, deudsch cal, (1529). Jj'*. Sprich- 
wort: wer dem andern vom galgen hilfft, 
den brecht der selb gern hinan, verrnanung 
an die geistlichen, (1530). Bj\ 

Clalgenbergy m. berg, auf welchem ein 
galgen errichtet ist, richlstätte: man helt, 



es sey der oleberg gewesen, da man die vbel- 
theter hat abgelhan, den wir den galgenberg 
oder rabenslein heissen. randgl, zu 2 kön. 
23, 13. 

mhd, galgenberc (Ben, 1, 105*'). 

dalgeufrist, f „der kurze aufschub, den 
ein zum galgen verurtheilter missethäter 
erhält*' (Adelung wtb. 1, 388): wie man 
sagt einer galgenfrist lang, tischr. 176^. 

CalgeDreiie (galgenrew) f. falsche reue, 
reue ohne glauben : der teuffei vnd alle vor- 
dampten haben auch solche rew, die heisset 
man auff deutsch judasrew vnd galgenrew. 
grund vnd vrsach, (1520). eiij*; ob er 
schon kaumct eyn halb galgenrew habe, die 
sie nennen attrilio, szo kan er (der bapst) 
durch kraift der schlussell ausz der selben 
halb galgenrew macheu ein gantz gulte grund 
gnadenreyche rewe. ebend, f iij". 

(iall^ galle, f. fei, bilis, mhd. galle (Ben. 

I. 459*), ahd. galla (Graff A, 180), zu gr. 
yo'i.rj, lat, fei (Weigand wtb, 1, 386). 

1) die grüngelbe bittere flüssigkeit in 
einer blase des thierischen körpers : er hat 
meine gallen aufl' die erden geschut. Hiob 
16, 13; hawe den fisch von einander, das 
hertz, die gallen vnd die lebbern behalt dir. 
Tob, 6, 6 ; die galle vom fisch ist gut die 
äugen damit zu salben. *v. 10 ; von des fisch es 
gallen. 11, 4. hierher auch die redensart]: 
die galle läuft einem über = er wird zornig: 
so bald jr ewern Widersacher ansichtig werdet, 
oder an jn gedenckt, so leufl't euch die gall 
vber. hauspost, (Wittemb,'\bib), sommer- 
theil, 74". 

2) galle = gift: williger oltern gall. 
5 Mos. 32, 33; er wird der oltern galle 
saugen. Hiob 20, 16. nach Plinius (n. g. 

II, 37 s, 62) hielt man die galle für den. 
sitz des giftes, 

3) eine bitterschmeckende giftpflanze von 
betäubender Wirkung: vnd solcher rat grünet 
auff allen furchen im felde wie galle. Hos. 
10, 4 ; jre drauben sind gall, sie haben bittere 
beere. 5 Mos. 32, 32 ; vnd sie geben mir 
gallen zu essen vnd essig zu trincken. ps. 
69, 22. vgl. Matth. 27, 34. 

4) bildlich, a) bitterkeil, hasz : also kön- 
nen man vnd weib mit niemand leichtlicher 
vneins werden, denn mit jnen selbs, vnd kans. 



GALLBEERE 



GANG 



das eine mit einem wort (ongefehr oder 
schertzlich gered) versehen, das (dasz es) dem 
andern durclis iierlz gehet vnd nicht ver- 
gessen kan, vnd sie darnach beide darob eitel 
gifft vnd galie jnn jrem hertzen wider ein- 
ander schepffen. zwo hochzeii prediglen. 
(1536J. Biij^ . 

b) von leiden vnd gö Ulichen straf ge^ 
richten : sihe, ich wil dis voick mit wcrmul 
speisen vnd mit gallen trencken. Jer. 9, 15. 
23, 15 ; er hat mich verbawet vnd mich mit 
gall vnd mühe vmbgeben. klag. Jer. 3» 5. 

dallbcere, f. giftbeere : yhre beer ist eyn 
galibeere. var. zu 5 Mos. 32, 32. 

Calleiij schallen: schreien vnd klagen, 
das (dasz es) jnn himel gallen vnd auf erdrich 
schallen wird, das schöne cofi/llemtnt.(l 530). 
Gif. vgl. SchmelleriDtb. 1*, 889. 

dalrede^ f. gallerte, besonders gallert^ 
artige brühe : ja das ist seine galrede worden, 
darin er sich weidet, vom schem hamphoras. 
i 1 543). Biij' ; aber ich meine, ich habe koche 
kriegen, die sie mir gewürtzt vnd zur gal- 
reden gesetzt haben, auff des königs von 
Engelland lesterschriffl. (1527). Biij*"; er 
ist dem teuffel entkomen« wie wol er den leib 
hat müssen drüber zu zoll geben vnd dem 
leuffel lassen, der mache yhm eine galreden 
draus, lusls yhn. trostunge an die Christen 
zu Halle. (1527). Ciüj* ; so thut in die bruch 
vnd beuget sie an den hals vnd machet dauon 
euch ein galreden vnd fresset yhr gi'oben esel 
.vnd sewe. wider Hans Worst. ( 1 54 1 ). Aiiij* ; 
er redet ja nfcht von der blutwurst oder 
schwartzen galreden. von den consilijs. 
(1539). Miiij*; so sie (die sau) selbs nichts 
hebers f risset, denn die galreden, so die bäum 
hinder den zäun setzen, exempel einen christ- 
lichen bischof zu weihen. (1542). Jj*^; gleich 
als wenn ein kue baw oder eine saw ein 
galrede frisset. Eisl. ausg. 2, 20 6*^. 

mhd. galreide, galrede (Den. 1, 460*. 
Lex er 730), gekürzt galrei, älter nhd. 
gallrey (Älberus diel. siij*). ausmlat.ge- 
ladria vom lat. gelatus. 

iiSiU) s. gönnen. 

dang^ imperat. s. gehen. 

IlmBgj m. pl. genge, mhd. ganc {Ben. 1, 
474^ Zexer 734), ahd. ganc, kanc (Graff 
4, 98). in vielfachen bedeutungen. 



1) gang, itio,itus, das gehen, der weg, 
den jemand macht (als handlung) : erhalte 
meinen gang auff deinen fussteigen, das meine 
tritt nicht gleitten. ps. 17, 5; ich wil dich 
auff rechter bahn leiten, das, wenn du gehest, 
dein gang dir nicht säur werde, spr. 4, 12 ; 
passah heisset ein gang, randgl. zu 2 Mos. 
12, 43; dazu lülfft das wort mahalach trans- 
itus, das heyst ein gang, wie man ynn der 
stad hyn vnd widder vmb gehet, gleich wie 
Moses spricht Exo. 14. der herr sey ynn der 
nacht ynn Egvplen gangen, vnd alle erste 
geburt geschlagen, der selbige gang ist nit 
ein schnür gleicher durchlauft, sondern eyn 
vmbgang hyn vnd widder gewest. derproph. 
Jona. (1526). Jij*"; Mose sciu*eibt exo. xiiij. 
das die kinder Israel gerust oder geharnischt 
aus Egypten zogen, ob sie wol ynn Egypten 
on vre rüstunge errettet wurden durch des 
herrn gang oder phase. an den kurfürsten 
zu Sachsen. (1545). Eij''; der gang Christi 
zum vater. das 16. cap. s. Joh. (1538). 
Miij^; darunib ist solch sclüeichen der 
rechte gang des leufels. von den Schleichern. 
(1532). Aij^ 

2) gang, art des gehens : wie schpn ist 
dein gang in den schuhen, du fürsten tochter. 
hohelied 7, 1; seine kleidung, lachen vnd 
gang zeigen jn (den mann) an. ^tV. 19, 27 ; 
dreierley haben einen feinen gang vnd das 
vierde gehet wol. spr. 30, 29 ; wenn einer 
auff dem wege gehet, der höret vnd siliet wol 
was für yhm ist, aber ym starcken gange kan 
er nicht sehen was hynder yhm ist. vber das 
erste buch Mose. (1521). pij\ hieran 
reiht sich 

3) ein figürlicher gebrauch des Wortes 
gang für wandet, arl vnd weise zu leben 
und zu handeln : von dem herrn wird solchs 
maus gang gefordert, ps. 37, 23, in der 
auslegung dieses psalms erklärt L.: alles 
was du thust, dein gantzes leben vnd wandel 
... wird sclüeunig sein vnd fortgehen. Jen. 
3, 30 8*^; vnser hertz ist nicht abgefallen, 
noch vnser gang gewichen von deinem weg. 
ps. 44, 19; las meinen gang gewis sein in 
deinem wort. 119, 133; sie kennen den 
weg des friedes nicht, vnd ist kein recht in 
jren gengen. Jes. 59, 8; (Christus hat) 
durch seinen heiligen, reinen gang vnsem 



GÄNGE 



6 



GANGHAFTIG 



schendiichen , sundliclien gang geheliiget. 
von Jhesu Christo. (1:533). Ff. 

4) gang von der beicegung, dem forigange 
einer sacke: es ist noch nit gethan vnnd 
geschehenn» es ist aber ym gang vnnd 
schwanck. grund vnd vrsach. (1520). c iiif ; 
lasst gottis wort seynen gang haben, von 
weltlicher vberkeyt. (1523)^ Eil]'; das 
gottes wort oder die heilige schrifllt frey vnd 
vnuerbunden (wie es doch sein mus) jren 
gang vnd recht habe, wider das bapstum. 
(1545). Biij'; mit gottes hiilffe in den 
schwang vnd gang komen ist. ebend, Jiiij' ; 
die natur . . . mus yhren gang (lauf) haben. 
vber das erste buch Mose. (1527). GjS 

5) gang <»» schrill, in welcher bedeutung 
es in der Jägersprache noch üblich ist: vnd 
da sie ein her giengen mit der laden des herrn 
sechs genge, opiferte man ein ochsen vnd ein 
fett schaf. 2 Sam. 6, 13. 

6) gang, weg, auf welchem man geht: 
sein strick ist gelegt in die erden vnd seine 
falle auil' seinem gang (var. pfad). Hiob 
18, 10 ; ein jglicher suchte den gang zu sei- 
ner thüre. weish. 19, 16; jr haus neiget 
sich zum tod, vnd jre genge zu den verlornen. 
*jpr. 2, 18. 

7) bedeckter, unterirdischer gang: gang 
des königes. 2 kön. 16, 18, durch welchen 
die könige aus ihrem pallaste in den tempel 
giengen ; sie (die priester) hatten einen heim- 
lichen gang vnter dem tisch gemacht, bei zu 
Babel 12; vnd sie musten jm zeigen die 
heimlichen genge, dadurch sie waren aus vnd 
eingegangen, v. 20. 

8) 1 kön, 6, 6. 10 steht das wort von 
dem in drei Stockwerken aufwärts immer 
breiter werdenden, um den tempel herum 
gebauten Umgang (galerie). 

9) gang im bergwerk,^ erzgang, erzader: 
es hat das silber seine genge. Hiob, 28, 1 ; 
ich weisz nicht . . . wie die genge streichen, 
als die häuwer wissen, tischr. 409*^. 

1 0) gang in der mühle : ein mühl mit eylif 
gangen vnd rädern, tischr. 332*. 

11) der natürliche gang, durchweichen 
die excremente ausgeworfen werden^ der 
after: alles was zum munde eingehet, das 
gehet in den bauch vnd wird durch den natür- 
lichen gang ausgeworfen. Matth. 15, 17. 



Marc, 7, 19; ausz der speise wirt vnflat, 
so durch den natürlichen gang wirt auszge- 
worifen. tischr. 32^. 

(iäiige (genge) , 1 ) unter den leulen um» 
gehend, üblich, gebräuchlich, gangbar, mhd, 
genge {Ben. 1, 476^ Lexer 857); vnter 
den Christen sol dis eine keudliche, gemeine 
vnd genge spräche sein, das 15. cap. der 
ersten ep. s. Pauli an die Corinlher. (1 534). 
d ij* ; ein bekandte vnd genge spräche, aus- 
leg. der ep. vnd euang. von ostem (1544). 
L 6^. gewähnlich mit gebe verbunden (geng 
vnd geb vsilatum et consuetum. Alberus 
diel, k iij') : Abraham gehorcht Ephron vnd 
wug jm das geld dar ... das im kauff geng 
vnd gebe war. 1 Mos. 23, 16; geld, das 
genge vnd gebe ist. 2 kön. 1 2, 4 ; gelt, 
das genge vnd gebe ist. vber das erste buch 
Mose, (1527). Ddiif. 2) gehend, auf- 
gehend, von teig: der Sauerteig den teig 
durchsewrt vnd genge macht, ausleg, der 
ep, vnd euang. von ostem, (1544). Aif. 

Hangeln (gengeln), leitend gehen lehren : 
wie die mutter ein kind gengelt vnd leret 
gehen vnd füret bey den armen, randgl, zu 
Hosea 11,3; Christus vns mus gengeln, wie 
die mutter oder magd ein kind gengelt, von 
den concilijs vnd kirchen. (1539). Gij*. 
nach Weigand wlb. 1, 388 auf mhd. 
gengel «— ganger zurückgehend. 

Hangen »» gegangen, s. gehen. 

(ianghaftig (ganckhaiftig. an den christl. 
adel. 1520. Hiiij'), im gange befindlich, 
gangbar, gebräuchlich, mhd. ^anchaflic {Ben. 
1, 477'): ein gemeyn ganghafftig zins. vber 
das erste buch Mose. (Ib21). rrf; da noch 
ettlich vbung des alten testaments ganghafftig 
waren, serm, von dem n. lest. (1520). Cj'; 
exempeln zu vnsern zeytten ganghafftig. aus* 
leg, der ep, vnd euang, von der heil, drey* 
königefest etc, (1525). Biiij'; vnd villeicht 
vieler zeddeln, sachen vnd klagen zu hoffe 
weniger weren, wo solche Visitation vnd gut 
Ordnung stattlich wurde ganghafftig seyn. 
originalbr, v, j. 1525 im ges. archiv zu 
Weimar reg. pag. 124. EEE. n. 4; das 
gesetz bereit ynn viel stücken ganghafftig ist 
gewesen bey den eltisten vetern. vber das 
erste buch Mose. (1527). Yf; aus solchem 
exempel vnd iiguren solten wir Christen billich 



GÄNGIG 



GÄKSERN 



ein tegiich Sprichwort machen ... das wir 
ynD vnsern reden ganghafHig sein liessen. 
ebend. Zj^ ; dise wort sollen ynn der Christen- 
heyt ganghafltig seyn. ausleg, der euang. von 
ostem. eic. (1527). Biij*; solch wort in 
deudscher spräche ganghaiFtig. wider den 
bischof zu Magdeburg. (1539). Giij*. 

CiBgig (gengig), dasselbe, mhd. gengic 
{Ben, 1, An*): sitten vnd fragen, so bey 
den Juden gengig sind, var, zu aposL gesch. 
26, 3. bei BindseiL 

fiingleiM (genglin, gengle), n. dim, von 
gang als fechlerausdruck : vnd hah mit dem 
benimpten fechter eyn genglin Ihan. auff 
das vbirchrisllich buch. (1521). Aiij^'; ein 
feyn gengie. ebend. Fiiij*. in derselben be» 
deutung auch mhd. gengelin {Lexer S57). 

fians^ f.anser, bekannter Schwimmvogel : 
esz wirt nicht ein reycher hauszvatter werden, 
der die gansz hynacb wirffl, darumb das man 
yr ein feddern liat auszgeraufft. das magni- 
ficat. (1521). hj**; die falschen heiligen, 
wenn sie andechtig sein wollen, weriTen sie 
den kopff zu beiden seilen, wie eine gans 
gehet, gl. zu 1 kön. 18, 26; es ist als pfifl'e 
sie eine gans an. Her proph. Sacharja. 
(152S). Yj'; tzu letzt auch die gensze vnd 
der kukuck bullentreger vnd ablaszkremer 
werden musten. bulla cene domini. (1522). 
Aj**; fewr das aus den gepraten genszen 
raucht, serm. von dem ablas. (1520). Cij*; 
wenn er jn eine gebratene gans liesse jnns 
maul fliegen, das 5. 6. vnd 7. cap. s. 
Mallh. (1532). xj*. als Schimpfname einer 
dummen, einfälligen person : wenn ich aber 
nicht so eine tolle gans oder nerrisch schaf 
were, so dürfft ich mich wol auch einer 
grossen Weisheit vnterstehen. Jen. 7, 357"; 
nu wolan, was können wir arme gense wider 
solche schöne predigt? 7, 364*. 

mhd. gans {Ben, 1, 47S^ Lexer 736), 
ahd, gans, kans (Graff Aj 220). 

QtMsarlj m. ganser, gänserichy männliche 
gans: liebe gans, kanstu es gleuben? lieber 
gansart, kanstu es gleuben? wider den 
bischof zu Magdeburg. (1539). Giiij*. 

In Hessen ist als name der männlichen 

*§ans auszer ganser {hin vnd wieder hörl 

man auch gansert) noch die einfachere und 

ältere form ganze m,, gesprochen gonze {mhd. 



ganze, ahd. ganzo) üblich, über die etgmo- 
logie des worles vgl. Weigand wtb. 
1, 3 SS unter gans. 

Unaeel (gensei), n. ovum anserinum: 
der klugen leutt, man sollt sie vber die 
genszeyer setzen, antwort deutsch. (1522). 
Ciij\ — mhd, gansei {Ben. 1, 414*). 

fiänsefeder (gensfeder, gensenfedder), f. 
penna anserina: meynstu das solch wortt 
von genszfedern vnnd bawmblettern gesagt 
sind? wider den falsch genanten geistl. 
stand. (1522). Eiiij''; soltestu mir sagen, 
das es an gensenfeddern henge, was die 
schriflX leret. Jen. 1, 412^ (gedr. 403). 

dimeittich (gensefittich), m. gänse flöget : 
sie (die Schreiberei) bedarff allein der gense- 
iittich, der man vmbsonst allenthalben gnug 
findet, das man kinder zur schulen halten 
soll. (1530). Gif. 

filBiegicker (genskucker), m. wonstran- 
tzen deuter vnd genszkücker. vorclerung 
etlicher arlikel. (1520). AiiijS von L. ge^ 
brauchter Spottname für diejenigen, welche 
in der auf der rückseite des titelblattes seiner 
schrifft : „eyn sermon von dem hochwirdigen 
sacrament etc,^^ angebrachten monstranz 
(s. quellenverzeichnis n. 13') zwei gänse, 
womit er auf Hus anspiele erblicken 
wollten. 

ClänsepfelfeB (genspfeifen), n. das pfei- 
fen, zischen der gänse: lasst euch lesen 
das exempel von dem leuseknicken (de Wette 
br. 4, 416 läuseknicker) und von dem gens- 
pfeifen. Jen. 5, 528*. 

dänseprediger (genseprediger), m. nennt 
L. den bischof von Magdeburg wiederholt 
in der 1539 wider ihn gerichteten schrift, 
z. b. Ciiif . Dj^ 

CläMepredigt (gensepredigt), f. eine den 
gänsen, d, L einfältigen leuten gehaltene 
predigt: weil der cardinal mit gensepredigt 
alle weit effet, wil ich auch jni vnd seinen 
jurisperditen ein klein gensepredigtlin thun. 
wider den bischof von Magdeburg. (1539). 
Eiiij\ 

fiiBsepredigtleiii (gensepredigtlin) , n. 
dim, des vorigen, beleg s. vorher, 

CÜBsern (gensern), zum narren haben, 
spotten: wo er nicht lust bette, gott zu 
spotten vnd die weit zu gensern. ebend. Giij^ 



GANZ 



8 



GANZ 



(Jans fgantz), adj. mhd. ganz {Ben, 
1, 479'), ahd. ganz {Graff. 4, 221). 

1) ganz, inleger, unversehrt, unverletzt, 
unbeschädigt, nicht entzwei: sihe, da es 
{das holz) noch ganlz (vulg, integrum) war, 
kundle man nichts draus machen. Ezech. 
15, 5 ; eben wie man eins töpffers gefes zu- 
brichl, das nicht mag wider gantz werden. 
Jer. 19, 11; disz nusziin hat noch niemant 
auffgepissen , werden auch mir szo gnedig 
sein on yhm willen vnnd dasselb noch ein 
weil wol ganlz lassenn. von dem bapstum 
zu Rome. (1520). Fj'. gantze steine. 5 Mos. 
27, 6. Jos. S, 31 sind unbehauene, 

2) ganz, universus, totus, vollständig, 
in welcher bedeutung es in der bibel un- 
zählige mal erscheint: da sich die gantze 
weit für furchte. Ezech. 32, 23 (u. 24: da 
für sich auch alle weit furchtet); wo dis 
euangelium geprediget wird in der gantzen 
weit. Matth. 26, 1 3 {in der parallelstelle 
Marc. 14, 9 dagegen: in aller weit); vnter 
dem ganlzen Iiimel. 1 Mo^ 7,19; herrschen 
vber die gantzen erde. 1, 26; das gantze 
land. 2, 11; die gantze gegend. 13, 10; 
die gantze stad. 18, 2S ; der gantze berg. 
2 Mos. 19, 18; — die gantz Christenheit. 
von dem bapstum. (1520). Fij^^ das gantze 
beer. 2 Mos. 12, 41; die gantze gemeine 
Israel, v. 47; das gantz volck. 19, 16; die 
gantze rotte. 4 Mos. 16, 5; das gantze 
kloster {sämtliche klosterpersonen) tzu 
Nymptzschen. ursach vnd antwort. (1523). 
Aij" ; — der gantz corper. serm. von dem 
hochwirdigen sacrament. (1519). aiij'; das 
gantze hcubt ist kranck, das gantze hertz ist 
matt. Jes. 1, 5; Aie gantze haut. 3 Mos. 
13, 12; das gantze fleisch, v. 13; — das 
gantze buch, ein widderruff vom fegefeur. 
(1530). Bj'' ; die gantze schriflft. ebend. Cij"; 
das gantz newe testament. ebend. ; das gantze 
capitel. von den letzten worten Dauids. 
(1 543). Riiij'' ; hat er den gantzen brieff aus- 
gelesen, ebend. Aiiij'; — der thot sein 
gantzes leben nichts guts. wamunge an s. l. 
Deudschen. (1531). Gij' ; sein gantzes alter. 
1 Mos. 5, 5 ; ein gantz iar. 3 Mos. 25, 29 ; 
vnd der herr treib einen Ostwind ins land den 
ganlzen tag vnd die gantze nacht. 2 Mos. 
10, 3. — vnd soll den herrn deinen gott lieb- 



haben von gantzem {ungetheillem) hertzen, 
von gantzer seele, von allem vermügen. 
5 Mos, 6, 5 ; ich dancke dem herrn von 
gantzem hertzen. ps. 9, 2 ; verlas dich au ff 
den herrn von gantzem hertzen. spr. 3, 5. — 
Dauid aber vnd das gantze Israel spieleten 
für gott her aus gantzer {aller) macht. 
1 chron. 14, 8; {Esther vnd Mardachai) 
schrieben mit gantzer gewalt. Esther 9, 29 ; 
das mein leben deine rechte mit gantzem 
{vollkommenem) ernst hielte, ps. 119, 5; 
vnd erbeitet dran mit gantzer kra(ft seines 
arms. Jes. 44, 12; hilff mir gnediglich das 
werck volbringen, das ich mit gantzem 
{vollem) vertrawen au ff dich hab. Judith 
13, 6; so wil ich mich drauf er wegen mit 
gantzer zuuersicht. vber das erste buch Mose. 
(1527). Pif. 

3) ganz =» all: vnd lies alle kiuder zu 
Bethlehem tödten vnd an jren gantzen gren- 
tzen {an allen ihren grenzen). Matth. 2, 16. 
auch vor material-substantiven gebraucht 
L. vereinzelt ganz: sampt dem gantzen 
{allem) Weyrauch. 3 Mos. 2, 2. 

4) seine Stellung nimmt ganz bei zahlen 
sowohl vor als nach denselben: vnd bawet 
gantzer hundert iar. vber das erste buch 
Mose. (1527). Vij'; sechs gantzer tage. 
ebend. Gij'; sieben gantzer sabbath. 3 Mos. 
23, 15 ; vnd lagen drey gantze tage auff der 
erden. 2 Macc. 13, 12. eigenthümlich geht 
ganz auch dem pronom^n voraus : vnd sprach 
von gantzem meinem hertzen. weish. 8,21. 
vgl. auch in gantz meines vater hause (für 
in meines vaters gautzem hause). 1 Sam. 
22, 15; auff gantz seins vaters hause {für 
auff seines vaters gantzes haus). 2 Sam. 
3, 29. 

Claiiij ado. omnino, gänzlich, völlig, voll- 
kommen: a) bis man ganlz (fertig) gessen 
vnd getruncken hat. Ruth. 3, 3; denn es 
wird die rute gantz durchdringen. Jes. 
30, 32; sihe solches edles stück der bejicht 
{beichte) haben die papisten gantz gedempfft. 
ein brieff an die zu Franckfort. (1533). 
Ciiij^ ; denn er wird des armen nicht so gantz 
vergessen, p«. 9, 19. — b) also ward die erde 
gantz trocken am sieben vnd zwentzigsten 
tage des andern monden. 1 Mos. 8, 14; 
gantz rauch wie ein feil. 25, 25 ; gantz 



GÄNZE 



GAR 



heriiich. p«. 45, 14 ; ganlz lieblich, hohe» 
lied 5, 16; wie ist doch das Sprichwort so 
gantz war. das diete t^art, (1527). aij*. 
— c) ganz und gar : wo Christus ist , da 
ist die gotthät gantz vnd gar. edaid. 
fiij**; als wenn yhr ewer hertz eim guten 
freunde gantz vnd gar eröffnet, vier trost' 
Uche ^almen, (1526). Dj*; Christus wil 
vns ein mal gantz vnd gar erlösen, den 
SS. vnd 39. cap. Hesekiel. (1530). Auf; 
der ring, so er eine borsten oder ritz 
kriegt, taugt er gantz vnd gar nicht m^. 
kurtz bekenlni», (1544). Eij^; aber des falls 
ist jr gute meinung gantz vnd gar vmbsonst. 
von den eoneilijs. (1539). Bij**; erstlich ist 
man darin gantz vnd gar eins» von den 
Juden vnd jren lügen. (1543). Viiij*; oder 
ist gantz vnd gar stock star blind, vom abends 
malChniÜ. (1528). aüj''. 

Ciiiie (genze), f. vollsiändigkeit , mhd* 
genze {Ben. 1, 479''), ah± ganz! {Graff 4, 
222): vmb der gentze vnd volkommenheyt 
wüien. ein eerm, von dem hoehwirdigen 
sa cramenl. (1519). a ij*, voUeiändiger «. den 
beleg unter füghch; das wortlin gantz gesund 
{ps. 119, 1) bedeut geistlich gentze vnd vn- 
uorletzung. von der beieht. (1521). i j^ 

Cmmi (ganzen), 1) ganz machen, mhd. 
genzen {Ben. 1, 479^ Lexer 867): sibe 
ob nicht ausz Schickung des heyUgen geysts 
disze vier latinisch wort (radix omnium malo- 
rum avaritia, geitz isl eine tourzel alles 
Übels) mit yhren ersten buchstabenn den 
namen Roma gentzen. bulla cene domini. 
(1522). Cilij**; aber gentze oder helbe den 
Christum wie du wilt. Jen, 6, 346*; wen 
du erhebest den niderstu , vnd wen du gen- 
tzest den zuhricbstu. 1 , 34 *. 

2) tneder erstatten : wenn jhr nu wollet 
hoch poltern, man solle euch die stillt vnd 
klüster widder gentzen vnd alles widderümb 
einreumen, so sagt man eudi billich widder- 
ümb , lieben herrn, gebt vnd gentzet zuuor 
Widder ewm zwifeltigen raub, vermanung 
an die geistlichen. (1530). EiiijS 

Wullck (genzlich), adv. völlig, ganz und 
gar, mhd. gänzliche, genzliche {Ben. 1, 
479''): bey seinem vater gentzlich beschlos- 
sen war, Dauid zu tödten. 1 Sam. 20, 33; 
Salomo folget (e) nicht gentzlich dem herrn. 

DiETz, Wörterbuch. II. 



1 hon. 11, 6; das heimliche Verlöbnis sol 
gent^ich verhindert vnd für keine ehe gehal- 
ten werden, von aft^AacAeii. (1530). Ciiij''; 
solche stück sind gantz vnd gar eusserlich, 
auch der vernunfft zu regirn mechtiglich vnd 
gentzlich vnterworfen. von den condlijs. 
(1539). kj*. 

Car, adj. bereit, bereit gemacht, fertig, 
mhd. gar, gare {Ben. 1, 479 ^ Lexer 737)» 
ahd. garo, karo {Graff 4, 238). 

1) fertig gekocht, percoetus: zünde das 
fewr an, das das fleisch gar werde. Ezech. 
24, 10; das fleisch gar machen, vorr. auf 
den psalter. Bindseil 7, 322. büdUch: 
gott mit allerley trübsal wol pbget, das wir 
mürb vnd gar werden, dias schöne confite^ 
mini. (1530). Liiij*. 

2) fertig, vollendet : die geisthche deutung 
wollen wir spar^, bis wir bas hynein komen 
vnd diese history gar (beendigt) haben, vber 
das erste buch Mose. (1527). Ss ij*. 

3) vollständig, ganz: wil man sie (^e be» 
Schlüsse der conciHen) halten, so halle man 
sie gar oder halte nichts, von den condUJs. 
(1539). C üj '^ ; brandopffer das war ein solch 
opffer, dauon die priester nichts kriegten, 
sondern must gar verbrand werden mit mist 
vnd felh. vber das erste buch Mose. (1527). 
Ziüj\ die letzte stelle höhnte auch zu gar 
adv. gerechnet werden. 

6%ff adv. omnino, plane, gänzüeh, völ" 
ligf ganz und gar, mhd. gar, gare {Ben. 1, 
480"), ahd. garo {Graff 4, 240). 

1) neben verbis: ich aber mus sein wie 
einer, der seiner kinder gar beraubt ist. 1 
Mos. 43, 14; sollen wir denn gar vnterge- 
hen? 4 Mos. 17, 13; da sie das land gar 
ausgeteilet hatten. Jos. 19, 49; die guten 
löbhchen sitten tliet er gar abe. 2 Macc, 4, 
11; bis das es gar durchsewrt ward {var. bis 
das es durch vnd durch versa werte). Matth. 
13, 33; die natur vnd art des brandopffers 
ist, das man es gott gar gibt. Jen. 2, 24 ^ 

2) neben adj. : das er nicht gar heil ist. 
ep. s. Petri gepredigt. (1523). N j * ; die gott- 
heit gar vnleidlich vnd vnsterbtich ist. vber 
das erste buch Mose. (1527). Gcüj"; ein 
kind das zu frü geborn ist, ehe es gar völlig 
vnd reifP ist. das 15. cap. der ersten ep, s. 
Pauli an die Corinther. (1534). Fij*;so 

2 



GAR 



10 



GARN 



bistu gewislich jnn sunden gar tod. vermanung 
sum sacrameni. (1537).' G iiij ' ; gar., kalh 
wie ein adeler. Mich. 1, 16; wie gar vnbe- 
greifflieh sind seine geriohte. Rom. 11, 33. 
oß auch in der bedeulung von sehr: es 
müslen gar starcke beyne seyn, die gute tage 
sotten tragen, derproph. Habacuc, (1526). 
eij**; die gar rauchlosen geister. vber das 
erste buch Mose. (1527). Ggj''; jungker 
faulwitz garklu^ist. der iOl. psalm, (1534); 
Giij"; die gar alten leule. Sir. 42, 8. 

3 ) neben adv. : wie gar frech vnd wilde 
lebt jtzt jederman. vorr. auf die prophelen 
Bindseil 7, 337 ; ich wil aber gar kürlz- 
lich zu euch komen. 1 Cor, 4, 19; er redet 
gar blödlich vnd sorgf eltig dauon. das 7. 
cap. s. PauK zu den Corinlhern, (1523). 
B jj ■ ; ich bitte aber gar demütigHch vnd 
freundlich, ermanunge zum fride, (1525). 
DJ'; gar nahet so viel secten vnd vnter- 
scheyd als köpff sind. post. (1528). 166**; 
das ich gar nahe jn (Baruch) hette mit dem 
dritten vnd vierden buch Esra lassen hin 
streichen. Bindseil 7, 420; das maus 
gar wol blewe. vber das erste buch 
Mose. (1527). x ij**; siehalten gar wol mesz 
vnd opCTernn recht, serm. vom n. lest. 
(1520). Cüj**; welchs sie gar vbel verdros. 
weish. 12, 27; vnd handelt gar anders mit 
mir. klagt. Jer, 3, 3; darumb gehets gar 
anders denn recht. Hab, 1, 4; gar viel an- 
ders. 1 Mos. 45, 26; gar bald. ps. 49, 15; 
gar offt. 78, 40; gar seer. das schöne con^ 
fUemini. (1530). Hiij*. 

4) vor Verneinungen , ihre bedeutung zu 
verstärken : eyn vertzweiffelte sach , der gar 
nit tzu helffen. wider den falsch genanten 
geistl. stand, (1522). Ej"; keuffe, die ynn 
landen vnd stedten gar nicht zu leyden sind. 
vonkauffshandlung. (1524). Giij " ; sam (a/^) 
vorstund ichs spiel gar nichts, von dem bap- 
stumzu Rome. (1520). Aij**; der dritte ent- 
schuldiget sich gar nichts, zwo predigt, (1535). 
Eiij ^ ; so haben wir gar keiner Vergebung zu 
hoffen, zwo predigt auf der kinder taufe, 
(1540). Lj"; gar niemand. 2 Macc. 6, 6. 

5 ) Verstärkung des gar : also gar hegt es 
alles am glauben. Jen. 1, 189^; — gott 
warumb verstössestu vns so gar? ps, 74, 
1 ; er war so gar erschrocken. 2 Macc, 3, 



17 ; hatt yhn doch der teufifelszo gar beses- 
sen. anlwort deutsch, (1522). Eij**; so gar 
verrucht, das diese wort. ( 1527 ). b iij ** ; sich 
so gar helle brennen, ebend. siiij^; als aber 
der keiser so gar erbittert war. die weisheii 
Salomo, (1529). Aij^; lente diesö gar nichts 
fulen. der proph. Habacuc, (1526). fiij*. 

— der teuffei hat sie zu gar besessen, das 
16. cap. Johannis, (1538). E iiij **; damit er 
nicht mit weib und kindlein zu gar verderben 
müsse, de Wette br. b, 185; sie sind zu 
gar fleischlich worden, gl. zu 1 Mos, 6, 3. 

— ganz und gar s. unter ganz adv. 

6) Stellung, bezieht «xcA'gar auf ein adj-, 
welchem der unbestimmte artikel voraus^ 
geht , so stellt es L. nicht zwischen diesen 
und das betreffende adj, , sondern setzt es 
dem artikel vor: es isf gar ein kleyn ding 
vmb böse Sitten, auffdas vbirchrisUich buch. 
(1521). Jiij ■ ; gar eyn böszer rewling. ord- 
nung eines gemeinen kastens. (1523). Aij^; 
es müste sonst gar eine grosse tafel gewesen 
sein, der proph. Habacuc. (1526)..hj*'; gar 
viel eines bessern testaments. Hebr. 7, 22. 

ClaraHV ^' ^^^ ^f völliges ende, unter' 
gang: da folget denn der garausz, dasz 
königreich, land vnd leute darüber verheret 
vnd zerstöret werden, lischr. 33*; bis das 
endlich gott hinter jnen her war vnd spilet 
das garaus mit jnen. Eisl. 1, 501 \ 

Clarbe^ f manipulus, getraidebund : mich 
dauchte, wir bunden garben auff dem felde, 
vnd meine garbe richtet sich auff vnd stund, 
vnd ewre garben neigeten sich gegen meiner 
garben. 1 Mos. 37, 7 ; so solt jr eine garben 
der erstlinge ewr erndten zu dem priester 
bringen. 3 Mos. 23, 10; ein wagen vol 
garben. Arnos 2, 13. — mhd. gai^be (Ben. 
1, 481 ''j, ahd. garba, karpa {Graff 4, 247). 

darbenbinder^ m. , der das abgeschnit- 
tene getraide in garben bindet, ps, 129, 7. 

dardian , m. guardian , pater superior : 
gardianten. bulla cene domini, (1522). Aj°. 

— mhd. gardiän {Lexer 738). die elymolo- 
gie s. Diez etymol. wlb. 1 87 . 

Ciarii (garen), n. 1) gespinst, faden. ' L's 
hausrechnung de Wette br. 6, 330. 

2) netz des ßschers und Jägers : angel, netze, 
garn. derproph. Habacuc. (1526J. fiiij**; 
die da gute garn wircken vnd netze stricken. 



GARST 



11 



GASSE 



Jes, 19,9; ich wil mein nelz vber dich aus- 
werfPen durch einen grossen hauflTen volcks, 
die dich sollen in mein garen jagen. Ezech. 
32, 3; er war nicht das wild, das jnn jr 
garn gehöret, das 15. cap, der ersten ep. 
s. Pauli an die Cor. (1534). Qiij *. 

mhd. ahd. garn {Ben. 1, 482*. Lexer 
739, too auch die form garen belegt trird. 
Graff, 4, 264). 

fiant, m. eig. stinkender geschmaek oder 
gerueh, rancor, in folgender stelle bildlich 
für bittere, gehässige gesinnung: bringen 
mit sich ein garstig bitter hertz, giffÜge äugen 
vttd hessige obren vnd deuten denn die schrifft 
nach jrem garst, gifft vnd hass. die kl. ant- 
tport. (1533). Ciij^ — mhd. garst (Ben. 1, 
482^ Lexer 7^9). vgl Weigandwtb. 1, 
390. Ft/martdtol. 116. Davon 

tenf igf adj. rancidus, mhd. garstic, ger- 
Stic (Lexer 739). 1) verdorben schmeckend 
oder riechend, ranzig, stinkend: garstiger 
cresem. von der winkelmesse. ( i 534). K j ^ ; 
garstige hefen. von den Juden vnd jren 
lügen. (1543). Z j ' ; garstige {gedr. garstrige) 
wunden, antwort deutsch. (1522). Biij^; 
garstige kess. ausleg. der xehen gepot. 
(1528). Miiij^ 

2) „verahscheuungsicerih^', a) von per' 
sanen: er nimpts, wo ers findet, offt einen 
garstigen balck für ein schönes weib. gl. zu 
Sir. 23, 24; daher es kompt, das man viel 
solcher narren sihet, so die schönsten vnd 
frömesten weiber haben vnd sich etwo an 
schendliche vnfletige, garstige beige vnd secke 
hengen. zwo hochzeitpredigten. (1535). Ciij* ; 
ein garstiger schendlicherhurenbalck. von den 
Juden. (1543). Hij'^; wir garstigen, lausigen, 
grindiche manche, die kl. antwort, (1533). 
Diiij'. b) von Sachen : jr garstiges stanckbuch. 
von dewconcilijs. (1539). giij^; ein alt zerrissen 
garstig hederlin. hausposl. Wittenb. (1545). 
winterteil 14"; meine garstige vnd schnöde 
poeterey. der IW.psalm. (1530). Aij'; vnd 
die reine lere haben besuddelt mit jrem gar- 
stigen vnd madichten zusatz. das 5. 6. vnd 
1: cap. s. Matth. (1532). Pij\ 

tenligf adv. schändlich: es ist alles so 
garstig erlogen vnd ersrtuncken, als der cre- 
sem selbs ist. V d. winkelmesse. (1534). Lij*. 

(lartei^ m. hortus, L. noch garte (Jes. 1, 



30. 58, 11. Joh. 18, 1) neben g^ien {vber 
das ersie buch Mose 1527. Jj'), mhd. garte 
(Ben. 1, 483 ^ Lexer 740), ahd. garto 
(Gra/f 4, 259): vnd gott der herr pQantzet 
einen garten in Eden. 1 Mos. 2, 8 ; im 
garten, v. 9 ; aus dem garten. 3, 23 ; des 
garten. 2 kön. 9, 27. der pl. lautet in der 
regel noch garten: schöne lustige garten. 
deudschpsalter, (1541). Aiij** ; wie die garten 
an den wassern. 4 Mos. 24, 6; ich macht 
mir garten vnd lustgarten. pred, 2, 5; diQ 
du wonest in den garten, hohelied 8, 13. 
doch begegnet auch schon die umgelaulete 
form gärten (gerten), z. b. das 16. eap. Jo^ 
hannis. (153S). Pij*. 

fiarteibaiM, m. ein in gärten gezogener 
bäum: sonderUch für den zambe^men odder 
gartenbewmen. vier Irosl/.pM^men. (1526). 
Cj«. 

dartcrtrader^ m. Wiedertäufer: der gar- 
tenbruder Heizer (der wegen grober polyga^ 
mie lb29 hingerichtete Wiedertäufer Ludwig 
Hetzer), lischr. 326^. lieber die garten- 
brüder s. Liebknecht de fratemitate 
hortensium, auch Seckendorf Luthera- 
nism. L sect. 6. §. 176 p. 303. 

fiartcabria^ m. wie ein gartenbrun (vulg. 
fons hortorum). hohelied 4, 15. 

fiartcakaif j m. ankauf eines gartens : 
des verseumeten gartenkaufls. wider den 
Wucher. (1540). Cij^ 

liartacr^ gertner, m. hortulanus, mhd. 
gartnaere, gartenaere (Ben. 1, 484 ^ Lexer 
740 S ahd. gartinki (Graff 4, 252): sie 
meinet es sey der gartner. Joh. 20, 15; die 
vnfleissigen gartner. von den consüijs. { 1 539). 
Ziij''; — des gertners. serm. vber Joh. 20. 
(1531). A ii j ' ; ackerleute vnd gertner. der 
proph. Habacuc. (1526). ciij*. 

Cassc» f. platea, vicus, via, mhd. gaj^^e 
(Ben. 1, 489^. Lexer 745, wo auch die 
verschiedenen etymologien des Wortes auf- 
gestellt werden), ahd. ga^ä (Graff 4, 105). 
In der hibel bezeichnet gasse nicht blosz die 
straszen und wege, sondern auch die freien, 
weiten und öffentlichen platze vor den häu- 
sem oder zwischen den einzelnen Iheilen 
der Stadt (s. Zell er Mbl. wtb. 1, 418. 
419) : wie eine gasse, das man vberhin laufle. 
Jes. 51, 23 ; wir wollen vber nacht auff der 

2* 



GASSENGEHEN 



12 



GÄTEN 



gassen bleiben. 1 Mos, 19, 2; vnd allen 
jren raub soltu samlen mitl^n auff die gassen. 
5 Mos. 13» 16; die gassen zu Jerusalem. 
Jer, 5, 1 ; so werden die gassen vnd mauren 
wider gebawet werden. Dan. 9, 25 ; gehe 
aas bald auff die Strassen vnd gassen der 
stad. Lue. 14» 21 ; vnd sie giengen hin eine 
gasse lang, aposi. gesch. 12, 10; mein ore 
hörets ferne, so hörets einer gaseen weit. 
vom abendmal Chrisli. (1528). rüj*; die 
rhumretige Hansen in allen gassen, die desz 
sacks wollen fünff zipffel haben vnd alles 
regieren, tischr, 187**. 

llaaseBgckeB^ o. nächlUches umher- 
schweifen auf den gcusen: des gassengehens 
und nachtgeschreys ist ja, golt lob, nicht 
sonderlichs wie es vor zeiten gar gräulich ge- 
west. de Weite br. 4, 694. 

(lasscnnäkrlein (gassenmerlin), n. gas^ 
senmährchen : eine öffentliche predigt mehr 
vermag denn hundert tabern geschrey vnd 
gassenmertin. de Weite br. 6, 264. 

fiassesraiker^ m. straszenräuber : Stras- 
sen oder gassenreuber. ausleg, der ep. vnd 
euang. van ostem, (1544). HH 5^ 

(SassensMt, f. 4 Mos. 22, 39, wörtliehe 
Übersetzung der moabilischen stadl Mirjath 
Chuzoth. 

Catt, m. hospes, eonviva, mhd, ahd. gast 
{Ben. 1, 485'. Lexer 742. Graff \, 268). 

1) fremdling, ausländer : gast sein, frembd- 
ling sein, gl, zu 1 Mos. 47, 4; ich bin 
ein gast worden in frembdem lande. 2 Mos. 
18, 3 (vgL 2, 22); so soltu jn auffnemen 
als einen frembdlingen oder gast. 3 Mos. 
25, 35; ich bin ein gast (var. frembdling) 
auff erden, ps. 119, 19; warumb stellestu 
dich, als werestu ein gast im lande. Jer. 14, 
8 ; ich bin ein gast gewesen vnd jr habt mich 
beborberget. Matth. 25,35; auslender vnd 
gesle. apost. gesch, 17, 21. — noch han- 
deln die heilosen ieute gegen mir , als were 
ich ein gast jnn jrer kunst. von dolmetschen. 
(1530). Bj*, 

2) conviva, invilus: das ist doch nit an- 
ders, denn als war gott selbs e. k. f. g. täg- 
licher gast, de Welle br. 4, 21; denn der 
herr hat ein schlachtopffer zubereitet vnd 
seine geste dazu geladen. Zeph, 1, 7 ; vnd 
sandte seine knechte aus, das sie den gesten 



zur hoehzeit ruffeten. MatUh. 22, 3. — zu 
gast laden, bitten, haben: vnd er lies zwei 
feiste rinder schlachten vnd vier schafe vnd 
lud alle seine nachbam vnd freunde zu gast. 
Tob* 8, 21 ; vnd ledet dich ein mal oder 
drey zu gast. Sir. 13, 8; doch bat vns zu 
gast doctor Heinrich Aurbach. Jen. 1, 147*; 
hertzog Georg hat vns auch alle drey zugleich 
zu gast gehabt, ebend, 

Cattfreiy f, couvtmiim, gaslmahl, bei L. 
gesterey . Burhhardt briefw. 293. 

testfrei j hospüalis: gastfrey heysst der 
da gerne herberget, ep, s. Petri gepredigt, 
(1523). Zj*; seid gastfrey yntemander on 
murmeln. 1 Pet. 4, 9 ; gastfrey zu sein ver- 
gesset nicht. Hebr. 13, 2. 

tesfbais^ n. deversorium, fremdenher- 
berge : wo ist das gasthaus, darinne ich das 
osterlamb esse mit meinen Jüngern ? Marc. 
14, 14 ; ynn des mancher böser mensch ym 
gasthaus oben angesessen, post, (1528). bl. 
82 ^ — mhd, gasthAs {Ben. 1, 7SS^.' Lexer 
742). 

dtslkaf^ m. dasselbe : da wir mit einan- 
der in einem gasthoff vber nacht ligen. aus- 
leg. der ep. vnd euang. von osiem, (1544). 
N 6*; des lands, stad oder gasthoffs recht 
vnd sitt^ ebend. N 7 * ; schandbare wort 
sind die vnzüchtigen wort,... wilche man 
viel pflegt zu brauchen ynn gasthöffen. post, 
(1528). 329 ^ bildUchvan der erde als 
herberge der himmelsbürger : darümb stellet 
euch auch als frembdlinge vnd geste in die- 
sem fremden lande vnd gasthofe , daraus jr 
nicht mehr nemet denn essen, trincken, klei- 
der, schuch vnd was jr bedürfft zu dieser 
nachtherberge. Eisl. 2, 138*. 

daatlickj adv, nach weise eines gasles, 
wie es sich für einen gast schickt: wiltu ein 
gast sein, so mustu dich auch friedlich vnd 
gastlich halten, ausleg, der ep, vnd euang. 
von ostem. ( 1 544). N 5^ — mhd. gastliche 
{Ben. 1, 486*). 

fiastugj f. beherbergung undverpftegwag 
von fremden, de Wetie 6r, 6, 330. — n^ul. 
gaslunge {Ben, 1, 487*). 

testweise, adv. als gast, als fremder, 
mhd. gastwise {Lexer 743): vnd wonetea 
daselbs gastweise. 2 Sam, 4, 3. 

fiitei (geten), n. runcatio : wens nu auff- 



GATTER 



13 



6AUKELER 



gehet, wird sich vnkraut vnd der feile so yiel 
finden, das getens vnd flickens gnug sein 
wird. Jen. 3, 437 ^ — g /Ür j, denn mM. 
gSten, j^ten {Ben. 1, 538''), ahd. jätan 
(Graff 1, 594). 

tetter^ m. claüm, 'verschränkte eiäbe* 
Verbindung' (Weigand), in folgender stelle 
s. o. a. häfig: vnd stiessen jn gebunden in 
ein gatter {vulg. cavea). Exech. 19, 9. — 
niM. gater {Ben. 1, 489 \ Lexer 743). 

tettonhity m. litis der über den gatter 
gefordert und gereithl wird, de Wette &r. 
6, 62. — mhdm gaterzins (Ben. 3, 899*. 
Lexer 744). 

MtiBg^ gattunge, f. genus, *dae durch 
Verwandtschaft xusammengehörige' {Wei" 
gand): aber mal ist gleich das himelreich 
einem netze, das ins me«r geworffen wird, 
da Düt man allerley gattnng fehet. Malih. 
13, 47; Ihiere einer iglichen gattunge. der 
proph. Saeharja. (1528). N j ^ 

teich^ m. alter name des kuekuks, mhd. 
ahd. gouch (Ben. 1, 558*. Graff 4, 133), 
dsent be% L. 

1) wie auch in der älteren spräche als 
beseichnung eines einfälligen, dummen men- 
schen, eines thoren, narren : doctor Goch- 
lens, welchen ich pflege zu nennen doctor 
Rotzleffei odder doctor Gauch, die kl. ant- 
wort. (1533). Aij*; weil er nu fület, das er 
zu Wormbs so mit schänden bestund vnd 
noch jmer ein gauch sein mus. ebend. G j** ; 
kere dich nichts an hertzog Georgen vnd 
seiner geuche schreien vnd iestem. ebend. 
Giij*; der alte narr vnd gauch. von den 
Juden. (1543). Xiij*^; das heyst denn gott 
für eynen gauch odder hültzem putzen ach- 
ten, das 14. vnd 15. cap. Joh. (1538). 
aaa iüj*; das er seynen vnnd aller herrn nitt 
hoher geschetzt hatt, denn an dem er seynen 
gauch vnd allen bette, ausleg. der ep. vnd 
euang, vom ehristag. (1522). Qqiüj^ 

2) gauch mm scherz : eyn iauff odder gauch 
machen, etn Widderspruch, (1521). Aiij *. 

lÜi^lei (geuchelei), f. narrheit, thor- 
heit: es mus seyn eygen trawn vnd Ecolam- 
pads zeicheley vnd geucheley heissen. das 
diese wort etc. (1527). eiij*. 

fiäicherti ^geucherei», f. dasse^: doch 
das er nit aber tzornig werde vnd klage seyn 



ding sey eyn geucherey vnnd iaufferey. ein 
Widderspruch. (1521). Aiüj*; las die narrey 
vnd geucherey (sren. von den Juden. (1543). 
Bj**; haben doch die Türeken auch solch 
geucherey vnter sich, vom schem hamplH>ras. 
(1543). Dj^; geucherey vnd narrenspiel. 
ebend. ¥\^; sie Iestem woi seer, allein zn 
wider vns Christen mit vngeschickter hos- 
hälftiger geucherey. von den leisten werten 
Davids. (1543). Giiij*; sie haltens für geu- 
cherey vnd lauter narrwerck. wider das 
bapstum. (1545). Riij': geucherey vnd 
narrenteiding. ebend. Yij^ 

Ciifhlete Tgeuchlin), n. kleiner thor, 
dim. von gauch : lesst mich auch durch sein 
geuchlin vnd nerrlin schrilftlich oder buch- 
stäblich für aller weit schelten, die kl. ant^ 
wort. (1533). Aij*; neben seines geuchlins 
doctor Rotzleffels schrifft. ebend. Ai]**. — 
mhd. gouchelfin (Ben. 1, 558 ^j. 

Iinif. m. s. jauf. 

(JMikelclj geukclei (geugeley. buUa cene 
domini. 1522. Eiij*), geuklei, f. \) trie- 
gerisches blendwerk: das Jhesus die teuffei 
recht austriebe vnd kein geuckley were. 
vom schem hamphoras. (1543). Fij*. in fol- 
genden stellen s. v. a. tmgschlüsse : schreien 
vnd schreiben eitel lügen, folgerey vnd gau- 
ckeley, das sie selbs nicht gleuben, das (dasx 
es) war sey. eine bericht. (1528). Hij''; 
das sage ich darumb , xlas man greiffe , wie 
der Zwingel mit gauckeley vmb gehet vnd 
solch lose geschwetz seinem yrthum zu 
gründe legt. vomabendmtU Christi, (1528). 
m ij * ; eben der selbigen klugheit ists, das er 
(Ecolampad) für gibt, weil das abendmal ein 
sacrament sey , so müssen die wort auch sa- 
cramentlich zuuerstehen sein ... wo für sol 
doch solch geuckeley? ebend. ([ in'} ^. 

2) närrisches wesen, possen : lesst die%veU 
den Mahometh mit seiner tyranney vnd den bapst 
mit seiner geuckeley machen, was sie machen. 
vorr. aufdenproph. Hesekiel, Bindseil 7, 
353 ; das man die weü wol würde vergessen 
des kinderspiels vnd narrenwercks von lan- 
gen rocken, grossen platten, breiten gürtein, 
bischoffs vnd cardinals hüten oder stehen vnd 
der gleichen geuckeley. artickel. (1538). 
Aiiij*. 

Caikekr, gaukler, geukder, geukler 



GAUKELGESCHWÄTZ 



14 



GAUKELPLAN 



(geugler. vermanung xum saerament, 1530. 
Diij*), m. praesligiator, lascheiMpieler, he- 
Irieger, mhä, goagela?re, gookelaere (Ben, 1, 
540 *j: wiltu noch nicht greiffen, das vnser 
geist kein gauckeler sey. vom abendmcU 
Christi. (1528). lij"; wo etwa ein geugler 
kompt, der auff dem seyle gehet odder äffen 
veyl hat. der ili. psalm. (1530). Diij^; 
ists aber der geuckler einer, die vnter dem 
hiiüin spielen, an die Christen zu Franck" 
fort. (1533). Bj^; er (^o«) feret nicht erab, 
das er allein wolle ein ledig gesiebt zeigen 
als ein Schemen oder gespenst, wie ein gauck- 
ler. von der heil, tauffe. (1535). Gij*; in 
des sehen vnd hören wir, wie der bapst so 
ein meisterlicher geuckeler ist, denn gleich 
wie ein geuckler den albern leuten ins maul 
gülden gauckelt, aber wenn sie es auffthun, 
so haben sie pferds dreck drinnen, so thut 
auch dieser schendlicher lecker Paulus Ter- 
tius. wider das bapstum. (1545). Aiij'; wie 
die stocknarren oder geuckler liegen, vom 
schem hamphoras. (1543). Fj^; Christus 
nicht ein solcher geuckler ist, der mit halben 
Worten redet, das 5. 6. vnd 1. eap. s. 
Malthei. (1532). Niij^ Christus hat mit 
seiner ler,e vnd auslegung jr narr vnd geuck- 
ler müssen sein, ehend. Aiij'. vgl. göck- 
1er. 

CaHkelgesehwiti (gauckelgeschwetz) , n. 
thöriehtes gerede : das nu solch gauckelge- 
schwetz erkant werde, auff das vbirchrist- 
lieh buch. (1521). Ciij '^ ; an stat der warheit 
solch yrthumb, Ittgen vnd gauckelgeschwetz 
haben, anlwort deutsch. (1522). Aj^ 

ClaHkelgeseti (kaukelgesetz), n, thörieh- 
tes, albernes gesetz : der bapst hat ynn sey- 
nem kauckelgesetz das ding szo enge gespan- 
nen. von der beieht. (1521j. hiiijV 

taikelhlnmel^ m. wie man den kindern 
pflegt für zu bilden einen gauckelhymel, 
darynn ein gülden stuel siehe vnd Christus 
neben dem vater sitze ynn einer korkappen 
vnd gülden kröne, das diese wort etc. 
(1527). fiij^ 

fiaikelkirche^ f. falsche hirche: das die 
armen seelen nicht mehr so kleglich durch 
solche triegerey vnd gauckelkirchen verfüret 
werden, grund vnd vrsach. (1520). aij*. 

(laikelmaiiDi geukelmann, m. l)gaukler: 



sonst lenget man yhn (goll) an vnd helt yhn 
für ein gawckdman. ep. s. Petri gepredigt.. 
(1523). Zij^ 2) narr: treiben also niit der 
gantzen Christenheit jr gespey vnd gehey al» 
werens eitel geuckelmenner oder puppen, die 
schlecht nichts mercken künden, wie gar 
falsche büberey sie für geben. Jen. 6, 571^» 

fiaikelHiaileii (gauckelmenlin), n. dim. 
des vorigen, närrchen : vnd spottet sein dazu 
als seines narren vnd ganckelmenlins. von 
den condlijs. ( 1 539). A ij* ; narren vnd gaug- 
kelmenlin. ebend. kiij^. vgl. göckelmänn- 
lein. 

(laikeli (gaugeln, gaugkeln), geukeln» 
mhd. gougeln, goukdn (Ben. 1, 540*), ahd. 
gougalon {Graff 4, 134). 

1 ) Zauberei, triegerisches blendwerk trei- 
ben oder machen h gleich wie auch der bapst 
mit seinem chresem , weich wasser vnd saltz 
geuckelt vnd zeubert. zwo predigt auff der 
kindertaufe. (1540). Fij^; gleich wie ein 
geuckler den albern leulen ins maul gttlden 
gauckelt. wider da^ bapstum. (1545). Aiij*; 
ehe wir vns vmbsehen , so hat er vns pferds 
dreck ins maul gegeuckelt. ebend. 

2) triegerisches spiel mit worlen treiben: 
gaugkeln also mit dem befelh vnd wort 
gottes. von den schlüsseln. (1530). Güj^; 
wolan ich künde wol leiden, das sie mit der 
schriift also gauckelten vnd narreten, wenn 
sie es heimlich bey sich selbs Iheten. widder- 
ruff vom fege feur. (1530). Biiij*; aber es 
ist der teufTel , der also geuckelt vnd würfel 
spielet mit der schriift. da« 14. vnd 15. cap, 
Joh. (1538). Xüij^; ja es ist gut gauckeln 
mit concüijs vnd vetern ». wenn man mit den 
buchstaben alfentzet. von den condlijs. 
(1539). Hij"; was istsnu wunder, das 
leichtfertige schwermer mit den worlen ^es 
abendmal» nach yhrem dunckel gauckeln. dcu 
diese wort etc. (1527). biiij^. 

3) narren : was halt der teuffei sonst zu 
schaffen auff erden, denn das er mit seynem 
volck also gauckele vnd fasznachtspiel treybe ? 
von weltlicher oberkeit. (1523;. Eüj*; wenn 
narren ynn der fastnacht so gaugelten, gienge 
es wol hyn. das ander legi widder die hymi- 
tischen Propheten. (1525). Biij*. 

fiaakclBarr^ m. s. gockelnarr. 
daakelplaa» m. platz, auf welchem der 



GAUKELR£CHT 



15 



GAUMEN 



gaukler seine künsle auffvhrl : were besser, 
das man solch weseo auff dem gauckelplan 
triebe. posL (1528). 237 ^ 

CBlkclrcckti n. fäUehliches recht: das 
lesterlieb gauckelrecht oder regiment des 
bapsts. van den condlijs. (1539). kiij''. 

CiAikelMck (gaugelsacfc. von den ieMüs* 
eeln. 1530. Giiij.'Jlf geukeisack, m. sack, 
taiche des gauklers, mhd. gougelsac (Ben. 
2'^, 3^): aber du feindseliger Lulher reissest 
mir hie dem gauckelsaek den boden aus. 
vom abendmal Christi, (152S). 1 j**; da soll 
sich aller erst ein gerümpel ynn Zwingeis 
gauckelsaek heben, ebend, lij*; aber der 
geist kan hie wol seinen gauckelsaek anruf- 
fen, das er yhm eraus gebe etwa eine alleo- 
sin. ebend. ; zuletzt ist noch der geuckeisack 
des bapsts dahinden von nerrischen vnd kin- 
dischen artikeln. arttcfte/ e(c. (1538). Hiiij*; 
aus des bapsts vnd seiner nicklas bischolfe 
geuckeisack. das 16. cap» s, Joh, (1538) 
Piüj^; da sitzt der kautz zu Rom mit seinem 
geuckeisack. vier predigten. (1546). Riij^ 

(laHkelsplel , n. spiel zur kurzweil, 6e- 
lustigung, possenspiel : die pfaffen so leicht- 
fertig mit dem sacrament handelten als were 
es ein gauckelspiel. wamunge an s. l. Deud" 
sehen. (1531). Fiiij"; das sie so sicher vnd 
fein rips raps kundten messe halten, als trie- 
ben sie ein gauckelspiel. von der winket- 
messe. (1534). Ej*; {die beschneidung) 
nichts mehr ist, denn ein leufels gauckel- 
spiel, da mit er sie (die Juden) wie auch die 
Türcken efiet vnd nerret. von den Juden. 
(1543). Gij'; was ist das halten der andern 
gesetze, denn ein lauter gaukelspiel vnd fast- 
nachtslarven. ebend. Uij'. — mhd. gougel- 
spil(Äeii. 22, 501*»). 

fiMkelsäii4e^ f. falsche erdichtete sünde : 
aber an solcher grewel stal lereten sie die 
gauckelsünde , so widder yhr lügen gesetze 
geschehen wareu. von den schliisseln. ( 1 530 ). 
Kiij*. 

Haikeiwerk (gauckelwergs geukelwerk, 
fi. 1) triegerisches blendwerk: das gauckel- 
werck der schwarzen kunst. Weisheit 17» 7. 
falsche^ täuschende folgerung: awe, es ist 
gaackelwerck vnd keyn grund da. das ander 
legi Widder die hymlischen proph, (1525). 
Dj'; den lel were k vnd geuckchverck. das 



diese wartete. (1527). dij*; wir lassen hie 
keine alleosin noch heterosin noch ithipeian 
zu, noch einiges geuekelwerck das Zwingel 
aus seinem gauckelsaek erfur bringt, vom 
abendmal Christi. (1528). lj\ 

2) passen, leere, ceremanien : der bischoff- 
gotzen lugenhafltig gauckelwerck die ferme- 
lung. wilehe personen etc. (1522). Aij*; als 
stünde eyn christlich wBsen ynn solchem eus- 
serlichem gauckelwerg. widder d. hyml. pro* 
pheten. (1525). Giij' ; sie (die papisten) haben 
gotts wort auff yhre gauckelwerg gezogen. 
der proph. Sacharja. (1528). Z iiij ' ; sind 
nu keine sünde hie, so mus beide binden vnd 
lösen ein lauter gauckelwerck vnd affenspiel 
sein, van den SQhlüsseln. (1530). Giij^; 
darnach von liecht weihen, palmen, fladeu 
weihen, würtz, hafern etc. . . . vnd des gau- 
ckelwercks vnzelich viel, artikel etc. (1538). 
Hiiij'; mit gauckelwercken gott dienen. 
der deudsche psalter. (1541). Uiiij^ 

Claikler^ m. s. gaukeler. 

dänklerei fgeucklerei), f. was gaukelei: 
daher verwerfen wir auch den bapst sampt 
seiner gantzen kirchen , der hat alle weit er- 
füllet mit gleicher geucklerei , zauberey, ab- 
gö tterey . vom schem hamphoras. (1543). 

DJ*. 

üslmI, m. equtAS, pferd : hund vmb hund, 

gaul vmb gorren. vom abendmal Christi. 
(1528). mj^; der gaul istgezeumet vnd ge- 
sattelt, setze drauff auch einen nacketen kna- 
ben, der reiten kan , so gehet der gaul eben 
so wol, als wenn jn der keiser odder bapst 
riite. von der winckelmesse. (1534). Liiij^; 
ein stetiger gaul. tischr. 406*^; die bösen 
schelhgen geule. ausleg. der evang. an den 
fümemisten festen. (1527). Yij'; die kollern 
vnd tollern geule. der 101. psalm: (1534). 
Niiij'^; man höret, das jre rosse bereit 
schnauben zu Dan vnd jre geule schreien. Jer, 
8, 16; vnd wiehert wie die starcken geule. 
50, 11. das m,hd. giül (Ben. 1, 586*), wel- 
ches den eber und auch das ungeheuer be- 
deutet, gieng nach Weigand (wtb. 1, 
393) etwa mit dem 15. jh, auf das pferd 
über. 

ClaHMeBj m. palatum: zunge, gaumen 
vnd kele. von der winckelmesse. (1534). 
Kj^; meine zunge klebt an meinem gaumen. 



Gfi- 



16 



GEBÄRDE 



ps. 22, 16; dem seugling klebl seine zunge 
an seinem gaumen für durst. klagL Jer, 4, 
4. einmal {Hioh 29, 10) bei L. auch das 
md. güme. — mhd. guome, goume (Ben. 1, 
587*)» ahd, guomo, goumo, giumo {Graff 
4, 206). über die elymolqgie $. Weiland 
M(b. 1, 393. 

Üt'f unbetonte, untrennbare partikei in 
xueammensetzungen vor subetanliven j ad- 
jeeUven und verben, mhd. ge-, gi- {Ben. 1, 
490), ahd, ga-, ka-, gi-, ki-, ge-, ke- 
(Graff 4, 10 tf-)f 9oth. ga »» lat. cum mit, 
zusavMnen. 

1) L. bietet noch mehrere mit ge- com" 
pon, Wörter, toeldie die heuUge spräche hat 
abkommen lassen, z» b. gegatte (gälte), ge- 
gitter, gerecht (=• recht n.), geschrift, ge- 
schmuck, gestift («» Stiftung), gestwm 
(Sturm), gezeit (zeit), gezelt, gezeug, gezeug- 
nis, gezwaug ; gelieb («» lieb) ; gehaben, ge- 
helfen, gelebeu, gestehen (kosten), gewach- 
sen. 

2) umgekehrt erscheinen manche unserer 
heutigen, mit dem praeßx ge- zusammengc' 
setzten Wörter bei L. auch noch ohne das- 
selbe, z. b. berde, bet (beet), bot, brauch, 
dank, fahr, fahrlich, fährlichkeit, lindigkeit, 
ruch, schmack, stank, unziefer, hurtig, ba- 
ren, berden, horchen, reichen für gebärde, 
gebet, gebot, gebrauch, gedanke, gefahr, ge- 
fährUch, gefährhchkeit, gehndigkeit, geruch, 
geschmack, gestank, Ungeziefer, gebürtig, 
gebaren, gebärden, gehorchen, gereichen. 
einige der angeführten wÖrter gebraucht 
L, herrschend in der einfachen form, so 
brauch, fahr, fahrlich, fährlichkeit, unziefer; 
neben lindigkeit, ruch, schmack, stank kommt 
auch die mit ge- compon. form vor ; ein- 
zelne, wie z. b, bet, bot, dank (»s gedanke) 
begegnen nur in den früheren Schriften. 

3) die wegwerfung des e uiUerbleibt noch 
öfter bei gUed statt gelied, gnade st. genade, 
vereinzelt auch bei glück; bei genug und 
den davon gebildeten wörtem dagegen bil- 
det die apocope des e die regel. 

4) die bildung des part. praet. mit be- 
tritt, wie bereits vorr. XVllJ bemerkt 
wurde, bei L. anfangs (bis gegen das jähr 
1524) weit spärlicher auf, als in den spä- 
teren Schriften, aber auch in diesen begeg- 



nen noch mehrere verben, z. b. bleiben, 
bringen, ünden, geben, gehen, kommair krie- 
gen, lassen, offenbaren, treffen, ziehen u. a., 
im part. praet, vielfach ohne augmenl. 
eigenthümlich erscheint regieren im part, 
praet. wiederholt mit dem praefix: oder ist 
hierbei ein verb geregieren (vgl. mhd. gere- 
gieren, geregnieren Ben. 2, 61 1 '') anzuneh* 
men? auch gestudirt begegnet. 

5) in L.*s frühester sehrifi : ein geystlich 
edles buchleyn v. j. 1516 erscheint die Par- 
tikel ge nach können auch vor dem inßn., 
wie dies in Hessen noch heute der fall ist 
(Vilmar idiot, 120), z. b. der mensche 
kan ym diser keins gegeben oder genemen. 
a. a. 0. fi j *. hierher gehört wohl auch die 
aus den predigten über das erste buch Mose 
(1527) entnommene var. zu 1 Mos. 7, 14: 
alles was gefliegen kund. 

Htkikilf ttf part, geächtet, s. ächtigen. 

Iiebackeiij part. adj. : vnd heissen vnsern 
gott den gebacken got. das diese wort etc. 
(1527). bij*; allerley gebacken speise. 1 
Mos. 40, 17. subst. : wil er aber sein speis- 
opffer thun vom gebacken im ofen. 3 Mos. 
2, 4 ; vom gebacken in der pfannen. v. 5 ; 
ich habe nichts gebackens. 1 kön. 17, 12 ; 
maclie mir am ersten ein kleines gebackens 
dauon. v. 13. 

SeUknt (gebeent, gebenet), part. v. 
bahnen (s. d.), adj. : wir wollen auff der 
gebeenten Strasse ziehen. 4 Mos. 20, 19; 
auff dem gebeenten pfad ist kein tod. spr. 
12, 2S; richte dein hertz auff die gebenete 
Strasse. Jer. 31, 21. 

debarde (geberde, geperde), n. gestus, 
mhd. gebaerde (Ben. 1, 149*. Lexer 747), 
ahd. gibärida (Graff 3, 150). 

1 ) äuszere erscheimmg, aussehen, gestalt : 
lieben brüder seid gesynnet vnternander, wie 
ylu* sehet yn Christo, wilcher da er ynn 
gottes geperden war, lies er sich nicht dun- 
cken, er hets mit raub erlanget, gott gleich 
zu sein, sondern er eussert sich sein selbs 
vnd nam an sich die geperde (wohl pL, da 
sonst das wort nur als n. vorkommt) eins 
knechts. po«l. (1528). 24% var. zu Phil. 
2, 5 — 7 ; Christus verächtlich geberde. ebd. 
56*; am wort hanget er (der glaube) allein, 
vnd gar nichts am gesiebt odder geperde. 



GEBÄRDE 



17 



GEBAREN 



ehend. 9 * ; auff das der mensch das greszlich 
geperd vnd büd des todts tieff betrachte. 
serm. von der bereitung zum sterben. (1519). 
a ij^ ; die da haben das geperde {den schein) 
eynes gottseligen ^andeb. 2 Tim, 3, 5 tu 
der 1. ausg, des n. lesL; ein geperde der 
fnimkeyt. auff das vbirchristi. buch. (1521). 
Oj^; alle ding gelien jnn schönem geberd 
vnd gepreng. das 5. 6. vnd 7. cap. s, 
Matthei. (\bd2). Güj^ 

2)« äuszerlieh sichtbares benehmen in 
bewegung und handlung : ein mensch, dem 
leid vnd vbel zu mute ist, der hat auswendig 
elend geberde {originaldruck: die sieben 
buszpsalm. 1517. C 5* hat hier gebirde, u>, 
m. s.), sclilecht {schlägt) das heubt nider 
vnd lüstet jn das heubt nicht auffheben. Jen. 
1 , 24* ; vnd sibe wie er sein gebet beschreibt, 
das er sich auch mit eusserlichen geberden 
des knie beugens dazu stellet, ausleg. der 
ep. vnd euang. von ostem. (1544). Pp6*; 
ein vernuniTtiger merckt den man an seinen 
geberden, denn seine kleidung, lachen vnd 
gang zeigen jn an. Sir. 19. 26. 27; sie 
{die Jünger) haben wol gedacht, es müsse 
war sein, was er sagt, weil sie sehen solche 
newe geberde (pl.) nach der letze, das er 
von newes anfehet, von newes dancket, von 
newen das benedicite spricht, vom abendmahl 
Christi. (1528). yi]"*; eusserliche jrdische 
geberden stellen {äuszerliche ceremonien 
aufstellen), von den schlitsseln. (1530). 
Bj**; kein eusserlich ding fordert odder 
lülfft vns für golt, dennoch müssen wir eus- 
serlich ding vnd geperde halten, so dazu 
dienen, das man die leute zum wort gottes 
halte, vber das erste buch Mose. (1527). ee 
ij^ ; das reich gottes kompt nicht mit eusser- 
lichen geberden. Luc. 17, 20; ich mag des 
nicht, der stoltz geberde vnd hohen mut hat. 
ps. 101, 5; freundlich geberd geben. auS" 
leg. der euang. von ostem. { 1 527 ). g j ' ; 
sawre, ernste geberden. Jen. 1, 194**; mit 
seinen freundlichen geberden holet er dich 
aus. Sir. 13, 14. 

3) gebärde «=» gesicht, antlitz : da er- 
grimmet Kain seer vnd sein geberde verstellet 
sich. 1 Mos. 4, 5; wenn sie {die frau) 
böse wird, so verstellet sie jr geberde vnd 

DnT2, Wdrterbncli. IL 



wird so scheuslich wie ein sack. Sir. 25, 
23. vgl. noch das einfache bärde. 

SeMriei (geberden, geperden), gestire, 
se gerere, sich benehmen, handeln, ver- 
fahren: das sich eyner stellet ab eyn gott 
vnd auch also geberdet, ausleg. der ep. vnd 
euang. vom heil, dreykönigefest. (1525). 
yiij * ; darümb mus er {Abraham) einen hohen 
geist gehabt haben, ders yhm gesagt hat, das 
er vnter den dreyen {im hain Mamre zu 
ihm gekommenen männem) einen sihet der 
gott ist vnd die andern enget, vnd doch alle 
drey annimpt wie menschen, als sie auch ge- 
perden. vber das erste buch Mose. (1527). 
s iiij ^ ; ich wils vber dein dencken vnd ver- 
nunfft machen, wil dazu geperden ab wolt 
ich liegen vnd eben das widderspiel thun. 
ebend. x iiij * ; {Paulus) ass, tranck vnd ge- 
berdet mit den Juden nach dem gesetz... 
vnd mit den. beiden ass, tranck vnd geberdet 
er on gesetz. post. (152S). 60^; {Christus) 
also redet vnd geberdet, wie er leute für jm 
hat. das 16. cap. Joh. (153S). Gciiij^; ein 
verstendiger geberdet weislich, spr. 17, 24; 
die am aller fürstlichsten geberden wollen. 
der proph. Daniel {\bZO) Aiiij''; wol ists 
fein , wo eine jungfraw oder weih from ist, 
da$ sie ehrlich vnd reinlich gekleidet vnd ge- 
zieret sey vnd eusserlich fein züchtig geberdet. 
von den Juden. (1543). Hüj*. eigenthüm^ 
lieh ist ein unpersönliches es geberdet «» 
es hat ein aussehen, eine gestalt : auch %vere 
es kein glaube, wo es schyene vnd geperdet 
v>ie der glaube acht vnd die wort lautten, 
vnd eben darumb ists glaube, das es nieht 
scheinet noch geperdet, wie der glaube vnd 
die wort lautten. post. (152S). 9*. heute 
ist nur noch sich gebärden üblich, vgl. auch 
bärden. 

fiebMIeis (geperde), n. dim. von ge- 
bärde : wo das nicht da were, szo were das 
ander eyttel gepertle vnnd geperden. aiiU 
wort deutsch. (1522). £j*. 

fiebarei; handeln, verfahren: wer hat 
yhm {herzog Georg) die macht gegeben . . . 
damit {mit einem briefe L.*s) zu handeln 
vnd gebaren mit freuel. von heimliehen vnd 
gestolen brieffen. { 1 529). Aiüj ^ ; damit öffent- 
lich vnd freueUch gebaret seines willens. 
ebend. h}*; damit gebaren seines gefallens. 

3 



GEBÄREN 



18 



GEBÄREN 



timer amt iemkokeu arückeln. (1537). Ciij** ; 
<L« harn der niiuersiut jrs geCallens mit mir 
^dbrctt« Jen. 1, 129^; »o faren vnd geba- 
m SM doch do mit als hetten sie es gestoleo. 
äerlW.j^lm. (1530). Dj*; (der bapsl 
kai) damit («tl den schiü$seln) gebaret, als 
werm sie seyn allein vnd eigen, wider d<u 
hap$imm. (1545j. Aaiiij^ — mhd. gebären 
(Ben. 1, 146'. Lexer 748). vgl auch 
baren. 

CcUmi fgeberen, anfangs geperen), pa- 
rere, hervorbringen, mhd. gel)^rn {Ben. 1, 
156 ^ Lexer 752), ahd. gi-gabSran (Graff 

3, 143;. 
fonnen. 

praes, $g.: idi gebere. Jes. 23, 4. GaL 

4, 19; da gebirst. richL 13, 3; gebierest. 
Jes. 45, 10. 54, 1. GaL'A, 27; er (sie, es) 
gebirt 3 Mos. 12, 2. 5. 7. 5 Mos. 25, 6. 
Hiöb 15, 35. 24, 21. Joh. 16, 21. GaL 
4, 24; gebiert. Jes. 66, 7. /ac. 1, 25; pl. 
geberen ; praet. gebar (eonj. gebere, einmal 
gebäre. po«l. 152S. 155''); pari, geboren 
11« gebom. beispiele s. hernach, {als selten- 
heil darf hier feohl ein in Gersienberger* s 
Chronik [mon. hass. 1 , 38] erscheinendes 
schwaches praet. geberte angemerkt wer- 
den.) 

gebrauch. 

1) von menschen, erzeugen, ein hind zur 
weit bringen, a) vom vater, von welchem 
jetzt zeugen gesagt wird : Abraham hat ge- 
pom Isaac. var. zu Matth. 1,2; vnd er ge- 
par Isaac. var. zu ap. gesch, 7, 8; du bist 
mein son, heute hab ich dich geporn. 13, 33. 
in diesen stellen wurde in späteren ausgg. 
zeugen gesetzt; doch hat die bibel v. 1545 
noch einige mal gebären »» zeugen: Hur 
gebar Vri. Vri gebar Bezaleei. 1 chron. 2, 
20 ; Segub aber gebar Jair. v. 22, obgleich 
es Jer. 30, 8 dem heuligen sprachgebrauche 
gemäsz heiszt: forschet doch vnd sehet ob 
ein mansbilde geberen müge. b) häufiger 
von der mutter: vnd zum weibe sprach er . . . 
du solt mit schmertzen kinder geberen. 1 
Mos, 3,16; vnd sie (Heva) ward schwanger 
vnd gebar den Kain. 4, 1 ; vnd sie für fort 
vnd gebar Habel seinen bruder. v. 2 ; wer 
dflrfft von Abraham sagen, das Sara kinder 
seuget vnd bette jm einen son geborn in 



seinem alter? 21, 7; Milca hat auch kinder 
geborn. 22, 20 ; die ebreischen weiber sind 
harte weiber, ehe die wehmutter zu jnen 
koropt, haben sie geborn. 2 Mos. 1, 19 ; da 
deine mutter dich geboren hatte. hoheUed 
8, 5 ; ein weib wenn sie geliirt, so liat sie 
trawrigkeit . . . wenn sie alier das kind ge- 
boren hat, dencket sie nicht mehr an die 
angst. Joh. 16, 21. c) geboren werden: 
da werden teglich kinder geporn. an die 
radherm. (1524). Bij*; sol mir hundert jar 
alt ein kind geboren werden. 1 Mos. 17. 
17; vnd Abraliam hies seinen son, der jm 
geborn war, Isaac. 21,3; vnd Joseph wurden 
zween söne geboren. 41, 50; der tag. müsse 
verloren sein, darinnen ich geborn bin. Hiob 
3, 3 ; ich bin dazu geboren, das ich mit den 
rotten vnd teuffein mus kriegen, die ep. s. 
Pauli zu den Coloss. (1529). Aij'; wir sind 
alle von natui* lügner,* in erbsttnd vnd bliad- 
heit geboren, ausleg. der ep. vnd euang. 
von ostem. (1544). yij^ d) von der geist- 
lichen geburt, Wiedergeburt: meine lieben 
kinder, welche ich abermal mit engsten ge- 
bere. GaL 4, 19; es sey denn, das jemand 
von newen geborn werde, kan er das reich 
gottes nicht sehen. Joh. 3, 3 ; darumb hat 
Christus wollen geporn werdenn, auff das 
wyr durch yhn anderweytt gepornn wurden. 
ausleg. der ep. vnd euang. vom christtag. 
(1522). Fiiij'; daher ists auch so ein kreff- 
tig jüngelbad, das es den menschen new ge- 
birt. zwo predigt auff der kinderlauffe. 
(1540). Giiij^ 

2) von thieren, ein junges zur well brin- 
gen: weissestu die zeit w^nn die gemsen 
auff den f eisen geberen? Hiob 39 , 1 ; sie 
beugen sich, wenn sie geberen vnd reissen 
sich vnd lassen aus jre jungen, v. 3 ; wenn 
ein ochs oder lamb oder zige geboren ist. 3 
Mos. 22, 27 ; alle erstegeburl, die vnter 
deinen rindern vnd schafen geborn wird. 5 
Mos. 15, 19. 

3) hervorbringen überhaupt: er gehet 
schwanger mit vnglück vnd gebirt mühe. 
Hiob 15, 35; mit vnglück ist er schwanger, 
er wird aber einen feil geberen. ps. 7, 15 ; 
aber der törichten vnd vnnützen fragen ent- 
schlahe dich, denn du weisseste das sie nur 
zanck geberen. 2 Tim. 2, 13; darnach 



GEBÄRER 



19 



GEBEIN 



weon die lust empfangen hat, gebiert sie die 
Sünde, die sünde aber wenn sie volendet ist, 
gebirt sie den tod. Jae. 1, 15; also mus 
jmerdar eine lügen die andern geberen. von 
den schliuseln. (1530). Fiiij^; also ge- 
bieret vnd heckt jmmer ein irrthumb den an- 
dern. Uschr. 296 ^ 

(leUrer (geberer), m. erxeuger, vater: 
denn durch das wörtlin 'deiner kindschaffl' 
drückt er aus den vrsprung vnd geberer vnd 
meister der selben kiudschaffl. Jen, 1, 101^. 
— mhd. gebörer {Lexer 752). 

Cebirerfi (gebererin), f. puerpera, krei- 
szende, mutier j mhd, geb^rerinne {Lexer 
752): bis das die gepererynn gepirt. posi. 
(1528). 216"; angst (ist sie angekommen) 
wie eine gebererin. pi, 48, 7 ; es wird jnen 
bang sein wie einer gebererin. Jes, 13, 8; 
ich höre ein geschrey als einer gebererin. 
Jer, 4, 31 ; Maria goltes mutier oder gottes 
gebererin ist. von den concilijs. (1539). 
Sj*. einmal sieht auch geberin: vnd weise- 
ten vns zu der' lieben gottesgeberin Maria. 
zwo schöne predigt, (1537). Dij^ vgl. 
gottesgebärerin. 

(lekanchj L. gebers, m. in der auch in 
Hessen vnter den hindern gebräuchlichen 
redensart: gebarsch nemmarsch (Älherus 
dict, Tt üj^; geh ars, nem ars), von solchen 
die gegebenes bald wieder nehmen : yhr (der 
weit) geben ist also, das die rechte band 
gibt, aber die lincke zu sich zeucht, das 
heisset man gebers nemers, wie die kinder 
vntemander spotten, das 5. 6. vnd 7. cap, 
8. MaUhei, (1532). e iiij "; die möchten 
heissen gebers nemers, geben sie es, so neraen 
sie es. wider das condlium obstaniiense, 
(1535). Biüj^; darumb wollen wir in dem 
concilio von vns begerd keinen Nestor leiden, 
der vns eins gibt vnd das ander nimpt. . . . 
vnd ist eiq rechter gebers nemers. von den 
concilijs, (1539). cij'; dennoch wollen 
sie den rhum haben, das sie gebers vnd nicht 
nemers heissen. wider den wucher zu prc' 
digen. (1540). Giiij'. 

lleUmg (geperung), f, partus, die ge- 
hurt: diese eine personliche geperung be- 
schleust ein natürliche gepurt. ausleg, der 
ep, vnd euang, vom christag, (1522). 



Oiiij*. post. (1528). 127 ^ — mhd. ge- 
b^runge [Lexer 752). 

debil (gebew, gebewe. post. 1528. 
315'), n. aedificium, gebäude, mhd, ge- 
biuwe (Ben, 1, 289*. Lexer 756): vnd er 
mas das gebew. Ezech, 40, 5 ; vnd er mas 
die lenge des gebews. 41, 15; das herrlich 
gebew ist verstöret. Sach, 11, 2; das sie 
jm zeigeten des tempels gebew. Matth, 24, 
1 ; man mus zum guten gebew nicht allein 
werckstuck , sondern auch füllestein haben. 
das man kinder zur schulen halten solle, 
(1530). Diij'; vnd füret es herein vnter 
einer gleichnis eines gebewes. das schöne 
conßtemini. (1530). Mj*; das die helle 
ein hültzen odder eisern gebew sey. von 
Jhesu Christo, (1533). Jj*; das die helfft 
solt gefallen zu dem gebew s. Peters kirchen 
zu Rom. wider Hans Worsl, (1541). Lüj*. 
bildlich : Christus sagt, die pfortenn der helle 
sollen nit vormugen widder sein gebew {die 
kirche)aiu(i den f eis. von dem bapstum, (1520). 
Gj' ; vnd ist das bapstumbs gepew auff diessen 
Spruch gegrundt. auff das vbirchrisllich 
buch, (1521), Kiij'. der pl. lautet ge- 
wöhnlich gebewe (gebew): denn wo so 
grosse vnmenschliche gebew geschehen, da 
müssen viel leute zugehören, die da erbeiten. 
der proph. Habacuc. (1526). lij^; das 
du dich auff deine gebewe verlassest. Jer. 
48, 7 ; es hgt fürwar nicht an steten vnd ge- 
be wen. Jen. 1, 27 2 ^ einmal begegnet je* 
doch gebawe : Moses macht ein tabernackeli 
mit dreyen vnderschidlichen gepawen. das 
magnificat. (1521). bij^ 

(Icbaii4e (gebewde), n. dasselbe: vül bes- 
serer thet der , der lauter umb gottis wUlen 
gebe tzu dem gebewde s. Petri. serm, von 
dem ablasz vnd gnade. (1518). Aüj *. 

Hthtf adj, annehmbar, mhd. gsebe (Ben. 
1, 509 ^ Lexer 721), in der redensart: 
genge vnd gebe. s. gänge. 

fiebeesl, gebenet, s, gebahnt. 

CekelB^ gebeine (gepein, gepeine), n. coli. 
zu bein, knochen, 'gesammtheit von knochen' 
(Weigand), mM. gebeine (Ben. 1, 101 ^ 
Lexer 748), oM. gibeini (Graff 3, 130). 

1) gebein, knochen: mein gebein hanget 
an meiner haut. Eiob 19, 20; meine ge- 
beine sind verdorret furhiue. 30, 30; seine 

3* 



GEBEISZE 



20 



GEBEN 



{des hehemoihs) gebeine sind wie eiserne 
stehe. 40, 13; alle meine gebeine haben sich 
zurtrennet. ps. 22, 15; da ichs wolt ver- 
schweigen, verschmachten meine gebeine. 
32, 3 ; vnd ehe sie anff den boden hinab 
kamen, ergriffen sie die lewen vnd zumalme- 
ten auch jre gebeine. Dan, 6, 24. gebein 
vnd fleisch : taste sein gebein vnd fleisch an. 
Hioh 2,5; gedenckt auch dabey, das ich 
ewr gebein vnd fleisch (euer llulsverwand" 
ter) bin. rieht. 9, 2; wir sind deines ge- 
beins vnd deines fleischs. 2 Sam, 5, 1. 

2) gebein eines verstorbenen, leichnam, 
todtengerippe : wenn euch gott heimsuchen 
wird, so füret mein gebeine (1527 : gepeyn) 
von dannen. 1 Mos. 50, 25, zu welcher 
stelle L, in den predigten über das erste 
buch Mose (1527) XX üj'^ bemerkt: das ist 
abermal der glaube auff die verheissung des 
lands Canaan, des zum zeichen vnd Sicherung 
. . . beiihlet er (Joseph) auch seinen leib mit 
yhn zu füren ; vnd Moses nam mit sich das 
gebeine (1523: gepeyne) Joseph. 2 Mos. 
13, 19 ; Dauid nam die gebeine Saul vnd die 
gebeine Jonathan seins sons . . . vnd samleten 
sie zuhauffen mit den gebein en der gehenge- 
ten. 2 Sam. 21, 12. 13; zu der selbigen 
zeit, spricht der herr, wird man die gebeine 
der könige Juda, die gebeine jrer fürsten, die 
gebeine der priester, die gebeine der prophe- 
ten, die gebeine der bürger zu Jerusalem aus 
jren grebern werffen. Jer. 8. 1 ; des ge- 
beines lag seer viel auff dem feld. Ezech. 
37, 2. 

3) gebein = die beine: baten siePilatum, 
das jre gebeine gebrochen würden, Joh. 
19, 31. 

debeisie (gebeisse), n. gezänk, streit: 
solch gebeysse , neid, klagen vnd widderümb 
versünen wird sich oflt haben begeben, vher 
das erste buch Mose. (1527). Ttij**; ein 
schendlich gezenck vnd gebeisse. von den 
concilijs. (1539). Rj*; der stoltze vnge- 
lerte bischoff hat ein grekisch böse gebeisse 
angericht. ebend. Sij'^; solch ein gebeisse, 
getümmel vnd vnordnung ist drinnen gehal- 
ten, ehend. Yij*'; das gebeisse (der streit) 
des fuchs vnd hunds. Eisl. 1, 422 '. 

CebcBj dare, praebere, mhd. g^ben (Ben. 
1, 500 ** /f. Lexer 749. 750), ahd. geban 



(Graffi, 108 ff.), goth. giban. vgl. Grimm 
über schenken und geben, hl. sehr. 2, 173. 

formen. 

praes.: ich gebe (geh), vereinzelt gib 
(von dem bapstum zu Rome, 1520. Fiij''; 
auf das vbirchristl, buch. 1521. Cij^), du 
gibst, er gibt, selten gibet (z, b. an die rad^^ 
herrn. 1524. Aiij'; das 16. cap. Joh, 
1538. Yij % wir geben u. «. to. ; praet. 
gab, einigemal gäbe (vber das erste buch 
Mose. 1527. Jij^; ccij''); parL anfangs 
gewöhnlich geben, später gegeben ; imp. gib» 
einmal gibe (wider den wucher zu predigen, 
1540. Biif). 

hedeutungen und gehrauch. 

1) geben, darreichen, übergeben, milthei^ 
len. 

a) ohne objeet: gibt jemand, so gebe er 
einfeltiglich. Rom. 12, 8. 

b) mit bloszem dalive: gib dem der dich 
bittet. Matih. 5, 42 ; bittet, so wird euch 
gegeben. 7, 7. 

c) mit hloszem acc. : pflegt ewer meister 
nicht den zinsgroschen zu geben? 17, 24 ; 
ich habe gepflantzet, Apollo hat begossen, 
aber gott hat das gedeien gegeben. 1 Cor. 3, 
6 ; sollichen rat hab ich zu der zeyt geben» 
do ich noch schew war. vom ehelichen leben, 
(1522). Aiij^; ein klein anweisung geben. 
derproph. Daniel. (1530). Bj'. 

d) mit dat. und acc. hierfür bietet die 
bihel zahlreiche stellen, wovon hier nur die 
hauptsächlichsten ausgehoben werden Mn- 
nen. als geschenk, lohn, abgäbe etc. ge- 
ben : deinem samen wil ich dis land geben. 
1 Mos, 12, 47; dem selben gab Abram den 
zehenden. 14, 20 ; vnd zoch erfur silber vnd 
gülden kleinod vnd k leider vnd gab sie Be- 
beca. 24, 53 ; stimme das lohn, das ich dir 
geben sol. 30, 28; ists recht, das man dem 
keiser zinse gebe? Malth. 22, 17; das 
boten- vnd tranckgeld wirstu dem fumiann 
Wolffen wol wissen zu geben, de Welle &r. 
6, 271. — zur ehe geben: befreundet euch 
mit vns, gebt vns ewre töchter, vnd nemet jr 
vnsere töchter. 1 Mos, 34, 9; du wollest 
mir deine töchter zur ehe geben. 1 Macc» 
10, 53. — einem einen kusz, einen schlag^ 
geben: du hast mir keinen kuss gegeben. 
Luc. 7, 45; gab der diener einer Jhesu einen 



GEBEN 



21 



GEBEN 



backen streich. Joh, 18i 22; wenn man jm 
vierzig schlege gegeben hat, sol man nicht 
mehr schlahen. 5 Mos» 25» 3. — namen ge- 
ben : vnd der mensch gab einem jghchen vieh 
vnd vogel vnter dem himel vnd thier auifdeni 
felde seinen namen. 1 Mos. 2, 20; vnd 
gaben den stedten namen. 4 Mos. 32» 38. 
— ein amt, gewait, macht geben, verleihen : 
vnd vns das ampt geben. 2 Cor. 5, 18 var. ; 
vnd preiseten gott» der solche macht den 
menschen gegeben hat. MaUh, 9, 8; also 
gibet er hiemit seinen aposteln vnd predigem 
des euangeiy die höchste gewalt vnd macht. 
das 16. cap. Joh. (1538). Kj^ — einen 
befehl, ein gebot, ein gesetz, einen rath u. 
dergl. geben, erlheilen: vnd gab jm befelh. 
Sir. 45, 3; ein new gebot gebe ich euch. 
Joh. 13y 34; vnd weis solches, das dem ge* 
rechten kein gesetz gegeben ist. 1 Tim. 1, 
9; vnd verlies den rat, den jm die ehesten 
gegeben hatten. 1 kön. 12, 13; ich gebe 
euch eine gute lere, spr, 4, 2. — einem ein 
beispiel, ein exempel, ein ärgernis geben : ein 
beyspiel habe ich euch gegeben. Joh. 13, 
15; vnd den andern ein exempel zur furcht 
gegeben würde, von ehesachen. (1530). 
Eiiij*; lasset vns aber niemand jrgent ein 
ergernis geben. 2 Cor. 6, 3. — einem ehre, 
lob, preis geben : gebt vnserm gott allein die 
ehre. 5 Mos. 32, 3; gib dem herm, dem 
gott Israel die ehre vnd gib jm das lob. Joh. 
7, 19 ; die thiere gaben preise, vnd ehre vnd 
danck dem der da auff dem stuel sass. offenb. 
Joh. 4,9. — schuld geben, beschuldigen : 
vnd es war oben vber jn geschrieben was 
man jm schuld gab. Marc. 15, 26 ; sie (die 
papisten) ja so grobe stück auff jnen haben, 
als sie vns schuld geben, das 14. u. 1 5. cap. 
Joh. (1538). Ffiij^ — böse, gute worte 
geben : wenn ich mich wider sie setze, so ge- 
ben sie mir böse wort. Hioh 19, 18; vnd 
jnen gute wort geben. 1 kön. 12,7; vnd 
gibt dir die besten wort. Sir. 13, 7. — die 
letze, ade, valet geben, abschied nehmen, 
lebeu)ohl sagen : vnd hat jnen hiemit die letze 
gegeben, das 1 4. vnd 1 5. cap. Joh. (1538). 
Yy iij ^ ; vnd geben vns damit ade zu gutter 
nacht, vom abendmal Chrisli. (1528). 
Diij*; der ist dahin vnd hat der kirche das 
valete gegeben, von den concilijs. (1539). 



Bij'. — frist, zeit gehen, gewähren, verslal'- 
ien : ynn des gib ich dir frist vnd rawm. auff 
das vbirchrisU. buch. (1521). Cij^ ich 
wil jnen noch frist geben hundert vnd zwen- 
zig jar. 1 Mos. 6, 3 ; ich hab jr zeit gege- 
ben, das sie solt busse thun. offenb, Joh. 2, 
21. — ein mahl geben, veranstalten: Hero- 
des auff seinen jartag ein abendmal gab den 
obersten vnd heubtleuten vnd fumemeslen in 
Galilea. Marc. 6, 21. 

e) mit dal. und parUUvem gen. : welcher 
seines samens dem molech gibt, der sol des 
tods sterben. 3 Mos. 20, 2 ; was man des 
dem herrn gibt. 27, 9; er gibt seines brots 
den armen, spr. 22, 9. statt des gen. auch 
die praep. von: gebt vns von ewreni ole. 
Matlh. 25, 8 ; das (dasz) sie jm geben von 
der frucht des Weinberges. Luc. 20, 10. 

/) mit infin. : engein, welchen gege])en ist 
zu beschedigen die erden vnd das meer. 
offenb. Joh, 7,2; vnd ward jm gegeben zu 
streiten mit den heiligen. 13, 7; vnd es 
ward jr gegeben sich anzuthun mit reiner vnd 
schöner seiden. 19, 8. 

g) mit abhängigem satxe: gott gebe, es 
sey diszer odder yhener tag. das 7. cap, s, 
Pauli XU den Corinthem. (1523). Cj**; 
gott gebe, das so bleibe vnd bestehe, das 
schöne confUemini, (1530). Nij^; der herr 
gebe euch, das jr rüge findet. Ruth 1,9; da 
gab jr der herr, das sie schwanger ward. 4, 
13; gott gäbe yhm, das er wol kund dem 
bunger radten. vber das erste buch Mose. 
(1527). ccij^ 

h) mit einer praep. : für duppel wahr gibt 
man bUlich duppel gell, eine bericht. (1528). 
Giij**; — das man den jungen, starcken 
Juden vnd Jüdin in die band gebe flegel, 
axt, karst, spaten, rocken, spindel. von den 
Juden, (1543). fij*; vnd hat sie gegeben 
in zurstrewung vnd Verwüstung. 2 chron, 
29, 8; das du sie gebest in Verachtung. 
iVeÄ. 4, 4 ; — so wil ich dir diese auch ge- 
ben vmb den dienst. 1 Mos, 29, 27 ; wel- 
chen er sich wegert dir vmb geld zu geben. 
1 kön. 21, 15; — ich hab euch gegeben 
allerley kraut ... zu ewr speise. 1 Mos. 1 , 
29 ; vnd es befand sich, das das gebot mir 
zum tode reichet, das mir doch zum leben ge- 



GEBEN 



22 



GEBEN 



geben war. Rom. 1, 10 ; das har ist jr zur 
decke gegeben. 1 Cor. 11, 15. 

2) geben, hervorbringen, bewirken : dar- 
nach wird sie {die Züchtigung) geben eine 
friedsame frucht der gerechtigkeit. Hebr, 
12, 11. 

3) geben, entstehen : vnd werde jrgent in 
einem hause ewr besitzung ein aussatzmal 
geben. 3 Mos. 14, 34. 

4) gehen^ergeben,anxeigen: so gibt die rech- 
nung, das Abram viel jünger gewesen sey denn 
Haran. vber das erste buch Mose. (1527). 
fj'*; wie sein narae gibt. Sir. 46, 2; wie 
das alles vnd viel mehr der text klerlich gibt. 
Bindseil 7, 357 ; der text nicht gibt, ob es 
rot odder blanck weyn gewesen, vndder die 
hyml. Propheten. (1525). Kj" ; die schrillt 
nicht sagt noch gibt, das sie (Maria) hernach 
verruckt sey. das Jhesus Christus ein ge- 
bomer Jude sey. (1523). Bij". gestat- 
ten : die weil es der rawm gibt , wollen wir 
dasselb falsch natürlich liecht . . . bas anzei- 
gen, post. (1528). 116^ 

5) geben, zuschreiben: Thomas vnd yhre 
folger geben der pusz drey teyll. serm. von 
dem ablasz vnd gnade. (1518). Aj''; dem 
vater gibt man das werck der schepffung. 
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem. 
(1544). f5^ 

6) geben, ausdrücken: die ewren sagen, 
das ewr ding gar viel bas ynn ewer behemi- 
schen sprach lautte, denn yhrs zu latin geben 
kündet, von anbeten des sacraments. 
(1522). D5*^; ich habe sorge, es sey höher, 
denn mans geben künd für den gemeynen 
man. vber das erste buch Mose. (1527). 
Hj'; ich kan das ebreische nicht wol geben 
Widder (weder) deudsch noch latinisch. ebd. 
Kiij '. 

7) an den tag geben, offenbaren, in die 
Öffentlichkeit bringen : das nicht yemand sa- 
gen könne, wir betten lugen tey dinge an tag 
geben, von er Lenhard Keiser. (1528). 
Fij* ; vnd thüren nicht an tag geben, was es 
sey, das man gleuben sol. warnunge an s. 
l. Deudschen. (1531). Cj"; wir wollen jr 
heulen vnd lügen an den tag geben mit gottes 
hülffe. von den Juden. (1543). Ziij'; so 
hab ich gleich wol diese artickel jnn des 



wollen durch öffentlichen druck an den (ag 
geben, artickel, (1538). Aij". 

8) zu erkennen, zu verstehen geben, zur 
kenntnis, zum Verständnis bringen: meyne 
bedencken , die ich hiemit zuerkennen geb e. 
f. g. originalbr. v.J. 1519 auf der bibL 
zu Gotha cod. ehart. 379 fol. 2 ; auff e. k. 
f. g. Schrift gebe ich aufs vnterthänigst zu er- 
kennen, de Wette br. 5, 330 ; deinen kin- 
dern gibstu damit zu verstehen, sie sollen 
guter hoffnung sein, weish. 12, 19; die 
solchs sagen , geben zuuerstehen , das sie ein 
Vaterland suchen. Hebr. 11, 14. 

9) geben auf einen (etwas), ihn (es) ach' 
ten, schätzen, ästimieren : das man jre (der 
eitern) wort vnd werck für äugen hab , gros 
achte vnd darauf! gebe. Jen. 1, 277^; die 
bisschoue gegen morgen nu viel weniger auff 
den bisschoff zu Rom gaben weder zuuor. 
von den condlijs, (1539). Rij*. nichts 
geben auf etwas, sich nicht darum beküm* 
mern, es nicht beachten : lasst vns jn mit der 
Zungen todschlagen vnd nichts geben auff 
alle seine rede. Jer. 18, 18; gaben nichts 
auff die wort Simeon. post. (lb2S). 162**; 
die auff das künßlige leben nichts geben 
(nichts davon halten), das herrliche man- 
dal. (1537). *3*. staU auf steht auch 
die praep. um (vmb): die gottlosen gottes 
wort verachten, vnd so gar nicht vmb sein 
drewen geben, vorr. auf die propheten. 
Bindseil 7, 336. 

10) sich geben, ä) sich hingeben: eyn 
iungfraw kan sich gantz an gott geben, das 
7. cap. s. Pauli zu den Corinthern. (1523). 
Kj«. 

5) sich dargeben, opfern: der sich selbs 
für vnser sünde gegeben hat. Gal. 1, 4 ; 
gleich wie Christus geliebet hat die gemeine 
vnd hat sich selbs für sie gegeben. Ephes. 
5, 25 ; der sich selbs gegeben hat für alle 
zur erlösung. 1 Tim. 2, 6. 

c) auff das sichs desle leichter gebe vnd 
fasse (einsehen und auffassen lasse)^ wil ich 
zuerst den verstand dar legen, den das volk 
Israel' vber jhrem osterlamb haben gehabt. 
der 111. psalm. (1530). Bj*^ als sich 
der text gibt, von den Schleichern. (1532). 
Biij ». 

d) sich ergeben, keinen widerstand lei^ 



GEBEN 



23 



GEBET 



sten: sie (Babel) mus sich geben, jre grund- 
feste sind {gefallen. Jer. 50, 15. 

e) sich begeben : wer in dieser stad bleibt, 
der wird sterben müssen durchs schwert, 
huuger vnd pestilenlz, wer aber hinaus sich 
gibt..., der sol lebendig bleiben. Jer. 21, 
9 ; wer sich gern in fahr gibt, der verdirbt 
drinne. Sir. 3, 27 ; vnd ermaneten jn, das 
er sich nicht gebe auff den schawplatz. ap. 
gesch. 19, 31 ; die da zum ehelicheu stand 
sich geben wollen. Jen. 1, 172 ''. 

f) sich geben an, auf etwas, sich an etwas 
hingeben, sich damit beschäftigen, sich dar- 
auflegen: der ander bruder sich auIT geitz 
geben hat. vber das erste buch Mose. 
(1527).' Rij'; ich hatte gehofft, man sollt 
sich hynfurt an die heilige schrillt selb geben. 
serm. auf das euang. Luc. 16. (1523). 
Aj*" ; mein kind, gib dich nicht auffs betteln. 
Sir, 40, 29 ; aus diesen Worten isls klar, 
das die menschen werden sich geben auff 
fressen vnd sauffen. post. (1528). 32 ^ 

Sebeii n. geben ist seliger denn nemen. 
ap. gesch. 20, 35 ; wer sich gebens vnd ley- 
hens erwegt. von kauffshandel vnd wucher. 
(1524). Giij^; wie droben gesagt ist vom 
geben, wider den wucher xu predigen. 
(1540). Hij*; eins heiligen menschen leben 
stehet mehr in nemen von gott, denn in ge- 
ben. Jen. 1, 39*. 

fiebeiedeieiy segnen, mhd. gebencdien 
(Lexer 751): vnd Simeon gebenedeyete sie. 
var.zuLuc.2, 34. post. (1528). 161*. 
vgl. benedeien. 

fiebeiedeiety welches sowohl pari, von 
benedeien als auch von gebenedeien sein 
kann, bedeutet in folgenden stellen nach L's. 
eigner erklärung s. v. a, gelobt , gepriesen : 
gebenedeiet bistu {gl. : auff deudscli also, ge- 
lobet bistu etc.) vnler den weibern, vnd ge- 
benedeiet ist die frucht deines leibes. Luc. 
1, 42. subU.: du gebenedeiete (glosse: das 
ist auff deudsch, du hochgelobte) vnter den 
weibern. v. 28. 

Ciebeiedeiiig, f. segnung : das gut nil in 
nienschUcher witz» szondern in gottes gebene- 
deyung st^t. an den christl. adel. (1520). 
Miiij ^ ; diese gebenedeyung (des alten Si^ 
meon. Luc. 2, 34) ist nichts anders, denn das 
er yhn (ihnen) wündscbet glück vnd heyl, ehre 



vnd alles gut. post. (1528). 163^; aller 
ablas, aller nutz, alle gebenedeiunge ... ist 
hierinne (im valer unser) vberflüssig begrif- 
fen. Jen. 1, 70^; da würde gebenedeiung 
folgen, ebend. 1, 212*; von welchem Chri- 
stus vnd alle gebenedeiung kerne, ebend. 1, 
309*. vgl. benedeiung. 

6tktmtilgtt, s. benedigen. 

fieberi m. der gibt, dator: einen fröhchen 
geber hat gott lieb. 2 Cor. 9, 7 ; wie di6 
falschen geber thun. wider den wucher. 
(1540). Hij**; die falschen geber vnd ley- 
her. ebend. Jiij^ — mhd. geber {Ben. 1, 
507*. Lexer lb\). 

HAtfie, n. s. gebärde. 

fieberdeij s. gebärden. 

Weberei, s. gebären. 

fieberer, m. s. gebärer. 

fiebereriiy f. s. gebärerin. 

fiebersi m. s. gebarsch. 

fiebet (gebeet, gebelh, gebett,gepet,gepeet), 
gebete, n. oratio, precatio, preces, mhd. geb^t 
(Ben. 1, 172 •*. Lexer 753), ahd. gab^t, 
kap^t (Graff 3, 57). vgl. das einfache bet. 

1) sowohl die handlung des betens, als 
auch die dabei gebrauchten worte: hie 
müssen wir nu sehen, wie das gepct sol 
gestalt sein... vierley gibt er (Paulus 
Phil. 4, 6) dem gepet, nemlich das gepet, 
das flehen, den danck vnd die bitte, das ge- 
pet ist nichts anders denn die wort odder 
das gesprech, als da ist, das vater vnser, 
psalmeu vnd der gleichen , ynn welchem zu 
weylen etwas anders gesagt wird, denn das, 
darumb man bittet, post. (152^). 63*; 
ein gebet Dauids. ps. 17, 1 ; ein gebet Mose. 
96, 1 ; dis ist das gebet des propheten Haba- 
cuc. Hab. 4, 1 ; meyn vnterthenigs amisz 
gepeet vnd demütigs vormügen seynd ewrnn 
f. g. alzceyt beuolir. de Wette br. 6, 1 1 ; 
das eusserlich gebet, von den guten wercken. 
(1520). Giij*; ynnerlich gebet, ebend.; 
eygennutzige, eygenniessige gebet, ebend. 
Hj^; ein rechtschaffen gebete. das 5. 6. 
vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). fiij*; 
ein köstlich gebet, ebend. f iüj*; falsch vnd 
vergeblich gebete. ebend. giü]*"; lang gebet. 
Matth. 23, 14. es heiszt ein gebet beten, 
thun, halten, aufl)eben, erheben, vorbringen: 
dyse beten das gebeet mit dem munde, aber 



GEBETLEIN 



24 



GEBIETEN 



mit dem hertzen ^viddersprechen sie dem sel- 
ben, ausleg. deuUch desv. u. (1518). Dj"; 
Elias betet (e) ein gebet. Jae, 5,17; vnd 
thu l^ein flehen noch gebet für sie. Jer. 1 1, 
14 ; das man jr erleubete . . . jr gebet zu thun 
zum herrn. Judith 12, 6; sie hielten ein 
gemein gebet. 2 Macc, 8, 29 ; so hebe dein 
gebet auff für die vbrigen. 2 kön. 19, 4; 
du wollest ein gebet erheben für die vbrigen. 
Jes, 37, 4; vnd soll für sie kein klage noch 
gebet furbringen. Jer. 7, 16. das gebet 
wird von gott vernommen, angenommen, ge- 
hört, erhört : mein gebet nimpt der herr an. 
ps. 6,' 10 ; herr vernim mein gebet. 17, 1 ; 
du wollest hören das gebet, das dein knecht 
an dieser siedle thut. 1 hon. 8, 29; sey mir 
gnedig vnd erhöre mein gebet, ps» 4, 2 u. 
Öfter, besondere redensarten: zu starckem 
gebet gehört auch ein starck fasten, das 7. 
cap. s. Pauli zu den Corinthem. (1523). 
Cij*"; auff eine gute predigt gehöret ein gut 
gebete. da« 17. cap. JoA. (1530). Aiiij*; 
das heissel das gebete ynn die schantz ge- 
schlagen (wenn an der erhorung des gebeis 
gezweifelt wird), deudsch catech. (1529). 
Piiij'. 

2) die einzelne bitte des gebets: disz ander 
gebelh (die zweite bitte im gebet des Herrn) 
thut tzwey dingk, ernidert vnnd erhebt vns. 
ausleg. deutsch des v. u. (1518). Ciij ^ 

Sebetleii (gebetlin), n. dim. kleines gebet : 
ein kurtz, fein, reich vnd vol gebetlin. 
deudsch psalter. (1541). xj*; das vnnutze 
geplepper vnd gemurre der rosenkrentz vnd 
ander abgöttischen gebetlin auffgehöret hat. 
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). 
bb j ' ; bruderschafften, gebetlin, rosenkrentze. 
ebend. Nij'^; lassens bey unserm gebellin 
bleiben. Jen. 1, 268 ^ 

fSiehtWf s. gebäu. 

^ehtwitf s. gebäude. 

Aelikart, n. pr. ahd. Gebahart (Graff 
4, 123. 1022): gott ist ein reicher quellen- 
der ewiger born aller gnaden vnd gaben vnd 
billich der rechte Gebhart heissen soll. ausl. 
der ep. vnd euang. von ostem. (1544). 

Clj''. 

fiekiekeBsteli (Gewichenstein, Gebich- 
stein), m. die bürg Giebichenstein bei Halle, 
bekannt durch den sagenhaften sprang Lud* 



wigs des Springers : er hienge an einem gal- 
gen, der sieben mal höher were weder der 
Gebichenstein. wider den bischoff zu Mag- 
deburg. (1539). Cj'; der Gewichenstetn 
{Jen. 7, 362^ Gebichenstein). ebend. Fiüj'; 
hie aber ist Halle nahe vnd hart bey Ge- 
wichenstein, ebenda Fiiij ^ ; also thet Albrecht 
(bischof zu Magdeburg) der hencker zum 
Gebichslein auch, wider Hans Worst. 
(1541). Oij^ 

(2eUet| n. territorium, 'bereich des be- 
fehlens* (Weigand), mhd. gebiete (Lexer 
754) : in jren landen vnd gebieten. 1 Macc. 
8, 24. 

SeUetei (gepieten), imperare, jubere, 
praecipere, befehlen, wihd, gebiete (Ben. 
1, 186*. Lexer 754), ahd. gibioUn (Graff 
3, 69). praes. sg. 2 pers. gebeutest (Jos. 
1 , 18), 3 pers. gebeut ; imp. gebeul. 

a) absolut : es mus ja alle vernunfft . . . 
sagen, das (dasz) gebieten vnd gehorsam 
sein sey zweierley. der 101. psa/m. (1534). 
Mj * ; so er gebeut, so stdiets da. ps. 33, 9. 

b) mit dat. : der seelen soll vnd kan nie- 
mandt gepieten. von weltlicher oberkeii. 
(1523). Dij'; er gebeut mit gewall den vn- 
saubern geistern, vnd sie gehorchen jm. 
Marc. 1, 27 ; vnd {Jesus) gebot dem fieber. 
Luc. 4, 39 ; er gebeut dem winde und dem 
Wasser, vnd sie sind jm gehorsam. 8, 25. 
auch mit der praep. über: d&r herr gebeut 
vber Ganaan. Jes. 23, 11. 

c) mit acc. : du hast die Zeugnis deinei* ge- 
rechtigkeit vod die warheit hart geboten, ps. 
119, 138; opffere, was Moses geboten hat. 
Marc. 1, 44; solchs gebeut vnd lere. 1 
Tim. 4, 11. 

d) mit dat. und acc. : sie sind schnei von 
dem wege getreuen, den ich jnen geboten 
habe. 2 Mos. 32, 8; gebot, die ich euch 
gebiete. 5 Mos. 4, 2 ; Mose hat vns das ge- 
setz geboten. 33, 4; vnd (fta^f) ^^^1» ^^1^^° 
vnd gesetz jnen geboten. Nch. 9, 14. 

e) mit inßn.: den ich gebot zu weiden 
mein volck. 1 chron. 18, 6; vnd gebot jm 
zu bawen das haus des herrn. 23, 6 ; vnd er 
hat vns geboten zu predigen dem volck. ap. 
gesch. 10, 42. auch ohne zu: vnd ist da- 
durch (durch das 7. gebot) verpoten erstlich 
dem nehisten schaden vnd vnrecht zuthuen . . . 



GEBIETEN 



25 



GEBLÜT 



vnd widderümb gepoten sein gut fordern, 
bessern vnd wo er not leidet helffen. ieudich 
caiech. (1529). Kj\ 

f) mit abhänffigem saixe : herr, wiltu, so 
wollen wir gepieten, das das fewer vom 
hymel fall. autUg.' deutsch» des v. «. ( 1 5 1 8). 
Ej* ; vnd gebeut, das man das sacrament nicht 
solle von yrrigen vnd abtrünnigen priestern, 
noch abtrünnisch reichen lassen, eine berieht 
(1528). Gij'^; \nA gebötest etlichen, das 
sie nicht anders lereten. 1 Tim. 1,3; Chri- 
stus Matt. 5 öffentlich vnd dörr gepeut, man 
solle dem bösen nicht widderstehen, das 
eitern die kinder zur ehe nicht iwingen 
sollen. (1524). Aüj*. 

UMaUm, n. es gtllt widder (weder) gepie- 
Cens nach (noch) verbietens. widder die hyml. 
profh. (1525). Jiij ^ ; faren nur mit gebieten 
vnd treiben, das 53. cap. Jes. (1539). Bj\ 

CeMeter (gepieter), m. der befehle, geböte 
gibt, herr : jch habe jn gestellet zum fursten 
vnd gebieter den völckern. Jes. 55, 4; o 
Jhesu, lieber gepieter, erbarme dich vnser. 
von den sehen aussetzigen. (1521). Dj", 
var. zu Luc. 17, 13; Carlstads theologia 
ans Christo nur eyn exempel vnd gepieter 
macht, das ander teyl widder d. hyml. prO' 
pheten. (1525). Miij*^; man würde gewisz- 
lieh nysze wortz den gepietem zu danck 
schencken. von wellUeher oberkeil. (1523). 
Oij**. — mhd. gebieter, gebietsere {Ben* 1, 
ISl^. LexerlbS). 

QMeOifk, imperiosus, gebieterisch : wenn 
die hohen geister oder naseweisen gebietli- 
4?her vnd herrUcher weise wollen das weltlich 
rechtendem, der 101.p<a{iti. (1534). Mij^ 

üMfit, n. gebärde, md. gebierde (Lexer 
747 unter ge)><Brde) : ein mensch dem leyd 
vnnd vbel tzu mute ist, der hat auswendig elend 
gebirde. die sieben buszps. (1517). C5*. 

lleUrge (gepirge), n. gesammtheit von 
bergen, mhd. gebirge (Ben, 1, 105**. Lexer 
755), ahd. gibirgi, kapirgi {Graff 3, 190): 
lies sich der kästen nider auff das gebirge 
(1527 noch: gepirge) Ararat. 1 Mos, 8, 4; 
was vberbleib flöhe auff das gebirge. 14, 10 ; 
das er sie erwürget im gebirge. 2 Mos. 32, 
1 2 ; vnd zogen auff die hölie des gebirgs. 4 
Mos, 14, 40 (v. 44: des gebirges); ein gros 
vnd fruchtbar gebirge. ps, 68, 16; hohe 

DiETz, Würterbach. II. 



gebirge. Jer. 49, 16; das welsche gebirge. 
wider das bapstum. (1545). Bij\ 

üeUsi (gebis), n. frenum, mhd. gehv; 
{Ben. 1, 195*. Lexer 756), ahd. gibi^, ka* 
pif {Graff 3, 131) : so wil ich dir einen rinck 
an deine nasen legen vnd ein gebis in dein 
maul. 2 hon, 19, 28; seid nicht wie ross 
vnd meuler, . . . welchen man zeum vnd ge- 
bis mus ins maul legen (var. mit zeumen vnd 
gebisz [mit gebissen vnd tzeumen] zwenge 
yre backen), ps. 32, 9. 

üebictt (gepletz), h. geßck : vnd ist des 
vnnötigen geflicks vnd gepletzes so viel , das 
sie selten zur sache komen. das diese wort 
etc. (1527). cijV 

Cebiinet^ mit blumen geschmückt, mhd, 
geblöemet {Ben, 1, 217* unter blüemen), tH 
folgender stelle figürlich : das redet er also 
mit gemaleten,geblümeten Worten, ausleg. der 
ep. vnd euasig. von oslem. (1544). v 6^ 

Mklit (geblüet), geblüte, ». 1) gesammt- 
heit des blutes im körper, besonders das zur 
fortpßanzung des geschlechts und nährung 
der frucht dienende blut, mhd. geblüete (Ben. 
1, 219*^): seyn voll frisch geblute vnd saSt 
der natur. die sieben buszpsalm. (1517). 
Fj^ ; dazu ist er ein iunger geselle vnd fris- 
sches geblüts. vber das erste buch Mose. 
(1527). kkiüj"; die seele des kindes ist 
nicht von jrer {der mutler) natur oder ge- 
blüU von den eoncilijs. (1539). Sij" ; welche 
nicht von dem geblüt {var, ausz dem geblüete) 
geboren sind. Joh. 1, 13. daher 

2) geschlecht, blutsverwandtschaft: Ha- 
man nicht der Persen geblüt ist. st, in Esther 
6, 8 ; \Txd wenn wyr gleych hoch vns rhu- 
men, so sind wyr dennoch heyden vnd die 
Juden von dem geblutt Christi, das Jhesus 
Christus ein gebomer Jude sey. (1523). 
Aiij*; wir sind nicht des hohen, edlen ge- 
blüts, Stammes, gehurt vnd herkommens. von 
den Juden, (1543). Aiiij"; Abraham am 
adel des geblüts t>der gehurt nichts gefeilet 
hat. ebend, Brnj**; 1 Cor. 15 sagt ev (der 
apostel Paulus), Christus sey nach laut der 
schnfft von Dauids geblüte (1523 : geblütte) 
komen. vorr, auf das a. test. Bindseil 7, 
303 ; die yns geblüt boren {gehören) , es sey 
vom stamm odder stieffTreüudschafft. post. 
(1528). 124" ; alle freundschafft ausser dem 

4 



G£BLIT 



26 



GEBRAUCH 



geblüt. ebend.; fürstlich geblüt. Jen, l, 
255^ 

3) p«. 51, 16 überselzi L. in der ersten 
ausg. der sieben buszpsalmen : erlosze mich 
von den geblulen (var, geblüten) und erklärt 
dann diese stelle in der auslegung : die ge- 
blute sind die hoffertigen, die aus Adam ge- 
born nach dem blute allzeit wider diese lere 
vnd Weisheit streben. 

tteUiti adj, blutsverwandt: gescblechte 
heiszen wir die sipschaften vnd samlung ge- 
blutter freundschafften, das magnificat. 
(1521). fiiif. 

liebst (gebott, gepot, gepott), n. praecep- 
tum, 'Willenserklärung zur befolgung' ( Wei' 
gand), mhd. gebot (Ben. 1, 187^. Lexer 
75S), dhd, gibot, kapot {Graff ^, 11), zu 
gebieten : ein strenge gebot. Dan, 6, 7 ; ein 
ernstUch gebot, weish. 18, 16; das furne- 
mest vnd gröste gebot. Malth. 22, 38 ; ein 
new gebot. 1 Joh, 2, 7 ; das alte gebot. 
ebend,; das were ein recht keiserlich vnd 
weltlich gebot, eine bericht. (1528). Eiiij*^; 
yhe weniger gepott, yhe mehr gutter werck. 
serm. von dem n. lest. (1520). Aij\ dem 
gebot steht das verbot gegenüber : das aber 
widwen vnd widwyn von eynander bleyben 
ist keyn gottis gepott noch verpott. das 1, 
cap, s. Pauli zu den Cor, (1523). Fj^ ge- 
bot wird von den göttlichen wie menschli- 
chen befehlen gebraucht: die zehen gepot 
gottes. deudsch calech, (152^). Ai]**; ge- 
bot des herrn. 4 Mos, 4, 2. 13 u. öfter in 
der bibel; des bapsts teuffelsch gebott. auff 
das vbirchristlich buch. (1521). Aüi]**; ge- 
bot des königes. 2 chron, 24, 21; gebot 
der mutter. spr. 1,8. ein gebot unrd be- 
fohlen, geboten, gegeben, gestellt: dis gebot 
befelh ich dir. 1 Tim. 1, 18; alle gebot, die 
ich dir heute gebiete. 5 Mos, 8, 1 ; ein new 
gebot gebe ich euch. Joh, 13, 34; ein 
strenge gebot stellen. Dan, 6, 7. die ba- 
folgung des gebots wird ausgedrückt durch 
das gebot halten, thun, dem gebot gehorchen, 
nach dem gebot leben, in dem gebot wandeln : 
wie lange wegert jr euch zu halten mein ge- 
bot vnd gesetz. 2 Mos. 16, 28 ; vnd meine 
gebot halten vnd thun. 3 Mos, 26, 3 ; so jr 
gehorchet den geboten des herrn. 5 Mos, 
11, 27; vnd nach meinen geboten nicht 



lebet. Ezech, 5, 7 ; wirstu in meinen gebo- 
ten wandeln. 1 kön, 6, 12. nichtbefolgung 
wird ausgedrückt durch das gebot überge- 
hen, übertreten, anstehen lassen, fahren las- 
sen, verlassen, davon weichen: ich hab dein 
gebot nicht vbergangen. 5 Mos. 26, 13; 
warumb vbertrettet jr die gebot des herrn. 
2 chron, 24, 20 ; wir aber haben vns .vmb 
gekeret vnd dein gebot lassen faren. Esra 
9, 14;' verlas nicht das gebot deiner mutter. 
spr, 1,8; vnd es ward nicht gewichen vom 
gebot des königes. 2 chron. 8, 15; vnd 
lessest die weil gottes gepot anstehen, das 
5. 6. vnd 7. cap. s, Matth. (1532). Riiij. 

fieketswelse^ adv, nach art eines gebots : 
droben hat er auff gepottsweysze gesagt das 
7. cap. s. Pauli zu den Cor. (1523). Gij'\ 

fiebrine (gebreme), n. säum, randbesatz 
eines kleides : ich wil dir dein gebreme auff- 
decken. Nah, 3, 5 '; die füttern, die gebrenie. 
Jes, 3, 20. — mhd. gebraeme (Lexer 759), 
coli, von brgm Verbrämung (Ben, 1, 23 8\ 
Lexer 348), bair. bräm (Schmeller l^ 
355). 

fiebraiit, part, von brennen, adj, in der 
redensart einem das gebrannte leid thun, an- 
thun, sehr empfindlichen schmerz bereiten : 
die sind die krieger, die dem grossen wespen- 
könig das gebrandte leid thun. zwo predigt 
zu Smalkalden. (1537). Eiij'; vnd be- 
weyset nichts mehr, denn das yhm solche 
Sprüche das gebrandte leyd gethan haben. 
das ander teyl widder die hyml. propheten. 
(1525). Hj^; es ist doch ynn ewrem hertzcu, 
das diese wort vberig vnd kein nütze sind 
vnd wollet gar gerne , das sie nicht drynoen 
stünden, weil sie euch das gebrandte leid an- 
thun. das diese wort. (1527). q j". "wei- 
tere belege s. unter anthun 2) 

ttebnitiis^ fi. etwas gebratenes, assum : 
darnach muste man bey dem gebratenen 
lemlin oblaten essen vnd bey dem gebratnis 
salsen oder bittere lacluken haben. Eist. 1 , 
336''. 

Sebraii n. mit einer ganzen kufen torg- 
schen biers eures gebräues. de Wette br, 5, 
120. vgl, brau. 

SeblUKckj m. usus, mhd. gebrüch. (Lexer 
762): da ist er behalten worden nach yhrer 
hoffmarch gebrauch, von er Lenhard Eeiser. 



GEBRAUCHEN 



27 



GEBRECHLICH 



(152S). Aiij'*; ob sie schon noch im ge- 
brauch sind. Jen. 1, 6". sonst bei L, das 
einfache brauch (s. d,), 

ficbraicbei^ uti, benutzen, verwenden, 
genieszen, mhd. gebrüchen (Ben. 1, 265'*. 
Lexer 762), ahd. kaprdhhan (Graffd, 280). 
vgl. brauchen. 

a) die der könig als vertrawete rete ge- 
brauchen wird. 1 Maee. 10, 37 ; so kan ia 
niemand sagen, das gott ein feur odder hilze 
dazugebrauche, der lil. psalm. (1532). 
£ ij * ; das ist ein menschliche newe weise vnd 
jnn der schrifft von keinem könige noch nie 
gebraucht, die 3 symbola. (1538>. E iiij'*. 

b) refl. mit gen. der sacke: gott gel)eut 
sich des öffentlichen rechts zu nieten oder zu 
gebrauchen, wider den bisehoff zu Magde^ 
bürg. (1539). Eiiij"; vnd ob wir vns der 
ehre nicht wollen gebrauchen. Jen. 1, 267*. 

€cbr«icbMg, f. gebrauch, genusz, mhd. 
gebrftchunge {Ben. 1, 266". Lexer 1^2): 
vnd stund do yn volkomner beschawung vnd 
gebrauchung gotlichs weszens. eyn geystlich 
edles huchlein. (1516). Aij". vgl. brau- 
chung. 

Debreeke (gebrech, geprech), gebrechen, 
m. inopia, defectus, error, mhd. gebreche 
(Ben. 1, 246". Lexer Ib^). Jen. 1, 247 
begegnet der gen. gebrechens : wer sich ar- 
routs , gebrechens , Verachtung seiner eitern 
schemet. 

1) mangel: der geprech an gellt vnd gutt. 
ausleg. der ep. vnd euang. des aduents. 
(1522). Ej»-, po»l. (1528). 11''. 

2) körperlicher mangel, schaden : so es 
{die Scheidung) doch Moses nur so fern er- 
leubet, wenn er {der mann) eine vnlust odder 
gebrechen an jr (der frau) fünde. das 5. 6. 
vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). V iij\ 

3) geistiger, moralischer mangel, fehler: 
ein gebrech der seelen. Eist. \, 34"; der 
gebrech ist am glauben. Jen. 1, 68"; dis 
gehet auff alle beide gebrechen des glaubens 
vnd des wandeis, doch am meisten auff den 
ersten gebrechen des glaubens. post. (1528). 
25''; sagen, es sey mehr ein feyl odder ge- 
preche denn sunde. grund vnd vrsach. 
( 1 521). d j ' ; szo musz dysser geprech ge- 
wyszlich sund seynn. ebend. m iiij '' ; Pela- 
gianer, so die erbsunde nicht wollen lassen 



sunde sein, sondern solle ein gebrechen odder 
feyl sein, vom abendmal Christi. (1528). 
Fuji"; wenn du es nu ansihest, so ist eben 
das der gebrechen gewest zu Sodom ... das 
yedermann allein auff sich trachtet vnd zu 
sich scharret, vber das erste buch Mose. 
(1527). vj"; öffentliche gemeyne gepre- 
chenn. ein vnterricht der beiehlkinder, 
(1521). a iiij ** ; ich eyniger mensch, der doch 
on geprechen nit leben kan. auff das vbir^ 
Christi, buch. (1521). Bj"; der dir alle 
deine sünde vergibt vnd heilet alle deine ge- 
brechen {var. kranckheyt). ps. 103, 3. 

fiebrccbei (geprechen), mangeln, fehlen, 
mhd. gebrochen {Ben. 1, 245**. Lexer lb9), 
ahd. gibrSchan, kapr^hhan {Graff 3, 263). 

a) ohne sächliches object : auff das nicht 
vns vnd euch gebreche. Matth. 25, 9. 

b) mit acc. der sache : da nu geld gebrach 
im lande Egypten. 1 Mos. 47, 15; so sol 
von dir nimer gebrechen ein man auff dem 
stuel Israel. 1 kön. 2, 4 (in den parallel" 
stellen unpers, mit au : es sol dir nicht ge- 
brechen an einem man für mir. 8, 25. 9, 
5. 2 chron. 6, 16. 7, 18); einen solchen 
ort, da nichts gebricht, rieht. 18, 10. mit 
dat. der person u. acc. der sache: auff das 
jnen nichts gebreche. Tit. 3, 13 ; das jn gott 
gnug solt geben auff erden vnd nichts gebre- 
chen lassen, das 5. 6. vnd 7 . cap. s. Matthei. 
(1532). Biiij\ 

c) unpers. mit an: es gebrach, an bauren 
gebrachs in Israel, rieht. 5, 7 ; da es an 
wein gebrach. Joh. 2, 3 ; nu gebrichts dis- 
sem armen plauderer an beyden. von dem 
bapstum zu Rome. (1520% D iiij'*. 

fiebrecbleii (geprechlin), n. kleiner ge* 
breche: am leyb hab ich ein kleynisz ge- 
prechlin vhirkummen. sendbr. an Leo X. 
(1520). Diiij-. 

fiebrcckUck (geprechlich), mit einem ge- 
brechen behaftet, mhd. gebrechlich {Ben. 1, 
246"). 1) körperlich: der an einem fusoder 
band gebrechlich ist. 3 Mos. 21, 19; blind 
oder gebrechlich {von den opferthieren). 22, 
22; knaben die nicht gebrechlich weren. 
Dan. 1, 4. subst.: vnd war kein gebrechli- 
cher vnter jren stemmen, ps. 105, 37. 

2) geistig, moralisch: schwache gebrech- 
liche menschen. Jen. 1, 71^; geprechlich 

4* 



4 

4 



GEBRECHLICHKEIT 



28 



GEBÜHREN 



IdiMsn verderbet die christenheyt nicht» son* 
dem vbet sie, aber geprechliche (irrige, fat- 
gehe) lere vnd falscber glaube verderbet alles. 
poiL (1528). 292*; einen armeB, gebrech- 
lichen Sünder vermanen. das 5. 6. vnd 7. 
cap.i.MaUh. (1532). Fiij'; woeinmensch 
feilet odder gebrechlich ist , dem hellTen sie 
nicht» tragen vnd dulden es nicht, der proph. 
Saeharja. (1528). Ggj"; diese viere (con- 
et^ten) kundten nidit on die keiser zusamen 
konien, so gar gebrechlich waren die heiligen 
veler, da nicht leicht einer dem andern wei- 
chen wolt. von den conciliji, (1539). Tiiij"; 
zum zehenden lobt er gott, das er seine chri- 
8ten nicht weg wirfft , ob sie schwach jm 
l^uben odder geprechtich am leben sind, der 
in.psalm. (1530). Giiij''. 

fiebreckUchkeit (gebrechlicheit. Jen. 1, 
99 * ; gebrechligkeit t , 71''; gebrechlickeit, 
geprechlickeit), f. mangelhafligkeü, sehwacl^ 
heil, imbecilUtas, mhd, gebr^hlicheit (Lexer 
760): ako sollen wir vnser nehisten sunde, 
bürden vnd geprechlickeit auch auffvns laden. 
post. (1528). 29*; wir sollen der schwa- 
chen gebrechligkeit {var, geprechlickeit) tra- 
gen. Rom, 15, 1; darumb mus es gar ein 
ander schöner vnd reiner wesen werden on 
aUe gebrechlickeit vnd notdurfit. das 15. 
eap, der ersten ep, s, Pauli an die Cor. 
(1534). cj*; denn sie haben nicht vn wis- 
sentlich, noch aus gebrechlickeit das leidige 
bapstum angefangen, wider das bapslum. 
(1545). Lj'* ; die nicht sündigen oder je aus 
lauter gebrechligkeit fallen. Jen. 1, 191". 

Sebrene^ s. gebräme. 

Clebreste Cgepreste), m. gebrechen, man" 
gel, mhd. gebrSste {Ben. 1, 258". Lexer 
760): die andern freyen vnd leychlfertigen 
geisten, die solch yre gepreslen (Jen. 1, 75" 
in gebrechen geändert) gering achten, aus- 
leg. deutsch des v. u. (1518). Cij*'. 

ISebrestei^ gebrechen, mangeln, mhd. 
gebrSsten (Ben. 1, 257*'. Lexer 7 ßl), ahd. 
gibröstan, kaprSstan (Graff 3, 272), bei L., 
wie gebreste, nur noch anfangs: er weysz 
nicht WZ ym gebrist {Jen. 1, 15'' geändert 
in gebricht), die sieben buszpsalmen. 
(1517). Aiij". 

ficbrMkei , hemiosus , mü einem bruche 



behafUi: der gebrochen ist. 3 Mos. 19, 20. 
ein gebrochener. 5 Mos. 23, 1 var. 

debrvtea, in folgender stelle s. v. a. in 
broi verwandelt: ich dencke noch wol, wie 
gar vberaus schendhch sie vns mit vnsenn 
lieben herm vnd heiland lesterten, hiessen ja 
einen gebacken gott, einen brötem gott» 
einen weinem gott, ein gebrotenen gott etc. 
kuHs bekeninis. (1544). Bj\ 

üebrMer, gebrüdere, pL fraires, mhd. 
gebnioder, md. gebrudere iBen. 1, 271*. 
Leser 762): hertzog Johans Fridrich kür- 
fürst vnd hertzog Ernst gebrudere. exempel 
etc. (1542). Hiij*; lieber las nicht zanck 
sein zwischen mir vnd dir . . . denn wir sind 
gebrüder. 1 Mos. 13, 8. 

Clebriderl^ verbrildert, part. v. gebrüdern, 
mhd, gebruodern, md. gebriidem refl. sich 
verbrüdern (Lexer 762): der adel (Ml) vn- 
temander geuettert, geschwistert ... ja fast 
gebrüdert, geuattert. Jen. 8, 45 **. 

(leUkr (gebür, gepür, gebur, gepur), f. 
1) was sich gebührt, mhd. gebür {Ben 1, 
153^. Lexer 764): das yhr begerimg sey, 
mich ynn dem der gepur weyszlich zuhallten. 
originalbr. v. J. 1523 im ges, archiv zu 
Weimar. pag. 74. FF 2; es ligt gott 
nichts an solchem eusserlidien wesen ... so 
fern, wie gesagt, das es messig sey, nach 
eines iglichen stand« gepür. post. (1528). 
27 1 '' ; opffern nach der zal vnd gebür. 1 
chron. 24, 31. 

2) was einem zukommt, lohn, sold und 
dergl.: wie ein gros ding ists vmb einen 
trewen vnd klugen hauslialter, welchen sein 
herr setzet vber sein gesinde , das er jnen zu 
recliter zeit jr gebür gebe. Luc. 12, 42; 
wenn yemand mein bedarff vnd begerd, das 
ich yhm zu willen bin vnd neme dafür mein 
gebür. ob kriegsleute in sei. stände. (1527). 
Fij*' ; so ferne dem erbherrn vnd landsfürsten 
sein gebur (der ihm schuldige dienst) nicht 
entzogen wird, ebend. ; vnd gab dem bapst 
nicht sein jerlich gebür vom ampt. wider 
das bapstum. (1545). Diij"; ihr bruder 
muthwilliglich ihr furhält (vorenthaU) ihr 
tochterliche oder frauliche gebühr (aussteuer). 
de Wette br. 5, 290. 

(tebikrei (gebaren, gepüren>, zukommen, 
zustehen, geziemen, mhd. gebürn. {Ben. 1 , 



GEBVHRLIGU 



29 



GEBURT 



153''. I«a;er 765), oAd. giburren, kipurjao 
(GraffZ, 164), 

a) die erstengeburt, die dem herrn sonst 
gebürt. 3 Mos. 27, 26; dir gebürt die maie- 
stet vod gewalt, herrligkeit, sieg vnd danck. 

1 chron. 30, 11; (gebet) schos, dem der 
schos gebärt, lol, dem der zol gebürt, furcht, 
dem die furcht gebärt, ehre, dem die ehre 
gebürt. Ttom. 13, 7. — es gebürt jnen die 
hut. 1 chrou. 10, 27. 

6) mU infin. a) ohne zu : einer hausmutier 
gebürt die kinder geberen. wie das gesell 
vnd euangelium zu unterscheiden. (1532). 
iiij". ß) mit zu : mir gebürt widder {weder) 
\ noch nein zu sagen, von heimlichen vnd 
\Holen brieffen. (1529). Aiij'; wie wol 
r nicht gebäret aulT diesen reichstag per- 
llich zu erscheinen, vermanung an die 
\Uichen, (1530). Aij"; dir gehurt vom 
nicht zu weichen, wider den wucher. 
0). Aüij* ; sprich, dir gebur auch nicht 
«o selben zu deuten odder leucken. ebend. ; 
vns gebürt zu reden, ps. 12, 5 ; vns gebürt 
nicht zu essen vom geslolen gut. Tob. 2, 
21. — es wil vns gebüren, nach den conci* 
lien zu leben, von den concilijs, (1539). 
Fij'* ; es gebürt dir Usia nicht zu reuchern. 

2 ehron. 26, IS. 

c) mit dasz : es gebürt euch , das jrs {das 
fest) auch haltet. 2 Macc. 2, 16; weyl er 
keyne person vnd stende aussondert, wills 
vns nichts gepurn , das wir seyne wortt auff 
die leyen deutten odder spannen sollten, das 
7. cap. s. Pauli xu den Cor. (1523). E j''. 

d) refl, u. unpers.: thu, wie sichs gebürt 
vnd recht ist. der S2. psalm. (1530). Cij"; 
las das fett anzünden, wie sichs heute gebürt. 
1 Sam, 2, 16 ; das wir jn nicht suchten, wie 
sichs gebürt. 1 chron, 16, 13; — das nie- 
mand weiter von jm halte ,- denn sichs gebürt 
zu halten. Rom. 12, 3; wie wol solch ge- 
setz Mose den Juden gab . . ., so gepurt sichs 
doch den Christen nicht zu thun. das 7. cap. 
s. Pauli zu den Cor. (1523). Fij\ 

fieUkrlick (gebüriich, geburbch}, gebüh- 
rend, sMeküch, passend: ehre den artztmit 
gebürhcher Verehrung. Sir. 38, 1 ; ver- 
hülle seinen leib gebürlicher weise, v. 16; 
ein geburlich antwort. Burkhardt briefw. 
419. 



flebaideai pari, gefangen {s. binden 5), 
adj.: der gebunden Paulus, ap. gesch. 23, 
18. suhsl.: Paulus, der gebunden Christi 
Jhesu. Philem. 1 ; ein gebundener Jhesu 
Christi, v. 9; gedencket der gebundenen. 
Hebr. 1 3, 3. 

fiebiitfiis^ n. bündnis, mhd. gebüntnisse 
{Lexer 763): kein gebündnis halten. Jen. 
2, 20*. 

ütkif, s. gebühr. 

fieUrea, s. gebühren. 

Sfbirllcfe, s. gebührlich. 

Gebart (gepurt) , f.partus, mhd. gehurt 
(Ben. 1, 154''. Lexer 765), ahd. giburt, 
kapurt (^ra/f 3, 159), zu b(p)äran. vergl, 
Weigandwtb. 1, 398. 

1) parlus, nativitas. a) von der muCier, 
das zurweltbringen, das gebären: d^^eb^r 
Rahd, vnd es kam sie hart an vber der gehurt. 

1 Mos. 35, 17 ; die kinder sind kommen an 
die gebürt vnd ist keine krault da zu geberen. 

2 kön. 19,3; die sechs wochen lag, die eyn 
frawe ynn hegt nach yhrer gepurt. der ge^ 
sang Simeonis. (1526). Aiij\ b) von der 
fruchi, das zurweltkommen : lang für Chri- 
stus gepurt. vber das erste buch Mose. 
(1527). Mj"; die (rar. derj gehurt Christi. 
Mallh. 1, 18; vnd viel werden sich setner 
gehurt frewen. Luc. 1, 14. von erschaf- 
fung der weit : dis ist die gepurt hymels vnd 
erden, var. zu \ Mos. 2, 4, in den predig- 
ten über das erste buch Mose (1527) er- 
klärl : das er aber nennet die gepurt hymel 
vnd erde, ist so viel geredt, da hymel vnd 
erden geschaffen ist. 

2) origo, abkunft, geschlcchl : beyde judisch 
vnd heydnische gepurt odder weszen nichts 
hyndert noch foddert für golt. das 7. cap. s. 
PauU zu den Cor. (1523). Hj"; edlen ge- 
blüts,^ Stammes, gebürt vnd herkomens. von 
den Juden. (1543). Aiiij"; für der weit 
güts wol, das ein mensch seiner gehurt hal- 
ben edler sey denn das ander, ebend. Bij " ; 
dein geschlecht vnd deine gehurt ist aus der 
Cananiter lande. Ezech. 16,3; der gehurt 
aus Ponto. apost. gesch. 18, 2 ; der gehurt 
von Alexandria. v. 24. 

3) das gebome: ein vnzeitige gehurt. 
Hiob 3, 16 ; pred. Sal. 6, 3 ; unzeitige ge- 
hurt geberen. Jes. 65, 23 ; eine vnzeitige 



GEBURTREGISTER 



30 



GEDANKE 



geburt, das ist ein kind das zu frö geborn ist, 
ehe es gar völlig vnd reif ist. das 15. cap. 
der ersten ep, s. Pauli an die Cor. (1534). 
Fij-. 

fiebartregister^ n. geschlechisregisler: 
die selben suchten jre geburtrogistor. Esra 
2, 62 ; Neh. 7, 64 rar. 

(2ebirtiibrief (gepurtsbriefT), m. 'literae 
natalitiae, lestimonium aliquem e legitime 
toro ortum esse' (Frisch 1, 64^): ist aber 
einer nicht ehelich geporn, so taug er ynns 
handwerck nicht, ob er gleich heilig were, 
hie mus man gepurtsbriefle bringen, post. 
(1528). 268''; wollen dieser meiner hand- 
scbrifft an stat seiner geburtsbrieffe jm lassen 
hülfflich sein. Eist. 1, 177*. — mÄd. ge- 
burtsbrief = laufschein. (Lexer 766). 

fiebirtetag^ m. dies natalis, nihd. geburt- 
tag (Lexer 766), ahd. kipurtitac (Graff b, 
359): >venn des königs geburtstag war. 2 
Macc. 6, 7. 

debisck fgepüsch, gepusch), n. gesammt- 
heil van hiischen: das gepüsch bedeckt jn 
mit seinem schatten. Hio5 40, 17; er ligt 
vnler dem gepusch verborgen, vor. zu Hioh 
40, 16. 

fieckeij s. gäken. 

SecfcisMS^ m. catechismus : das er {Agri- 
cola) einen kakismum oder geckismum ge- 
schrieben . . . hab ich wol gewust. de Wette 
br, 6, 250. vielleicht anspielung auf geck, 
alberner mensch, Ihor. 

fieckiea^ s. gäkzen. 

fiedäcktiis (gedechtnis) , f. und n. oft 
dicht nebeneinander (z. h. das ander teil 
Widder d. hyml. propheten. 1525. Fj^: 
das gedechtnis, Fij": die gedechtnis}, ifocft 
mit bevorzugung des letzteren , memoria, 
mhd, gedoehtnisse (Ben. 1, 350'*. Lexer 
767), zu gedenken (vgl. Weigand 1, 
399). 

1) andenken, erinnerung: ich hab des ein 
frisch gut gedechtnisz. auff des bocks zu 
Leyptzck antwort. (1521). aij"; er Fabian 
Feylitz seliger gedechtnis. eine bericht. 
(1 528). Biiij* ; h. Johans seliger gedechtnis. 
die kl. antwort. (1533). Gij''; hertzog 
George vnseliger gedechtnis. von den Juden. 
( ! 543). Jj '* ; vnd solt diesen tag haben zum 
gedechtnis. 2 Mos. 12, 14; schreibe das 



zum gedechtnis in ein buch. 17, 14 ; so soltn 
d^s gedechtnis der Amalekiler austilgen. 5 
Mos. 25, 19 ; ich werde jr gedechtnis auiT- 
heben. 32, 26; vnd jre gedechtnis müsse 
ausgerottet werden anfTof^i«« «•• iAA i^ 

hierzu bemerh 
trostl. psalmei 

man solte niciii - - : ji : 

das man sie i. - * 4 - 

vnd exempeln . "-.-—• 

•schriffl heist ni — t r 

(sonst were Ju< . ' • . 

gedechtnis), sol t " T 

lobet vnd ein ^ z z 

ebenso sind aw 1 * C ^ 

heil, abendmahi * : i ' 

dechtnis. Luc. : • I i 

zu verstehen, v i * " 

darthut: diswo: * - 7 * 

dencke wol... " ^ 3 - 

gottliche ehre vr- - ! 

ment stellet, das 

sol, was ist aber - ' 2 

seine gnade vnd ^ ~ Z 

hören, predigen, - " ; ; 

die er vus jnn C - • '' 

nung zum sacra 

2) das vermöi _ . z 

lerer) haben ge^ , 7 

der Seelen seyei - I 

stand vnd wilie. 

(1527). Fiij»»; x - - -. 

gut gedechtnis li. r t 

auff das vermeih . z r 

Aiij"; ein böse - r ' 

abendmal Christ " 

aber vleis thun, d 

meinem abschied. ,.. juj; ge- 

dechtnis zu halten. 2 Pet. 1, 15., 

Üedank^i gedanken, m. zuweilen f. (z. b. 
eine gedancken. vermanung zum sacrawent. 
1530. Gij'*; ein schöne gedancken. von 
Jhesu Christo. 1533. Bj*'; eine tröstliche 
gedancken. ebend. Eij"), cogitatio, mhd. 
gedanc (ßen. 1, 354 K Lexer 767), ahd. 
gidanch, kadanch, gidanc, kadanl; Graff 5, 
165)» zusammengesetzt mit dem gleichbed. 
dank (vgl. dank 1), von denken (Weigand 
wtb. 1, 399j. 

1 ) alle gedancken vnnd syn des mensclüi- 



GEDANKE 



31 



GEDEIHEN 



chea hertzen stehn zu dem. ergistcn alletzey t. 
var. MU 1 Mos. 6, 5 ; herr gotl vnser veter 
. . . beware e^viglich solchen sinn vnd gedan- 
cken im hertzen deines volcks. 1 ehron. 30, 
IS; ich weis jr gedancken , da mit sie schon 
jtzt vmbgehen. 5 Mos. 31, 21 ; kein gedan- 
cken ist dir verborgen. Hiob 42, 2 ; ewrs 
geistes gedancken kenne ich wol. Ezeeh. 11, 
5; da aber Jhesus jre gedancken sähe. 
Matth. 9,4; dis ist der alleredelst gedancken, 
den die heiligen in jrem leiden haben. Jen. 
1, 16^*; ein schreckUcher gedancken. das 
schone confUemini. (1530). Hiij"; vnd hüte 
sich mit vleis für diesen falschen, betriegli- 
chen gedancken. eine einf eilige weise xu 
belen. (1535). Aij"; verstendige gedan- 
cken. Hiob 38, 36, fürstliche gedancken. 
Jes. 32, 8; toUe gedancken. weish. 11, 16; 
schwere gedancken. Sir. 34, 5 ; arge ge- 
dancken. Mallh. 15, 19; böse gedancken. 
Marc. 7, 21; — gedancken des friedes. 
Jer, 29, 11; gedancken des vnglaubens vnd 
verzweiuelung fülen sie. das t6. cap. s. 
Joh. (1538). Tiiij*'. gedanken kommen, 
fallen ein, fallen für (vor), steigen auf: fallen 
dir gedancken ein, so las sie wider ausfallen, 
komen sie, so las sie wider faren. Jen. 8, 
282"; wenn einer des nachts auff seinem 
bette rügen vnd schlafTen sol, fallen jm man- 
cherley gedancken für. Sir. 40, 5; warumb 
steygen solch gedancken auff ynn ewr hertz ? 
var. zu Luc. 24, 38. Sprichwort: gedan- 
cken sind zoüfrey. von weltlicher oberkeyt. 
(1523). Diij"; von heimlichen u, geslolen 
brieffen. (1529). Dj^ 

2) vorhaben, anschlag, plan: anschlege 
vnd gedancken. das 7. cap. s. PauU zu den 
Cor. (1523). Ciiij"; gott sey gelobt vnd ge- 
danckt, der des teuffcls gedancken lange ver- 
kommen hat. das man kinder zur schulen 
halten soll. (1530). Aij*'; die gedancken 
des herm wollen erfüllet werden wider Ba- 
bel. Jer. 51, 29; du sihest alle jre räche 
vnd alle jre gedancken wider mich, klagl. 
Jer. 3, 60. 

3) Vorstellung, meinung: vnd haben so 
ein weltliche vnd menschliche gedancken von 
gott vnd seiner gerechligkeit. vorr. vher das 
buch Hiob. Bindseil 7, 316; aber dis worl 
kü*che ist bey vns zumal vndeudscli vnd gibt 



den sinn oder gedancken nicht , den man aus 
dem artickel nemen mus. von den condUJs. 
(1539). dj". 

4) das ausgedachte, cogilatum: ah wehe 
vnd aber wehe allen vnsern lerem vnd buch- 
schreibern, die also sicher daher faren vnd 
speyen eraus alles was yhn yns maul feilet 
vnd sehen nicht zuuor einen gedancken zehen 
mal an , ob er auch recht sey für gott. das 
diese wort etc. (1527). aiiij"; aho hab ich 
meinen lieben psahn für mich genommen, 
hab darüber meine gedancken aufls papir ge- 
fasset, das schöne confitemini. (1530). 
Aij * ; solche meine gedancken hab ich euch 
w^ollen zuschreiben vnd schencken. ebend. 

UtAtAtmhf s. gedächtnis. 

Sedegei : darumb ists yhrem herodischen 
regiment gar nichts gelegen noch gedegen 
(angenehm), das die magi . . . anfahen vom 
liecht des euangeli tzu reden, ausleg. der 
ep. vnd euang. vom christag. (1522). kkk 

Se4cikei| L. gedeien (gedeyen), 'glückli- 
chen f ortgang in seinem sein haben ( We i- 
gand wtb. d. d. synon. 3, 1175), vorwärts- 
kommen, wachsen, zunehmen, gerathen, an- 
schlagen, (wohl) bekommen : die Ittgener ge- 
deien nicht bey mir. ps. 101, 7 {in den 
früheren ausgg. mehr dem hebr. entspre- 
chend: wer do leuget der bestehet nicht für 
myr) ; jr samen wird für dir gedeien (var. 
bestehen). 102, 29; die kinder der ehebre- 
cher gedeien niclit. weish. 3, 16 (var. mit 
den kindern der ehebrecher hats keinen be- 
stand) ; ein wüster könig verderbet land vnd 
leute, wenn aber die gewaltigen klug sind, 
so gedeiet die stad. Sir. 10, 3; was er (gott) 
bescheret, das gedeiet jmerdar. 11, 16; es 
glückt manchem in bösen sachen, aber es ge- 
deiet (glückt, geräth) jm zum verderben. 20, 
9; auch sihet man gemeyniglich, das arme 
leute vnd yhre kinder fetter sind, vnd yhre 
speyse weytter reicht vnd bas gedeyel, denn 
bey den reichen alle yhr vorradt. ausleg. der 
ep. vnd euang. von d. heyl. drey königefest. 
(1525). nj\ 

mhd. gedihen, gedien (Ben. 1, 329''. 
Lexer 770), aM. g(k)idihan (Gra/f 5, 107), 
verstärktes deihen, mhd. dihen, ahd. dihan. 



GEDEIHEN 



32 



GEDENKEN 



goth. |>eiban ««> wachsen, zunehmen, vor" 
wäris kommen. 

ütitlktmf gedeien (gedeyen), n tncre* 
mentum, wachsthum: ich habe gepflantzet, 
Apollo hat begossen, aber gott hat das ge- 
deien gegeben. 1 Cor. Z, 6 ; gott der das 
gedeien gibt. v. 7 ; wissen , das gott müsse 
das gedeyen vnd geraten geben jnn vnser 
erbeit vnd huet. der segen. (1582). Aiij*; 
gott wird dazu seynen segen vnd gedeyen 
geben, originalbr. v. j, 1525 im ges. arth. 
XU Weimar. pag. 124. EEE. n. 4. 

(ledeakbiMy n. bild, das der erinnerung, 
dem gedächlnü dient : denn die gedenckbil- 
der odder zeugenbilder, wie die crucifix vnd 
heyligen bilder sind, ist droben auch aus 
Mose bewerd, das sie wol zu dulden sind, 
auch ym gesetze, vnd nicht alleyne zu dulden, 
sondern weyl das gedecbtnis vnd zeugen 
dran weret, auch löbUch vnd ehrhch sind. 
Widder d. hyml. Propheten, (1525). Cij". 

fiedenkeiy cogitare, reminisei, mhd, ge- 
denken (Ben. 1, 346* ff. Lexer 768), ahd. 
gidenchan (Graff 5, 156), veret. denken. 

1) gedenken = denken: aber die weyl es 
gelt gilt, szo musz es gütlich Ordnung seinn, 
was sie nur gedenckenn durffenn. von dem 
hapslum zu Rome. (1520). Aiiij^; nit das 
wir geschickt gnug sein etwas zu gedencken 
von vns selber, sondern vnser geschicklickeit 
ist von gott. auf das vhirchristL buch. 
(1521). Eiiij", var. p. 2 Cor. 3, 5; kanstn 
hie nicht höher noch anders gedencken (ausg. 
v.J. 152S: dencken, s. denken 2), so bleib 
u. s. w. vom abendmal Christi. ( 1 534). k iiij\ 

2) der gedanke, das gedachte, wird bei- 
gefugt a) in direcler rede: er gedacht, ich 
wil jn versünen mit dem geschenck. 1 Mos. 
32, 20; der feind gedacht, ich wil jnen 
nachiagen vnd erhasschen. 2 Mos. 15, 9. 

b) in indirecter rede : vnd (Samuel) ge- 
dacht, ob für dem herrn sey sein gesalbter. 1 
Sam. 16, 6. 

c) in einem abhängigen salz mit dasz: 
das Jhesus von Nazareth were CIu*istus, 
kundte niemand gedencken. der proph. Jona. 
(1526). Diüj''. 

d) in einem inf. et) ohne zu: darumb 
icli auch gedenck, mehr die sach an yhr 
salb handeln, dan (denn) yhrem ge- 



schwetz antwortten. von dem bapstwn. 
( 1 520). Aiij * ; werck, damit du das gesetz 
erfüllen gedenckest. post. (1528). 151'. 
ß) mit zu: wir gedencken (hoffen) auch alt 
zu werden. Sir. 8, 7. 

3) die gedankenridUung wird durch eine 
praep. ausgedrückt: gott loben vnd sich 
schuldigen, das ist recht an gott >iid sich 
selbs gedencken. gl. zu ps. 38, 1 ; eben so 
thun wir mit vnserm geitzen, das wir für das 
geringste sorgen vnd an das grosse nimer ge- 
dencken. das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. 
(r532). sj"; — gottes wort kan nicht ge- 
boret noch geleret werden, wo man die weil 
anff etwas anders gedenckt. wider die sah- 
bather. (1538). Gij'*; — nach solcher 
gäbe der Weisheit recht gedencken. weish. 
7, 15; — da aber Danid mercket, das Saul 
böses vber jn gedacht. 1 Sam. 23, 9; — 
draus mus folgen, das er nidits guts von mir 
gedenckt. von heimlichen vnd gestolen 
bneffen. (1529). Dj^ 

4) gedenken =*. sich erinnern, recor- 
dari, reminisei, gegensatz von vergessen, a) 
mit gen. : aber gedenck meiner , wenn dirs 
wol gehet. 1 Mos. 40, 14; wir gedencken 
der fissche, die wir in Egypten umb sonst 
assen. 4 Mos. 11, 5; vnd gedenckt aller 
gebot des herrn. 15, 39; vmb sonst oder 
aus liebe wird jr {ihrer sc. der heiligen) nie- 
mand viel gedencken. artickel etc. (1538). 
Ciij'*. b) mit der praep. an: da gedachte 
gott an Noah vnd an alle thier vnd an alles 
vieh, das in dem kästen war. 1 Mos. 8, 1 ; 
aber der oberste schenck gedacht nicht au 
Joseph, sondern vergas sein. 40, 23; ich 
gedencke heute an meine Sünde. 41,9. c) 
mit abhängigem salze : ich gedencke, das du 
mit mir auff eim wagen seinem vater nach- 
furen (sie). 2 kön. 9, 25; wir haben ge- 
dacht, das dieser verfürer sprach, da er noeli 
lebet, ich wil nach dreien tagen aufferstehen. 
Malth. 27, 63. 

5) gedenken »» bedenken, reputare: denn 
du solt gedenken, das du auch knecht in 
Egyptenland wärest. 5 Mos. 5, 15; 15, 15; 
gedenck, das mein leben ein wind ist. Hiob 
7 , 7 ; da gedenck ein yglicher bey yhm sel- 
ber, was für kurlz weil da sey gewesen. 
ausleg. der zehen gepot. (1528). Dij**; ich 



GEDENK£N 



33 



GEDINGE 



wil nur angeregt vnd vrsach zu gedencken 
geben haben, an den ehrUÜ. adel. (1520). 
Fj-. 

6) hedbsiehUgen, vorhaben, willens sein : 
jr gedachtets böse mit mir zu machen , aber 
gott gedachts gut zu machen. 1 Mos. &0, 
20 ; so sollet jr jm thun, wie er gedacht sei- 
nem bnider zu thun. 5 Mos, 19« 19; so 
hab ich gedacht ein haus zu bawen. 1 kön. 
5,'- 5. 

7 ) gedenken »>' erwähnen^ insbes. rühm" 
voll erwähnen^ loben, preisen : da er aber 
der laden gottes gedacht. 1 Sam. 4, 18 ; zu 
2 Mos, 23, 13 (anderer götter namen solt 
jr nicht gedencken) hemerkl L, in der gl. 
ausdrücklich: gedencken heisst hie so viel 
als predigen, rbümen, dancken, gottesdienst 
pflegen. Bindseil 7, 485; gleich wie Chri- 
stus vns befilhet» das wir sein gedencken, 
das ist seinen lod verkündigen vnd predigen 
sollen, gl. zu 3 Mos, 24, 7. vgl. auch ge- 
däcbtnis 1) am ende, 

8) einem etwas gedenken: gedenck mir 
mein gott zum besten alles das ich diesem 
volck gethan habe. Neh. 5, 19; mein gott, 
gedenck mir des auch vnd schone mein nach 
deiner grossen barmhertzigkeit. 13, 22. 

fiedrakei, n. memoria, erinnerung: ich 
bin noch nicht sechtzig jar alt, noch weis 
ich, das bcy meinem gedencken ist eingeris- 
sen, das ein bischofT mehr weder ein stiiTt 
hette. von den conciUjs. (1539). Biij*; 
bey vnserm gedencken. das 15. cap. der 
ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534). 
Qij ^ ; sie sollen nach vier mans zeiten widder 
hieher komen , das ist vier menschen geden- 
cken, das sind fast zweihundert iar, denn 
eins mans gedencken sind nicht viel vber 
funffzig iar. vber das erste buch Mose. 
(1527). oij'; das gibt auch die marunge, 
das an keinem ort der weit das euangelion 
lauter vnd rein ist blieben vber eins mans ge- 
dencken. post. (1528). 318*; Mentzer 
bistum hat bey menschenn gedenckenn fast 
acht bischoff mentel ausz Rom kauflt. von 
dem bapstum zu Rome, (1520). Aiiij^. 

Utdtwk^fhff n. u><is denkopfer («. d.). 
Sir, 38, 11. 

(Sedickt^ n. poema, bei L. noch geticht 
(geliebte, vom abendmal Christi, 1528. 

DnsTZiWÖrtcrbuch. II. 



n iiij ^), une lichten st. dichten, mhd. getihte 
(Ben, 3, 36 ^ Lexer 944). 

1) poetische arbeit, poema^ Carmen: vnd 
hies die leuiten den herm loben mit dem ge- 
ticht Dauid. 2 chron, 29, 30 ; ein fein ge- 
ticht. ps. 49, 5 ; hab ich meine garstige vnd 
schnöde poeterey odder geticht lassen faren. 
der 111. p*afm. (1530). Aij^ 

2) erdichtung, tüge: szo soll nu eyn ygli- 
cher sich fursehen, das er nit eynen trawm 
vnd geticht an stat des glaubens ym hertzen 
habe, euang. von den sehen aussetsigen. 
(1520). Eij*"; des Emsers degen nur ein 
nerricht geticht ist. auf das vbirchrisU. buch. 
(1521). Ciü]*^; das ist auch nicht mein ge- 
ticht. Widder den meuchler zu Dresen. 
(1531)« BJ^T lügen vnd geticht. Dan, 
2, 9. 

Sediegea (gedigen), solidus, das alie als 
adj. gebrauchte part, praet. von gedeüien. 
a) von personen : die zuuor hie auff erden 
in diesem leben sind gewesen reich, gewaltig, 
frölich vnd gediegen, werden alsdenn sein 
trawrig vnd verdampt. hauspost. (Jhena 
1559). 15*. &) von mela/Jen: gedigengold. 
zwo hochzeitpredigten. (1535). Cij*. hier- 
her gehört auch die var, zu 4 Mos, 10« 2 : 
von gedeyem silber , wo für gedeyem wohl 
gedegem zu lesen ist. 

Sedieiei^ dienen, dienste leisten : keyner 
so gering ist, der nicht ettwas hette, damit 
er andern gedienen künde, zwo predigt auff 
die ep. s. Pauli 1 Thess. 4. (1525). Biij*. 
— mhd. gedienen (Ben. 1, 370*. Lexer 
769). 

üedinge (geding), n« mhd. gedinge {Ben. 
1, 340 ^ Lexer ni), ahd, gidingi (^ra/f 
5, 193). 

1) Übereinkunft, vertrag: vmb das gedinge 
vber den froschen. var» zu 2 Mos. 8, 12; 
nein, den jarmarckt wU ich nicht haben, nocli 
solchen Wechsel vnd gedinge leiden, ver- 
manung zum sacrament. (1530). Eiij^; 
mit dem geding, das sie jnen gelts gnug da- 
für bescheiden vnd geben musten. der 110. 
psalm. (1539). biiij*; darnach sol vnser 
geding also gehen, die weissen einf erbigen 
schaff vnd was die selben für einferbige brin- 
gen, sol auch dein sein, was aber bunds ge- 
poren wird sol mein lohn sein, vber das 

5 



6EDÖNE 



34 



GEDUNR 



er9ie bw^ Mose. (1527). Ttiiij^; das ist 
die vorrede vnd der eingang zu dem volck, 
damit gott für dem gesetz ein geding macht 
mit dem volck. ausUg, der zehen gepot, 
(1528). Gj«; der hauszvatter [Matih. 20, 1 
ff.) machet mit keinem kein geding on mit 
dem ersten. hausposL {WiUemb. 1545). 
winterten 62 *". 

2) mieMoohnimg, coniuctum: Paulus 
aber bleib zwey jar in seinem eigen gedinge. 
ap. gesch. 28, 30. 

fiiHldBe^ 8. getöne. 

CleilniBg, n. bedrängnis, drangsal, mkd. 
gedranc (Ben, 1, 395. Lexer 774): in der 
Welt werdet jr getrang haben. Jen. \, 94^, 
. «ar. XU Joh. 16, 33. vgl. ge<}ränge. 

Cfedräflge (gedrenge), n. dasselbe : wenn 
uu dis also geschieht, so ist der mensch in 
grossem gedrenge vnd engsten. Jen. 1 , 80^ ; 
inn mir solt yhr friede haben , ynn der weit 
werdet yhr gedreng haben, post. (1528). 
89*, var. zu Joh. 16, 33. — mhd. ge- 
drenge {Ben. 1, 395''. Lexer 774), aM. 
gidrengi (Graff 5, 263). 

fiedfiBgt (gedrengt), s. drängen. 

fiedrcDge; s. gedränge. 

fiedresek^ n. häufen, schaar: da er {der 
blinde am u>ege zu Jßricho) das gedresch 
höret für über gehen, hauspost. {Witlemb. 
1545). winterleil 78*. — mhd. gedrosch, 
geträsch, gedmsche, getrdsch {Ben. 1, 396'*. 
Lexer nb. Schmeller 1*, 676). 

(ledritty aus drei bestehend : bringets vnd 
knüpillts alles zu samen als in ein bündlin 
vnd machet ein gedrittes aus dem Zeugnis. 
ausleg. der ep. vnd euang, von ostem. 
(1544). Hij''; ich nenne es {die drei per- 
sonen in der gotlheit) ein gedrittes, denn 
dreifaltigkeit lautet ebentewrlich. hauspost. 
{Jl^na 1559). sommerteil ^^^^ . 

fiedald (gedult), f. patientia, mhd. ge- 
dult (Ben. 1, 379*. Lexer 776), ahd. gi- 
dult (Graff 5, 136): gedult oder erleydung. 
bulla cene domim. (1522). Biiij''; göttli- 
che gedult. Rom. 3, 26 ; gedult Christi. 2 
Thess. 3, 5 ; die gedult Hiob. Jac» 5, 11; 
vnd leide es mit grosser gedult. 2 Macc. 7,20; 
hat er mit grosser gedult getragen die gefesse 
des zoms. Rom. 9, 22 ; straffe, der wir vns 
mit gedult vntergeben sollen, ob man für 



dem sterben fliehen muge. (1527). Biij*; 
welche {bücher) kein from biderman mit ge- 
dult lesen kan. ein dialogus. (1545). Bj^ 
geduld haben, tragen : ein fromer Schulmeister 
kan seer wo! gedult haben, das 16. cap. 
Joh. (1538). Ddj*; das er gedult habe, 
wens vbel gehet, ps. 94, 13; hab gedult, 
gott wird dir bald helffen. Tob. 5, 14 ; also 
trug er gedult. Hebr. 6, 15. geduld haben 
mit einem (etwas) : e. f. g. wollen mit mir 
alten vergessen man gedult haben, de Wette 
br. 6, 209; habe gedult mit deinem nehesten 
in der not. Sir. 29, 11; habe gedult mit 
mir, ich wil dirs alles bezalen. Malth. 18, 
26. 29. 

fiedildea, dulden, nMl. gedulden (Lexer 
776): sollen wirs noch lenger gedulden? 
ein irew vermanung. (1522). Bij *. 

dedlldig (gedullig, gedültig), patiens, 
mhd. gedultec (Ben. 1, 379 ^ Lexer 776), 
ahd. gidulttc {Graff 5, 137). ü wegen -ig 
richtiger als u. 

1) adj. a) praedic: der herr ist gedültig 
vnd von grosser barmhertzigkeit. 4 Mos. 14, 
18 ; wer gedültig ist, der ist weise, spr. 14, 
29; seid gedültig in trübsal. Rom. 12, 12; 
seid gedültig gegen jederman. 1 Thess. 5, 
14; es ist des rhümens kein ende... wie 
messig vnd gedültig sie sind, das diese wort 
etc. (1527). bij*; nicht alleine gedültig, 
sondern auch barmhertzig vnd iamerig raus 
er sein, der proph. Sacharja. (1528 f. 
Lj*. ■ 

b) attrib.: ein gedültiger geist ist besser, 
denn ein hoher geist. pred. 7, 9. 

2) subst. : ein gedültiger ist besser denn 
ein starcker. spr. 16, 32. 

Hedildig, adv. patienter: vod leid (litt) 
es gedüll^. 2 Macc. 6, 19. 

fiedilalgUeli (gedültighch), adv. dasselbe: 
daraus wird er bewegt , nicht alleine zu ley- 
den gedultiglich. der proph. Sacharja. 
(1528). Lj*; die vnsern zu Augspurg so 
hertzlich , demütiglich, gedultiglich . . . vmb 
friede gebeten, widder den metichler zu 
Dresen. (1531). Biij*^; darumb sollen wir 
solche tyrannen nicht allein gedültighch lei- 
den. Bindseil 7, 361 ; wollest mich gedul- 
tiglich hören, ap. gesch. 26, 3. 

Iiledinkj m. hedünken, guidünken, mhd. 



GEDUNKEN 



35 



GEFALLEN 



gedunc (Ben, 1, 359*. Lexer 776), bei L. 
nur im pL : wanddlen nach jres bösen her- 
tzen gedimcken« Jer. 1, 24; folgen jres 
hertzen geduncken. 9, 14; nach geduncken 
jres hertzen. 13» 10; wie die deutschen 
singen : 

necht tzahenl war ich truncken, 
da redt ich noch (nach) geduncken. 
bulla cene domini, (1522). Aiij*; vnd ge- 
het eben wie ein wagen, so jnn der nacht 
feret, und nach geduncken gehen mus. der 
101. psa/m. (1534). Biiij *; zwar wenn es 
nach geduncken jnn solchen sachen gülte zu 
reden, wdt ichs auch wol können, zwo pre^ 
digi, (1535). Aiy'; so du doch solt alle 
geduncken faren lassen. Jen. 1, 66^. vgl. 
dunk. 

fiedaikei^ dünken, refl. sich dünken, 
einbilden : denn die selben sich geduncken. 
Jen. 1, 73": 

fiedinkt; parL eingebildei: szo kann man 
der selben gedunkten peyn keynen namen 
gebenn. ein serm. von dem ablasz. (15 IS). 
Aij^ 

üttlf s. gel. 

fieelsickt. /*. gelbsucht. 5 Mos. 28, 22, 
wo es eine krankheit des gelraides bezeich' 
netf welche ein gelbwerden, hinwelken des^ 
selben zur folge hat (1 kön, S, 37 übersetzt 
L. dasselbe wort mit brand, Arnos 4, 9 mit 
brandkorn). 

ISeessen^ s. essen. 

ISefabr^ f. periculum, bei L. , der noch 
das einfache falir («. d.) gebrauchty äuszerst 
selten erscheinend: der jederman sich auch 
mit gefalir des lebens dargibt. Jen, 1, 405**; 
on alle gefar {gedr, gefär, Jen. 2, 310^* fahr) 
des gewissen, das 7. cap, s, Pauli zu den 
Cor. (1523). Hiiij*. 

liefahr (gefehr), f. betrug, hintetlist, mhd. 
^e\adre (Ben. 3, 267**. Lexer 956): den- 
noch wil gott jnen (der obrigkeit) gehorsam 
gehalten haben on alle list vnd gefehr. Jen. 
1, 281^ 

liefähr (gefehr), adj. feindselig, aufsät- 
zig, mhd. gevaere (Ben. 3, 267 ^ Lexer 
957): da wirslu finden... erbare heilige 
leute für der wellt, die dir gefehr vnd gram 
seyen. das 11. cap. Joh. (1530). Niij^; 
sonst würden sie beide ym vnd vns der per- 



son halben nicht so feind vnd gefehr sein. 
das 14. und 15. cap. s. Joh. (1598). zzz 

fiefakre« (gefaren), hintergehen, täuschen 
(?), mhd. gevllren (Ben. 3, 271'*. Lexer 
957): gleich als weiin vns die pelagianer 
wolten gefaren mit diesem wort erbsunde 
odder Adams seuche. von den concilijs. 
(1539). PijV 

fiefikrte (geferte),m. fahrt-, reisegenosse, 
mhd. geverte (Ben. 3, 257'. Lexer 960): 
meyn artiger geferte. var, zu PhiL 4, 3 ; 
diszen artigen gefertten verstehen viel, es sey 
s. Paulus weyb geweszen. das 7. cap. s. 
Pauli zu den Cor. (1523). Diij'; sie niei- 
neten aber, er were vnter den geferten. Luc. 
2, 44 ; die menner aber die seine geferten 
waren, ap. gesch. 9, 7 ; zum geferten vnser 
fart. 2 Cor. %, 19. auch in fem. bedeU' 
tung gefährtin : da bracht er alle thier, sie 
vnd er, zum Adam, aber seine sie odder ge- 
ferten fand er nicht, vber das erste buch 
Mose. (1527). Jiij^ 

fiefalleii, mhd. gevallen (Ben. 3, 219'. 
Lexer 955), ahd. gi-, kafallan (Graff 3, 
456 ff.), von L. noch in zwei bedeutungen 
gebraucht. 

\) fallen, zufallen, zukommen: es hatte 
dazu der bapst dennoch die band mit im sode 
behalten, das die helfft solt gefallen zu dem 
gebew s. Peters kirchen zu Rom. wider 
Hans Worst. (1541). Liij'; vnd gefiel 
{fiel, wurde gegeben) eine solche antwort. 
Verantwortung etc. (1533). Eij'; böse ge- 
selschaffl, da offt gar erg erhebe wort gefallen 
wider den glauben vnd verderben gute ge- 
wissen, gl. zu 1 Cor. 15, 33. 

2) placere, gratum esse, a) ohne dat. 
derperson: wenn holTnung da ist, ettwas 
zu erschnappen, thuen vnd reden' sie (die 
hofeschranzen) getrost, was sie dünckt es 
gefalle, vier trostl. psalmen. (1526). C 
iiij ' ; da muß ja kein ander predigt gefallen, 
denn aus eingeben des bösen geisls. von den 
Schleichern. (1532). Bj*. b) mit dat.: 
ihut mit jnen was euch gefellet. 1 Mos. 19, 
8; solte das dem herrn gefallen? 3 Mos. 
10, 19; sie gefellet meinen äugen, rieht. 
14, 3; denn ich halt, das dis büchlin auch 
vnsern widdersachernselbs müsse gefallen, ob 

6* 



GEFALLEN 



36 



GEFANGEN 



lie wol nichts wollen der vnsern yhn gefal- 
sen lassen, oeconomia chrisliana, (1529). 
Aij*'; — thue mit jr wie dirs gefeit. 1 Mos, 
16, 6 ; der sol thun wie es meinem hcrtzen 
vnd meiner seelen gefellet. 1 Sam. 2, 35. 

c) mit inf, oder mit einem abhängigen 
salze : es gefellet mir nicht sie zu nemen. 5 
Mos, 25, 8 ; gefeit dirs mit mir gen Babel zu 
zihen, so kom. Jer. 40, 4 ; — gefellet es 
euch, das ich meinen todten l^egrabe, so 
höret mich. 1 Mos. 23, 8; es gefiel dem 
könige, das er mich hin sendete. Neh. 2, 6. 

d) mit adv. : die rede gefiel Hemor vnd sei- 
nem son wol. 1 Mos. 34, 18; es gefalle jm 
denn recht wol. wider das bapslum zu 
Rom. (1545). Aij^; das wird dem herrn 
bas gefallen, ps. 69, 32; welchs jm doch 
viel bas gefellet , denn dem storke sein klap- 
pern, vom abendmal Christi. (1534). dij**. 

e) sich (L, ihm, ihr, ihnen) etwas gefallen 
lassen , seine Zustimmung dazu geben , sich 
demselben nicht widersetzen: da das Moses 
höret, lies ers jm gefallen. 3 Mos. 10, 20; 
denn werden sie jnen die straffe jrer misse- 
that gefallen lassen. 26, 41 ; vnd dieselbige 
lesset es jr gefallen bey jm zu wonen. 1 
Cor. 7, 12. 

Cefallen^ m. und n. mhd. geval (Ben, 3, 
222 ^ Lexer 955), bei L. in folgenden 
redensarten : a) an , zu etwas gefallen (lust, 
neigung) haben : vnter meins valers kindern 
hat er gefallen gehabt an mir. 1 chron. 29, 
4 ; w^er wird gefallen haben an seinem hause 
nachjm? Hiob 21, 21; er hat nicht lusl 
an der slercke des rosses, noch gefallen an 
jemandes beinen. ps. 147, 10; hephetz 
heisst eigentlich ein gefallen oder willen, 
lust, neigung zu einem ding haben, von den 
letzten Worten Dauids. (1543). Xij''; 
(herzog Friderich) hatte solchen gefallen vnd 
hoffnung zu dem bischoue, das er dis fröhche 
wort hat gesagt , lasst mir den man mausen. 
tpider Hans Worst. (1541). Kiiij^ b) 
2u gefallen thun: 'Asser wird den königen 
zu gefallen thun. 1 Mos. 49, 20 ; dem herrn 
etwas zu gefallen thun. Hos. 9, 4. c) dei- 
nes, seines etc. gefallens (belieben): du bist 
<ler man nicht , der d. Luther deudsch reden 
tiol leren, odder jm seine wort nemen vnd 
kleines gefallens deuten, widder d. meuchler. 



(1531). Biiij^; so ists auch nicht recht... 
das einer das gemein sacrament der kirchen 
nach seiner eigen andacht wil brauchen vnd 
damit seins gefallens... spielen, artickel 
etc. (1538). Biiij'; vnd pfarher schicken 
yhrs gefallens. originalbr. v.J. 1530 in der 
bibl. zu Wolfenbüttel, de Wette &r. 4, 194; 
woll jr dem herrn ewrs gefallens zeit vnd tage 
bestellen, wenn er helffen sol? Judith 8. 
11. 

ttejfällig ^gefellig), placens, gratus, mhd. 
gevellic {Ben, 3, 225*. Lexer 959J, ahd. 
gef ellig (6rra/f 3, 465). a) mit dat.: gerech- 
tigkeit, die jm (gott) gefeilig ist. Luc. 1,75; 
wer darinnen Christo dienet, der ist gott ge- 
fellig. Rom. 14, 18; oder gedenck ich men- 
schen gefellig zu sein. Gal, 1, 10; da wirt 
gott dem hertzen szo lieblich vnnd gefellig 
vnnd susz, das es nitt mehr begerd. euang. 
von den zehen aussetzigen. (1*521). Hiij'. 
b) mit für (vor) : meine lere ist für dir recht 
vnd gefellig. von heimlichen und gestolen 
brieffen. (1529). Fj"; was recht vnd ge-» 
fellig ist für dem herrn. 5 Mos. 12, 28; 
vnd thun was für jm (gott) gefellig ist. 1 
Johi 3, 22. c) sich jemand gefällig machen: 
gleich wie ich auch jederman in allerley mit-li 
gefellig mache. 1 Cor. 10, 33. 

Gefangen 5 captus, part. von fahen [fan- 
gen), 

1) adj.: sein gefangen volck. ps, 14, 7. 
53, 7 ; das gefangen Egypten. Jes. 20, 4 : 
du gefangene tochter Zion. 52, 2 ; — ich 
bin gefangen gewesen vnd jr seid zu mir 
komeh. Matth. 25, 36 ; wenn haben wir 
dich kranck oder gefangen gesehen vnd sind 
zu dir komen? v. 39; vnd lies Paulum hin- 
der sich gefangen, ap. gesch. 24, 27. hier 
mögen auch belege für die Verbindung des 
part. gefangen mit nehmen, führen, halten, 
legen, liegen, siVien eine stelle finden : alle 
kinder vnd weiber namen sie gefangen, l 
Mos. 34, 29 ; streit er wider Israel vnd fürel 
etliche gefangen. 4 Mos. 21, 1 ; im lande 
jres gefengnis, da man sie gefangen helt. 2 
chron. 6, 38 ; vnd legten jn gefangen. 3 
Mos. 24, 12; ins gefengnis, da Joseph ge- 
fangen lag. 1 Mos. 40, 3; die da sitzen 
muslen gefangen im zwang vnd eisen, ps. 
107, 10. 



GEFÄNGLICH 



37 



GEFLISSEN 



2) subsL: ich gefangener in dem herrn. 
Ephes. 4, 1 ; auch mit beitimmlem artikel: 
der gefangener. 3, 1 ; gen. des gefangenen. 
2 Mos. 12, 29. der pl, schwanJU xiDisehen 
gefangene und gefangenen : des königs ge- 
fangene. 1 Mos. 39, 20; da haben doch 
mit einander friede die gefangenen. Biob 3, 
18; bringet die gefangenen wider hin. 2 
chron. 28, 11; jr solt die gefangene nicht 
her ein bringen, v. 13 ; die summa des raubs 
der gefangen (gefangenen). 4 Mos. dl, 26. 

Cdivglicb (gefenghch), adv. geßlnglich 
einziehen, gefangen nehmen, seUen: der 
ehrwürdig vater general hette gewilligct mich 
... gefenghch einzuziehen. Jen. 1, 127^; 
nach dem Johannes gefenglich eingezogen. 
hausposL {Witlemb. 1545). winlerleil 8*. 
gefenghch ^^ gefangen: das viel gefenghch 
w^gefurt waren. 1 Macc. b, 26 ; da hiell 
jn Arsaces gefenglich. 14, 3. 

CefiBglia (gefengnis), f. und n., doch mit 
bevorzugung des letzleren, mhd. gevanc- 
nisse, gevencnisse, ebenfalls f. und n. (Ben. 
3, 212*. Lexer9bQ), gebraucht L, \) ßr den 
zustand des gefangenseins , die gefangen- 
schaß : so wird der herr dein gott deine ge- 
fengnis wenden. 5 Mos. 30, 3; im lande 
jres gefengnis. 1 kön. 8, 47 ; wen das ge- 
fengnis trifft, den trelTe es. Jer. 15, 2; vmb 
die zeit des babylonischen gefengnis. Malth. 
1, 11 ; nach der babylonischen gefengnis. v. 
1 2 ; meyn büchlin von der babylonischen ge- 
fengknisz. antwort deutsch. (1522). Diig*^; 
die grosse gefengnis der sunden (gefangen- 
Schaft in Sünden), artikel u. s. w. (1538). 
Eiij •. • 

2) ort des gefangenseins: vnd legt jn ins 
gefengnis. 1 Mos. 39, 20; vnd lies sie 
setzen in des hofenieislei^ haus , ins gefeng- 
nis, da Joseph gefangen lag. 40, 3; vnd 
worlTen sie in das gemeine gefengnis. ap, 
gesch. 5, 18; die thür des gefengnis. v. 19; 
das gefengnis funden wir verschlossen, v. 23. 
auch der Ort der quäl, die hölle, heiszt. 1 
Petr 3, 19 gefengnis. 

3) gefangene: vnd hast das gefengnis ge- 
fangen, ps. 68, 19. 

Iicfasi (gefesz, gefess, gefes), gefäsze (ge- 
fesse. ap. gesch. 27, 17), n. vas, colL zu 
fasz yS. d.), mhd. gevie^e {Ben. 3, 2S3*. 



Lexer 958). 1) eigentlich: ein töpffer kan 
aus dem thon ein gefes machen, was er wil. 
gl. zu Jes.* 45, 11; kanden vnd ander gefesz. 
von der beicht. (1521) bij*; silbern vnd 
gülden gefess. 2 Mos. 3, 22; httlUen gefess. 
3 Mos^ 11, 32; erden gefess. v. 33; die 
gefesse des hauses des herrn. Esra 1,7. 

2) bildlich: goi% hat mit grosser gedult 
getragen die gefessa des zoms. Rom. 9, 22 ; 
gefesse der barmhertzigkeit. v. 23 ; ynn der 
gantzen scluifft wird das gefess genommen 
für die wort, darumb das ynn vnd mit den 
Worten der synn verfasset, geben vnd genom- 
men wird, gleich wie mit dem gefess der 
wein, Wasser, kolen vnd was denn ist, das 
man fasset, post. (1528). 63 ^ 

fiefitter, s. gevatter. 

defsttenckafti s. gevatterschaft. 

fiefchr^ s. gefähr. 

Cefellig, s. gerällig. 

Ctefenglichj s. gefänglich. 

SefeigiiSj s. gefängnis. 

fiefertei s. gefahrte. 

fiefessi s. gefäsz. 

deficdert (gefiddert), part. adj. mit federn 
versehen, mhd. gevidert {Ben. 3, 288*), 
ahd. gäfiderit {GraffS, 449): allerley gefid- 
derls geuogel. 1 Mos. 1 , 21; gefidderle 
reder. Jen. 5, 21*. 

dcfildf I n. Campus, ebene, blachfeld, coli, 
zu feld, mhd. gevilde {Ben. 3, 296 ^ Lexer 
962*, ahd. gilUdi {GraffS, 516): das gefilde 
Moab. 4 Mos. 22, 1 ; das gefilde der Hoa- 
biter. 33, 48; des gefildes. v. 49; vnd man 
wii'd gehen im gantzen lande vmb, wie aufl" 
einem gefilde. Sach. 14, 10. 

deflick, geflicke, n. 1) anhaltendes oder 
wiederholtes flicken , bildlish in folgender 
stelle : vud ist des vnnötigen geflicks vnd ge- 
pletzes so viel, das sie selten zur sache komen. 
das diese worte etc. (1527). c ij*. 2) cento, 
flickwerk, in der folgenden stelle ein zu- 
sammengestöppeltes Schriftstück: vnd ist 
{SC. das kaiserliche edict) ein jemerhch ge- 
flicke, nicht anders denn als eins bettelers 
mantel, denn ich höre, das wol funlT mal dis 
eilict sev verendert vnd haben viel sich dran 
geerbeit. auff das vermeint keiserlich edict. 
(1531). Aiiij^ 

(»eflissfi (gevltssen, geulissen), part. 



GEFRÄSZ 



38 



GEGEN 



praei, von fleiszen {s. d.): zu dienen vnd 
folgen . . . ailweil erbültig, willig vid gevlis- 
sen. Verantwortung der auffgelegten auff- 
rur. (1533). Ciij*. 

MfäMf gerräsze (gefres, gefresse), n. 
eolL zu frasz »* das fressen, mhd, gevrae^e 
(Ben. 1, 762^ Lexer 965): vnd also ein 
lauter gefres aus dem * abendmal machten. 
vom aJbendmal Christi. .(1528). Cüij*; vnd 
aus dem sacrament ein leiblich gefresse 
macheten. vermanung zum sacrament. 
(1537). Hij^ 

Uttrtltif gefreit, part, von freien, frei 
machen, befreien : von diesen bürden sol nu 
forthin das land Juda . . . gefreiet sein. 1 
Macc. 10, 30; vom schos gefreiet sein. v. 
33. subst.: wer ein knecht beruffen ist in 
dem herrn, der ist ein gefreiter des herrn. 1 
Cor. 1, 22. 

CefreSj gefresse, s. gefräsz. 

Cr frr nnd; befreundet, verwandt : w eil sie 
mit einander gefreund waren. 2 Macc, 5, 
9. — mhd. gevriunt (Ben. 3, 412 •. Lexer 
966). 

defreundtc, m. freund, verwandter: ein 
gefreundter des , dem Petrus das ohr abge- 
hawen halte. Joh. 18, 26; grüsset Hero- 
dionem meinen gefreundten. Rom. 16, 11; 
die meine gefreundte sind nach dem fleisch. 
9, 3; jre nachbarn vnd gefreundten. Luc. 
1,58. 

(IffreiiBdtei f. freunöin, verwandtin: 
Elisabet deine gefreundte. Luc. 1, 36. 

Gefre HndtiB I f. dasselbe: auch spricht 
der eugel Gabriel Luc. 1 {v. 36) das Elisabet 
sey Maria mume oder gefreundlin. vom schem 
hamphorgs. (1543). Mij*. t?^/. t?orAer ge- 
freundte. , 

' Hefriern^ gelare, frieren, nüid. gevrieseu 
(Ben. 3, 413^ Lexer 965), ahd. gi-, ka- 
friusan (Graff 3, 828): er lest im winler 
schneien, reiflen vnd gefrieren, der 147. 
psalm. (1532). Diij*; wenn es gefrewret, 
so werden ciszacken. Sir. 43, 21. 

Gegäky gegäke (gegeck, gegecke, gekecke), 
n. da« kreischende geschrei der dolen und 
raben, wie auch der frösche: ein gekecke 
der frösche. tischr, 147 *". noch einen be^ 
leg s. unier gäken. 

(legatte, m, gälte, conjux: man sagt, dasz 



ein pfaw keinen ne]>en jm könne leiden, der 
mit seinem gegalten auch zu hielte, tischr. 
306 ^ — mhd. gegale {Ben, 1, 488*. Lexer 
778). 

(itfitm, praep., mhd. gegen {Ben. 1, 492'. 
Lexer 778), ahd. gegin, gagao, kakan {Graff 
4, 135), anfangs von L. oft kegen geschrie- 
ben (belege s. hemaeh). vereinzelt begegnet 
contr. gern >» gegen dem (z. b. 1 Mos. 11, 
2). in der regel construiert L. gegen noch 
mit dem dal. , doch ist die constructian mit 
dem aec. nicht gerade selten, es steht 

1) räumlich, a) hin, zu, nach etwas: er 
(Daniel) hatte an seinem sommerhause offene 
fensler gegen Jerusalem. Dan. 6, 10; vnd 
gott der herr pflanlzel einen garten in Eden 
gegen dem morgen. 1 Mos. 2, 8 ; da sie nu 
zogen gern morgen. 11, 2; sihe gegen mit- 
ternacht, gegen dem mittag, gegen dem mor- 
gen, vnd gegen dem abend. 13, 14; gegen 
dem gnadenstuel sprengen. 3 Mos. 16, 14 
(v. 15: gegen den gnadenstuel); verbirge 
dich am bach Crith, der gegen dem Jordao 
fleusst. 1 hon. 17, 3; das sie können gegen 
die vier ort der well... gehen. Bindseil 7, 
351. b) gegenüber, vor: hie haben der 
heyden meistere... feindlich getrachet, wie 
es zugehe, das er (der regtnbogen) allenuil 
gegen der sonnen stehet, vber das erste buch 
Mose. (1527). aüj''; vnd als er seine äugen 
auffliub vnd sähe, da stunden drey menner 
gegen jm. 1 Mos, 18, 2; in der hole, die 
da ligt gegen Mamre. 25, 9 (vgl. 23, 17); 
vnd man satzt sie gegen jm. 43, 23; die 
salzten sich gegen das grab {dem grab gegen» 
über). Malth. 27, 61; gehet hin in den 
marckt, der gegen (Matth. 21, 2: für vor) 
euch hgt. Luc. 19, 30. 

2) zeillich, annäherung ausdrückend: 
vnd Dauid schlug sie von dem morgen an bis 
an den abend gegen dem andern tag, d. i. 
gegen den beginn des andern lages, welcher 
mit dem abend eintrat. 1 Sam. 30, 17. 

3) vergleichend: einer mag besser vnd ge- 
schickler sein dan der ander, gleich wie 
sancl Paul war kegen Petro. von dem bap- 
stum. (1520). Dj*'; noch ilzt furslen, bi- 
schofie vnd herrn sind, die gegen dem könig 
zu Nineue rechte beller sind, der proph. 
Jona. (1526). Aiij ^ ; gegen wem messet jr 



GEGENANDER 



39 



GEGENTHEIL 



mich, dem ich gleich sein solle ? Jei, 46,5; 
die abtrünnige Israel ist from gegen die ver- 
stockte Jtida. Jet, 3i 11; sie sollen klein 
sein gegen andern königreichen. Etech, 29, 
15; gold ist gegen sie wie geringer sand, 
vnd süber ist wie kot gegen sie zu rechen. 
wei9h, ly 9. 

4) von freundlichen gesinnungen und 
handlungen, erga: sein hertz entbrand jm 
gegen seinem bruder. 1 Mos. 43, 30 ; dar- 
um bricht mir mein hertz gegen jm. Jer. 31, 
20; danimb preiset gott seine liebe gegen 
vns. Rom. 5, S; vleissiget euch der ehrbar- 
keit gegen jederman. 12, 17; seid gedültig 
gegen jederman. 1 Thess, 5, 14; sanfftmü- 
tigkeit beweisen gegen allen menschen. TU. 
3, 2 ; ob du auch liebe gegen deynen nehi- 
slen beweyssist. von beider geslalt. (1522). 
Dij • ; für euer gutwilliges hertz, so ihr gegen 
mir erzeigt habt, de Welle br, 4, 586. 

5) feindlich gegen, wider : vnd rüslelen 
sich gegen Israel. 1 Sam. 4, 2 ; vnd rüsten 
sich zum streit gegen die Phihsler. 17, 2; jr 
solt nicht streiten weder gegen klein noch 
gegen gros, sondern gegen dem könig Israel 
alleine. 2 chron. 18, 30; das jr bestehen 
künd gegen die listigen anlaulT des teufeis. 
Ephes. 6, 11; vnd es that seinen mund aufT 
zur leslerung gegen gott. offenb. Joh. 13, 
6. oft unentschieden : wie flh mich gegen 
gott stelle, so stellet er sich gegen mir. vber 
das erste buch Mose. (1527). aiüj*; wer 
weis, was er (gott) droben dencket odder im 
sinn hat gegen mir? das 17. cap. Joh. 
(1530j. Hj«. 

Ut^eaMmAtr, s. gegeneinander. 

CiCgciUM^ gegenbilde, n. anlitf^pus, ab^ 
bild im gegensatz von vorbild: Christus ist 
nicht eingegangen in das heilige, so mit hen- 
den gemacht ist, welchs ist ein gegenbilde 
des rechtschaffenen. Hebr. 9, 24 ; darumb 
ist not, das man nicht alleine die drey bilde 
in Christo ansehe vnd die gegenbilde damit 
austreibe vnd fallen lasse. Jen. 1, 185*. 

fiegendj f. regia ^ mhd. gegent, gegende, 
gegenote (Äen. 1,494*. Lexer 780): die 
gantze gegend am Jordan. 1 Mos. 13, 10; 
von der gegend vmb Jerusalem her. Neh. 
12, 28; Jhesus entweich in die gegend Tyro 



vnd Sidon. Matlh. 15, 21; die menner aus 
den gegent«n. Neh. 3, 22. 

Cegcaeliandcrj häufig verkürzt gegen- 
ander, mutuus, gegenseitig, eins gegen das 
andere: figur vnnd erfullung der figurenn 
haben sich kegennander wie ein leyplich vnd 
geistlich odder euszerlich vnnd ynnerlich 
ding, von dem bapslum. (1520). Diij*"; 
mit vnsaglichem hasz vnd neyd gegenander 
streytten. an d. ehristl.adel. (1520). Güj*; 
hie vnterricht s. Paulus die eheleutt, wie sie 
sich gegeneinander hallten sollen der ehe- 
pflicht halben, das 7. oap. s, PauU zu den 
Cor. (1523). Biiij*^; wo man ehe vnd 
junckfrawschafft gegenander hellt, ebend, 
Ciij*; wenn wir nu alles gegeneinander hal- 
ten, vber das erste buch Mose. (1527). 
Ej ^ ; vnd rüsten sich also die zween könige 
gegen ander. Bindseil 7, 374; es ist nicht 
ein geschrey gegen ander. 2 Mos. 32, 18; 
jre andhtz stunden gegen ander. 37, 9 ; die 
weiber sungen gegen einander. 1 Sam. 
18, 7. 

Hcgenpart, m. eUiversarius, gegner: vnd 
solt seinen rechten oberherrn, den keiser, 
hierin lassen richter sein vnd sein gegenpart 
lassen daselhs zur verhör vnd zur antwort 
komen. wider den bischoff tu Magdeburg. 
(1539). Cij*; abwesens seines gegenpart«. 
ebend. D j *. 

liegcnspieJ, n. contrarium, gegentheil: 
die Juden haben diesen feinen brauch gehabt, 
das sie das jar nach den monden zelen , wir 
thun das gegenspiel. EisL 1, 335*^; das ge- 
genspiel sehen wir. 2, 200 ^. 

degentj^nidiy m. contradictio : thue ich 
nu derhalb daran vbel , so ich dieser deeretal 
vnter äugen setze diesen gegenspruch. Jen. 
1, 126* (gedr. 131). 

degeMtanii^ m. ordo adversarius: gilt 
Judenstand nicht für gott , wolan so wil ich 
den faren lassen vnd ein Krieche werden vnd 
den gegenständ annehmen. posC. (1528). 
189*. 

degrathdl (gegen teil), m. und n. gegner, 
Widerpart: ein feldflüchtiger geist, der nicht 
thar seinem gegenteil richtig vnter äugen ge- 
hen, vom abendmal Christi. (1534). fiij*"; 
die jre widdersachcr vnd gegenteil können 
nidderschlahen. das 6. cap. Ephes. (1533). 



.\ 



GEGENÜBER 



40 



GEGITTER 



Cj**; wenn einer eine böse sache hat vnd 
das gegenteil mit der hellen warheit yhm das 
hertze leid thut vnd bange macht, vom 
abendmal Christi. (1528). xiy\ — mhd, 
gegenteil m. {Lexer 781). 

(legcnnber (gegen vber), e regione: vnd 
satzte sich gegen vber. 1 Mos. 21, 16; vnd 
daselbs gegen vber sich lagern. 2 Mos. 14, 
2; vnd tratlen gegen vber. 2 hon. 2, 7. 

fk^gennrtheil (gegenurteil) , tt. Unheils^ 
Spruch, welcher einem andern entgegenge- 
setzt wird: durch goltes gegenvrteil ver- 
dampt. das 16. cap. Joh. (1538). Nüij^. 

(Icgenwärtig (gegenwertig, kegenwertig. 
von der wit^elmessß. 1533. Liij^), adj. 
praesens, mhd. gegen wertic (Ben. 3, 600*. 
Lexer 781), ahd. geginwertig, gagenwartig 
{Graff l , 1 1 0). 1 ) adj. a) attributiv: were er 
igott) aber eyn gegenwertiger, sichtlicher 
'mensch, er sollt sie mit eym strohallm zum 
lande ausiagen. das ander teyl widder die 
hyml. Propheten. (1525). Aij'; vnd sprach 
für gegenwertigem Israel. Jos. 10, 12; das 
gegenwertig gut. pred. 6, 9 ; vmb der ge- 
genwertigen not willen. 1 Cor. 7, 26. b) 
praedicativ : widderumb mus sie (die göttli- 
che gewalt) an allen orten wesentlich vnd 
gegenwertig sein, das diese wort etc. (1527). 
f iiij ^ ; das der herr selbs gegenwertig were 
in dem streit. Sir. 46, 8; nu sind wir alle 
hie gegenwertig für gott. ap. gesch. 10, 
33; als der ich mit dem leibe nicht da bin, 
doch mit dem geist gegenwertig. 1 Cor. 5, 
3; derhalben ich auch solchs abwesend 
schreibe, auff das ich nicht, wenn ich gegen- 
wertig bin, scherffe brauchen müsse. 2 Cor. 
13, 10. 

2) substantivisch: auff das sie mit vleis 
heuchlen möchten dem abwesenden als dem 
gegenwertigen, weish. 14, 17; weder ge- 
genwertiges, noch zukünfftiges. Rom. 8, 38; 
es sey das gegenwertige oder das zuküniftige. 
1 Cor. 3, 22. 

degenwirtig (kegenwertig), adv. inprae- 
sentit nunc: wye sie Christum kegenwertig 
furchten vnd eeren mit yren bettlyn vnd an- 
dacht. serm. von dem hochw. sacrament. 
(1519). biij^ 

Cegenwärtigkeit fgegenwertigkeit, gegen- 
wertickeit, kegenwertickeit. var. zu psalm 



102, 11), f. gegenwar t, praesentia: goll 
hat zweyerley wesen odder gegenwerlickeyl. 
eyne ist natürlich, die ander geystlich. na- 
türlich ist er an allen enden . . . aber geyst- 
lich ist er alleyne, da man yhn also kennet. 
der prophet Jona. (1526). Cij*; in gegen- 
wertigkeit der priester vnd alles volcks. Jer. 
28, 1 ; in gegen Wertigkeit des gantzcn volcks. 
V. 1 1 ; die gegenwertigkeit des leibes. 2 Cor. 
10, 10; in meiner gegenwertigkeit. Phil. 2, 
12. — mhd. gegenwertikeit (Ben. 3, 600V). 

(legenwartiglich (^egenwertiglich) , adv. 
in praesenti : weil meine kirche , bisschoue 
vnd sacrament flugs wircken vnd heißen in 
diesem leben vnd gegen wertiglich. von den 
concilijs. (1539). i j **; alles was du gegen- 
wertiglich brauchest, gl. zu 5 Mos. 28, 5 ; 
das brod ist wesentlich vnd gegenwertiglich 
da {im h. abendmal) meyn leyb. post. 
(1528). 300 ^ — mhd. gegenwerticltche 
{Ben. 3,. 600 K Lexer 782). 

degenwehr^ gegenwehre (gegenwere), f. 
defensio, mhd. gegen wer (Leo^er 781): on 
alles widdersetzen odder gegenwehre, der 
82. psaliti. (1530). Aij*'; aber du soll 
mirs keine auffrur deuten, sondern allein eine 
gegenwehre widder mörder vnd bösewichter. 
Widder den meuchler zu Dresen. (1531i. 
Dj**; vnd habe auch nicht wollen den vnsem 
raten zur gege|yvehre. ebend. Diij ^ ; nicht 
das ich hie mit wolle jemand reitzen noch 
erwecken zu solcher gegenwere. wamunge 
an s. l. Deudschen. (1531). Biij^; als die 
Juden Chris tnm wollen fahen, stellt er {Pe- 
trus) sich so bald zur gegenwere. das 14. 
vnd 15. cap, s. Joh. (1538) Aj**; vnd er- 
würgeten alles was sich auff den mauren zur 
gegenwehr stellet. 1 Macc. 10, 17. 

Gegenwort 9 n. verbum conirarium: sie 
bekennen mit worten, das Chr stus ein könig, 
priester vnd für vns gestorben sey, aber mit 
andern gegenworten . . . leucken sie das alles. 
post. (1528). 240*. andre bedeutung hat 
das mhd. gegenwort {Ben. 3 808**). 

Gegenwarfy m. objectum, gegenständ, 
mhd. gegenwurf (Ben. 3, 741*. Lexer 
782): als ein gegenwurff den man ansihet. 
Jen. 1, 28^; gegen wurfT des glaubens. post. 
(1528). 9*. 

Gegitter, n. gitter, gatter: denn am fenster 



GEGRÜNDET 



41 



GEHEIM 



meins hauses kucket ich durchs gegilter. spr, 
7,6. im folgender Helle, wie gatter (#. d,), 
s, V. a. kiifi§: den {gefangenen tiirkiechen 
kaieer) satzt er in ein eisern gegilter. tiechr. 
388 **. vgl. gitter. 

fiegriadet^ pari, fundalue, cerlue: für 
bewerte vnd gegrundte warheyl auszclaffen. 
serm. von d. abUuz. (1520). bj\ vergl, 
grOnden. 

ttehabca^ 1) gefallen : alles das do ist ge- 
vellet vnd gehabet got wol. eyn geistlich 
edles büchlin. (1516). Biij^ 2) später 
nur noch, wie heute, refi, sich gehaben -« 
sieh befinden: es geht yhm wol, er gehabt 
sich wol, es steht wol vmb yhn. der 36. ps. 
(1521). Dj*; ym abscheydenn sagen wir 
gehabt euch wol, habt gute nacht, lasts euch 
wol geben, ebend,; vier IrosU. psalmen. 
(1526). Cj*'; gehabt euch wol, fürchtet 
euch nicht. 1 Mos. 43, 23 ; gehabt euch 
wol. op. geseh. 15, 29; gehab dich wol. 
23, 30; gehab dich wol im faerrn. Jen. 1. 
Aij ^; ewer veterliche gute. . . gehab sich wol 
in Ghristo. 1, 12P. — warumb gehabt sich 
dein hertz so vbel? 1 5aifi. 1, 8 ; ich greme 
mich vnd gehabe mich vbel. Jer. 8, 21 ; der 
publican im euangelio {Lue. 18, 13) der ge- 
hübe sich vbel. Jen, 1, 24*. 

inA4. gehaben (l^en. 1, 600 ^ Lexer 783), 
ahd. kahap^n {Gra/f i, 728), goth. gahaban 
^= haben, halten, 

fichilt^ m. valor, werth: der bapsl magk 
gleych wie der keysser reytten vnd der key- 
szer ist seyn thrabant vff das bischofflicher 
wirde gehalt nicht gemindert werde, passiv 
onalChrütL (1521). Cij*. Eisl. 1,53". 

Mumlachti geharnscht, pari. adj. lori* 
calus, gerüstet, gewaffnet: wie die kinder 
Ephraim so geharnischt {var. geharnscht) 
den bogeo füreten. ps. 78, 9; sie {die hin' 
der Israel) zogen geharnscht aus. der pro- 
phet Habacuc. (1526). oj*. uneigentlich: 
keiserliche maiestet mus nicht allein mit 
harnscb oddcr woffen gezieret, sondern auch 
mit rechten geharnscht oder gerüstet sein. 
das man kinder xur schulen halten soll, 
(1530). Fiüj\ subst.: die geharnischten. 
2 chron. 28, 14; vnd zeucht aus den ge- 
harnisditen entgegen. Hieb 39, 21. 

mhd, geharnascht {Lexer 785). 

DxiTs, Wörterbuch. II. 



fielM^ s. gäbe. 

ttchcad^ s. gähend. 

CeheMnlgi s. gähezornig. 

Mkttkitf n. gebüseh, buschwerk: dar- 
umb isls auch so vnördig gewachsen, das zu 
keynem baw, sondern nur eyn vnnütz ge- 
hecke vnd nur zum fewrwerg tüchtig ist. an 
dieradherm. (1524). Biij^ 

fUh^gtf n. sepes, saun, einfriedigung : 
vnd mache dem volck ein gflhege >«nbher. 2 
Mos. 19, 12; mache ein gehege vrab den 
berg. V. 23 ; mandrae sol heissen ein schlecht 
gezeune oder gehege, wie von püsschen, 
streuchen, reisern gemacht wird for das vieh. 
von den condHjs, (1539). Züj**. — mhd. 
gehege {Ben. 1, 606*. Lexer 786), coli, tu 
hac hag. 

€ehei (gehey), n. höhn, gespott: daraus 
man greiffen mus, das sie aus dem ewigen 
leben ein lauter gehey vnd gespötte haben. 
wamunge an s. l, Deudsehen. (1531). 
Eüij * ; treiben also mit der gantzen Christen- 
heit jhr gespey vnd gehey als werens eitel 
geuckelmenner oder puppen, was auff dem 
reichstag %u Nuremberg etc. (1538). Aij*. 

Deheieiy vexieren, foppen, zum besten 
haben: {ein guter prediger) sol sich von 
jedermann lassen vexiren vnd geheien. tischr. 
180**; das gefeit mir wol, wenn ein teufel 
den andern vexirt vnnd geheyet. ebend. 
219'. 

deheiligeti geheiligt, pari, sanctus, san- 
ctißcalus. 1) adj.: ein geheiligt absonderung. 
Ezech, 48, 20; ein gelieiliget fas. 2 Tim. 
2, 21. 2) subst,: wenn sie jr gelieiligetes 
essen. 3 Mos, 22, 16; das geheiligete der 
kinder Israel. 4 Mos, 18, 32 ; ich hab mei- 
nen gehelligeten geboten. Jes, 13, 3; den 
geheiligten in Christo Jhesu. 1 Cor, 1, 2. 

Clehcin, n. mysterium^ geheimnis: mitt 
diszen wortlen hat s. Paulus feyn vergeystet 
das gülden reuchfassz vnd seyn geheym 
offenbart, ausleg. der ep. vnd euang, des 
advents. (1521). Ziij*; entdeckunge des 
geheymsz. var. zu Rom, 16, 25 in der er* 
sten ausg. des n. lest, ; das geheym der got- 
sehgkeyt {myslerium pielatis, 1 Tim, d, 
16), das ist, das gotselige geheym. post. 
(152S). 69^; er hat on zweyffel ein geyst- 

6 



} 



GEÜEUINIS 42 



GEHEN 



bdi gefaeym drinnen wollen anzeygen. ebend. 

Cckcfanb^ n. dasselbe : geheymnis heyst 
cm nrborgen heymlich ding, das man nicht 
wers. post. (1528). 3 1 *» ; das geheimnis 
des faerrn vnsers gottes ist offenbart 5 Mos. 
29t 29 ; das jr das geheimnis des himelreichs 
vernemet. Maltih, 13, 11; das geheimnis 
des reichs gottes. Marc. 4, 1 1 ; haushalter 
vbcr gottes geheimnis (pL, var. vhir die ge- 
heymnisz gottes). 1 Cor. 4, 1 ; alle geheim- 
nis. 13, 2. in beireff der Übersetzung von 
fivariJQior durch geheimnis sagt L. : ich kan 
beattigs tages kein deudsch finden auffdas 
wort mysteriom vnd were gleich gut, das wir 
blieben bey dem selbigen kriechischen worl, 
wie wir bey vielen mehr sind blieben, es 
heistia so viel ab secretum, ein solch ding 
da» aus den äugen gethan vnd verporgen ist, 
das niemand sihet, vnd gehet gemeyniglich 
die wort an, als wenn etwas gesagt wird das 
man nicht verstehet, spricht man, das ist ver- 
dackt, da ist etwas binden, das hat ein myste- 
rion, da ist etwas verborgens. eben dassel- 
bige verporgen heist eygentlich mysterium, 
ich heisse es ein gehevmnis. post. (1528). 
43*. 

tSckelii (geheiss), m. oder n. ? befehl, ge- 
bot, mhd, gehei^ m. {Ben. 1, 660'. Lexer 
787), ahd. gi-, kahei^ (Graff 4, 1084): 
aus geheis gottes. Jen. 1, 92*; weil jrs 
thul aus meinem befelh vnd geheiss, so Ihu 
ichs selbs. zwo predigt auff der kindertauffe. 
(1540). Jiiij*; vorpirge iah nit deine ge- 
heysz (pl.) var. zu ps. 119, 19; den weg 
deyner geheisz wil ich lauffen. r. 32 ; vnd 
wil mich halten zu deinen geheissen. v. 47 
u. noch öfter in diesem psalm. 

Cehelfen^ helfen, mhd. geholfen {Ben. 1, 
682*. Lexer 787): sage mir arme seel, ob 
ich dir nicht gehelfen müge? die lügend. 
(1537). Aiiij^ 

Gehen (gehn, gähn [gän]), ire, mhd. gön, 
gän, gangen {Ben. 1, 462** ff. Lexer 733. 
7 34), ahd. g^n, gän, gangan {Graff 4, 
65 /fj. 

i. Was zunächst die bei L. erscheinen- 
den formen dieses worles betrifft, so bie- 
ten die friiheren Schriften noch häufig alte, 
später ungebräuchlich gewordene formen. 



so lautet z. b. der inßn. in den frühesten 
Schriften gewöhnlich gähn {von dem baps- 
tum zu Rome. 1520. Biü)*"; Diij^; grund 
vnd vrsach. 1520. niiij^), ghan {vorele- 
rung etlicher artickell. 1520. Aj**), gan 
{von den guten wercken. 1520. Aiij*; 
Niüj*), später nur gehen, zuweilen gehn 
(belege hernach), ebenso die 3. pers. praes. 
ind. gabt, gat {des reimes wegen einmal auch 
noch in einer späteren schrift : ein weis fdd, 
darin ist schwarlze saat, manch man für vber 
gaht [gedr. gäbet], der nicht weis was da 
stat. von den letzten Worten Dauids. 1543. 
Aüj ^) ; conj. gäbe (das yemant eine gotliche 
Ordnung recht zu hertzen gäbe, von dem 
bapstum. 1520. Aiüj*; das er nach [noch] 
ein iar in die schul galie. ebend. Dij ^), neben 
gee (die sieben buszpsalm. 1517. Eiij'}. 
imper. anfangs gang {von den guten wer- 
cken. 1520. Aüj**; an den christl. adel. 
1520. Cj'; häufig noch in den beiden er- 
sten ausgg. des n. lest, vom j. 1522, z. b. 
Matth. 5, 41. 17, 27; Luc. 5, 14; verein- 
zelt auch noch in der ersten ausg. des a. 
lest. v.J. 1523, z. b. 2 Mos. 17, 5), später 
schwacl^es gehe statt des richtigeren geh (1 
Mos. 12, 1; 2 Mos. 32, 7. 33, 1; magd 
gehe milcke die kue. ein einf eltige weise zu 
beten. 1535. Biij*). prae(. gieng (gienck 
auf das vbirchristl. buch. 1521. Aüj**), 
selten ging geschrieben, part. praet. gangen 
und gegangen {beisp. hernach). — da* perf. 
wird auch mit haben construiert , z. b. du 
hast zu Tolpell yn die schul gangen, auff 
das vbirchristl. buch. (1521). Dj''; also 
hats diesen mördern auch gangen, widder 
den meuchler zu Dresen. (1531). Bi j **. 

//. bedeutung und gebrauch. 

1) gehen in engerem sinne: sich mitteUt 
der füsze fortbewegen, es wird gebraucht 

a) ohne weitere bestimmung: das es noch 
stincket, wo ein scharrhans gehet odder ste- 
het. das schöne confitemini. (1530). Biiij'; 
ich wil meilich hanach treiben, darnach das 
vieh vnd die kinder gehen können. 1 Mos. 
33, 14 ; vnd Dauid fieng an zugehen. 1 Sam. 
17, 39; ich gehe oder lige, so bistu vmb 
mich. ps. 139, 3. 

b) mit adverbien oder praedic. adj. : vnd 
gieng ein wenig furbas. Marc. 14, 35; vnd 



i 



GEHEN 



43 



GEHEN 



I 



er stellet sich, als wolt er fürder gehen. 
Luc. 24, 28 ; gehe eilend zu der gemeine. 4 
Mos, 16, 46; massig gan. von den guten 
tpercken. (1520). Niiij*; vnd er thct also, 
gieog nacket vnd barfus. Jes. 20, 2; finger 
nacket gehen, wider Hans Worst, (1541). 
Dij * ; ich gehe krum vnd seer gebücket, ps, 
38, 7 ; ob er wol nichts den (denn) hincken 
kan vnd nymmer gerad gähn, grund vnd vr- 
sach. (1520). niiij**. — schwanger, schwer 
gehen, schwanger sein, uterwn gerere : hastu 
gemerckt, wenn die hirsschen schwanger ge- 
hen? Hiob 39, 1; Elisabeth gehet auch 
schwanger. Luc. 1, 36 var. ; wyr deutschen 
sagen nicht concepit, das weyb hatt empfan- 
gen, . . . sondern so spricht der deutsch man 
vnd mutter tzunge, das weyb gehet schwan- 
ger adder (oder) gehet schweer. das Jhesus 
Christus ein gebomer Jude sey. (1523). 

Biüi^ 

c) mtl tn/iti. ohne zu : als wolten sie beten 
gehen. Judith 3, 1 1 ; wallen gehen, das 
6. cap.Ephes. (1533). Biij^; das der alt 
esel nicht zu mutwillig werde vnd aufls cysz 
tantzen gehe. ep.s. Petri gepredigt. (1523). 
Eiiij'; betteln gehen. Hiob 20, 10, woßr 
auch nach brot gehen, ps. 37, 25 ; schlaffen 
gehen. 5 Mos, 31, 16, hier s, v« a. sterben. 
— mtl zu: Laban war gangen seine herde 
zu scheren. 1 Mos. 31, 19; menner, die 
gegangen waren das land zu erkunden. 4 
Mos. 14, 38. 

d) mit acc. : darnach gehet ewre Strasse. 
Jos. 2, 1 6 ; jr seid den weg vor hin nicht 
gegangen. 3, 4 ; das er seinen weg gienge. 
rieht. 17, 8; vieleicht sagt er vns vnsern 
weg, den wir gehen. 1 Sam. 9, 6. oder 
gen. : also giengen die kinder Dan jrs weges. 
rieht. 18, 26; also gieng das weih hin jres 
wegs. 1 Sam. 1, 18; gehe widerum deines 
weges. 1 fco». 19, 15; vnd der prophet Je- 
remia gieng seines weges. Jer. 28, 11. 

e) nUt praepositionen u. zwar a) welche 
die art der bewegung bezeichnen: amstabe 
geben. 2 Sam. 3, 29 ; die an stecken gehen 
für grossem alter. Sach. 8, 4 ; das sich 
reget vnd gehet auff vier füssen. 3 Mos. 11, 
2 1 ; alles was auff tappen gehet vnter den 
Ihieren. v. 27 ; zu fusz gehen s. fusz. ß) 
die das w o bezeichnen : vnd gingen a n der 



weide im grase. 1 Mos. 41, 2; vnd jre 
jnngfrawen giengen an dem rande des Was- 
sers. 2 Mos. 2, 5; Dauid gieng auff dem 
dach des königes hause. 2 Sam. 11, 2; ich 
gieng für dem acker des faulen vnd für dem 
Weinberg des narren, spr. 24, 30 ; vnd des 
volcks das für jm gieng war kein ende. 
pred. SaL 4,16; vnd sie höreten die stimme 
gottes des herrn, der im garten gieng. 1 
Mos. 3, 8 ; vnd die eselinnen giengen neben 
jnen an der weide. Hiob 1, 14. y) welche 
das woher oder wohin bezeichnen: er 
(Pharao) wird ans wasser gehen. 2 Mos. 
7, 15; gehe auffs feld vnd fahe mir ein 
Wildbret. 1 Mos. 27, 3; Mose aber vnd 
Aaron vnd Hur giengen auff die spitzen des 
hügels. 2 Mos. 17, 10; gehe aus dem 
kästen. 1 Mos. 8, 16; gehe aus deinem 
Vaterland. 12,1; denn ich wil in der sel- 
bigen nacht durch Egyptenland gehen. 2 
Mos. 12, 12; aber die kinder Israel giengen 
trocken mitten durchs nieer. 14, 29; so du 
aber mit deinem Widersacher für den fürsten 
gehest. Luc. 12, 58; die {schwarzen rosse) 
giengen gegen mitternacht . . . aber die 
scheckichten giengen gegen mittag. Sach. 6, 
6 ; stehe auff vnd gehe gegen mittag, ap. 
gesch. 8, 26; vnd die menner giengen gen 
Sodom. 1 Mos. 18, 22; wenn man gen 
Assyria gehet. 25, 1 8 ; du solt i n den* kästen 
gehen. 6, 1 8 ; da hub Jacob seine füsse auff 
vnd gieng in das land, das gegen morgen 
ligt. 29, 1 ; da ich V b e r diesen Jordan gieng. 
32, 10; vnd gehet sieben mal vmb die stad. 
Jos. 6, 4 ; ich bin nicht werd, das du vnter 
mein dach gehest. Matth. 8, 8; da aber 
Paulus wolt vnter das volck gehen, ap. gesch. 
19, 30 ; also gieng Kain von dem angesicht 
des herrn. 1 Mos. 4, 16; da sie von Pharao 
giengen. 2 Mos. 5, 20 ; wer bin ich, das 
ich z 11 Pharao gehe. 3, 11; wenn du bey 
deinem weib wonest, mit jr zu bette vnd 
tisch gehest, zwo hochzeiipredigten. (1536). 
Bj * ; abents wenn die kinder zu haus gehen. 
vnterricht der visilatom. (1538). Mj^; 
ich bin alle tage zur messe gangen. 
«tttfima des christl. lebens. (1533). Bj'; 
die weyll das volck selten zu diessem 
sacrament geht. eyn senn. von dem 
hochwirdigen sacrament. (1519). a ij\ 

6* 



GEHEN 



44 



GEHEN 



S) aii betimdere, hierher gehörige redens» 
artem mögen hier noch stehen : auf der grübe 
gehen» dem ende nahe sein, bald sterben : 
als der ich nu auif der gruben gehe, kurtz 
bekenHds. (1544). Aij*; wekhs ist ein 
zeichen, das sie {die well) nicht lange stehen 
kan vnd gar auff der gruben gehet, das 5. 
6. tnd 7. cap. #. Matihei, (1532). p iiij^ 
zur band gehen, behiUßich sein, unterstützen: 
wii sie dir nicht zur band gehen , so scheide 
dich von jr. Sir. 25, 35. zu stuhl gehen, 
seine noÄdurß verrichten: er ist vieleicht 
zu stuel gangen, rieht, 3, 24. 

2) gehen und zunehmen (abnehmen): vnd 
er (Isaac) ward ein grosser man, gieng vnd 
nam zu bis er fast gros ward. 1 Mos, 26, 
13; der knabe Samuel gieng vnd nam zu. 1 
Sam. 2, 26 ; Dauid aber gieng vnd nam zu, 
vnd das haus Saul gieng und nam abe. 2 
Sam. 3, 1. 

3) gehen, tropisch für leben: Dauid gehet 
in deinem gehorsam. 1 Sam, 22, 14; wer 
aber in seinem befelh gehet, des werck ist 
recht, spr. 21, 8; sie (Zacharias u. EHsa- 
beih) giengen in allen geboten vnd Satzungen 
des herrn vntaddelich. Luc. 1, 6. 

4) gehen von leblosen dingen, sich bewe^ 
gen, fortbewegen ; daselbs gehen die schiffe. 
ps. 104, 26; wenn sie (die räder) gehen 
sollen, -kondten sie in alle vier orter gehen. 
Ezech, 1, 17; der wind gehet gen mittag. 
pred* Sal. 1 , 5 ; das wasser zu Siloha , das 
stille gehet, /e«. 8, 6 ; sol der schatten zehen 
stuffen forder gehen oder zehen stuffen zu 
rücke gehen? 2 kön. 20, 9. 

5) gehen von zuständen, begebenheiten 
etc. im gang, in Übung sein: disze obgesagte 
weysze gehet itzt tzu Wittemberg. von bey* 
dergestalt. (1522). Cij^; der gottisdienst 
der itzt allenthalben gehet, von ordenung 
gottesdiensL (1523). Aij*; wo dein recht 
im lande gehet. Jes. 26, 9; es gehet ein ge- 
mein geschrey, das «. s. w. 1 Cor. 5, l ; 
wie die sage gehet. Jen. 1, 146^; es gehen 
itzt rede vnd geschieht vnter dem pöfel Wid- 
der das sacrament..., das einer soll lieber 
sterben, denn eine predigt vnter sie schrei- 
ben, das diese wort etc. (1527). hj^ — 
das gerechligkeit dennoch für jm bleibe vnd 
im schwang gehe. p«. 85, 14; das gesetze 



fein im schwang gieng. 2 Macc. 3, 1 ; vnter 
so viel Patriarchen gottes wort ym schwang 
gieng. vber das erste buch Mose. (1527). 

sij^ 

6) redensarten. zu herzen, durchs herz 
gehen, eindruek machen: die besten vnd 
frumisten, den die sach zu hertzen gehl. 
ausleg. der ep. vnd euang, des advenU. 
(1522). Niiij*; da must der andern gepre- 
eben vnd durfEt dyr zu hertzen lassen gehen. 
serm. von dpn hochwirdigen sacrament. 
(1519). biij"; da sie aber das höreten 
giengs jnen durchs hertz. ap. geseh. 2, 37. 
in sein herz gehen, in sich gehen ; wenn nu 
vber dich komet dis alles . . . vnd in dein faortz 
gdiest. 5 Mos. 30, 1. — zu boden, zu 
grund gehen, perire, verderben: so bittet nu 
der prophet, das gott wolle das judisch volck 
nicht gar lassen zu boden gehen, der pro- 
phet Habacuc. (1526). fj*; mache sie nur 
vneinig, das sie zu boddem gehen, vber das 
erste bwih Mose. (1527). eiiij*; da mit 
gehet der glaube zu boddem. ebend. Bb ij'; 
wenn gleich alles zu podem gieng. ebend. 
Ddiiij''; hören nicht auff bis sie zu grund 
gehen, das schöne con filemini. (1530). 
Fiij ^ ; alle schulen, zucht vnd lere lassen zu 
gründe gehen, das man kinder zur schuien 
halten solle. (1530). Bij^; vnd stehen 
auch drinnen {im 2. psalm) drewung wider 
die weltlichen könige vnd herrn, wie sie 
sollen zu grund geben, wo sie diesem könige 
nicht hulden vnd dienen, deudseh psalter. 
(1541). Diij*. zu irümmern, zu scheitern 
gehen, zerseheitem: die sich nicht dran 
keren noch das gleuben , bis das sie ... zu 
drümern gehen, vom kriege widder d. Tür* 
cken. (1529). Biij%* da die mutter vber 
den kindem zu drümmern gieng. Hos. 10, 
14 ; meyn gerechtickeyt, meyn warheyt, muss 
alle zu scheyttem gehen, ep. s. Petri ge* 
predigt. (1523). ^Lij*. — von statten ge- 
hen, forlgang, erfolg haben: wenn man wil 
viel rotkelchen vnd vogel fangen, mus man 
das katzUn oder eine eule asff den kloben 
oder leimruten setzen, so gehets von staten» 
vondenconcilijs. (1539). Ziiij**; da giengs 
{der tempelbau) von staten. Mindseil 7, 
409. für sich gehen, vorwärts gehen, fotl~ 
gang haben: es thu nu der teuffei odder 



GEHEN 



45 



GEHEN 



mensch, ein schalck odder fromer solch werck 
... so gehet gleich wol die Ordnung vnd he- 
felh goUes für sich, von der winekelmesse. 
(1533). M}\ $. aui^ für I, A, l, b. — 
im schwang gehen, in Übung sein : wenn das 
freye euangelisch leyhen ym schwanck gienge. 
von kauffehandlnng und umeher, (1524). 
Cj **. #. cmeh 5 am ende, zu lehen gehen, 
eUi lehen empfangen: also rhttmet er {der 
apoitel Paulus) allenthalben, das sein apo- 
stelaropt nicht ist ^u lehen gangen von men- 
schen, das 15. cap. der ersten ep, s. PauU 
an die Corinlher. (1534). Fij*; der himel 
oder himeireich gehet nicht zu lehen vom 
keiser. teider Hans fVorsL (1541)« Jiiij^ 

7) einen gehen lassen , ihn nicht aufhat' 
len, fortgehen, weggehen lassen, entlassen : 
las mich gehen , denn die morgenröte bricht 
an. 1 Mos. 32, 26 ; morgen wil ich dich 
lassen gehen. 1 Sam, 9, 19; vnd heilet jn 
vnd lies jn gehen. Lue, 14, 4; aber sie 
drawelen jnen vnd liessen sie gehen, ap. 
geseh, 4, 21. etwas gehen lassen, sich nicht 
damit befassen : was sie begraben haben, das 
las ich gehen (will ich nicht weiter unter' 
suchen), originalbr. v. j. 1537 im ges. 
arch. zu Weimar, pag, 143. EEE 9. 

8) vnd Jhesus gi^g in das dreissigst jar. 
Lue. 3, 23; es gehet nu in das vier vnd 
zwentzigst jar, das zu Worms der erst reichs- 
tag vnter diesem keiser Garolo gehalten ward. 
wider das bapstum. (1545). Aiij^ 

9) gehen *^hervorgeheny hervorkommen : 
wo nicht so gehe fewr aus dem dombusch. 
rieht. 9, 1 5 ; aus wes leib ist das eys gegan- 
gen? Biob 38, 29; es gehet nicht aus dem 
glauben, was aber nicht aus dem glauben 
gehet, das ist siinde. Rom. 14, 23. 

10) gehen •« ergehen, kommen: dein 
grim gehet vber mich. ps. 88, 17; gleich 
wie mein zom vnd grim vber die einwoner 
zu Jerusalem gegangen ist, so sol er auch 
vber euch gehen. Jer. 42, 18; es wird eine 
straffe vber euch gehen. Bos. 5, 1 ; so ist 
alle dis gros vnglück vber vns gegangen. 
Dem. 9, 13 ; vnd wisset, das eben dieselbigen 
leiden vber ewer briider in der weit gehen. 
1 Fetr. 5, 9. 

11) gehen •« reichen^ sich erstrecken: 
funflzehen eilen hoch gieng das gewesser vber 



die berge. I Mos. 7, 20; vnd füret mich 
durchs wasser bis mirs an die knöchel gieng. 
Eseeh. 47, 3 ; bis mirs an die knie gieng. v. 
4 ; seine ehre gehet so weit der himel ist. 
ps. 113, 4 ; sein lob gehet so weit himel vnd 
erden ist. 148, 13; eines menschen barm- 
hertzigkeit gehet allein vber seinen nehesten, 
aber gottes barmhertzigkeit gehet vber alle 
weit. Sir. 18, 12; dis mus jhe ein seltzam 
wunderlich reich sein, welchs sol gehen vber 
alle herrschafft vnd gewalt auflT erden, dtr 
110. psalm. (1539). Fj *"; das stücke gehet 
beyde auff den man vnd das weih, vber das 
erste buch Mose. (1527). Nij*. 

12) gehen, eine gewisse richtung haben: 
von der tzungen die gegen mittag werts ge* 
het. Jos. 15, 2; {die grenze) gehet durch 
Zin vnd gehet aber hinaulT von mittag werts 
gegen Kades Barnea. v. 3 ; darnach gehet sie 
{die grenze) zu dem wasser Ensemes. v. 7 ; 
zwo sIrassen, der eine gen Bediel, die ander 
gen Gibea gehet, rieht. 20, 31; auff dem 
wege der gen Sichem gehet. Bo9. 6, 9 ; vnd 
es gieng ein meurlin vmb ein jglichs der viere« 
Ezeeh. 46, 23. 

1 3) gehen , einen räum einnehmen, auS' 
fuUen: vierzig bath in einen kessel gieng. '1 
kön. 7, 38 ; vnd gieng in je einen {krug) zwey 
oder drey mas. Joh. 2, 6. 

14) auf etwas gehen, wozu verbraucht 
werden: zum kosten, der auff das opffer ge- 
het. 1 J#ace. 10, 39; was jerlich auff die 
opffer gienge, das wolle er von seinen eigen 
renten reichen. 2 Jfacc. 9, 16; auch sich 
keiner koste lassen dauren, so auff solche 
leute... zu halten vnd zu erziehen gienge. 
histona Galeatij Capelle. (1538). Aiij*. 

1 5) gehen von musikalischen instrumen' 
len, tönen: da gehet die drummel, hie die 
drometen. dieep.desproph.Jesaia. (1526). 
Dij*. 

16) unpers. es gehet, gewöhnlich im 
sinne von ergehen, geschehen. 

a) wie es ytzt leyder gat. von den guien 
wercken. (1520). Cij**; wie es gehet heuCs 
tages. 5 Mos. 6, 24 ; wie du geredl hast, so 
gehets. Jer. 32, 24 ; wir sehen das {dasz 
es) also gehet wie er sagt, von den Juden. 
(1543). Aiij*; es mus also gehen. Matlh. 
26, 54. — aber itzt gabt es, das iderman zur 



OEMES 



46 



GEHÖR 



iS-r-- ^lit iiiiui'jij**r<ry gtlzogea wjri. oii 

I atf 4flf. 4tr persom: düs sie erfaren 
ir< -4.. i»«t <» jm ^«beD würde. 2 J#a«. 2, 4 : 
»r ««o«» Biclit, wk es diesem iiiaa Mose 
^<Ik;l 3^ 2^ : es müsse allen fetnden meins 
utfTL ki4u^et> ^eiien« wie es dem kiuben ge- 
h^ 2 SmitL. 1 S, 32 ; da mirs also solt ge- 
ij»ui, HMTuuib hm icli sdiwanger worden? 1 
MM' 20, 22 ; alM gebt es den blindleyttern. 
m>^ 4tu tinrtiuisaich buch. (1521)/ Bg**; 
Ml werdet jr finden, das jn allen so gangen 
HsL ^«K 5. 0. cmd 7. eap. «. MaUhei. (1532). 
Li:j ^ : — auir das mirs desle bas- gebe. 1 
Mo$^ 12, 13; es gebt ^iim woL der 36. 
psiUm. (1521). l>i*; der zarte neidliart, 
dem es leid ist, das es einem andern wol ge- 
bet am$Ug. der ep, vnd euangm ton osUm. 
<1544>. Oijj'; das jm vnd seiner verzwei- 
uelteo bulienscbuie viel erger gelien würde 
im concibo , weder es zu Costnitz dem Ijapsl 
iobanni gangen isL u>ider das bapslum. 
fl545j. BJj^; — es gebet mir nacb der 
fraweu weise. 1 Mos. 31, 35; — so wird 
mirs g*^lien, das mich todscblage wer micb 
Üudet. 4, 14« 

Vebm^ «« der imfui. des vorigen terb. 
swbst.: im geben sprach er also. 2 Sam. 
Ib, 33. 

(Üthmf/tiß part. t. liangen (bengeni; 
i^t/b^i. der gebengete, ein am galgen, kreuz 
4tMfgeiyäMgUr : mit den gebeinen der gehen- 
geteiL 2 Ham^ 21, 13. daneben 

ißthmlUf pari, V. benken, subsl. was der 
;4eJAeü;i»it»; : em gebeiM:kter ist verflucht bey 
g^ylt 5 M^s, 21, 23. 

ik k it n iß afäm/jfus, beherzt: vnd werden 
hO gebe*1/l« das sie &>ich für keioeui ding 
türdiUm, tber das er^U bwM> Mose. (1527). 
0<j^; gelM:?itxt vnd O^'ylig. ebend, lij*; 
mui bann ^tAmau Wm^t, g«ilie<1/te, freudige 
vnd rerslendige pfarriieirn^ Usehr, 17S*; 
wird dazu getiiaa A^i% ^ßimi/M vnd slarcke 
Wort. EisL 2, SO*/ — mtid, geh<*rzet 
(Lexer 790), pari. r. geberzen, beherzt 
machen, 

dehrnlf , n. ululalus: zur selbigen zeit 
wird sich ein laut geschrey erheJieu von dem 
fischthor an vnd ein geheule von dem andern 
Ihor. Zeph, 1, 10; jre lere ist ein gelieiile. 



gl, SU Jes. 52, 5 ; yhr gdieule vnd gemurre 
ynn ybren kircben. der proph. Saeharja, 
(152S). Yiij'; wir ven^'oflen mit nichle 
das gebete, sondern das lauter vnnütze ge- 
beult vud gemurre verwerffen wir. deudsch 
cal. (1529). OÜ**. 

CchfUe, s. gehälfe. 

Mdn (geb^Tnj, n. cerebrum, mhd. ge- 
hime {Ben, 1, 691 ^ Lexer 790). 1) eigent- 
lich, die gesawUheü des himes : sie hart für 
den kopff gestossen werdenn, das yhn das 
geb)Tn schwindelt, von dem bapstum. 
^1520». Giiij*; beysse yhn nyeszwurtz ne- 
meu, damit er das g^yrn fege. ep. s. Pelri 
gepredigt. (1523). Kj''; szo gebe golt, das 
du müssest evttel brodfarb essen \iid nvmer 
mehr k^n brod, bisz*du deyn tolles geh>Tn 
durch hunger fegest vnnd revnigst. antwori 
deuUeh, (1522). Diij^ 

2) verstand: vnd nach yhrem tollen ^e- 
hyrn den beyligen geyst zur schulen foren. 
ron weltlicher vberkeiL (1523). Aij^ hier- 
her gehört auch die redensarl: sein gehirn 
im Ketsch berg verlieren : auiT das mir nit not 
sey zu argwenen, er habsein gehirn ym Ketzsch- 
perg vorloren. der 36. psalm, (1521). Liij". 

3) ein unverständiger mensch: syntemal 
das nit thun, dann etthch finster gefayrne, 
die die biblien nie gerochen, die chnstenlicfae 
lerer nie geleszen. serm, von dem ablasz 
vnd gnade, ( 1 5 1 S). Aiiij * ; das heyst meyn 
ich narren geregnet, es verdreust mich , das 
ich mit solchen wansynnigen gehyrnnen tzeytt 
vnd papyr verlieren musz. antwort deutsch, 
(1522)/ Bij'. 

deböfelt (gehöffelt), gehobelt, part, von 
hobeln, L, hofein : von glatem vnd gehofel- 
ten thennen holtz. t*&er das erste buch 
Mose, (1527). Viiij**; von einer riegen ge- 
höffelter redern. 1 kön. 6, 36; gehöffelt 
holtz. 2 chron, 34, 11; ein gehöffelt bret 
sendbr. von dolmetschen, (1530). Bij'. 

deholi^ s, gehülze. 

Cleliör^ gehöre, n. auditus, mhd, gehcere 
(Lexer 791). 1) das hören: vnd wolt das 
dein hessige äugen müsten sehen meyn tegli- 
chen frülichen mut , wie wol das gehör (heb 
fast gnug krenckt. auff des bocks zu Leip- 
zick antwort, (1521). a iij^; (Christus hat) 
solch Offenbarung vnd Verkündigung {sc. 



GEHORCHEN 



47 



GEHORSAM 



seiner auffahrt) nicht thun lassen, das allein 
da bey bleibe vnd nur ein rede odder gehöre 
sey, sondern frucht bringe ynn vns. posl, 
(1528). 72''; vnd ist doch ein schenietz a 
schama, ein gehör oder geschwetz, da nichts 
hinder ist. gl. zu 2 Mos. 32, 25. 

2) der gehörsinn: wenn der gantze leib 
äuge were, wo bliebe das gehöre? so er 
gantz das gehöre were, wo bliebe der ge- 
rucb. 1 Cor. 12, 17. 

l2€h«rchcH5 parere, ohedire, folgen, 
*f€orauf hörend folgsam sein {Weigand)^ 
mhd, gehdrehen (Ben. 1, 714^. Lexer 
791). 

a) ahsoL: rede du mit vns, wir wollen 
gehorchen. 2 Mos, 20, 19; ich wil gehor- 
chen. Jer. 42, 4; sie gehorchen oder las- 
sens. Ezech. 2, 5 ; wirstu gern gehorchen, 
so wirstu sie kriegen. Sir. 6, 34. 

b) mit dat. : die weil du hast gehorchet 
der stimme deines weibes. 1 Mos. 3, 17 ; 
Abram der gehorcht der stimme Sarai. 16, 
2 ; das Jacob seinem vater vnd seiner mutter 
gehorchet. 28, 7 ; so jr gehorchet den ge- 
boten des herrn. 5 Mos, 11, 27; vnd ge- 
horchest (folgest) meinem rat nicht. 2 chron, 
25, 16; wer rat gehorcht der ist weise, spr. 
12, 15; ein Spötter gehorcht der straffe 
nicht. 13, 1. 

deli^rde^ n. was gehör, mhd. gehoerde, 
md. gehorde (ßen. 1, 714'. Lexer 791), 
nur noch einmal in der ersten ausg. der 
sieben buszpsalmen t\ j. 1517 : gib meynem 
gehorde freud vnd trost. var. zups. 51, 10, 
wo die bibel hat : las mich hören freude vnd 
Wonne. 

dchi^reni mM. gehoeren (Ben. 1, 713*. 
Lexer 792), ahd. gi-, kih6ran (Graff 4, 
1004], goüi. gahausjan, urspr. hören, ge^ 
horchen bedeutend, kommt bei L, nur noch 
in folgenden bedeutungen vor: 

1) angehören, zukommen: die kamer ge- 
Qüu mittag gehöret den pries lern. Ezech, 
40, 45; das vbrige aber vom geheiligten 
lande sol den priestern gehören. 45, 4 ; zwey 
teil gehören dem stam Joseph. 47, 13; sie 
{die häuser) gehören welchem herrn sie 
wollen, de Wette br, 5, 796; — dem esel 
gehört sein futter, geissei vnd last, also dem 
knecht sein brot, straffe vnd erbeit. Sir, 33, 



25 ; den volkomen aber gehört starcke speise. 
Hebr. 5, 14. 

2) eines herrschaft unterworfen sein: 
als er vernam, das er vnter Herodes öberkeit 
gehöret. Luc, 23, 7. 

3) einen theil eines ganzen bilden: on 
was zur speise gehöret. 2 Mos, 12, 16; die 
zu jrem beer gehören. 4 Mos, 2, 9; vnd 
alles was zu seinem dienst gehöret. 3, 26; 
was zu jrem ampt gehört. 4, 26 ; hyrein (in 
die äuszerliche Christenheit) gehören alle 
bepste, cardinel, bischoff, prelaten, priester, 
monich, nonnen vnnd alle die ym %uszerli- 
eben wesen für Christen gehalten werden, sie 
sein warhafflig grundlich Christen odder nit. 
von dem bapstum, (1520). Ciij*. 

4) seinen platz haben: die ins lager Juda 
gehören. 4 Mos, 2, 9; olezweige, die in den 
tempel gehöreten. 2 Macc, 14, 4. 

5) erfordert werden, nöthig sein: der mit 
seiner band nicht erwerben kan, was zu 
seiner reinigung gehört. 3 Mos. 14, 32; zu 
rechter lere gehöret die Weisheit. Str. 15-, 
10; da gehört ein grösser vnd starcker 
glaube zu, das einer also frey sey ynn der 
rede, der \\2. psalm, (1526). d6**;dar- 
umb geboret dazu, das man hie jmerdar wacker 
vnd f ursichtig vnd jnn sorgen lebe, das 1 5. 
cap. der ersten ep, s. Pauli an die Cor. 
(1534). aij\ 

fleh^nan^ adj. obediens, mhd. gehorsam 
(Ben, 1, 714*. Lexer 192), ahd. gi-, ki- 
hörsam {Graff 4, 1009). a) attrib.: gehor- 
same kinder. 1 Tim, 3, 4; 1 Pet. 1, 4; ein 
gehorsam hertz. 1 kön. 3, 9. b) praedic. : 
der oberkeyt gehorsam seyn. widder die 
hyml, Propheten, (1525). FiJ'; gotte ge- 
horsam sein, der 110. psalm. (1539). 
Qiij ' ; das Abraham meiner stimme gehorsam 
gewesen ist. 1 Mos. 26, 5; deinem wort 
sol alle mein volck gehorsam sein. 41, 40; 
gehorsam den geboten des herro. 5 Mos, 
28, 13; es wurden auch viel- priester dem 
glauben gehorsam, ap. gesch. 6, 7 ; sie sind 
nicht alle dem euangelio gehorsam. Rom. 10, 
16. 

(Ifhorsftn, m, und f. obedientia, mhd. 
gehörsam, gehorsame, m. f. {Ben. 1, 714^ 
Lexer 792), ahd, gihörsami, gihörsama 
(Graff 4, 1009) : meyn trew vbirflussige ge- 



GEHORSAMLICH 



48 



GEIERSNASE 



iMreaai. af^elMUm. (1520). Aij*'; eine 
sÜDckeade gehorsam, von den coneilijt. 
(1539). Gij'; danimb kan vns der keiser 
Boch keine crealur zu solchem verfluchten 
gehorsam zwingen, wider Hans Wwrst, 
(1541). Kj''; vom gehorsam der eitern (ge- 
genOeellem), wider die sabbalher. (1538). 
Giiij*^; gehorsam der stimme {gegen die 
elimme) des herrn. 1 Sam. 15, 22; vnd 
gehet in deinem gehorsam. 22, 14; gehor- 
sam leisten. Rom» 6, 12; zum gehorsam 
bringen. 15, 18; gehorsam lernen. Hekr. 
5,8. • 

JohOTiwIlcfcj adv. obedienter: vnter- 
tbeoiglieh vnd gehorszamlich anzcuhoren. 
Bnrkhardl briefw. 39 ; gottes wort von bei- 
der gestalt ist nicht eine newerung, sondern 
von Christo selbst gesetzt vnd lenger denn 
von funffzehen hundert jaren her von der 
kirchen gehorsamlich gehalten, auffdae ver- 
wteinl keiserUch edicl, (1531). Giiij ^ ; wenn 
■u ein mensch nach der lere des ersten buchs 
{der Sprüche Salamo) wil gehorsamlich leben. 
Binde eil 7, 332; gotl gehorsamlich ge- 
dienet. Jen. 1, 192 ^ 

fickigelti hügel habend: ein gebügelt (ge- 
hdgelt, gehuglet) berg, d, i, ein gipfelreicher 
berg, var, zu pe, 68, 16; warumb hupffet 
yhr gehügelle berge? v. 17, in beiden siel-- 
len der bibel später durch gros wiedergege- 
ben, wozu in der vorr. auf den psaller be- 
merkt wird: ein gebügelt berg, ein fetter 
berg, haben wir jtzt gedeudscht ein gros 
berg, sintemal doch die meinung ist, das 
gleich wie ein gros berg ist vnd heisset, da 
viel hugel an ein ander. Bindseil 7, 324. 

fichtUf^ gehnlfe (gehulff, gehülff, gehulffe, 
gehülffe, einmal auch gehilffe. var. zu 1 
Mos. 2, 18 bei Bind seil), m, adjutor, 
mhd. gehSlfe, gehilfe {Ben, 1, 683*. Lexer 
787), ahd. gehölfo (Graff 4, 925): aber es 
fand sich dem menschen keyn gehulff gegen 
yhm. var. zu 1 Mos, 2, 20; Timotheus 
mein gehulffe. Rom. 16, 21; welcher mein 
geselle vnd gehulffe vnter euch ist. 2 Cor. 
8, 23; vnsern gehülffen im euangelio. 1 
Thess. 3, 2 ; vnserm gehülffen. Philem. 1 ; 
wir sind goltes gehülffen. 1 Cor. 3, 9 ; wir 
sind gehülffen ewrer freu de. 2 Cor, 1 , 24 ; 
doch hab ich widderumb nicht allzu frey die 



buchstaben lassen faren, sondern mit grossen 
sorgen sampt meinen gehülffen drauff gese- 
hen, das, wo etwa an einem wort gelegen 
ist, hab ichs nach den buchstaben bdialten. 
von dolmetschen, (1530). Cj^ einmal 
auch der pl. gehülfe: durch mich vnd meine 
gehölffe. von heiwUiehen vnd gestolen 
brieffen. (1529). Diij*. das mcuc. gehülfe 
verwendet L. auch da, wo es auf ein femin. 
bezogen wird: vnd hast jm (Adam) gegeben 
Heuam zu einem gehülffen. Tob. 8, 8 ; wer 
ein hausfrawen hat, der bringet sein gut in 
rat, vnd hat ein trewen geholffen. Sir. 36, 
26. 

«ehilte (gehulffe), f. adjutrix, gehiüfin, 
mhd. gehSlfe, gehilfe f (Ben, 1, 683 *. Lexer 
787): ich will ym eyn (^»» eifie) gehulffeQ 
machen, die yhm zur handt seyn soll. serm. 
vom ehelichen stand. (1519). Aj^; ich wil 
jm ein gehülffen machen, die vmb jn sey. 1 
Mos. 2, 18; aber für den menscheoi ward 
kein (==^ keine) gehulffe funden , die vmb jn 
were. v. 20. Frommann nimmt oticA tn 
diesen stellen, in welchen gehülfe das weib- 
liche relativpron, hinler sich hat, das m<uc. 
an, vgl. vorschlüge s. 29. 

(lehiilsj gehilie (gehüllze), n. gehölz, 
mhd, gehülze {Lexer 794), coli, zu holz, 
wald, Waldung : desgleichen ist auch zu reden 
vom feur, so jm walde odder jnn der beide 
vnd geliültze auff gehet, das schöne conßte- 
mini, (1530j. Gj*; da sie komen zur wü- 
sten hinaus , auff ein beide vnd gehültze , da 
keine leute waren. Eisl, 1, 367^. 

Ceicr (geyer) , geir , m, vultur , mhd. gir 
{Ben. 1, 535 ^ Lexer 1019, wo auch ver- 
muthungen über die etymologie), ahd. gtr 
{Graff 4, 236): den geyer. 3 Mos. 1 1, 14; 
der geier mit seiner art. 5 Mos, 14, 13 ; die 
zwey weyber {Sach. 5) haben flügel gehabt, 
wie ein geyr odder weyh. post. (1528). 
182*. pl. geire (geyre): da werden vntern- 
ander iauffen marder vnd geyre. Jes. 34, 
14. 

tteicrsnugej n. oculus vuliuris: den steig 
kein geiersauge gesehen. Hiob 28, 7. 

(lelersflAgel (geyrflügel), m. ala vuUuris : 
drumb sind es wol weyh odder geyrflügel. 
post. (1528). 182*. 

deiersnnse^ f, Hans Metzscli, welcher bis- 



GEIFER 



49 



GEIL 



her eine gantz nüchterne geyrsnase {de Weile 
br. 4, 61 1 : geyers-nase) gehabt auff die pe- 
sülentz. wri^nalhr» v» j. 1535 im ges. ar^ 
chiv XU Weimar. N. pag. 109. H. 42. 
1. e. 

Heiler (geiffer, geyffer), m. spulum, spei- 
chele mkd. geifer {Lexer 795): vnd sein 
geiffer flos jm in den hart. 1 Sam. 21, 13 ; 
geiffer im munde, den man ausspürtzet. 
kauspoii, {WUlemb. 1545). tütMerlW/ 26*. 
häufig bildUch: ich ßnde nichts drynnen, 
dan das er die heyligen schrifll mit seinem 
vnnutzen geyffer begeyffert. von dem bap- 
slum. (1520). Uj^ {der bapst) vnvor- 
schampl anheultet den rotz vnd geyfler seyner 
gnade, bulla cene domini, (1522), Diiij*; 
schemestu dich niclit, das du dyr so lange 
lesst anffrucken, wie du deynen geyffer, deyne 
lugen, deyne Irewme ynn die schrifft tregst ? 
das ander teyl widder d, hyml. propheten, 
(1525). Hj^; Widder solche donnerschlege 
der schnilt thut er nicht mehr, denn setzt 
seinen blossen vnd nacketen geiffer daher. 
vom abendmal ChrieU. (1528). liij''. 

Üeifcrcr, m. leerer schwätxer : vnd sihet 
die weyl nicht, das neben dem selben wört- 
lin ander text stehn, die beyde schmyrer vsd 
geyfferer stossen, das er alle vier ynn die 
höhe keret. das ander legi widder die 
hyml. Propheten, (1525). Hiiij'; las nu 
dieselbigen geifferer herfiir tretlen vnd die 
fürsten trösten, eine heerpredigt widder d, 
T. (1542). Aij^ 

MfenMily n. dasselbe: so klug faren 
sie einher die Heben geiffer meuler. das 17. 
cap. Johanms. (1530). Pij^ 

icifcni (geyffem), speien, bei L. nur 
figürlich für schwatzen : vnd sol alles gotlich 
Ordnung heyssen was sie geyffernn. von dem 
bapstum zu Rome, (1520). Fiiij*; aber 
das ist noch klüger ding, da sie geyffern, s. 
PauJus habe Habacuc nicht recht verdol- 
medscht. der proph. Habacuc. (1526). 
h iiij * ; gott ym doch nicht mehr zu lesst, 
denn eitel lame, schale, faule zoten geyffern. 
das diese wort etc. (1527). bij'; gleich 
wie vnser lumpen wesscher bisher auff der 
canizel nicht anders denn von fegfewr, ab- 
las, cappen, rosenkrentzen, kertzen auffstecken 
gegeifert haben, das 5. 6. vnd 7. cap, s. 

DiBTZ, Wörterbuch. II. 



Matthei. (1532). nnij*; die vnnfitzen 
lumpen wessdier, diepapislen, die da viel von 
wercken geiffern. etliche schöne predigten. 
(1533). Giiij*; noch sind es solche tölpel 
vnd knebel, das sie nichts anders können 
Widder vns geiffern denn wasser ist wasser. 
von der heil, tauffe. (1535). Bj*. vgl. 
auch dahergeifern, wozu hier noch folgende 
stelle nachgetragen werden soll: vnd dar- 
nach dahergeiffern , was solt ein handvol 
Wassers der seelen helffen ? deudsch catech. 
(1529). Tiiij*. — mhd. geifern (Lexer 
795). 

Clelge (geyge), f. bekanntes Streichinstru- 
ment, mhd. gige {Ben. 1, 511*^. Lexer 
1013): mit paucken, mit freuden vnd mit 
geigen. 1 Sam. 18, 6; harffen, geigen, 
psalter. Dan. 3, 5. 7. redensarten: es ist 
die selbe geyge, daran ff er ymer fiddelt (er 
bringt immer derselbe wieder vor), widder 
die hywU. propheten. (1525). Küij*; das 
ist die alte geyge des bapsts in allen seinen 
drecketen vnd drecketaln. wider das bap- 
stum zu Rom. (1545). Biij*; die {Juden) 
noch heuts tages auff jrer alten geigen {mei- 
nung) bleiben vnd harren auff einen messias. 
das 53. rap. Jesaias. (1539). Kij*; vnd 
weil yhr so gerne an diesem reygen tantzt, 
dunckt euch, der hymel henge vol geygen {es 
gäbe für euch nur freude). das diese wort 
etc. (1527). füij'; wenn ein feind lobet, 
wütet vnd stoltzieret vnd lesset sich düncken, 
der himel henge alles voller geigen. Eisl. 1 , 

363 ^ 

Ceigen (geygen), die geige spielen, mhd. 
gtgen (Ben. 1, 511 ^ Lexer 1014): nach 
Ecolampads klugheit hat Christus kein andere 
ehre, denn das er zur rechten band gotts sitze 
auff eim sammet polster vnd lasse yhm die 
engel singen, geygen, kUngen vnd spielen. 
das diese wort etc. (1527). h iij'. — über 
die etymologie vgl. Lexer a. a. o. 

deiger^ m. geigenspieler : Jubal, von dem 
sind herkomen die geiger vnd pfeiffer. 1 
Mos. 4, 2t. 

tteil(geyl), lascivus, Ubidinosus, mhd. 
ahd. geil(fien. 1, 494*. Lexer 795. Graff 
4, 182). 

1) von wilder kraft, ungesahmt: du hast 
mich gezüchtigt . . . wie ein geü kalb. Jer. 

7 



GEIL 



50 



GEILEND 



31, 18; ellich meynen, er (Jesus) hab zu- 
erst auff dem füllen gesessen, aber die weyl 
es noch geyl vnd vngezemet gewesen, hab er 
darnach auff die esellin gesessen, posi, 
(1528). 18 ^ 

2) fett, üppig, von gewachsen: er stehet 
ynn eim geylen fruchtbaren weinstock. aiiÄ- 
leg. der euang. an den fümemislen festen. 
(1527). miiij^ 

3) übermiHhig , mulhwillig, üppig , von 
personen: da er aber feit vnd satt ward, 
ward er geiL 5 Mos. 32, 15 ; wenn sie (die 
jungen wilwen) geil worden sind wider 
Christum, so wollen sie freien. 1 Tim. 5, 
1 1, jsii welcher stelle es in der gl. heisst: 
geil, als die das futter sticht, weil sie von 
dem gemeinen almosen wolleben, müssig ge- 
hen vnd faul werden ; hilff gott, wie leckl er, 
wie geil ist er, wie tantzt er ynn seinem 
dunckeL das diese toort etc. (1527). fij'; 
die Christen wil er mit solchem vnglück yro 
zäum halten, das sie nicht von gott weichen, 
nicht lecken vnd zu geil werden, die zehen 
gepott. (1528). F 8'; wir haben lange zeyt 
fride gehabt vnd gute tage bis wyr zu geyl 
vnd kutzel worden, sendbrieff von dem 
harten hüchlein. (1525). ciiij*; es ist vn- 
segUch, wie geil vnd kutzel die bawrn itzl 
worden sind durch diese fridreiche zeit ettU- 
che iar daher, der i^l.psalm. (1532). Cij'; 
den mutigen vnd geilen Adam. Jen. 1, 
276*; das geil fleisch. Eist. 1, 29'. 

4) 'allzuviel von geschlechtslust in seiner 
natur gelrieben (Weigand), wollüstig: geyl 
vnzüchtig seyn. post. (1528). 5*; die 
geilen menner. vom schem hamphoras. 
(1543). Niiij*; denn wie wir alle betten 
müssen frucht zeugen, wo die natur vouer- 
rückt were, wie vfel mehr müssen wirs thun, 
so sie ytzt verterbel vnd viel geyler ist. vber 
das erste buch Mose. (1527). Jiiij''. 

Ceilj m. oder n. wollust, mhd. geil m. 
und n. (Ben. 1, 494''. Lexer 796): ists 
nicht mehr vnkeuscheyt, wo grösser brunst, 
lieb, geyl vnd külzel ist, denn da des weniger 
ist? po8L (1528). 310^ geyls vnd fur- 
witzs vol. ebend. 

Helle (geylhe), f. testiculus, hode, mhd. 
geile /l vnd, wie noch bei Älberus {dict. 
Kiiij* ein geyli, geil n. (Ben. 1, 494 ■. Lexer 



796): aber es gehet jm, wie im buch der 
weisen stehet, da er (der äffe) einen baurn 
hatte sehen ein gros hollz spalten, gehet er 
hin vnd setzt sich auch reitlinges drauff vnd 
spaltet mit der axt. er hatte aber kein bad- 
bembd an vnd die geylen fielen jm jnn die 
spalten vnd vergisset einen keyl einzuschla- 
hen. so zeucht er die axt aus, klemmet vnd 
zuquitzscht die geylhen, das er sein lebtag ein 
ongeil oder eunuchus bleiben muste. der 
101. psalm.^ (1534). Diüj**; die oddern 
seyner geylhen. var. zu Hiob 40, 12. 

Geilen^ s. v. a. entgeilen, castrare : jr viel 
ausz grosser vngedult, da sie die vnzucht vod 
brunst so plagte, haben sich selbs mit gewalt 
gegeilet, tischr. 329*. 

Geilen, unzucht treiben: fawlentzen vnd 
geyllen. ausleg. der ep. vnd euang. des 
aduents. (1522). Biiij'; fressen, sauffen, 
geylen vnd fawlen. ebend. Cj*. var. zu 
Rom. 13, 13, wo die bibel vnzucht hol, 

Geileiii unverschämt und anhaltend bit- 
ten, betteln, mhd. gtlen, geilen (Ben. 1> 495'', 
9. Lexer 1015) : im andern stück von dem 
blinden leret vns der euangehst eine rechte 
bettlerische kunsl, das man für gottwol gei- 
len lernen, vnuerschempt sein vnd jmer an- 
halten sol. hauspost. (Wittemb. 1545). 
winterteil. 78"; vnd ist doch nicht der erbeyt 
schuld, sondern ewers engstlichen vngleubi- 
gen hertzen, das nicht gleubt, gott werde 
euch erneeren, sondern geylet vnd Ireybt viid 
will zuuor kästen, beuttel, keller vnd boden 
voll haben, der 121 . psalm. (1524). Cij''; 
die sich zu jm dringen vnd gleich vberfalleu, 
wie die geilende fraw den richter Luc. 18. 
gl. zu ps. 34, 6. 

Geilen 9 n. das anhaltende, dringende 
bitten f betteln, mhd. gtlen (Lexer 1015): so 
wird er doch vmb seines unuerschampten 
geilens willen auffstehen. Luc. 11, 8; das 
nicht viel bitten noch geden darff. post. 
(1528). 264"; e. f. g. wollen mir mein 
geilen gnedighch zu gut halten, de Wette br. 
6, 297 ; vns kan man mit dem geilen mttde, 
vnlustig vnd vnwdlig machen, hattspost. 
(Wittemb. 1545). winterteil 78*; auff sein 
bettlen vnd geilen der churfürst hatte einen 
peltz zu geben verheissen. tischr, 186*^. 

Geilend, s. geilen, betteln, am ende. 



I 



GEILER 



51 



GEIST 



Mhf, m. heUler, mhd. gilaere (Ben. ] , 
495 ^ Lexer 1015) : so iobel Christus auch 
selbs einen vnuerschampten geiler Luc. 1 1 . 
vermanung zum sacramenL (1537). Hiij^; 
vnser herr gott hat solche geiler gern, die 
getrost anhalten. hausposL { Witlemb, 1545). 
78*; wie man sagt von den geilern, wie 
plaget mich der mensch so wol. gl. zu Luc. 
18, 5. 

dcUhcit, f. mhd. geilheit (Ben, i, 495'. 
Lexer 796). 

1) libido, laseivia, woUusl, unxuchl. Hu- 
siigkeil zu tmkeuscheyt (gemima-gemm. u üij*") : 
geylheyl. var, zu Gah 5, 19. 1 Pelr. 4, 
3 , an welchen beiden stellen die bibel Un- 
zucht hat: wollen wo! gern, das kein hofTart, 
geitz . . . ehebruch oder geilheit bey den vn- 
sern were. von den concilijs, (1539). Oj*; 
icli habe gesehen deine ehebrechercy , deine 
geilheit, dein vreche hurerey. Jer. 13, 27. 

2) üppigheit, fleischliche zügellosigkeil 
überhaupt:- ziehen die gnad gottis auff die 
geylheyt. var, zu br. Judae 4,u>oL, später 
das gr. wort, welches de Wette durch ^aus- 
Schweifung' übersetzt, durch routwille aus* 
drückte. 

3) üppiger wuchs der pflanzen : jetzund 
wirt man in Düringen vnd Meissen müssen 
die saat schrapfien für grosser geilheit. 
tisehr. 415 **. 

deischeli) s. geisein. 

Helscl , gisel , m. und f, obses, leibbürge, 
mhd. gfsel m., selten n. {Ben. 1, 536*. 
Lexer 1022), ahd. gisal m. {Graffi, 266): 
der zu Rom ein geisel gewesen ist. 1 Macc. 
1 , 11; dazu musl er den Römern geisel 
schicken. 8, 7 ; vnd nam der fumenieslen 
leut« kinder zu geisel. 9, 53 ; seine zween 
söne zu geisel geben. 13, 16; der buh An- 
tiochus war zu Rom zum geisel gegeben. 
tisehr. 426 ^. die alte form gisel begegnet 
nur einmal in folgender stelle: Antiochus, 
genannt eddel, den geringesten vnd vngeach- 
teslen gen Rom zur gisel odder pfand ge- 
schickt, der proph. Dan. (1530). Diiij*. 
Bindseil 7, 373. 

CIcisel (geissei), f. flagellum, peitsche, 
neben dem gewöhnliehen fem, erscheint 
auszer dem zweifelhaften ein (=» eine?). 
geissei spr. 26, 3 einmal auch das masc, : 



sie werden euch zum geissei [varr, stecken, 
pfal) in ewQr seilen werden. Jos. 23, 13. 
doch läszt sich mit Frommann vorschlage 
s. 29 annehmen , dasz der mänrdiche arti- 
kel irriger weise aus den Varianten in 
diese stelle sich eingeschlichen habe. vgl. 
jedoch auch Parz. 314, 2. 

1) eigentlich: ein reisslin, daraus sie eine 
geisel mache, wider den wucher zu predi- 
gen. (1540). Lj**; vnd er machte eine 
geissei aus stricken. Joh. 2, 15; denn da 
wird man hören die geissein klappen. Nah. 

3, 2; die geissei macht Striemen. Sir, 28, 
21 ; der gerne die ochssen mit der geissei 
treibet. 38, 26; mit geissein vnd riemen 
gesteupt. 2 Macc. 7, 1 ; mit geissein ge- 
peitzet. ausleg. der zehen gepott. (1528). 
Eij * ; eyn gantzs creutz mit negelln, speren 
vnnd gcysseln. originalbr. v. j, 1522 im 
ges, arch. zu Weimar. N. 109. 42. 

2) bildlich: er wird dich verbergen für 
der geissei der zungen. Hiob 5 , 21; als 
denn wird der herr Zebaoth eine .geissei 
(Züchtigung) vber jn erwecken. Jes. 10, 
26. 

mhd. geisel (Ben. 1, 495 ^ Lexer 797), 
ahd. geisila (Graff 4, 274). mit dem vor^ 
hergehenden geisel obses von einem verlor- 
nen goth. wurzelverbum geisan stoszen, 
hauen, schlagen, vgl, Weigand wtb. 1, 
406# 

Deiseln (geissein), flagellare, mhd. gei- 
sein (Ben. 1, 496*. Lexer 798); in von 
L. nicht selbst besorgten ausgaben seiner 
Schriften auch geischeln, z. b. werden euch 
geyscheln ynn ybren schulen, ausleg. der 
ep. an den fümemislen festen. (1527). 
Eiiij" ; wenn man sich geyschlet vnd casteyet. 
ausleg. der euang.*von ostem. (1527). 
E 8 '*. vgl, auch zergeiseln. 

1) eigentlich: vnd werden euch geissein 
in jren schulen. Matth. 10, 17 ; Jhesum lies 
er (Pilatus) geissein. 27, 26; vnd vberanl- 
worlet jnen Jhesum, das er gegeisselt vnd 
gecreutziget würde. Marc. 15, 15. 

2) uneigentlich s. v. a. plagen, strafen : 
wenn er igott) anhebt zu geissein, so dringet 
er fort bald zum tod. Hiob 9, 23. 

fielst^ m. spiritusj ahd. mhd. geist (Graff 

4, 269. Ben. 1, 496". Lexer 798). etn- 

7* 



GEIST 



52 



GEIST 



wmU begegnet auch der tunn^ eg» geiste : der 
beylig geiste. von dem bapelum. (1520). 
Ej^ als nachahmung der eüddeuUcken 
ausspräche bedient sich L. auch der Schrei- 
bung gaist, beleg s. unter geister. der pL 
schwankt bei L. noch zwischen geiste und 
geisler, ersteres in den früheren, letzteres 
in den späteren Schriften vorherrschend, 
die etymologie des worles, welches mit 
geisel einer würzet ist, s, bei Weigand 
wtb. i, 406. 
bedeutungen. 

1) hauch, aüiem, wind: das sie durch den 
ödem gottes sind vmbkomen vnd vom geisl 
seines zoms {von seinem zomeshauch} ver- 
tilget. Hiob 4, 9; er wirt den gottloszen 
tödten mit dem geyst seiner iippen. var, zu 
Jes. \\y ^t wo die bibel hat: ödem seiner 
Iippen ; der geyst geystet (der wind blaset) 
wo er wil. eyn geystUch edles büchlein. 
(1516). Bj", var. zu Joh. 3, 8. 

2) g«ist im gegensatze zum körper und 
zwar rpv/1^ und nvivfta bezeichnend. 

a) rfwxfj, anima^ das belebende im kör' 
pery die seele : da ein lebendiger geist innen 
war. 1 Mos. 7, 15 (vgl. 6, 17. 7, 22); 
vnd ist kein geist (bibel: odemj ynn yhm. 
var. zu Habac. 2, 19; vnd als er tranck, 
kam sein geist wider vnd ward erquicket. 
rieht. 15, 19; vnd da er gessen hatte, kam 
sein geist wider zu jm. 1 Sam. 30, 1^ das 
ander {sc, stück des menschen), die seele, ist 
eben der selbe geist nach der natur. Jen. 1 , 
453". 

b) nvtvfjiu, Spiritus, animus: ewer geist 
gantz sampt der seele vnd leib müsse behal- 
ten werden vnstref flieh. 1 Thess. 5, 23; 
bis das (dasz es) scheidet seele vnd geist. 
Hebr. 4, 12; das erste stuck, der geyst, ist 
das höchste, tieffeste, edliste teil des men- 
schen, damit er geschickt ist vnbegreifflich, 
vnsichtige, ewige ding zu fassen, das magni- 
fkat. (1521). bij"; das ein yglicher diese 
wort sol mit dem geist fassen, vber das 
erste buch Mose. (1527). Gij'^; vnd da es 
morgen ward, war sein geist bekümmert. 1 
Mos. 41, 8; was ists, das dein geist so vn- 
muts ist. 1 kön. 21, 5; wol dem menschen, 
in des geist kein falsch ist. ps. 32, 2; ewrs 
geistes gedancken kenne ich wol. Ezech, 1 1 , 



5. tfi bezug auf gesinnung und Charakter 
wird geist mit verschiedenen epithela ver- 
bunden: gib mir einen uewen gewissen 
(festen) geist. ps. 51, 13; befestige mich 
mit eiffl freiwilligem geist. var. zu ps. 51, 
14; ein geengster geist. 51, 19; ein ge- 
dültiger geisl ist besser denn ein hoher geist. 
pred. Sal. 7. 9; ich wonc bey denen, so 
Zuschlägen» vnd demütigen geists sind. Jes. 
57, 15; für ein betrübten geist. 61, 3; jr 
habt nicht einen knechtlichen geist empfan- 
gen. Rom. 8, 15; einen erbitterten geist. 
11, 8; sol ich mit der ruten zu euch komen 
oder mit liebe vnd sanfitmütigem geist? 1 
Cor. 4, 21 ; das gesetz gibt den furchtenden 
kneditischen caynschen geyst, aber die gnade 
gibt den freyen kindlichen habelschen geyst. 
ausleg. der ep. vnd euang. vom chrislag. 
(1522): Jiüj'-. 

3 ) geist im gegensatze zu fleisch, der durch 
den heil, geist wiedergebome neue mensch: 
die schrifft teilet den menschen in drey teil . . . 
vnd ein jgliches dieser dreier sampt dem gan- 
zen menschen wird auch geteilet auff ein an- 
der weise in zwey stück, die da heissen geist 
vnd fleisch , welche teilung nicht der natur, 
sondern der eigenschafft ist. Jen. 1, 453"; 
der geist ist willig, aber das fleisch ist 
schwach. Matth. 26, 41; das fleisch gelüstet 
wider den geist, vnd den geist wider das 
fleisch. Gal. 5, 17 ; was vom fleisch geborn 
wird, das ist fleisch, vnd was vom geist ge- 
boren wird, das ist geist. Jqh. 3, 6. 

4) geist von der ganzen pers(^: gleubet 
nicht einem jgliehen geist, sondern prüfet die 
geister, ob sie von gott sind, denn es sind 
viel falscher propheten ausgegangen in die 
weit. 1 Joh. 4, 1 ; die ander (Jungfrau) be- 
deuttet die geyste, die angefangen got zu 
dienenn. dasmagnificat. (1521). ciij". vor- 
zugsweise bedient sich L. des wortes zur 
bezeichnung der sacramentsschwärmer, der 
'schwermergeister* [Carlstad, Zwingli u. a.) : 
nu sage myr, was von dem geyst (von Carl- 
stad ist die rede) sey zu hallten, der eyae 
solche treffliche sache thar wagen on alle 
schrifft vnd wort, das ander teyl widder d. 
hyml. Propheten. (1525). Dj''; so gar hat 
dieser geist (Zwingli) die schrifTl ynn seiner 
gewalt. das diese wort. (1527). mj''; wie 



GEX&T 



53 



GEIST 



das auch wol anzeyget des geistes nebiste 
antwort widder solch mein büchlin. vom 
abendmal Christi. (1528). aij"; so stym- 
met denn Zwingeis rethoricka mit dem geist 
ynn der Schlesie fein vber eins, ebend, x 
üj *> ; solche geister soll man zur schulen füren 
vnd Petrum Uispanum leren, ebend. rij'*. 
mit beiwörlem: die irrigen geister stiff^eii 
viel böses. Sir. 34, 11; anhangen den vcr- 
fürischen geistern. 1 Tim. 4, 1 ; die andern 
freyen vnd leychlfertigen geisten, die solch 
yre gepresten gering achten, auszleg. deutsch 
des V. u. (15 IS). Cij'*; was solt es (das 
sacramenl) bey den freyen sichern geysten 
wircken ? serm. von dem hoehmrdigen «a- 
Brameni. (1519). a iiij '* ; den freyen, sichern 
geysten, die yhre sund nit heysset, die mesz 
keyn nütz ist. serm. vom n. lest* (1520). 
Düj '' ; die vnreinen genieszsuchtigen geyste. 
dasmagni^at, (1521). ciij"; den eckein 
geistern, den die schrifft nicht schmecket. 
vber das erste buch Mose. (1527 ). n iiij' ; 
ein freueler geist. vom abendmal Christi. 
(1528). h ij"; stoltze freidige geister. elli' 
che schöne ^edigten. (1533). Aüj*"; edle 
geyster. eyn vrteyl der Iheologen zu Paris. 
(1521). Düj"; frome geyster. ein predigt 
vnd Warnung. (1525). Dj'; kluge geister. 
das \1 . eaf. s. Johannis. (1530). Rij'. 

5) geist, unkörfeiiiches , ukerirdiisehes 
u>esen. 

a) sie meineten, sie sehen einen geist. 
Lmc. 24, 37 ; ein geist hat nicht fleisch vnd 
bein. v. 39; was vnserm gesiebt dick vnd 
finster ist, als holtz, stein vnd ^rtz, das ist 
eim geist wie ein glas, ia wie eine helle lufft, 
wie denn das die poltergeister vnd engcl wol 
beweisen, vom abendmal Christi. (1528). 
kj*; gott ist ein geist. Joh. 4, 24. 

b) ein umgehender, abgeschiedener geist, 
gespenst : zuletzt auch die todten, die wan- 
deUenden geyster. ausleg. der ep. vnd 
euang. vom christag. (1522). AT iiij \ vgl. 
Poltergeist, rumpelgeist. 

c) von den engein: er macht seine enget 
geister. Hebr. 1,7; sind sie nicht alle zu 
mal dienstbare geister ? v. 1 4. 

d) der böse geist, der teufet : solch wu- 
tende weysz hatt der bosze geyst eyn tragen. 
eyn sermon von dem hochwirdigen scuira^ 



ment. (1519). c j '' ; der böse ^eist kan auch 
die leute auffblasen. das 14. vnd 15. cap. 
Joh. (1538). Ddiiij^ böse, unsaubere, 
unreine geister: der geist aber des herrn 
weich von Saul vnd ein böser geist vom herrn 
macht jn seer vnrügig. 1 Sam. 16, 14 ; ein 
böser geist, Asmodi genant, hatte sie alle ge- 
tödtet. Tob. 3, 8 ; vnd gab jnen macht vber 
die vnsaul)ern geister. Matth. 10, 1 ; er ge- 
beut mit gewalt den vnsaubem geistern 
(1522: geysten). Marc. 1, 27; drey vn- 
reinc geister. offenb. Joh. 16, 13. 

e) der heilige geist, die dritte person in 
der gotiheit : wer den teuflel nicht kennet, 
möchl wol meyncn, sie betten funff heilige 
geyste bey sich, das ander teyl widder die 
hyml. Propheten. (1525). Aiiij'; der hei- 
lige geist, der hobest vnd beste poet. der 
IM. psalm. ( 1 530). Aj " ; das sie schwan- 
ger war von dem heiligen geisl. Matth. 1, 
18; der wird euch mit dem heiligen geist 
vnd mit fewr teuffen. 3, 1 1 ; vnd teuffet sie 
im namen des valers, vnd des sohns vnd des 
heiligen geisls. 28, 19. auch geisi gottes, 
geist des herrn, geisl Christi u. s. f., sowie 
schlechthin der geist genannt: vnd der geist 
gottes schwellet auff dem wasser. 1 Mos. 1 , 
2 ; erfüllet mit dem geist gottes. 2 Mos. 41, 
3 ; vnd Johannes sähe den geist gottes gleich 
als eine taube her ab faren. Matth. 3, 16; 
vnd der geist des herrn war in jm. rieht. 3, 
10; zog der geist des herrn Gid«on an. 6, 
34 ; der geist des herrn ist bey mir. Luc. 
4,18; weil jr denn kinder seid, hat gott ge- 
sand den geist seines sons. Gal, 4, 6 ; der 
geist Christi. 1 Pet. 1,11; durch handrei- 
chung des geistes Jhesu Christi. PhiL 1,19; 
da ward Jhesus vom geist in die wüsten ge- 
fürt. Matth. 4, 1 ; die lesterung wider den 
geist wird den menschen nicht vergeben. 1 2, 
31. mit rücksicht auf die gaben und wir' 
kungen des heil, geistes heisxt er geist der 
Weisheit, der gnade, der kindschaft, des 
glaubens, der warheit, des gebets u. s. w. : 
die ich mit dem geist der Weisheit erfüllet 
habe. 2 Mos. 28, 3 ; auff welchem wird rü- 
gen der geist der Weisheit vnd des Verstands, 
der geist des rats vnd der stercke, der geist 
des erkentnis vnd der furcht des herrn. Jes. 
11, 2; geist der gnaden vnd des gebets. 



GEISTÄNGSTER 



54 



GEISTGRUNDIG 



Scich. 12, 10; geisl der warlieil. Joh. 14, 
17; 15, 26; geist des glaiibens. 2 Cor. 4, 
13; geist der Weissagung, offenh. Joh. 19, 
10. 

Heistaagster j m. der ein mit sünden be- 
ladenes gewissen ansiall mit dem tröste des 
evangeUums aufzurichten in die angst der 
Verzweiflung treibt: aber wo das geschehe, 
szo wurde den seelmordern vnd geystengslern 
der beychl pfennig empfallen. ausleg. der 
ep. vnd euang. vom christag, (1522). nnn 

• • • • 

mj". 

fieisiani} arm am geiste: ein geistarme 
seele, die nichts mehr hat, denn das geschrey, 
liehen vnd bitten. Jen. 1, 18"; dis gebot 
foddert eine geistarme seele. 1, 248 '*. 

flehteiiy wehen, blasen, beleg $. unter 
geist 1). 

fleister^ m. enthusiast, Schwärmer: so 
viel ich dem geruch meiner nasen nachspüren 
vnd vr teilen kan, so ist er (S. Frank) ein 
enthusiast oder gaister, dem nichts gefellet, 
denn gaist, gaist, gaist, der vom wort, sacra- 
ment, predigampt nichts helt, sondern nach 
dem gaist sol man leben, ein dialogus. 
(1545). Aiij''. 

Ceisterei j f. geistliches wesen : mit dem 
heiligen geist (2 Cor. 6, 6), was ist das ? es 
mag zween syn haben, den ersten, das er 
(der apostel Paulus) rede von dem heiligen 
geist, der da golt ist, den andern, das er rede 
schlecht vom geist odder geistlichem wesen, 
das heiliger geist so viel sey als heyhge gei- 
sterey, als wolt er sagen, hütet euch für den 
geistlichen vnd hübschen geystereyen , die 
sich viel rhümen des geists, vnd ist doch ein 
falscher, vnreiner, vnheiliger geist da, der 
nur secten vnd zwitracht bringt, bleibt yhr 
aber ynn der rechten heiligen geisterey, die 
aus dem heyligen geist gotts kompt ... die nu 
ynn einem glauben, wahn vnd synn bleiben, 
die beweisen mit rechter heiliger geisterey 
vnd mit dem heiligen geist, das sie gott die- 
nen, denn rechte geisterey odder ein recht 
heilig wesen ym geist, stehet ynn eynickeil 
vnd gleichmütigem hertzen ym glauben etc. 
post. (1528). 320 \ besonders das falsche 
geistliche wesen, selbsterwählter gottesdienst 
u. dergl, : aus dem sihestu aber mal, das klö- 
sterey vnd geisterey zu vnsern zeytten vnrechl 



ist. das 7. cap. Cor. (1523). Jj'; miin- 
cherey vnd geysterey. Ordnung eines gemei- 
nen hastens. (1523). Aij\' der alte teüfel, 
der Adam vnd Eua auch zu enthusiasten 
machte, vom eusserliclien wort gottes auff 
geisterey vnd eigen dünckel füret. artickeU 
etc. (1538). Güij*; blinde geister, die das 
eusserlicb wort vnd sacrament verachten vnd 
dafür jre eigen ertichte geisterey furgeben. 
das 15. cap. der ersten ep: s. Pauli an dte 
Cor. (1534). Biiij**; ertrewmele geisterey 
fürgeben, von der heil, taufe, (1535). 
Diij •. 

fietotieiscli j n. es ist gott ynn diesem 
fleisch (dem leibe Christi), ein gottsfleisch, 
ein geistfleisch ists. das diese wort etc. 
(1527). püij*. 

Mstgelelirte (geistgelerte), m. wer einer 

unmittelbaren Unterweisung (Offenbarung) 

des heil, geistes sich rühmt: wer hie anders 

thut, denn sie (die schwermer), der ist eyn 

zwifelltiger papist, der henckel vnd mordet 

Christum, vnd müssen schriiTtgelehrten seyn, 

wer es aber thut, der ist schon ynn den 

geyst hyneyn gesprungen mit stiffeln vnd mil 

allem vnd ist eyn geystgelerter. das ander 

teyl Widder die hyml. propheten, (1525). 

Aiiij ^ ; also hies Müntzer (gedr. Mützer) vds 

Wittemberger theologen die schrifflgelerten 

vnd sich den geistgelerten, vnd jna nach viel 

ander mehr, von den condlijs, (1539). 
• • • * 

«eistgeiiMi, m genösse des teufeU: das 
nit erfunden werde ynn dyr . . . eyn tagweler, 
odder eyn geystgenosz (vulg, auguria), odder 
eyn hexen, ausleg. der ep. vnd euang, vom 
christag, (1522). fffüj*, var. zu 5 Mos. 
18, 10. dte erfttönin^ von geistgenosz, tre^ 
ches wort eine bildung Vs, zu sein scheint, 
gibt er selbst in folgender stelle : die geysl- 
genossen, ich weysz nit wie ich sie sonst 
nennen sol, (sind) die den teuffel yn eyn 
Spiegel, bild, stock, schwerd, glasz, christall, 
fingernagel, kreysz, rutten vnd dergleychen 
beschweren, vnd alda heymlich schetz, ge- 
schieht vnd ander ding sehen wollen, ebend. 
fffiiij*. 

Uthigr^niif^f im innersten des geistes sei- 
nen sitz habend: diszer betrighcher schedli- 
cher lisl keynen menschen frey lest, sundem 



GEISTHUNGRIG 



55 



GEISTLICH 



ganlz geyslgrunüig {Jen. 1, 19'^: geistgrün- 
dig) ynn allen Ist. die sieben busxpsalm. 
(1517). Brnj". 

GeisIkBBgrigi hungrig nach dem heiligen 
geiiU : geysthüngrig (gedr. geistliünrig) vnd 
gaaddürstig werden, auff das vbirchrisU. 
buch. (1521). Fiij\ 

CJetstture^ /*. die hohen schule tzii Parisz 
isl . . . die grossist geysthure , die von der 
sonnen beschynen ist. eyn vrleyl der iheO' 
logen. (1521). Dij\ 

CIcistleia (geistlin), n. kleiner, unbedeu- 
tender geist (vgl. geist 4) : neyn, liebs geyst- 
lin, du eatleufiest myr nicht also, das ander 
ieyl Widder d. hgnU. prophelen. (1525). 
Nj"; verdrehe dich ein mal geisthn. vom 
abendmal Christi. (1534). piiij''; du zor- 
niges geistlin. wider Hans Warst. (1541). 
Aii] " ; solchs sihet m. Grikel (Agncola) nicht, 
das sein geistlin da hinaus wil mit rhümen 
vnd pochen , das er auch das geselz predige. 
Jen. 7, 381'*. de Wette br. 6, 255. 

fieistler^ m. was geister: hierauff gehen 
die Sprüche, so die geistler füren, vom 
abendmal Christi. (1528). iiiij". 

deistUelii adj. spiritualis, sacer, mhd. 
ahd. geistlich (Ben. i, 496^ Lexer SOO. 
Graff 4, 271), gebraucht L 

1) im gegensatz von leiblich : figur vnnd 
erfullung der figurenn haben sich kegenn an- 
der wie ein leypiich vnd geistlich odder eu- 
szerhch vnnd ynnerlich ding, von dem bap- 
8tum zu Rome. (1520). Diij''; gleich ak 
wen ich von einem menschen rede vnd yhn 
Dach der seelen ein geistlichen, nach dem leyp 
ein leypiichen menschen nenne, ebend. Ciij" ; 
eyn yglich christenmensch ist zweyerley 
natur, geystlicher vnd leyplicher. von der 
freiheil eines Christenmenschen. (1521). 
Aij •» ; s. Peter redt (redet) von der ynnerli- 
chen geystlichen priesterschaffl. auff das 
vbirchristl. buch. (1521). Bij"; denn so 
die beiden sind jrer geistlichen guter teilhaff- 
lig worden, ists billich, das sie jnen auch in 
leibheben gutem dienst beweisen. Rom. 15, 
27 ; vnd haben alle einerley geistliche speisse 
gessen vnd haben alle einerley geistlichen 
Iranck getruncken, sie truncken aber von 
dem geistlichen fels, der mit folget, welcher 
war Christus. 1 Cor. 10, 3. 4; von den 



geistlichen gaben aber wil ich euch, lieben 
brüdcr, nicht verhalten. 12, 1 ; hie komen 
beide geistliche vnd leihliche Verfolgung zu- 
samcn. Bindseil 7, 470. 

2) im gegensatz von ileischUch (vgl. geist 
3): jr aber seid nicht fleischlich, sondern 
geistlich, so anders gottes geist in euch wonet. 
Rom. 8 , 9 ; ein geistlicher mensch richtet 
alle ding, an den christl. adel. (1520). 
Biiiji', var. zu 1 Cor. 2, 15; nichts beweiset 
einen geistlichen man also wol, als der han- 
del mit eines andern sunden. post. (1528). 
23 ". 

3) im gegensatz von natürlich (seelisch) : 
es wird geseet ein natürlicher leib vnd wird 
auffers leben ein geistlicher leib, hat man 
einen natürlichen leib, so hat man auch einen 
geisthchen leib ... der erste mensch Adam ist 
gemacht ins natttrUclie leben, vnd der letzte 
Adam ins geisthche leben. 1 Cor. 15, 44. 
45. die ausdriUke 'natürUcher leib, geistU- 
cher leib' erklärt L. in der gl. zu dieser 
steile: natürhcher leib ist, der isset, trincket, 
schleffl,, dewet, zu vnd abnimpt, kinder zeu- 
get etc. geistlich, der solches keines darff 
vnd doch ein warer leib vom geist lebendig 
ist, wie man aus gen. 2 verstehen kan. Bind' 
seil 7, 559. vgl. auch dieauslegung dieser 
stelle in: das 15. cap. der ersten epist. s. 
Pauli an die Cor. (1534). füj"* — h iijv 

4) im gegensatz von buchstäblich : das 
schwerd aber, das wort gottis nympt er vnd 
gibt für nit mit der scheyden, das ist mit dem 
buchstabe, sondern mit der schneyden, das 
ist mit dem geystlichen vorstand! zu hawen. 
auff das vbirchristl. buch. (1521). Aüj"; 
nach dem geisthchen verstand, da sind die 
psalmen recht lieblich vnd süsse, von den 
letzten Worten Dauids. (1543). Biiij"; 
wilchs ist der schrifftlich vnd wuchs der geyst- 
Uche synn. auff das vbirchristlich buch. 
(1521). Ej''; nu solt ich hie die geistliche 
(allegorische) deutung auch einfüren, vber 
das erste buch Mose. (1527). Kj " . 

5) im gegensatz von weltUch: die geyst- 
lich vnd welltlich öberkeyl sollen ynn yhrem 
ampt billich handeln, so sie alle bettelseck 
abtheten. von kauffshandlung vnd wucher. 
(1524). Fj'' ; ynn dem ampt mustenyhm die 
apostel nach folgen vnd alle geystliche regi- 



GEISTLICH 



56 



GEISTLICHKEIT 



rer. van weltUcher vberkeü. (1523). Güj\ 
der geistliche stand, ordo eeclesiasticus : vor 
allen dingenn heysset man hie den geistlichen 
stand die bischoff, priester vnd ordensleut. 
von dem bapstum zu Rome. (1520). Cij''; 
wir reden aber itzt nicht ^om brauch odder 
miszbrauch der stende, sondern von art vnd 
natur der stende an yhn selbs vnd schlieszen, 
das der ehestand gollt vnd der geystlich stand 
dreck ist, darumb das ihener zum glaulien, 
diszer aber zum vnglauben förderlich ist. das 
7. cap. Cor, (15*23). Dij"; ich meine aber 
nicht den jtzigen geistlichen stand jnn klö- 
stern vnd stifften. das man kinder zur 
schulen hallen solle. (1530). Biij*'; s. 
Paulus sagt nicht allein von pfarrhern vnd 
Predigern, sondern auch von aposteln, euan- 
geUsten, propheten vnd andern hohen geist- 
lichen stenden. von den concilijs. (1539). 
f ij*. es sollte auch manch bisschoiT^apt vnd 
andere geystliche herrn zur ehe greyfled. an 
die herrn deudsch ordens. (1523). Cij'; 
da, da, jr bepste, cardinel, papisten, geistli* 
chen herrn, verfolget mehr gottes wort. 
wamunge an s. L Deudschen, (1531). 
Eiiij ** ; wer wollt nu die geystlichen vetter 
(väter) verdencken, das sie hurerey tzu las- 
sen vmb gellt, wider den falsch genanten 
geisll. stand. (1522). Gi]**; damit hat er 
fder bapst) die weit vol geistlicher leute, das 
ist vol huren vnd buhen gemacht, vber das 
erste buch Mose. (1527). Oiij^ das geist- 
liche recht. Jus canonicum : ich sag zum er- 
sten, das es gut were, das geistlich recht von 
dem ersten buchstaben bisz an den letzten 
wurd zu grund auszgelilget. an den chrisll. 
adel. (1520). Lij*; auch szo ist ym geist- 
lichen recht szo streng vorpotten dem geist- 
lichen stand gewere vnnd wapen (waffen) zu 
tragen, grund vnnd vrsach. (1521). n ij*". 
das geistliche amt, ministerium eodesiasH- 
cum: künd auch noch wol leiden, das bapst 
vnd bischoue weltliche herrn weren vnd 
blieben, weil sie doch der bisChof fliehen ampt 
sich eussern vnd schewen, wenn sie allein 
das geistlich ampt hülffen durch andere trei- 
ben vnd fordern, von den schlüsseln. (1530). 
Fiiij*. geisthche guter, kirchengüter : vnd 
wey tter streckt man das wortlein geystlich in 
die zeittlichen gutter, nit der die worhafftig 



geistlich sein durch den glauben, sondern die 
in der andern leyplichen Christenheit- sein, 
vnd heyssen der selben guter geystlich odder 
der kirchen. von dem b^slum »U R0me. 
(1520). Cüj**; diesz darf man sich nit be- 
sorgen, dasz die fürsten solche geistliche 
guter alle den kaiser werden lassen an sich 
ziehen, de Wette br, 5» 28. 

fieitlUeil) adv. spiritualiter, mhd. geist- 
liche (Ben. 1 , 497*. Lexer 800), ahd. 
geistlicho (Graff 4, 273): denn es mus 
geistlich (var. geistlicher weise) gerichtet 
sein. 1 Cor. 2, 14; es kompt aber die tzeytl 
vnnti ist schon itzt, das rechtschaffene anlieter 
den vatter anbeten werden geystUch (bibel: 
im geist) vnd rechtschaffen, von anbeten des 
sacramenls. (1522). CijS var. zu Joh. 4, 
23 ; der geistlicJi vnd gründlich betet. Jen. 
1, 70'; das macht, das er geystlich, vnsicht- 
lieh regirt. von der freyheyt einisz Christen- 
menschen. ( 1 5 20 ). Bij *. 

fieisUleliey m. dem geistlichen stand an- 
gehöriger : es ist doch zu hoffen, das hynfort 
wenig mehr mönche vnd geystliche werden 
sollen, an die herren deudsch ordens. 
(1523^. Aij*; man sol den babst tioeh die 
geistlichen niclit schelten, vber das erste 
buch Mose. (1 527 ). b iiij ^ ; der keiser The- 
odosius nicht mehr wolt lassen einen bischofl 
zu Constantinopel welen aus den priestern 
oder geistlichen in der slad Constantinopel. 
von den concilijs. (1539). Hij"*; die geist- 
lichen haben gute tage, post. (1528). 232'. 

Clelstliclikelt (geystlickeit , geisthgkeit, 
geistlicheit , /*. mhd. geistltchkeit {Ben. \, 
497 '. Lexer 800). 

1 ) geistliches leben : in demut vnd geisl- 
ligkeit der engel. Col. 2, 18; selb ^welete 
geistligkeit vnd demut. v. 23; szo ist der 
grosz man (Gerson) betrogen worden von 
der abglewbischen , engUschen geystlickeyt. 
ausleg. der ep. vnd euang. des aduents. 
(1522). Cij*; zu weylen will auch vber- 
flüssig geystUckeyt da regirn. das 1. cap. 
Cor. (1523). Cij*; wo aber das wort nicht 
gehet, da mus sclilechte geistlikeit sein, das 
man kinder zur schulen halten solle. (1530). 
Biij^; also wollen auch sie jre geistligkeit 
mit saursehen ausrichten, das 14. vnd 15. 
cap. s. Joh. (1538). Bj^; grosse andacht 



GEISTLOS 



57 



GEIZEN 



vnd geistlicheit. wider d(U bapslum. (1545). 

2) geisUicher^ stand: es sollen weitlich 
herrn vnd stete mit der geystlicheyt da zu 
thun, das solchs abthan wurde, serm. von 
dem hoehwirdigen gacrament, (1519). cj**; 
ein regent in der geistligkeit. vier predig- 
len. (1546). Jiij'*; denn er wil je die vn- 
schuldige kirche vnd geistlicheit mit jm zum 
teufel füren. Jen. 1,201 ^ 

CieistlM, keinen geist habend, mhd. geiste- 
los {Lexer 799). 1) adj.: au(T erden nicht 
ist ein elender, dürflftiger, geystloser voick 
denn yhr seyt; nicht geystUch, sondern 
geystlos solt man euch billich heissen. post, 
(152S). 14*; vnkeuscheil hat keinen stand 
also sehr erseuift, als den geistlichen, sol ich 
yhn anders geislHch nennen, so er mehr denn 
Heisch selbs vnd gantz geistlos ist. ebend. 
33*. 

2) subst. : den geistloszen aber seind solch 
wort gar geringe antzusehen. das magnifi- 
cat. (1521). fj*. 

(leistreieliy reich an geisi, gegensalz von 
geistarm (s. d.) : die zarte glose seynes geyst- 
reichen vnd schrifftlosen kopffs. das ander 
legi Widder d. hyml. prophelen. (1525). 
^j*; geticht vnd spiel eines geistreichen 
poeten. Bindseil 7, 417; ein geistlich schön 
geticht eines geistreichen mans. ebend, 412. 

Mstsfenteadigy was das einfache wer- 
ständig: wiewol es on das zu wönschen 
were, das yemand geistsverstendig sich der 
mühe vnterwünde vnd läutert die legenden 
der heiligen, ausleg. der euang. an den farne- 
mislen festen, (1527). aaij\ 

deiu (geys. 1 Mos, 15, 9 var.), f, 
capra, ziege, noch mit dem st. pl, geisse: 
behut got für dem bock die geysse , die yhr 
hemer in seyden geflochten tragen, an den 
bock. (1521). Aij*. 

mhd. ahd. gei^ {Ben. 1 , 497 *. Lexer 
SOO. Ora/f 4, 2S6) lautverschoben stim- 
mend mit tat. haedtts junger Ziegenbock, 
vgl. Weigand wtb. 1, 406. 

(Icittfell, n. xiegenfell: sie fechten für 
die winkelmesse und sagen selbst es sey eine 
nichtige sache und geiswolle: ich wollt sie 
lehren diesz geisfell kennen und haare aus der 
wolle machen, de Wette br. 3, 4S3. 

DiBTZ, Wörterbacli. IL 



fieisshaar (geyshar), n. Ziegenhaar^ nur- 
in der ersten ausg, der fünf bücher Moses 
(2 Mos. 25, 4) vorkommende Variante, wo- 
für schon die folgende ausg. zigenhar hat. 

— mhd. gei^hk (Ben. 1 , 634 **. Lexer 
801). 

fieiuMilclij f. Ziegenmilch: lasz die geysz- 
milch {bibel: Ziegenmilch) dein speisz seyu 
ym hawsze. var. zu spr. Sal. 27, 27 in der 
1521 erschienenen schriß von der beicht. 

— mhd, gei^milch {Lexer 801 ^ 
fieisiwoile, f. ziegenwoUe, mhd. gei;;- 

wolle (Ben. 3, 803*. Lexer 801). beleg, 
s, unter geiszfell. 

Heilig, geittig, s. geizig. 

Seil (geitz, geytz^ m, avaritia: geytz vnd 
gelt durst. serm. von dem n. lest. (1520). 
Dij**; der tückisch geytz vnterweylen yhm 
selb eyne färb anstreycht, als neme er das 
vbrige für ein geschenck. von kauffshand- 
lung, (1524). Gij**; wer aber eins kran- 
cken wartet vmb geitzs vnd erbteil willen. 
ob man für dem sterben fliehen müge. 
(1527). Biiij*; ich war zornig vber die vn- 
lugent jres geitzes. Jßs. 57, 17; sondern 
neige ten sich zum geitz vnd namen gescheock. 
1 Sam, 8,3. — personif. : ist der furmund 
des bauchs, iuncker geitz, nit ein listiger 
schalck? eiian^. von den tzehen aussetzi- 
gen. (1521). Gij*^; pfui dich mal an Juncker 
geitz. tischr. 59 '. — der römische geiz =* 
der bapst: nu hat der romisch geytz vnd 
raubstul nit mocht der zeit erwarttea. an 
den Christi, adel. (1520). Dij'; es hat auch 
iler liebe romische geytz den prauch erdacht, 
das u. s. w. ebend. Diiij^. 

Mit fortschiebung des mhd. t in z und 
Übergang des i in ei aus mhd. git {Ben. 1, 
537 ^ Lexer 1024 ^ ahd. gft, kil {Graff 4, 
145^. über die etymologie des voortes vgl. 
Weigand wtb. 1, 407. 

fieiien fgeitzen), mhd. giten {Lexer 1024). 

1) überhaupt nach etwas gierig sein: 
daher klar ist, das er {Abraham) nicht ge- 
geizt hat nach einer andern {sc. frau). vber 
das erste buch Mose, (1527). o iiij\ 

2) häufiger nach geld und gut gierig sein, 
habgierig sein: geitzen, zu sich scharren. 
der 112. psalm. (1526). a ij ** ; geitzen 
mns jtzt heissen endelich sein, vorsieh tiglich 

8 



GEIZEN 



58 



6EJECHT 



handeln, bescheiden vnd narhafilig sein. 
hauspost. {Jhena 1559). 271^; burger 
geitzet, adel kratzt, wider Hans WorsL 
< 1 541). Kiij* ; wen der geitz bestanden hat, 
das er scharret vnd kratzet, der hat schon 
ein iinstemis im hertzen, wo er aber zu feret 
vnd schmückt sich, das es nicht gegeitzt 
heisse ... das heisst erst ein recht dicke dup- 
pel finsternis. das 5. 6. vnd 7. cap. s. 
Mallhei. (1532). pij''; das ist nicht die 
weise gut zu erwerben vnd reich werden, so 
einer den andern hasset, neidet vnd vntern- 
ander schindet, streitet, geitzet vnd teuschet. 
gl. zu Jac. 4, 2 ; er schilt aber das volck, 
das sie allein auff jre guter vnd heuser vleis- 
sig gegeitzt hatten, ßindseil 7, 409; die 
jmer in jren sack geitzen {ihn durch geiz 
füllen), ebend. ; ein jglicher geitzet für sich 
in seinem stände. Jes. 56, 11 ; weh dem der 
da geitzet zum vnglück seines hauses. Hab, 
3, 9. 

fieiien^ n. eim geitzbals wird sein geitzen 
blutsawer. ein christL schöner Irost, (1535). 
Aij*. 

, Qtiwtftif /<. habsucht: das {geistliche 
recht) doch an yhm selb ein lauter tyranney, 
geytzerey vnd zeitlicher pracht ist. an den 
Christi, adel. (1520). Ciiij". 

Cleixliaki m. homo avarissimus: wenn 
der arm man mus keuffen oder annemen die 
tegliche wahr so thewer der geitzbals wil. 
gl. zu 3 Mos. 25, 36; verderbt doch ein 
solcher geitzbals auch wol alle ander gute 
werck. ob kriegsleute etc. (1526). Fj**; 
ein ehebrecher, ein hurer, ein geitzbals oder 
sonst ein sunder. vondeT\concilijs. (1539). 
Xij*; gottlose geitzhälse. de Wette br, 5, 
422. 

Heilig (geitzig), avarus, gierig, habgierig, 
in den ersten ausgg, des n. lest» auch noch 
die älter-nhd. formen geyttig und gyttig, 
mhd» gitec, gttic (Ben. 1, 538*. Lexer 
1024), ahd. gUac, kttac {Graff 4, 145). 

1) adj. a) praedic: was ist die hoffnung 
des heuchlers, das er so geitzig ist. Hiob 
27, 8; {die phariseer) waren geitzig. Luc. 
16, 14; es sol ein bischotf nicht geitzig 
sein. 1 Jim. 3, 3; ist einer furm iar 
stoltz vnd geitzig gewesen, so ist er hewer 
viel geitziger vnd stoltzer. deudsch catech. 



(1529). Xij^ miij/en.: lasset vns nicht eileler 
ehre geitzig {septemberausgabe desn. lest. v.J. 
1522: geyttig; decemberausg. : gyttig) sein. 
GaL 5, 26. — b) aUribr. kündten sie doch 
nicht einen geitzigen menschen ersettigen. 
der 147. psalm. (1532). Giif ; alle das ge- 
würm vnd geitziges vnziefer. ein brieff von 
seinem buch der winckelmesse, (1534). 
Cij\ 

2) subst.: der geitzige segenet sich vnd 
lestert den herm. ps. 10,3; des geitzigen 
regieren ist eitel schaden. Jss. 32, 7 ; weder 
die diebe noch die geitzigen . . . werden das 
reich gottes ererben. 1 Cor. 6, 10. 

fveiligen <= geizen : weil wir jmer hin in 
aller henger namen geitzigen. EisL 2, 1 48^. 

Cleiiigkeit (geizickeit), f. dvaritia : vnrei- 
nickeit, böse begirde, geizickeit. grund vnd 
vrsach. (1521). cijS var. zu CoL 3, 5, 
— mhd. gitecheit (Ben. 1 , 538'. Lexer 
1024). 

Cleiiiglidi; adv. gierig, heiszhungrig : da 
der wolif eins mals ein schaf geitziglich fräs. 
Jen. 5, 272'. — mhd. gitecliche {Ben. 1, 
538*. Lexer 1 024). 

deiiwansty m. was geizhals : wir Deud- 
sehen von einem geitzwanst sagen, geld ist 
sein hertz, das ist, wenn er nur geld hat, 
das ist sein freud vnd trost vnd summa sein 
gott. das 5. 6. vnd 7. cap. s, Mallhei. 
(1532). oj*; einen geitzwanst kan man 
trösten mit gelt, einen krancken mit ertzney. 
das 15. cap. der ersten ep. s. Pauü an die 
Corinther. (1534). Lii]**; ein geitzwanst 
dem fiirsten mehr abschätzen, denn eine 
gantze stad geben kan. ausleg. der ep, vnd 
euang. von ostem. (1544). Aaüj*; der 
vnsettige, grundlose geitzwanst Paulus. 
wider das bapslum zu Rom. (1545). Eij^ 
der pl. lautet geizwanste u. geizwenste : die 
reichen geitzwanste. das man kinder zur 
schulen halten solle, (1530). Giiij * ; ein Zu- 
satz der geitzwanste. ein widderruff vom 
fegefewr. (1530). Eij'*; das bawrliedhn, 
das alle geitz wenste singen. d<is 5. 6. vnd 
7. cap. s. Matthei. (1532i. niiij*. 

dejeclit^ ffi\t^i^ n.jagd: es ist des Lu- 
thers reformation, der hat ein seltzam geiegt 
angericht vnd solche eselsköpffe yn die schrifll 
geiagt. von priesterehe. (1528). Aiij*;als 



GEKÄMPF 



59 



GELÄCHTER 



jr mich auff ewr iaget füret, hielt ich auch zu 
gleich auff dem wagen mein geistlich geiegt 
vnd fieng den cxlvij. psalm : huda Jerusalem 
mit seiner auslegung» welchs mir denn die 
aller lüstigesten geiegt vnd edlest wilt ist. 
der 147. psalm. (1532). Aj''; der beer- 
woljf entgehet allem geiecht vnd woffen. 
Jen. 7, 393'. — mhd. gejegede {Ben 1, 
768*. Lexer 802). 

fieküüpf (gekempf), n. andauernde» 
kämpfen: die leute des gezencks vnd ge- 
kempffs vher der sciirifft sind müde worden. 
zwo predigt xu Smalkalden» (1537). Dj **. 

fiekeln : den ritter weis er zu setzen, den 
rocbe zu zihen vnd die bauren zu gekeln 
(schlagen?), aber die frawe bt sein meister 
ynn dem spiel (vom Schachspiel ist die rede), 
de Weile br. ß, 149. 

Cekeij s, gäken. 

Iicfcirre^ n. da höret das gedöne vnd ge- 
kirre auff. Uschr, 202**, vom schreien, grün- 
zen der Schweine, s, kirren. 

HekisMMim. calechismus : mit seinem ge- 
kysmo. de Weite br. 6, 252. 

fiekoriij n. hom, granum : manna ist fast 
gewesen wie coriander, wiewol coriander 
ist noch ein kleiner gekorn, gleich wie bcy 
vns reiss oder hiersen. Eisl. 1, 373 ^ vgl. 
mhd. gekornze getreide (Lexer 803). 

fiekrätia (gekretze), n. was gekämpf: was 
er (der Türke) ynn Hungern vnd deudschen 
landen thut, das wird das letzte gekretze vnd 
gereuffe sein , das er mit den vnsern vnd die 
vnsem mit yhm haben werden, eine heer^ 
predigt. (1529). Gij". 

Cid (geel, gelb), gelb^ flavus, mhd. gSl, 
gen. gglwes {Ben. 1, 497**. Lexer 804), 
ahd. g6lo {Graff 4, 181). die dem mhd. 
entsprechende form gel ist die bei L. vor^ 
herrschende, gelb {mit b aus w) erscheint 
nur vereinzelt in den früheren Schriften. 

a) belege für gel (geel, gelb) : gele {erste 
ausg. der fünf bücher Mosis : gelle) seiden. 
2 Mos. 2b, 4; gele schnür. 28, 37; ein 
gantz geele decke. 4 Mos. 4, 6 ; gele tücher. 
£sth. 1, 6; gele vnd schwefeliche pantzer. 
offenb. Joh. 9, 17; gele sporn, der 82. 
psalm. (1530). Diiij^; die bansen vom adel 
so daher Iretten mit jren gelen keten. serm. 
auff Malih. 22. (1535). Dij^ wie man die 



' bSttler vnd Juden an den gelen rincken ken- 
net, das diese worl. (1527). riüj^; vmh 
seiner schonen gelben bar willen, ob kriegs^ 
leute etc. { 1527). Ej" ; sie sind zu geel vmb 
den Schnabel, die jungen papirklicker , vnd 
gar zu vnuersucht. von den concilijs. ( 1 539). 
Ciiij\ 

b) belege zu gelb : (die aufgehende sonne) 
yhre starcke glentz also in yhr gesiebte stost, 
das yhn grün vnd gelb für den angen schy- 
mert. wider die bullen des endchrist. 
(1520). Bij"; von gelber seyden. 2 Mos. 
27, 16 tn der ersten ausg. der fünf bücher 
Mosis v.J. 1523; vmb deines gelben bares 
willen, post. (1528). 91'*. 

Ivel (geel), n. das gelbe: denn ob er ver- 
Zeiten zu geschwind wäre gewesen, acht ich, 
er sollt nu das geel abgelaufen haben, de 
Wette br. 2, 381 ; das geel am schnabel nicht 
ahgestoszen. ebend. 4, 651. 

Helackt (gelecht), n. das lachen : gott hat 
mir eyn gelecht (bibel: lachen) zugericht. 
var. zu 1 Mos. 21,6. 

CleUcliter (gelecbler), n. 1) das lachen: 
ein gelechter anrichten, wider Hans Worst. 
(1540). Aiiij''. 

2) gegenständ des lachens, scherz, spoit : 
vnd ist leichtlidi zu rechen, das solch veria- 
gen ewrem fleisch vnd blut kein seitenspiel 
noch gelechter gewesen sey vnd noch kein 
lust noch freude ist. Verantwortung etc. 
(1533). Cij^; ich hab offt selbs mit gelacht, 
wo ich gesehen, das man den liunden an dem 
messer einen bissen brot geboten, vnd wenn 
sie darnach geschnappt mit dem hefft auff die 
schnaussen geschlagen hat, das die armen 
hunde nicht allein den schaden, sondern auch 
den schmertzen dazu haben musten, vnd ist 
ein fein gelechter, ich dacht aber zu der zeit 
nicht , das der teuffel mit vns menschen auch 
also sein gelechter hette. von den concilijs. 
(1539). Aij*; auff das der teuffel sein ge- 
lechter an vns habe, das diese wort etc. 
(1 527). c iij '^ ; sein wort vnd drewen, welchs 
sie für lauter geiechter halten, predigt von 
derzidtunfft Chrüti. (1532). Gij'; das sie 
von diesem artikel gar nichts gleuben ... das 
sie es für eitel gelechter halten, von Jhesu 
Christo. (1533). Aiij ^ ; die jm hertzen nichts 
dauon glewben vnd heimlich halten für ein 



GELAHRT 



60 



GELD 



lauter gelechter, das 15. cap. der ersten 
ep, s. Pauli an die Cor. (1534). Kj'; aus 
dem schütz oder Verteidigung des ablas ward 
ein gelechter vnd spot. Jen. l, 146 ^ 

mhd. gelehter {Ben. 1, 923 ^ Lexer SOS), 
zusammengeseUt mit mhd. das lahter , ahd. 
hlahtar das lachen, vgl. Weigand tolb. 1, 
407. 

delahrtj s. gelehrt. 

ClclaagcSj pervenire, mhd. gelangen (Ben. 

1, 933^. Lexer 805), ahd. gilang6n {Graff 

2, 224). 

1) bis wohin langenj reichen, sich er- 
strecken : vnd das dieselb grentze gelange am 
dorffAdar. 4 Mos. 34, 4; wenn grosse 
Wasserflut komen , werden sie nicht an die 
selbigen gelangen, ps. 32, 6. 

2) wohin kommen : im halliar sol er (der 
acker) wider gelangen an denselben, von dem 
er jn gekaufTt hat. 3 Mos. 27, 24; wird 
aber euch eine sache zu hart sein, die lasset 
an mich gelangen. 5 Mos. 1 , 17; stehet 
stille bis wir an euch gelangen. 1 Sam. 14, 
9 ; an welchem ort des königes wort vnd ge- 
bot gelanget. Eslh. 4, 3 ; denn wir faren 
nicht zu weit , als betten wir nicht gelanget 
bis an euch , denn wir sind je bis auch zu 
euch komen. 2 Cor. 10, 14; das meine 
predigt nicht alleine an euch gelange, son> 
dem ynn alle wellt zu allen beiden kome. 
der proph. Sacharja . (1528). Kiiij *. 

3) eigenlhümlich sieht gelangen im sinne 
von gereichen, wozu dienen, nützen in fol- 
gender stelle : vnd ob dyr gelünge, das du 
mit solchem vnglauben gleich aller dinge 
reych würdest, gelanget dyr doch solchs zu 
grosser verderbung der seelen ewiglich, der 
m.psalm. (1524). Biij^ 

CelMsen^ part, praet. von lassen — 
überlassen: ein knabe jm selbs gelassen 
schendet seine mutter. spr. Sal. 29, 15. 

delassen^ adj. u. adv. ergeben, golterge- 
ben: ein gelassen gebet, post. (1528). 
27 7 ' ; nu dis buch {der prediger Salomonis) 
sollt billich den titel haben, das es widder 
' den freyen willen geschrieben were , denn es 
alles dahyn zeucht, das aller menschen rad, 
anschlege vnd furnemen vmb sonst vnd ver- 
gebhch sind vnd ymer anders hynaus gehet 
denn wyr wollen vnd dencken , auff das er 



vns lerne gelassen stehen vnd gott lassen 
alleyne alle ding vber, widder vnd on vnsern 
wissen vnd rad thun. Bindseil 7, 334; bis 
das der mensch w^erde gantz gelassen. Jen. 
1, 79\ 

M^Mtüthth, f. ergebenheit, gottergeben- 
heit, mhä. geU^enheit (Ben. 1, 951*. Lexer 
806): diese weise vnd gelassenheit ist die 
höchst gerechligkeit die wir haben mügen 
vnd das rechte opfler das da heisst holocau- 
stum. Jen. 1, 31**; gib vns rechten gehor- 
sam, ein volkomene, ledige gelassenheit in 
allen dingen. 1,253^ post. (1528). U^^ 
wird die gelassenheyt unter den fruchten 
des heil, geistes aufgeführt. 

fielanft (geleufll), n. geläuf, wallfahren, 
mhd. gdeufte (Lexer 824): wo die wal- 
fartten nit wollen angehen, hebt man die 
heyligen an zurheben, nit dien heyligen zu 
ehren , sondern geleufilt vnd ein geltbringen 
aufiTtzurichten. an den christl. adel. { 1 520). 
Jij " ; man (zerbreche) die bilder zur eychen, 
ym grymmetal , zum birnbaum vnd wo solch 
geleuffle mehr zu den bilden ist. widder die 
hyml. Propheten. (1525). Cij\ 

Selb, s. gel. 

Celd (gelt, gellt), n. pecunia, mhd. ahd. 
g6lt(ß<?n. 1, 522 \ Lexer S2b. Graff A, 
191), V. gelten, daher 

1) zunächst s, v. a. Zahlung die geleistet 
wird, abgäbe, zins : zölner hiesse man dazu 
mal die leut hin vnd her jnn landen, so von 
den Römern eine stad , zol odder sonst eine 
pflege odder ampt bestunden vnd jnen ein 
genant gelt dauon gaben, predigt vom ver- 
lornen schaf, (1533). Aiij^. 

2) Zahlungsmittel: er gebe mir sie vmb 
geld, so viel sie werd ist. 1 Mos. 23, 9; 
nim von mir das geld für den acker. v. 13; 
Abraham wug jm das geld dar. v. 16; mit 
geld bezalen. 2 Mos. 21, 34; trinckl yhr 
ausz ledigen kandeln vnd tzelett gellt ausz 
leren taschen? auff da« vbirchristl. buch. 
(1521). Jiiij"; bahr gelt, wider den wucher. 
(1540). Cj"; die pfalfen sollen vnmesslich 
gellt dazu verheissen haben, widder den 
meuchler. (1531). Bij". Sprichwort: gelt 
macht schelcke, occasio facit furem. das 5. 
6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). pj'. 

häufig in der Verbindung geld und gut ^= 



GELDBRINGEN 



61 



GELDSUMME 



vermögen : geprech an gellt vnd gutt. ausleg. 
der ep. vnd euang, d. aduenU, (1522). Ej '^ ; 
geld vnd gut machet mut. Sir, 40, 26 ; wenn 
du gleich des Türeken gelt vnd gut hettest. der 
82. psalm. (1530). Dj^; ist doch niemand, 
der sein gellt vnd gut wolle so frey oflen 
stehen , das es neme , wer am ersten dazu 
kerne, von ehesachen. (1530). Bj"; alles 
gelt vnd gut , das yhr mit bescheisserey ge- 
raubt habt, ein brie/fan den erzbischof von 
MeinU. (1530). Bif ; gelt vnd gut gewin- 
nen, von den Juden. (1543). ej"; da 
ward ich reich vnd vberkam gelt vnd gut. 
lischr, 53 " ; der bapst mit seinem ablas, feg- 
feur, heiligen dienst dLa weit vmb jr gut vnd 
geld so schendlict) betrogen hat. die lügend 
von 8. Joh. Chrysostomo. (1537). Dj^ 

fieldbriiigea, n. was geld einbringt, be^ 
leg s, unter geläuft. 

fielddicb, in. wer geld sliehll : dieb ist ein 
dieb, er sey gelt dieb odder brieffe dieb. von 
heimlichen undgeslolen briefen. ( 1 529). Bj *. 

ficMdnratj m. durst, begierde nach geld : 
geytz vnd geltdürsl. serm. von dem n. lest. 
(1520). Dij^ 

MdtrsMf m. so der rost vnd geldfras, 
der da wucher heist, drein kompt. vier pre^ 
digten, (1546). Küj-. 

Celdgehj m. geiz, gier nach geld: eher- 
geilz vnd geltgeitz ist beydes geitz, einer so 
wol vnrecht als der ander, ob kriegsleute 
etc. (1527). Gj*. 

Celdktni (gehkutz), m. die lieben heyligenn 
zu geltkutzen auffsetzen, sie als lockvögel 
zum geldgewinn benutzen, an den chrisil. 
adel, (1520). Jij*. über kuii für kam vergl, 
kauz. 

deldkraMj m. geldhandel: das fegfewr 
ist ein lauter ertichtet ding, trewdelmarckt 
vnd geltkram. Jen. 3, 186 ^ 

CleldleilieBj n. darin der wucher fast alle 
seine geschefft itzt treibet, sonderlich jm geld- 
leyhen. wider den wucher. (1541). Aiij*. 

Clddliebej f. liebe zum geld : gleych wie 
geytz möcht geldlieb heissen . post. ( 1 5 2 8 ) .9 T. 

ficidiarr, m. der die heyligen goltis worl 
nit hoher acht vnd handlet, dan als het sie 
einn stock odder geltnarr in der faslnacht für 
ein mehrhn ertichlet. von dem bapstum zu 
Rome. (1520). Aij*». 



fieldnetSj n. miUel zum gelderwerb: die 

grewlichen exempel, die etUch trawmpredi- 
ger ertichtet haben von der vordampnis der 
vngepeychten tzu schrecken die leut vnd yn 
yhr gelt netz tzu iagen. von der beicht. 
(1521). e j '^ ; vnd treyben vns mit dem sel- 
ben w^ort ynn yhr gesetz, ia ynn yhr geltnetz. 
auff das vbirchrisll. buch. (1521). Dij''; 
vnd sie {die eheverbote) auch nur dazu er- 
funden sind, das sie geltnetz vnd seelstrick 
sein sollen. Jen. 2, 152*. 

CcldMck, m. geldbeulel: er hat den geld- 
saek mit sich genomen. spr. Sal. 7, 20. • 

fieldstMMeln (geltsamlen) , ^n. so ist es 
worden ein geltsamlen zu hier. Jen. \, 
211*. 

Celdsclilnnd ^ m. des bapsts geltschlund. 
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem, 
( 1 544). K 6 ' ; die annaten vnd andere geld- 
schlund. Jen, 6, 572*. 

teidsclinldy f. schtUd an geld: zur 
Schmach dieser .edler gewalt verbannet man 
nur vmb geldschuld. Jen. 1, 244*; euch 
bewegt, ob gellschuld so auff erben von 
eitern gelassen w^rd, auch ein creutz sey von 
golt aufgelegt. Eist. 2, 15^. — mhd. gelt- 
schull (Ben, 2\ 186*. Lexer 828). 

tcldstrick. m, was geldnetz : künden mit 
dem maul geltslrick flechten, von dem bap^ 
slum zu Rome. (1520). Hj*; also sind seine 
gesetze nicht allein seelstricke vnd bände der 
aiinen gewissen, sondern auch geltstricke 
vnd netze, wider das bapstum zu Rom. 
(1545). Siiij*. 

tieldstroM j m. es gros daran gelegen ist» 
wo der gelltstrom hyn gefuret wird, von 
kauffshandlung vnd wucher. (1524). Fiij^ 

Cleldsnchtj f, geldgier: der bapst {hat) 
seine geltsucht gebüsset, da er so viel tausent 
gülden für die pallia genomen. Jen. 1, 143*; 
gcilz vnd gellsucht weniger zu settigen ist, 
denn die helle. 1, 143 ^ 

Clcldsnchtif^, geldgierig: gellsuchtige, ty- 
rannische gesetze. an den christl. adel. 
(1520"). Hij^ 

fieldsiMMe^ f. der Wucherer sitzt zu 
Leyptzig, Augspurg, Franckfort vnd der glei- 
chen sledten vnd handelt mit geldsummen. 
under den wucher zu predigen. (1540). 
Liiij K 



GELDVERTHUN 



62 



GELEHRT 



HeMfertliiDj n. geldverschwendung : vn- 
nütz geltverthttD. Jen. 1, 211*. 

fielcbe«; mhd. geloben {Ben. 1, 955*. 
Lexer 807)» ahd. gileb^n {Graff 2\ 43), 
schon von Frisch cUs nicht mehr ge^ 
bräuchlich bezeichnet, hat L. noch in fol- 
genden bedeutungen: 

1) leben: dasz er alihie nicht ferne von 
vns als unser meinung und gnade gelebte. 
de Wette br. 3, 29. 

2) leben von, genieszen: ich habe hie 
kein bürgerrecht, nere vnd gelebe auch der 
Wittemberger recht vnd guter nicht, vom 
abendmal Christi. (1528). sij*. 

3) nachleben, befolgen : nu wyr aber vn- 
ter vnsern fursten, herrn vnd keysern sind 
vnd eusserhch yhrer gesetzen geleben müssen. 
Widder die hyml. Propheten. (1525). Gj*; 
dieser lere Christi sind wryr schuldig zu ge- 
leben, ermanunge zum fride. (1525). Fj'; 
das v^ere ein recht keiserlich vnd welthch 
gebot, dem wir schuldig weren zu geleben. 
einebericht. (1528). Eiiij^ 

Mttktf geleckter^ s. gelacht, gelächter. 

UeltgtUf part. zu liegen (ligen) u. gehe- 
gen (gehgen), mhd. gelogen {Ben. 1, 988^ 
Lexer 807). 

1) Situs, seine läge habend: Tyro vnd 
Sidon am meer gelegen. Luc. 6, 17. 

2) opportunus, bequem, passend, von 
ort und zeit : vnd solt gelegene ort welen. 
5 Mos. 19, 3 ; trieben sie die Juden aus den 
festen vnd gelegenen flecken. 2 Macc. 10, 
1 5 ; an gelegen malstad. de Welle br. 2, 
335 ; zu gelegener zeit. Dan. 1 1, 29 ; wenn 
ich gelegene zeit hab, wil ich dich her lassen 
ruffen. apost. gesch. 24, 25 ; vnd es kam 
ein gelegener (1522: gelegner) tag. Marc. 
6, 21. 

3) placidus, gefälUg, zusagend : ists gele- 
gen dem könige ... so schreibe man , das 
u. s. w. Esther 8, 5 ; aber das (die einige 
heit der fürsten) ist dem römischen bapst 
nicht gelegen, wider das bapstum. (1545). 
Hiij \ 

4) daran gelegen sein, von interesse sein : 
der ganzen Christenheit dran gelegen ist, das 
die grossen heubter hertzlich eines weren. 
ebend.\ denn du lest dich heute mercken, 
das dirs nicht {var. dir nichts) gelegen ist an 



den heubtleuten vnd knechten. 2 Sam. 
19, 6. 
Cf legenlicit, f. bei L. in folgenden be- 

deutungen : 

1 ) art und weise wie etwas liegt, läge : 
auffs letzte ist auch hie beschrieben das laml 
Sodom vnd Gomorra, das zuuerstehen mus 
man die gelegenheit wissen, vber das erste 
buch Mose. (1527). kj*. 

2) beschaffenheit : müssen wir nach gele- 
genheit der Sachen zuweilen die gebot en- 
dern, stücke in Esther. 6, 7 ; erwägung ge- 
stalt vnd gelegenheit aller sachen. de Welle 
br. 2, 335. 

3) occasio, opportunitas: die gelegenheit 
{die gelegene, passende zeit) ist hie. var. zu 
ps. 102, 14; gedachte er, das er gelegenheit 
bette, das er widervmb zu seinem alten stand 
komen kündte. 2 Macc. 4, 32; vnd von 
dem an suchet er gelegenheit, das er jn ver- 
rhiete. Matth. 26, 16; frey soUs seyn nach 
dem du andacht vnd gelegenheyt hast, von 
anbeten des sacraments. (1522). Giiij''; 
ein iglichs zu seiner zeyt vnd gelegenheyt. 
post. (1528). 156'*; wie er {der teufet) 
seine zeit vnd gelegenheit ersihet vier pre^ 
digten. (1546). Eüij'; wenn gelegenheit 
fürfellet. Jen. 1, 4*. 

mhd. gelegenheit (Ben. 1, 988''. LeXer 
807 f.), doch noch nicht in der letzten be- 
deulung. 

€eielirt (gelert, geleret), eruditus, doctus, 
part, praet. v. lehren (leren), einigemal be- 
gegnet auch das md. {urspr. mittelniederd.) 
pari, gelart, zumal wenn es als subst. ge- 
braucht wird, z. b. bürger, gelarlen vnd wer 
etwas ist oder sein kan. Bindseil 7, 388; 
wie vn geschickt ding das sey, wissen die ge- 
larten wol. vom abendmal Christi. (1528). 
oiij*. 

1 ) adj. : ey wie geleret ist der bock zu 
Leyptzick. auf das vbirchrisll. buch, (1521). 
Aiij ^ ; kein eselskopff ist so vngelert , wenn 
er nur widder den Luther schreibt, so ist er 
gelert. eine bericht. {\b2S). Aij*; thue 
dem heiligen geist die ehre, das er gelerter 
sey denn du. vber das erste buch Mose. 
(1527). Cij*; ich bin gelerter denn alle 
meine lerer, ps. 119, 99; ich meynet auch 
ich were geleret vnd weys mich auch gelerter 



GELEiCHEN 



63 



GELEITSMANN 



denn aller hohen schulen Sophisten von goUis 
gnaden. Bindseil 7,315. — es hat vns gott 
der allmechtige vater zu dieser zeit viel treff- 
licher gelerter leute gegeben, der propkel 
Sacharja. (1528). Aij*; ein fein gelerter 
pfarher. vom abendmal Christi. (1528). 
Aüj*; eiu gelerter theologus, der weis die 
schrillt recht auszulegen, ein widderruff 
vom fegefeur. (1530). Dj^ auch von sa- 
cken : der herr hat mir eine gelerte zunge ge- 
geben. Jes. 50» 4 ; eyn auszbundige gelerte 
epistel. vorr. auf die ep. an die Ebreer, in 
den ersten ausgg. des n. lest,, später feine. 

2 ) subst. : darumb seyn alle Christen man 
pfaffen, alle weyber pffeffyn, es sey . . . fraw 
oder magd, geleret oder leye. serm, von dem 
n. lest. (1520). Giiij*; vnd denn gern wol- 
len hundert gülden geben für einen halben 
gelerten, da sie itzt nicht zehen gegeben 
helten für zween gantz gelerten. das man 
kinder u, s. io. (1530). Bj^; die gelerten 
achteten mein nicht. Jer. 2, 8; vnser ge- 
lerten verteidingen vns fein, wamunge an 
s. L Deudsehen. (1531). Biiij^; es müge 
ein jeder sein gewissen ratsfragen odder bey 
hoher gelerten andern verstand suchen. Wid- 
der den toucher, (1541). Aiiij*. Sprich- 
wort : die gelerten die verkerten. ausleg. der 
euang, von ostem* (1527). i 6*^. 

CeleicIieBj s. gleichen. 

tteleit (geleidt, gleit), n. landesherrlicher 
schütz, Sicherheit für reisende, mhd, geleit, 
geleite (Ben. \, 977'. Lexer 809), spät- 
ahd. gileiti (Graff 2, 188): ich schemete 
mich vom könige geleit vnd reuter zu for- 
dern. Esra 8, 22 ; vnd sie erlangten geleit 
vom könige, das sie sicher eraus möchten ge- 
hen. 1 Mace, 6; 49 ; vnd die Römer gaben 
jnen brieue vnd geleit, das sie sicher wider- 
umb heim zögen. 12, 4; alle die Juden, so 
zwisschen hie vnd dem dreissigsten tag des 
aprilis reisen werden, sollen frey sicher ge- 
leit haben. 2 Macc. 11, 30; ist etwo eyn 
ketzer meyster . . . den lasz ich wissen, das er 
hab sicher geleydt (ttmnäm^tcftnacA Witten- 
berg zu kowunen). eyn sermon von dem ab- 
Uuz. (1520). Cij''; wollte ich besehen, ob 
ich ihm ein geleit erwerben mocht. de Weite 
br. 2, 629 ; der marggraf vns nicht geden)|kt 
sicher geleit zu seynen landen zu geben. 



Burkhardt briefw. 67 ; Johanni Huss das 
christlich gleit nicht gehalten. Jen, 1, 359; 
das man darumb das gleit nicht bette dürfft 
brechen, ebend. bildlich: zu letzt ist im 
psalter die Sicherheit vnd ein wol verwaret 
geleit, das man allen heiligen on fahr drinnen 
nachfolgen kan. Bindseil 7, 320; wiltu 
sein {des teufeis) eigen sein, so hastu geleid 
von yhm, , das er dich mit der schrifft wol zu 
friden lesst. das diese wort etc. (1527). 
a iiij *. 

Mciten, mhd, geleiten {Ben. 1, 976*. 
Lexer 809), ähd. gileitan. ( (rra/f 2, 183). 

1) leiten, fuhren: vnd {gott) geleitet Lot 
aus den stedten, die er vmbkeret. 1 Mos. 
19, 29 ; du hast geleitet durch deine barm- 
hertzigkeit dein volck. 2 Mos. 15, 13 ; wer 
wil mich füren in eine feste stad? wer ge- 
leitet mich bis in Edom ? p«. 60, 1 1 . 

2) begleiten: vnd Pharao befalh seinen 
leuten vber jm {Abraham), das sie jn ge- 
leiten. 1 Mos. 12, 20; vnd Abraham gieng 
mit jnen, das er sie geleitel. 18, 16; wiltu 
meinen son geleiten in die jstad Rages ? Tob, 
5, 15 ; sein engel geleile euch, v, 23 ; vnd 
sie wurden von der gemeine geleitet, apost. 
gesch. 15, 3. zum schütz begleiten: denn 
ob der keiser gleich jn {den bapst\ auff der 
landstrassen zu beiden seilen mit hundert 
tausentman liesse geleiten, so spreche er doch, 
ia wer wil den selben vertrawen. wider das 
bapstum. (1545). Ciij*. 

(leleitsbrief 9 m. das geleit enthaltende 
Urkunde : d. Eck selbs nicht verstehet was er 
anzeiget in dem latinischen gleitsbrieff. Jen, 
1, 359'. 

MeiUleite (gleitzleute) , pl, personen, 
denen das geleit obliegt : nu halte ich barm- 
herlzigkeil mit jnen, gab jnen eine furbitte an 
die gleitzleute , das sie vmbs Christus willen 
sie sollen frey zihen lassen, von den Juden, 
(1543). Miiij*. auch begleiter üherhaupt: 
sie waren seine geleitsleule. deudseh psalter. 
(1541). Rij^ 

fieleitsMMB (geleidsman, gleitzman), m. 
begleiter, fuhrer, mhd, geleitman {Lexer 
810): gott der herr ging für den kyndemn 
Israel, den weg zu weyssen, des tags yn 
eyner wolckenseule, des nachts yn eyner 
fewrseulen, dz (dasz) er yn beyden tzeiten 



GELENK 



64 



GELINDE 



der geleytzman were. ausleg, deutsch des 
^7. psalms. (1521). Aiij*; {der stem) ist 
ylir {der weisen aus dem morgenlande) ge- 
leidsman. ausleg, der ep. tnd euang. vom 
christag, (1522). hlihiij''; du wirst einen 
grossen gieitzman haben, vber das erste 
buch Mose. (1527). Ff]'*. 

fifkak (gelenck), n. arliculus, arlus: da 
er sähe, das er jn nicht vbermoeht« rüret er 
das gelenck seiner hüfft an , vnd das gelenck 
seiner hüfft ward vber dem ringen mit jm 
verrenckt. 1 Mos, 32, 25 ; meine gelencke 
beben mir vber dem gesiebt. Dan, 10, 16; 
ein glied am andern hanget durch alle ge- 
lencke. Ephee, 4, 16; gelenck (var. geleng) 
vnd fugen. CoL 2, 19; gelenck vnd marck. 
var, zu Hehr, 4, 12, wo die bibel marck 
vnd bein hat. 

wiAd. gelenke ( ßen. 1,934^ LexerSlOf,), 
doch nicht in dieser bedeutung^ welche nach 
Weigandwtb, 1, 409 erst im 1 6,jh. auftritt, 

Mtmky f^elenkf ; adj. biegsam, lenksam, 
folgsam, nachgiebig, mhd, gelenke {Ben, 1, 
934 ^ Lexer 811): die wcyszheyt aber von 
oben her ist auffs erst keusch , darnach frid- 
sam, gehnde, gelencke {bibel : lesst jr sagen). 
var, zu Jac, 3, 17; cyn Christen aber sol 
gelencke seyn ynn solchen sachen vnd gerne 
weichen, ausleg, der ep. vnd euang. von 
der heil, drey Könige tag etc. (1525). Jiiij* ; 
{der goUesfürchtige) bleibt demütig vnd ge- 
lenck ynn alle seinem wandel. post, (1528). 
139*; gruszt mir eure liebe coste vnd sagt, 
dasz sie werde ein gerade vnd gelenke riebe. 
de Wette br. 3, 129 ; der stttcklin seyns ge- 
lencken synnes sind viel mehr, widder d. 
hymlischen Propheten, (1525). Eiiij". wie 
das subst, gelenk v, mhd. lanke lende, s, 
fVeigandwtb, 1, 409. 

delifb => lieb: ich meyne nit, das ich 
meyn gnedigsten herrn yhe erzcurnet habe, 
ich hett es dann darynne than, das ich seyn 
gnade zcu vill gelieb gehabt, originalbr. v. 
j, 1517 im ges.^archiv zu Weimar, reg. N. 
108. 41. de Wette br, 1, 77. 

CieliebeB, 1) lieb sein: das ich nicht esse 
von dem das jnen geliebt, ps, 141, 4; Ba- 
iaam gehebete der lohn der vngerechtigkeit. 
2 Pel, 2, 15 ; als wenns nu angehet, das du 
etwa eine narung für dich bracht hast, das 



dir solchs geliebt, das 5. 6. vnd 7. cap, s. 
Matthei, (1532). pj*. 

2) belieben f gefallen: wo was mehr zu 
ordnen ist, kann der predigcr vor sich selbst, 
oder wo ihm geliebt, durch vnsere mithülfe 
wohl versorgen, de Wette br, 2, 621 ; mag 
nu e. w. denselben Wittenibergere folgen, 
odder so es geliebt, die strenge straff des 
keyserlichen rechts furnemen. 6, 53. 

mhd, gelieben (Ben, 1, 1016 ^ Lexer 
816), ahd, gfkjiliuban {Graff 2, 59). 

flcliebty geliebet, part, praet. v, gelieben 
u. lieben. 1) adj,: vmb Abrahams deines 
geliebten freu nds willen, gebet Asarie 35; 
geliebte brüder. 2 Thess, 2, 13; die ge- 
liebte stad. offenb, Joh. 20, 9. 

2) subst.: der gehebete. Col, 4, 14 ; du 
samen Abrahams meines gehebten. Jes, 41, 
8 ; Israel seinem geliebten. Bar, 3, 37 ; hei- 
ligen vnd geliebeten. Col. 3, 12. 

ficliedi s, glied. 

ÜeliedMasi, s. gliedmasz. 

liellcferi (gelieuem), gerinnen : denn das 
ist nicht allein dünne blut, sondern auch ge- 
heuert vnd gekocht, von den concilijs, 
(1539). Ej*; fleisch ist nichts anders denn 
ein stück bluts gelieffert. tischr^ 4 1 9 "*. — 
mit ndd, f (v) statt hochd, b, denn mhd, li- 
beren {Ben, 1, 970*), im 11. jh, liberon, 
giliberön {Graff % 80». 

CJeliegen (geligen), bei L, nur im sinne 
von niederkommen, ins kindbett kommen: 
die hatte gott alle geplaget, das sie nicht 
kundlen der frucht los werden, also das 
frucht vnd zeit, da sie gehgen sollen, aber 
nicht kundten, ynn fahr stunden, vber das 
erste buch Mose, (1527». yiiij*; Pinehas 
weih war schwanger vnd solt schier geliegen. 
1 Sam. 4, 19; ich vnd dis weih woneten in 
einem hause, vnd ich gelag bey jr im hause. 
1 kön, 3, 17; vnter dem apfelbawm weckt 
ich dich, da deine mutter dich geboren hatte, 
da mit dir gelegen ist, die dich gezeuget hat. 
hohelied 8,5. — mhd. gehgen {Ben, 1, 
988". Lexer 817), ahd. galigan {Graff 2, 
83), s, liegen. 

fielinde^ mollis, lenis, mhd, seilen gehnde 
{Ben, 1, 1 000 *"), Aätt/i^er ein/ac^e« linde 
(sh'd), 

1) vonpersonen, mild, leicht nachgiebig : 



GELINDEN 



65 



GELIRNIG 



ein bischoff sol sein gelinde. 1 Tim. 3, 3 ; 
erinnere sie, das sie. . . gelinde seien. TiL 3, 
2y WOZU L, am rand bemerkt: golinde das 
sind die alle ding zum besten keren vnd deu- 
ten oder annemen ; jr knechte seid vnlerthan 
mit aller furchte den herren, nicht allein d(*n 
gütigen vnd gelinden, sondern auch den wun- 
derlichen. 1 PeL 2, 18; da ich das stücke 
befand, ward ich gelinder gegen jrem thun. 
reehensehaft. (1533). Ai]**; man find wol, 
die sich gegen frembde aufis aller freundlichst 
vnud gelindisl hallten , aber gegen die yhren 
odder faeymischen, der sie gewonct sind, ist 
eyttel starrig vnd knorrig weszen an yhn. 
ausleg. der ep, vnd euang, des aduenls. 
(1522). Zj*. 

2) von Sachen: daher man auch das recht 
teylet ynn streng vnd gelind recht, post. 
(1528). 60**; wo ein d. Lutlier in dem con- 
cilio gewest were, hette solcher gelinder 
brieff nicht müssen an den bischoff zu Rom 
geschrieben werden, von den eoncilijs, 
(1539). Qij'; nu ist solche brunst ynn ett- 
lichen herlter, ynn ettlichen gehnder. das 
l.cap. Cor. (1523). Eüj**; jr wort sind 
gelinder denn ole vnd sind doch blosse 
Schwerter, ps. 55, 22 ; das der zorn geUn- 
der vnd die straffe senffter wird, der proph. 
Jonas. (1526). Giij^ 

licIMea =» gelingen, erfolg haben, 
glücken: wer aber dawidder strebt, des 
seele wird nichts gelioden. der proph. Ha" 
bacuc. (1526). hij*, rar. 2u Hab. 2, 4. 
dagegen steht hiij*: des seele wird nichts 
gelingen, doch auch noch einmal gelinden. 

Miadigkeit^ f. lenitas : gelindickeyt das 
ist eyn tugent, das sich eyner lenckt vnd 
schickt, gemesz vnd eben macht eynem an- 
dern, vnnd ist eynem wie dem andern vnd 
yderman gleych, der nicht sich selb tzum 
leysten vnd tzur regel macht vnd will das 
sich yderman nach yhm lencken, schicken vnd 
messigen soll, ausleg. der ep, vnd euang. 
des aduenls. (1522). Yij^; du woltest vns 
kürzlich hören nach deiner gelindigkeit. ap. 
gesch. 24, 4 ; (er hat) mit grosser gelindig- 
keit vnd frenndligkeit die leute zu yhm bracht. 
das 53. eap. Jes. (1539). A4''; mit 
scbmach vnd quäl wollen wir yhn stocken, 
das wir seine gelindigkeit erfaren vnd seine 

DiRTi, Wörterbuch. II. 



gedult erkennen, die Weisheit Salomo. 
(1529). Rii^ var. zu cap. 2, 19. — vgl. 
lindigkeit. 

Misf^CB, procedere, succedere , ge* 
wünschten erfolg haben, glücken, gerßthen, 
mhd. gelingen (Ben. 1, 1001 ^ Lexer 819), 
ahd. gilingan (Graff 2, 223). der conj. lau- 
tet bei L. noch gelünge : vnd ob dyr gelünge, 
das du u. s. w. der 127. psalm. (1524). 
Biij'*. das perf. wird mit sein (Hiob 9, 4. 
ap. gesch. 26, 22) und haben (1 Macc, 2, 
47) construiert. 

meist unpers. mit dat.: ich bin villeicht 
meinem got vnd der weit noch eine torheit 
schuldig, die ich mir itzt furgenommen, szo 
myrs gelingenn mag, redlich tzalen. an den 
Christi, adel. (1520). Aij"; es wird euch 
nicht gelingen. 4 Mos. 14, 41; es müsse 
dir gelingen in deinem schmuck, ps. 45, 5; 
vnd wenn die weit voll teufel wer 
vnd wolt vns gar verschhngen, 
so fürchten wir vns nicht so seer, 
es sol vns doch gelingen. 
Jen. 8, 401 ^; es wird dem lande nichts ge- 
lingen. Jes. 24, 19; wer gott fürchtet, dem 
wirds gelingen mit freunden. Sir. 6, 17. 
nicht selten auch ohne es, was neuere bibel- 
ausgaben ergänzen : als denn wird dir (jetzt : 
dirs) gelingen in allem das du thuest. Jos. 
1 , 8 ; er lesst (in neueren bibeln zugefügt : 
es) den auffrichtigen gelingen, spr. Sal. 2, 
7; wer seine missethat leugnet, dem wird 
(heute: wirds) nicht gelingen. 28, 13; denn 
aller zeug, der wider dich zubereit wird, dem 
sol (es) nicht gehngen. Jes. 54, 17; wer 
deineü namen furcht, dem wird (es) gelingen. 
Mich. 6, 9. mit folgendem dasz: vnd es hat 
jnen gelungen, das sie das gesetz erhielten. 
1 Macc. 2, 47 ; vnd wird jm gelingen, das 
ers ausrichte. Dan. 8, 24. mit der praep. 
zu : denn ich weis, das mir dasselbige gelin- 
get {gereicht, dient) zur Seligkeit. Phil, 1, 
19. ohne dat.: (^oll) lesst solch furnemen 
nicht gelingen. 1 Sam. 2, 3 ; das er dein 
thun gelingen vnd nicht feilen lasse. Sir, 
37, 19. 

lieliriigf gelehrig: sie haben (nach der 
schefflin arl) seer leise öhrlin vnd sind fast 
gelirnig jres hirten stimme zu erkennen. 
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem. 

9 



GELLEN 



66 



GELTEN 



(1544). d5^ — mhd. gel^rnic {Lexer 
811). 

ttelieiiy iinnire, laut tönen, mhd. gellen 
{Ben. 1, 519'. Laxer 821), ahd. ggUan 
(Graff i, 178): {die naehligal) die gantze 
uacht singet vnd gellet sich schir zu tod. das 

5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). s iij"; 
ich thu ein ding in Israel, das, wer das hören 
wird, dem werden seine beide obren gellen. 
1 5aiii. 3, 11. 2 kön. 21, 12. 

Cclobde, s, gelübde. 

CleUbeB; spondeN, vovere, feierlich ver^ 
sprechen, mhd. geloben {Ben, 1, 1022*. 
Lexer 822), ahd, gilobon {Gra/f 2, 63). 

1) ohne und mit dal. der person, welcher 
etwas versprochen wird: was gott zusagt 
vnd gelobt, kan man vns nicht gnug einbil- 
den vnd fürblcwen. vber das erste buch 
Mose. (1527). xxj"; ausgenomen, was jr 
gelobt vnd freiwillig gebt zu brandopflern. 
4 Mos. 29, 39 ; wenn jemnnds gesindc ge- 
lobd oder sich mit einem eide verbindet vber 
seine seele. 30, 1 1 ; was du gelobest, das 
halt, es ist besser du gelobest nichts, denn 
das du nicht hellest was du gelobest, pred. 
Sal. 5, 4; da gelobt Israel dem herrn ein 
gclübd. 4 Mos. 21,2; mein gelübd, da^ ich 
dem herrn gelobt habe. 2 Sam, 15, 7. 

2) das, was geloht wird, steht im acc. : 
der sein opffer dem herrn gelobt. 4 Mos. 

6, 21. oder es folgt ein in f. mit zu: also 
gelobet das gantze volck dem Simon gehor- 
sam zu sein. 1 Macc. 14, 46; vnd gelobten 
jm [Judas Ischarioth) geld zu geben. Luc. 
22, 5. oder ein abhängiger salz mit dasz: 
ich hab dir gott gelobt, das ich dir dancken 
wil. ps. 56, 13; alszo wenig kanslu auch 
geloben, das du dich nicht samcn odder meh- 
ren wolltist. vom ehelichen leben. (1522). 
Aiij'; also gelolien wir jnn der tauffe, das 
wir den herrn Christum wollen ehren, der 
ßb.psalm. (1534). Biij^ 

3) geloben -= bürge werden, bürgschaft 
leisten : ob du gleich einen bürgen für mich 
wollest, wer wil für mich geloben? Hiob 
17, 3. hierher gehört auch die redensart: 
an die band geloben, heute : in die band g. : 
es ist ein narr der an die band gelobt vnd 
bürge wird für seinen neheslen. spr. Sal. 
17, 18. 



4) refl. sich geloben, weihen: vnd gelob- 
ten sich dem schendlichen abgott. Hos. 9, 
1 ; furchtet er sich für pestilenlz, so gelobt 
er sich zu sanct Sebastian odder Rochio. 
deudsch calech. (1529). ßij*. 

CleUbciiy n. der in f. des vorigen verb. 
substantivisch: wenn ilu das gelobeu vnter- 
wegen lessest. 5 Mos. 23, 22. 

Helolir, n. geheul: vnd mus yhr gelöhr 
vnd geschrey lassen für vber gehen, von 
priesterehe. (1528). Aiij^ v^^ lören. 

fielöt (geloel), n. eine ladung blei, ein 
schusz, mhd. gelöste {Lexer 823), coli, zu 
16t : also bette itzt vnser herr gott auch wol 
kund, den von Brunswig lassen treffen etwa 
mit einem geloet oder spies. an den kurfür- 
slen zu Sachsen. (1545). Bj\ 

ÜcUmii^ verkaufen: e. k. f. g. wollten 
ihm die gnade erzeigen vnd jhm frist vud 
räum lassen, sein haus auffs beste zu gelosen. 
de Weite br. 4, 552. 

CIcUcj f. gefäsz für flüssigkeilen : in wel- 
cher (der bundeslade) war die güldene gelte 
(1522: gellte), die das hymelbrot hatte. 
Hebr. 9, 4 ; zwo gelten mit wasser. tischr. 
218''; gelten oder stuntzen. 218 ^ auch 
in Luthers hausrechnung {de Wette br. 6, 
331) werden die gelten neben den fessern 
aufgeführt. 

mhd. gelte, gekürzt aus älterem gellete, 
gellite {Ben. 1, 498*. Lexer 826), ahd. 
gellila, gellida (Graff 4, 184) aus mlat. 
gaUda. 

MttR, mhd. gelten {Ben. 1, 519 ^ 
Lexer 827), ahd. g6ltan {Gra/f 4, 185). 
von der heuligen spräche abweichende con- 
jugalions formen sind der pl. praet, gölten 
{mhd. gulten): auch gölten die opffer im 
alten testament nichts . . . wenn sie der mei- 
nung geschahen, das man gotte damit dienen 
wolt^ als gebe man jhm etwas, der 117. 
psalm. (1530). Giij^; mein gute werck die 
gölten nicht. Wackernagel kirchenl. 
129. der conj. gülte: wenn es nach gedun- 
cken jnn solchen sachen gülte zu reden. 
zwo predigt. (1535). Aüj'; wenn schon 
das nit gulte, das . . . von dem bapstum zu 
Rome. (1520). Fj'^; so merckt auch Jona 
selbst, es gülde yhni alleyne. der prophet 
Jona (1526). Hüj*". das pari, gölten für 



GELTEN 



67 



GELTEN 



gegolten begegnet nur anfangs: der texl 
sagt, es habe szo viel gollten, was Ahithophel 
für gab, alls wer goU selbs gefragt helte. 
von welOieher vberkeyL (1523). Fij^ 
beäeuiungen nnd gebrauch. 

1 ) gelten «» entgelten : wer mit geniessen 
will, der uiusz auch mit gellen, serm, von 
dem hochwirdigen saerament. ( 1 5 1 9 ). a lij' ; 
weil wir jnn solchem wirlshaiis zeren , so 
müssen wir jm auch gelten, das 15. cap. 
der 1. ep. ^. PauU an die Cor. (1534). 
Miij*. 

2) gelten , einen gewissen preis haben, 
kosten, einen werth haben : ein grossch hat 
zu der zeit fast 30 lawen pfennig vnser meis- 
nisschen müntze gegolten, gl. zu Joh. 12, 
5; ein sekel gilt zwenzig gera. 2 Mos. 30, 
1 3 ; tregt er {der acker) ein homor gersten, 
so sol er funfizig sekel silbers gelten. 3 
Mos. 27, 16; so dirs gefeit, wil ich dir sil- 
l)er dafür (/tir den weinberg) gehen, so viel 
er gilt. 1 kön. 21, 2 ; sie aber lielagerten 
die stad bis das ein eselsk«)pff acht silberlinge 
vod ein vierteil kab daubenmist fünff silber- 
linge galt. 2 kön. 6, 25 ; ein knccht galt 
dazumal ein gülden odder achte, ein magd 
ein gülden odder sechsse. vber das erste 
buch Mose. (1527). yiij^ 

3) guUigkeit, kraft haben: vnd ekelt mich 
jr nicht also, das mit jnen aus sein soll, vnd 
mein bund mit jnen solt nicht mehr gelten. 
3 Mos. 26, 44 ; vnd ji* gelübde vnd ver> 
bündnis kompt für jren vater vnd er schweigt 
da zu, so gilt alle jr gelübd vnd alle jre ver- 
bindnis. 4 Mos. 30, 5; was sie sagen, das 
nius gelten auff erden, ps. 73, 9 ; bis das zu 
letzt das bapstum draus ist worden, darynn 
nichts gillt, denn menschen gebot, das diese 
wort etc. (1527). aij*"; er (d^ teufelj lies 
zuletzt geschehen, das alleine die schrilft 
gölte, ebend. a ij *. 

4) ansehen haben : ein prophet gilt nir- 
gend weniger denn in seinem Vaterland vnd 
in seinem hause.. Matth. 13, 57; die falschen 
apostd zogen an, das die zwelll' apostcl mit 
Christo selbs gewandelt hatten, darumb sie 
mehr denn Paulus gülten. gl. zu Gal. 2, 6. 

5) gelten, bedeuten : wenn wir sagen *inan 
vnd wed) ist ein leib\ gilt eben so viel als 



*ein man vnd ein weih ist ein leib.' vom 
abendmal Christi. (1534). oj'. 

6) gellen, betreffen, angehen: es wird 
auch Juda gelten, wenn Jerusalem belegert 
wird. Sach. 12, 2; dis gebot gilt euch. 
Mal. 2, 1 ; solclis antwort mus jch vnd die 
meinen vns jtzl auch lassen gelten vnd gesagt 
sein, wamunge an s. l. Deudschen. (1531). 
Aij ^ ; das der träum deinen feinden vnd seine 
deutung deinen widerwertigen gülte. Dan. 
4, 16. 

7 ) unpers. : es gilt. 

a) mit gen. : es gilt wid<ler {weder) gepie- 
tens nach (tiocA) verbietens. widder die 
hyml. Propheten. (1525). Jiij''; mit der 
lere gills nichl schertzcns. vber das erste 
buch Mose. (1527). a iiij '^ ; da gilLs Schwei- 
gens, vom abendmal Christi. (\h2^). riij^; 
es gilt nicht Itey den Christen disputirens, 
forschcns, kiügelns vnd meisterns aus vnser 
vernunfft. der Wi). psalm. (1539)t Ciiij"; 
wo es gilt spielcns vmb ein schock nüsse. 
wider den bischof zu Magdeburg. (1539). 
Ciiij'; es gillt hie der streichen, das diese 
wort u. s. w. (1527). eiij*. 

b) mit in f. : es gillt* hie nit.losze faule vn- 
gegrundte auszrede lichten, atisleg. der ep. 
vnd euang. vom christag. (1522). <iq<l *"]'*? 
es gilt hie nicht so vnter dem hütlin spielen. 
ein brieff an die zu Frank fort a. M. 
(1533). Bj'; hie gilts nicht den hrey im 
maul weltzen vnd mum mum sagen, ebend.; 
hie gilts im linslern vnd bUntzling gehen. 
vom abendmal Christi. (1534). zj^ 

c) mit folgendem dasz : es gillt nichl, das 
man die süude die s. Paulus dem essen gibt, 
aus eygeuer turst will dem gedechtnis zu 
eygen. das ander teyl widder die hyml. 
Propheten. (1525). Hiij*; es gilt nicht, das 
man also etliche wort ans der schrifll zwacke. 
serm. von der heubtsumma. (1526). d 8^; 
es gilt aber nicht, das man yhm furschlage. 
vber das erste buch Mose. (1527). U ij*. 

d) was gilts? nachdrücklich bejahende 
redensart, gewis, sicher, wahrlich: doch 
mein spot sol dich widderumb auch kützeln, 
was gillLs. das diese wort. (1527). eiij^; 
was gills, wir wollen jnen angewinnen? 1 
kön. 20, 23 ; was gilts, er wird dich ins an- 
gesiebt segenen ? Uiob 1,11; was gilts, es 

9* 



GELÜBDE 



68 



GEMACH 



sol gehen, wie ich dencke. Jes. 14, 24; 
was gilts, es wird dich angst ankommen? 
Jer, 13, 21. 

llelftMe (gelöbde), n. gelöbnis, feierliches 
versprechen, mhd, gelübde, gelübede {Ben. 
1, 1022^ Lexer 828): eyn Izusagen ader 
(oder) gelubdt. serm. von dem neuen lest, 
(1520). Aiiij''; vnd Jacob thet ein gelübd. 

1 Mos, 28, 20 ; wenn jemand dem herrn ein 
besonder gelübde thut. 3 Mos, 27, 2; so 
lange die zeit solchs seines gelübds weret. 4 
Mos. 6, 5 ; ich wil mein gelübd ausrichten. 

2 Sam. 15, 7 ; ich wil meine gelübde beza- 
len. ps. 22, 26; wir wollen vnser gelübde 
halten . . . wolan, jr habt ewer gelübd erfül- 
let vnd ewer gelübde gehalten. Jer, 44, 25 ; 
ab er gleich tausent heimliche gelöbde er- 
longt hette. von ehesachen. (1530). Bj**. 

ISeläbflopf er 9 n. gelohtes opfer, im ge- 
gensalz zur freiwilligen gäbe, 4 Mos, 
15, 8.. 

Mick, n. s, glück. 

fielist , m. oder gelüste , n. ? lusl, , böse 
begierde, mhd, gelust mf. und gelüste n. 
{Ben. 1, 1055 '^ Lexer 830. 831). L, 
bietet nur den pl. gelüste (gelüste) : darumb 
hat sie auch gott dahin gegeben in jrer her- 
tzen gelüste. Rom. 1, 24; vnd sind an ein- 
ander erhitzet ynn yhren gelüsten, v. 27 
nach den ersten ausgg, des n, lest., später 
lüsten. 

(leliisteR, lusl, verlangen haben (nach 
etwas), mhd. gelüsten {Ben. 1, 1056^ 
Lexer 831), ahd. güusUn {Graff 2, 292). 

a) vnd spotten vns darnach wie sie gelü- 
stet, serm, von dem sacrament des leibes 
u. s. w. (1526). Aiij"; jnn des wil ich 
leben, wie mich gelüstet, das 14. vnd 15. 
cap, Joh. (1538). Lij''; darumb mag ich 
thun, was mich gelüstet, ausleg, der ep. vnd 
euang. von ostern etc. (1544). Aaiiij'; las 
dich nicht gelüsten. Rom, 1,1; das fleisch 
gelüstet wider den geist vnd den geist wider 
das fleisch. Gal. 5» 17. 

b) mit acc,: las dich jre schöne nicht ge- 
lüsten in deinem hertzen. spr. Sal. 6, 25 ; 
las dich nicht gelüsten deines nehesten weih. 
5 Mos. 5, 21. häufiger 

c) mit gen.: las dich nicht gelüsten deines 
nehesten weibs, noch seines knechts, noch 



seiner magd tt. «. w. 2 Mos. 20, 17; des 
gelüstet mich. Jos, 7, 21; mich hat deines 
diensts nicht gelust. Jes. 43, 23; das wir 
nicht vns gelüsten lassen des bösen. 1 Cor. 
10, 6. 

d) mit inf.: weü deine seele fleisch zu 
essen gelüstet. 5 Mos. 12, 20 ; gelüslets jn 
aber nicht dich zunemen. Ruth, 3, 13; wen 
soll noch gelüsten zu leben ? 1 Macc, 2, 
1 3 ; wenns jn gelüste widderzukommen, das 
5. 6. vnd 1, cap. s. Malthei. (1532). )üj'. 

e) eigenthümlich steht gelüsten auch mit 
dat. der person: wer sich absondert, der 
suchet, was jm gelüstet, spr. 18,1. 

ISelwerk, n. gelbwerk: er macht auch 
einen furhang von gelwerck. 2 chron. 3, 
14, dasselbe was 2 Mos. 26, 31 gele seide 
heiszt, aber eigentlich fäden von blauem 
purpur bedeutet, vgl. Zeller bibl. wtb. 1, 
453. 

üem «=» gegen dem : da sie nu zogen gern 
morgen. 1 Mos. 11,2. 

HevAclii adv. langsam ^ allmählich, ge- 
mächlich, mhd. gemach {Lexer 832): wenn 
dirs gefiel, so wollen wir vorhin ziehen vnd 
dein weib so gemach lassen hernach ziehen. 
Tob, 11, 4; ander thun gemach mit erbeyl. 
der 127. psalm, (1524). Bi}'; zu weilen 
thet die flamme gemach, das sie ja nicht ver- 
brennete die thier. weish, Sal, 16, 18; die 
creatur ist helTtig zur plage vber die vnge- 
rechten vnd thut gemach zur wolthat vber 
die, so dir trawen. v. 24. 

(ienachi n. in doppelter bedeutung: 

1) ruhe, bequemlichkeit : sondern ist ge- 
sagt von dem zeytlichen gutteu gemach vnd 
rüge auff diszem leben, die eyn keuscher 
mensch halt vber eyn ehlich mensch, das 7. 
cap. Corinth. (1523). Biij**; jderman fulet 
allein sein vngemach vnd gaffet auff des an- 
dern gut gemach, das man kinder zur 
schulen halten solle. (1530). Gij'^; wenn 
gottes gaben als reichtumb, gewalt, ehre, 
gemach furhanden ist. der 111. psalm. 
(1530). Ciiij''; da wird nichts aus, das je- 
mand sein datum auff der weit gonst, gut 
vnd gemach setze, das 14. und 15. cap. s. 
Johannes. (1538). Nj *; im sause vnd gu- 
tem gemach leben, ebend. Eiüj'; das sie 



GEMACHSAM 



69 



GEMAHNEN 



rüge, friede vod gut gemach haben inügen. 
Bindseill, 381. 

2) ort fvo man der ruhe pßegi, zimmer, 
Wohnung: der breutgam gehe aus seiner 
kanier vnd die braut aus jrem gemach. Joel 
2, 16; vlid ein liecht schein in dem gemach. 
ap. gesch. 12, 7. pL gemache (gemach): 
vnd Dauid gab seinem son Salomo ein furbild 
der halle vnd seins hauses vnd der gemach 
vnd saal vnd kamern. 1 chron, 29, 11; die 
gemach so beider seits neben dem thor waren. 
Ezech, 40, 7 ; vnd es waren enge fensterhn 
an den gemachen, v, 16. — das heimHche 
gemach =» der abtrilt : die füsse decken heisst 
auff das heimlich gemach gehen, gl. zu 1 
Sam. 24, 4; vnd ist der Idulkrieg vbers arm 
papyr gangen, wuchs dadurch aulTs heymlich 
gemach gemehret worden ist. auf das vbir- 
Christi, buch. (1521). Bj^; dazu mügen wir 
sein wapeu, da er die Schlüssel füret vnd 
seine krön draufT mit gutem gewissen aufis 
heimlich gemach füren vnd zur vnternotdurfll 
brauchen, wider das bapslum. (1545). 
Jiiij^; Rom ist des teuffels heimlich gemach. 
der 110. psalm, (1539). eiij**; die heilige 
kirche hat müssen sein {des bapsls) heimlich 
gemach sein, von den concilijs. (1539). 
b inj^ 

mhd. gemach {Ben. 2, 13". 14'. Lexer 
832), ahd. gimah {Graff2, 635), aber noch 
mchi im sinne von wohnung. die abslam- 
mung s. bei Weigand wlb. 1, 411. 

lieaaeiisan^ gemächUch: gemachsam vnd 
langsam, der 110. psalm. (1539). Jij^. 
mM. gemachsam {Ben. 2, 15 \ Lexer 833). 

(ienicht (gemecht), n. zev^ngsglied : 
nasen, oren vnd gemecht abgeschnitten. 
einer a%LS den hohen arlikeln. (1537). 
Diiij*; es faulet jm {Herodes) sein gemecht. 
hausposL {WiUemb. ibib). fesUeil 2\\ 

Weiterbildung aus dem gleichbed. mhd. 
gemäht f. {Ben. 2, 9'. Lexer 834), ahd. 
gimaht (^a/f 2, 615). das fem. hat noch 
SleinhövelEsop 110*. 

QeMicIite (gemechte), n. das gemachte, 
gebilde, bes. kunsi- oder handwerksarbeit : 
er kennet was für ein gemecht {var. ge- 
mechle) wir sind. ps. 103, 14; vnd ein ge- 
mechte spreche von seinem töpffer, er kennet 



mich nicht. Jes. 29, 1 6 ; ein fein gemechte. 
weish. 14, 20. 

ISenahl (gemalh, anfangs auch noch ge- 
roahcl. serm. von dem ehelichen leben. 
1519. Aj**), gewöhnlich n. conjux, eig. der 
{die) in öffentlicher Versammlung der freien 
genossenschaft zusammengesprochene, mhd. 
der u. die gemahele {Ben. 2, 20 \ Lexer 
833), aus ahd, gimahalo u. gimahala {Graff 
2, 652). vereinzelt erscheint bei L. auch 
das masc. {z. b. das 7. cap. Cor. 1523. 
Fiij''), ebenso das fem. {z. b, stücke in 
Esther 6, 9. Burkhardt briefw. 292). 
man mus Christum der seelen gemahl höher 
hallten, denn den leyplichen gemalh. das 7. 
cap. s. Pauli zu den Cor. (1523). Fiij'*; 
eyn Christen {christlich) gemalh darfT sich 
nicht scheyden, soddern kan wol bleyben 
bey seynem vnchristen gemalli . . . wenn der 
vuchristen gemalh seynen Christen gemalh 
nicht weret christlich zu leben, ebend. Fiiij' ; 
das christliche gemalh. ebend. Gj"; vnser 
vnschüldige j^euialh, die königin Esther, st. 
in Esther 6, 9 ; Esther , welche der könig 
zum gemahl genomen. 9, 3 ; Joseph, du son 
Dauid, fürchte dich nicht, Mariani dein ge- 
malh zu dir zu uemen. Matth. 1, 20. 

fienahlscliatiy m. brautgabe, bes. verlo* 
bungsring : vergisset doch ein iungfraw jres 
krantzes nicht, noch ein braut jres gemahl- 
schatzs. Jer. 2, 32 var.; sol auch nichts 
heHfen, ob yn der heimlichen Verlöbnis ge- 
mahlschetze {ausg.v. 1540 : gemahelschetze), 
handgclübde, eide odder pflicht gefallen 
weren. von ehesachen. (1530). Dj*. — 
mhd. gemahelschaz {Ben. 2 ^, 90 ^. Lexer 
834). 

lienahiieR (gemanen), erinnern, bei L. 
nur unpers. es gemahnet mich, es scheint 
mir, kommt mir vor: es gemanet mich eben 
als wen ein reicher milder fürst seine rey- 
chenn schetze aufflhet , vnd freyheit gebe den 
armen durflligen zuhoUen, was sie durfften. 
von dem bapstum. (1520). Fiij'; das ge- 
manet mich eben als wenn der reiche man 
jm euangelio von dem armen Lasaro sagte: 
Lasarus u. s. w. wider den wucher. (1540). 
Kiij ^ ; wenn das wort gottes zu den vettern 
kommet, so gemanet m chs gleich als wenn 
einer milch senget durch einen kohlsack. 



GEMÄLDE 



70 



GEMEIN 



lüfihr. 365 ^ mtl gen.: es geuianet mich 
solcher leutt eben wie der iungeii megdlin, 
die mit locken spielen, ausleg, der ep. vnd 
euang, des aduenis, (1522). Eiiij*; es ge- 
manet mich solchs seyns reyssens vnd mar- 
terns ynn gottes Worten, gerad als yhener 
tt. s. U7. das ander leyl widder d, hyml. 
prophelen, (1525). Ciij*; es gemahnet mich 
doch des geists eben, als wenn ein toller 
mensch ein armbrusl helle, vom abendmal 
Ckrisli, (1528). fij'^; vnd gemanet mich 
jrcr glüsen eben wie eines bösen halstarrigen 
weibes. von den Juden. (1543). Kj*^; es 
gemanet mich der well wie eines bawf elligen 
hauses. Uschr. 53 ^ 

mhd. gemanen (Ben. 2, 54*. Lexer 835), 
ahd. gimanön (Chraff 2, 768). 

DeMtlile (gemeide), n. pictura, bild, mhd. 
gemaelde (Ben. 2, 25*. Lexer 835), ahd. 
gimälidi (Graff 2, 718): vnd sihe, wie s. 
Paulus hie ein köstlicher maier wird , malet 
vnd schnitzet die aufl'ersteliung jnn alles was 
da wechst auff erden, fasseis alles jnn das 
worl, was du seest, nemlich allerley körn vnd 
geweclis, das nimpt er alles zum exempel 
odder gemeld, darinn er diesen artikel wil 
einbilden vnd allenthalben für äugen stellen. 
das 15. cap. der ersten ep. s. Pauli an die 
Corinlher. (1534). ciij"; wenn du auff 
dem feld einen bawrn odder ackerman siebest 
daher gehen vnd jnn seinen sack greiffen vnd 
vnib sich werffen vnd strewen, da hastu ein 
schon bild vnd gemeld wie gott die lodten 
aufferwecken wird, ebend. c iiij *. 

Utmwägk%rmfn. gemengtes gelraide: die 
ochsen vnd füllen, so den acker bawen, {wer* 
den) gemangkorn (bibel: gemenget fulter) 
essen, der proph. Jesaia. (1528). Hij^, 
var. zu Jes. 30, 24. schon 1457 thürin^ 
giseh (vgl, Grimm weisth. 3, 623). 

lieMUM (gemes), conveniensy angemessen, 
mhd. gemae^e (Ben. 2, 208 ^ Lexer 836), 
<ihd. gim^^i (Graff 2, 902) : wie gar ein fein 
gemein regel vnd leben gibt er, allen slenden 
gemes vnd eben. post. (1528). 75"; vnd 
achtesLs deiner maiestet nicht gemes jemand 
zu venlamnen, der die straffe nicht verdienet 
hat. weish. 12, 15; wie es dem heiligen 
göttlichen gesetz gemes war. 2 Afacc. 6, 
23 ; dem glauben an Christo gemes. auf das 



vermeint keiserlieh ediet. (1531). Fij*^; der 
reinen lehre gantz gemess. ausleg. der ep. 
vnd euang. von oslem etc. (1544). 6'. 

IScnccht, s. gemacht. 

^tmtAVtf s. gemachte. 

lieMeiR^ gemeine, mhd. gemeine (Ben. 2, 
97' — 100'. Lexer 839. 840), ahd. gi- 
meini (Graff 2, 782), goth, gamains, laut- 
verschoben zu dem gUichbed. lat, communis 
stimmend. 

1) allen ohne unterschied gemeinsam, 
für alle bestimmt ^ allen gehörig, überall 
verbreitet, allgemein: gemeyn ding heist, des 
viel ynn gemeyn gemessen, als gemeyne born, 
gemeyne gassen, gemeyner acker, wiesen, 
holtz, fewr etc. vom abendmal Christi. 
(1528). Eij* ; die bawrn ym gemeinen wein- 
hause, ebend. Biiij ' ; vnd habe auch, da ich 
geborn war^ ödem geholet aus der gemeinen 
lufllL. weish. 7> 3; vnd worffen sie in das 
gemeine gefengnis. ap. gesch. 5, 18; eine 
gemeine sie wer. Rom. 15, 26; vnser aller 
gemein {gemeinsames) bekentnis. Verant- 
wortung. (1533). Giij"; ein gemein, frey, 
christlich concüium. wider das bapstum. 
(1545). Aiij^; das'eyn iglicher sich prüffen 
mus, ob er die gemeyne odder die sonderliche 
gäbe an yhm Gnde. das 7. cap. Cor. (1523). 
Giij^; doch ist neben der gemeinen schuld 
auch ein sonderliche. deudsch catech. 
(1529. verm. ausg.). P5'; reichet dar in 
der brüderlichen liebe gemeine liebe. 2 Petr. 
1,7, wozu L. in der ausleg. dieser stelle 
bemerkt : die gemeine liebe gehet beide vber 
freunde vnd feinde. Jen. 2, 396*; ich habe 
keine gewisse, sonderliche, eigene sprach im 
leutschen, sondern brauche der gemeinen 
teutschen sprach, dasz mich beyde Ober- vnd 
Niderländer verstehen mügen. Uschr. 412*; 
ein gemeiner land brauch, ausleg. der ep. 
vnd euang. von ostem. (1544). V 5*; er- 
tichlen , das gotles worl auffrnr mache vnd 
sey gemeinem frie4le schedlich. das schöne 
confUenäni. (1530). Fiiij''; solchs ist eine 
gemeine rede worden bey den Juden bis auff 
den heuligen tag. Matth. 28, 15; es gehet 
ein gemein geschrey, das u. s. w. 1 Cor. 5, 
1 ; ehe wir den text anfahen, mus ich vor den 
weg bawen vnd einen gemeinen {allgemei- 
nen) eingang machen, der nicht alleine die- 



GEMEIN 



71 



GEMEIN 



sen, sondern fast alle propheten desle bas 
zuuerstehen, nötig vnd nützlich ist. der pro* 
phei Habaeuc, i 1 526). b j ** ; daraus morckt 
man wol» das ym gemeinen volck alle weisa- 
giing von Christo mit dem geroeinen namen 
hallen gesiebt gehcissen. ebend. bj**. ein 
gemein weih , das sich jedem hingibt , eine 
hure: ein gemein weyb viel ehr mag gen 
hymel kommen denn dieser eines, posl, 
(1528). iib^; ein gemein weib verdienet 
auch yhren lohn mit sunden vnd vnzucht. 
von ehesaehen. (1530). Ciiij*. gemeines 
frawenhaus, bardel: ist das nit ein yemerlich 
diug, das wir Christen vnter vns sollen halten 
feyne, gemeyne frawenheuszer. an den 
chrisU. adel. (1520). M iiij *"; sind vit erger, 
denn die gemeynen frawenhewszcr. wider 
den falsch genanten geistlichen stand. 
(1523). Gj ' ; warumb sehen die gemeynen 
frawen wirtt nit gern, das junge knabeu eh- 
lich werden ? ebend. G ij •*. — gemein sein : 

keiner sagetc von seinen güterir, das sie 
sein weren, sondern es war jnen alles ge- 
mein, ap. gesch. 4, 32; vnuerstand der 
vnter den gewaltigen gemein ist. pred. Sal. 
10, 5 ; lügen ist gemein bey vngezogen leu- 
(en. Sir. 20, 26; er acht 4lie keuscheyt 
nicht so gemeyne (allgemein verbreitet), wie 
wyr bisher tlian haben, das 7. cap. Cor. 
(1523). Biiij'*; wie solche weise yn der 
schrifft zu reden fast gemein ist, das man 
könige vnd fürsten nennet felsen. der 82. 
psalm. (1530). Fiiij'; itzl nichts so gemein 
ist, als das recht vnrecht vnd aus vnrecht 
recht machen, das 5. 6. vnd 7. cap. s. 
Matth. (1532 . a iiij'; solch leyhen ist itzt 
gemeine durch alle stende. wider den wu- 
eher. (1541). Aiiij"; wie denn solch reimen 
in allen sprachen gemein ist. von den Juden. 
(1543). Küi]**; sie sind theuer solche hirten 
vu*l nicht so gemein als die zweyfüssige puffel 
vnd bapsteset zu Rom. wider das bapstum. 
(1545). Tiiij'; dis sind verdriesliche leule, 
doch seer gemein jnn der weit. Wittemb. 
ausg. 1, 222'. 

2) der gemeinde angehörig: was gemeine 
personen sind auff sold vnd lohn gedingt, als 
ein sladartzt, staddicner, söldcner vnd wie sie 
mögen genennet werden , mügen nicht flie- 



hen, ob man für dem sterben ßiehen müge. 
(1527). Aiiij-. 

3 ) zur groszen menge gehörig, den nie- 
drigen ständeny einer niederen stufe ange- 
hörend: von dem ablasz ist gnug eynem ge- 
meynen man zu wyssen, das ablas sey entlc- 
digung der gnugthuung für die sunde. doct. 
M. L. Unterricht. (1519). Aij"; so redet 
der gemeyne man ynn dcudschen landen. 
das ander teyl widder d. himml. propheten. 
(1525). Diiij**; deudsche bucher sind fur- 
nehmlich dem gemeinen man gemacht, das 
man kinder etc. (1530). Aiij''; beide ge- 
mein man vnd herm. ps. 49, 3; die grelier 
der gemeinen leulc. 2 kön. 23, 6; wens 
aber eine seele vom gemeinen volrk versihet. 
3 Mos. 4, 27 ; ergernisz vnnd hyndernisz des 
gemeynenn volcks. an den christl. adel, 
(1520). Gij^; darumb ist es eine grosse 
gnade, das er lesset den gemeynen pöfel 
wenig haben, vber das erste buch Mose. 
(1527). kj**; der gemeine pöfel leufllt vmb 
gewonheit willen zum sacrament. vnterricht 
der visitatam. (1538). Gij*; redet doch 
dauon wie der gemeine pöbel. Hiob 21, 
29 ; vnd lies seinen leichnam vnter dem ge- 
meinen pöfel begraben. Jer. 26, 23 ; aber 
latinisch müssen die gemeinen pfarrher vnd 
prediger können, das man kinder etc. 
(1530). Diij^ 

4) profan, nicht heilig, unrein nach dem 
gesetz : gemein brot. 1 Sam. 21, 4 im ge- 
gensatz zum heil, schaubrot ; mit gemeinen, 
'das ist mit vngewasschen henden das brot 
essen. Marc. 7, 2; ich weis vnd bins gewis 
in dem herm Jbcsu, das nichts gemein ist an 
jm selbs, on der es rechnet für gemein, dem 
selbigen ists gemein. Rom. 14, 14. daher 
gemein machen ^» entweihen, entheiligen, 
verunreinigen : es ist nichts ausser dem men- 
schen, das jn künde gemein machen, so es in 
jn gehet , sondern das von jm ausgehet , das 
ists, das den menschen gemein macht. Marc. 
7, 15; auch dazu hat er (Paulus) die Gne- 
chen in den tempel gefüret vnd diese heilige 
Stele gemein gemacht, ap. gesch. 21, 28. 

5) sich gemein machen, sich jederman 
hingeben, anvertrauen: also das du dich 
einem jglichen, wer für vber gieng, gemein 
machtest. Ezech. 16, 15; das weysz ich ybe 



GEMEIN 



72 



GEMEINIGLICH 






wol, wie ich teglicli nil allein von meinen 
bey wonern» szondern auch ausz vielen n lan- 
den schryflUich vor warnet werd, icli sol mich 
nit so gemeyn yderman machen, auff des 
bocks zu L, anlworL (1521). a iiij*. 

6) einem gemein sein, sich zu ihm herab' 
lassen: verlas dich nicht drauff, das er (ein 
gewalliger) dir seer gemein ist. denn er ver- 
sucht dich damit, vnd mit seinen freundlichen 
geberden holet er dich aus. Sir. 13, 14. 

<3€MeiB> adv. gemeinsam, gemeinschafl" 
lieh, zusammen, mhd. gemeine {Ben. 2, 
100 •. Lexer 841), ahd. ginieino {Graff 2, 
7S4): nu frewt euch lieben Christen gemein, 
vnd last vns frölich springen. Jen, 8, 403*. 

üeneiRe (gemein), f. gemeinde, mhd. ge- 
meine (Ben. 2, 101 \ Lexer 841). 

1) Versammlung, versammetle menge 
überhaupt: ein mensch der vom wege der 
klugheit jrret, der wird bleiben in der todten 
gemeine, spr. SaL 21, 16; die gemeine der 
schule, ap, geseh. 13, 43; wolt jr aber 
etwas anders handeln, so mag man es alis- 
richten in einer ordentlichen gemeine. 19, 
39 ; vnd da er solches gesaget, hes er die ge- 
meine gehen, v. 40 ; die gemeine oder das 
volck so zu hauff auff den marckt gelauffen 
war. vermanung zum sacramenl, (1537). 

dj«. 

2) die bürgerliche gemeinde: gleich als 
der burger vntreglich ist, der von der ge- 
meyn wollt beholffen, beschützt vnd befreyet 
seyn, vnd er doch widderunib der gemeyn 
nichts thun. serm. von dem hochw. sacramenl' 
(1519). bj''; das ist yhe ein klarer spruch 
(Joh, 18, 36), damit die Christenheit wir t 
auszgezogen von allen weltlichen gemeynen. 
von dem bapslum zu Rom. (1520). Biiij*. 

3) das alUeslamenlliche gottesvolck, 
Israel: sagt der gaotzen gemeine Israel. 2 
Mos, 12,3; des seele sol ausgerottet werden 
von der gemeine Israel, v. 19; die summa 
der gantzen gemeine der kinder Israel. 4 
Mos, 1, 2, u. öfter, 

4) das Volk der Christen, die Christenheit, 
die christliche kirche (ecdesia ein kirch i. 
die gemeyne. Älberus dict, p iij ^) : auff 
diesen felsen wil ich bawen meine gemeine. 
Matth, 16, 18; der herr aber that hin zu 
teglich, die da selig wurden zu der gemeine. 



ap, geseh, 3, 47; die Christenheit odder 
christlich gemeyn. von dem bapstum zu 
Rome. (1520). Biij'^; so bleibt der heilige 
geist bey der heiligen gemeine odder Christen- 
heit, deudsch caleeh, (1529). Oiiij*. auch 
von der einzelgemeinde: es erhub sich aber 
zu der zeit eine Verfolgung vber die gemeine 
zu Jerusalem. . ap, geseh. 8, 1 ; vnd dem 
enget der gemeine zu Epheso schreibe, offenb, 
Joh. 2, 1 ; vnd dem engel der gemeinen zu 
Smyrnen schreibe, v, S u. s, f, 

5) hier mögen auch die belege für das 
adv. in gemein (mhd, in der gemeine. Lexer 
84 1 unter gemeine /. am ende), heule insge- 
mein eine stelle finden: wolthat, so sich allen 
in gemein vnd in Sonderheit gegen einem 
jglichen erzeigt habe. 2 Mace. 9, 26; da 
Christus zu allen in gemein (insgesamt) sagt. 
von dem bapslum zu Rome, (1520). Eüi]**; 
disze wort tzu allen ynn gemeyn geredt wer- 
den, eyn widderspruch, (1521). Aiiij''; 
das sie alle ynn gemeyn vnd ynn eyn den 
eynigen feyb Christi nemen. das ander leyl 
undder die hyml, propheten. (1525). Giiij''; 
denn es (das wort *satan) ynn gemein (im 
allgemeinen, in der regel) alle widder wer- 
tige heisset. der proph. Sacharja. (1528). 
Miij " ; es sollen sich auch die prediger aller 
schmechwort enthalten vnd die laster straffen 
jnn gemein. vntervichl der visilalom. 
(1538). Kiij". 

lieMeiRigiich (gcmeynicklich. auf das 
vbirchristlich buch. 1521. Cj '), adv. jp/6- 
rumque, meistens, gewöhnlich, mhd, gemei- 
necltche (Ben, 2, 102''. Lexer 841): das 
geschach gemeiniglich alle jar. 2 Sam. 14, 
26; gemeiniglich *arbe' vnd 'hagab' für hew- 
schrecken gehalten werden, gl, zu 3 Mos. 
11, 22; was wir seele nennen, das heisset 
die scbrifft gemeyniglich den geist. vber das 
erste buch Mose, (1527). a ij"; diegelübde 
die ytzt zuzoteu gehen , haben gemeyniglich 
drey feyl. ebend, Ppiij"; vnd sind nicht 
viel grosser herrn vnd fursten schetze je mal 
wol angelegt, sondern gemeiniglich durch 
kriege verheeret, das 5. 6. vnd 7. cap, s. 
Matihei. (1532). miiij"; (die geistlichen 
der Stadt Constantinopel) gemeiniglich stoltz, 
ehrsüchtig vnd köppisch waren, von den 
concilijs. (1539). Rij''; wie die creutze 



OEMEINLICH 



73 



GEMSE 



an den caseln gemeiDigiich sind, wider das 
bapstum. (t545*. Zj''. 

lienf iiiicli, adv. dasselbe, mhd. gemein- 
liehe (Ben. 2. 102". Lexer 842), ahd. gi- 
meinlthho {Graff 2, 784): wie sich denn ge* 
raeinlich der chebrueh verursacht vom seilen. 
das 5. 6. vnd 7. cap, s. Mallh, (1 532). Vj' . 

CifBeiRR&tiigi Omnibus utilis, gegensait 
von eigennützig: das also die eigennützige 
lieb seins selbs durcii dis sacramcnt ausge- 
rottet, einlasse die gemeinnützige liebe aller 
menschen. Jen. \, 210''. 

<leMeiMck«ft, f, communio, mhd. ge- 
meinschafl (Ben. 2. 103". Lexer 843), 
ahd. kameinscaf {Graff 2, 784). 

1) allgemein, iheilnahme, Verbindung, 
Umgang: gemeinschafll odder teilhabiing. 
vom abendmal Christi. (1528). Eiiij';ge'- 
meinschafft haben verstehet man gemeiniglich 
mit yemand zu schaffen haben, ebend. Eüj*^ ; 
ich habe nicht gemeinschafft mit den falschen. 
ps. 26, 4 ; vnd hast gemeinschafll mit den 
ehebrechern. 50, 18; die Juden haben 
keine gemeinschafll mit den Samaritern. Joh. 
4, 9 ; vnd keine christliche gemeinschafft mit 
jnen haben, wider den wueher. (1540i. 
Eiüj". gemeinschaffl am euangelio. Phil. {, 
5 ; durch welchen jr beruffen seid zur ge- 
meinschaffl seines sons Jhesu Christi (glosse ; 
das ist jr seid miterben vnd mitgenossen aller 
guter Christi). 1 Cor. 1,9. 

2) der gesegnete kelch, welchen wirsege- 
nen, ist der nicht die gemeinschaffl des bluls 
Christi? das brot das wir brechen, ist das 
nicht die gemeinschaffl des leibes Christi ? 1 
Cor. 10, 16. Ober bedeutung und gebrauch 
des Wortes gemeinschaft in dieser stelle 5e- 
merkl L.: gemeinschafllL heisst hie das ge- 
meyne gut, des viel theilhafl^ig sind vnd ge- 
messen, als das vnter sie alle ynn gemeyn ge- 
geben wird ... so ist nu gewis , das kenonia 
(xoivMvla) die gemeinschafn des leibs Christi 
ist nichts anders, denn der leib Christi als ein 
gemeyn gut vnter viel ausgeleilet vnd gege- 
ben zu geniessen. vom abendmal Christi. 
(1528). Eij*; es ist nicht so gar eigentlich 
deudsch als ich gerne wolle haben ... es sol 
ia hie so viel heissen, als ich droben verkleret 
habe, als wenn viel eines gemeinen dings 
brauchen, geniessen odder teilhafftig sind, 

Dim, Wörterbach. II. 



solchs mus ich gemeinschaffl dolmetzschen, 
ich hab kein besser wort dazu finden mügen. 
ebend. Eiij ''. 

3j die Verdeutschung von communio san- 
ctorum im symb. apost. durch gemeinschaft 
der heiligen tadelt L, als iibel und Unverstand" 
lieh und sagt : das wort communio solt nicht 
gemeinschafft, sondern gemeine heissen, vnd 
ist nicht anders denn die glose odder ausle- 
giing, da ymand hat wollen deuten was die 
christliche kyrche heisse. daftir haben die vn- 
seru, so widdcr latinisch noch deudsch gekund 
haben, gemachet gemeinschaffl der heiligen, 
so doch kein deudsche spräche so redet noch 
verstehet, aber recht deudsch zureden solt es 
heissen, ein gemeine der heiligen, das ist ein 
gemeyne, daryn eitel heiligen sind, odder 
noch klerlicher, ein heilige gemeine, deudsch 
catech. (1529). Oiij''. 

(Hiemtn^tf n. vermengung, Vermischung, 
mhd. gemenge {Ben. 2, 137'\ Lexer 845): 
da mustu mir nicht ein gemenge machen vnd 
die zwey vnter einander brewen. das 5. 6. 
vnd 7. cap. s. Matth. (1532). ppiij''; 
wenn ein wort, so mehr denn einerley deu- 
timg hat vnd nicht vnterscheiden wird, so 
folget ein gemenge vnd Verwirrung daraus. 
Jen. 1, 52''; gewerre vnd gemenge (ver^ 
wirrung) der gewissen, ausleg. der ep. vnd 
euang. des aduents. (1522). Kiij". 

lienrnkel^ n. heimlicher handel (?), v. 
menkeln , handeln, hleine geschäße machen 
(Ben. 2, 60'): vnd ditz seyn gemenckel ym 
finster vnd schew des lichtesz macht, das 
wenn der liapst eytell engel were, kund ich 
yhm dennoch nicht glaubenn. warumb des 
bapsts vnd seiner jünger bucher verbrannt. 
(1520). Biij*'. — vgl. menkeln. 

Ilenerk, n. merkzeichsn, merkmal, mhd. 
gemerke (Ben. 2, 66''. Lexer S4b): vnd 
sol kein antler eusserlich zeichen oder ge- 
merck sein, dabey man es kennen möge, der 
110. p«a;m. (1539). Kiiij^ 

6en<*R5 s. geniäsz. 

fienMSCR^ s. messen. 

^mne^ f. rupicapra, felsenziege : weis- 
sestu die zeit, wenn die gemsen auff den 
felsen geboren? Hioh 39, 1 ; auff den felsen 
der gemsen. 1 Sam. 24, 3; die hohen berge 
sind der gemsen Zuflucht, ps. 104, 18. 

10 



GEMSENSTEIGER 



74 



GEMÜTH 



mhd, und späl-ahd. garas; {Ben. i, 401''. 
Lexer 733. Gra/f 4, 208), nach Wei- 
gand wtb, 1, 413 fremdher. 

OeMseMteigery m. gemsenjäger: ducli 
das sie zuseliCQ vud sich selb nit vorlagen 
noch vorsteygen {versteigen), wie den gem- 
sensteyger geschichl. auff das vMrehrislL 
buch, (1521). Eij''; die rottcngeister sind 
oilel junge leutc , die in den lüfllen fladdern, 
gemsens teiger. lischr, 6''. 

IScnscr (gempser), m. dti spoUname 
Luthers (?) : hui Peter von Naschusen zeyge 
dem armen gcmpser eyn kleines wortiin» 
dringe, zwinge, uötlige yhn , das ers mus so 
bekennen, denn gemser höret wol, das du es 
sagest, das ander legi undder d. hgmL pro' 
phelen. (1525). Cij*'; were ich bey dyr ge- 
wesen, nieyn Pelcr, ich wollt dyr eyn andern 
gemser haben furgestellt, der cym solchen 
rültzen sollt den pflüg wol gckeylet haben. 
ebend, Ciij " ; der gemser soll versuchen, ob 
er dyr künd die oren auffkneuffelu. ebend. Ej*. 

deniket; bemühet, belästigt, geplagt, 
pari, von mühen : vnser herr golt musz ein 
gemüheter man seyn , dasz er die well mit 
leuten versorget, lischr. 93''. 

CenmMcl (gemümmel, gemümel), n. 
murmur, gemurmel: ym hause ein gemümel 
{Burkhardt liest: gewümel) gewest ist, als 
sollen hertzog Albrecht von Mekelburgk 
sanipt seiner gemalh "zu meiner gnedigsten 
frawen gen Liechtenbcrg komen. Burkhardt 
briefw. 292 ; vnd es war eyn gros gemüm- 
mel von yhm vnlcr dem volck. vär, zu Joh. 
7, 12. andere varr. haben gemümmel, ge- 
mümel, die bibel hat gemurmel. vgl, mummeln. 

(}«niirai, n. dasselbe: das geschwurm 
vnd gemurm vnszer lorichlcn gepett. ausz- 
leg. der ep. vnd euang. von der heil, drey- 
königefest. (1525). Qqj''. 

deMmel (gemurmel), n. murmur: so 
hüelet euch nu für dem vnnützen gemurmel 
{vulg. murmuralio). var, zu weish. Sal. 1, 
1 1 ; vnd es war ein gros gemurmel von jm 
vnlcr dem volck. Joh. 7,12; was hiifllt yhn 
viel gedöne, gemurmel, gesang von vigilien vnd 
messen. po«(. (1528). 85". t?^^ gemümmel. 

lieniiiTe^ n. das murren, gemurmel, mhd. 
gemürre {Lexer 847), von dem plappergebet 
der geistlichen: Christus sagen wird, das der 



kinder singen vnd taotzen auff den gassen 
yhm lieber scy, denn alle yhr geheule vnd 
gemurre ynn ylircn kirchcn. der prophet 
Sacharja. (1528). Yiij"; wir verwerffen 
mit nichte das gebete, sondern das lauter vn- 
nützc geheule vnd gemurrc verwerffen wir, 
wie auch Christus selbs lang gewessche ver- 
wirfft vnd verbeut, deudsch catech. (1529). 
Qij'' ; das ist aber war, weun es (das gebet) 
ein lautier eusserlich geberde, geraurre odder 
geplerrc ist . . . das heisset freilich nicht ge- 
betet, das 17. cap. Joh. (1530). Bj"; das 
vnuutze geplepper vnd gemurre der rosen- 
krentz vnd ander abgöttischen gebetlin. das 
5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). bbj'; 
der plerret hie ym kor, der ym andern vnd 
schwürmen die kirchen vol gemurres. post. 
11528). Rriij". 

Viewmtj lt. von garten- und feldfrüchien 
zubereitete speise ^ mhd. gemüese (Lexer 
847), coli, zu muos mus, brei: Ueber, las 
meine Schwester Thamar komen , das sie für 
mir ein gemüse oder zwey mache. 2 Sam. 
13, 6; setz zu ein gros töpffen vnd koch ein 
gemüse. 2 kön. 4t 38. 

lienatk (gemül, gemut), n. animus, sen- 
sus, eigentlich gemüthe (gemüte, gemüele 
[gemuete], wie L, hin vnd wieder noch hat, 
z. b. 2 Cor. 8, 11 ; 1 Mos. 23, 8 var. bei 
Bindseil), denn mhd. gemüele , gemuote 
{Ben. 2, 257''. 258 "K Lexer 847), ahd. 
gimuati {Graff2, 684); coli, zu muot muih. 

1) die gesammtheit der gedanken und 
emp/indungen, sinn, inneres, herz: ym ge- 
mül yhrs hertzen , das ist ynn yhrem synn. 
ep. Petri gepredigt. (1523). Eüj"; sihewie 
sein {Abels) hertz gestanden sey . . . dargegen 
sihe uu auch, wie Kains gemüt gestanden ist. 
vber das erste buch Mose. (1527). Fi]" *' ; 
das wesen vnd natur des gebets sey nichts 
anders dann ein auffhebung des gemüts oder 
hertzen tzu golt. ausleg. deutsch des v. u. 
(1518). Aiiij '* ; was bey jm in seinem g^nttt 
war. 1 chron. 29, 1 2 ; du soll lieben golt 
deinen hcrrn von ganlzem hertzen, von gan- 
tzer Seelen, von ganlzem gemüte. MaUh. 22, 
37 ; ich sehe aber ein ander gesetz in meinen 
gliedern, das da widderstreilet dem gesetz in 
meinem gemüte. Rom. 7, 23; ernewerteuch 
aber un geist ewers gemüts. Ephes. 4, 22. 



GEN 



75 



GENEIGT 



mit adjeeliven: da sprach ich mit kleghchen 
wortten vnd I>etrublen geinut. au/f des bocks 
antwort. (1521;. aij*; widder die men- 
schen sol man kecke , frey vnd trotzig sein, 
als die doch vnrechl haben, vnd also mit 
trotzigem getrostem geinul sie schlahen. oh 
kriegsleute. (1527). Eij''; aus rohem wil- 
den gemClthe. ebend, Giij"; zornig gern ttt. 2 
Sam, 17, S; niedriges gemUt. spr. Sal. 16, 
19; ein bestendig gemüt. Str. 26, 23; ein 
geneiget gemüte. 2 Cor. 8, 1 1 ; aus geneig- 
tem gemüt 1 Pelr, 5, 2 var. ; ich hallte 
meyns vermügens was ich geredt habe mit 
voller hoffnung, yhr werdet ewreni adehchem 
gemüt nach widderhaUten, was jr geredt habt. 
doM 7. eap. Cor. (1523). Aij"; mit fürstU- 
chem vnd bischofflichem, das ist mit gar gü- 
tigem vnd gelindem gemüt annehmen. Jen. 
1, 2'. 

2) von der ganzen person : hie beger ich, 
das zuhören vmlten alleyn frume, redliche 
gemüete. posL (1528). 240*. 

tten {mhd. g^n), praep. «» gegen, woraus 
es mitleUt aussiosxung und zusammenne- 
hung entsprungen ist, üblich schon bei L, 
nur noch von der bewegung und richtung 
nach einem orte, wofür die bibel zahlreiche 
belege bietet : vnd sie kamen gen llaran. 1 
Mos. 11, 31; vnd (Lot) setzt seine hüttcn 
gen Sodom. 13, 12; vnd die menner gien- 
gen gen Sodom. 18, 22; vnd zoch gen Mc- 
sopotamian. 24, 10; an dem wego gen 
Ephrath. 35, 19 u. s, f. nach einer well" 
gegend: der wind gehet gen mittag, pred. 
Siri^ 1, 6; von morgen bis gen abend. 
Ezeeh. 48, 1. gen himmel: sihe gen him- 
mel. 1 Mos. 15, 5; nemet ewre feuste vol 
russ aus dem ofen vnd Mose sprenge jn gegen 
himel . . . vnd Mose sprenget jn gen himel. 2 
Mos. 9,8. 10; recke deine band auff gen 
liimel. V. 22 ; da die lohe aufluhr vom altar 
gen himel. rieht. 13, 20. einmal auch gen 
helle {höUe) : bosz lere ist das grössist übel 
auff erden, das die seeley mit hauflen gen 
helle furett. auff des boehs antwort. (1521). 
bij". 
Qtfud, s. gnade. 
OeMiligy 8. gnädig. 

dcnatiHy eine natürliche beschaffenheit 
habend, von natur beschaffen sein : sie {die 



Sterngucker) sagen, wer vnter einem solchen 
zeychen goborn wird, der müsse also gena- 
turt werden, vber das erste buch Mose. 
(1527). Fj«». Dentzler \2S' : genatürt. 

(}€■•■ (genaw, gnaw), genaue (gnawe. 
Verantwortung etc. 1533. Gij'), adv. eX" 
acte, accurate , mhd. genouwe {Ben. 2, 
4 1 8 ^ Lexer 861 ) : wenn du dein land ein- 
rrntest, soltu es nicht alles gnaw auflsamlcn. 
3 Mos. 19, 9 ; abo auch soltu deinen Wein- 
berg nicht genaw lesen, v. 10; das wirs ia 
gewis treffen vnd gnaw abwegeten. das 
diese worle etc. (1527). eiij''; wie genaw 
vnd nerlich redet der engel. der proph. Sa- 
charja. fl52S). Gij '' ; wie gar scharjtff vnd 
genaw hat der man gottes werck angesehen, 
der 147. psalm. (1532). Diiij'';— wie doch 
der text aufs scherffest vnd genawest nach 
jrer m^inung verdeudscht gibt, wider die 
sabbather. (1538). Giij"; nicht alle ding 
auffs guawest suchen. Jen. 1 , 283 ; — der 
man forschet so genaw nach vus vnd vnser 
freundschalTl. I Mos. 43, 7 ; doch nnis die 
rechnung nicht so gnaw alle minuten treffen. 
bind seil 7, 473; wir auch der marter 
entladen sind, so genaw alle sunde zu zelen. 
deudseh catech. (1529. verm. ausg.) Piij"*; 
— reche nicht zu genaw alle misselhal. Sir. 
10, 6 ; nu sihe mir auch nicht allzu genaw 
zu. das diese wort etc. (1527). ej^ 

fienekn (geneui), was gern genommen 
wird, angenehm^ wohlgefällig, mhd. genaeme 
{Ken. 2, 370'*. Lexer 852): biszher haben 
wir gelemet wie der glaub wirckt... vnd 
wie genehm er für gutt sey. euang. von den 
zehen aussetzigen. (1520). Fij^; ich hah 
dich ynn der genemen zeyt erhöret, var. zu 
2 Cor. 6, 2, wo die bibel angenem hat. 

HeReigty geneiget, propensus, proclivis, 
part. zu neigen: so viel an mir ist, bin ich 
geneigel auch euch zu Rom das euangeUuni 
zu predigen. Rom. 1, 15; were auch gar 
willig vnd geneigt gewcst, . . . selbst person- 
lich euch zu ersuchen, br. an die zu Frank' 
fort. (1533). Eij''; die alten heyligen veter 
sind zu mal geneygt gewesen die propheten, 
apostelu vnd grosse heyligen zu endschüldi- 
gen. der proph. Jonas. (1526). Cij'*; das 
man jn igott) gnedig vnd geneigpt mache zu 
hören. Jen. 1, 70''; — gleichwie da ist 

10* 



GENESEN 



76 



GENIESZ 



ein geneiget gemüte zu wollen , so sey auch 
da ein geneiget gemüte zu tliun. 2 Cor. S, 
11. 

UtneBem, mhd. genesen (Ben, 2, 379 ** /f. 
Lexer 856j, ahd. ginäsan (Graff % 109S), 
qoth. ganisau. 

1 ) dte qrundbedeuiung isl : gerettet wer- 
den, welche allgemeinere bedeulung das 
toort in folgenden stellen hat: ich habe gotl 
von aogesicht gesehen vnd meine seele ist 
genesen (wörtlich: mein leben ist errettet 

' worden). 1 Mos, 32, 30 ; las leuchten dein 
andlitz, so genesen wir. ps. 80, 4. S. 20 ; 
wer from einher gehet, wird genesen (Ger- 
lach: wird gerettet werden), spr. 28, 18; 
darnach aber als er (Jona) ist genesen (aus 
dem bauch des walfisches errettet) vnd Wid- 
der lebendig worden, hat er solch gebet ynn 
schrifft verfasset, der proph, Jona, (J526). 
Gij " ; wer also den teulTel kan abweisen . . . 
der ist genesen, hausposi, (Wittemb, 1845). 
sommerteil, 5 *, 

2) von krankheit errettet werden, gesun- 
den: gehet hin vnd fragt Baal Sebub, den 
gott zu Ekron , ob ich von dieser kranckheit 
genesen werde? 2 kön, 1, 2; sprich, ob ich 
von dieser kranckheit müge genesen ? 8, 8 ; 
so gott nicht fürchten vnd sündlich leben, die 
werden mit kranckheit geplaget vnd genesen 
doch etliche, das sie nicht sterben, gl. zu ps. 
107, 17. Sprichwort: da der kranck genas, 
er nie erger was. Eisl, 1, 324 ''. 

3) eines kindes genesen, entbunden wer- 
den: sie ist genesen eines knabens, ehe denn 
jr kindsnot kompL Jes, 66, 7 ; die grossen 
perge sollten auch einmal eynis kinds gene- 
szen. auff das vbirchristl, buch. (1521j. 
Bj ^. atuih ohne den gen, : ein weih wenn 
es gebirt, so leidet es angst, wenn sie aber 
genesen ist, so gedenckt sie der angst nimer. 
Jen, 1, 180 ^ var, zu Joh, 16, 21. 

Cleneseil^ n. errettung, gesundung: des 
volcks verterben vnnd geneszen am meyslen 
ligt an den hewbternn. wider den falsch 
genanten geistl, stand, (1522). Aüj''; mir 
lieber were dein genesen denn verderben. 
Jen. 1, 406*. 

(leiietter^ m, ein {türkisches?) ross: (die 
Juden) warten noch heutigs tages auif einen 
andern weltUchen könig, der einreite auff 



einem hübschen genetler. hauspost. (Jhena 
1559). 139*. — mhd. gönlt (Ben. 1, 498'. 
Lexer 860), von ital. ginnetto, giannetto 
leichtes pferd, 

UtneiM, s, gnätze. 

(Hitngt, s, gänge. 

Ütm^elu, s. gängeln. 

fif«gig, s, gängig. 

Itelgle^ geugbn, s, gänglein. 

lieiick, n, cervix: brich jni das genick. 
2 Mos, 13, 13; die bösen geister die leute 
erseuffen vnd das genick brechen, das 6. 
cap, Ephes. (1533). Giiij^; da kam er (der 
teufet) so bald vnd brach jm {einem fiuci^er) 
das genick. das 15. cap, der ersten ep. s. 
Pauli an die Cor, (1534). aij**; den kopff 
abkneipen hinder dem genick. 3 Mos, 5, 8. 

mhd. genic, genicke {Ben, 2, 283 ^, Lexer 
S58j , zu ntgen, nicken, also urspr. das 
neigeglied ( We ig and wtb. 1 , 415). 

fieiiedera (geniddern), erniedrigen, mhd, 
giMiideren (Ben, 2, 337 ^ Lexer 858): 
gotthch natur mag widder genyddert noch 
erhöhet werden, ausleg, der ep, vnd euang. 
vom christag. (1522). Nij ^ 

fieniesi (genies), m. mhd. genie:; (Ben. 2, 
394*. Lexer 858), zu genieszen. l) er- 
trag: da man einschneyt vnd einfuret aller- 
ley fruchte vnd genies des lands. die ep. des 
proph, Jes, (1526). Biij*. 

2) nutzen, vortheil, gewinn: das arm 
asscheuprodlin hat nichts denn eyttel 
mangel vnd vngemach, sucht kein ge- 
niesz, lessit yhm benugen. das magnifieat. 
(1520). ciij'; schendlichs geniesz süchtig. 
wider den falsch genanten geislL stand, 
(1522). Aülj*^; diese heihgen nichts thun 
denn yhren wanst vnd genies suchen, vber 
das erste buch Mose, (1527). Yyij"; eine 
magd hatte einen warsagergeist vnd trug jren 
herrn viel genies zu mit warsagen, ap. gesch, 
16, 16 ; vmb genies willen, br. Judae, 1 1 ; 
man heuchelt vmb genies willen, vier trostl, 
psalmen, (1526)^ Ciüj"; vmb jres genies 
vnd uutzes willen, deudsche psaller, (1541)' 
Riiij^ 

3) gemeinschaft: was hat die gerechtig- 
keit für genies mit der vngerechtigkeit? was 
hat das liecht für gemeinschafft mit dem fin- 
sternis? 2 Cor. 6, 14. 



GENIESZEN 



77 



GENUG 



ÜeRicsieB (geniessen), frui^ mhd. genies^en 
(Ben, 2, 391 '*. Lexer S59), ahd, giniu^an, 
ginio:;an (Graff % 1120), goth. ganiiilau, 
zusammeng. aus der partikel ga- und dem 
einfachen niutan, welches mit genieszen 
gleichbedeutend ist, urspr, aber *fanggn\ 
ergreifen, nehmen bedeutet, L. conjugieri 
noch icti geniesse, dif geueusst, er geiieussl 
(geneust), verbunden ist genieszeii in der 
reget mit dem gen., selten mit dem acc. 
(z. b» wer dis gebrochen brod geneusl. vom 
abendmal Christi. 1528. Eij). 

1) theil woran haben, gebrauchen, be~ 
nutzen : gott wonet doch mitten vnter eitel 
suDdern vnd heiliget sie, das ist, seiner heilig- 
keit geniessen sie \nd heissen Iioilig vnib sei- 
neu willen, gl. zu 3 Mos. IG, 16; genieyn 
ding heist des viel ynn genieyn geniessen, als 
genieyne born, gemeyne gassen, gemey^er 
acker, wiesen, holtz, fewr etc. vom abend" 
mal Christi. (1528). Eij\ 

2) nutzen, vortheil woran haben, gegen- 
iatz zu entgelten (s. d.). a) absoL: wer mit 
geniessen will, der musz auch mit gelten 
(entgelten), serm. von dem hochwirdigen 
sacrament. (1519). a iij ". b) mit gen. der 
person: vngenielige, der niemant genieszen 
kan vnd sie yderroans getiieszen wollen. auS' 
leg. der ep. vnd euang. votn christag. 
( 1 522). mmm j '' ; so mus nu dis gantze land 
des Josephs geniessen. vber das erste buch 
Mose. (1527). nnj''. c) mit gen. der 
Sache: er wird erbeiten vnd des nicht ge- 
niessen. Hiob 20, 18; sie geniessen doch 
jrer erbeit wol. pred. Sal. 4, 9 ; der ist 
reich, der da erbeilel vnd samlet geld vnd 
höret auff vnd geueusst sein auch. Sir. 3 1 , 
3 ; die des altars pflegen, geniessen des altars. 
1 Cor. 9, 1 3 ; es sol aber der ackerman, der 
den acker bawel, der fruchte am ersten ge- 
niessen. 2 Tim. 2, 6. 

^) als speise oder trank zu sich nehmen, 
essen u. trinken: denn so ichs mit dancksa- 
gung geniesse , was solle ich denn verlestert 
werden vber dem da für ich dancke ? 1 Cor. 
10, 30 ; wer dis gebrochen brod geneust, der 
geneust des leibs Christi, vom abendmal 
ChHsti. (1528). Eij *; hilfft auch nicht, das 
sie getfiem, wir geniessen des leibs vnd bluts 



Christi in der wiuckehnessen geistlich, von 
der winckelmesse. (1534). Dij'*. 

lienieflieB, 7». der inf. des vorigen verb, 
subsl.: das figürlich, zeichelich vnd deutlich 
geniessen kan yiu abendmal nicht sein, vom 
abendmal Christi. (1528). Eij ^ 

(ieRiesileiR ( — lin), n. dim. zu geniesz : 
ein händelchen vnd genieszlin der rabulen 
vnnd zungcmh'esclier. tischr. 27 1 ". — mhd. 
genie^ltn (Lexer 859). 

fieRicsilich (genieslich), geniesz, nutzen 
bringend, nützlich: sanftraütigkeit, welche 
wir haben gegen die freund vnd die vns nütz- 
Hell; genieslich sind an gut, ehre vnd gunst. 
Jen. 1, 284 ^ 

fle^iesisnchtig^ süchtig nach geniesz : die 
vnreinen gnieszsuchtigen geyste. das magni' 
fieat. (1521). ciij\ 

ÜeBietig; dessen man im gemeinen leben 
genieszen kann (vgl. imgenietig) : gleych wie 
die euangeli Christum abeuialeu vnter den 
leutten, der yderman frunflich ist, niemant 
voracht, niemant vorsagt, vnnd gantz schlach- 
tig, merb vnd genietig ist. ausleg. der ep. 
und euang. vom chris tag. (1522). H i ii j " . 
zu genieten ? 

a0k%M€f m. einmal auch der nom. sg. 
genossen (ein heimlicher genossen, de Wette 
br. 6, 286), socius, eig. der mitgenieszende : 
alle jre genossen werden zuschanden. Jes. 
44, 11; des glaubens genossen. Gal. 6, 10; 
yhres handwercks genossen, von ehesachen. 
(1530). Fj". 

mhd. gen5^, geno^e {Ben. 2, 395'. Lexer 
861), ahd. gino^ (Graff 2, 1125). 

(ieBseittich, s. gänsefittich. 

(ie^nei, s. gänseei. 

Ütmntpftälger , gensepredigt , gensepre- 
digtlin, s, gänseprediger, gänsepredigt, gänse- 
predigtlein. 

(iense»; s. gänsern. 

üemnMttf genskucker, genspfeifen, s. 
gänsefeder, gänsegucker, gänsepfeifen. 

Hea^gj gniig) vereinzelt auch nasal gnung 
{z. b. Bindseil 7, 309), satis, hinreichend, 
9nhd. genuoc (Ben. 2, 357 ''. Lexer 866), 
ahd. g(k)inuoc {Graff 2, 1005). L, schrieb 
gnug , was auch die meisten originaldrucke 
haben, während die Schriften, deren heraus- 
gäbe er nicht selbst besorgte {z. b. die pre^ * 



GENUG 



78 



GENUG 



digten über das erste buch Mose, die ausle- 
gung der zehen gepol), auch genug bieten. 
* 1) genug sein, a) wo man erbeitet, da ist 
gnug, wo man aber mit werten vmhgehet, da 
ist mangel. spr, 14, 23; der herr sprach zu 
mir, las gnug sein, sage mir dauon nicht 
mehr. 5 Mos, 3, 26 ; es ist gnug, las nu 
deine hand ab. 2 Sam. 24, 16; Elias sprach, 
es ist gnug. 1 kön, 19, 4; vnd wen (wenn) 
kein ander spruch wcre, der do beweret, das 
römische vbirkeit ausz menschlicher vnd nit 
golliclier Ordnung sey, szo were eben disser 
Spruch allein genug, von dem bapstum. 
(1520). Gj-. 

b) mit gen. : ob er (golt) gleich Tur sich 
selbs dem teuffei maus gnug ist. das 6. cap. 
Ephes. (1533). Ciij\* das yhn freylich 
Claus Narr mansz gnug were tzu antworlten. 
von beider geslalt. (1522). Bij'; in des ge- 
rechten haus ist guts gnug. spr, 15, 6; des 
dings war gnug zu atlerley werck das zu 
machen war. 2 Mos. 36, 7 ; das der leben- 
digen nicht gnug waren, sie zu begraben. 
weish. 18, 12. 

c) mit praep. : es war daran genug, weish. 
18, 25; dis sey gnug von der schatzkamer. 
2 Macc. 3, 40 ; dis sey gnug von dem* heid- 
nischen opITer. 7, 42. 

d) mit nachfolgendem dasz : es ist gnug, 
das ein jglicher lag sein eigen plage habe. 
Malth. 6, 34 ; es ist dem jünger gnug, das 
er sey wie sein meister. 10, 25; yt^t sey 
gnug, das sund beychten nit muge durch 
tzcygen dem pricster bedeut oder figurirt 
sein, euang, von den zehen auszselzigen. 
(1520). Biiij ^ ; myr ist gnug, das meyn namc 
tzu Rom auff das fest szo herlich auszgeruffen 
wirt. bulla cene domini. (1522). Aiiij^ 

2) genug haben, a) ich habe gnug, mein 
bruder. 1 Mos. 33, 9; wenn er gleich die 
fülle vnd genug hat. Hiob 20, 22; in der 
thewrung werden sie gnug haben, ps, 37, 
19 ; Ephraim spricht, ich bin reich, ich habe 
gnug. Hos. 12, 9. 

b) mit einem subsl. im gen. : bette ich hie 
. melh vnd brot, gelt vnd guts gnug. ausleg. 
der ep. vnd euang. von ostem, (1544). 
X iij ** ; las deine äugen wacker sein, so wirslu 
brots gnug haben, spr. Sal. 20, 13; wer 
seinen acker bawet wird brots gnug haben, 



wer aber müssiggang nachgehet wird armuts 
gnug haben. 28, 19 ; er hatte wassers gnug 
sich aus zubreiten. Ezech. 31,5; wir betten 
schatzs gnug gehabt. Tob. 10, 6. tm acc: 
ah das ich wasser gnug hette in meinem 
heuble. Jer. 9, 1 ; da hatten wir auch brot 
gnug. 44, 17. 

c) mit praep. : sie haben gnug am newen 
testament. vorr, auf das alte lest. Bind- 
seil 7, 309; man hat gnug am wort gottes, 
wenn man recht leren wil. Sir. 34, 8 ; der 
vnauszmeszlich geytz noch nit gnug hat an 
allen diszen schetzenn. an den christl. adel. 
(1520). Eij*; eyn gesunder glawb, deren 
yhm selb gnug hat. der 36. psalm. (1521). 
Ciiij ^ 

d) mit folgendem dasz : ich hab gnug, das 
mein son Joseph noch lebet. 1 Mos, 45, 2S. 

^) neben verb. : jr habt dis gebirge nu 
gnug vmbzogen. 3 Mos. 2, 3 ; kom, las vns 
gnug bulen. spr. 7, 18; ja sie {die diebe) 
sollen gnug stelen. Obadja v. 5; Pilatus 
aber gedachte dem volck gnug zu thun. 
Marc. 15, 15; was golt zusagt vnd gelobt, 
kan man vns nicht gnug einbilden vnd für- 
blewen. vber das erste buch Mose. (1527). 
XX j"; wir habens jhe gnug gesagt, gesungen, 
gemalt vnd auff alleriey weise gelrieben vnd 
geblewet. serm. von dem heubiman zu Ca- 
pemaum, ( 1 535). Ciij **. 

4) neben adj, oder adv.: so ist nu das 
land weit gnug für sie. I Mos. 34, 21 ; jr 
seid lang gnug an diesem berge gewesen. 5 
Mos. 1,6; berieffen sie alle die zur röstung 
alt gnug waren. 2 hon. 3, 21 ; die grübe ist 
tieff vnd weit gnug. Jes. 30, 33 ; hernach 
mus ers thewr gnug bezalen. Str. 20, 12; 
dauon ich offt gnug gesagt habe, vber das 
erste buch Mose. (1527). xij**; des koni- 
ges vnd ihener aller vnrecht zimlich gnug ge- 
strafllL ist. originalbr. v. j. 1532 in der 
bibl. zu WolfenbOUel. 

5) neben subst.t gewöhnlich im gen.: so 
wird sich verachtens vnd zorns gnug heben 
{erheben), Esth. 1, 18; ich wil jren armen 
brols gnug geben, ps, 132, 15; vnd gaben 
den kriegsknechten gelds gnug. Malth. 28, 
1 2 ; gelts gnug wird vor banden seyn. aus- 
leg. der zehen gepot, (1528). Gij'. doch 



i 



GENÜGDE 



79 



GENllGTHUUNG 



sieht auch der acc: vnd euch regen gnug 
geben. S<ich. 10, 1. 

ISeBigdCj gnügde, f. genüge, mhd, genüe- 
gede {Ben, 1, 359 ^ Lexer 864): so sie 
doch mit allem fleis also leben, das sie nur 
in rüge, fried, ehr, gemacb, gnügde vnd 
nichl im creutze oder vnruge leben mügen. 
Jen, 1, IS*; die im sause vnd gnügde des 
fleisches leben. 1,34*. 

CeBige^ gnüge (gnuge), f, salietas, suffi- 
denlia, mÄd. genüegc (Ben, 2, 359 ^ Lexer 
864), ahd, ginuogt {Graff 2, 1008): du 
Ihust deyne band auff vnd erfüllest alle thier 
mit gnuge. das 7. cap. Cor. (1523). Dj% 
var. zu ps. 104, 28 ; das der glaube ylie fein 
rein vnd lauter bliebe beyde ynn mangel vnd 
genüge, vber das erste buch Mose. (1527). 
iij * ; dieser stirbet frisch vnd gesund in allem 
reicbthum vnd voller gnüg. Hiob 21, 23 : 
igoU gibt) brot von des ackers einkomen vnd 
desselbigen volle genüge. Jes. 30, 23 ; ich 
bin komen, das sie das leben vnd volle ge- 
nüge haben sollen. Joh. 10, 10 ; das jr in 
allen dingen volle genüge (var. allerley gnuge) 
habt. 2 Cor. 9, 8. neben diesem enlschie- 
den fem. gebrauch des Wortes ist das ein- 
mal [Esth, 5, 13: an dem allen habe ich 
keinen gnüge [rar. keyne geauge]) erschei- 
nende masc. mit Frommann vorschlage 
5. 32 wohl als druekfehler anzusehen. 

flcBigea, gnügen,^entij^, hinlänglich sein, 
mhd. genüegen, genuogen (Ben. 2, 360*. 
Lexer 864), ahd. ^imo^nn (Graff 2, 1009), 
gebraucht L, 

1) unpersönlich : herr zeige vns den vater, 
so genüget vns. Joh. 14, 8. mit an: das 
yhoa (dem erzvater Jacob) nicht genügt an 
zweyen (sc. weibem), vber das erste buch 
Mose. (1527). Ssiij*. 

2) reß. stets mtl lassen verbunden: wer 
sich mit seiner crbeit neeret vnd lesst jm ge- 
nügen, der hat ein fein rügig leben. Sir. 40, 
lS;#ich habe gelernet, mir genügen lassen. 
Phil. 4, 1 1 ; wenn wir futter vnd decke ha- 
ben, so sollen wir vns lassen genügen, wider 
den Wucher zu predigen. (1540). Fj''. mit 
an : vnd sich an eynem bettgenoszcn gnugen 
lest. serm. vom ehelichen stand, (1519). 
Aiij'; ein vorteilisofaer mensch lesst jm nimcr 
gnügen an seinem teil. Str. 14, 9; las dir 



an meiner gnade genügen. 2 Cor. 12, 9 ; 
wolan ich lasse mir daran genügen dis mal. 
von den Juden. (1543). Giij^ 

fieiigig. guügig, genügsam, mhd. genüegec 
(Ben. 2, 361 \ Lexer 864): gütig, gnügig, 
mitteilig, von den concilijs. (1539). h iij*. 

IteRHgsaii; gnugsam, genügend, hinrei- 
chend, zur genüge, nüid. genuocsam (Ben, 
2, 359 ^ Lexer 866). 

1) adj. : dem ich auch nicht gnugsam bin, 
seine schuch zutragen, üiaith. 3, 1 1 ; für 
gott kein rew wirdig ist vnnd gnugsam. 
grund vnd vrsach'. (1521). h ij ' ; mit gnug- 
samer vrsach. von dem bapstum. (1520). 
Bj**; vnd stellen an yhre stat gnugsamc Ver- 
walter, ob man für dem sterben fUehen 
müge. (1527). Aiij^ 

. 2) adv, : von diesem stücke habe ich gnug- 
sam geschrieben ynn ihenem bücblin vom 
Uirckenkriege. eine heerpredigt. (1529). 
Üiiij'*; gotte, den eitern vnd schulmeistern 
kau man nimmer gnugsam dancken. deudsch 
catech. (1529). Fij '; nicht jderman solches 
meisterlied gnugsam verstehen kan. der 111. 
psalm. (1530). Aij^; an diesen vier arti- 
ckeln werden sie gnugsam (genug) zu ver- 
dammen haben im concilio. ar(tcfte( etc. 
(1538). Diij'. 

lleilgMMlickj adv, zur genüge, mhd. 
gcnuocsamllche (Lexer 866): e. g. gnug- 
sauilich auffs mehrer teil dieser artickel sich 
selb entrichten kan.* EisL 1, 118^ 

^^nmglhutff m. der satisfaction leistet : 
die menschlichen gnugtliuer. ausleg. der 
euang. von ostem. (1527). s 5*. 

üeRlgtkiiR, gnugthun, satisfaction lei- 
sten : wo der mensch recht rcwet, beichtet, 
gnugthet, so bette er damit Vergebung ver- 
dienet, artickel etc. (1538). Eiiij"; es ist 
ein groszer yrthum das yemand meyne, er 
wolle gnugthun vor seync sund. serm. von 
dem ablasz vnd gnad. (1518). Aiij *. 

lieBHgtkllR^ gnugthun, n. saiisfactio : vnd 
zu solcher busse setzten sie' drey teil, rew, 
bcicht, gnugthun. artickel etc. (1538). 
Eiij^; (der bapst sagt) glaube thuts nicht, 
sondern dein eigen rew vnd gnugthun. wider 
das bapstum. (1545). Qij\ 

^«■■gtliiiiiRg, gnugthuung, f. dasselbe: 
geben der pusz drey teyll, nemlich die rew, 



GENZE 



80 



GEPRÄNGE 



die peycht, die gnugthuuog. serm, von dem 
ablasz vnd gnade. (1518). Aj^; gnug- 
thuuDg fiir die sllnd<^ vnterricht elc, (1519). 
Aij ^ ; die beychlc besclineylle, vnd gougthü- 
ung vorwerfl ich. eine befiehl elc. (1528)« 
Aj**; clöster, so zu gnugthuung vnd able- 
giing der Sünde aiiffgericlit sind, das 16. 
ßap. g. Joh. (1538). Gij*'; die satisfactio, 
gnugthuung, isl der anfang vnd vrsprung, 
thür vnd eingang zu allen grevvcln im haps- 
tum. wider Hans Worsl. (1541). Dij^ 

lieaif j genzen, genzlich, 5. ganze, ganzen, 
gänzlich. 

Gepeii, s. gehein. 

Üeperile^ geperden, s, gebärde, gebärden. 

%tfit\tfk, gepieter, s, gebieten, gebieter. 

Vepflngt^ pari, subsl, : du feuchtest sein 
gepflügtes, ps. ()5, 11. 

fiepfcht^ picealus, pari, adj.: ein gepichte 
haut. Jud. 10, 6. 

Üeflugif pari. adj. : Mose war ein seer 
geplagter mensch. 4 Mos, 12, 3. . 

C2epilpp«r (geplepper), m. anhaltendes 
plappern, besonders vom plappergebel : das 
weibische geplepper. Jen. 1, 81''; an stat 
eines rechten gebets einjauter gewessch vnd 
geplepper wurde, das 'Ty. 6. vnd 7. cap. s. 
Mallh. (1532). gij*; ein geplepper vnd 
eitel ledig gewesch. ein ein f eilige weise zu 
belen. (1535). Bij''; so mus das die beste 
vigilj sein, welche die lengste ist vnd am mei- 
sten plappert, gerade als bette gott lust zu 
grossem vnd vielem geplepper. vom fege- 
feur. (1530). Fj'*. noch einen beleg s. 
unter gemurre. 

deplirr (geplerr), n. praesligiae: wie 
spricht er {Christus) denn hie {Joh. 17, 11), 
das er nicht mehr jnn der weit sey vml ma- 
chet ein geplerr für die äugen, als füre er 
ferne hinweg, das 17. cap. Joh. (1530). 
Lj''; {der leufel) kompt jmer widder vnd 
bringet andere rencke, damit er vns bezeu- 
bere vnd ein geplerr für den äugen mache 
mit schönem furgeben vnd schein, das 6. 
cap. Ephes. (1533). Dj'. — mhd. blerre 
u. geblerre falsches oder doppeltes sehen 
{Lexer 304. 756). vgl. auch Schmeller 
r^, 461. über die elymologie vgl. Grimm 
wlb. 1, 108 unter blerr. 

Qeflifff geplärre (geplerr), n. geschrei, 



mhd. geblere {Lexer 7 hQ): thu nur weg von 
mir das geplerr deiner lieder. Arnos 5, 23 ; 
geplerr vnd geschrey. ein widderruff vom 
fege feur. (1530». Aij'; gedone vnd ge- 
plerr jnn der kirchen. das 5. 6. vnd 7. 
cap. s. Mallh. (1532). giüj'*; wenn es 
ein lautier eusserUch geberde, gemurre odder 
geplerre ist . . . das heisset freilich nicht ge- 
betet, das 17. cap. Joh. (1530). Bj'; 
wollet solchen cseln ia nicht anders noch 
mehr antworten auff jhr vnnülze geplerre. 
vom dolmetschen. (1530). Bj''; ob etliche 
mich nu wol einen ketzer schellen ... so acht 
ich doch solch geplerre nicht gros. Jen. 1, 
59 '' ; das geplerre so man ynn kirchen vnd 
klöstern treibt, jpo^l. (1528). 295". 

(ieplimler (gepleuder), n. geplauder: 
darumb ists ein lauter tillens tellens vnd vd- 
nütze gepleuder. vom abendmal Chfisli. 
(1528). d ij ''; der geister gepleuder. ebend. 
d iiij **. 

Ileplepper, s. gepläpper. 

fieplerr^ s. geplärr. 

(lepleti^ s. geblelz. 

Ütflthier, s. geplauder. 

fiepet; s. gebot. 

(ieprägy gepräge (geprege), n. aufgepresz- 
tes zeichen oder bild: vnd fragt, wes das 
gepreg vnd vberschrilTt sey. serm. auff 
Mallh. 22. (1535).. Bij"; dis jar ist ein 
geprege wir scbawgroschen • aus dem nider- 
land heraulT komen. an Kurfürsten zu Sach- 
sen. (1545). Biij"; darümb möchte man 
billich ynn eines ignchen fromen fürstcn 
Schild ein brod setzen für ein lawen odder 
rawten krantz odder auff die müntze für das 
geprege schlagen, deudsch calech. (1529). 
Riiij^. — mhd. gebraeche i Lexer 758). 

fiepränge (gepreng, gcprenge), n. pompa, 
äuszere pracht, prunk, mhd. gebrenge (Ben. 
1, 233\ Lexer 160): Agrippas vnd Ber- 
nice kamen mit grossem geprenge. ap. gesch. 
25, 23 ; vnser geistlichen gehen jnn sc^pnem 
geberd vnd gepreng jnn der kirchen. das 5. 
6. vnd 7. cap. s. Mallh. (1532). Giij^ 
ein grosser fürst vnd bischofi selbs teuffet 
mit grossem schall vnd geprenge. von der 
heil, lauffe. (1535). Aij''; Seligkeit, die 
man mit keinem gesenge noch geprenge erk- 
langen kan. das man kinder zur schulen 



GEPRASSEL 



81 



GEAÄTU 



halten soUe. (1530) Biü*"; doch hindan 
gesetzt alle laruen vnd gespetiste vnchristlichs 
Wesens vnd geprenges. arUckeleie. (1538). 
Hj ^; alles mus eine \(eise vnd geprenge ha- 
ben, gl. zu 4 Mos. 27» 20 ; bissehoff hut 
vnd das gantz bepstlich geprenge. wider 
Hans Worst. (1541). Fmj^ auch der 
aufwand in worten : ey so schemet euch ynn 
ewr hertz hinein, das yhr *ein> solch gepreng 
treibt mit diesem stück, das diese woH eU. 
(1527). h iiij * ; da macht der euangelist eine 
vorrede vnd gepreng, wie sich Christus ge- 
stellet habe zu der predigt, das 5. 6. vndl. 
cap.s.Matth. (1532). Bj\ 

liej^nsMlj n. strepüus, getöse: da es 
{d4u fßosser des rolhen meeres) nu plötzlich 
wider zusamen schleget, wie meinst du, was 
es mus fOr ein prausen vnd geprassel gewe- 
sen sein? EüL 1, 363 ^ 

UtfTtAtj s. gebreche. 

Ütfngt, s. gepräge. 

^fftfägt^ s. gepränge. 

42epre8t| s, gebrest. , 

litfmri, s. geburl. 

^epischi s. gebüsch. 

Cmuly gerade, adj. 

1) F0**> gegensatx von ungerade: was ist 
iossen doch anders, denn eyn verbündnis, des 
wyr vnternander eins werden vber eyner 
Sachen, die wyr ynn die fahr setzen, wem sie 
werde durchs los . . . nach dem das messer 
mal odder vmbmal tregt, nach dem es gerade 
odder vngerade ist und so fort an. der prO' 
phetJona. (1526). Fj". 

2) reetus, gegensalz von krumm oder 
gebogen: so mochtistu auch sagen, ein hin- 
ckend mensch sey gerad. grund vnd vrsaeh, 
U521). n iüj^; eine gerade linie. der 110. 
psalm. (1539). Liij''; die gerade schlan- 
gen. Hiob 26, 13; wer ist die, die er auff 
gehet aus der wüsten, wie ein gerader {senk-- 
recht in die höhe steigender) rauch, hohe» 
lied 3, 6. bildlich für gerecht: das scepter 
deines reichs ist ein gerade scepter. ps. 45, 7. 

mhd, gerat, gerade (Ben. 2, 558 '^ 
Lexer 87 1), ahd. gerad ((Trajf 2, 456), doch 
nur in der ersten bedeutung, in welcher be^ 
deutung es zu goth. ra))jo die zahl gehört. 

fleradi gerade, adv. mhd. gerade {Ben. 2, 
558 •. Lexer 870). 

Dxm, Wörterbuch. II. 



1) reete, aufgerichtet: jre beine stunden 
gerade. Ezeeh. 1,7; ob er wol nichts den 
(denn) hincken kan vnd nymmer gerad gähn. 
grund vnd vrsaeh, (1521). niHj^ 

2) ttt genauer iibereinsHmmung mit dem 
objecte. a) dem orte nach : gerad oben vber 
jnen. Ezech, 1, 22. b) der zeit nach: 1542 
sinds gerade 1468 jar (sc. seü der Zerstö- 
rung Jerusalems), von den Juden. (1543). 
Aij'^. c) der beschaffenheü nach: vnd ist 
gerade wie der tod, der nicht zu settigen ist. 
Hab. 3, 1. 

3) gerade als quasi: gerade als sey die 
ganlze weit mit yhrer oberkeit gotts turnyr. 
der proph. Habacuc. (1526). ciij^; ge- 
rade als bette er recht vnd macht Zusehens 
zu rauben, von heimlichen vnd gestolen 
brieffen. (1529). Büj*; gerade ak wüste 
kein mensch, was jr hellisch, teufelisch wesen 
zu Rom sey. wider das bapstum. ( 1545). Ej ^ 

flerftibrcdit , part. v. radbr^chen, auf 
dem rad hinrichten: jr Juden würdet ja 
nimmermehr einen gehenckten oder gerad- 
brechten beiden nach seinem tode für einen 
herrn anbeten. Jen. 6, 533 ''. 

fleniMeii, als ziel ins äuge fassen, aufs 
kom nehmen, mit gen. des objeets : ich will 
nur des gewissesten geramen. deutung der 
zwo figuren. (1523). Bj'; meint ich, er 
sollt zur stubenthür hinausgehen, so gerämet 
er der thür in der Jungfer kammer. de Wette 
br. 6, 222. 

mhd. gerämen (Ben. 2, 550 ^ Lexer 
870), zu räm, ziel. 

(ierith, gerälhe (geret 2 Mos. 25, 39, 
gerete), n. ulensilia, supeUex, vasa, mhd. 
geraete (Ben. 2, 573*. Lexer 871), ahd. 
gir^ti (Graff2, 465), coli, zu rath in haus- 
rath, vorrath. L. gebraucht das wort von gs" 
räthschaßen jeder art, insbesondere steht es 

1 ) vom hausralh : leyhen heisst das, wenn 
ich jemand mein geld, gut oder gerete thu, 
das ers brauche wie lange jm not ist oder ich 
kan vnd wil . . . wie ein nachbar dem andern 
leyhet schussd, kannen, bette, kleider. wider 
den Wucher. (1540). Aüj*. 

2) von den heiligen gefäszen und gerä^ 
then der stißshmte und des tempels: vnd 
sie sollen mir ein heiligthum machen . . . wie 
ich du* ein furbUde der wonunge vnd alles 

11 



GERATHE^ 



82 



GERATHEN 



seines gereles zeigen werde, so solt jrs ma- 
chen. 2 Mos, 25, 8. 9 ; den tisch mit alle 
seinem gerete, den leuchter mit seinem ge- 
rete. 30, 27 ; vnd macht auch von feinem 
golde das gerete auff den tisch, schusseln, 
becher, kannen vnd schalen. 37, 16; gerete 
{var, geredtich) zu dem altar, ascbentöpffe, 
schauffein, kecken, kreuel, kolpfannen. 
38, 3. 

3) van der bagage des Heeres : zwei hun- 
dert blieben bei dem gerete. 1 Sam, 25, 13. 
30, 24 ; sihe da lag der weg vol kieider vnd 
gerete, welche die Syrer von sich geworffen 
hatten. 2 hon, 7, 15. 

4) vom schiffsgeräthe : vnd die schiffleute 
worffen das gerete, das im schiff war, ins 
meer, das es leichter würde. Jon, 1, 5 ; das 
geredte vnd die wahre aus dem schiff werffen. 
der proph, Jona. (1526). Diiij " . 

5) von kleidungsstücken, leinen : ein weih 
sol nicht mans gerete tragen vnd ein man sol 
nicht weiberkleider anthun. '5 Mos. 22, '5; 
es sollte ein reinlich käste seyn für leinen 
geräthe drein zu legen, de Weite br. 5, 
162. 

6) die silbern vnd gülden gerete 2 Mos. 
12, 35 (3, 22 und 11, 3 : gefess) sind klei- 
node, Schmucksachen, welche die Egypler 
den abziehenden Israeliten als ehrengaben, 
gastgeschenke, mitgäben. 

' %tnXhtn (geraten , geratten , geradten), 
mÄd. ^erÄten {Ben. 2, 579". 581". Lexer 
871), ahd. girÄtan {Graff 2, 459). bei L. 
in folgenden bedeutungen : 

1) gelingen, erwünschten erfolg, fortgang 
haben, glücklich ausfallen, gut ausschlagen : 
triegen ist, wen (wenn) die lugen geraten 
vnd angehen, bulla cene domini. (1522). 
Eij * ; vnd solcher sein anschlag ist jm auch 
etlicher massen geraten, zwo schöne predig- 
ten. (1537). Bj**; frue see deinen samen, 
vnd las deine band des abends nicht ab, denn 
du weissest nicht, ob dis oder das geraten 
wird, vnd obs beide geriete, so were es deste 
besser, pred. 11, 6; durch seine klugheit 
wird jm der betrug geraten. Dan. 8, 25; 
gott lasse dein furnemen geraten. Jud. 10, 
9 ; eim lessigen geret sein handel nicht, spr. 
12, 27. oß mit wol verbunden: wenn es 
wol geraten ist. ep. des proph. Jesaia. 



(1526). Biij"; was er macht das geret wol. 
p«. 1, 3 ; du leslest jr getreide wol geraten. 
65, 10; der gerechten wundsch mus doch 
wol geraten, spr. Sal. 11, 23; ob der herr 
seyne reyse bette lassen wol geraten, var, 
zu 1 Mos. 24, 21. zuweilen auch mit ijXi^: 
wens {wenn es) denn geschehe, das das erst 
mal vbel geriete. 2 Sam. 17, 9. von per- 
sonen : gut einschlagen : geredt nu eyn fürst, 
das er klug, frum odder eyn Christen ist, das 
ist der grossen wunder eyns. von weltlicher 
vberkeit. (1523). Ej*'; vnd sehen, das sein 
son so geraten were. die kl. anttoort. 
(1533). Gij**; vnd geret doch zu weilen 
eine tochter bas, denn der son. Sir. 36, 23 ; 
wie giengs dem lieben Abraham, dem sein 
son Ismael auch nicht geriet, das man kin- 
der zur schulen halten solle. (1530). Diij^ 

2) zu etwas geraten, wozu dienen, etwas 
bewirken, zur folge haben: es gerate zum 
krieg odder zur auffrur. wamunge an s, L 
Deudschen, (1531). Aiiij"; wo du jren 
göttern dienest, wird dirs zum ergemis gera- 
ten. 2 Mos, 23, 33 ; ich wil sie jm geben, 
das sie jm zum fall gerate. iSam, 18, 21 ; 
es gerate zum tod oder zum leben. 2 Sam. 

15, 21; vnd das geriet zur sünde. 1 kön. 
12, 30; das ist nur mehr zur Forderung des 
euangelij geraten. Phil. 1, 12. 

3) wohin kommen, gelangen : das du nicht 
geratest an eines andern weih. spr. Sai. 2, 
16; das dein hertz nicht an sie gerate. Sir. 
9, 13; an den bettelstab geraten, hauspost. 
(»FtUemft. 1545). festteil. 81"; — wenn 
solchs auff den predigstul gerett. das 15. 
cap. der ersten ep. s. Pauli an die Cor. 
(1534). Aiij**; das sie nicht auff eine tor- 
heit geraten, ps. 85, 9; das du nicht gera- 
lest auff den weg der bösen, spr. 2, 12; 
— wenn er ynn solchen stand geratten were 
vnfalls halben, wider den falsch genanten 
geistl. stand. (1522). Hij*; nu ists in an- 
dern verstand geraten, von den Juden. 
(1543). Gij^; in den jrthum geraten, weish. 
12, 24; in schlemmen vnd vnkeuscheit ge- 
raten. Sir, 23, 1 ; — vnd der geist des 
herrn geriet vber jn. rieht. 14, 6; vnd der 
geist des herrn geriet vber Dauid. 1 Sam. 

16, 13 ; des andern tags geriet der böse geist 
von gott vber Saul. 18, 10; — las mich 



GERATUEN 



83 



GERECHT 



nicht vnter die lessterer geraten. Str. 23» 
1 ; wenns erst gerett vnter die gelerten. das 
15. cap, der 1. ep, s, PauU an die Cor, 

(1534). züj^ 

4) mit gen, enlraihen, entbehren: eyn 
man kan eyns weybs nicht geratten. wider 
den falsch genanten geistl. stand. (1522). 
Hij^; vnd steht nicht ynn seyner macht der- 
selben {der ehe) zu geratten. das 7. eop. 
Cor. (1523). Eij^; wo man der eyns ge- 
ratten must, besser wer das wyr der werck 
vnd hystory mangleten, denn des worts vnd 
der lere. ep. s. Petri gepredigt. (1523). 
Aij * ; so kan auch die Christenheit wol sol- 
cher bischoue vnd bepste geraten, verma- 
nung an die geistUchen. (1530). Ej^; als 
wenig wir essens vnd trinckens geraten kön- 
nen» so wenig können wir anfechtung vnd 
leidens geraten, serm. vom creuUt. (1531). 
Gij*; das man meiner vnd meines gleichen 
bücher wol geraten kündte. eatalogus. 
(1533). Aij^ er (Christns) kan jrer (der 
fursten) hülffe leichter geraten, weder sie 
können setner hülffe geraten, von den coit- 
ciUjs. (1539J. Aüj*; 

herschafft one schütz, 

reichthumb one nutz, 

richter one recht, 

lotter vnd spilzknecht 

mag man auff erden wol gerathen. 
tUehr. 437 ^ 

lientheiy part. adj. gnt ausgefallen, ge» 
diehen: ein seer wol geraten bilde, mder 
Hans Worst. (1541). Eiiij^ 

Utnthem, n. das gelingen j gedeihen: 
wissen, das gott müsse das gedeyen vnd ge- 
raten geben jnn vnser erbeit vnd huet. der 
segen, so man nach der messe spricht. 
(1532). Aiij" ; es ligt doch alles am geraten. 
gl. xupred. Sal. 8, 17. 

fier&tUete (geretlin), n. kleines geräth: 
wir legten vnser geretlin ab. gl. xu apost. 
geseh. 21, 15 ; sich mit mentelin vnd andern 
geringen geretlin decken, hauspost. (Wit- 
temh. 1545). winterteil 16*; es hat mir 
herr Johann Pommer geschrieben aus Ham- 
burg, wie er sich gerüstet wieder anher zu 
kommen vnd schon sein geräthlein etlichs 
voran geschickt, de Wette br. 3, 452. 
ficriirh (gereuch), n. rauchwerk: das 



sol das tegUch gereuch sein. 2 Mos. 30» 8 ; 
jr solt kein frembd gereuch drauff thun. v. 
9 ; wie ein gereuch von myrrhen. hoheUed 
3, 6. 

mhd. gerouche, das rauchen {Lexer 
886). 

Ceräife (gereuffe), n. rauferei, mhd. ge- 
röufe (Lexer 887). beleg s. unter gekrätze. 

flerker, m. cortarti». mhd. gerwer (Ben. 
1,481^): Simon, der ein gerber war. op. 
gesch. 9, 43. 10, 6 ; in dem hause des ger- 
bers. 10, 32 ; ein schuster oder gerber. von 
den concilijs. (1539). Zij ^. 

Cerecht, justus, mhd, ger^t (Ben. 2, 
616*. Lexer 874), ahd. giröht, doch nur 
in der bed. rectus (Graff 2, 410), golh. 
garaihts. 

1) adj. a) praedic. : das wyr auff deutsch 
sagenn , das ist ein frum man , das saget die 
schrifft, der ist iustus, rechtfertig odder ge- 
recht, ausleg, der ep. vnd euang. des ad- 
uents. (1522). Eij*; der herr ist gerecht. 
2 Mos. 9, 27 ; trew ist gott vnd kein böses 
an jm, gerecht vnd from ist er. 5 Mos. 32, 
4 ; Saul sprach zu Dauid , du bist gerechter 
denn ich. 1 Sam. 24, 18; wie mag ein 
mensch gerechter sein denn gott. Hiob 4, 
17 ; für dir. ist kein lebendiger gerecht, ps. 
143, 2; wer recht thut, der ist gerecht. 1 
Joh. 3, 7 ; wer aber an diesen (Christus) 
gleubet, der ist gerecht, ap. gesch. 13, 39; 
auff das er allein gerecht sey vnd gerecht 
mache den, der da ist des glaubens an Jhesu. 
Rom. 3, 26. 

b) attrib.: diese gottlosen leute haben einen 
gerechten man erwürget. 2 Sam. 4, 11; 
der gerechte herrscher. 23, 3 ; du gerechter 
gott. ps. 1, 10; das gerechte volck. Jes. 
26, 2; gottes gerechter zorn. 2 Macc. 9, 
18; gerechte sitten vnd gebot. 5 Mos. 4, 8« 

2) subst. der gerechte: das sey ferne von 
dir, das du das thust vnd tödtest den gerech- 
ten mit den gottlosen, das der gerechte sey 
gleich wie der gottlose. 1 Mos. 18» 25; der 
gott des gerechten. 5 Mos. 33, 26; von 
dem gerechten. Hiob 38, 7 ; der herr prüfet 
den gerechten, ps. 11, 5; seidfröUch jr ge- 
rechten. 32, 11 ; ein gerechter. 37, 16. 

flereckt^ adv. juste : gerecht leben. Tit. 
2, 12. , 

11* 



GERECHT 



84 



GEREGIEREN 



CerecU, n. recht, mhd. geröht, geruhte 
{Ben. 2, 617*. Lexer 875): wan ich das 
sage, szo spricht man , ich widderstrebe dem 
pabst vnnd geystlichen gerecht, vnterricht, 
(1519). Aij^;das auch ettlich geystlich ge- 
recht sagen, groszer serm. v. d. toucfcer. 
(1520). aiij*. 

flereehtferflgi s.v.a. rechtfertig, gerecht : 
dan das ich nit gereehtfertig (in der ausleg. : 
das ich ein sunder) byn, wil ich vorkundigen. 
var. zu ps. 38, 19 bei Bindseil. substan- 
tivisch : der gerechtfertige wird leben durch 
seinen glauben, post. (1528). 93*, var. 
XU Rom. \, 17. 

Clerechtferdgt^ s. rechtfertigen. 

Clerechtigkeit (anfangs gerechtickeit), f. 
mhd. geröhlecheit {Ben. 2, 617*. Lexer 
875). 

i)justilia. 

a) als göttliche eigenschaft: gott die 
ewige, bestendige, wesende vnd nymer wan- 
delbare gerechtickeit selb ist. die sieben 
buszpsalmen. (1517). D 5 ^ ; gerechtigkeit 
des herrn. rieht. 5, 11; herr, errette mich 
durch deine gerechtigkeit. ps. 31, '2; herr 
mein gott, richte mich nach deiner gerechtig- 
keit. 35, 24; gott, deine gerechtigkeit ist 
hoch. 71, 19. 

b) die menschliche gerechtigkeit und 
zwar a) als lebensgerechtigkeit, werkgerech- 
Ugkeit, gesetzesgerechtigkeit: gerechtickeit 
ist, das man thut eim yeden was yhm gepürt. 
post. (1528). 76*; gerechtigkeit heisst jnn 
der weit vnd nach aller vemunfft solch regi- 
ment vnd wesen, so man lebt nach gesetzen 
vnd gepoten. das 16. cap, Joh. (1538). 
Mj ^ ; so ist nu dieses priesters schmuck ge- 
rechtickeit, das sind alle lügende als liebe, trew, 
freude, friede vnd summa wie sie s. Paulus Tit. 1 
vnd 2 Tim. 4 erzelet. der proph. Saeharja. 
(1528). Vj^; gerechtickeit heist hie die liebe 
vnd barmhertzickeit, damit sie gegen den ne- 
histen recht thun. ebend. Yiiij*; gerechtig- 
keit erhöhet ein volck, aber die sünde ist der 
leute verderben, spr. Sal. 14, 34 ; habt ge- 
rechtigkeit lieb, jr regenten auCf erden, wei^h. 
1, 1. es heiszt der gerechtigkeit nachjagen. 
spr, 15, 9; in gerechtigkeit wandeln. Jes. 
33, 15; g. tiben. 64, 5; g. handhaben. 1 



chron. 19, 14. -<^ ß) als glaubensgerech' 
tigkeit, d. i. die dem glauben zugerechnete 
gerechtigkeit Christi : sintemal darinnen (im 
evangeUum) offenbaret wird die gerechtig- 
keit, die vor golt gilt, welche kompt aus 
glauben in glauben. Rom, 1, 17 ; Abraham 
hat gott g«glenbet vnd das ist jm zur gerech- 
tigkeit gerechnet. 4, 3 ; nach welcher weise 
auch Dauid sagt, das die Seligkeit sey alleiii 
des menschen, welchem gott zurechenet die 
gerechtigkeit on zuthun der wer<^. v. 6. 

2) gerechtsame : es solle das bistumb hie 
mit nicht zu rissen werden, sondern ein frey 
corpus bleiben wie zuuor mit aller seino* ge- 
rechtigkeit, denn wie wir müssen die pfar- 
güter vnd jre gerechtigkeit nicht reissen von 
den pfarhen. exempet etc. (1542). Jij*. 

4ieredeii zusctgen, versprechen, gelobenf, 
mhd. gereden {Ben. 2, 605*. Lexer 873). 

a) da wird yhm so bange, das er nyder 
feilet, bitt gnade vnd geredt mehr, denn er 
hat vnd bezalen kan. serm. an dem 23. 
sontag n. Ir. (152i3?). Aiiij^; wer viel ge- 
redt vnd helt nicht, spr. 25, 14 ; ich ballte 
meyns vermugens was ich geredt habe, das 
7. cap. Cor. (1523). Aij*; so heysst war- 
heyt, trew, das man sich auff einen verlassen 
darff . . . vnd der selbe halte was er geredt 
Bindseil 7, 329. 

b) mit dai. der person und acc, der 
Sache: auch szo gereden die priester nit 
gotte, szondern dem bapst an teuffels statt 
yhr keuscheyt. wider den falsch genanten 
geistL stand. (1522). Giiij^; bis er [der 
teufet) zu letzt ein alte wetterhure anrichtet, 
der geredet er ein rot par schuch, .wo sie die 
zwey eheleut kondte vneins machen, das 14. 
vnd 15. cap. s. Joh, (1538). mmraiiij^; 
der herr kund sie nicht ins land bringen, das 
er jnen geredt hatte. 5 Mos. 9, 28. 

c) mit infin. oder abhängigem saize: 
das er dem bischoff in keinem weg gerede 
keuscheit zu halten, an den christl. adel. 
(1520). Hj*; ich wil nicht mehr gereden 
fromb zu sein, tischr, 146*; vnd geredet jm 
mit einem eide, wenn er von seinem yeler- 
liehen gesetze abtreten wolt, so solt er einen 
gnedigen herrn an jm haben. 2 Macc. 7, 
24. 

Ceregieren, s. die partikel ge 4). 



GEREINIGTE 



85 



GERICHT 



ifreiygtCy m. das pari, gereinigt iubtt. : 
der gereinigete. 3 Mos, 14, 8; des gereinig- 
ten. V. 18; den gereinigten, v. 19; dem 
gereinigten, v. 29. 

Cereisi (gereiss), n. das reissen : wie solt 
ein gereiss vmb die liebe tauff sein, haus-' 
post. (ir»a0md. 1545). ftsU^ü^lK 

%tftm gern, m. schosi, rocksehosx: da 
breitet ich meinen gern vber dich. Ezech. 
1 6, 8 ; wenn jemand beilig fleisch trüge in 
seines kleides geren. Hagg. 2, 13. nach 
dem grundUxie {i\^^ flügel, Mipfel des ober^ 
kleides oder des mantels, der hei nacht zur 
decke Hernie. 

von mhd. g^re {Ben. l, 499*. Lexer 
869), ahd. g^o kteinia, zwickel {Graff 4, 
225). 

(SeretCj s. geräth. 

Cerellla, s. geräthlein. 

Ccrettck, s. geräuch. 

fienetett (gerewen), poenitere, reuen» 
mM. geriuwen {Ben. 2, 750 ^ Lexer 884) ; 
nur unpers. mit persönlichem objeei : gott 
gedacht, es möcht das volck gerewen {sc. der 
auszug aus Egypien). 2 Mos. 13, 17; also 
gerewet den herrn das vbel. 32, 14; vnd 
wird sie gerewen die bosheit. Ezech, 6, 9 ; 
als denn wird euch ewer {eure) sünde vnd 
abgötterey gerewen. 36, 31 ; eine rewe, die 
niemand gerewet. 2 Cor, 7, 10. das pari., 
wie mhd., noch stark : vnd jn nicht gerewen 
hat. Jer. 20. 16; denn es hat mich schon 
gerewen das vbel. 42, 10; hat dich der 
ßchimpff gerewen ? Jen. 1, 359 ^ 

Umrtmte, s. geräufe. 

fierich^ gerichte, n. mhd. geriht, gerthte 
{Ben. 2, 646*^ — 649". Lexer 880), ahd, 
girihti {Graff 2, 417). in zwei hauptbedeu^ 
lungen. 

1) Judicium, a) ort und personal des 
geriehts fiieszen häußg in einander: sey 
nictit zenckiscb- f ur gericht. Sir. 4, 7 ; wiltu 
das gestehen vnd öffentlich für gericht beken- 
nea vnd bezeugen? von ehesachen. (1530). 
Gij * ; wie die lasen zungendresscher für Be- 
richt Xhun. von den Juden, (1543). biiij*; 
vnd ist ein gemeine plage ynn der weit , das 
ym gericht .seltien frome leut sitzen, deudsch 
caiech, (1529). Kij*; wenn ein hadder ist 
zwisschen mennern, so sol man sie für gericht 



bringen vnd sie richten. 5 Mos. 25, 1 ; er 
ist nicht mein gleiche, dem ich antworten 
möchte, das wir für gerichte mit einander 
kernen. Hiob 9, 32 ; meinstu er wird sieh 
für dir furchten dich zu strafen vnd mit dir 
für gericht tretten? 22, 4; keret wider vmb 
fürs gericht. Susanna 49 ; die reichen ziehen 
euch für gerichte. Jac. 2, 6. 

b) die handhabung der gerechiigkeit, des 
riehUranUes, das gerichlsverfahren mit ein* 
schlusz des uriheilsspruehes und dessen 
Vollstreckung: gerichte, wdches heisst nidit 
anders, denn (wie wir auch dauon reden) da 
man handelt vnd vrteilet zwischen zweierley 
streitigen parten, welches recht oder vnrecbt 
habe, vnd fasset zu gleich die beide stück, 
welche müssen alle zeit im gerichishandd 
sein, gnade vnd zorn, odder hülfe vnd straffe, 
eines das der vnschüldiger ledig gesprochen 
vnd jm zu recht geholfen wird, das ander, 
das der schuldige verdampt vnd gestraffet 
wird, doch wird es fast am meisten ge- 
braucht für das ander teil des geriehts oder 
rechtspruchs, nemlich für verdamnen vnd von 
dem folge oder execution desselben, ausleg* 
det ep. vnd euang. von oslem. (1544). 
Q 5 ^ ; wer einen todschlag gethan hat, der 
ist erstlich schuldig des geriehts, das ist, das 
man jn furstelle, zu jm klage vnd ein vrteil 
vber jn feile, das 5. 6. vnd 7. eap. s. 
Malih. (1532). Rj^ in diesem sinne häu- 
fig in der bibel: keine person solt jr im ge- 
richt ansehen. 5 Mos. 1, 17; das sie das 
volck richten mit rechtem gericht. 16, 18; 
darumb bleiben die gottlosen nicht im ge- 
richte. ps. 1 , 5 ; er {der herr) hat einen 
stuel bereitet zum gericht. 9, 8; daselbst 
sitzen die stttle zum gericht 122, 5; alle 
zunge so sich wider dich setzt, soltu im ge- 
richt verdamnen. Jes. 54, 17; es wird gar 
ein scharf gericht gehen vl)er die oberherrn. 
weish, 6, 6 ; es wird aber ein vnbarmliertzig 
gericht vber den gehen, der nicht barmher- 
tzigkeit gethan hat. Jac. 2, 13; öffentlich 
gericht. der proph, Jona. (1526). Eiiij'. 
das jüngste gericht, das endgerichl, weltge^^ 
rieht : vorzeiten da die maier das jüngste ge- 
richt maleten. wider Hans Worst. (1541). 
Eiiij ^ ; da aber Paulus redet von dem zukünff- 
tigen gerichte. ap. geseh, 24, 25 ; es wird 



GERICHT 



86 



GERING 



Tyro vnd Sidon treulicher ergeben am ge- 
richte» denn euch. Luc, 10, 14. es heiszl 
gericht halten, handhaben, zu gericht sitzen, 
a%€h blosz gericht sitzen, das gericht hegen : 
eine halle, darin man gericht hielt. 1 hon, 
1,1; wenn wiltu gericht halten vber meine 
Verfolger? p«. 119, 84; Dauid handhabet 
gericht vnd gerechtigkeit. 1 cAroti. 19, 14; 
ein geist des rechts, dem der zu gericht sitzt. 
Jes. 28, 6; wenn sie solten gericht sitzen 
vnd etwa ein blut vrteil sprechen, zwo 
hochzeilpredigten. (1536). Aiiij^; der 
amptman Ues gericht sitzen vnd den bapst 
mit den cardinelen verklagen, trider das 
bapstum. (1545). Dii]**; ein richter sol er 
zwar sein, aber jnn der zukiinfftigen weit, da 
er wird sein gericht hegen vnd halten am 
jüngsten tage, das 53. cap, Jes, (1539). 
Jiiij^ 

c) gericht — ■ urtheü : die engel nicht er- 
tragen das lesterliche geriebt wider sich vom 
herrn. 2 Petr. 2, 1 1 ; mit welcherley ge- 
richte jr richtet, werdet jr gerichtet werden. 
Matth, 7, 2; richtet nicht nach dem ansehen, 
sondern richtet ein recht gerichle. Joh. 7, 
24; du hast das gericht lassen hören vom 
hymel. ps. 76, 9 var. 

d) gericht <=» Strafgericht, strafe: ich wil 
euch erlösen durch grosse gerichte. 2 Mos. 
6, 6 ; der herr hatte auch an jren göttern ge- 
richte geübt. 4 Mos. 33, 4 ; auch thetten 
sie an Joas gerichte. 2 chron. 24, 24 var. 

e) in den ersten ausgg. der bibel begegnet 
das wort gericht noch in einigen andern be- 
deutungen , worüber sich L, in der vorrede 
auf den psalter {Bindseil 1 , 329) auS' 
spricht: das wörtlin gericht, wens alleyne 
stehet heysst es ettwa eyn richterampt, als 
psalm 7 (v, 7) erwecke das gericht das du 
gepotten hast vnd richten heysst denn regiern. 
ettwa heysst es gottes gepott als psalm civ iij 
(1 19, 26) lere mich deyue gerichte. item eyne 
gewonheyt odder recht, als exo. xxij (21, 
9) er soll mit yhr thun nach dem gericht der 
tochter, das ist tochter recht, odder wie man 
eyner tochter pflegt zu thun etc. wens aber 
bey dem wort gerechtickeyt steht, so ist es 
des gerichts werck die helfft, nemlich das vr- 
teyl da mit das gotttos vnd vnrecht verurteylt, 
gciiasset vnd gestrafft wird. 



2) angerichtete speise: vnd Jacob kocht 
ein gerichte. 1 Mos, 25, 29 ; las mich ko- 
sten das rote gericht. v. 30; ein gericht 
kraut, spr, 15, 17; ein herrlich gros mal 
mit vnaussprechlichen gerichten. zwo pre^ 
digt, (1535). Ej\ 

Cerichtanty n. das richteramt: das ge- 
richtamt ist gottes. 5 Mos, 1, 17. 

Cericktshattdel^ m, \) das gerichtsver- 
fahren : die beide stück müssen allzeit im ge- 
richtshandel sein , gnade vnd zom. ausleg. 
der ep, vnd euang. von ostem, (1544). 

Q5^ 

2) Streitsache vor gericht: vnd ist zwi- 
schen ym (gott) vnnd den selben (den selbst-^ 
gerechten) ann vnderlasz ein kriegischer ge- 
richtshandell. die sieben buszpsalm. (1517). 
5**; am sechsten ( 1 Cor, 6) strafft er die 
gerichtshendel als vnclu-isüich wesen. Bind" 
seil 7, 450 anmerk. 10 ; item, das man nicht 
gerichtshendel haben sol. post, (1528). 
235*; das (dasz) gerichtshendel sind ist 
nicht das beste, were besser es were keiner. 
Jen. 1, 74*^. 

CerichtMrdiiiiig, f. Ordnung in gerichls- 
Sachen : das ander stücke christlicher freiheit 
ist, das vns Christus nicht bindet an die cere- 
monien vnd genchtsordnung des gesetzs Mosi, 
sondern das Christen mügen brauchen ge- 
richtsordnung aller lender. vnterricht der 
visitatom. (1538). Jüj *. 

Clerichtsstihl 9 m. richterstuhl, rieht- 
stuhl: da er (Pilatus) auff dem gerichtstuel 
sasz, schickte zu yhm seyn weyb. MaUh. 27, 
1 9 var. ; wyr werden alle für dem gericht- 
stuel Christi dargestellet werden. Rom, 14, 
1 var. ; alle menschen, alle engel vnd teu- 
fel für seinem gerichtsstuel komen müssen. 
Jen, 1, 250 ^ 

derlttg, geringe^ adj. parvus, exiguus, 
mAd. geringe (Ben. 2, 7lP. Lexer SS2). 

1) gering, klein an zahl: ich bin ein ge- 
ringer hauffe. 1 Mos, 34, 30 ; der {der erz- 
vater Jacob) zoch hinab in Egypten vnd war 
daselbs ein frembdling mit geringem volck 
vnd ward daselbs ein gros, starck vnd viel 
volck. 5 Mos. 26, 6. 

2) gering, niedrig an werih, werihlos: 
alles gold ist gegen sie wie geringer sand. 
weish, 7, 9; vnd regierte den gerechten 



GERINGE 



87 



GERN 



durch ein geringe hol tz. 10, 4; nichts ge- 
ringers vnd verachters bt denn eyn dürr 
bhd. der proph. Jona. (1526). Hj'. 

3) gering an innerer gikte, innerem ge^ 
halt, schlecht: secke anzihen ist aulT ebreisch 
gered, das es heyst geringe kleider antbun. 
der proph. Jona. (1526). Jiiij*; das kind 
(Jesus) hat neerlich geringe, arme windelin. 
hauspost» (Jhena 1559). 45S*; es ist bes- 
ser geringe naning vnter einem bretern eigdn 
dach, denn köstJicher tisch vnter den fremb- 
den. Sir. 29, 29 ; jederman gibt zum ersten 
guten wein , vnd wenn sie truocken worden 
sind, als denn den geringern. Joh. 2, 10; 
solch elendt barmhertzig kuchen laiin wol 
werdt were eyns geringen deutschs. ein 
bepstlieh brew. (1523). Rij*. 

4) gering der bedeutung, wiehUgkeit 
nach, unerheblich, unbedeutend: wo aber 
eine grosse sache ist, das sie die selb an dich 
bringen, vnd sie alle geringe Sachen richten» 
2 Mos. 18, 22; vnd gott wircket nicht ge- 
ringe thaten durch die hende Pauli, ap, 
gesch. 19, 11; nach dir wird ein ander kö- 
nigreich auffkomen, geringer denn deines. 
Dan. 2, 39; — darumb ist mein rat, das 
man die rüstung nicht so geringe anschlahe. 
vom kriege wider d. T. (1529). Hj\ 

5) gering der Würdigkeit nach, untotir- 
dig: ich bin zu geringe aller bannhertzigkeit 
vnd aller trewe. 1 Mos. 32, 10; ich bin 
der geringste vnter den aposteln , als der ich 
nicht werd bin, das ich ein apostel heisse, 
darumb das ich die gemeine gottes verfolget 
habe. 1 Cor. 15, 9. 

6) gering dem stände, der würde nach, 
nicht vornehm, arm : ich aber bin ein armer 
geringer man. 1 Sam, IS, 23; von dem ge- 
ringen volck, das nichts hatte, lies zur selbi- 
gen zeit Nebusar Adan der heubtman etliche 
im lande Juda. Jer. 39, 10. substantivisch: 
er wird gnedig sein den geringen vnd armen. 
ps. 72, 13; wer dem geringen gewalt thut, 
der lestert desselben schepffer. spr, Sal. 14, 
31. 

Üedmfjjtf adv. wenig, mhd, geringe {Ben. 
2, 712*. Lexer 882): da er sein leben ge- 
ringe bedachte. Phil. 2, 30. 

Clcriigenii verringern, vermindern: gott 
seine dienst vorkurtzen vnd geringern. von 



den guten wereken. (1520). Aiij^; also 
wird das los vnsers erbteils geringen. 4 
Mos. 36, 3. — mhd. geringern {Ben. 2, 
712 ^ Lexer SS3). 

Utfimgtwmmgj f. Verminderung: das ist 
von predigen vnd leren gesagt, die zu des 
glaubens besserung oder geringerung geleret 
werden, gl. xu 1 Cor. 3, 12. 

4ieriigigkdt (geringickeit), f. niedrigkeit: 
vnser geringikeit. ausleg. der ep. vnd euang. 
von ostem etc. (1544). E 5^ 

flcriigU<;k, adv. gern und schneU, 
leicht, ohne Schwierigkeit, mhd. gerincltche 
{Ben. 2, 713'. Lexer 882): hat aber yr- 
gend einer seinen nehisten ermordet , so ists 
yhm viel geringlfcher vergeben worden, denn 
das er ein kirche odder kirchoff entweihet 
bette, ausleg, der euang, an den /ümettit- 
sten festen. (1527). Q7^;vnd verdorren 
gleich dem gras vnd noch geringlicher. auS' 
leg. schöner Sprüche. (1549). Jj*. infoU 
gender stelle steht es adj. im sinne von ge* 
ringj unwerth, unwichtig: noch kompt michs 
so sawr vnd schwer an, diesen artikel im 
hertzen zu erhalten, das ich jn trawen nicht 
wil noch kan so verachten vnd geringlich hal- 
ten, das \%. cap. s. Joh. (1538). Bbiiij*. 

^tilwätm^ XU festerem sein {zustande) zu- 
sammenrinnen : hastu mich nicht wie milch 
gemolcken vnd wie kese lassen gerinnen. 
Hiob 10, 10. — mhd, gerinnen {Ben. 2, 
717 *. Lexer 883), ahd. girinnan {Graff 2, 
514). 

dem, genie^ adv, mhd. gern, ggrne {Ben. 
1, 534. Lexer SSb), ahd. gSruo {Graff A, 
233). anfangs bietet L. noch den in der 
älteren spräche üblichen compar. gerner 
=M lieber : ob er sonst gemer stürb. serm, 
von der bereitung xum sterben. (1519). 
a u] •. 

1) libenter, mit freude, bereitwillig: sein 
vater (Isaac) nicht gern sähe die töchter Ca- 
naan. 1 Mos. 28, 8 ; ich wil nu gerne ster- 
ben. 49, 30 ; alle die es gerne vnd wilhg- 
lieh gaben. 2 Mos. 35, 21; mein hertz 
frewet sich, das du so gerne hilffest, ps, 13, 
6; er ist alle zeit barmhertzig vnd leihet 
gerne. 37, 26; deinen willen, mein gott, 
thu ich gerne. 40, 9 ; völcker die da gern 
kriegen. 68, 31; gerne haddem. spr, 20, 



GERNEGAST 



88 



GERCCHT 



3 ; got ist szo beraten, das er die schreyen- 
den vnd clagende gerne hört, die sieben 
husxpsalm. (1517). Bij*; ich lasse es von 
hertzen gerne zu» das das abendmal an sacra- 
mentsey. vom abendmal Chriiti, (1528). 
q iiij * ; die hofejunckern vnd amptleute sind 
gerne frey. der iO\. psalm, (1534). Fiij^ 
oft dient es zur erhöhung des optaUven 
ausdruckes: eins bitte ich vom herm, das 
bette ich gerne, ps. 21, 4 ; ich wolt gerne 
hin gehen mit dem haaffen vnd mit jnen wal- 
len zum hause gottes. 42, 5 ; deine knechte 
wollen gerne, das sie (Zion) gebawet würde 
vnd sehen {sähen) gerne, das jre steine vnd 
kalck zugericht würde. 102, 15; o wie 
gerne wolte ich, dasz jre confutation an tag 
keme. Uschr. 371 ^ 

2) mit leichtigkeit , leicht möglieh: das 
(schwert Joabs) gieng gerne aus vnd ein. 2 
Sam, 20, 8 ; er {der rabinen und gramma^ 
listen verstand [»» Verständnis, auslegung]) 
klebt on das von jm selber allzu gern an, wie 
pech vnd leym, wenn man sich gleich wil 
fürsetzlich da für hüeten. die letzten worte 
Dauids. (1543). Aiiij*. 

Ceriegast^ gerngast , m. wer sich gern 
als gast aufdrängt: das sind die tellerlecker, 
suchen trüncke vnd gemgeste (die 1533 bei 
G, Rhaw erschienene ausg. des Jesus Sp- 
rach hat gemegeste), die faulen schelmen, die 
nichts thun wollen. gL zu Sir, 40, 29 bei 
BindseiL 

Cerste, gerstei^ f. hordeum, mhd. garste 
{Ben, 1, 499 ^ Lexer 887), ahd, g(§rstä 
{Graff 4, 265)* noch mit schwacher bie- 
gung, woher auch der nom. sg. gersten : die 
gersten hatte geschosset. 2 Mos. 9, 31 ; ein 
homor gersten. 3 Mos, 27, 16; es war bey 
eim epha gersten. Ruih, 2, 17 ; Boas worf- 
feit diese nacht gersten. 3, 2; der herbst 
bringt körn, gersten, habern. der ^b.psalm. 
(1534). Jij^ 

Hentei^ adj, hordeaceus, von gersle, 
mhd. girstin (Ben. 1, 499^. Lexer 1021), 
ahd, girsttn {Graff 4, 265): ein geröstet 
gersten brot. rieht. 7, 13; es ist ein knabe 
hie, der hat fünff gersten brot. Joh. 6, 9 ; 
den zehenden epha gersten melhs. 4 Mos. 5, 
1 5. heute gerstenbrot, gerstenmehl. 

SenteienitCi f. es war aber vmb die zeit 



das die gersten erndte angieng. Ruth, t, 22 ; 
bis das die gerstenernd vnd weitzenemd aus 
war. 2, 23; wenn die gerstenerndte ange- 
het. 7, Sam. 21/9; in der gerstenemdte. 
Judith 8, 2. 

flcnteBliickei, m. huchen «cm gersten- 
mehl: gerstenkuchen soltu essen. Ezech. 
4, 12. 

Cericb^ m. odor, odoratus, mhd. geruch 
{Lexer 888)> v. riechen. 

1) der geruchsinn: so viel ich dem ge- 
ruch meiner nasen nachspüren vnd vrteilen 
kan. ein dialogus. (1545). Aiij^ 

2) odor: vnd der herr roch den lieblichen 
geruch. 1 Mos. 8, 21 ; da roch er den ge- 
ruch seiner kleider vnd segnet jn vnd sprach : 
süie, der geruch meins sons ist wie ein ge- 
ruch des feldes, das der herr gesegnet hat. 
27, 27 ; der geruch deiner salben vbertrilft 
alle würtze. hohelied 4 , 10; ein süsser 

• 

geruch. 2 Mos. 29, 18; ein guter geruch. 
2 Cor. 2, 15; der psalter trefflichen edlen 
geruch von sich gab. Bindseil 7, 317. 

3) ruf, gerücht: der herr sehe auff euch 
vnd richte es, das jr vnsern geruch habt 
»tincken gemacht für Pharao. 2 Mos. 5, 21. 

flerikiit (gerucht), geriehte, n. mhd. ge- 
rücht, gerücht {Ben. 2, 803 * unter geruo- 
chede. Lexer 888), zu riechen. 

*1) odor, geruch: das wort gotts ist ymer 
heylsam, obs wol den gottlosen eyne giffi 
vnd gerücht des tods zum tod ist. das ander 
leyl Widder die hymL propheten. (152?). 
Mij». vgl. 2 Cor. 2, 16. 

2) fama, umlaufendes gerede wovon: 
da sie das gerüchte höret, das die lade gottes 
genomen vnd jr schweher vnd man tod war. 
1 Sam. 4, 19; kam das gerüchte für Dauid, 
das Absalom bette alle kinder des königs er- 
schlagen. 2 Sam. 13, 30; Mardachai war 
gros im hause des königes vnd sein gerüchte 
erschall in allen lendern. Esth. 9, 4 ; sein 
[Jesu) gerucht erschal in das gantz Syrien- 
land. Matth. 4, 24; zu der zeit kam das ge- 
rüchte von Jhesu für den vierfürsten Hero- 
des. 14, 1 ; von eyner predigt, die dodi der 
könig selbs nicht höret, sondern nur das ge- 
rächte dauon vernam. der proph. Jona. 
(1526). Aiij*. gutes gerücht, guter ruf 
guter name : ein gut gerücht machet das ge- 



GERÜHLICH 



89 



GESANG 



beine fett. spr. SaL 15, 30 ; ein gut gerächt 
aus fernen landen ist wie kalt nasser einer 
durstigen seele. 25, 25; ein gut gerücht ist 
besser denn gute salbe, pred, SaL 1, 2; 
menner die ein gut gerücht haben, ap, ge$ch. 
6, 3. einmal steht atich das einfache ge- 
rücht «» guter name: das gerücht ist köst- 
licher denn gros reichthüm. spr, SaL 22, 1. 
böses gerücht, üble nachrede: auff das dirs 
Dicht vbel spreche der es höret vnd dein böse 
gerücht nimer ablasse. 25, 10; durch böse 
gerüchte vnd gute gerüchte. 2 Cor, 6, 8. 

(ierihlichy L. gerüglich (geruglich), ruhig, 
1) adj,: auff das wir ein gerüglich (erste 
ausg. des n. lest, gerüglich) vnd stilles leben 
füren mögen. 1 rtiii. 2, 2. — 2) adv,: ge- 
rüglich sterben. Jen. 1, 182*. 

Ilernipely n. tumultus, mhd. gerumpel, 
gerömpel (Ben. 2, 793 ^ Lexer S90): rieht 
ein solch gerumpel ynn der scfirifll an. das 
diese worl etc. (1527). aij'; da wird wid- 
derumb ein gerumpel ynn der schrifft wer- 
den, ebend, a iij '^ ; da solt sich alier erst ein 
gerumpel ynn Zwingeis gauckelsack heben. 
vom abendmal Christi. (1528). lij*. 

^tmty geribte^ n. mhd. gerüste (Ben. 2, 
823'. Lexer 891), ahd. girusti (Graff 2, 
547), V. rüsten. 

1) geräth, Werkzeug: da hat der mensch 
angel, netze, garn, körbe, reusen vnd aller- 
ley gerüst, das man sie (die fische) fehet vnd 
frisset. der prophet Habacuc. (1526). 
f iiij ^ 

2) erbaute Vorrichtung wozu : wir wissen 
nicht, wie vnser herr gott seinen bauw zu- 
richtet, wir sehen nur das gerüste von Stan- 
gen vnd bestehnen stricken zugericht. tischr, 
44'. bildlich: lieben Christen, lastmcyn vnd 
aller lerer auszlegen nur eyn gerust seyn zum 
rechten baw. ausleg, der ep. vnd euang. 
vom christag, (1522). ttt5**. 

3) Waffenrüstung: gerüst oder wappen 
{Waffen), Jen. 1, 93". 

^emiti, gerüst, part. 1) adj.: gerüstete 
krieger. deudsche psaller, (1541). Rij**; 
gerüst heeruolck. 1 chron, 8, 4. 

2) stibst, : die sechs hundert gerüste mit 
jrem hämisch, rieht. 18, 16; die gerüsteten 
in Moab. Jes, 15, 4. 

flcstgei^ sagen, mhd. gesagen (Ben. 2^ 

DiKTz, Wörterbuch. II. 



20 ^ Lexer S9^): wenn sie dasselbig^ ge- 
sagen, so ists denn gnug. ' vom abendmal 
Christi. (1528). gij^ 

flesalbct, gesalbt, part. 1) adj.: ein ge- 
salbeter könig. 2 Sam. 3, 39. — 2)subsL: 
Messias, welches ist verdolmetscht der gesal- 
bete. Joh,' 1, 41; vnd wird macht geben 
seinem könige, vnd erhöhen das hom seines 
gesalbten. 1 Sam. 2, 10 ; das lasse der herr 
ferne von mir sein, das ich das thun solte, 
vnd meine band legen an meinen herrn den 
gesalbten des herrn. 24, 7 ; die könige im 
lande lehnen sich auff vnd die herrn ratschla- 
gen mit einander wider den herrn vnd seinen 
gesalbeten. ps. 2, 2. 

ClesMiilte, m. legatus, böte: apostel heisst 
ein gesandter oder böte. gl. zu Joh. 13, 
1 6 ; apostel das ist gesandte oder auff recht 
alt deudsch boten, der HO. psalm. (1539). 
Mij^; da die gesandten widerumb zu hause 
kamen. Luc. 7, 10; die gesandten giengen 
hin vnd funden wie er jnen gesagt hatte. 19, 
32. 

Hesrnng (gesangk. ausleg. deutsch des v. 
u. 1518. Bj*), m. cantusy mhd. gesanc 
(Ben. 2^ 304'. Lexer 894), ahd. kisanc 
(Graft 6, 251). einmal begegnet nqch das 
in der älteren spräche übliche n. : das 
deudsche gesang, mitten jnn dem leben etc. 
vnterricht der visitatom. (1538). Kiii j ^. 

1) die handlung des singens: der gesang 
der senger. 2 chron. 29, 28 ; ich hab des 
gesangs ein ende gemacht. Jes. 16, 10; die 
weiber aus allen stedten Israel waren gegan- 
gen mit gesang vnd reigen dem könige Saul 
entgegen. 1 Sam, 18, 6; vnd wil her aus 
nemen allen frölichen gesang. Jer. 25, 10. 
von tiiieren : man sagt vom pfauwe , dasz er 
habe ein diebischen gang vnd teufelischen ge- 
sang. tischr. 277^; mau kennt yhn (den 
vogel) bey seynem gesang vnd feddern. auff 
des bocks antwort, (1521). aij'. 

2) da« gesungene, lied: wie Moses zeuget 
in seinem gesang. 2 Macc, 7, 6 ; das ist 
llabacucs gebet vnd gesang. der proph. Ha- 
bacuc. (1526). oiiij'; der gesang der 
dreien menner im fewr. Überschrift eines 
apokryphischen buches ; ein gesang von dreien 
leisen, hauspost. (Wittemb, 1545). winter- 
teil 23'; elUche psalmen vnd gesenge. 

12 



CESAKGBÜCHLEIX ! 

deudtch eaUeh. (1529). Aiiij'': viel guler 
lieder vad ge»eng. von der vinekelmeue. 
(1533). (iii'. 

3) gesang «• metodie: der geung oder 
dohn. von den teilten teortat Da%Udi. 
(1543). Biij''. 

4) redeniarl: viel gesanges aus etwas 
machen, viel toetetu , viel aufhebent, viel 
rükmetu von eltetu machen : dis buch {die 
teeitheil Salontomt) in der römischen kirchen 
also hoch vnd acboD gehalten, das fredich 
kaum aus einem buch in der schrüTt so viel 
geMQges gemacht ist als aus diesem, vorr. 
aug die weühetl Salomarät. Bindteil 7. 
415. 

tIeniKbieUeli, n. kleine$ ge$a»gbudi: 
gesangbüchlin. aantunge an $. l. Dend- 
sehen. (1531). HiJ'*. 

fiesnige (gesenge), n. getang. coli, tu 
sang, tRhd. gesenge {Lexer 911): das ge- 
senge ynn den sontags messen, von orde- 
nung goUis^ensl. (1523). Aii]''; Seligkeit, 
die man mit keinem gesenge noch gcprenge 
erlangen kan. da« man kinder zw tchulen 
halten solle. (1530). Biij''; vnd als er nahe 
zum hause kam hürel er das gesenge. Luc. 
15, 25 ; der vogel gesenge. gl. tu Hieb 35, 
10. 

ficsSsi, geiäsie (gesesse), n. mhd. gcsai^e 
(Ben. 2', 340". Lexer 895|. 1) sede*. 
siti: vnd waren lehnen auff beiden seilen 
vmb das gesesse. 1 kön. 10, 19. 2 chron. 
9,18; der königslul vnd gesess sei dein vnd 
nicht eins andern sein. Jen. 1, 92*. 

2) silstheil des kÖTpers , der hintere: 
küsse mich außs gesess. tischr. 214*; «iltu 
vns ja fressen , so bitten ivir dich du woltest 
vnten am gescsse anheben. Eisl. l, 421'. 

fltsallf n. nebenform von gcsetz; der 
bapsl ynn soleliem gesaU {dem verbot ä«r 
prietlerehe) des teulTets apostci gcweszen ist. 
auff das vbirchristl. buch. (1521). Aiiij^ 

fiesBuert (gesetirt, gcsewrlj, /ermenlaltu : 
gesewrt brot. 2 Mos. 12, 15. 19. 20; 13, 
7- stibsl.: du sott kein gescurts aulT das fest 
essen. 5 Mos. 16, 3; es sol in sieben lagen 
kein geseurts gesehen werden, v. 4> 

(Inehäffc (gescheffe), n. gesehöpf, werk : 
die ehe ist ein göttlich geschefTe, gäbe vnd 



K) GESCHÄRFT 

ordenung. wider die 32 arlikel. (1545). 
Bij-. 

dne^aStM'-^ beschaffen: also sol sein 
geschaffen eins jgliclien Christen leben vnd 
wesea. Jen. 1, IS*. 

UttAaKtmlhk, durcA schaffen henorge- 
bracht: (die Arianer) sprachen, das ditz 
wortt gotlis were wol auch ein goU, aber nit 
naturlich , szondern geschaffen lieh, austeg. 
der ep. vnd euang. vom chrislag. (1522). 
Oij*. 

fieuhäft, gescliine (geschefTt, geschefilel. 
n. mhd. gescheft, gescherte, gescbepfede, ge- 
schcffede (Ben. 2', 72'. 74*. lexer 897|. 

1) das geschaffene, gesehöpf, werk: ich 
rhüme die gcschefftc deiner hende. pi. 92. 
5 ; die geseheffte der hende gottes das siad 
die rromen, die er gebirt vnd schaffet. Jen. 
1,40". ^ 

2) Ordnung, anordnun^, Stiftung; das sol 
vns gnug seyn , das gott mit vns ist, vnd den 
ehestand ynn ehren haltten als eyn göttlich 
edles gescheffle, das!, cap. Cor. (1523). 
Aüij*; vnd lässei s jm gefallen als sein Ord- 
nung vnd gescheDl. das 5. 6. vnd 7. cap. 
s. Matth. (1532). Tj*. 

3) oerricAlun^, arbeit: es begab sich, das 
Joseph in das haus gicng sein geschefft i» 
thun. 1 Mos. 39, 11; die geschefTt ausrich- 
ten. 1 kSn. 9, 23; mit'der haussorge vnd 
andern gescheffleu beladen, swo predigt auff 
der kindertauffe. (1540). Cj'; wellUche 
geschefft. an den ehristl. adel. (1520). 
Fülj*; königliche gescheflte. Bindseil T, 
333; wie man auff deudsch spricht von 
schweren geschcITten. der proph. Habaciic. 
(1526). c j"; nuulichc, heilsame geschefftc. 
auff des bocks anlwort. (1521). aij*. 

4) euphen. gemächt: da schlug jn das 
Wetter... oben zum bäupt hineyn, dasz a 
vnteu zum gescheffte wider herausz gieug. 
tischr. 262*. 

DeschäMlg (gcschemig) , pudtcus : dieser 
name (apostel) ist ein geschemig name vnil 
doch gleicli wol hoch vnd ehrlich, ausleg. 
der euang. an den ßmemislen festen. 
(1527). Aiiij". 

fiescliitilit, s. schenken. 

Cesefcärft (gescherift), part. adj.: meine 



GESCU£FF£ 



91 



GESCHENK 



gescherfite feddern. die M, onttßorL (1533). 

CfcMheffe^ s. gesebäffe. 

fieschcfty s, geschäft. 

Cesehciieii, fieri, evemre, mhd. gesch^en, 
conir. gesehen {Ben, 2*, 112*» — 115*. 
Lexer S98)» <ühd. gi-, kiscähan {Graff %, 
412 ff*). L. hat nur anfangs noch die zu- 
sammengexogene form gesehen (von dem 
hapslum, 1520. Eij*), geschcen {serm. von 
dem abUuz. 1518. Aiij^). der sg. des 
praes, lautet geschieht, der sg. des praet. 
geschach. 

l) vnrhlich werden, a) so er spricht so 
geschieh ts. ps, 33, 9 ; vnd es geschach also. 
1 Mos, 1, 7. 9. 11. 15. 24; vnd geschach 
wie der man gottes dem könige sagte. 2 
kön. 7, 18; es wird geschehen was er ge- 
schrien hat wider den altar. 1 kön. 13, 32. 

b) mit bestimmter angäbe dessen, was 
geschieht: vnd sihe, es geschach ein gros 
erdbeben. Matih, 28, 2 ; vnd da geschahen 
stimmen vnd donner vnd bhtzen vnd erdbe- 
bung. offenb. Joh, 8, 5; vnd es geschach 
schnelle ein brausen vom himel. ap. gesch. 
2, 2; vnd es werden zeichen geschehen an 
der sonnen vnd mond vnd Sternen. Luc. 21, 
25 ; vnd ist eine grosse schlacht im volck ge- 
schehen. 1 Sam. 4, 17; auffrhur, die in der 
stad geschach. Luc, 23, 1 9 ; auffrhur vnd 
abfall drinnen geschieht. Esra 4, 19; das 
der grewel vnter euch geschehen ist. 5 Mos, 
13, 14; was ist das für eine bosheit die bey 
euch geschehen ist? rieht, 20, 12; stricke, 
damit nie keine erbeit geschehen ist. 16, 
1 1 ; vieleicht ist ein jrthum da geschehen. 1 
Mos, 43, 12 ; dein wille geschehe auff erden 
wie im himel. Matlh, 6, 10; o das meine 
bitte geschehe. Hiob 6, 8. 

c) wtit abhängigem satz: es were leicht 
geschehen, das jemand vom volck sich zu 
deinem weibe gelegt bette. 1 Mos, 26, 10; 
vnd es wird geschehen, das du auch ein herr 
vnd sein joch von deinem halse reissen wirst. 
27, 40 ; wens (wenn es) denn geschehe, das 
das erst mal vbel geriete. 2 Sam, 17, 9; 
vnd sei geschehen, das, wer dem schwert 
Jehu entrinnet, den sol Ehsa tödten. 1 kön, 
19, 17. 

d) mit praep,: da geschach desherrn wort 



zu Samuel. 1 Sam, 15, 10; da gesehach 
der befclh gottes zu Johannes, Zacharias son. 
Luc. 3, 2. — - das geschach also von dem 
herrn. Jos. 11, 20; von mir ist solcher be- 
felh geschehen. Esra 6, 1 1 ; von dem herrn 
ist das geschehen vnd es ist wunderbarUch 
für vnsem äugen. McUth, 21, 42. — vnd 
wird nicht geschehen durch grossen arm 
noch viel volcks. Ezech. 17, 9; vnd gescha- 
hen viel wimder vnd zeichen durch die apo- 
stel. ap, gesQh. 2, 43; erlösung, so durch 
Christo Jhesu geschehen ist. Rom. 3, 24; 

— beschneitung, die m i t der band geschieht. 
Ephes, 2,11. 

2) zu (heil werden, widerfahren, mit 
dat,: was ist dem son Kis geschehen? 1 
Sam, 10, 11; morgen sol euch hülffe ge- 
schehen. 11, 9; herr schaw, wie mir so vn- 
recht geschieht, klagt, Jer„ 3, 59 ; errette* 
den, dem gewalt gesclücht. Sir, 4, 9 ; klage 
jn als sey dir gros leid geschehen. 38, 16 ; 
so aber eine Offenbarung geschieht einem an- 
dern. 1 Cor, 14, 30; dir geschehe wie du 
gegleubt hast. Matlh. 8, 13. 

Clescheideii^ part, geschieden, in folgen- 
der stelle subst, : das ist auch die sach , das 
er den gescheydenen nicht erleubt sich zu- 
uerendern. das 7. cap. Cor, (1523;. Fij^. 
vgl, scheiden. 

I^eseheid (gescheit), prudens, sagax, 
schlau: es geboret für allen dingen ein fromer 
man zu einem ricbter vnd nicht allein ein 
fromer, sondern auch ein weiser, gescheider, 
ia auch ein küner und kecker man. deudsch 
catech, (1529). Kij*; wer ynn ^solchen 
Sachen der geschickste und gescbeideste ist. 
ebend. Liij'»; da sie aber einen verschmitzten, 
gescheiten antrifft vnd der einen grossen ver- 
standt hat... desz brauchet sie. tischr, 95*. 

— mÄd. geschide (Ben. 2*, 97*. Lexer 
901). über etymologie und urspr, bedeu- 
tung s, Weigand wtb, 1, 422. 

desckeidigkeit (gescheidikeit), f, gescheid- 
heit, Schlauheit f mhd, geschidecheit (Ben, 2\ 
97'*. Lexer 902): und wollen solchs nicht 
schalkeit, sondern gescheidikeit vnd fursich- 
tigkeit genennet haben, deudseh catech, 
(1529). Liij^ 

fieschemig^ s, geschämig. 

lieseheikj geschenke, n. donum, munus^ 

12* 



GE$CH£NKLEIN 



92 



GESCHICKT 



wikd. geschenke {Ben. 2S 8 1 '. Lexer 900) ; 
leibes frucht ist eio geschenck. ps, 127, 3 ; 
das euangelium ist ein lauter geschencke. wie 
das gesetz vnd ewMngeUum zu vnierschet' 
den. (1532). Aiiij^; wer wU ein geschencke 
für Wucher achten? wider den wucher^ 
(1540). Bj**; ich danke euch für euer ge- 
schenke. de Wette br. 4» 494; das reich ge~ 
schenk, ebend. 5, 767 ; königliche geschencke. 
EsÜh. 2, 18; aber den kindern, die er von 
den kebsweibem hatte, gab er geschencke. 
1 Mos. 25, 6; darum b bringen wir dem 
herrn geschencke. 4 Mas. 31, 50; du solt 
nicht geschencke nemen, denn geschencke 
machen die sehenden bUnd. 2 Mos. 23, 8. 
tfi den briefen bietet L, einmal den pL : ge- 
schenker : ich bedanke mich e. w. geschenker. 
de Wette br. 4, 278. 

flesckettkleiii (geschencklin), n. munus- 
culum, kleines geschenk: ein geschencklin 
zur zugäbe, das 5.6. vnd 7. cap. s. Matth. 
(1532). 00 j^ 

l^cschepfy s. geschöpf. 

CesfUcUy gewöhnlich n., selten f. {z. b. 
die geschieht, das ander teyl widder die 
hyml. Propheten. 1525. Oij'; eine geschieht. 
Esra 6, 2), acta, res gesta, historia, mhd. 
geschieht /. und n. {Ben. 2\ 115 ff. Lexer 
902), oÄd. geseiht (6rra)f 6, 415). pL ge- 
schichte (geschieht), woraus unser nhd. die 
geschickte statt des urspr. geschieht hervor^ 
gieng. 

1) was geschieht, ereignis, begebenheit: 
geschieht, das sich darnach begäbe, vber das 
erste buch Mose. (1527). Jj*; lasst vns nu 
gehen gen Bethlehem vnd die geschieht se- 
hen, die da geschehen ist. Luc. 2, 15; vnd 
machet die geschieht ruchtbar. Marc. 1, 45; 
vnd dis geschieht ward alles ruchtbar. Luc. 
1, 65; das du nicht vergessest der geschieht 
{gen. pl.), die deine äugen gesehen haben. 5 
Mos. 4, 9 ; wenn man nu das geschieht an- 
sihet, damit er die vergebunge der sunde er- 
worben hat, so war es am abentmal nicht 
geschehen, das ander teyl widder d. hyml. 
Propheten. (1525). Oj**; ich wil alte ge- 
schichte (pl.) aussprechen, ps. 78, 2; dis 
sind die geschieh te Jeremia. Jer. 1, 1; die 
geschieht (d. t. geschichte pl.) des königs 



Dauid. 1 chron. 30, 29 ; die geschieht Re- 
habeam. 2 chron. 12, 15. 

2) erzäMung von geschehenem, historia: 
es ist aber ditz gantz euanglium eyn schlecht 
leycht hystorien odder geschieht, die nit viel 
auszlegensz darff. euang. von den tzehen 
aussetzigen. (1520). Dj". 

desekicky n. mhd. geschicke {Lexer 901), 
1) Schickung, fugung: durch gotte^geschick. 
Jen. 1, 69^; die weyl den {denn) durch 
gottis geschick vnd boszer menschen gesuch 
on vnszer schult das reych vns geben ist, wil 
ich nit raten dasselb faren zulassen, an den 
Christi, adel. (1520). Mij*. 

2) gestalt, beschaffenheit : die von natur 
vnnd leybs geschick tüchtig sind tzur ehe. 
vom ehelichen leben. (1522). AiiijS 

descUcklickkeit fgeschickhgkeit, ge- 
schicklickeit) , /l dexteritas, habUitas: s. 
Paulus macht eyn geschicklickeyt vnd dienst 
draus {aus der keuschheit) zum gottis wort 
vnd glauben, das 7. cap. Cor, (1523). Dij''; 
ein kriegsman von got die geschicklickeit hat 
zukriegen, ob kriegsleute etc. (1527). Fif; 
ein mensch der seine erbeit mit Weisheit, ver- 
nunfft, geschickligkeit (var. geschicklickeyt) 
gethan hat. pred. SaL 2, 21 ; geschickligkeit 
in allen sachen. 4, 4. noch einen beleg s. 
unter gedenken 1). 

Cesckickt, part. adj. mhd. geschicket 
{Ben. 2*, 119^ Lexer 901). 

1) gestaltet: geschickt oder gestalt (d. i. 
gestaltet), vber das erste buch Mose. (1527). 
Dj * ; hie sol man aber nicht dencken wie die 
philosophi Plato vnd Aristoteles gethan haben 
mit yhren ideis, sondern auffs einfeltigest 
also, das da rechtschaffen hymel vnd erden 
gewest sey, wie ers selbs nennet vnd die 
erste creatur, aber der beyde keines geschickt 
sey gewesen, wie es seyn solte, gleich als 
ein kind ynn mutter leib zum ersten nicht gar 
nichts ist, aber doch nicht zugericht, wie ein 
völUg kind sein sol. ebend. 

2) bereit: das sie auff den selbigen tag 
geschickt weren. Estii. 3, 14; das die Juden 
auff den tag geschickt sein sollen sich zu re- 
chen an jren feinden. 8, 13. 

3) beschaffen: der christlich glawb ist 
also geschiekt, das er sich frey dahyn setzt 
auff gottis wort mit gantzem vertrawen. ep. 



GESCHIRR 



93 



GESCHLECHT 



8, Petri gepredigt. (1523). Eiiij*; dauon 
yederman lerne, wie' der glaube geschickt 
mos sein vnd was er für art habe, vber d€LS 
erste buch Mose, (1527). giiij*; die selbi- 
gen henchler sind also geschickt, das sie sich 
frewen vnd ein lust dran haben, das sie von 
eines andern ehebruch odder laster. reden 
mügen. ausleg, der euang. von ostern etc. 
(1527). eiiij^ 

4) 'paszlich beschaffen*, passend, taug^ 
lichf tüchtig {zu etwas) : tüchtige geschickte 
leut. der 82. psalm. (1530). Ciij'; wer 
seine band an den pflüg leget vnd sihet zu 
rück, der ist nicht geschickt zum reich gottes. 
Luc. 9, 62 ; wenn du sehest, das am henger 
. . . mangcllt vnd du dich geschickt fundest, 
soltistu dich datzu erbieten, von weltlicher 
vberkeit. (1523). Biiij*; geschickt zu emp- 
tern. 1 chron. 27, S ; zum streit geschickt. 
2 chron. 26, 13; geschickt zu streiten, ho- 
helied 3, 8; geschickt zu dienen. Dan. 1, 
4 ; zu allem guten werck geschickt. 2 Tim. 
3, 17 ; fast geschickt zum studio, de Wette 
br. 4, 326. 

5) hun^g , weise, verständig: das er 
weise, verstendig, geschickt sey zu allerley 
werck. 2 Mos. 35, 31 ; zur narung hilfft 
nicht geschickt sein. pred. Sal. 9, 11 ; seine 
(Kains) kinder geschickte vnd kflnstreiche 
leute worden sind, vber das erste buch 
Mose. (1527). Rj*; also findet man jnn 
allerley stenden zuweilen furbundige, ge- 
schickte menner. der iO\. psalm. (1534). 
Ciiij ^ ; weib sol nicht leren im voick, summa 
es sol ein gescliickter auserwelter man sein. 
van den concilijs. (1539). fij*. — solche 
geschickt {kluge, von klugheit zeugend, hier 
ironisch) antwort sol niemand denn hertzog 
George vnd seine eseltheologen geben. Ver- 
antwortung etc. (1533). Eij ". 

CescUrr (geschir), n. geräih, Werkzeug, 
mhd. geschirre {Ben. 2^ 164 '. Lexer 903), 
ahd. kisckirri (Graff 6, 538) : geschirr (vulg, 
juga) vom ochsen. 2 Sam, 24, 22; ich 
gebe das rind zum brandopffer vnd das ge- 
schirr {vulg. tribula) zu lioltz. 1 chron. 22, 
23 ; solchem geschir vnd furwerck wird ver- 
gleichet der Christenheit regiment. das 16. 
eap. 8. Johannis. (1538). Viiij^; ein ledig 



geschirr (leer gefäsz). ausleg. der ep. vnd 
euang. von ostern. (1544). c 5'. 

CleMMeehti geschlechte (2 Mos. 25, 19; 
4 Mos. 2&, 20; Sach. 12, 12), n. mhd. ge- 
siebte {Ben, 2*, 390 •. Lexer 911), ahd. 
gi-, kislahta (Qraff ^y 781), coli, von dem 
von ahd. slalian schlagen in der bed. arten 
abgeleiteten ahd. die slahta, mhd. slahte «=> 
art, geschlecht vgl. Weigand wtb. 1,423. 
der pl, lautet bei L, noch geschlechte (ge- 
schlecht), vereinzelt begegnet der gm. pl. 
geschlechten, z. b. ihrer geschlechten. 1 
chron. 9, 28; aller geschlechten. Jer. 31, 1. 

1) eine durch Verwandtschaft gebildete 
natürliche gruppe, familie, stamm, volck: 
geschlechte beiszen wie die sipschaüten vnd ^ 
samlung geblutter freuntschafiten. das ma- 
gnificat. (1521). gj*. im umfassendsten 
sinn steht das wort von der ganzen mensch- 
heit: gott selbs verschonet dem gantzen 
mensclilichem geschlecht vmb eines menschen 
willen, der Jhesus Christus heist. das man 
kinder zur schulen halten solle. (1530). 
Gij'; das gröste teil das menschlichen ge^ 
schlechts. das 15. cap. der ersten ep, s. Pauli 
an d. Cor. ( 1 534). Oij * ; in dir sollen gesegnet 
werden alle geschlecht aufT erden. 1 Mos. 
12, 3 ; als denn werden heulen alle ge- 
schlechte auCr erden. Matth, 24, 30. von 
^inem ganzen volcke, einer nation: dieser 
{der könig von Egypten) treib hinderlist mit 
vnserm geschlechte {dem jüdischen volck), 
ap. gesch. 7, 19; vnd nam zu im jüden- 
thum vber viel meines gleichen in meinem 
geschlecht. Gal, 1, 14; jr aber seid das 
ausserwelete geschlecht, das königliche prie- 
sterthum, das heilige volck. 1 Pet. 2, 9. 
von den abtheilungen und unterabiheilungen 
eines volkes, eines Stammes : die zwelff ge- 
schlechte («(ä'mme) Israel. Matth, 19, 28; 
ein man aus dem geschlechte Benjamin, ap, 
gesch. 13, 21; vnd sollet euch früe erzu 
machen ein stam nach dem andern, vnd wel- 
chen stam der herr trefTen wird, der soll sich 
erzu machen ein gesclilecht nach dem andern, 
vnd welch geschlechl der herr treffen wird, 
das sol sich erzu machen ein haus nach dem 
andern. Jos. 7, 14. von einer familie im 
engsten sinn: so wil doch ich mein andlitz 
wider den selben menschen setzen vnd wider 



GESGHLECUTREGISTER 



94 



GESGHftiElSZ 



sein ^eschleeht. 3 Mos. 20, .5; das ge- 
sclilechte des hauses Dauid. Sack. 12, 12; 
das geschlecht des hauses Nathan, ebend.; 
das geschlecht Simei. v. 13. 

2) generation und zwar a) die folge der 
einzelnen glieder eines gesehleehU : wir mus- 
sen der schriilt gewonen, die do nennet ge- 
scldechte die folge der naturlichen tzichtung 
adder gepurt alsz ein mensch vom andern für 
vndfurgepornwirt. das magnißcal. (1521). 
f iiijN ich byn dein got, starek vnd emsig, 
der do strafft die sund der vetter in den Lin- 
dern ynsz dritte vnd vierde geschlechte, denen 
die mich iiassen. ebend. gj*, var, zu 2 
Mos. 20, 5. 6) die gesammlheit der men- 
schen, die zu einer gewissen zeit, während 
eines menschenallers , mit einander lebt: 
da auch alle die zu d^ zeit gelebt hatten, zu 
jren vetern versandet worden, kam nach jnen 
ein ander gesclilecht auff, das den herrn nicht 
kennet, rieht, 2, 10; frage die vorigen ge- 
schlechte. Hiob 8, 8 ; ein geschiccht verge- 
ltet, das ander kompl. pred. Sal. 1,4; wem 
sol ich aber Bis geschlecbt vergleichen? 
Malth. 11, 16. 

3) herkunft, abkunfl : dein geschlecht vnd 
deine geburt ist aus der Gananiter lande. 
Ezech, 16, 3 ; schertze nicht mit einem gro- 
ben menschen, das er dein geschlechte (vulg. 
progenies) nicht schmehe. Sir. 8, 5. 

4) genus, art : wir sind seines geschlechts 
{var. art). ap. gesch. 17, 28; so wir denn 
götthchs geschlechts (var. gottlicher art) 
sind. V. 29. 

5) familiengeschichle : dis ist das ge- 
schlecht Noah. 1 Mos. 6, 9 ; dis ist das ge- 
schlechte Isaacs. 25, 19; das sind die ge- 
schlechte Jacob. 37, 2. 

Cleschleditregister, n. genealogia: der 
törichten fragen aber, der geschlechtregister, 
entsciüahe dich. Tit. 3, 9. 

Cieschieppe, n. ge folge: es müsten aber 
nicht alle bischoue, epte, münche, doctores 
vnd des vnnützen huddelmans gesindlin vnd 
das gros geschleppe dahin {zum concilium) 
komen. von den concilijs. (1539). cij*^. 

Cieschinack; m. sapor, selten, häufiger 
noch das einfaihe schmack {s. d.): darumb 
ist sein geschmack jm blieben vnd sein geruch 
nicht verendert worden. Jer. 48, 1 1 ; brod, 



das voller lust vnd lieblichs geschmacks ist» 
Jen. 1, 82 •. 

mhd. gesmac {Ben. 2\ 417'. LexerQlS), 
ahd. gesmah {Graff 6, 825), auch vom aus^ 
strömenden geruche gebraucht, 

lle§€hniali (geschmetz), n. geschwätz, 
mhd. gesmetze i^Lexer 919), coü. zu smaz: 
vnd des geschmetzs melir. von den concilijs 
vnd Kirchen. (1539). Kiiij». 

Ceschmeide, gescknide^ n. schmuck, be» 
sonders metallschmuck, mhd. gesmtde {Ben. 
2^ 426*. Lexer 919), aAd. gasmide {Grajf 
ßf 827), coli, des ahd. smfda metall. in der 
bibel begegnet nur die nhd. form geschmeide 
(doch kommt einmal armgeschmid vor), 
andre Schriften bieten noch die ältere form 
geschmide : achsa heyst auff deutsch schmuck, 
odder geschmide (post. 1528: geschmeide) 
der schuch. ausleg, der ep. vnd euang. vom 
chrislag. (1522). Cc ij ' ; schmuck, das mit 
geschmide gezieret ist. der 111. psalm. 
(1530). Diiij*; der herr wird jre geschmeide 
wegnemen. Jes. 3, 17; wie eine braut in 
jrem geschmeide berdet. 61, 10; vnd legt 
die geschmeid an deine arm. Ezech. 16, 11 ; 
vnd schmücktest dich mit geschmeide. 23, 
40. 

(teschmeisi (geschmeis), n. mhd. gesmei^e 
{Ben. 2^ 433'. Lexer 919), von schmei- 
szen cacare, auswerfen. 

1) unrath, excremente: mit dickem staube 
vnd Spinneweben vnd allerley vnzifers ge- 
schmeis behengt. das iß. cap. Joh. (1538). 
Rij '. 

2) Ungeziefer, schädliche insecten: un- 
zifer, das die Griechen heissen kynomyia, ist 
alle böse würm, so da schaden thun im felde, 
raupen, fliegen, zwifalter, emmeisse, kefer, 
brenner vnd der gleichen geschmeis, das 
beume vnd gewechse verderbet, gl. zu 2 
Mos. 8, 21 ; was die hewschrecken lassen, 
das fressen die kefer, vnd was die kefer 
lassen, das frisset das geschmeis. Joel 1, 4; 
ich wil euch die jare erstatten, welche die 
hewschrecken, kefer, geschmeis vnd raupen 
gefressen haben. 2, 25. bildlich von schäd- 
lichen, verderbenbringenden personen: wie 
vnsere rottengeister jtzt rhämen von grosser 
hebe die s\t vnternander haben, das man 
daraus müsse spüren, das da* heilige geist 



GESCHMICK 



95 



GESCHREI 



bey ju sey. was thuD sie aber ? sie lieben jr 
eigen rotten gesciuneis, daneben sind sie vns 
spinnen vnd mordlich feind. das 5. 6. vnd 
7. cofi. s. Mallh, (1532)« dij*; bischoue, 
pfaffen vnd das gantze bapsts geschmets. 
serm. auff Malih. 22. (1535). Cj''. 

3) epidemie, ansteckende krankheil: wol 
ists war, das ein haus oder zwey ein ge- 
schmeys gehabt, originalbr. vom J. 1535 
im ges, arch. zu Weimar. N pag. 109. H. 
42. 1. e; hat nu gott selbs im alten testa- 
ment befolhen die aussetzigen aus der ge- 
meine zuthun vnd aussen für der stad zu 
wonen, das geschmeys zuuermeiden, so sollen 
wir ja vid mehr also thun in diesem fehrii- 
eben geschmeys. ob man für dem sterben 
fliehen muge. (1527). Cüj^; also ist itzt 
vnser pestilentz hie zu Wittemberg alleine 
aus geschmeysse herkomen. ebend.; sich 
fursehen für dem giffügen geschmeis {tat. 
lext: contagio) solcher Sicherheit, deudsch 
calech, 1530. Aiiij*. bildlich von die seele 
vergiftenden irrlehren : wie jnn den lendern 
hin vnd widder die Juden mit jrem geschmeis 
vnd lere einreissen. ander die sabbather. 
(153S). Aij*; heist das die schafe Christi 
geweidet» wenn wir selbs nicht wissen obs 
gras oder gifft, hew oder geschmeis sey ? von 
den concilijs. (1539). Hiij\ 

fieseJiMck^ m. omatus, sphmuck, mhd. 
gesmuc (Ben, 2^ 432*. Lexer ^20): zierde 
vnd gesclimuck. von dem bapslum. (1520). 
Diüj *; daher auch noch bey den papisten die 
mesgewand odder kirchenkleider ornat, das 
ist geschmuck heissen. der proph. Sacharja, 
(1528). Mij*; kemerer, der der weiber 
wartet vnd gebe jnen jren geschmuck. Esth, 
2, 3; welcher (der weiber) geschmuck sol 
nicht auswendig sein mit har flechten vnd gold 
vmbhengen oder kleider anlegen. 1 Pet, 3, 
3 ; da nympt er abermal den hymel für vnd 
gibt yhm noch ein geschmuck, vber das erste 
buch Mose. (1527). Fij". 

Cieachöpf > L. geschepff, n. geschaffenes 
wesen, werk : vnd haben geehret vnd gedienet 
dem geschepffe melu* denn dem schepffer. 
Aoffi. 1, 25 ; weil er aber das thut, so lestert 
vnd lügenstrafft er erstlich gotte, sein ge- 
schepff vnd sein wort, die kl. antwort. 
(1533). Fij*; er solle mit jnen helffen gott 



lestem vnd seine geschepff höhntich verach- 
ten, von den Juden. (1543). Bj''. 

Ce8ch«§i fgeschos), n. mhd. gescho^, ge- 
sch6;5(īi. 2', 175^ 176*. Lexer 904), 
ahd. gisc6^ {Oraff 6, 562). in zwei bedeu- 
tungen, 

1 ) missüe, jaeulum : er hat seinen bogen 
gespannet vnd zielet, vnd hat drauff gelegt 
tödlich geschos. ps. 7, 13. 14; wie einer 
heimlich mit geschos vnd pfeilen scheust. 
spr. Sal. 26, 18; er sol gesteinigt oder mit 
geschos erschossen werden. 2 Mos. 19, 13; 
Hehr, 12, 20. — die geschos der bhtzen. 
weish. 5, 22. 

2) abgäbe, schosz: nu hat s. Paulus zun 
Rom. am 13. cap. drey stücke erzelet, die 
der oberkeit gehören, das erste geschos. 
vnterricht der visitatom. (1538). Dj*. 

(ÜMchrei (geschrey), n. mhd. geschrei, ge- 
schreie ißen. 2', 215**. Lexer 905), ahd. 
giscrei (Graff 6, 566). 

1) clamor: gelöhr vnd geschrey. von 
priesterehe. (1528). Aiij**; geplerr vnd ge- 
schrey. ein widderruffvom fegefeur. (1530). 
Aij * ; da er höret, das ich ein geschrey machte 
vnd ricff, da lies er sein kleid bey mir. 1 
Mos. 39, 15. es steht vom klag^ wie jubel- 
geschrei: vnd wird ein gros geschrey sein in 
gantz Egyptenland. 2 Mos, 11.6; auff dem 
gebirge hat man ein gesclurey gehöret, viel 
klagens, weincns vnd heulens. Matth, 2,18; 
da nu Josua höret des volcks geschrey, das 
sie jouchzeten, sprach er zu Mose, es ist ein 
geschrey im lagcr wie im streit, er ant- 
wortet, es ist nicht ein geschrey gegen ander, 
dere die obligen vnd vnterligen, sondern ich 
höre ein geschrey eins singentantzs. 2 Mos. 
32, 17. 18; da aber die Phihster höreten 
das geschrey solchs jauchzens, sprachen sie, 
was ist das geschrey solchs grossens jauch- 
zens in der Ebreer lager? 1 Sam. 4, 6. 
von dem geschrei der sich zum kämpfe an^ 
feuernden krieger ( vgl. kriegsgeschrei ) : 
solchs deutet auch die losung vnd geschrey 
yra slreyt, hie keyser, hie Franckreich, hie 
Lüneburg, hie Braunsweig. ob kriegsleute 
etc. (1527). Fj**. von dem lauten klägli- 
chen, ängstlichen rufen, mit dem die heili^ 
gen gott nahen : herr, merck auff mein ge- 
schrey (rar. ruffen). ps. 17, 1; höre gott 



.* 



GESCHRIFT 



96 



GESCHWEIGE 



mein geschrey {var, meyne klage). 61» 2; 
neige deine oliren zu meinem geschrey. 88, 
3 ; las mein geschrey zu dir komen. 102, 2 
var, 

2) fama, ruf: ich mercke eher, dasz der- 
selben Jugend viel solch geschrey der pesti- 
lentz gern gehöret, de Wette hr, 4, 611; 
da das geschrey kam in Pharao haus, das Jo- 
sephs hrüder komen weren. 1 Mos. 45, 16; 
aber es kam ein erlogen geschrey aus, wie 
Antiochus soll tod sein. 2 Macc. 5, 5; es 
gehet ein gemein geschrey, das hurerey vnter 
euch ist. 1 Cor. 5, 1 ; Elisabet, die im ge- 
schrey ist, das sie vnfruchtbar sey. Luc. 1, 
36 ; da aber Jhesus anhub zu wundern vnd 
ynsz geschrey kam. ausleg. der ep. vnd 
euang. des aduents. (1522). Tij*; widder- 
umb machen sie dem ehestand eyn geschrey, 
als sey er welltlich vnd fleischhch. das 7. 
cap. Cor. (1523). Dj"; wir Deudschen ha- 
ben sonderlich geschrey dauon {von der 
Irunkenheii) ynn andern lendern. vber das 
erste buch Mose. (1527). biij\ grosz, gut 
geschrei, ruf: ynn kriechischer sprach nen- 
nett man heroes die grossenn leult von gros- 
sem geschrey vnd thatten. ausleg. der ep. 
vnd euang. vom christag. (1522). iiiij^; 
euangelion ist eyn kriechisch wortt vnd heyst 
auff deutsch gute botschalTt, gute meher, 
gutte newzeytung, gutt geschrey. vorr. auff 
das n. lest. 2*; das ist nicht ein gut ge- 
schrey, das ich höre. 1 Sam. 2, 24. bös 
geschrei : vnd bracht für jren valer, wo ein 
böse geschrey wider sie war. 1 Mos. 37, 2 ; 
vnd machten dem lande, das sie erkundet 
hatten, ein böse geschrey vnter den kindern 
Israel. 4 Mos. 13, 33; vnd legt jr was 
schendlichs auff vnd bringet ein böse geschrey 
vber sie aus. 5 Mos. 22, 14. 

Cleschrift^ f. schrift, mhd. geschrift (Ben. 
2^ 209 ^ Lexer 905): die geschrifft = die 
heilige schrift. eyn hettbuchlin. (1522). 
Aij ^ ; falscher verstand der geschrifft. post. 
(1528). 324 •». 

Cieschiht (geschucht), beschuht : sondern 
weren geschucht. Marc. 6, 9. 

lieschati, n. schieszzeug, schieszwaffen : 
mit hämisch vnd geschutz. der proph. 5a- 
charja. (1528). Jj''; die da trotzen auff jre 
macht, wagen spies vnd geschütze. Jud, 9, 



8 ; vnd die beiden wurden gewar , was diese 
für geschutz betten. Sir. 3, 7; allerley 
knegsrüstung vnd geschutz. 1 Macc. 6, 20 ; 
vnd belagert das heiligthum eine lange zeit 
vnd richtet da gegen auff allerley geschüte. 
v. 51. 

mhd. geschütze (ßen. 2^, 177". Lexer 
907), coli, zu schusz. «. Weigand wtb. 1, 
424. 

Cesehwacht (geschwecht), part. v. schwä- 
chen «s schwängernt subsl. : sie (die kinder 
Aarons) sollen keine hure nemen, noch keine 
geschwechte. 3 Mos. 21, 7; keine widwe 
noch verstossene, noch geschwechte, noch 
hure, sondern eine jungfraw seines volcks 
sol er zum weihe nemen. 21, 14. 

Cleschwägert (geschwegert) , verschwä- 
gert, durch anheirathung verwandt: der 
adel vnternander geuettert, geschwislert, ge- 
schwegert (ist), Jen. 8, 45 ^ 

Cleschwäti (geschwetz), n. sermo, mhd. 
geswetze (Ben. 2', 766 ^ Lexer 940). 

1) rede überhaupt: das euangelion ist eyn 
rede vnd geschwetz von Christo, ausleg. der 
euang. von ostem. (1527). C 8^; gros und 
lange geschwetz. Bindseil 7, 316. 

2) häufiger in übler bedeulung, inhalts- 
loses, unsittliches gerede, nugae: ich hab 
mehr zu thun denn deines schrifftloszen ge- 
schwetzs zu warten, auff das vbirchristl. 
buch. (1521). Jm'}^; narren teydinge sind 
die fabeln vnd merlin vnd ander geschw^etz. 
ausleg. der ep. vnd euang. von der heil, 
dreykönigetag. (1525). qij**^ faul, lani, 
schal geschwetz. das diese wort etc. (1527). 
i ij ** ; faul geschwetz. Ephes. 4, 29 ; vnnütz 
geschwetz. 1 Tim. 1, 6; vngeistliche Jose 
geschwetz. 6, 20 ; böse geschwetze verder- 
ben gute Sitten. 1 Cor. 15, 33. 

Cieschweblichi schwefelich: geschwebli- 
cher gestanck. ein wellische lugenschrift. 
(1545). Aüij*. 

Geschweeht^ s. geschwächt. 

Cieschwegert^ s. geschwägert. 

deschweige^ ne dicam, nedum: vnd ist 
gemeinighch geschehen, das die reinesten 
münche die ergesten hüben gewesen sind, 
geschweige das sie darzu das euangelium ha- 
ben verloren, vier predigten. (1546). 
Li". 



GESGHW£IGEN 



97 



GESEOENEN 



fieschweigei^ schweigen , mhd. geswtgen 
{Ben. 2', 788 *. Lexer 940) : so doch unser 
beschlusz, wie herr Carolus wohl weisz, also 
gesunden ist, dasz ich geschweigen wollt, so 
ferne meine widderparl auch schwiege, de 
Weite hr. \, 237. mti gen, schweigen von 
(etwas) : ich wil der fahr geschweigen , das 
tt. s. w. von ehesachen. (1530). Bij^ 

lieschwcti, s. geschwätz. 

ClMf hwlttd f geschwinde , bei L. noch im 
sinne von schlau, klug, listig: wir auch 
Boch teglich erfaren, wie geschwind, listig, 
klug, behend der weit kinder sind gegen vns 
frome, albere, gute, einfeltige schepse vnd 
schafe. der 101. psalm. (1534). Miiij*; 
dazu kan der teulfel so spitzige rencke vnd 
geschwinde griflc, gifftige practiken erden- 
cken vnd eingeben widder das euangelion. 
das 6. cap. Ephes. (1533). Giiij*; sie er- 
üchten schalckheit vnd haltens heimlich, sind 
verschlagen vnd haben geschwinde rencke. 
ps, 64, 7 ; man wird von tag zu tag . . . ge- 
schwinder vnd anschlegiger auff den schend- 
iiclien verfluchten geitz vnd wucher. haus^ 
post. {Wittemb. 1545). winterteil 99'; 
dasz vielleicht etliche furgcben bcy c. k. f. g. 
die zwo Schriften scyn scharf vnd geschwinde, 
das ist wahrlich wahr, de Wette br. 4, 
239. 

mhd. geswinde {Ben. 2^, 798'. Lexer 
940 ) , häufiger das einfache swinde , was 
auch L. noch braucht, s. schwind. 

CegehwiBde^ adv. heftig, rasch, mhd. ge- 
swmde(ß6n. 2', 798*. Lexer 940): nicht 
zu geschwinde faren. st, in Esth. 6, 7. 

ClesrhwiBilci, schwinden, m/id. ges winden 
(Äen. 2*, 798 ^ Lexer 940): es möchten 
sonst einem alle sinnen da für geschwinden 
vnd vergehen, wamunge an s. l. Deudschen. 
(1531). Hj^ 

Ceschwittdigkeit , f. klugheit, listi wer 
die schärfe vnd geschwindigkeit des handeis 
aaff jenem theil ansiehet odder merkt, der 
wird meine schrift nicht für sonderliche 
schärfe vnd geschwindigkeit rechen, de Wette 
br. 4, 239. 

fiesfhwisterigj pl. geschunster: das sein 
zwey geschwistrig, die offl gerne bey ein an- 
der sind, eyn geistlich edles büchlein. 
(1516). Cüj*. einen weiteren beleg für die 

DisTZ, Wörterbuch. II. 



nicht häufig vorkommende form geschwi- 
sterig bietet folgende stelle eines zeitgenos' 
sen Ls.: die münch wollen den armen nun- 
nen nit günnen, dz {dasz) sy ire fromm valter 
vnd nmter vnd geschwisterig mögen sähen. 
die fünfzehn bundgenoszen. (1521?). der 
IX. bundtgnosz. b ij **. 

CeschwIsterUid^ n. consobrinus: hie 
haben wir nu die mutter des mcssia, die ist 
mit Joseph geschwisterkind vnd sind beides 
nifrtel eines grosvaters Matthes. vom schem 
hamphoras. (1543). Lij*; so were Maria 
mit Johanne dem teuffer geschwisterkind. 
ebend, Mij*; h. M. (herzog Moritz) lesset 
die nepotes; neffen, geschwisterkinder, der 
churfürst aber die proncpotes, die ander ge- 
schwisterkinder zu sich mit einander zu ver- 
ehelichen, lischr. 315**. — mhd, geswister- 
kint (Lexer 941). 

fiesckwisterty als geschwister verwandt, 
beleg s. gebrüdert. 

<2c8diwiir> n. ulcus, eiternde körperstelle: 
vnd rho fleisch im geschwür ist. 3 Mos. 13, 
10; ein geschwür des brandmals. v. 28. 

entstellt aus mhd. geswSr {Ben. 2^ 810*. 
Lexer 939), ahd. giswSr {Graff 6, 889). 

<2esehwnrM^ n. turba, gewimmel, mhd. 
geswerme, geswarme {Ben. 2', 763 ^ Lexer 
939), coli, xtt schwärm: ein geschwürm von 
gesten aus allen orten, post. (1528). 83'; 
das gantze geschwürm vnscr geistlichen. 
deudsch catech. (1529). Diiij*; das gantze 
geschwürm des bapsts, pfaflen vnd mönche. 
das 16. cap. s. Joh. (1538). Zij^;.es sind 
noch viel mehr der newen stücke, als feg- 
fewr, heilthumb, kirchen weihen vnd des ge- 
schwUrms gantze drecket vnd dreckental. 
wider Hans Warst. (1541). Eiij^; das 
gantze geschwürm vnd gewürm menschUcher 
geselzen vnd geboten. Bindseil 7, 447; vnd 
were das vnzeliche vnzifer, gewürm vnd ge- 
schwürm der bücher nicht. in die kirchen 
komcn. Jen, 1 , * iij ^ 

ClesegeiM, gesegnen, segnen, benedicere, 
mhd. gesogenen (Ben. 2^ 240^. Lexer 
907), ahd. gisegan6n (6rra/f 6, 147): das 
sol jhm der teufel gesegenen. von den 
schlüsseln. (1530). Biiij ^ ; vnd er wol müge 
yhr weniges also gesegenen, das sie vberflus 
haben, post, (1528). 336*; weyl er soll 

13 



GESEGNET ; 



98 



GESELLBRUDER > 



der . gesegenele samen seyn der alle andere 
gesegenen solt. das Jhesus Christus eyn gC' 
iomer Jude sey. (1523). Bj"; fride sey 
euch, das ist so viel gesagt, gehabt euch wol 
. . . wie wir sagen : goU grüsse euch odder 
gott gesegne euch, ausleg. der.euang. von 
ostem ftc, (1527). V 6**. einen gesegnen, 
ihn zum abschiede segnen, von ihm abschied 
nehmen: Tobias gesegnet valer vnd mutler 
vnd zoch mit seinem gesellen dahin. Tob. 5, 
24 ; vnd als wir einander gesegneten, tratten 
wir ins schiff, ap. gesch.2\, 6; nach dem 
ich nu ein zeillang alhie gewesen vnd euch 
gepredigt habe, auch nu anheim mus vnd 
villeicht euch nicht mehr predigen möcht , so 
wil ich euch hiemil gesegnen, vier predig- 
ten. (1546). Sj^ 

üeseguetj part. s. segnen. 

üesein s. v. a. sein, mhd. gesin {Ben. 2V 
294'. Lexer 914): so bald es gesein kan, 
Jen. 2, 13 '^ ; das selb worl mag vnd kan kein 
crealur gesein. post. (1528). 111"; ich woll 
gerne vergeblicli blut vergiessen vnd verlorne 
kriege verkomen, wo es ymer gesein mochte. 
vom krieg widder d. T. (1529). Hij**. 

Geseligen , selig machen, mhd. gesaeligen 
{Ben. 2^ 41 ". Lexer 894): das wir sollen 
ewige golles erben jm himel, lebendig vnd 
geseligt sein, das 16. cap. s. Joh. (1538). 
Pi]**. s. auch seligen. 

desellj geselle^ m. socius, mhd. geselle 
{Ben. 2'\ 29". Lexer 908), ahd. gisello 
{Graff 6, 178). zu sal haus, daher 

1) urspr. hausgenosse , dann genösse 
überhaupt, geführte, freund: mein Ire wer 
geselle {var. geferte). Phil. 4, 3; darum 
hat dich gott, dein gott, gesalbet mit freuden- 
öle, mehr denn deine gesellen {var. mitge- 
nossen), ps. 45, 8; Daniel sampt seinen ge- 
sellen. Dan. 2, 13; Eck mit seinen gesellen. 
Widder die bullen des endchrists. (1520). 
B 6 " ; s. Mattheus vnd seine gesellen, der 
proph. Sacharja. (1528). Tij^; s. Moritz 
mit seinen gesellen, von den concilijs. 
(1539). Fiiij*; wer mit den weisen vmbge- 
het, der wird weise, wer aber der narren 
geselle ist, der wird vnglück haben, spr. 
Sal, 13, 20; sihe, wie ist der mensch ein 
fresser vnd ein weinseuffer , der zölner vnd 
der Sünder geselle. Matth. 11,19; ich bin 



ein bruder der schlangen vnd- ein geselle der 
straussen.' Hiob 30, 29; ich habs beschlos- 
sen, mir sie (die Weisheit) zum gesellen 
{bibel: gespielen) zu nemen. var. zu weish. 
8, 9. Eiob 36, 33 wird der donner ein 
geselle des blitzes genannt, gehülfe bei einer 
arbeit, mitarbeiter : Titus, welcher mein ge- 
selle vnd gehülffe vnler euch ist. 2 Cor. 8, 
23 ; da zu jm {dem proph. Haggai) hernach 
vber zween monden Sacharja zum geselleu 
gegeben ward , au ff das durch zweier zeugen 
munde gottes worl deste gewisser gegleubt 
würde. Bindseil T, 409. kriegsgenosze, 
camerad: auff die weise solt man sie {die 
kriegsknechte) vermanen: lieben gesellen, 
wir sind alhie versamlet yni dienst, pflicht 
vnd geliorsam vnsers fürsten. ob kriegsleutte. 
C1527). Gj'. freund, geliebter: das er sich 
so nahe zu yhn macht vnd vmbgehet, wie ein 
gesell mit dem andern, vber das erste buch 
Mose. . {Ib21). siiij''; sein gulter freund 
vnd geselle, post. (1528). 183^; als bru- 
der vnd gesellen, artickel etc. (1538). 
Giiij ^ 

2) allgemeiner: bursche , junger mann, 
person: sihe an, wie ein schön gesel oder 
melze ich bin für andern, von den Juden. 
(1543). Biij*; verachte mir nicht die ge- 
sellen , die für der thur panem propter deum 
sagen, das man kinder zur schulen halten 
solle. (1530). Giiij'; wir Deudschen sind 
solche gesellen, was new ist, da fallen wir 
auff vnd hangen dran wie die narren, das 
diese worl etc. (1527). b j'; vnd bulet mit 
allen schönen gesellen. Ezech. 23, 7 ; da 
gieng der junge Tobias hin aus vnd fand 
einen feinen jungen gesellen stehen. Tob. 5, 
5; dazu ist er ein iunger geselle vnd frisches 
geblüK vber das erste buch Mose. (1527). 
kkiiij'; jhe helle ich diesen odder jhenen 
jungep gesellen für meinen vnfletigen man. 
eine höchzeilpredigt. ( 1 53 1 ). c j ^; ein frum 
geselle, von ehesachen. (1530). Bj'; ein 
gut gesel. ioider den bischof zu Magdeburg. 
(1539). Ciiij"; wie kan ein schlechter vner- 
farner geselle dencken, das ein cardinal solch 
ein böser wurmb sein künd? ebend. ¥i}^. 

Clesellbrnder, m. Ordensbruder, kloster- 
bruder : aber sein geselbruder gieng neben jm 
ledig. Verantwortung etc. (1533). Bij^ 



GESELLEN 



99 



GESETZ 



fiesclicBj sociare, zum {^esellpn machen, 
vereinigen, verbinden, mhd, {gesellen (Ben, 
2^ 32 ^ Lexer 909), ahd. gisellaii {Graff 
6. 178). beiL. nur refl, 

a) mit dal. : sonst pflegen die proplielen 
nicht also zu reden, das sie sich gotle ge- 
sellen oder gleichen. Verlegung des alcoran. 
(1542). Rj*. 

b) mit zu : geselle dich zu fronien leuten. 
Sir, 9, 23 ; wer sich gesellet zum hofferti- 
geD, der lernet hoflart. 13, 1; so so) ein 
jglich mensch sich gesellen zu seines glei- 
chen. V. 20 ; es ist ehen ^Is wenn sich der 
wolfT zum schaf gesellet , wenn ein gottloser 
sich zum fromen gesellet, v. 21 ; geselle dich 
nicht zum zornigen man. spr. SaL 22, 24 ; 
wir gesellen vns nicht zu den spöttern. Jer. 
15, 17. 

e) sich mit einem (etwas) gesellen, ver- 
binden: wie hyena mit dem hund sich ge- 
sellet, also auch der reiche mit dem armen. 
5i>. 13, 22. von leblosen dingen: das ein 
jgliches der heyder sieh mit seinem orlbret von 
vnten aufl* geselle. 2 Jifos. 26, 24. 36, 29. 

Ilesdiigj mhd. gesellec (£^en. 2S 31'. 
Lexer 909). 

1) socialiSt ehelich: cznm dritten ist eyn 
weyb geschaffen dem man zu eynem geseih- 
gen hulffen in allen dingen, besondern kin- 
der zu bringen, serm. von dem ehelichen 
stand. (1519). Aij*. 

2) loie es einem gesellen zukommt, 
freundlich: es sind gar freundliche vnd ge- 
selhge reden vnd worte, gleich wie gute 
freunde mit einander vber tisch reden möcii- 
len. EüL 2, 465*. 

^kselliD; /*. gefährtin, mhd. geselltn , ge- 
sellinne (Ben. 2*, 31*. Lexer 9\0): dar- 
umb das der herr zwischen dir vnd dem weih 
deiner jugent gezeuget hat, die du verachtest, 
so sie doch deine geseliin vnd ein weih deines 
bunds ist. Mal. 2 , 14; keines (der Ihiere) 
hielt sich zu yhm (Adam) als seine geseliin. 
vber das erste buch Mose. (1527). Jiij^ 

(tesclischift y f. so(ielas, mhd. geselle- 
schaft {Ben. 2*, 32*. Lexer 910), ahd. gi- 
selliscaft (öro/f 6, 179). 

1) freundschaftliches beisammen- oder 
Verbundensein, gemeinschaft : gleich als wo 
ich in kercker würde gelegt , were ich wol 



beraubt der eusserliclien geselschafft guter 
freunde. Jen. 1, 239 ''; vnd kompl klugheit 
durch jr (der Weisheit) geselschaflt vnd ge- 
sprech. weish. 8, 18; vnd also der heiligen 
geselschaül dich teilhafflig machen, verma- 
nung zum sacrament. (1530). Ciij'. 

2) Versammlung zu einer festlichkeil: da 
durch man die leut lachen, lustig vnd frölich 
macht, wie das ynn geselschafften vnd wol- 
leben geschieht, post. (1528). 330'; gleich 
wie zur hochzeit oder andern geselschafften. 
von den concilijs. (1539).kj'. 

3) Vereinigung mehrerer, schaar, genos- 
senschaft: es ist nicht ein kerckerklost^r, 
sondern eine freie geselschaft etlicher pries ter 
gewest. ebend. a j '^ ; vnd habe mich nie zu 
vnzüchliger vnd leichtfertiger geselschafft ge- 
halten. Tob. 3, 1 8 ; meinslu die gesellschaff- 
ten werden jn zuschneiten ? Hiob. 40, 25. 
besonders kaufmännische genossenschaft, 
handelsgesellschaft : hie must man werlich 
auch den fuckern vnd der gleychen gesel- 
schafften ein zawm ynsz maul legen, an den 
christl. adel. (1520). Niiij'; nu kauffschla- 
gen yhe solche geselschafften mit eyttel ewi- 
gen gewissen gülden vrob vnsere zeytliche, 
vngewisse pfennige. von kauffshandlung. 
(1 524). Diiij ^ ; die hendler vnd geselschafften. 
wider d. wucher. . (1540). Diij*. 

4) gesellsehaft ^= genösse, freund: denn 
es thut ja wehe vnd macht ein blöde hertz, 
das ein mensch plölzhch sol verlieren alle 
seine freunde vpd geselschafft, zu den er sich 
alles guts versehen hat. das 16. cap. s. Joh. 
(1538). Ddiiij*. 

fiescage^ n. s, gesänge. 

Clesess^ n. s, gesäsz. 

Clesessea , pari. adj. angesessen , an- 
sässig : gesessene bürger. von den concilijs. 
(1539). Fiij^ mhd. ges^^en (Ben. 2», 
331 ^ Lexer 9\2). 

Gfseliy gesetze, n. lex, mhd. gesetze (Ben. 
2*, 345 ^ Lea;er91l). eine bei L. vor- 
kommende neben form von gesetz ist gesatz 
{s. d.). 

1) liederstrophe : das (ehre sei gott etc. 
Luc. 2, 14) ist ein gesang von dreien leisen 
oder gesetzen. hauspost, (fVittemb. 1545). 
winterteil. 23 '. 

2) zur be folgung festgesetztes : das gesetz 

13* 



GESETZ 



100 



GESGTZHEILIGE 



gebeut vnd foddert von vns, was wyr thüen 
sollen, ist allein auff vnser Ihuen gericlit vnd 
sldiet ym foddern. vber das erste buch 
Mose. (1527). Aij^; geselz ist, wenn gott 
heisset thun odder lassen vnd etwas von vns 
foddert. ebend. nj'; des herrn gesetz. 2 
Mos. 13, 9 ; gesetz gotles. Esra 7, 14 ; das 
gesetz des königs. 7, 26 ; die römischen ge- 
wonheit vnd gesetz. auff das vbirchrislL 
buch. (1521). Diij'; des mamelischen ge- 
setzes. Verlegung des alcoran. (1542). Mij*. 
der gegenslandi worauf sich das geselz be^ 
zieht, ist im gen. oder mit einer praep. bei- 
gefügt: das geselz des brandöpffers. 3 Mos. 

6, 9; gesetz des speisopffers. v. 14; gesetz 
des sündopffers. v. 25 ; gesetz des danck- 
opffers. 7, 11 ; das gesetz von den tliieren 
vnd vögeln. 11, 46; das geselz vber die 
mal des aussatzs. 13, 59. es heiszt ein ge- 
setz geben, gebieten, stellen, machen, vor- 
legen : er gab ein gesetz in Israel, das er vn- 
sern vetern gebot zu leren jre kinder. ps. 
78, 5; vnd weis solches, das dem gerechten 
kein gesetz gegeben ist. 1 Tim. 1, 9; Mose 
hat vns das gesetz geboten. 5 Mos. 33, 4 ; 
daselbs stellet er jnen ein gesetze vnd ein 
recht. 2 Mos. 15, 25 ; aber doch sollt man 
keyn nöttigs gesetze hyrynnen stellen, das 
l.cap.Cor. (1523). Cj**; also macht Jo- 
seph jnen ein gesetz bis auff disen tag. 1 
Mos, 47, 26; dis gesetz, das ich euch heuts 
tags fürlege. 5 Mos, 4, 8. ebenso es ändern, 
auflösen, abthun, aufheben^ abtilgen: vnd 
wird sich vnterstehen zeit vnd gesetz zu en- 
dern. Dan. 7, 25 ; jr soll nicht wehnen, das 
ich komen bin, das gesetz oder die propheten 
aiuffzulösen. Matth. 5, 17 ; das wir jnen jr 
gesetz abthun wollen. 1 Macc. 6, 59 ; das 
alle ander gesetz auffgehaben. 2 Macc. 2, 
23 ; vnd tilgete die alten ehrlichen gesetz ab. 
4,11. befolgung des gesetzes wird ausge- 
drückt durch das gesetz erfüllen, halten, 
thun, nach dem gesetz thun, im gesetz wan- 
deln, nichtbefolgung durch das gesetz über- 
gehen, übertreten: wer den andern Hebel, 
der hat das gesetz erfüllet. Rom. 13, 8; vnd 
halten alle seine gesetz. 2 Mos. 15, 26; 
niemand vnler euch thut das gesetze. Joh. 

7, 19; das du hallest vnd thust aller ding 
nach dem gesetz, das dir Mose mein knecht 



geboten hat. Jos. 1 , 7 ; das ichs versuche, 
obs in meinem gesclze wandele oder nicht. 
2 Mos. 16,4; sie vbergehen das gesetz. Jes. 
24, 5 ; das gantz Israel vber trat dein geselz. 
Dan. 9, 1 1 ; der du das gesetz vberlTitlesl. 
Rom. 2, 27. 

3 ) gesetz ^=== buch des gesetzesi die fünf 
bücher Moses: denn es mus alles erfüllet 
werden, was von mir geschrieben ist im ge- 
setz Mosi, in den propheten vnd in psalmen. 
Luc. 24, 44. oder auch das ganze alte 
testament : stehet nicht geschrieben in ewrem 
gesetz {ps. 82, 6), ich hab gesagt, jr seid 
gölter? Joh. 10, 34; das erfüllet werde der 
Spruch in jrem gesetze gesclirieben (ps, 69, 
5), sie hassen mich on vrsache. 15, 25. 

CleMUbDchy fi. das alle testament: so 
wisse nu, das dis buch {das a. lest.) ein ge- 
setzbuch ist, das da leret was man thun vnd 
lassen sol. vorr. auf das alte lest. Bind- 
seil 7, 304 ; weü ym newen testament die 
zusagung mit hauffen stehen vnd ym alten die 
gesetz mit hauffen, nennet man eins euange- 
lion, das ander gesetzbuch. post. (1528). 
55*; vnd Josua schreib dis alles ins gesetz- 
buch gottes. Jos. 24, 26; ich habe das ge- 
setzbuch gefunden im hause des herrn. 2 
kön. 22, 8. — mhd. gesatzbuoch {Lexer 
895). 

ClescUesweise^ adv. in form eines ge- 
setzes: das er vns gesetzsweise sage, was 
wir zu thun schuldig sind, der proph. Sa- 
charja. (1528). hiij". 

CleseUgeber^ m. legislator: es ist ein 
einiger gesetzgeber. Jae. 4t, 12; gesetz vnd 
gesetzgeber. eyn vrteil. (1521). Gj*. 

Oesetshtlter, m. halter, befolger des ge- 
setzes : solche wircker vnd gesetzhalter wil 
gott haben, post. (1528). 131*. 

Hesetskdllge^ m. wer durch befolgung 
des gesetzes ohne gnade vor gott gerecht 
werden will: ynn dem Ismael wird angezeigt 
das volck so das gesetz helt, darümb füret er 
auch den namen, art vnd weise so solche 
leute füren,, das er ein furbilde ist aller ge- 
setz- vnd werckheUigen, derhalben sol es vns 
auch bekand sein, was für leute sind, die 
durch werck| das ist on gnade wollen from 
werden, vber das erste buch Mose.^ (1527). 
pj^ 



GESETZLEHRER 



tot 



GESICHT 



(Seselilekrer (geseulerer), m. yofiodidda- 
xuXog, doclor legis : er (Chrültis) ferct nicht 
da her wie Moses odder ein gesetzlerer mit 
gebieten , drewen vnd schrecken, das 5. 6. 
vndT.Zap.s. MaUh. (1532). Eüj*"; Mose 
wie ein volkomener geselzlerer allenthalben 
seinem ampt gnug thet. vorr, auf das a. lesL 
Bindseü 1, 306. insbesondere ein lehrer 
der gese^zesgerechUgkeity werkgerechligkeil : 
das sind treffliche, wortt vnnd slreylten ge- 
waltig Widder die werckmeyster vnd gesetz- 
lerer, ausleg, der ep, vnd euang. vom 
chrisiag etc. (1522). Viij'; da mit bedeutet 
er die geselzlerer, so mit wercken den gotts- 
dienst treiben, derproph. Sacharja. (1528). 
Gc iiij ^ ; merck das der heilige geisl die werck- 
vnd gesetzelerer nicht sendet, gl. zu ap. 
geseh. 15, 24. 

deMtlldo, gesetzle, n. dtm. zu gesetz: 
die papisten deutten aber den selben gehor- 
sam nicht auff gottis gepol, sondern auff yhre 
gesetzle vnd fündle. posl. (1528). 187*. 
CleaeUlM» exlex: so sey es nu beschlos- 
sen, das die zwelffte zal bedeul die apostel, 
die apostolische lere, den apostolischen glau- 
ben vnd den rechten witwen, geystlichen, ge- 
setzlosen stand. posL (1528). 173 ^ 

Cesetwucher^ m. geseizgeber: wo ist ein 
gesetzmacher wie er ist? var. zu Hiob 36, 
22 ; denn sie halten Christum für einen ge- 
setzmacher. posl. (1528). 54^; wilch vor- 
kerung gibt klar getzeugnis, ausz wilchem 
geyst sie furnehmen gesetzmecher zu sein. 
auff das vbirchristL buch. (1521). Dij^ 

(lesefiMeisteri m. was gesetzlehrer : dar- 
umb gebet er {der aposlel Paulus) auch mit 
den CoUossern so freundlich vmb, gepeut 
nicht, treybt vnd trewet nicht, wie die ge- 
setznieyster thun vnd thun müssen mit dem 
gesetzvolck. posL (1528). 290 ^ 

lleaetsf rcdigerj m. prediget des geseizes : 
im 1. cap. {der ersten ep. s. PaM an Timoth.) 
befilhet er, das ein bischoff halte vber dem 
rechten glauben vnd liebe vnd den falschen ge- 
setzpredigem widerstehe, die neben Christo 
vnd dem euangelio auch die werck des ge- 
selzestreiben wollen. Bindseil 7, 457. 

(leMtisckrelkcr» m. Moses aber in seinen 
bücbem treibet, dringet, drewet, schlegt vnd 
straffet greulich» denn er ist ein gesetzschrei- 



ber vnd treiber. vorr. auff das n. tesi. 
Bindseil 7, 428. 

Oesetitrcihcri m. der zuir befolgung des 
gesetzes antreibt: da kam der gesetztreiber 
vnd iagt euch von einem werck zum andern. 
derproph, Sacharja. (1528). Rbiij'; denn sie 
fuleten wol Mosen den gesetztreiber. ebend. ; 
ein gesetztreyber dringet mit drewen vnd stra- 
ffen, po«/. (1528). 252*; es geburt den ofti- 
cialen vnd bischoffen, weil sie nicht theologen, 
sondern gesetztreiber sind, nicht ym gewissen 
zu m eistern. von ehesachen. (1530). Biij * ; 

0c8efif«lckj n. da das gesetzvolck 
regiret, da sind eytel Ismael , empfahen auch 
von gott rechten samen, wie Ismael von 
Abram empfangen wird, hören das worl vnd 
predigt, wachssen mehr dauon denn die rech- 
ten cliristen, aber werden nicht rechlscliaffen, 
fallen auff werck , greiffens mit dem freyen 
willen an, verlassen sich drauff, haben gottes 
gepot zuuor, da gehen sie ynn einem schein- 
barlichem leben für der weit, das niemands 
taddeln kan. vber das erste buch Mose. 
(1527). p ij*; wer ein gesetzuolck regieren 
sol, der mus jmer anhalten, jmer treiben vnd 
sich mit dem volck wie mit eseln blewen. 
Bindseil 7, 308. noch einen beleg s. unter 
gesetzmeister. 

C2c8etiwerk| n. durch ein gesetz vorge- 
schriebenes werk: kein gesetzwerck gehet 
mit lust vnd liebe abe, es ist alles erzwungen 
vnd abgenötiget. Bindseil 7, 308; gesetz- 
werck gezwungen werck sind, ebend. 

C2eseliwarger| m. der einige gesetzwürger 
d. i. Christus, weil er uns vom gesetz er- 
löset hat. zwo predigt zu Smalkalden. 
(1537). Eiij*. 

ficsickt^ gesickte, n. visus, visio, mhd. 
gesiht, gesihte (Ben. 2\ 283"'*. Lexer 
913), ahd. gisiht, gisihü [Graff 6, 123). 

1 ) das sehen, ansehen, der blick : so mu- 
gen sie von dem geruch oder gesiebt salb 
werden, ausleg. deutsch des v. u. (1518). 
Fiij ^ ; der basilisk auch mit dem gesiebt die 
leute vergifftet vnd tödtet. von den Juden. 
(1543). Jj*; das ist nicht ein freundlicher 
blick oder gnedig gesicht, sondern ein sawr 
zornig ansehen, ausleg. der ep. vnd euang, 
von ostem. (1544). tij*. 

2) gesichtssinn, äugen: viel blinden sehen* 



GESICHT 



102 



GESINNET 



cket er das gesiclille. Luc. 7, 21 ; silie vnsere 
leibliche äugen vnd gesiclile an, wenn wir die 
äugen auflthun, so ist vnser gesichte ynn eyin 
augenblick vber funfl* odder sechs meyle wegs, 
vnd zugleich an allen orten, die ynn solchen 
sechs meilen sind gegenwertig vnd ist doch 
nur ein gesichle ein äuge, vom abendmat 
Christi, (1528). hiü]**; er hat ein rein 
scharff gesichte. das 5. 6. vnd 7. cap, s. 
Mallh. (1532). pij'; {die aufgehende 
sonne) yhre slarcke glentz .also in yhr gesichte 
slosl, das yhn grün vnd gelb für den äugen 
schyroert. widder die bullen des endchrisis, 
(1520). Bij*; der neyd ausz seinem 
gesiebt gleich prant vnd funckelt für grosser 
boszheit. auff des bocks antworl. (1521). 
aij'^; das gesiebt vergehet mir. ps. 69, 4; 
da er für onmacht zur erden sanck vnd jm 
das gesiebt vergieng. 2 Macc. 3, 27 ; das 
gesiebt vergehet vns, vnd ist alles scbwartz 
für den äugen, gl. zu hlagl, Jet, 5, 17. 
einem ins gesicht kommenf venire in con- 
speclum alicujus: wenn wir hinüber komen 
zu den leuten vnd jnen ins gesicht komen. 1 
Sam. 14, 8; da sie nu der Philister lager 
beide ins gesicht kamen, v. 11. 

3) zweifelhaft ist nach L, die bedeutung 
von gesicht in folgender stelle : Lea hatte ein 
blöde gesiebt. 1 Hos, 29, 17. in den pre- 
digten über das erste buch Mose bemerkt er 
nemlich hierzu: nicht weys ich, ob er {Mo- 
ses) von blöden äugen odder vom gantzen 
angesicht redet, als wir sagen mager, dürr 
vnd bleych von angesicht, verfallen vnd nicht 
voll, wuchs mir am besten gefeit. 

4) visio, erscheinung: zu Abram geschach 
das wort des herrn im gesieht. 1 Mos, 15, 
1 ; ich wil dahin vnd besehen dis gros ge- 
sicht. 2 Mos, 3» 3^jr soll dis gesicht (die 
Verklärung Christi) niemand «agen. Matth. 
17, 9 ; sie mer€kten, das er ein gesichte ge- 
sehen hatte im tempel. Luc, 1, 22. über- 
haupt göttliche Offenbarung: Samuel aber 
rnrchte sich, das gesicht Eli anzusagen. 1 
Sam, 3, 15; da Nathan alle diese wort vnd 
alle dis gesichle Dauid gesagt hatte. 2 Sam, 
7, 17. insbesondere Weissagung: gesichte 
sind prophecien. gl, zu 2 chron, 26, 5 ; dis 
ist das gesiebte Jesaja. Jes, 1 , 1 ; dis ist das 
gesicht Obadja. Obadja 1. 



ClesiDde, n. mhd, gesinde {Ben. 2^ 295*. 
Lexer 914), aM. gisindi (Graff 6, 233), 
coli, V, sind weg, reise, daher eig. die be- 
gleitung auf dem wege, reisegefolge, dann 
gefolge überhaupt, dienerschaft, besonders 
des hauses {vgl. hausgesinde) : daher so 
grosse klag ist vber gesind vnd dienstleule 
ynn der weit, vber das erste buch Mose. 
(1527). y iij*; ein yglicher bausuater schul- 
dig ist, das er zum wenigsten die wochen ein 
mal seine kinder vnd gesinde vmbfrage vnd 
verhöre, was sie dauon (vom caiechismus) 
wissen, deudsch calech. (1529). Aij'; das 
siebend gebot von sielen muslu bey hand- 
wercken, hendlern, ja auch bey bawren vnd 
gesinde hefflig treiben, der kl. catech. 
(1539). A 5'*; der son meines gesinds. 1 
Mos. 15» 3 ; was gesinds da heim geborn 
oder erkaufll ist. 17, 12; vnd war kein 
mensch vom gesinde des hauses dabey. 39, 
11 ; das gesinde Pharao. 45, 2; das gesinde 
des königs. 2 Sam, 16, 2. allgemeiner: 
bepstlich gesind, an den christlichen adel. 
(1520J. Dij**; hie fragislu weytter, ob denn 
auch die bollel , hencker, Juristen, furspre- 
chen vnnd was des gesinds ist, Christen seyn 
mügen. von weltlicher vberkeit, (1523). 
Giiij^; Kain mit seinem gesinde. vber das 
erste buch Mose, (1527). Rüj**; hudel- 
manns gesinde. tischr, 331 ^ «. hudelmann. 

Clesindieiii (gesindhn), n. dim. v, gesinde : 
welcher baur aulT eim dorffe denckt das 
goltes gäbe sey, das er hinder seinem zäun 
so sicher sitzt mit seinem gesindlin? der 
147. psalm, (1532). Aiiij '. mehr im sinne 
von gesindel : bapst, cardinal vnd was seiner 
abgötterey vnd bepsllicber heiligkeit gesindlin 
ist. wider das bapslum, (1545). Lj*; bapst, 
cardinal vnd jr gesindlin. ebend. Oiij * ; was 
der teuflel vnd sein gesindlin für fruchllin 
sind, wider die gottlosen Sauliten. (1541). 
Aiij*; bischoue, epte, münchc, doctores vnd 
des vnnützen huddelmans gesindlin. von den 
concilijs, (1539). cij^ 

desinnet^ participbildung zu sinn, eine 
gesinnung habend, mhd. gesinnet {Ben. 2 ^ 
308 ^ Lexer 9 1 5 j : wie er gegen den leulten 
gesinnet sey. serm. von dem guten hirlen, 
(1523). a ij'; das ist goUes bilde, das eben 
also gesynnet ist. vber das erste buch Mose» 



GESPAt^NEN 



103 



GESPIELE 



(1527). Hj**; die gesinnet sind, wie du bist. 
Str. 37, 16; eio jgliclier sey gesinnet, wie 
Jhesus Christus auch war. Phil. 2, 5 ; vnd 
sendet etliche, das wir wissen, was jr gesin- 
Det seid. 2 Macc. 11, 37; die da fleisclilich 
sind, die sind fleischlich gesiunet, die aber 
geistlich sind, die sind geisthch gesinnet. Rom, 
S, 5; die jrdisch gesinnet sind. Pfui. 3, 19; 
endhch aber seid allesampt gleich gesinnet. 1 
PeL 3, 8 ; vnd meinet alle well sey mit jhr 
gleich gesinnet. serm. vberJoh, 20. (1531). 
Aiij*. 

(lespaDDCB, pari. s. spannen. 

(icspci (gespey), n. 1) geschtcälz, gerede: 
alle das gespey, das d. Carlstad von dem er- 
kentnis des leybs Christi ynn dieser sachen 
auswirfft, fleusst aus dem gründe, das er seyn 
tuto au ff den sitzenden leyb Christi gerichtet 
hat. das ander teyl widder d. hyml. pro- 
pheten. (1525). Miij^ 

2) gespöU: gespey vnd gehey. was auff 
dem reichstag zu Nuremberg etc. (1538). 
Aij^. vollständiger siehe die stelle unter 
gehei. 

mhd. gespei, gespeie »» gespött {Lexer^ 
922). 

ÜCspcDst; gespenste, n. spectrum, phan- 
t€Lsma,.mhd. gespenste n„ gewöhnlicher noch 
gespenst, gespanst/". {Ben. 2\ 477 **. Lexer 
921), ahd. gi-, kaspanst {Graff 6, 342), v. 
ahd. spanan — > locken, verlocken, daher 

1) s.v. a. Verlockung, läuschung, welche 
bedeulung noch in folgender stelle ange- 
nommen werden kann : ach das wir szo blind 
sein vnd dem teuflel in sey neu gespensten nit 
allein seinen mutwillen laszen, szondern auch 
stercken vund mehren, an den christl. adel. 
(1520). Jij*. 

2) trugbild, bloszer schein, schatten: jrr- 
wische vnd gespenst, so die leute von rech- 
tem weg vnd Strasse füren, das 16. cap. s. 
Joh. (1538). Sj^; nu Tertullians mcinung 
zuuerstehen ist zu mercken , das der kctzcr 
Marcion lerel, wie Christus nicht helle natür- 
lichen rechten leib an sich gcnomeu von 
Maria , wie auch ander mehr kctzer lerctcn, 
sondern were nur ein Schemen oddcr ge- 
spenst eins leibs (scheinleib) gewosl, das 
sich Widder greiifen, fulcn noch halten lessl, 
wie die teuifel zu weilen erscheinen ynn 



mancherley weise vnd ist doch nichls vnd ein 
eitel gespenst für den äugen, widder diesen 
Marcion ficht nu Tertuliian vnd wil, das 
Christus hab einen rechten natürlichen leih 
gehab l, vnd schleusst also, was ein eitel ding, 
Schemen odder gespenst ist, das kan keine 
gestalt fassen, denn ein gespenst hat widder 
färbe, noch dicke, noch lenge, noch breite, es 
ist ein eiteler schein, das diese wort etc. 
(1527). niiij'; er (gott) feret nicht erab, 
das er allein wolle ein ledig gesiebt zeigen, 
als ein Schemen oder gespenst wie ein gauck- 
ler. von der heil, taufe. (1535). Gij"; 
doch hindan gesetzt alle laruen vnd gespenste 
vn christl ichs wesens vnd geprenges. ar ticket 
etc. (1538). llj'*; darum b ist das fegfeur 
mit allem seinem geprenge, gottesdienst vnd 
gewerbe für ein lauter teufeis gespenste zu 
achten, ebend. Biiij ** ; das heisst aulT deudsch 
ein Icufels gespenst für die äugen stellen. 
kurtz bekentnis. (1544). Fj^ 

3) von der {schaUenhaften) erscheinung 
abgeschiedener seelen oder böser geister: 
solcher rauch vertreibt allerley böse gespenst. 
Tob. 6, 9 ; vnd da jn die jünger sahen aufT 
dem meer gehen, erschracken sie, vnd spra- 
chen , es ist ein gespenst vnd schrien für 
furcht. Matth. 14, 26. Marc. 6, 49. die 
erscheinung Samuels (1 Sam. 28, 11 /T-) 
hält L. nach seiner gl. zu 1 Sam. 28, 3 für 
ein trugbild des bösen geistes: Sanuiel aber 
war gestorben etc. das erzelel die schrifll 
darumb, aufT das sie warne jederman, das er 
das nachfolgende gespenst von Samuel recht 
verstehe vnd wisse , das Samuel tod sey vnd 
solchs der böse geist mit der zeuberinnen vnd 
Saul redet vnd thut in Samuels person vnd 
namen. 

Hcflf err , n. gebälk , sparrenwerk , mhd. 
gespcrre {Ben. 2^ 486 ^ Lexer 922), ahd. 
gispcrri (Graff 6, 362), coli, zu sparre: das 
gesperr oder balckon. zwo predigt. (1540). 
Mj'; die balcken am gesperr. Babac. 3, 
1 1 ; sein eigen gebewe sol yhn erschrecken 
mit eim krachen ym gesperre. der prophet 
Habacuc. (1526). Ij''. 

Clesfiele^ m. {f.) spielgenosse, geführte, 
freund, mhd. gespil, gespile (Ben. 2^ 504''. 
Lexer 92^): ich liabs beschlossen, mir sie 
zum gespielen zu ncmen. weish, 8, 9 ; vnd 



GESPIESZTE 



104 



GESTALT 



meine jungfrawschaffl beweine mit meinen 
gespieien. rieht, 11, 37; jrc gespielen, die 
jungfrawen, die jr nachgehen, ps, 45, 15. 

fiespicsstej m. s. spieszen. 

fiespott^ gespötte (gespott, gespoltc), n. 
ludibriuM, mhd, gespöte, gespötte (Ben. 2^ 
519 **. Lexer 923), coli, zu spolt. 

1) spoH^ Verspottung, Verhöhnung: wer 
von vnrechtcm gut bpffert, des opffcr ist ein 
gespöt, aber solch gespöt der gottlosen gc- 
feilet gott nichts vberall. Str. 34, 21. 22 ; 
da müssen wir ia greiffen , das es ein lauter 
hochmü(ige gespöt scy des teufTcls. d<is diese 
wort etc. (1527). d ij ' ; darumb ficht mich 
solch der Juden gespötte nichts an. von den 
letzten worten Dauids. (1543). Aij^; (der 
satan) sein gespöt an jm (Christo) hat. vom 
abendmal Christi. (1534). r ij ^ ; die narren 
treiben das gespöt mit der sünde. spr. Sal. 
14, 9; ich hab einen sack angezogen, aber 
sie treiben das gespött draus, ps. 69, 12; 
daraus man greiffen mus, das sie aus dem 
ewigen leben ein lauter gehey vnd gespötte 
haben, wamunge an s. l. Deudschen. 
(1531). Eiiij*; bis er {Augustinus) jnn der 
Manicheer ketzerev fiel vnd beide aus Christo 
vnd seiner tauffe das gespötte hielt, verma- 
nung zum sacrament. (1530). Aiij'. 

2) gegenständ des spottes: macht sie 
truncken . . . auff das sie auch zum gespött 
werde. Jer. 48, 26 ; Israel hat dein gespött 
sein müssen, v. 27 ; gottes wort mus der 
vernunfft ein gespötte sein, der proph. Sa- 
chärja. (1528). K]'; so wird der glawbe 
nicht mehr rawm haben, sondern für ein tor- 
liche predigt gehalten vnd ein lauter gespötte 
daraus werden, das 15. cap. der ersten ep. 
s. Pauli an die Cor. (1534). Ej*. 

fiesprächj gespräche (gesprech, gespreche), 
n. mhd. gesprseche (Ben. 2^ 537". Lexer 
923), ahd. gisprkhi (Graff 6, 384); coli, 
zu spräche. 

1 ) rede ; las dir wolgefallen die rede mei- 
nes niundes vnd das gesprech meines hertzen 
für dir. ps. 19, 15. uneigentlich von der 
stimme (dem murmeln) des donners: lieber, 
höret doch, wie sein donner zürnet vnd was 
für gesprech von seinem munde ausgehet. 
Hiob 37, 2. 

2) Unterredung, colloquium: mus derbal- 



ben mit euch ein heimlich freundlich gesprech 
halten, vermanung an die geistlichen. 
(1530). Eij * ; hie sagt er von einem gesprech, 
so gehalten wird in der gottheit. das 16. 
,eap. s. JoH. (1538). Qij^; solche disputa- 
tion gehören in das sonder gespreche, wider 
den Wucher. (1540). Biij^ 

ClespigniSj n. spectrum, gespensl, trug- 
bild {vgl. spugnis); gauckelwerck vnd ge- 
spugnis. post. (1528). 241*; was spiegel- 
ficht er denn mit seinen falschen erlichten 
worttcn vnd gespugnisscn. an den christl. 
adel. (1520). Miij"; darumb soltu alles 
solch gespugnisz der geysler frey vnd frölich 
ynn den wind schlahenn. ausleg. der ep. 
vnd euang. vom christag. (1522). fiTij^ 

dcspule^ n. Spülicht, mhd. gespüele (Ben. 
2', 554 **) : ich halt, sie Werdens {das sacra- 
ment) noch mit der zeit ein ströde odder gc- 
spüle nennen. Verantwortung etc. (1533). 
Eij\ 

Gessen -»> gegessen, s. essen. 

Cestalt (gestallt), f. figura, forma, species, 
mhd. gestalt (Ben. 2', 563 ^ Lexer 926). 
k 1) figur, form, aussehen, 'das äuszere, 
wie ein ding sich vor äugen stellt, wahrge- 
nommen wird' ( Weigand) : eine form odder 
gestalt. das diese wort etc. (1525).. n iij'* ; 
die gestalt odder forme, der proph. Sacharja. 
(1528). Riiij'*; gestalt odder eusserlich an- 
sehen, ebend. Riiij ' ; geberde odder geslall. 
post. (1528). 342'. von gott und den 
engein: er sihet den herrn in seiner gestalt. 
4 Mos. 12, 8 ; ob er (Christus) wol in gött- 
licher gestalt war, hielt ers nicht für einen 
raub gotte gleich sein. Phil. 2, 6 ; vnd hüten 
vns für dem teuffei, der sich kau bilden vnd 
darstellen jnn Christus gestalt vnd namen. 
das 14. vnd 15. cap. Johannis. (1538). 
Bij'; seine gestalt war anzusehen wie ein 
engel gottes. rieht. 13, 6. vom menschen: 
in der gestalt eines menschen. 1 chron. 18, 
17 ; sihe nicht an seine gestalt noch seine 
grosse person. 1 Sam. 16, 7; er (David) 
war guter gestalt. «.,12; vnd das-weib war 
seer schöner gestalt. 2 Sam. 11, 2 ; ein 
weib schön von gestalt. 14, 27; darnach 
erschein jm ein ander alter herrlicher man in 
köstlichen kleidern vnd in einer gantzen herr- 
lichen gestalt. 2 Macc. 15, 13 ; meine gestalt 



GESTALT 



105 



GESTATTEN 



ist jemeriich für elende, ps. 88, 10; meine 
geslaU ist verfallen. 6, 8 ; des erschrack der 
könig Belsazer noch herter vnd verlor ganlz 
seine gestalt. Dan. 5, 9. von sacken: ge- 
slaU des himels. 2 Mos. 24, 10; des himels 
gestalt könnet jr vrteüen. Mailh. 1 6, 3 ; die 
gestalt der erden vnd des himels künd jr 
prüfen. Luc. 12, 56; du vernewest die ge- 
stalt (vor. das ansehen) der erden, ps, 104, 
30; die gestalt des fewrs. 4 Mos. 9, 16; so 
müssel jr nu machen gleiche gestall ewren 
ersen vnd ewren meusen. 1 Sam. 6, 5 ; ge- 
stallt vom brod. anUßori deutsch» (1522). 
Dij"; thusta es doch s'elbs nicht, wenn du 
dein körn jnn die erden seest, das es solt so 
bleiben vnd nicht ein ander gestalt kriegen, 
sondern wirflest es eben darumb dahin, das 
es seine ilzige gestalt verliere, das 15. cap, 
der ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534). 

(iiüj^ 

2) ratio, art und weise: ich habs {das 
euangelium) ja nicht gepredigt der gestalt, 
wie si«> es furgeben vnd dauon reden mensch- 
licher weise, nach der vernunfft vnd vnserm 
verstand, denn solch weltliche gestalt zu pre- 
digen odder darnach zurichten verderbt vnd 
verleuret gewislich das euangelion gar. ebend. 
Cj'*; feindlicher masse vnd gestalt hierynn 
handeln, von heimlichen vnd gestolen 
brieffen. (1529). Biiij"'. 

3) spedes: (der bapsl) hat so viel gestalt 
vnd vnlerscheyd der sundeu gemacht, das es* 
niemand erschwindeu kan. serm. von der 
beicht. (1525). Aiij''. 

4) die elemenle im sacrament des heil. 
abendmahU: darnach haben sie vns die eyne 
gestalt des weins gar gcnuumien . . . mit der 
weysze mochten sie vns aucli die ander ge- 
stalt nemen. serm. von dem n. test. (1520). 
Ej''; mit dem euangelio vnd nicht mit der 
Ihatl odder ordiuantz tmU man die beyde ge- 
stallt Widder aiifTrichten. von beyder gestalt 
des saeraments. (1522). Cij*; der ba]ist 
deu Bebenien beyde gcstall erleiihl. eine be- 
rieht. (1528). Oiij"; das sacranicnt jder- 
man jnn seiner pfarr wo! bekomcn mag, son- 
derlich einer gestall. von der winckelmesse. 
(1534). Dj''; den leieii ist gnug eine gestalt. 
wider das bapstum. (1545). <Jj '*. 

üestalt '^ geslallel, eine gestalt habend, 

ViKTt, Wörtorbuch. II. 



beschaffen: wie ist er gestalt? 1 Sam. 28, 
14 ; wie war der man gestalt? 2 kön. 1,7; 
vnd darinnen war es gestalt wie vier thiere 
vnd vnter jnen eines gestalt wie ein mensch. 
Ezech. 1, 5; oben aber vber den thieren 
war es gleich gestalt wie der himel. v. 22 ; 
vnd inwendig war es gestalt wie ein fewr. 
V. 27 ; sie sind gestalt wie rosse. Joel 2, 4 ; 
wie eine zunge gestalt. gl. zu Jos. 7, 21. 

GfstalfDiSi gcsteifDas^ f. (n. ?) was ge- 
stalt: welchs auch in den gestaltnusszen 
iEisl. 1, 4'': gestaltnissen) dyses saeraments 
angetzeyget wirt. eyn gutte tröstliche pre^ 
digt. (1519). Ay^. — mhd. geslaltnisse, 
gesteltnisse (Ben. 2^ 563 ' . Lexer 928). 

Clestäidig (gestendig/ sein, fateri, gette- 
hen: das er aber nicht verleucket ist das ers 
gestendig ist, was er sey. post. (1528). 
66'; darüber ich dem bapst mit allen den 
seinen nichts gestendig bin. Jen. 1, 360". 

destankj m. foetor, übler geruch, mKd. 
geslanc {Ben. 2^ 642*. Lexer 926): {die 
Juden) alle beiden für eitel grewliche kot 
vnd gestanck halten, von den Juden. (1543). 
Ciitj**; es {das grab) war voll solchs ge- 
schwebliclies gestancks, das es alle, die da vmb- 
her standen , kranck machte, etfi wellische 
lügenschrift. (1545). Aiiij". vgl. stank. 

üesfilteDy zulassen, gewähren, erlauben^ 
mhd. gestaten (Ben. 2\ 607". Lexer 927), 
ahd. g,kJisUt6n (Graff 6, 650). 

a) mit dat. und acc. : solt ich den groben 
kopilen alle yhren mutwillen gestatten, von 
dem bapstum zu Rom. (1520). lliij''; wenn 
mir solche thurst gestattet würde, das diese 
wort etc. (1527). ciij"; aber Sihon ge- 
stallet den k indem Israel deu zug nicht durch 
seine grcnlze. 4 Mos. 21, 23. ohne dat.: 
deu auspruch nicht gestaten. von ehesachen. 
(1530). I)j\ 

6) mit dat. und gen.: das er jui seins 
nmlwillens in der stad nicht geslatteu woll. 
2 Macc. 3, 4 ; darumb solt jm der keiser 
solrlis leliens nicht gestatten, an den christl. 
adel. (1520). Fiiij'. 

c) mit dat. und inf.: zuletzt wirds jm ge- 
stattet den kauffman zu recken, wider den 
bischof zu Magdeburg. (1539). Eij ''. 

d) mit dat. und abhängigem satz: es wird 
niemand gestattet, das er mit gott rechte. 

14 



GESTEHEN 



106 



GESTIRN 



Hiob 34, 23 ; einem weibe aber gestatte ich 
nicht, das sie lere. 1 Tim» 2, 12; gott hat 
jm nicht gestattet , das er mir schaden thet. 
1 Mos. 31, 7. auch ohne dat.: der herr 
wils nicht gestatten, das ich mit euch ziehe. 
4 Mos. 22, 13. 

C2estchei^ mhd. gesten, gestiin {Ben. 2^, 
582''— 585". Laxer 926), ahd. gistÄn 
(Graff 6, 590). 

1) stehen, stehen bleiben: die tiefTe oben 
gestehet. Hiob 38, 30. 

2) zugestehen, zugeben : wir gestehen jn 
nicht, das sie die kirche seien, artickel etc. 
(1538). Hij**; wenn ich aber also sage, dort 
gehet gott auff der gassen, holet wasser vnd 
brot , das er mit seiner mutter esse vnd 
trincke, diese rede gestehet mir Neslorius 
nicht, vondenconcilijs. (1539). Siij**; vnd 
gestehet den Juden der beschnei ttung halben 
keine sonderung. von den Juden. (1543). 

Dij^ 

3) worin beitreten, zustimmen : yederman 
sol yhrer deuttung gestehen, post. (1528). 
234''. 

4) bekennen: wiltu das gestehen vnd 
öffentlich für gericht bekennen vnd bezeugen ? 
von ehesachen. (1530). Gij"; er gestehet 
dir nichts vnd leugnet alle deine gründe, das 
15. cap, der ersten ep. s. Pauli an die Cor. 
(1534). Jij''. 

5) zu stehen kommen^ gelten, kosten: ein 
yglicher (bischofmantel) bey dreyssig tausent 
gülden gestet, von dem bapstum. (1520). 
Aiiij ^ ; das pallium, welchs gestehet, wie man 
sagt, 26000, etliche sagen 30000 gülden. 
wider Hans Worst. (1541). Lij''; vnd dich 
weder kost noch muhe gestehet, vermanung 
zum sacrament. (1530). Giij"; köstliche 
kleinot, die viel gestehen mochten, der 147. 
psalm. (1532). Aiij''; solcher lediger name 
hat die Deudschen viel gestanden, wider das 
bapstum zu Rom. (1545). Aaij". 

Clesteinichtj petrosus, steinicht: etlichs 
fiel ynn das gesteynichte. Marc. 4, 5 var. 
ebenso v. 16. 

C2estellj n. basis : mit ehernem gestell. 1 
kön. 7, 30 ; gestell (des wagens). Bindseil 
7, 351. — mhd. gestelle (Ben. 2^ 559*. 
Lexer 928), ahd. gislelli (Graff 6,. 666). 

Gesfendigj s. geständig. 



C2c8terD> heri : ich hab gestern bey meinem 
vater gelegen. 1 Mos. 19, 34; gestern vnd 
ehegestern. 31, 2. 5; weder heute noch 
gestern. 2 Mos. 5, 14; gestern wars an 
mir, heute ists an dir. Sir. 38, 23; Jhesus 
Christus gestern vnd heute vnd derselbe auch 
in ewigkeit. Hebr. 13, 8. in den früheren 
Schriften L.'s begegnet nicht selten die 
nebenform gistern, z. b. ausleg. der ep, vnd 
euang. des aduents. (1522). Aiiij''; die 
ander ep. s, Petri. (1524). iiij''; post. 
(1528). 19''; 2 Mos. 4, 10 var. 

mhd. gestern, gesteren neben gßsler (Ben. 
1, 500". Lexer 929. 930), ahd. gösteren, 
gesteron neben kestre {Graff 4, 273), goth. 
gistra {in gistradagis tnorpen. Matth. 6, 30j. 

desticklj s. sticken. 

UesÜtif n. Stiftung, mhd. gestift, gestifte 
{Ben. 2 \ 629 " ''. Lexer 930 j : ein gottes- 
dienst seine gottliche Ordnung vnd gnaden- 
reich gestiffi ist. vermanung zum sacra- 
ment. (1530). Dj" ; dis gnadenreich gestiffi 
gottes. ebend. Diij'*; der ehestand gottes 
gestifft ist. zwo hochzeitpredigten. (1536). 
Aij '' ; die taufe ist sein eigen gestifft vnd Ord- 
nung, zwo predigt auff der kindertaufe. 
(1540). Fiij\ 

lleslimmet, gestimpt, part. s. stimmen. 

Gestiru^ gestirne^ n. sidus, constellatio, 
* zusammenstand u. gesammtheit von stemen 
( Weigand), mhd. gestim, gestime {Ben. 2 ^, 
'622". 'Lexer 931), ahd. gi-, kistirni [Graff 
6, 723), coli, zu Stern ^ du machest, das 
beide sonn vnd gestirn jren gewissen lauff 
haben, ps. 74, 16; in vielen tagen weder 
sonne noch gestirn erschein, ap. gesch. 27, 
1 9 ; orion ist das helle gestime gegen mittag, 
das die bauren. den jacobsstab hcissen. die 
glucken oder die henne sind die sieben kleine 
gestirse. gl. zu Hiob 9, 9 ; zwilling, die nii 
ein gestirn am himel Geissen, wurden bei den 
beiden gehalten für götter, die den schiff- 
leuten gnedig weren, vnd heissen Gastor vnd 
Pollux. gl. zu ap. gesch. 28, 1 1 ; also mag 
er auch hie von abend bis zu morgen ein 
gantzen tag an dem gestirn gemacht haben. 
vber das erste buch Mose. (1527). Eiiij*; 
ynn dem odder diesem zeyehen der gestirn 
geporn. ebend. Fj"; sie {die astronomen) 
sagen, das ein yglich zeyehen vnd gestirn 



GESTRAGKS 



107 



GESUND 



seinen einflus habe , sonderlieh aufT die men- 
schen, ebenä, Fj'*. 

Clestracks, adv, direele, stracks, gerade- 
zu, mhd. gestrackes {Lexer 932): geslracks 
Widder goltes worl. von er Lenhard Keiser, 
(1528). AiiijK 

üestrcDgy gestrenge, adj, mhd, gestrenge 
{Ben. 2*, 675". Lexer 933). 

1 ) stark, gewaltig, tapfer, in welcher he- 
deutung es L. nur als epith. om. edler man- 
ner gebraucht : dem gestrengen vnd vhesten 
Hans Metsch, heubtman zu Wittemberg. oe- 
conomia christiana. (1529). Aij"; es hatt 
bey myr synnen lassen meyn gnediger herr 
graff Albrecht zu Mansfeld etc. an ewr ge- 
streng eyn schrifftlich vnterricht zu thun. 
eyn sendhrieffy oh etc, (1522). Aj''. mehr 
belege s. unter ehrenfest und fest 4). 

2) severus, streng, keine nachsieht übend: 
ein gestrenger richter. Jen, \, 15"; ge- 
strenge acht, ebend. 29 '' ; gestrenge vrteyl. 
vber das erste btmh Mose, (1527). Oij'; 
gestreng leben. Eisl. 2, 172". 

Cestrengy adv, severe, stricte: was sols 
d(»ch sein, das in stifften vnd klöstern so ge- 
streng die priester werden verbunden zu den 
jerlichen messen. Jen, \, 317'*. 

fiestrcigkeity f. t) strenuitas, als titel 
des adels : es hat myr er Nicolaus von Amsz- 
dorff... von ewr gestrengkeyt eyn solchen 
fall ertzelet. sendhr, an Jhan von Schlei- 
nilz, (1523). Ai^ 

2) severitas, strenge: aulf das sie {die 
Obrigkeit) weis die gestrengkeil zu messigen 
vnd zu Undern. ausleg, der euang. von 
ostem, (1527). g7". 

3) strenge, enthaltsame lebensweise, mhd, 
gestrengecheit (Lexet 933): gestrengkeit 
aller heiligen. Eul, 2, 172". 

(lestrenglich, adv, ohne nachsieht, mhd. 
gestrengecltchen {Ben, 2*, 675". Lexer 
933): gestrenghch lichten, ausleg, deutsch 
desv,u. (1518). Güij". 

(lestrody gestrode, n. ein viehfutter, mhd, 
geströude? {Ben, 2*, 701 ^ Lexer 934) 
vgl, ströde : eine saw kennet doch die fraw 
odder magd, von welcher sie die trester, kleyeu 
vnd gestrod zu fressen krigt. der 147. psalm, 
(1532). Aiij**; die mügt yhr bey euch be- 
halten vnd ewern sewen vnd hunden ein ge- 



slrode dauon machen, eine hericht. (1528). 
Giiij^ 

(lestühlc (geslüle), n. mhd> gestüele {Ben, 
2^ 715". Lexer 934), coli, zu stuhl. L. 
verwendet d<is wort nur in der bibel im 
sinne von hasis, fuszgestell : er machet auch 
zehen eherne gestüle. 1 kön, 1, 27 ; es war 
aber das gestüle also gemacht, v. 28 ; ein 
jglich gestüle hatte vier eherne reder. v. 30 ; 
vnd die achsen der reder waren am gestüle. 
V, 32; vnd die vier achseln auff den vier 
ecken eins jglichen gestüls waren auch am 
gestttle. V. 34 ; vnd setzt fünff gestül an die 
rechten ecken des hauses. v, 39 u. öfter, 

Hcstlimi^ m. s, V, a. das einfache stürm, 
mhd. gestürme {Ben. 2^ 717 ". Xexer 935), 
coli, zu Sturm : als er {der proph, Jonas) nu 
ynn diesem gesturm {Jen, 3, 237 " : stürm) 
gelernet hat. der proph. Jona, (1526). 
Hiiij'. 

Clesnch (gesüch), n. das angelegentliche 
suchen, streben, besonders das streben nach 
gewinn, erwerb, mhd, gesuoch m. {Ben, 2^, 
7''. Lexer 937), ahd. gisuoch {Graff 6, 
85): czwo sorge odder gesuch des fleyschs 
berurt hie s. Paulus, ausleg. der ep. vnd 
euang, des aduents, (1522). Gj*^; durch 
gottis geschick vnd boszer menschen gesuch 
... das reych vns geben ist. an den christL 
adel, (1520). Mij"; das gesuch der narung. 
ebend, Nij^; gesuch des Verdienstes, post. 
(1528). 93^; gesuch des lohns^ ebend, 
179^; es ist nur ein voick auff seinen nutz 
vnd gesuch {gewinn, erwerb) gericht. ebend, 
228 '^; mit sorgen zeitlicher narung vnd vn- 
redhchem gesüch derselben so gar vberladen. 
Jen, 1, 287"; vnser endlich gesüch sol sein 
etwas bessers vnd höhers, nemlich das selige 
erbe im himel. Eisl. 2, 137"; auch ist eyn 
ferlich gesuche ynn diesem kauff. von kauffs- 
handlung. (1524). Jij^ 

C2C8ifhtj n. (?) einmal erscheinende 
nebenform v. gesuch : on eygen geniesz vnd 
gesucht, das magnificat, (1521). e iij ". 

ücsiod (gesunt. grundvndvrsach, 1521. 
ciü]**), mhd, gesunt {Ben, 2^ 746 ^ Lexer 
936), ahd. gisunt, gisunti {Graff 6, 259). 

1) gesund, sanus, gegensatz v. krank : die 
gesunden dürffen des artztes nicht, sondern 
die krancken. Luc. 5, 31 ; es ist nichts ge- 

14* 



GESUNDHEIT 



108 



GRTRAM 



Sundes an meinem leibe, ps. 38, 4; von der 
fussolen bis auffs heubl ist nichts gesundes 
an jm. Jes, 1 , 6 ; ich wil deinen son gesund 
hin vnd her wider füren. Tob. 5, 22 ; herr 
erbarm dich vnser, das wir beide gesund mö- 
gen vnser alter erlangen. 8> 10; lohe den 
herrn die weil du lebest vnd gesund bist. 
Sir. 17, 27 ; gesund vnd frisch sein ist bes- 
ser, denn gold, vnd ein gesunder leib ist 
}>esser, denn gros gut. 30, 15; gesunde 
kinder. Tob. 6, 22 ; ein gesund aiige. von 
dolmetschen. (1530). Cj"; gesunde ver- 
nunffl. wider d<i8 bapstum. (1545). Fij^; 
— gesund im glauben. Tit. 1, 13. 2, 2; 
ein gesumler glawb. der 36. psalm. (1521). 
Ciiij K 

2) gesund werden, convalescere, genesen: 
vnd er (Hishia) ward gesund. 2 kön. 20, 
7 ; dies ist die schriiTl Hiskia des königes 
Juda, da er kranck gewesen vnd von der 
kranckheit gesund worden war. Jes. 38, 9; 
sprich nur ein wort, so wird mein knccht ge- 
sund. Matlh. 8, 8 ; möcht ich nur sein kleid 
anrüren, so würde ich gesund. 9, 21. 

3) gesund machen, sanare , heilen: ich 
wil dich gesund machen. 2 kön. 20, 5 ; da 
ich schrey zu dir, machtcslu mich gesund 
(var. heyl). ps. 30, 3 ; er machte sie gesund 
vnd errettet sie, das sie nicht slurlien. 107, 
20 ; ich wil sie heilen vnd gesund machen. 
Jer. 33, 6; vnd sie brachten zu jm allerley 
krancken mit mancherley scuchen vnd quäl 
hehafll . . . vnd er machte sie alle gesund. 
Matih. 4, 24; die gäbe gesund zu machen, 
l Cor. 12, 9. 

4) gesund, saluber, der gesundheil zu- 
träglich, förderlich: mein kind, prüfe, was 
deinem leibe gesund ist, vnd sihe, was jm vn- 
gesund ist, das gib jm nicht. Sir. 37, 30 ; 
sie (meine worte] sind gesund jrem gantzen 
leibe, spr. Sal. 4, 22; das wird deinem 
nabel gesund sein. 3, 8 ; ein gesundt lagor. 
ob man für dem sterben fliehen müge. 
(1527). Biiij^ 

üesundheit (gcsuntheit. von guten wer- 
cken. 1520. Dj*; grund vnd vrsach. 1521. 
ciiij *"), f. sanitas^ mhd. gesunlhcit (Ben. 2\ 
748 ^ Lexer 937): vnd rüffet den schwa- 
chen vmb gesundheit an. weish. 13, 18; 
vnd gibt gesundheit, leben vnd scgen. Sir. 



34, 20 ; der mensch war vber vierzig jar alt, 
an welchem dis zeichen der gesundheit ge- 
schehen war. ap. gesch. 4, 22; die bletter 
des holtzs dieneten zu der gesundheit der bei- 
den, offenb. Joh. 22, 2. 

<ietäfelt fgeleflclt), s. täfeln. 

Oefeo, s. gäten. 

Uethan^ part. adj. beschaffen, sich ver- 
haltend, mhd. get«1n (Ben. 3, 143". Lexer 
942): also ist das auch gcthan (so verhall 
sich auch), das er schreibt ym lalinischen 
vnnd deutschen, das Christus sey ein heuUt 
der Turcken, der heyilen . . . von dem bap- 
slum. (1520). Dij''; wir wissen, das in der 
Christenheit also gethan ist (sich so verhall), 
das alle kirchen gleich sind, wider das bap- 
stum. (1545). Yiiij"; mein herlz ist alszo 
gethan {beschaffen), auf des bocks antworl. 
(1521). b ij"; die Christenheit aber ist also 
gethan, das sich ein yglicher des andern not 
annympt. vber das erste buch Mose. (1527). 
e iij '' ; also ist es vmb alle abgötterey gethan. 
deudsch catech. ( 1 529 ). Biij " ; lasst vns zu 
erst fragen, wie es vmb die feinde gethan 
sey. der WO. psalm. (1539). Fij"; des 
gleichen wird nu hiemit auch sein reich be- 
schrieben, was vnd wie es gethan sey. ebend. 
Ciiij '• ; aus diesen Worten allen lernen wir, 
wie der bann sol gethan sein. Jen. 1, 239^ 

dethÖBe^ s. getöne. 

GethäMel^ s. getümmel. 

Cleticktj getichte, s. gedieht. 

üctöie (gothöne. 1 Macc. 6, 4 1 ; ge- 
döne, gedone), n. sonilus , mhd. gedopne 
(Ben. 1, 383". Lexer 773), coli, zu ton 
(don) : wollen die weil heilig sein mit jrem 
grossen vielen gedone vnd geplerr jnn der 
kirchen. das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matlh. 
(1532). g iiij '• ; seine rede war wie ein gros 
gedone. Dan. 10, 6; du wärest vol gedönes. 
Jes. 22, 2 ; ich höret die Mgel rauschen wie 
grosse wasser vnd wie ein gedone des all- 
mechtigen. Ezech. 1, 24; ein gedone wie 
eines grossen erdhebens. 3,12; also wil ich 
mit dem gedone deins gesanges ein ende ma- 
chen. 26, 13; vnd das gantze haus erschall 
von dem süssen gedone. Str. 50, 20. 

Cletraidig, s. getreidig. 

(letrank^ n. getränk, mhd. getraue (Ben. 
3, 93". Lexer 946), nur noch einmal in 



GGTRÄNK 



109 



GETROST 



der hibel: Weinessig oddcr starcks gelrancks 
essig. 4 Moi. 6, 3. sonst immer 

üetriBki getränke (getronck, gclrencke), 
n. poiulenium: das gptrenck Irtig man in 
giildeo gefessen. Esth, 1, 7; allerloy bewnie 
vnd fruchte . . . daraus man nicht allein s])ciso, 
sondern auch getrcncke machet, vber das 
erste buch Mose. (1527). Gtij''; du soll 
keinen wein noch starck gelrenckc trincken. 
3 Mos, 10, 9 ; sich weins vnd starcks ge- 
Irencks enthalten. 6, 3; starck getrenckc 
macht wihle. spr. SaL 20, 1 ; gut getrenck. 
Jes. 24, 9. 

mhd. getrenke -=» trinkgelage {Ben, 3, 
93''. Lcxer 947). 

Crtraaeii (getrawen), trauen, vertrauen, 
mhd. gelnWen, getriuwen (Ben, 3, 109''. 
Lexer 949): die Christen sind solche narren 
vnd verzagte schehnen, die sicli fiir gott so 
seer fürclitcn, jre sunde vnd seinen zorn so 
hoch achten, das sie für seiner göttlichen 
maiestet äugen nicht getrawen zu ersciieinen 
ou einen mittler oder mesia. von den Juden. 
(1543). lij"; man solt sie ahcr recht leren, 
das sie einen goltfürchtigten willen hetten 
vnd aufr jren willen vnd meinung gar nichts 
getrawen. Jen, 1, 79^ 

CetniVfD (getrawen), n. vertrauen, mhd. 
golruwen {Ben, 3, llO''. Lexer 950): auff 
Rillen glauben vnd getrawen. Eisl, 1, 333*. 
ttftreide (getreid 2 kön. 4. 42), n. fru- 
mentum, urspr. s. v. a. was getragen wird, 
denn mhd. getregede, getragide [Ben. 3, 77*'. 
/.exer 947), ahd. gitragidi (Graff b, 501), 
r. tragen : allcrley getreyde, körn, weitzcn, 
rocken , gersten , hahern , hirsen , reiss etc. 
vber das erste buch Mose, (1527). Oiij''; 
kom odder getreide. der proph. Sacharja, 
(1528). Riiij"; das sie getreide auffschdtlen 
in Pharao kornheuscr. 1 Mos. 41, 35; da 
aber Jacob sähe, das getreide in Egypten veil 
war. 42, 1 ; also kamen die kinder Israel ge- 
treide zu keulfen. t;. 5 ; der weitzen vnd ro- 
cken ward nicht geschlagen, denn es war spat 
getreide. 2 Mos, 9, 32; sie assen das ge- 
treids vom lande Canaan. Jos. 5, 12; des 
getreides. 2 chron. 32, 28. 

ÜetreideUidy n. Asser hat gut getreide- 
laod innen gehabt, gl, zu 1 Mos. 49, 20. 
fif treidi^ (gelraidig de Wette br. 5, 515>, 



fi. nebenform v. getreide : allerley körn vnd 
getreidig. Jen, 5, 21"; sechtzig scheffel ge- 
Ireydich. tischr. 347 *. 

fiefren (getrew), fidelis, mhd. getriuwe 
(Ben. 3, 106*. Lexer 948), ahd. gitriuwi 
(Graffh, 464): der getrew ist. 1 Sam. 22, 
14; gott ist getrew. 1 Vor, 10, 13; sey 
getrew bis an den tod. offenb. Joh. 2, 10; 

— ein verleumbder verrhet was er heimlich 
weis, aber wer eins getrewen hertzen ist, 
verbirgel dasselb. spr. Sal. II, 13; ein ge- 
trewcrbote. 25, 1 3 ; getrewer knccht. Matth. 
25. 21 ; getrewer diener. Ephes. 6, 21 ; ge- 
trewer son. 1 Cor. 4, 17; dem selben ge- 
trewen hirten folgen seyne scheu lein. gr. 
serm. von d. Wucher. fl520). biij^ subsl.: 
alle meine getrewen haben grewel an mir. 
Hiob 19, 19. 

Iiptrealich(getrew]icli),adr. fideliter, mhd. 
getriuwcHche (Ben. 3, 107*. Lexer 948): 
so sollen die Juden den Römern getrewiich 
liülfTe thun. 1 Macc. 8, 25 ; da ge^en auch 
sollen jnen die Römer getrewiich beiden. 
V, 27. 

fictriebj n. das treiben^ getreibe, anstifte 
ung: es war alles der feynd getrieb. der 36. 
psalm. (1521). Ai]**; was solche beiden 
widiler Christum vnd sein wort toben, das 
ist des teulTels gelrieb, das schöne con/ilemini 
(1530). Fiij'-; solchs alles ist ein getrieb des 
obersten schaicks jnn der well, des bapsts. 
wamunge an s, l. Deutschen. (1531). Ej*'. 

- mhd. getrip (Ben. 3, 89*. Lexer 948). 
CrtriBken^ trinken, mhd. getrinken (Ben. 

3, 92*. Lexer 948), ahd, getrinken (Graff 
5, 539) : vnd als er getranck, kam sein geist 
wider, var. zu rieht. 15, 19. 

CetrMty adj. fidens, conßdens, *ruhig 
und zuversichtlich vertrauend* (Weigand): 
lielwn knechte, scyl frisch vnd getrost, wir 
wollen ob gott wil heute ehre einlegen, ob 
kriegsleute etc. (1527). Oj'; getrost vnd 
frisch. 2 chron, 32, 7 ; seid getrost vnd vn- 
uerzagt. Deut. 31, 6; sey nur getrost vnd 
seer freidig. Jos, 1,7; seid frölich vnd ge- 
trost. Matth. 5, 1 2 ; ich gehe hin den weg 
aller well, so sey getrost vnd sey ein man. 
1 kön. 2, 2 ; der gerechte ist auch in seim 
tod getrost, spr. Sal. 14, 32; — seid nur 
getroste leut. das 16 cap. s. Joh, (1538). 



GETROST 



110 



GEVATTERT 



Fflij''; gott gab Salomo getrost liertz. 1 
Itön. 4, 29. 

CletrMty adv, fidenler: fordert nur getrost 
von mir niorgengabe vnd geschenek. 1 Mos. 
34, 12; lass vns getrost handeln. 1 chron. 
20, 13^ ruffe getrost. Jes. 58, 1 ; er thut 
seinen mund gelro^ aulT. Sir. 39, 7 ; getrost 
sterben. 2 Macc, 6, 28; getrost anhalten. 
vermanung zum sacramenl. (1537). ßj*. 

lititHMMel (getümel, gethüniel), getümele 
{Matih.9, 23), getümle iposl. 1528. 177"), 
n. lumuUus, strepilus, mhd. getüinmel, ge- 
tümele {Ben. 3, 128 K Lexer 950), coli, zu 
luroel lärm : solch ein gebeisse, getümmel vnd 
vnordnung ist drinnen gehalten, von den 
concilijs. (1539). Yij''; ist alsbald ein er- 
schrecklich rumor vnd gethüniel gehört 
worden, ein wellische lügenschrifl, (1545). 
Aüj**; ein laut getümel. 1 Sam. 4, 14; ein 
gros getümmel. 2 Sam, 18, 29; das ge- 
schrey vnd getümel der stad. 1 kön. 1,41; 
das getümel der stad. Hiob 39, 7 ; ein ge- 
schrey als eins getümels der versandeten kö- 
nigreiche der beiden. Jes. 13, 4; das getü- 
mel der leute. 17, 12; wie ein getümel in 
einem beer. Ezech. 1,24; gelhümel das sie 
mit dem hämisch vnd eisen machten. 1 
Macc. 6, 41. 

üetÜBcht; pari. s. tünchen. 

UetMtMf vom schreien der eisler: wie es 
vnmüglich ist, dasz die agiaster jr hüpffen 
vnd geizen lasset, lischr. 423*^. aus mhd. 
gagzen {Lexer 742). vgl. gäkzen. 

He übt, pari, exercilalus : wer aber nicht 
geübt ist, der verstehet wenig. Sir. 34, 10; 
die durch gewonheit haben geübete sinnen. 
Hehr. 5, 14. 

Heiehelei, s. gäuchelei. 

Heichereij s. gäucherei. 

Cleidisch^ adv. prodige, verschwende^ 
risch: geudisch vorschütten, an den christL 
adel. (1520). Mj', vollständiger s. die 
stelle unter bedürfen c). wegen der selten- 
heit des heute veralteten Wortes stehe hier 
noch ein beleg aus derselben zeit : etwan do 
sye den Christen glauben angenomen, haben 
sye allzu geudisch vnd mer dann nutz vnd 
biilich gewest, von dem jren zu den kirchen 
geben. Ulrich von Hütten gesprächbüchlin. 
(1521). xj*. 1482: geudisch, prodigalis. 



zu geuden (mhd. giuden Ben. 1, 538^. 
Lexer 1025), verschwenden, wa^ heute für 
sieh allein veraltet und nur noch in ver- 
geuden gebräuchlich ist. 

Geisie (geusse), f. überflusz: vnnd will, 
das sie reychthum, ehre vnd furcht von yeder- 
man die geusse vnd die menge haben sollen. 
von weltlicher vberkeit. (1523). Ej**. in der- 
selben bedeutung mhd. giuse {Lexer 1026). 

üevatter (geualer), Jen. 1, 187 *. (geatter 
de Wette 6, 330. gefatter), m. f. (geistlicher) 
mitvater als laufpathe, sowohl von dem 
männlichen als weiblichen taufzeugen, mhd. 
gevater, gevatere {Ben. 3, 280*. > Lexer 
957): sondern frey dabyn nemen {sc. zur 
ehe) eyn gefaller den andern vnd der patt 
den gefattern. sendebr. an Jhan von Schlei- 
nitz. (1523). Aiij*; lieber gefaller Peter. 
das ander teyl widder d. hyml. propheten. 
(1525). Liij*; liebe geuatter. auszleg. 
deutsch des v. u. (1618). Eiiij''; die gefat- 
tern freundtlich aufl* die backen schlahen, so 
es anders hübsch glate melzlin sind, widder 
den falsch genanten geisll. stand. (1522). 
Bj" ; glücken teulTen mit 200 gefattern an emem 
strick, vermanung an die geistlichen, ( 1530). 
Iliij'*; das wir ynn des gefattern {gevatler- 
leute) worden sind, ob kriegsleute etc. 
(1527). Giij''; da er den teuffei so weyt zu 
gefattern gebeten hatte, widder die hyml. pro- 
pheten. (1525). Eij'^; wenn man den teufel 
vber die thür malet vnd zu gefattern bittet. 
wider das bapstum. (1545). Hj^;man darf 
den teufel nicht über die thür malen, noch ihn 
zu gevaltern bitten, de Wette br. 3, 322. 

UevMttersehtft (gefatlerschaft), f. das ge- 
vattemamt: damit sie viel neher ym geyst 
fremd werden, denn durch euszerlich gefatter- 
schafft. wilche personen etc. ( 1 522). Aij' ; 
zur ehe zu greyffen sollt man widder gefatter- 
schafft noch pattschafft ansehen, an Jhan 
von Schleinitz. (1523). Aiij*; gefatter- 
schaiften. an den christl. adel. (1520). 
Hiiij'*. — mhd. gevaterschaft {Ben. 3, 280*. 
Lexer 958). 

Hcvatterschiiij f. gevatterin: liebe fraw 
(loctorin vnd geuatterschin. Eisl. 1, 15^^. 

C2ef attert, als gevaller verwandt, beleg 
s. unter gebrüdert. — part. v. gevattern, 



GEVETTERT 



111 



GEWÄHREN 



tnhd. gevateren, refl. sich gevatter nennen, 
als g. behandeln (Lexer 958). 

Ceretterty vertcandl s, gebrüderl. 

ücvif rdic (geuierde), n. 1 ) viereck, qua- 
dral : vnd stehen wie vier rosse im geuiordc. 
Bindseil 7, 351; aufT das selbige geuierde 
leget er den boden von cedero breitem. 1 
kön. 7, 2; hundert eilen lang vnd hundert 
eilen breit ins geuierde. Ezech. 40, 47 ; also 
halte die maur ins geuierde auff jeder seilen 
herumb fünfT hundert ruten. 42, 20 ; zwei ff 
eilen lang vnd zwelff eilen breit ins geuierde. 
43, 16. 2) eine schaar von vieren: vnd 
vbirant Worte te yhn vier geui erden Kriegs 
knechten, var. zu ap. gesch, 12, 4. in der 
bibel: vier vierteile mil der glosse: ein hau IT 
knechte ward in vier teil geteilet, da ja (je) 
ein teil musle das vierde teil der nachl wa- 
chen, eins vmbs aader. 

Geviert (geuierdt), pari, v. vieren z. zu vie- 
ren zusammen scharen: da sind auch vier 
geuierdte reder vnib die Ihier her, bei jglichem 
thier ein rad. vorr. auf den proph, Ezechiel. 
Bindseil 1, 351. nach der heschreibung. 
Ezech, 1 waren dies räder, die atu je vie- 
ren so zusammengesetzt waren, dasz sie 
ohne sich umwenden zu müssen nach vier 
richtungen hin gehen konnten (für sich, hin- 
der sich vnd zu beiden seilen). 

üeTÖgel (gevogel), n. mhd. gevügel, ge- 
vügele, gevögele (Ben. 3, 358**. Lexer 
969), coli, zu vogel : gevogel, das auff erden 
vnter der feste des himels ileuget. l Mos. 1, 
20; allerley gefidderls gevogel. v. 21; das 
geuogel mehre sich auff erden, r. 22; das 
gevogel fiel auff die ass. 15,11; alles gevogel. 
5 Mos. 14, 19; geuögel des himels. 28, 26; 
fidderig geuögel. var, zu ps. 78, 27. 

(lewäehs^ ge wachse (gewechs, gewechse), 
n. gewachsenes, besonders der erde ent- 
sprossenes, planta, mhd. gewahs, gewehse 
(Ben, 3, 463". Lexer 981): das laud sol 
sein gewechs geben. 3 Mos. 26, 4 ; das die 
erde jr gewechse nicht gebe. 5 Mos. 11, 17; 
vnd segenesl sein gewechse. ps, 65, 11; 
gleich wie gewechs aus der erden wechst. 
Jes. 61, 11; seines gewechs bletter ver- 
dorren. Ezech, 17, 9; vnd schmückel sie 
(die erde) mit allerley gewechsse. vber das 
erste buch Mose. (1527). Giij**. frucht, 



erzeugnis überhaupt: ich werde von nu an 
nicht mehr von diesem gewechs des wein- 
Stocks trinckcn. Matth, 26, 29; vom ge- 
wechse des weinstocks. Marc, 14, 25. 
sprosse, nachkomme: das gewechse deines 
leibs {deine nachkommenschafl), Jes. 48, 
19 > das ich dem Dauid ein gerecht gewechs 
erwecken wil. Jer, 23, 5. 33, 15. bildlich: 
das gewechse ewer gerechligkeil. 2 Cor, 
9, 10. 

Gewtchseo^ wachsen, aufwachsen, mhd, 
gewahsen (Ben. 3, 462 ^ Lexer 912), ahd, 
giwahsan (Graff 1, 685): da nu die Irespen, 
winden oder vnkraul gros gewuchs, da sähe 
man aller erst den schaden: der 101 psalm, 
(1534). Sij^ 

üewibr (gewar), adv, mhd, gewar (Ben, 
3, 505". Lexer 977), ahd. giwar (Graff 
1, 908). 1) gewahr werden, ansichtig, be- 
wuszt werden, bemerken a) mit gen. : die 
da gewar werden jrer plage. 1 kön, 8, 38; 
vnd war Dauids gewar. 1 chron. 22, 2 1 ; vnd 
ward gewar eins nerrischen Jünglings, spr, 
Sal. 7, 7; vnd der könig ward gewar der 
band die da schreib. Dan, 5,5; eines an- 
furls aber wurden sie gewar. ap, gesch. 
27, 39; wo ich des gewar vnd gewis 
würde, ein brief an die zu Franckfort, 
(1533). Biij^ 

b) mit acc: vnd wirst nicht gewar den 
baicken in deinem äuge. Matth, 7, 3. 

c) mit dasz : vnd wurden gewar, das sie 
nacket waren. 1 Mos, 3, 7 ; vnd ward ge- 
war, das Isaac schertzet mil seinem weihe. 
26, 8 ; vnd ward gewar, das ein man gegen 
jm stund. Jos, 5, 13. 

2) gewahr nehmen mit gen,^ acht haben 
worauf: die andern, die nu solchs wüsten 
vnd sterckern glawben hatten, namen der 
schwachen nicht gewar. |>o«(. (1528). 21*. 

Cewjihrei (geweren), zu theil werden 
lassen, zukommen lassen, mhd, gew@rn 
{Ben, 3, 584*. Lexer 988), ahd. giwär^n 
(Graff 1, 942), bei L, noch mit acc. der 
person und gen, der sache : der herr gewere 
dich aller deiner bitte, ps. 20, 6; vnd wil 
sie des gebets vmb fried vnd trew geweren. 
Jes. 33, 6; ich wil heute nicht essen noch 
trincken, du gewerest mich denn einer bitte. 
Tob. 7, 10. 



^\* 



GEWAHRSAM 



112 



GEWALTIG 



CcwahrsAM (gewarsamj, f. aufsieht, oh- 
sorge, mhd» gewarsame (Ben. 3, 506'. 
Lexer 978): Samaria heist ein hut oder ge- 
warsam. EisL 1, 36'. 

fiewall^ m. und f,, polenlia, poleslas^ vis, 
mhd. gewalt w/". {Ben. 3, 474 ^ Lexer 91 2\ 
ahd. giwalt mf. (Graff 1, 808). obgleich 
schon bei L. das heule allein gellende fem, 
entschieden vorwiegt, so ist doch das masc, 
besonders in den früherenschriflen, nicht ge- 
rade selten : die helle pforten sind aller ge walt 
wider die chrislen. gl, zu Mallh, 16, 18; den 
gevvalL 1 Macc, 2, 67 ; vbcr allen gewallt. 
Luc, 10, 19 var.; einen gewalt. von dem 
bapstum. ( 1 520). Fiij '^ ; bepslliclien gewalt. 
ebend. Fij '^ ; keinen gewallt, antwort deutsch. 
(1522). Biiij''; den massigen, prachtlichen, 
lustreichen gewalt des bapstumbs. grundvnd 
vrsach. (1521). Ij"*; viel gewalts. Jer. 20, 
8 ; vnterscheyd iles gewallts. ep, s, Pelri ge- 
predigt, (1523). Kiij\ 

1 ) gewalt, macht, herrschaft: gewall gehet 
vber reciil (Sprichwort), der proph, Ha- 
bacuc. (1526). ciiij*, aus Hab. l, 3; wie 
weislu was gott vermag? wie kanslu seine 
Weisheit vnd gewalt abmessen? eine bericht. 
(1528). Giiij'; l>ci jm (gotl) ist Weisheit 
vnd gewalt. Hiob 12, 13; meinslu das er 
(gott) deine gewalt achte? 36, 19; pochet 
nicht so hoch auß* ewcr gewalt. ps, 75, 6; 
vberiiebe dich deiner gewalt nicht zu seer. 
2 Macc. 7, 34; deine magd ist vnter deiner 
gewall. 1 Mos. 16, 6 ; da sie des hcrrn jres 
gütlcs vergasseu, verkaufft er sie vnter die 
gewall Sissera. 1 Sam. 12, 9; der herr gab 
Israel einen heiland , der sie aus der gewalt 
der Syrer füret. 2 kön. 13, 5; gott wird 
meine seele erlösen aus der hellen göwalt. 
ps. 49, 16; dadurch du von des leiiflels, tods 
vnd der hellen gewall wirst gefreiet, zwo 
predigt, auf der kindertaufe. (1540). Kiij'' ; 
gewall des bapsts vber die gantz Christenheit. 
von dem bapstum, (1520). Fij''; die ge- 
wallt der elllern, das eitern die kinder zur 
ehe nicht zwingen sollen. (1524). Aij'*; 
daruinb isls nicht eine weltlicbe gewalt, da- 
durch die bisschüue vber die kirchen sich 
brüsten vnd herrschen iiiöchlen, sondern eine 
geistliche gewalt. wider das bapstum. ( 1 545). 
Nj**; die macht odder gewalt zu regirn. vier 



trostHche psalmen, (1^26). B 8*; gewalt 
zu tödten. Str. 9, 18. es heiszt gewalt 
haben, geben, verleihen : des er keinen fug, 
gewalt noch recht hat. von dem bapstum. 
(1520). Eiij'; des wir alle gleichen gewalt 
haben, an den christl, adel, (1520). ßj-'; 
der höhest gewalt hat vber der menschen 
königreiche. Dan, 4, 14; du hast gewalt 
beide vber leben vnd vber tod. weish, 16, 
1 3 ; vnd der könig gab Sadrach, Mesach vnd 
Abednego grosse gewalt im lande zu Babel. 
Dan. 3, 30; vnd gebe dir gewalt eigene 
müntze in deinem lande zu schlahen. 1 Macc. 
15, 6 ; mir ist gegeben alle (var, aller) ge- 
walt im himel vnd erden. Matth. 28, 18; 
vnd gab jnen gewalt vnd macht vber alle 
teufel. Luc. 9, 1 ; vnd dir vber alles gewalt 
verüben hat. Dan. 2, 38. mit gewalt: vnd 
zwang die kinder Israel mit gewalt zwenzig 
jar. rieht. 4, 3 ; deine schenckel mit gewalt' 
geblösset. Jer. 13, 22; der pofel will mit 
gewall regirt seyn. sendbr. von dem harten 
buchUn, (1525). cij*; vnterstund er sich 
mit gewalt Egypten zu gewinnen, der proph. 
Daniel. (1530J. Ej'. 

2) gewaltthätigkeit: gewalt ist öffenlhcher 
freuel. gl, zu Luc, 3, 14; ob ich jemand 
hab gewall oder vnrecht gethan. 1 Sam. 12, 
3 ; du hast vns kein gewalt noch vnrecht ge- 
than. V. 4 ; wer dem geringen gewall thut, 
der leslert desselben schepfler. spr, Sal. 14, 
31 ; — du hast gewall im lande geübt. Hiob 
22,8; der gewalt vnd vnrecht geübt. Ezech. 
18, 18; sind nicht die reichen die, die gewalt 
an euch vbcn. Jac. 2, 6 ; — du wirst gewalt 
vnd vnrecht leiden müssen. 5 Mos, 28, 29 ; 
der recht schaffet denen , so gewall leitlen. 
ps. 146, 7; — das er jm nicht wolle lassen 
gewalt geschehen, von Jhesu Christo. (1533). 
Eiij\ 

tiewaltig^ gewehig, potens, gewalt ha- 
bend, mächtig, stark, mhd. gewaltic, ge- 
weltic {Ben. 3, 476 ^ Lexer 973), ahd. 
gewaltig {Graff 1, 810). die form gewellig 
begegnet anfangs häufig, später seltener. 

1) adj. a) von personen: Nimrod lieng au 
ein gewaltiger herr zu sein auff erden. 1 
Mos. 10, 8; ein gewaltiger jeger. r. 9; er 
(Naeman) war ein gewaltiger man. 2 kön. 
5, 1 ; gewaltige leute. 1 chron. 8, 2 ; der 



GEWALTIGLICH 



113 



GEWAPNET 



gewaltigst fürst. Jud. 11, 6; du gewaltiger 
herrscher. weisk. 12, 18; ein gewaltiger 
könig. Sir. 1, 7; ein gewaltig gut kriegs- 
uolk. 1 Jiiacc, 1,4; wenn die aniptleut so 
viel gelerter vnd gc weltiger sind denn der 
landsfurst selbs. originalbr. v.J. 1530 au/* 
der bibl. zu WolfenbüUeL — dennoch ist er 
gefangen, das er sifh nicht eraus richten kan, 
noch setner Sinne gewaltig ist. das 5. 6. und 

7. cap, s. Mallh, (1532). o iij^ 

h) von sacken: eine grosse gewaltige slad. 
Jud. 1, 1 ; die gewallige (1522: gcwelltige) 
hand gottes. 1 PeL 5, 6 ; du hast einen ge- 
waltigen arm. ps, 89, 14; gewallige thatten. 
ill, 6; ein gewaltiger schütz. Str. 34, 19; 
als eines gewalligen windes. ap, gesch, 2, 
2; gewaltige vnd tapperc brieffe. deutsch 
iheologia, (1518). Aj^; mit statlicher ge- 
waltiger furbit« an kurßrsten zu Sachsen. 
(1545). Aiij ^ ; seine geweitige vbirkeyt. von 
dem bapslum. (1520). Aüij'; hie sihestu, 
das gar ein lebendig geweitig ding ist vmb 
den glawben. euang. von den zehen aus- 
geizigen. (1520). Oy^; vnd gleych eyn ge- 
^'elltigen scheyn gewunnen hat. das 7. cap. 

8. Pauli zu den Cor. (1523). Aij'. 

2) subsL: ein gewaltiger (1522: gewei- 
diger) der königin Candakes. ap. gesch. 8, 
27; nicht viel gewaltige (1522: geweitige) 
sind beruffen. 1 Cor. 1, 26; die gewaltigen 
Moab. 2 Mos. 15, 15; die gewalligen des 
königes Sihon. Jos. 13, 21 ; Belsazer machte 
ein herrlich malh seinen gewaltigen vnd 
heubtleuten. Dan, 5, 1 ; die gewaltigen 
heisset man gnedige herrn. Lue. 22, 25 ; 
das erste teyl waren patricij, obersten vnd 
gewalligsten, vber das erste buch Mose. 
(1527). ciij^ 

3) adv.: er prediget gewaltig (var. ge- 
waltiglich). Matth. 7, 29; das sind treffliche 
wortt vnnd streylten gewaltig widder die 
werckmeyster. ausleg. der ep. vnd euang. 
vom christag. (1522). Viij*; slercke dicli 
aulfs gewaltigst. Nah. 2, 2. 

fiewaltiglieli, geweltiglicli (nur in den 
früheren Schriften vorkommend), adv. mit 
gewall oder macht, mhd. gcwallccliche (Ben. 
3, 477*. Lexer 973): der fursleu plage ge- 
welliglich da her gehet, von weltlicher ober- 
heit. (1523). Eiij'; weyl denn schrilTt vnd 

l>i£TZ, Wörtetbach. II. 



geschieht so geweltiglich mit eynander vber 
eyn treffen. dasJhesus Christus etc. (1523). 
Eiij '' ; vnd wil hie mil gewal liglich beweisen. 
das schone confUemini. (1530). Fij^; klar 
vnd gewaltiglich verdeudschen. von dolmet- 
schen. (1530). Bij^; dis stücke zeiget ge- 
waltiglich, das (d€i8z) u. s. u). artickel etc. 
(1538j. Dij'; itzt meine ich ja, sind wir 
redlich vnd gewaltiglich absoluiret. von den 
concilijs. (1539). Bj"; zum glauben ge- 
wal liglicli treiben, vorr. auf die propheten. 
Bindseil 7, 336; es gehel gewaltiglich vnd 
frülich zu an seinem ort. 1 chron. 17, 27; 
seine rechte hand hiliUt gewaltiglich. ps. 20, 
7 ; du hast dein volck erlöset gewal liglich. 
77, 16 ; vnd er lieff iu seinem zorn gewaltig- 
lich zu jm zu. Dan. 8, 6; die gewaltigen 
werden gewaltiglich gestraiTl werden, toeish. 
6, 8; er leret gewaltiglich. Jfarc. 1, 22. 

ficwaltlich; adv. dasselbe: forchtlich vnd 
gewaltlich alle ding durchdringen. Jen. 1, 
93'. 

fiewaltsclilfissclj m. clavis potestatis: 
der gewal tschlüssel heisst, das^ der bapst 
macht hat jnn himel vnd erden zu gebieten 
vnd zu verbieten, wie vnd was er wil. von 
den schlüsseln. (1530). Fij'; also auch d^n 
gewall Schlüssel odder den herrschlüssel wol- 
len vnd sollen wir auch nicht leiden, ebend. 
Gij\ 

fiewaHdj n. veslis, kleid: vnd (Simson) 
schlug dreissig man vnter jnen vnd nam ir 
gewand. rieht. 14, 19; sie teilen meine 
kleider vnter sich vnd werffen das los vmb 
mein gewand. ps. 22, 19; sie werden alle 
veralten wie ein gewand. (var. kleyd). 102, 
27; köstlich gewand. Ezech. 27, 24; wul- 
len gewand. von kauffshandlung (1524). 
Diij " ; man sagt vom pfauwe, dasz er hab ein 
engeUsch gewand. lischr. 277''. 

mhd. gewant (Ben. 3, 683\ Lexer 975), 
späl-ahd. giwant (in badegiwanl Graff l, 
762); zu winden. 

CIcwandhans, n. kleiderhaus. 2 kön, 10, 
22 var. — nüid. gewanlhus (Lexer 976). 

üewandschneider , m. tuchhändler. de 
Welle br. 0, 330. — mhd. gewanUsnider 
(Ben. 2^ 442^ Lexer 976 . 

Ccwapnct; gewaffnet, pari. : ein gewapt- 
ncler (sie) uiau. spr. Sal. 6, 1 1 ; wenn ein 

15 



GEWAR 



114 



6EWE6EN 



starcker gewapneter sein pallast bewaret. 
Luc, 11, 21; die gewapneten werden jn 
holen. Hiob 5, 5. 

fiewar, «. gewahr. 

(^ewanam, s. gewahrsam. 

üewartcn, mhd. gewarten (Ben, 3, 531 **; 
Lexer 978), ahd. giwarten (Graff 1, 952). 

1) erwarten, erharren^ hoffen, a) mit 
gen, : es fodert die noddurfft eyn antzeygen 
vnd vorrhede zu stellen, da mit der einfeil lige 
man vnterrichtet werde, wes er ynn disem 
buch gewartten solle, vorr. auff das n. test, 
(1522). 2'; ein Christen man eyns andern 
leben nach diszem gewarttet. das 7. cap. 
Cor. (1523). Aiij'; es gehört auch nicht 
ein milchglaube dazu, das man des todes ge- 
warte, ob man für dem sterben fliehen 
müge, (1527). Aij^; Adam hat yhn nichts 
anders gepredigt, denn das sie des samens 
gewarten müsten. vber das erste buch Mose. 
(1527). üäii**; sie können vnd wollen des 
Spiels, so sie zu Costnitz erhdden, nicht mehr 
gewarten, tcider das bapslum. (1545). 
Aiüj^ 

b) mit acc: was sol ich mehr von dem 
herrn gewarten? 2 kön. 6, 33 ; deine nach- 
komen haben viel gutes zu gewarten. Jer. 
31, 17 ; der nichts bessers zu hoffen noch zu 
gewarten hat. Sir. 41, 4; ja noch lohn im 
himel gewarten, gl, zu 5 Mos. 29, 19; das 
wir vmb des euangelij willen müssen ge- 
warten feindschaffl. vber das erste buch 
Mose. (1527). Qj*; auff das du von keinem 
tyrannen dürffest solche wüeterey gewarten. 
ob hriegsleute etc. (1527). Dij*"; jhr solt 
leyhen vnd nichts davon hoffen odder gewar- 
ten, loider den wucher. (1540). Füij*'. 

c) mit abhängigem satz: wo der recht 
hewbtstreytt angehet mit dem tcuffel vnter 
vns selbs, müssen wir gewarten, das auch 
die fallen, die itzt die spitzen füren, von bei- 
der gestalt. (1522). Aij'; so mügen sie 
gewarten , wem die funcken jnn die äugen 
stieben werden, wider das lesterlich buch- 
lin. (1533). Aüj*. 

2) einem zu gewarten sitzen, ihm zu 
dienst stehen: als müste ich gleich dem ge- 
ringesten verpflichten odder gefangenen hie 
zu gewarten sitzen, von heimlichen vnd gc' 
Stolen brieffen, (1529). Aij^ 



3) eines dinges gewarten, abwarten, fieisz 
darauf verwenden : sie können der ampt 
auch nicht gewarten. Sir. 38, 37; desglei- 
chen haben wir armen Christen auch mit den 
geboten gottes.zuthun, so viel das wir ander 
hoher werck nicht können gewarten, von 
den concilijs. (1539). Gj*; wenn köoi^ 
Heyntz auch seynes königreichs hett gewartet. 
antwort deutsch. (1522). Diij*. 

fiewiscli (gewesch), n, 'geist- und ge- 
haltloses gerede* ( We ig an d), geschwätz : 
nu leret man vns ymer mit viel gewesch, das 
wir wissen, vom abendmal Christi. (1528). 
fi*; das ich dieses gewesschs ein mal ein 
ende mache, eine predigt das man kinder 
zur schulen halten solle. (1530). Gii]*"; 
an stat eines rechten gebets ein lauter ge- 
wessch vnd geplepper. das 5. 6. vnd 7. cap. 
s.Matih. (1532). g ij '; eitel ledig gewesch. 
ein einf eltige weise zu beten. (1535). Bij^; 
ein vergeblich, vnnütze gewesch. das 16. 
cap. s. Joh. (1538). Siiij^; mehrlin oder 
gewessch. Verlegung des alcoran. (1542). 
S j ' ; ein bepstisch gewesch. wider das baps- 
tum. (1545). Aaj*; grosz vn nutz gewesch 
vnd holhyppeley. Burkhardt briefw. 415; 
solch drewliche,schisserhche gewesch. ebend. ; 
eitel faul, tod gewesche. Bindseil 7, 335. 

dcwässer (gewesser), n. nebenform ge- 
wisser (*. b. 1 Mos. 7, 24. 8, 7), niM. ge- 
we^^er (Lexer 989), coli, zu wasser: das 
gewesser der sindflut. 1 Mos. 7, 10; das 
der käste auff dem gewesser fuhr. v. IS; 
vnd das gewesser verlieff sich von .der erden. 
8, 3 ; sihe, da kam ein gewesser des weges 
von Edom vnd füllet das land mit wasser. 2 
kon. 3, 20. die nebenform gewisser begeg- 
net auch noch ein par mal in den predigten 
vber das erste buch Mose, z. b. vnd (macht) 
den hymel mit einem finstern nebel odder 
finster gewisser. Diiij^; das rohe, finstere 
gewisser, ebend. ', vnd machet es also, das 
er die feste setzet zwischen zweyen gewissem. 
ebend. 

üewigsert (gewessert), part. : ein gewas- 
serter garte. Je«. 58, 11. 
- Clewechs^ s. gewächs. 

dcwegen^ part. adj.i gewichtig, in fol- 
gender stelle s. V. a. reich: der pfarherr zu 
Wittenberg möcht solchs rechts auch spielen 



GEWEHNEN 



115 



GEWERBE 



mit den gewegenesten bürgern oder bawern, 
die reich oder mechtig weren. Jen. 6, 523*. 

GcwehncMy s. gewöhnen. 

CIcwf hr^ f. possessorium, rechUkräfUger 
besüz, zustehendes recht, mhd, gewer , ge- 
were (Ben. 3, 586*. Lexer 984)» ahd. 
giwerl (Graff 1, 929), zu ahd. werjan, goth. 
wasjan ^=^ bekleiden: aber wenn ich als die 
konig vnd fursten were, so wollen wir yhm 
das predigen verbieten, das er vns nicht aus 
vnser gewehr setzet, ein brief an den car^ 
dinal ertzbischof zu Mentz. (1530). Bj'; 
aus der alten gewehr treiben, ebend. Bj ** ; 
sie wollen warlich der gewehr vnentsetzt 
sein, das sie bis her vber gottes wort meister 
vnd richter gewest sind, ebend. Bij*; sie 
wollen das possessorium haben, Widder jnn 
die alten gewehr sitzen, wamunge an s. /. 
Deudschen, ( 1 53 1 ). Hij^ ; auffs possessorium 
odder auff die alten gewehr dringen, ebend. 
Hüj* ; sie sitzen in der gewehr vnd veriherung, 
das ist possessorium, praescriptio. un sagen 
alle rechte, man solle niemand aus der gewehr 
heben . . . gott ist gott, der gestehet keiner 
Creator weder gewehr noch veriherung wider 
sich oder sein worl, denn er ist ewig, ewig- 
keit aber gehet vber alle gewehr vnd veriher- 
ung. exempel einen christl. bischof zu wei- 
hen. (1542). Eiij*. 

Clcwchr (gew^er), n. mhd. gewer (Ben. 
3, 512**. Lexer 985), ahd. giwer (Graff 
1, 930), zu wehren. 

1) toaffe: auch szo istym geistlichen recht 
szo streng vorpotten dem geistlichen stand 
gewere vnnd wapen zu tragen, grund vnd 
vrsach. (1521). nij^; Tubalkain ertz vnd 
eissen, das ist hämisch vnd gewere erstlich 
erfunden vnd gemacht hat. vber d(U erste 
buch Mose. (1527). Rij*. 

2) ein den lauf des wassers wehrendes 
mauerwerk : ein wasserstrom den ich mit kei- 
nem tarn noch gewere kan schützen, grund 
vnd vrsach. (1521). fj'; vnd sind alszo 
weysze, alsz wer den Heyn wolt schützen mit 
eyrem stroeren gewehr. widder den falsch 
genanten geistl. stand. (1522). Dj^ 

fiewehrei^ s. gewähren. 
Uewtlhe, s. gewölbe. 
(}eweltig, geweltiglicby s. gewaltig, ge- 
waltiglich. 



tücweien, s. gewöhnen. 

ticwer, s. gewehr. 

Gewerb, gewerbe, n. mhd. gew^rp, ge- 
wörf (Ben. 3, 726**. Lexer 986), von wer- 
ben ^= ihäUg sein. 

\) aufgetragenes geschäft, IhäUgkeit: 
was soll einer von dem andern habenn, wenn 
sie alle gleich einerley botschafft vnd gewerbe 
von einem herrn haben ? von dem bapstum. 
(1520). Dj^ 

2) dem erwerb dienende thätigkeit, ge- 
schüft, erwerbsmittel : was ist dein gewerbe. 
Jon. 1, 8; die da meinen, gottsehgkeit sey 
ein gewerbe. 1 Tim. 6, 5 ; was L. in der 
gl. zu dieser steUe erklärt : ein hendelchen, 
damit man ehre oder gut möge suchen. 
Bindseil 7, 564; gewerbe vnd hantirung. 
weish. 13, 19; gewerb vnd handel. gl. zu 
Jes. 23, 17 ; jr begert, ewr gewerbe Jbey vns 
zu treiben. 2 Macc. 11, 29 ; wir wollen die 
fasten darümb gehalten haben, auff das vnser 
land vnd leute, so mit fischen handeln, yhr 
gewerbe haben, einebericht. (1528). Eiiij^; 
knecht vnd megde, so die gantze wocben 
yhrer erbeit vnd gewerbe gewartet, deudsch 
catech. (1529). Diij". 

3) erwerb, gewinn : vnd wendet den vom 
handwerck nit geringe gewerb zu. ap.gesch. 
19, 24 var. 

4) das erworbene, die habe: thu dein ge- 
werbe weg aus dem lande. Jer. 10, 17. 

5) Werbung : szo ich doch nit mehr than 
hett, den (denn) das ich den selben sun(«oAn) 
bewegt hett, meyn nodt vnd gewerb dem 
fursten antzutragen. serm. von dem n. lest. 
(1520). Ciij«. 

Gewerben, thätig sein, handeln, mhd. ge- 
worben (Ben. 3, 726 ■. Lexer 985): wenn 
ich hundert gülden habe vnd damit gewerben 
sol, mag mir hunderterley fahr begegen, das 
ich nichts gewinne, gr. seryn. von dem Wu- 
cher. (1520). ciiij^ 

Gewerben, n. im handell vnd gewerben 
mit blossem gelt, ebend. 

Geweren, s. gewähren. 

Gewerre, n. mhd. gewSrre m. und n. 
(Ben. 3, 747 ". Lexer 988). 

1) gewirre, Verwirrung: man wol sihet, 
wie es nit mehr denn lautter regiment des 
muttwilligen teuffels ist, der eyn solch ge- 

15* 



GEWESGII 



116 



GEWINNEN 



werre vnd genienge der gewissen ynn der 
welll anrieht, avisleg, der ep. vnd euang. 
des aduents. (1522). Kiij*. posL (1528). 
27". vgl, gewirre. 

2) Unfriede, ztoielrachl: das nicht etwa 
eyn hitter w-urtzel aiiffwachsze vnd eyn ge- 
werre mache. Hebr, 12, 15 var, 

(lewesch, s, gewäsch. 

CleweseU; gewest, pari, s, sein. 

<iewe88cr; s. gewässcr. 

de wicht; gewichte, n. pondus, mhd, ge- 
willt, gewihte {Ben, 3, 641". I<?xer990j: 
wo gott nicht mit in der woge ist vnd das 
gewichte gihl, so sinckcn wir mit vnser 
Schüssel zu gründe, von den concilijs, 
(1539). Tij"; sekel ist ein gewiclite «in der 
müntze, ein ortes gülden, denn vor zeiten 
man das geld so wug, wie man jtzl mit gold 
thut. gl, zu 1 JÜos, 23, 15; sihe, da war 
eines jghchen gehl ohen in seinem sack mit 
volhgem gewicht. 1 Mos, 43, 21 ; du solt 
nicht zwcierley gewicht in deinem sack, gros 
vnd klein hahen. 5 Mos, 25, 13; ein volhg 
vnd recht gewicht, v. 15; falsche gewichte. 
Micha 6, 11; — ilas gewicht seines pantzers 
war fünlT tausent scckcl ertzs. 1 Sam. 17, 
5; das gewicht seines spers. 2 Sam. 21, IG. 

üewildiiis; /. wildnis: auch können wir 
nicht weiter gehen, noch zur seilen von we- 
gen der einöde vnd gewildnis. EisL 1, 370''. 
— mhd, gewiltnis n. {Lexer 991). 

liewiHH (gewin), m. erwerb, voriheil, 
nutzen, mhd, gewin {Ben, 3, 712^ Lexer 
991), ahd, giwin (Graff 1, 881): fienge er 
aber etwas, so vbertreffe die koste doch den ge- 
win alzu weit, der 82. psalm. (1530). DiJ''; 
sie brachten keinen gewin (kriegsbeuie) da 
von. rieht, 5, 19; sterben ist mein gewin. 
Phil, 1, 21; was mir gewin war, das hab 
ich vmb Christus jwillen für schaden geachtet. 
3, 7 ; leren das nicht taug vmb schendliches 
gewins willen. Tit. 1, 12. 

CjewiBBen, mhd. gewinnen {Ben, 3, 709" 
— 712". Lexer 991), aAd. giwinnan 'Graff 
1, 876). der pl, des prael, lautet bei L. 
noch gewonnen (z. b. 4 Mos. 2 1 , 32. 32, 
39. 5 Mos. 2, 34. Jos. 6, 20 u. a.), der 
conj, gewünne (z. b. Matth. 16, 26. Luc, 
9y 25), einmal auch gewönne {das diese 



tDorl etc. 1527. riiij''). als pari, kommt 
noch gewunnen neben gewonnen vor, 

1 ) absoL gewinnen , aus einem kämpfe 
als Sieger hervorgehen : zu letzt hahenn sich 
etlich lassen duncken das beste sein, mich 
anlzugreylTen , wie die pharisei Christum, 
eynen auffgeworffen vnd gedacht, gewinnet 
der, so haben wir alle gewonnen, wirl er 
vhefwunden, so ist er allein vorloren. von 
dem bapslum zu Rome. (1520). Aij**; wie 
s. Paulus mit dem tetiiTel kempfet vnd ritter- 
lich facht vnd allenthalben gewan. die ep. 
des proph. Jesaia. (1526). Fj**; vnd wie 
wol sie o(l\ angefochten worden , gewonnen 
sie doch. gl. zu 1 Mos. 49, 12; du bist 
mir zu slarck gewest vnd hast gewonnen. 
Jer. 20, 7 ; ich mus yhn gewonnen geben. 
vom abendmal Christi, (1528). Cij*; vnd 
(musz) sich endlich gewonnen gehen {als be- 
siegt betrachten), deudsch catech. (1529). 
Tj*. 

2) durch arbeit, anstrengung, sieg wozu 
gelangen, etwas erwerben: vbel gewunnen, 
böslich zenmnen (Sprichwort), ein christl, 
Schoner trost. (1535). Iliiij*; vnd wollen 
ein jar da ligen vnd hantieren vnd gewinnen. 
Jac. 4, 13; das land sol euch offen sein, 
wonet vnd werbet vnd gewinnet drinnen. 1 
Mos. 34, 10; wo man nicht erbeitet, da ge- 
winnet man auch nichts, gl. zu spr. Sal. 
14, 4; vnd dencken nicht weiter, denn was 
sie mit jrer erheit gewinnen mügen. Sir. 
38, 39 ; da gieng der hin der fünff cenlner 
empfangen hatte vnd handelte mit den selbi- 
gen vnd gewan andere fünff centner. Matth. 
25, 16; gelt vnd gut gewinnen, von den 
Juden, (1543^. ej*. eine Stadt, ein land 
gewinnen, erobern, einnehmen: der seines 
muls herr ist, ist besser, denn der stedte ge- 
winnet, spr. Sal, 16, 32; als solle Jeru- 
salem nicht gewunnen werden. Bindseil 7, 
350 ; da er sicher war . . . kamen die Persen 
vnd Meder plötzlich, gewonnen Babylon vnd 
tödten den könig. der proph. Habacuc. 
(1526). i iiij^; die kinder Machir giengen in 
Gilead vnd gewonnens. 4 Mos. 32, 39 ; das 
sie viel lender gewonnen betten. 1 Macc. 
8, 3. einen gewinnen, für sich gewinnen, 
anwerben, in folgenden- stellen: für das 
himmelreich werben : denn wiewol ich frey 



GEWmSSÜCHTlG 



117 



GEWIS 



bin von jederman, hab ich doch mich selbs 
jedermaa zum knechte gemacht, aufl* das ich 
jrer viel gevrinno. den Juden hin ich wor- 
den als ein Jude, aufT das ich die Juden ge- 
winne, denen die vnter dem gesetz sind, hin 
ich worden als vnter dem gesetz, aulT das ich 
die so vnter dem gesetz sind gewinne. 1 
Cor. 9, 19. 20 ; au IT das auch die, so nicht 
gleulien an das worl, durch der wcil)er wan- 
ilel on wort gewonnen werden. 1 Pelr. 
3, 1. 

3) erlangen, bekommen überhaupt: ein 
fridsam frölich hertz zu gott gewynnen. das 
ander leyl widder die hyml. prophelen, 
(1525). Piij^; gewinnen aber auch zu letzt 
das krawen ym nacken. vom kriege widder 
d. T. (1529». Fj**; etliche die muttcrbrief 
gefressen, davon sie das herzeweh vnd Sehn- 
sucht zum Vaterland gewonnen, de Weile 
br. 4, 611; vnd gewan einen grewel an 
seinem erbe. ps. 106, 40; Paulus gewan 
eine zuuersicht. ap. gesch, 28, 15. — 
wenn der esell horner gewynnet. auf das 
vbirchrisU. buch, (1521). Biiij ' ; der flachs 
(hatte) knoten gewonnen. 2 Mos. 9, 31 ; 
wenn sein zweig jtzt safftig wird vnd bletter 
gewinnet. MaUh. 24, 32 ; der herr hat ge- 
boten, das man die grossen hcuser schlahcn 
sol, das sie ritze gewinnen, vnd die kleinen 
heiiser, das sie lücken gewinnen. Arnos 6, 
1 i ; vnd das haus gewan einen grossen riss. 
Lue, 6, 49; das die Versuchung so ein ende 
gewinne. 1 Cor. 10, 13; bessert euch, das 
doch die plage eynen vcrzug vnd lenger aulT- 
schob gewünne. ermanunge zum friede. 
(1525). Eiiij*; damit es desteein hesser an- 
sehen gewünne. vom kriege widder d. T. 
(1529). Aij*'; dasselb capiteleyn geweitigen 
sclieyn gewunnen hat. das 7. cap. s. Pauli 
zu d. Cor. (I523j. Aij'. 

4 ) mit näherer bestimmung durch prödt- 
caiives adjecliv: auff das sich die freunde 
vnternander crkenneten vnd lieb gewönnen. 
das diese Worte etc. (1527). riiij^ 

^jewinssichtig, gewinnsüchtig: wenn der, 
der da weiden sol, also aiifls gut gericht vnd 
gewinssüchtig {originaldruck: ep. s. Petri 
gepredigt. 1523. bbj''; gewyns süchtig) 
ist, würd er bald ein wollT werden. Jen. 2, 
373*. Wittenb. 1, 227*. 



ficwiisty m. erwerb, gewinn, mit unor^ 
ganisch eingeflossenem s: gewinst ewiger 
dampnisz. widder die bullen des endchrists. 
(1520). Biij"*; gewinst oder schaden, gro- 
szer serm. v. d. wucher. (1520). cij'; 
geben für, man müsse allenthalben gewinst 
suchen, weish. 15, 12; vnd wendet denen 
vom handwerck nicht geringen gewinst zu. 
ap. gesch. 19, 24; das sie für gott wollen 
gewinst damit treiben, das 7. cap. Cor, . 
(1523). Jiij*; man solle den fünfften teil 
des gewinsts gotte geben. Verlegung des 
alcoran. (1542). Nj'; die heihgen werden 
seuberlich vnd mit gewinst gestrafll. gl. zu 
1 Mos. 20, 16. 

üewirke^ n. ein gewirktes zeug: jr ge- 
wirke taug nicht zur decke. Jes. 59, 6. 

fiewirkty pari., s. wirken. 

^wlrttf n. was gewerre 1): er wolt 
denn die sach noch yn eyn grosser gewyrre 
treyben. an bapst Leo X. (1520). Aij'; 
so dis concilium vns so viel ge wirres gibti 
was solLs werden, wenn wir die andern auch 
solten furnemen ? von den concilijs. { 1 539). 
Eüij*. 

tüewis (gewisz), adj. certus, sicher, zU' 
verlässig ^ mhd. gewis (Ben. 3, 795 '^. Lexer 
993), ahd. giwis (Graff 1, 1106); zu 
wissen. 

1) anien, das ist war vnd gewis. Jen. 1, 
255'; das zcugnis des herrn ist gewis izu" 
verlässig), ps, 19, 8; halte ob dem wort, 
das gewis ist. Tit. 1,9; Daniel ward etwas 
ofTenbart, das gewis ist. Dan. 10, 1 ; meinstu 
aber, das deine Weissagung gewis ist (sicher 
eintreffen wird\ so darflstu nicht erschre- 
cken. Jud. 6, 4; es vsird zur letzten zeit 
der berg da des herrn haus ist, gewis sein. 
Jes. 2, 2 erklärt L. in der gl. zu dieser 
stelle: das man nicht hie vnd da darfl* lauften, 
sondern gewis gott finden wird. 

2) attrib. : vnd setzt sich wider spies vnd 
büchsen jnn den gewissen {sieher bevorsle^ 
henden) tod hinein, ein christl. schöner 
trost. (1535). Bij**; mein gewisser («ui?er- 
lässiger, untrüglicher) wetterhahn ist der 
land Voigt Hans Metzsch. de Wette br. 4, 
61t; die gotloszen fallen vnd schlipfl*ern al- 
tzeyl hyn vnd her, haben keynen gewissen 
{sichern, festen) trit. der 36. p«a/m. (1521). 



GEWIS 



118 



6EWISLIGH 



Giij*; beilige gewisse lere der schrifft. an 
den chrislL adeL (1520). Liij^; far ge- 
wisse warheit gehalten werden. Verlegung 
des alcoran, (1542). Lj*; wir foddern ge- 
wisse beweisung. vom abendmal Christi. 
(1528). p iiij'; die weil du hurest vnd hü- 
best ists ein gewis zeichen, das du on glau- 
ben bist, eine hochzeitpredigl. (1531). 
ciiij'; gebt mir ein gewis zeichen. Jos. 2, 
.12; sonn vnd gestim jren gewissen lauff ha- 
ben, ps, 74, 16; ein gewisser geist. ps. 
51, 12 ist nach L*s. erklärung: ein geist, 
der im glauben on zweiuel vnd der sachen 
gewis ist vnd sich nicht jrren noch bewegen 
lesst von mancherley wahn, gedancken, leren 
etc. gl. zu ps. 51, 12. 

3) es ist gewis, constat, liquet: darumb 
ists gewisz, das alle stiflTt vnd klöster . . . sind 
vil erger denn die gemeynen frawenhewszer, 
tabernen vnd mordgruhen. wider den falsch 
genanten geistl. stand. (1522). Gj'; so 
ists gewisz, das den freyen , sichern geysten 
die yhre sund nit beysset, die mesz keyn 
nütz ist. serm, von dem n. lest, (1520). 
Diij ^ ; erstlich ist das gewis, das Zwingel vnd 
Ecolampad ym verstand eintreclitig sind, das 
diese worl etc, (1527). c iiij ^. 

4) einer sache gewis sein, a) mit gen, : 
des {im originaldruck : die sieben buszpsal- 
men. 1517. H 5': das) bin ich gewis. Jen. 
1, 42 **; wo ich des gewar vnd gewis würde. 
ein brief an die zu. Franckfurl. (1533). 
Biij ^ ; denn er nichts mehr denn eins augen- 
bhcks der zeit seins lehens gewMs ist. ep, des 
proph. Jes, (1526). Fij**; wenn er stehet, 
wird er seines lebens nicht gewis sein. Hiob 
24, 22 ; der gerechte ist seiner sache zuuor 
gewis. spr, Sal, 18, 17 ; werde der sachen 
gewis. Sir. 33, 4; Isaac vnd Esau meyneten, 
sie weren der sache gewis, darum b feylen sie 
auch, vber das erste buch Mose. (1527). 
Ji ij '* b) mit abhängigem satze : Nicanor 
war gewis, das er wolt grosse ehre einlegen. 
2 Macc, 1 5, 6 ; sie waren gewis, das es vn- 
gelerte leute vnd leien waren, ap, gesch, 4, 
13; also ist Salomon gewis gewesen, das 
sein trawni von gott war. zwue sermon. 
(1526). Diiij'; darumb sind wir auch nicht 
gewis, ob der schlüssel troffen odder gefeilct 
hat. von den schlüsseln. (1530). Giiij*; 



thustu das mit fleysz, so bisz gewisz, du bist 
der besten streyler vnd hertzog eyner. von 
den guten wercken. (1520). Hiüj^ 

5) subst.: in jrem munde ist nichts ge- 
wisses, ps, 5, 10. 

|}cwis^ adv. mhd. gewisse {Ben. 3, 796*. 
Lexer 994), ahd. giwisso (Graff 1, 1108), 
1) in zuverlässiger weise, auf sicherstel- 
lende art: den greiflet vnd füret jn gewis 
(vulg. caule). üfarc. 14, 44. 2) sicherlich, 
ohne zweifei: so ists gewis der aussalz. 3 
Mos. 13, 3. 8. 11; was vns mehr denn 
gottis wort wirt furtragen, das sey gewisz 
yrthnmb. auf das vbirchrisll. buch. (1521). 
Gij*^; wer da meuchelt, der ist gewis ein 
feltflüchtiger Heintz. wider Hans Worst. 
(1541). Qj'; was wider diese lere ist, das 
ist gewis erlogen, das 16. cap. Joh, (1538). 
Sj*. 3) als Verstärkung des begriffst wenn 
du findest das gewis war ist. 5 Mos. 17,4. 
4) als betheurung^ freilich, wahrHch: awe 
ja, gewis, es feilet jhm nicht vmb ein har. 
das schöne confitemini. (1530). Eüj'. 

4Sew1sheit, /. certitudo, Zuverlässigkeit, 
mhd. gewisheit (Ben. 3, 796'. Lexer 993), 
ahd. giwisheit (Graff i, 1 1 12) : vnser euan- 
gelium ist bey euch gewesen in grosser ge- 
wisheit. 1 Thess. 1 , 5 ; das ist jr warzei- 
chen, da mit sie jrs glaubens gewissheit be- 
weisen. Verantwortung etc. (1533). Giij^; 
deiner warheit gewisheil macht mich, das 
ichs festlich gleub. Jen. 1, 90*. 

Clewisllch (gewiszhch), adv. certe, sicher- 
lich, ohne zwei fei, mhd. gewislfche (Ben. 3, 
796 ^ Lexer 994), ahd. giwislicho {Graff 
1, 1112): gewislich, hie hab ich gesehen 
den, der mich hernach angesehen hat. 1 Mos. 
16, 13; gewishch ist der herr an diesem ort. 
28, 16 ; das solches gott gewislich vnd eilend 
thun wird. 41, 32; vnd erfur, das Saul ge- 
wislich komen were. 1 Sam. 26, 4 ; sihe, 
es kompt gewislich. Ezech. 30, 9 ; das ge- 
wislich geschehen wird. Dan. 10, 21; eyn 
narr ists, der eyn weyb nympt, spricht die 
wellt, vnd ist auch gewiszlich war. das 7. 
cap. Cor. (1523). Aiij"; das ist ie gewis- 
lich war. 1 Tim. 1, 15; das grossist vn- 
gluck deutscher nation ist gewiszHch der 
zynszkaufT. an den chrisU. adel. (1520. 
Miiij ■ ; jhr sollts aber gewiszlich (fest) glau- 



GEWISSEN 



119 



GEWISSEN 



beo, dasz d. Garlstadt und Philipps aufs beste 
eins seyn. de Wette br, 1, 525; denn wo 
nil gewiszlich (sidier, unwidersprechUch) 
mit der schlifft mag erweysset werden, das 
s. Peter zu Rom gesessen Iiab. auff das 
vbirehrUaich buch. (1521). Hiij^ 

dcwissen^ n. conseientia, avyiürfOig, 
mhd, gewi^;;en, gewi^s^ene, f,, selten n. 
{Ben. 3, 790*. 791'. Lexer 995), ahd. 
gawi;;aiil (Graff 1, 1097). bei L. erscheint 
das wort gewissen, dessen ursprüngliche 
bedeuUmg, gleich avyeiSfjatg und consci- 
enttüt mtwissenschaft ist, 

1) dem älteren Sprachgebrauch enlspre- 
chend im sinne von kenntniss, bewustsein: 
auir das aber disze vnszer procesz bracht 
werden zu gemeinem aller gewissen. buUa 
cene domini. (1522). Gj*^; ich war vierzig 
jar alt, das mich Mose der knechl des herru 
aussandte von Kades Barnea, das land zuuer- 
kundschaffen » vnd ich jm widersagt nach 
meinem gewissen {so gut ich wuszte, 'nach 
bestem wissen und gewissen), Jos. 14, 7 ; 
gott sind wir oflenbar. ich hoffe aber, das wir 
auch in ewrem gewissen {vor eurer kennt" 
nits) offenbar sind (= ich hoffe, dasz ihr 
mich eben so gut kennen gelernt habt, wie 
goll mich kennt). 2 6'or. 5, 11; da ylmi 
\David) Simei schuld gab, er bette Saul das 
königreich mit gewalt abgedrungen, zeigt er 
an, das ynn seim gewissen nicht sey vnd 
nennets ignorantia, welchs wir müssen dcud- 
sehen vnschold, weil wir kein besser wort 
haben , aber es ist zu starck , denn das laut 
gar fein demütiger vnd christlicher, das man 
sich für gott nicht rhüme der vnschuld, son- 
dern des gewissens, denn es mag yemand 
wo! ym gewissen nichts böses fülen , das er 
deonoch danimb nicht vnschuldig ist. der 
proph, Habacuc. (1526). n j^; Abimelcch 
auch on gewissen (in ununssenheit) war, da 
er Sara nam, vnd war yhm dennoch das 
werckfur gott vnrecht. ebend. — das object 
der kenntnis, des bewustseins ist im gen. 
beigefugt: wenn einem von eim ding nichts 
bewust ist, odder hat des kein gewissen. 
^bend. ; also moste der prophet Jona mitten 
im Walfische beten vnd rüffen vnler dem 
schweren, vntreglichen gewissen seiner 
Sünde, das 16. cap. s. Joh. (1538). Xiiif ; 



sie werden aber komen verzagt mit dem ge- 
wissen jrer sünden. weish. 4, 20. oder mit 
von : sonst helle das opffern auffgehöret, wo 
die, so am gottesdienst sind, kein gewissen 
mehr betten von den sünden. Hebr, 10, 2. 
oder mit abhängigem satz: die ein gewissen 
haben {die zu der erkennlnis gekommen sind, 
die Überzeugung gewonnen haben), als sey 
meyn lere recht, vnterricht der beichtkinder, 
(1521). aj»>- 

2) sodann in engerer bedeutung : bewust- 
sein in ethischem sinn {bewustsein mit ur- 
iheil, bewustsein von gut und böse, schuld 
oder Unschuld) : mein gewissen beisset mich 
nicht meines gantzen lebens halben. Hiob 
27, 6; sintemal jr gewissen sie bezeuget. 
Rom. 2, 15; des mir zeugnis gibt mein ge- 
wissen. 9, 1 ; verwirret die gewissen nicht. 
14,1; auff das jr des gewissens verschonet. 
1 Cor. 10, 25; so lasset nu niemand euch 
gewissen machen vber speise oder vber 
tranck oder vber bestimpten Feiertagen. 
Coloss. 2, 16; wo sie {die Juden) vns Chri- 
sten heimlich fluchen, gifften oder schaden 
thun können, des machen sie jnen kein ge- 
wissen, von den Juden. (1543). iiij''; sie 
{die Juristen) haben kein gewissen, nemmeu 
ein thaler oder zehen vnd dienen bösen Sa- 
chen, tischr, 398*^; das lasst euch ewr ge- 
wissen vnd eigens hertz sagen, wider Hans 
Worst. (1541). Jiij"; ich weys für war, 
das auch d. Garlstads gewissen selbst hie zap- 
pelt, das ander teyl widder d. hyml. pro- 
pheten. (1525). Fj^; weil euer gewissen 
sich hierinne beschwert findet, de Wette br. 
5, 613; nach gethaner sünde das gewissen 
angst leidet, gl. zu 1 Mos. 3, 8. 

3) epiiheta bei gewissen: habt ein gut 
gewissen. 1 Pet. 3, 16. Hebr. 13, 18; wo 
sunde sind , da ist kein gut gewissen, post. 
(1528). 9*; ich habe mit allem guten ge- 
wissen gewandelt für gott bis auff diesen tag. 
ap. gesch. 23, 1 ; wir können mit guttem 
gewissen aus vnserm beruff nicht tretten. 
vermanung zum gebet. (1541). Gj**; die 
das geheimnis des glaubens in reinem ge- 
wissen haben. 1 Tim. 3, 9; ich dancke 
gotte, dem ich diene von meinen voreitern 
her in reinem gewissen. 2 Tim. 1 , 3 ; ein 
vnuerletzt {yar. unanstössig) gewissen, ap. 



GEWISSENSGHLÜSSEL 



120 



GEWAHNEN 



gesch. 24, 16; ein rügig (ruhig) gewissen. 
Sir, 19, 10; ein sicher gewissen, das diese 
wort etc, (1527). eij*; ein gut, frölicli, 
sicher, vnerschrocken, selig gewissen, post, 
(1528).. 14^; frölich gewissen, deüdsch 
caL (1529. verm, ausg.). P 7 ^; frey ge- 
wissen, der proph, Habacuc. (1526). nj^; 
cyn biüde, schwach gewissen, ausleg, der 
ep. vnä euang. van der heil, dreykönige fest. 
(1525). cj'; blöde, furchtsame gewissen. 
das 17. cap. Joh. (1530). Giij*; ein blöde 
kleinintUig gewissen. Jen, 1, 311''; ge- 
drengle vnd beengste gewissen, ausleg, der 
ep. vnd euang. des aduents. (1522). Ni]**; 
jrrige gewissen, das man kinder zur schulen 
hallen solle. (1530). Giij*'; elende gewis- 
sen, der 1\\. psalm. (1530). Fiij'; ein 
erschrocken gewissen, weish. 17, 11; die 
erschrocken gewissen tragen, serm. von d. 
hochw . sacramenl. (1519;. a iiij '^ ; brand- 
vortzeichente gewissen, grund vnd vrsach, 
(1521). eiiij''; rohe rauchlose gewissen. 
ob hriegsleule etc. (1527). Aij*; böse ge- 
wissen. Sir. 14, 1. 2; wo du es on böse 
gewissen thun kanst. 19, 8; ich weis wol, 
wie böse gewissen Ihun. das diese wort etc. 
( 1 527). c ij * ; ein bepstlich gewissen, wider 
das bapstum. (1545). Diiij\ 

Cewisscnsclilussclj m. Schlüssel zum ge- 
wissen : es heysscn nit hertzensehlussel oder 
gewissenschlussel , sondern hynielschlussel. 
von der beicht. (1521). ej*. 

dewisscr, s. gewässer. 

ficwitter^ n. mhd. gcwitcr, gewitere {Ben. 
3, 610". Lexer 995), ahd, giwitiri {Graff 
1, 630), coli, zu wetter, von L. noch im 
sinn von welter, Witterung gebraucht : me- 
lecheth wol möchl heissen weiter oder ge- 
wilter des himels. gl, zu Jer. 44, 17 ; er 
gibt allerley gewitter vnd gaben, damit du 
dich vnd deinen leib pflegen vnd warten mö- 
gest. Eisl. 2, 221^ 

ficwitiigtj s. witzigen. 

Iiewohncn (gewonen), suescere, consues- 
cere, mhd. gewonen (Ben, 3, 805 **. Lexer 
997), ahd. giwonen (Graff 1 , 874) , ge- 
wöhnlich mit sein, einigemal auch mit ha- 
ben (z. b. Matlh. 27, !5). 

a) mit gen. : wyr müssen der schrifft ge- 
wonen. ausleg, der ep, vnd euang. des ad- 



uents, (1522). Xij''; darneben mustu auch 
der sprach gewonen. vber das erste buch 
Mose. (1527j. Eij''; das du nicht gewonesl 
der narrheit. Sir. 23, 19; das sie des lati- 
nischen gewoneten. vnterricht dervisitalom. 
(1538). Kij*; des er basz gewonet. serm, 
von dem ablasx. (1520)^ Gij*; weil jr des 
bösen gewonet seid. Jer. 13, 23; sie ist der 
ehebrecherey gewonet. Ezech. 23, 43. 

b) mit infin.: die leute gewonen (gewöh- 
nen sich) gar leicht, sich von Christo zu 
wenden, von dolmetschen, (1530). Dj"; 
demnach sollen wir auch lernen vnd ge- 
wonen, also zu dencken. das 15. cap. der 
ersten ep, s. Pauli an die Cor. (1534). 
c iiij ^^ ; ein junger lewe der gewonet auch die 
leute zureissen vnd fressen. Ezech. 19, 6; 
aufl* das feste aber hatte der landpfleger ge- 
wonet (die gewohnheit), dem volck einen ge- 
fangen los zu geben. Matüi. 27, 15; es ha- 
ben gewonet (die gewohnheit gehabt) die 
romischen bischofif vnsere vorfaren auff diszes 
fest zu vben die waifen der gerechtickeit. 
bulla cene domini, (1522). Aüij*. 

c) mit abhängigem satz : so gar sind die 
grossen herrn gewonet, dz (dasz) man yhn 
heuchle vnd schmeychle. antwort deutsch, 
(1522). Biij'; die leut warens nu gewonet, 
das er sich so lang mit yhn blewete. vber 
das erste buch Mose. (1527). Yj^ 

Ueber die ableitung des Wortes gewöhnen 
s. ]Veigandwtb. 1, 434. 

<iewdhneii, (gewehnen, gewenen), ge- 
wohnt machen, mhd. gewenen (Ben. 3, 
806^ Lexer 983), ahd. giwennan, gi\ven- 
jau (Graff 1, 868). 

1) Iran«.: desselben gleichen sollen die 
Schulmeister die kuaben vnd jügent leren vnd 
gewenen, das sie erschrecken vnd pfu dich 
sagen für dem nanien Wucherer, wider den 
Wucher. (1540). Jiij"; gleich wie man die 
kiudhn gewenet, das sie fasten vnd beten. 
der 147. psalm. (1532). Bj*'; wie man 
einen knaben gcwelmet, so la<«sl er nicht 
dauon wenn er alt wird. spr. Sal. 22, 6; 
du hast sie so gewchnet wider dich. Jer. 13, 
3 1 ; gevvehnc deinen mund nicht zum schwe- 
ren vnd gollcs uamen zu füren. Sir. 23, 9. 

j 2) refl, a) mit gen. : so gewene dich nu 



GEWOHNHEIT 



121 



GEWOLKE 



der rede, vorr, auf die ep, s, Pauli an die 
Römer. Bindseil 7, 434. 

6) mit praep.: gewene dich nicht an die 
lügen. Sir. 7, 14 ; da gewenete er also bald 
seine leute aufl* der beiden sitlen. 2 JÜaec, 
4, 10; gewene dich nicht zu der singerin. 
Sir. 9, 4; gewene dich nicht zum schlem- 
men. 18, 32. 

c) wUl inßn. oder mil abhängigem saU: 
der gewenete sich die leute zureissen vnd 
fressen. Eiech. 19, 3; darmnb sollen wir 
vns mit allem vieis gewenen, diese sachen 
mit des glaubens äugen anzusehen, xwo pre^ 
digl auf der kinderlauffe. (1540). Eiiij"; 
aufls erste sol sich ein jglicher gewenen, das 
er die wort nicht anders achte, denn als 
weren sie gestern geschrieben, vber das 
ersU buch Mose. (1527). Giiij^ 

t}ew«tahcit (gewonheit) , f. consueludo, 
usus, mos, mhd. gewonheit, gewoneheit 
{Ben. 3, 803 ^ Lexer991), ahd. giwona- 
heil {Graff 1, 871): gewehne dich nicht an 
die lügen, denn das ist eine schedliche ge- 
wonheit. Sir. 7, 14; sitten vnd gewonheite. 
der proph. Saeh. (1528). Gj**; vnser ge- 
wonheit, alter brauch \nd alt herkomen. der 
117. psalm. (1530). Ciiij''; so ists nicht 
lands sitte noch gewonheit. von ehesachen. 
(1530). Güij"; wie die gewonheit ist. tot- 
der das bapslum. (1545). Dij^; es war 
aber von alters her eine solche gewonheit in 
Israel. Ruih 4,7; vnd ward eine gewon- 
heit in Israel, das die töchter Israel jerlich 
hingehen zu klagen die tochter Jephthah. 
rieht. 11, 39; vnd machten eine gewonheit 
draus. 2j:hron. 3b, 25 ; ihr habt aber eine 
gewonheit, das ich euch einen auif ostern los 
gebe. Joh. 18, 39; vnd sie giengen mit ein- 
ander hin aus nach jrer gewonheit. Jud. 13, 
1 1 ; nach alter gewonheit. von den eonci- 
lijs. (1539). Gij**; aus alter gewonheit. 
ehend. Güj*; nach gewonheit des lands. 
ausleg, der ep. vnd euang. des aduents. 
(1522). Eiij*; nach gewonheit des priester- 
thums. Luc. 1 , 9 ; nach gewonheit dos 
festes. 2, 42 ; der gemeine pöfel leuffl vmb 
gewonheit willen zum sacrament. vnterrichl 
der visitalom. (1538). Gij". 

fiewihalgliek (gewöniglich), adv, in der 
regeU plerumque : so musten die weiber ynn 

DiBTX, WÖiteitncli. IL 



den versa mlungen auch besonders stehen, 
wie die Juden noch gewöniglich thun. der 
proph. Sacharja. (1528). Hhij^ — mhd. 
gewoneclich in ungewoneclich. 

t^ew^hilidi; gewdliMiicIi (gewonlich, ge- 
wönhch)t adj. consuelus, usitatus, solitus, 
mhd. gewonlich, gewonelich (Ben. 3, 804 *. 
Lexer 997): man sagt, es sey nicht gewon- 
lich (^«dräticA<t<!^). post. (1528). 240 ^ 
die rede sol nu fast vns gewohnlich sein, der 
proph. Sacharja. (1528). Niij*'; so folgen 
wir dem alten vnd gewonUchem (gewohntem) 
brauch. buUa cene domini. (1522). Aiiij"; 
die natur des lisschs hat da müssen. stille hal- 
ten von yhrer gewonlichen. wirckunge vnd 
dewunge. der proph. Jona, (1526). Jj"; 
wenn aber ein weih jren blutflus eine lange 
zeit hat, nicht allein zur gewönlicher zeit, 
sondern auch vber die gewonlichen zeit. 3 
Mos. 15, 25; vnd hielt weder sabbath noch 
andere gewiinliche feier. 2 Macc. 6, 6 ; die 
gleichnis natürlich wolgefallen den eynfelti- 
gen vnd behalten sie feyn, weyl sie genomen 
werden von den gewonlichen dingen, da die 
leute mit vmbgehen. post. (1528). 311*. 

Clewdlbc (gewelbe) , n. fomix , camera, 
mhd. gewelbe {Ben. 3, 665". Lexer 982), 
ahd. giwelbi {Graff 1, 845); zti wölben 
(weihen) = bogenförmig gestalten. 

1) 'hohlrund gemauerte decke* (IFet- 
gand) : offen vnd gewelb der cancelley. auff 
des boehs antwort. (1521). aij^; vnd fieng 
an eyn gros starck gcwclb vber sich zu 
bawen. das ander teyl widder die hyml. 
Propheten. (1525). Gij"; die grosse lust- 
garten, so er der königin lies bawen oben 
ynn der höhe aufl' ge weihen, der prophet 
Habacuc. (1526). lij"; das die kirche vn3 
gewelbe beben, von den concilijs. (1539). 
Fj-. 

2) ein räum mit gewölbter decke: vnd 
warff jn {den propheten) ins gewelbe. Jer, 
20, 2; da es morgen ward, zoch Pashur Je- 
remiam aus dem gewelb. v. 3 ; wüllen ge- 
wand . . . ynn finstern gewelben odder kreme 
feyl zu haben, von kauffshandlung und 
Wucher. (1524). Diij". 

Clew^Ike^ gfwölke^ gewiilke^ n. coli, zu 
wölke, mhd. gewülke (Ben. 3, 802 ^. Lexer 
998): so bittet nu vom herrn spatregen, so 

16 



GEWOLK£N 



122 



GfiZERRE 



wird der herr gewokke (in der fnM: ge- 
wolcken) madieD vod yhn regen giiug ge- 
ben. Sach. 10, 1 in der ausleg, des proph, 
Sackarja. (1528^. Gciij''; diese erbeker 
sind die jxrediger, welclie hie der |»r»f»hete 
gewokke heisst. ebend. Cc iiij " ; wenn sie 
{die sonne) auffgehet, lesscl sie Hich ganU 
sehen on alles gewükke. EiH, 2» 72**. 
bildlich : der gnadenhiwel isi inecfaliger denn 
der sunden gewokke. der 117. ps^lm. 
(1530). Fiij^ 

6ew«lkcii (d. i. gewolkcue), n. coU, zu 
wölken, mhd. gewulkene {Lexer 998): ein 
nebel odder tuuckel gewolcken iJen. 4, 16" : 
gewölcken). vber das erste buch Mose, 
(1527): Hij**; so wird der. herr gewolcken 
maclien. Sach, 10, 1. vgL ge wölke. 

fiewJHUiehl (gewUndscht), pari. ad§, er- 
wünscht, ersehnt^ werth, ikeuer: ah mein 
gewündsditer son. spr. SaL 31, 2; meine 
lieben vnd gcwändschte brüder. Phil. 4, 1. 
Ccwiimi ftwkfemt (1 Mos. 6, 7), s. 
coli, zu wurm ^s= kriechendes Uiier, mhd. 
gewürme (Ben. 3, 827. Lexer 999) : remes 
auft* ebreisch heisl alles was da kreucht viid 
schleicht, weklis ich gewürm, heysse, wie 
wol das wort zu enge ist, aber ich Itabe kein 
anders, der proph. Habacuc. (1526). füy''; 
die erde bringe erfür . . . gewürm vad thier 
auff erden. 1 Mos. 1, 24; gewürm das auff 
erden kreucht, v. 26; ass eines gewürmes. 
3 Mos, 5, 2 ; darinnen waren. . . wilde thier 
vnd gewürme vnd vogel des himels. ap. 
gesch. 10, 12. 

Clewun^ n. condimenlum, coli, zu mhd. 
ahd. würz = kraut : die besten lisscbe mit 
köstlichsten latwergen vnd gewürtz. das 5. 
Q.vndl.cap.s.Matth. (1532). küj". 
CIcjr — , s. gei —. 
6emg, s. gezank. 

CeiMlk (gezang^ m. zank : der auch key- 
nen hadder noch gezang mit yemand haben 
wölk, sen^r. an bapsl Leo X. (1520). 
Aiij " ; vud sol hie keiner den andern vrley- 
len, richten, verachten, noch eynigen gezanck 
yuQ den gedanckeu anfahen. post. (1528). 
26''; vnd darüber in gezanck sich gegen an- 
der leut le^en. Jen. 1, 20 \ 

Clefänk, geiankc (gezeng, gezenck, ge- 
zencke), n. streit, mhd. gezenke (Ben. 3, 



849 ^ Lea^r l))OM« €oU. zu zank: durch 
gezenck breyt er sich weyt aus. spr. Sol, 
17,14 var. ; das gezenck der falsch berümp- 
ten kunst. 1 Tim. 6, 20 ; daher kompi es, 
das hadder, gezenck... szouiU seynd. gr. 
serm. von dem wucher. (1520). aiij'; da- 
mit er sie aus der schriffl reysse vnd ynn 
scyn gezencke menge vnd also zu letzt niil 
sokitcr list aussen der schrifil vbunge ynn 
gezeng erhassche vnd vmbbringe. der proph. 
Jona. ( 1 526). Aij * ** ; wer aber müssig ge- 
zencke liei)el, der frage ymer hin. der pro- 
phet Sucharja. (1528). Ggj''. weitere be- 
lege s. unter gebeisce und gekämpf. 

dem« (gezaw), fi. Werkzeug, mhd. ge- 
zouwe (l^en. 3, 942 ^ Lexer 1007), ahd. 
gizawa ((vra/f 5, 713): da raus der fissch, 
der vorhyn des tods gezaw war, des Icbens 
gezaw seyn. der proph. Jona* (1526). Jj^. 
Cleiinc (gezeune), n. coli. 2uzaun, mhd. 
geziune, «4. gezüne {Lexer 1005): man- 
drae sol hetssen ein schlecht gezeune oder 
gehege. von den conciUjs. (1539). Ztij^ 
fieiftWy s. gezau. 

ütMÜf f.» mhd. geztt (Ben. 3, 913*. 
Lexer 1004), 

1) zeU: der tichler wissentlich vnd mit 
vleis den jrthum der gezeit vnd namen drein 
gesetzt hat. vorr. auf das buch Judith. 
Bi$^eil 413; bleibt also der jrthum vnd 
zweiuel beide der gezeiten vnd nanien. ebd. 
412. 

2}^eUiunde, horae canonicae : die sieben 
gezeyte. ausleg. der ep, vnd euang. von 
der heyl. dreykönige fest. (J525). Yj''; 
lesen vnd mummeln yhre siebet^ gezeiten. 
ausleg. der zehen gepol. (1528). Dj^; die 
jre gezeiie on alles inwendiges begirde 
schlappern. X^t». 1, 71". 

CleMlIi n. zeit, mhd. gezeit (Ben. 3, 869% 
Lexer 1001), ahd. gndli {Grüff 5, 660): 
da zoch Isaac von danncn vnd sdilug sein 
gezeit auff im gründe Gerar. 1 Mos. 26, 17; 
gegen mitlag sol ligen das gezeit vud pantr 
Ruhen. 4 Mos. 2, 10; da es kam an die ge- 
zelte. rieht. 7, 13; ob sie in gezeiten oder 
Festungen wonen. 4 Mos. 13, 20. 
fieienk^ geieakc^ s. gezänk. 
CleierrCv n. das hin' vnd hetttiszen^ mhd. 
gezarre, colL zu zar, das reiszen (Ben. 3, 



TtfiZEfie 



123 



CEZWraNT 



904'. Lextr 1000): ttocii nicht on ge- 
sehrey vnd gezerre, von den concilijs, 
(1539). eij^ 

CieiCMg, getDÖhnlich n., einmai { 1 kön. 
7, 48) noch das in der alleren spräche vor- 
herrschende m. , geräihe , Werkzeug , mhd, 
geziuc (Ben. 3, 917^ texer 1004), ahd. 
giziac {Graff 5, 612): vnd lies nicht zu, das 
yemant eyn gezeug {tnbel: etwas) durch den 
tempel Inige. Marn. 11,16 rar. : ein eisen 
gezeug. l kön, 6, 7 ; also machet Salomo 
allen gezeng, der zum hause des herrn ge- 
höret. 7, 48; alles gezeng, das dem Baal 
vnd dem liayne vnd allem heer des himcls ge- 
macht war. 2 kön. 23, 4 ; nym aberma! zu 
dir gezeug (bihel: gerele) eines törichten 
hirten. Saeh. 11, 15 var.; eines tollen hir- 
ten gezeug, als da sind die stehe, hörner, 
tasschen. der proph, Sacharja, (1528). 
Ffüi]**; der mensch hat maneherley gezeug 
die ftssche zu fahen. der proph. Habacuc, 
(1526). fiiij^; vnd ia nicht leucken kan, 
das ich eyn vnwirdiges gezeug gottes gewe- 
sen byn, dadnrch er viel seefen geholfTen hat. 
ein brief an die Christen zu Strasburg. 
(1525). Aiij»». 

|}ficage> m. zeuge, mhd, geziuge {Ben 3, 
919**. Lexer 1005J: damit er yhe ineyn 
vawilliger, vngünstiger viul szo viel deste 
stercker getzeug ist. auf das vbirchfiiUl, 
buch. (1521). H]"; vnd macht got zu einem 
falschen getzeugen. von dem bapstum. 
(1520). Biiij'*; niemant sol sterben von 
eynis getzeugen wegen, ebend. Fij*; ein 
igliche sache sol heslehn durch den mund 
zweer odder drcyer getzeugen. ebend. 

ÜMMgals, f. und n. zeugnis, ImIwio« 
mim, mhä. geziugni^se {Ben. 3, 921". 
Lemer 1005): (iurch vieler rnimer eut 
schrifft vnd gtizeugnis. amf des bocks anl- 
woTi. (1521). a üj " ; ein edle getzeugnisz. 
ebend. biij*; klar getzeugnis. auf das 
vbirehrislL buch. (1521). Dij''; siegeben 
mir seibs allesampt getzeugnisz daryasy das 
ieh reckt thaii liab. widder die buUen des 
endchrists. (1520>. Aüij''; du solt nicht 
Cabeh geseugMft geben. Matlh. 19, 18; du 
seit nicht falsch gezeugnis reden. Harc, 1 0, 
19; das isl geschehen zu stereken ybren 



glauben durch zwey gezeugnis. post, (1528). 
Ooij\ 

fietiditj geziehte, s. gezüeht. 

Ilctiemei (gezimen), decere, convenire: 
ob eim Christen menafhen gezyme zufliehen 
ynn sterbensleufften. ob man für dem ster- 
ben ßiehen müge. (1522>. Aij"; gottes- 
dienst, der solchem edlen blut der veter vnd 
beschnittenen heiligen woi gezime vnd ge- 
bäre, von den Juden. (1543). ij". 

tieihwBer (gezimer), n. mhd. gezimmer, 
gezimber {Ben, 3, 892 ^ Lexer 1003), ahd. 
gizimbari {Graff b^ 670). 

1) bau, gebäude: vnd oben drauffein ge- 
zimer von cedern. 1 kÖn. 7, 3. 

2> bUdlieh vom menschen : so wil er doch 
vns daau brauchen vnd dem stoltzen, zorni- 
gen geist (dem teufel) eine schalckeit thun, 
das er y^ idder jn stellet vnd für wirfft ein 
solch arm schwach gezimer. das 6. cap, 
Ephes. (1533). Ciij''. 

fletlrh, m. bezirk: den gezirck des heyli- 
gen römischen reychs. zweg keyserliche ge- 
poU. (1524). Aiij". 

<}eiiehtj geiichtc, L. gezicht, gezichte, 
n. ifuf zuziehende» , aufzuziehende junge, 
brul, mhd. geafrtite (Lexer 1008), coli, zu 
zudil : des teuffels geziclite. eyn vriegl der 
Iheologen. (1521). Aij'*. vgl. Ottergezücht, 
schlangen geziklit. -• 

ieiieMget^ par§, s. züchiigen. 

fieiWAMg; m. zwanff: weyl sie nicht aus 
Inst vnd hebe» sondern mit grosser vnlust, 
viftwillen vnd gezwang gehallten wirlt. das 
7. cap. Cor. (1523). Eirf''; mit gezwang 
vnter dem schwerd vnd gesetz eusserlieh 
fmm seyn. undder die hgtnl. propheten. 
(1525). Aiüj^; der iunge erbe ynn furcht 
vnd gezwang erzöge« wird. posl. (1528). 
1 7 ** ; aus gezwang vnd not des gesetzs gut 
Ihun. ebend. 157 \ 

mhd, getwanc {Ben. 3, 164 ^ Lexer 
951), ahd, gidwang, gidwanc {Graff 5, 
277). 

Cleiwclct) pari, von zweien, subsl. : mtt 
Sabellio helt ers , das goH nicht drey perso- 
nen sey, doch setzt er ein gezweiet {eine 
zweiheit) in der gottheit. Verlegung des 
aUoran. (1542). Biij\ 

CMWlnK^ pari, mdf.: von weisser ge- 

16* 



GlCHPRITOHTir. 1' 

iwiruler seiden. 2 Mos. 26, 1. 31 ; 36, 8; 
von geiwJrDlem weissem linwail. 39, 28. 

filckpricUigf s. ijichtbrücUlig. 

tiltkt, f. paralytii: die ijichl. euang. von 
de* Zehen awttelagea. (1521)- t'J''' ^*^ 
kleine oder halbe sddag, die gichl. randgl. 
t* Matth. 9, 2. . 

tnhd. diu u. da; gihl {Ben. 1, 5tT^ 
Lexer 10I4I. das gidil noch bei Aber*t 
diel, aiiij''. nach Weigand iclb. l, A3G 
{vgl. auch Ben. mhd. wtb.) mit gidil ^ 
gang zu gelien. nac* Wackernagel 
wlb. 113'' lu mM. gtgeo, nhd. geigen — > 
m litlemde betoegung getten. 

filehikntkigkhlyrud}), f. datsetbe: discr 
heublman isl nicht gesund worden von der 
gichlprucli seynes knechls. austeg. der ep. 
v»d euang. von der heil, dren könige feit. 
(1525). Oiiij"; po*t. (1528). 27!»". 

fllchtfcrächlg (gicblfiruchig), paratylictu, 
mhd. gichtbrühec (Lexer 1014). die ertlen 
ausgaben der bibel und des n. lest., sowie 
andere frühere Schriften bieten die tieben- 
formen gichtliriicbtig (gicblprüchtig) , gieb- 
pruchüg. 

t ) adj, : mein knecbt ligt zu hause vnd ist 
gichtbrucbig (var. gichpruchtig, gicblprucb- 
lig, gichtbnichtig). Üatlh. 8, 6; eüidie 
menner brachten einen menschen atilT einem 
bette der war giehlLrüclüg. Luc. 5, 18; 
Eneas der war giclitbriicbig (var. gichtpnicb- 
tig, giditbrücblig). ap. gesch. 9, 33. 

2) «wbK..- der gichtbrüchige {var. gich- 
bruehtige, gichüiriichtige). Marc. 2, 4 ; da 
brachten sie zu jm einen gi<Jitbrüchigen (var. 
gichpruchtigen, gichtpnichligen, gichlbrUcb- 
ligen). ilatth. 9, 2 ; auch viel gichtbrüchige 
vnd lameii wurden gesund gemacht, ap. 
geseh. 8, 7 ; die gichtbrüchige o (var. gicht- 
brüchtigen). MaUh. 4, 24. 

fllchllg, dasselbe, mhd. gUiüc [Ben. 1, 
517". Lexer 1015): von bliaden, lamen, 
gichtigen... war den prieslern ym gesetz 
nichts befolhen. von den sehen aussetxtgen. 
(1521). Ciig\ 

filckcBj s. kicken. 

fllerlg Igirig), adj. begierig, mAd. giric 
{Ben, 1, 531°. lexer 1U2U): ein giriger 
beer. spr. Sal. 28, 15 ( seid girig nach der 
verDLinlTligea lautem milclt. 1 Pet. 2, 2; 



14 GIESZEN 

wie vberaus girig vni) durstig sie sind nach 
der fromen Christen lilul. das 16. cap. s. 
Jok. (153S). Ej". 

Vlerig (girig), adv. mit begierde: Triss 
nicht lu girig. Sir. 37, 32; icli hatte jre 
lere so girig in mich gefressen. Jen. l. Aj". 

SiMKB, fundere, mhä. gießen (Ben. 1, 
540'. Lexer 1U11), ahd. gio^an {Graff 4. 
281), golh. giutan; in gr. x^^'"' ''>'■ ^*">~ 
dere, ikr. hu opfern, opfer ausgiessen. vgl. 
Grimm kl. sehr. 2, 20b. Curtius gntnd- 
lüge 193. Huhn zeilschr. 14, 268. 
Zacher seitsckr. 1,4. tm praes. eonju- 
giert L. du geussest, er geusset, geussl; 



1) gieszen, autgiesten, eigentlich u. bild- 
lich: die dicken wolckeu gössen wasser. ps. 

77. 18; da muslu ja greifTen, das hie keine 
taiilTc sein kan, ob gleich die wort der tauße 
gesprochen vnd das wasser gegossen wird. 
L-on der loinckelmesse. (1534). Biij'; aber 
er wölb {das wasser) nicht triucken, son- 
dern gos es dem herrn. 2 Sam. 23, 16; 
vnd gosseu daselbs jre tranckopß'er. Ezech. 
20, 28. — vnd alles blul giessen an den 
boden des h randop fferaltars. 3 Mos. 4, 7 ; 
genss es {das wasser) aulT das trodien land, 
2 Mos. 4, 9 ; auff des lieubt das salböte ge- 
gossen. 3 Mos. 21. 10 ; geus deine vngnade 
aufTsie. ps. 69, 25; ich wil meinen geisl 
auff deinen sainen giessen, vnd meinen s^en 
aufl deine nachkoraen. Jes. H, 3; darnach 
sol er des Öles aus dem log nemen vnd in 
seine (des priesters) lincke band giessen. 3 
Mos. 14, 15; dar nach gos er wasser in ein 
hecken. Joh. 13, 5; gleych wie das wasser 
der lauffe, wan das der priesler vber das kind 
geust, bedeut die hey^ge göttlich vnd ewige 
gnade, die do neben wirt gössen in die seel 
vnd leyb desselben kinds. senn. von dem 
ehelichen stand. (1519). Aij^; nenn man 
aber wasser vber den samen gösse. 3 Mos. 
11, 38. tnil partit. gen.: vnd gos des salh- 
üles auff Aarons hcubt. 3 Mos. S, 12. 

2) meiall gieszen: darumb samlen sie 
grosse schelze, giessen büchssen. der 127. 
psalm. (1524). Biiij'; ich wolt od zweiuel 
nicht, das du mir glocken gössest, poji. 
(152S). IS"; vnd geus vier gülden rincken. 



GIESZKÄNNLEIN 



125 



GIFTIG 



2 Mos. 25, 12; und solt jnen funIT ehrnen 
füsse giessen. 26, 37; der meister geiisst 
wol ein bilde. Jes. 40, 19. 

IL inIrans» sich ergieszen: wenn ein 
platzregen von Itergen auff sie geusst. Hioh 
24,8. 

üiesikuftlciH (giskenlin, gieskenlin), n. 
kleine kanne zum gieszen : die gülden gis- 
kenlin. der proph, Sacharja, {l^2S). Qij^; 
die gieskenlin von golde. ebend. 

fliflly f. vereinzelt auch ml (seinen gifll. 
aujf das vbirchrisll. buch, .1521. Aiij**; 
solchen gifft. das 15. cap, der ersten ep. s. 
PauU an die Cor. 1533. Kj*; von dem 
giill. hausposL Witlemb, 1545. sommer- 
teü 56'), mhd. ahd. gift {Ben. 1, 510*. 
Lexer 1012. Graff 4, 124); zu geben. 

1 ) gäbe : die almoszen vnd gifll sainlen. 
gr, serm. von dem wucher. (1520). b iij*. 

2) venenum, eigentlich u. bildlich: tod 
ich wil dir eine gifft sein. Hos. 13, 14 ; das 
er sich selbs mit gifft vmbbrachl. 2 Mace. 
10, 13; vol tödlicher gifft. Joe, 3, 8; die 
todliche gifft. ob man /tir dem sterben flie» 
hen miige. (1527). Biij*; vnd gaben dem 
newen bepstlichen könig so starcke gifft, das 
sein leib grase grün ward, einer aus den 
koken aflikeln. (1537). Dj**; das sie {die 
kinder) vngezogen anffwachsen vnd den an- 
dern kindem gifft vnd schmeysse seycn. an 
die radherm. (1524). Bij**; das wort golts 
ist ymer heylsam, obs wol den gottlosen 
eyne gifft vnd gerücht des tods zum tod ist. 
das ander teyl Widder d. hyml. propheten. 
(1525). Mij'; die widderteuffer auch gern 
herein schleichen vnd die vnsern mit jrer 
gifft (falschen lehre) beschmeissen. von den 
Schleichern, (1532). Aij*; vnd wollen jre 
gifft mit meiner erbeit schmücken, arlickel 
etc. (1538). Ai]**; aber nu klebt diese teu- 
felische gifft vnd hellischer mord dran, u^tder 
Bans Worst. (1541). Eiiij*. die verbin- 
düng gift und galle s. unter galle. 

HiftUMcr^ m. der einem andern gift ein- 
bläst, in folgender stelle bildlich für böser 
ralhgeber: nicht das ich sorge, keiserliche 
maiestat werde solchen gifilblasern folgen. 
wamunge an s. l. Deudschen. (1531). Dij ' . 

CiftcBy mhd. giften (Ben. 1, 510^ Lexer 
1013), ahd. gifUn {Graff 4, 126), urspr. 



als gäbe darreichen, bei L. als gift beibrin- 
gen, vergiften: wo sie vns Christen heimlich 
fluchen, gifllen oder schaden thun können. 
von den Juden. (1543). iiij''; der enthu- 
siasmus sticket jnn Adam vnd seinen kindem 
von anfang bis i\\ ende der weit von dem 
alten trachen jnn sie gestifltet vnd gegifftet. 
arüdiel etc. (1538). Giiij''; so gar tieff ist 
des Satans bösheit jnn Adams kinder gegifftet. 
mder den wucher. (1540). Jiiij*. 

Mftigj venenatus, mhd. giftec {Ben. 1, 
510 **. Lexer 1013): gifltige lufft. 5 Mos. 
28, 22; gifitige drachen. toeish. 16, 10; 
vnd ist jnen gleich wie dem gifitigen thier 
salamandra. ausleg. der ep. vnd euang. von 
ostem. (1544). Oiij«. häufig bildlich für 
schädlich, verderblich , boshaß: er (der 
teufet) rousz ein boszhafltiger, gifftiger, dür- 
stiger geist seyn. lischr. 200 **; ich bin noch 
im leben . . . , noch flnden sich solche gifllige 
leute, die sich vnterstehen mein schriffl vnd 
lere stracks widdor mich zu füren, ar ticket 
etc. (1538). Aij**; wo wollen sie aw 
Schwefel, pech, fewr vnd holtz gnug finden, 
den gifftigen ketzer zupuluern ? euang. von 
den tzehen aussetzigen. ( 1 52 1 ). Aij * ; gifllige 
ohrenbleser. der Wi.psalm. (1530). Aiij"; 
gifftig«, argwenige deuter. br. an den ertz- 
bischof zu Mentz. (1530), Aij"; gifltigs 
lastermaul. bulla cene domini. (1522). Cij*; 
ein bitter gifftig hos maul, das 5. 6. vnd 7. 
cap. s. Matth. (1532). Jiij'; giffliger mund 
vnd böses hertz. spr. Sal. 26, 23 ; gifltige 
äugen, die kl. antwort. (1533). Cüj*"; 
gifttige Worte, ps. 64, 4 ; wer hatt ybe le- 
sterlicber, gifftiger, hellischer»., wort ge- 
hört, denn hie Emszer ausz seynem gifftigen 
hellrachen yn den hymel treybt? auf das 
vbirchristl. buch. (1521). Giiij**; gifftige 
buchle. ebend. Jij*; was leret doch disze 
gifltige lasterbullen? bulla etc. (1522). 
Cij**; gifftige practiken. das 6. cap. Ephes. 
(1533). Güij*; gifftiger groll, das ander 
legi Widder die hyml. propheten. (1525). 
Bij^; gifltiger neid. weish. 6, 25 ; gifftiger 
yrthum. von welllicher vberkeyl. (1523). 
Aj ^ gifltiger hobmut. j)o«l. (1528). 225^ 
(liftig 5 adv. auf boshafte, schändliche 
weise: wens kunsl were gifftig deuten vnd 
einem andern seine wort boshafltig ver- 



oimoLicit 



126 



GLÄNZ 



keren, so wolt ich hertzog Georgen avcli wol 
deuten, verantworiung ele. (1533). Aij''; 
thar frey auirraick sogiflTig hegen. Jen. 1 »356*. 

liilUglicIi , adv. dasselbe: vnd leuget 
alieriual giffttglich vnd luutwiUiglieh. das 
ander teyl widder d. hynU. propheten, 
(1525). Mj**; yhr yun solchen ernslen Sa- 
chen so mutwillighch, wissenüich vnd gifl'lig'- 
lieh liegel. ebend. Niij * ; damit vns hey jren 
Zuhörern verretherlich vnd gifftiglich ver- 
leumbdeu. die drey symbola, (1538). Fij^. 

MflkäcUcin (hn) , n. giftiger, kleiner ku- 
chen: ein lieUisch gifftkücblin. die kl. anl- 
worL (1533). Cj^ 

fiiganti n. ungeheurer riese : grosse rysen 
odder giganten. vber das erste buch Mose. 
(1527). Tj'. - schon mhd. und ahd. gi- 
gant {Ben. l, 511^ Lexer 1013. Graf 4, 
142), aw lal.-gr. gigas. 

iiiüdt, f. genossenschaft, zunfl: wer 
solclis qicht kan, den solt man aus der 
scliwernier zunifl vnd gilde werften, das 
diese Wort etc. (1527). ej^ 

aus dem ndd. aufgenommenes worl s. 
Weigaudwtb. 1, 438. 

MrrM» einigemal st, kirren «(ndere, einen 
greUen{scharfen)ton von sich geben, schreien, 
z. b. vom geschrei des schweins : den altuatter 
dauchle, erhörete einen gantzen haufl*en sawen 
girren vnnd gruntzen. lischr, 202 *". dann 
auch klagelöne von sich geben, ächzen, wie 
in folgender stelle: ich winselt wie einkranch 
vnd sdiwalbe vnd girret wie eine taube. Jes. 
38, 14. vgL kirren. 

diael, s, geisel. 

Clistera, s. gestern. 

dHter, n. clathri, mhd. gttter, giler 
{Lexer 1025), nach Weigand wtb. 1, 
440 gekürzt aus dem daneben noch übli' 
chen gegitter: das gitter. 2 Mos. 27, 5; 
Ahasia fiel durchs gitter. 2 kön. 1, 2; ein 
ehern gitter. 2 Mos. 21 j 4 ; des ehrnen 
gitters. 38, 5 ; mit cysscrn gitter vergittern. 
ausleg. der zehen gepot. (1528). L7^ 
^9^' gegitter u. gatter. 

Cllani, m. splendor, nilor, mhd. glänz 
(Ben. 1, 549 \ Lexer 1027); zu glinzen 
(vgl. Weigand wtb. 1, 440). 

1) eigentlich y heller schein, Schimmer: 
von dem glanlz für jro {dem lichlglanze, wel- 



chen die herrliehkeit Jthova*s verbreitet) 
brandte es uül lilitzen. 2 Sam. 22, 13 ; der 
schöne glantz gottes. ps. 50, 2; vnd der 
vorhof *(i^ard) vol glaulzes von der herrlig- 
keit des lierrn. Ezech. 10, 4 ; der sonnen 
glanlz. weish. 2, 4; der glantz des monden. 
Jes. 60, 19; des hiniels glanlz. Dan. 12, 
3; das fewr gab einen glantz von sich. 
Ezech. 1 , 13; man wolt denn sagen, das 
gotl dem liecht souiel glantz geben habe zu 
dem kästen, das es sie {die arche) gar er- 
leuchl habe, vber das ersie buch Mose. 
(1527), Xj*"; das man die heiligen mit eim 
Schemen oder glantz vmb das heubt malet. 
hauspitsl. {Wiltemb. 1545). festteillb^. 

2) uneigenlUch: der halben ist sie durch 
den feynen glantz der jungfrawschaflt so 
fasst verblendet, das 7. cap. Cor. (1523). 
.Ij*^; glantz der erkenlnis. Bindseil 7, 311. 

3) häußg gebraucht L. einen p/. glenze 
im sirme von sirahlen^ lichislrahlfn: glen- 
tzen giengen von seinen hen<len. Hab. 4, 4 ; 
vnd giengen von yhm aus wie glenlze von 
der sonnen... also giengen diese glenize 
nicht vom angesicht des herrn, sondern von 
seinen henden . . . solche glentae nennet die 
ebreische zuugen hörner. exodt xxx iij {mmsz 
heiszen xxx iiij) halte Mose hömer das ist 
glenlze ynn seim amllilz. der proph. Haha- 
cuc. (1526). niij^; das ig| der gleoizen 
einer von seinen henden. ehend, n iiij ' ; die- 
ser vers zeigt aber der glentzen einen an. 
ebend, o j ' ; die glenlze der sonnen sind dir 
so nahe, das sie dich gleich ynn die äugen 
odder auif die liant stechen, das diese wort 
etc. ( 1 527). h ij ' ; auff der sonnen glentze 
reylten. an die herren deulschs ordens. 
(1523). Cij"; s'te {die Juden) konten nicht 
leiden die glentz vnnd slremen seynis ange- 
sichts, ausleg. der ep. vnd euang, vom 
christaß. (1522). Ssj\ hildlieh: Uxv ^ra^- 
sera erschrecken der au%eliend3ft warheit, 
wilch yhre starcke glenlz also in yhr ange- 
sichle stost. widder He bullen des end- 
christs. (1520). Bij"*; seiner gulheit glentze. 
das magnifißat, (1521). c^j'^; die glentz 
seyner gnade vnd gerechtiekeytt. auslef. der 
ep. vnd euang. des adments. (1522). B^^. 

Uänt (glenlz), f. glänz, sehimnmv, wahd. 
glenze {Lexer 1032): gleich wie die glentz 



GLÄNZEN 



117 



GLATT 



(Jen. 1, 42^: der gianiz) der sonnen vnndhitze 
des fenrs isl nk, wo die sonne vnd das feur 
nit isl. die sieben buszpstUm» (1517). 11 5 *. , 

fiUuiiea (glenzen), iplendere, glänz von 
sich geben, leitchlenf sclUmmem, mhd. glen- 
lea (Ben. {, 549*. Lexer 1032): Laban 
betssel aulT deudsch weis, gleissend» das hell 
daher glentsel. vber das ersie buch M^e. 
( 1 527 ). Og j **. vnd glcttlzet wie eine flamme. 
ehewd. Oj ^ ; ein glentzend liecht. Hiöb 4 1 , 
9 vor.; fewr das allenlhallien vmbhcr 
glenlzel. Ezech. 1,4; vnd wnste nicht das 
tlie haut seines angesichts glentzei. 2 Mos. 
34, 29 ; vnd glentzei beide spies vnd lantzen. 
Biob 39, 23 ; hie blickt schwerd, da glentzt 
spies. die ep. des proph. Jesaia. (1526). 
Üij'; er bringt reuter eraulT mit glentzenden 
sdiwerten. Nah. 3, 3 ; so Ihun die waflen 
ym streit, das sie blicken vnd glentzen, 
welcbs sie ymi der sdieklcn nicht Ihun. der 
proph. Habacuc. (1526). oij*; vnd sein 
kleid ward weis vnd glentzet. ümc. 9, 29 ; 
da tratten bey sie zween menner mit glen- 
tzenden kleidern. 24, 4; den staub abge- 
wischet, gefegel vnd ans liecht bracht, das es 
(das fiDort goUes) wider rein jglentzet. das 
16. eap. s. Joh. (153S). Rij". 

UiUM (glenzen), n. deine pfeile fuhren 
mit ^entzen da .hin. Hab. 4, 1 1. 

Muilda (glenzlitt), n. kleiner, sehwa^ 
eher strahl : so möchte sie (die sonne) leiden, 
das alle lose hüben uicht ein glentzlin von jr 
kriegten, ein chrisUich schöner Irosl. 
(1535). €j*. ausieg. der ep. vnd euang. 
von osiem. (1544). qüj*. 

CkM (glasz. ep. vnd euang. vom chrislag. 
1522. fitiiij"), n. viirum, mhd. ahd. glas 
(Ben. 1, 545'. Lexer 102S). i)alsmasse: 
vnd die stad (t/Dar) von laulcrm golde gleich 
dem reinen glase, offenb. 21, 18; ein geist 
sihet, feret vnd höret durch ein eiserne maur 
so hell vnd leiciil, als ich durch die luü'l oder 
glas sehe odder höre, vom abeudimal Christi. 
(1528). iüij*. 

2) aus glas gemachles: sihc den wein 
nicht an, das er so rot ist vnd im glase so 
schön stehet, spr. Sal. 23, 31 ; ein glas mit 
köstlichem wasser. Matth. 26, 7 ; ist denn 
Christas leib an allen enden, ey so wil ich 
yhn fressen vod saufien aus allen schusseln, 



glesem vnd kanncn. das diese worl e^. 
(1527). hj*^; durch ein gemalet glas (brille) 
lesen, ein 6r. an die zu FranckforL (1533). 
B^j^ 

UaMlgCi n. in folgender sleiie wohl s. 
V, a. mit einem glas (einer brille) bewaff- 
neles äuge : wir müssen vns lassen verdamen 
vnd ansehen durch glassaugen. Eisl. 2, 235'. 

t^lMcr^ m. vitriaritis, mhd. glasa^re (Ben, 
l, 546*. Lea?er 1029). de Weile br.ü, 3^0. 

Clläsern (glesern), vitreiM.-einglcsern mcer. 
offenb. Joh. 4, 6. 15, 2 hat die erste ausg. 
des n. lesL gläsern. — mhd, glesin, selten 
glesertn (Ben. 1, 546". Lexer 1032). 

CJlMireBi mit glasur überziehen : er nuis 
denckcn, wie ers (das irdene gefäsz) fein 
glasure. Sir. 38, 34. heute glasieren. 

filaU (glal), laevis^ mhd. ahd. glat (Ben. 
1, 547*. Lexer 1029. Graff i, 287). der 
comp, lautet bei L. gletter, gleter (ps, 55, 
22 ; spr. Sal. 5, 3), nicht glatcr. Ueber die 
etymologie des wortes s. Weigand wtb. 1, 
441. 

1) glatt im gegensatz von rauh, eigentlich 
und bildlich: Esau ist rauch vnd ich glal. 1 
Mos. 27, 11; die foll von den böcklin thet 
sie jm vmb seine hcnde vnd wo er glat war 
am halse, v. 16; hübsche glate melzlin. tot- 
der den falsch genanten geistl. stand. 
(1522). Bj* ; kelzlin wie hast du so ein glat- 
ten balg, tischr. 92**; glatte stein. 1 Sam. 
17, 40; dein wesen ist an den glatten bach- 
steinen. Jes. 57, 6; ein glatcr weg im fin- 
stem, darauff sie gleiten vnd fallen. Jer. 23, 
12; das eis ist dis jar seer glal gefroren. 
wider das bapslum zu Rom. (1645). Diiij'; 
— jr mund isl gletter denn butler vnd hal)en 
doch krieg im sinn. ps. 55, 22; weibcr ha- 
ben giate meuler (können gut schmeicheln), 
also auch die heuchelprcdiger. der prophet 
Sacharja. (1528). Sj*; vnd krawen jn mit 
glaten (schmeichlerischen) Worten, serm. 
auf Matth. 22. (1535). Aiiij*; die glate 
wort gibt. spr. Sal. 2, 16. 7, 5. 

2) glatt, glänzend: vnd glintzeten wie ein 
hell glat ertz. Ezech. 1, 7. 

filftttj adv. 1) genau passend: yderman 
sihet nicht mehr, denn wie glad einem andern 
der schuch anligt, sihet aber nicht wo er yhn 
drückt, widderumb der den schuch an hat, 



GLATZE 



128 



GLAUB 



achtet nicht wie glad er anligt, sondern wie 
vbel er yhn drückt, posi. (1528). 145*. 

2) auf eine sanfte weise: er (der wein) 
gehet glat ein. spr. Sal. 23, 31 ; die taler 
niügen glat eingehen, müssen aber rauch wi- 
der ausgehen, wider den bischoff zu Mag- 
deburg. (1539). Jij^ 

Cllatie^ /*. 'haarlose stelle auf dem köpfe' 
(Weigand), mhd. glaz, glatz m. (Ben, 1, 
547 ^ Lexer 1031): fallen sie (die haare) 
jm fornen am heuht aus vnd wird eine glatze, 
so ist er rein. 3 Mos, 1 3, 4 1 ; an der glatzen 
oder da er kalh ist. v, 42; an der glatze oder 
am kalhkopif. ehend,; an seiner glatzen oder 
kalhkopfT. v. 43 ; eine glatze für ein kraus 
haar. Jes. 3, 24. 

ClUttbj glftube, glauben, m. ntanq, fhdes, 
mhd, glouhe, geloube {Ben, 1 , 1019*. Lexer 
823), ahd. gi-, ki-, ga-, kaloul)0 {Graff 2, 
71.72). In betreff der formen ist zu be- 
merken, dasz glaub {auch glawb geschrie- 
ben), eine kürzung von glaube, in den frü- 
heren Schriften L's, häufig begegnet, der 
nom. sg, glauben nur seilen erscheint (z. b, 
der proph. Jona. 1526. Jü]**; post, 1528. 
fol. 251'*.. 277"). der gen, sg, lautet ge- 
wöhnlich glaubens vnd nur sehr vereinzelt 
glauben {z, b. eynickeit des glauben, von 
dem bapstum zu Rome, 1520. Biiij*). 

bedeutungen und redensarten. 

\) L, bedient sich des wortes glaube, den 
gebrauch desselben im sinne von 'fürwahr* 
halten bekämpfend (diszer glawb [das für- 
wahrhalten] ist mehr eyn wissenschaiTt odder 
merckung denn eyn glawb. ein betbüchlin. 
1522. Biiij*; sie [die papisten] heissen das 
glauben, das sie von Christo gehört haben 
vnd hallen , es sey alles war , wie denn die 
teuifel auch gleuben vnd werden dennoch 
nicht frum da durch, aber das ist nicht ein 
christlich glaub, ia es ist mehr ein wahn denn 
em glaube, post, 1528. fol, 149"), vor 
allem in der seinem Ursprünge gemäsz {vgL 
hernach glauben credere) ihm zukommenden 
bedeutung von hingebung, vertrauen, zu- 
trauen, zuversichty wie diesz auch die in 
seinen Schriften häufig wiederkehrenden de- 
ßnitionen vom glauben bekunden, wovon 
einige hierher gesetzt werden sollen : glawb 



ist ein lebendige erwegene zuuersicht auff 
gottis gnade, vorr, auff die ep, s. Pauli an 
die Römer, Bindseil 7, 437 ; das heyst 
ein rechter glaube ein lebendige zuuersicht 
auffgottes gilte. post, (1528). 275''; so 
sey denn der selb glaube nichts anders, denn 
ein tröstlich, lebendig verlassen aulT Christus 
gegeben verdienst. Jen, 2, 219**. ähnlich 
deßniert der epistograph des briefes an die 
Hebräer die nhxig: es ist aber der glaube 
eine gewisse zuuersicht des, das man hoffet, 
vnd nicht zweiueln an dem, das man nicht 
sihet. Hebr. 11, i, zu welcher stelle L, be- 
merkt: änderst kan mans einem Dcudschen 
nicht sagen, so ers verstehen sol. denn der 
glaube ist vnd sol auch sein ein standfest des 
hertzen, der nicht wancket, wackelt, bebet, 
zappelt, noch zweiuelt, sondern fest stehet 
vnd seiner sachen gewis ist. von den letzten 
Worten Damds, (1543). Bij^ noch ge- 
nauer ist glaube die hingäbe des Vertrauens 
einer person an eine andere person (der 
glaube geht allezeit auf eine person sagt L. 
selbst einmal), namentlich an die person 
des lebendigen gottes , an die person Jesu 
Christi: emuna (n3*i72K) heist die warheit, 
die einer ynn seim hertzen hat vnd hanget 
damit an des andern warheit vnd trew . . . 
nu las ich geschehen , wer so zenckisch wil 
sein, das er den sinn ym hertzen^ der eim an- 
dern als trewen vnd warhaiftigen anhanget 
vnd auff yhn sich verlest, nenne warheit odder 
wie er wil, Paulus vnd wir wissen solchen 
mut nicht anders zu nennen denn glauben. 
der proph, Habacuc, (1526). hiiij''; sihe 
ein solcher gutter wahn odder trostliche tzu- 
uorsicht oder frey vormutung tzu got oder 
wie du es ymer nennen wilt, das heist ein 
christlicher glaube, euang. von den tzehen 
aussetzigen, (1520). Dij'^ es ist ein glaube 
von Christo vnd nicht zu odder an Christon. 
post. (1528). 8'; habt glauben an gott. 
Marc. 11, 22; an allen orten ist auch ewer 
glaube an gott ausgebrochen. 1 Thess. 1, 
8 ; vnd höret jn von dem glauben an Christo. 
ap, gesch, 24, 24 ; nach dem wir gehöret 
haben von ewrem glauben an Christum 
Jesum. CoL 1,4. statt der praep. an 
kommt bei L. auch noch in vor: das erste 
vnnd höchste aller edelst gut werck ist der 



GLAUBE 



129 



GLAUBEN 



glaube in Christum. v<m den gurten wercken. 
(1520). Aiij*. 

bibliäche redensaHen : im glauben stehen. 
1 Cor. 16» 13. 2 Cor. 1, 24; im glauben 
bleiben. Col. 1, 23; tom glauben abfallen. 
Sir. 26, 27 ; von dem glauben abtreiten. 1 
Tim. 4, 1 ; den glauben verleugnen. 5, S ; 
am Rauben schiflliruch erleiden. 1, 19. 

aäjecUva neben glaube: eyn gesunder 
glawb. der 36. p^a^M. (1521). CiiijN ein 
rechter, lebendiger glaube, der proph. Jona. 
(1526). Dülj**; falscher glawbe. ebend. 
£j^; der fakche, geferbete glaube, ebend. 
Eij*; vngeferbter glaube. 1 Tim. 1, 5; rei- 
nerglaube, der iil. psalm. (1530). Giij**; 
reditscfaaffener glaube, post. (1528). S * ; 
ein grosser vnd starcker glaube.' der 112. 
psaim. (1526). d6''; schwacher glaube. 
ettUehe schöne prediglen. (1533). iiij'; 
ein fester, frökcher glaube, serm.von dem 



jre freundschaift vnd was sonst bey der Juden 
glauben blieben war. 2 Mace. 8, 1 ; die Ju- 
den nicht haben wollen willigen in die ver- 
enderung jres gottesdiensts auf heidnische 
weise, sondern wollen bey jrem glauben 
bleiben. 11, 24; Soltan vnd Türck eines 
glaubens sind, eine keerpredigi. (1542). 
Biüj ^ 

5) glaube '^eymbolum aposlolicum: das 
einer nach dem andern auifsage das vater 
vnser, den glauben vnd die zehcn gebot, vn- 
lerricht der visilaiom. (1537). Mij**; das 
sie von solchem leslern lassen vnd dafür das 
vater vnser vnd den glauben belen. venna- 
nung xum gebet wider d.T. (1541). Ciüj''. 

(ilaiben, credere, mhd. glouben, gelou- 
ben {Ben. 1, 1018 ^ Lexer 824), ahd. gi- 
louban, käloupan (Graff 2, 66), gotk. ga« 
laubjan {d. i. ga-laub-j-an). mil glaube i» 
einem nicht mehr nachzuweisenden goth. 



n. lest. (1520). Bij*; ein fester, hertzlicher umnelverbum liuban, ahd* liopan, ^^^hinge* 



glaube, ausleg. deutsch des v.u. (1518>. 
Jij*; ein vnwanckender, vnschwanckender 



neigt , günstig sein (?) , aus welchem auch 
heb und lob entsprangen, vgl. Grimm gr. 



glawb. grund vnd vrsach. (1521). biij*; 2, 49 nr. 530. IVeigand wtb. 1, 441. 
eyn fauler vnd schlefierlicher glawb. ep. s, \ 442. Vilmar past. theoL bl. 3, 187. L. 
Peiri gepredigt, (1 523). Eiiij " ; heiloser vnd hat stets gleuben {nur in einzelnen drucken 
nichtiger glaube, post. (1528). 8". \ früherer schrißen kommt ein par mal ^hn- 

2) einem glauben geben , ihm vertrauen ben vor, z. b. vnlerricht der beichtkinder. 
schenken: was sol ich jm für ein zeichen 1519. Aj''; serm. von dem n. lest. 1520. 
bringen, das er mir glauben gebe? Tob. 5« , c j^), gleichsam mhd. glimben, dessen um- 
2 ; ich bitte e. k. f. g. noch einst, sie wollen laut in dem ableitenden j des goth. galaub- 
denen nicht ehe glauben geben, so da sagen, jan begründet wäre, vgl, auch erleiiben für 
bnider Martinus habe vbel geredl vnd vn- erlauben (s. d.). 

recht geleret , er werde denn verhöret vnd ' eine definition von glauben gibt L. in fol- 
vberweiset. Jen. 1, 130*. , gender stelle: gleuben lioisst eigentlich das 

3) glaube »» treue, warhaftigkeit in er- ; für war halten vnd sich von gantzem hertzen 
füllung gegebener zusagen : die zwey wort, darauff erwegen , so das euangelium von 

Christo sagt, ausleg, der ep, vnd euang. 
von ostem etc. (1544). Tiiij'*. 
fügungen. 

a) absol. : ich gleube, darum rede ich. ps. 
1 16, 10; gleuht jr nicht, so bleibt jr nicht. 
Jes. 7, 9; wer gleubt, der fleugt nicht. 28, 
16; wer bald gleubet, der ist leichtfertig. 
Str. 19, 4; alle ding sind müglich dem der 
da gleubet. Marc. 9, 23. 

b) mit dat. der person: c. f. g. glewbe 
myr narren doch auch eyn kleyn wenig, ort- 
ginalbr. v. j. 1522 im ges.^archiv zu Wei- 
mar N, 109. 42; also gehets denn, das man 

17 



warheyt vnd glaube ym ebreischen fast gleich 
vnd schier eyns für das ander genomen wird. 
wie auch aulT deutsch wyr sagen , der hellt 
glauben, der warhafftig vnd trew ist. vorr. 
auff den psalter. Bindseil 7 , 329 ; {die 
Juden) gott schuld geben, er habe Dauid 
nicht trew noch glauben gehalten, toider die 
sabbather. (1538). Dij"; er hell weder 
trew noch glauben. Jes, 33, 8; der glauben 
heit ewiglich, ps, 146, 6; halt jm {dem 
freunde) f^auhen. Sir, 27, 18; soltjrervn- 
glaube gottes glaube auffheben. Rom. 3, 3. 
4) glaube, religio: vnd riefien zu haufP 

DncTZ, Wörterbuch. II. 



GLAUBEN 



130 



GLÄUBIG 



goU zu keiner zeyt glewben wil. der proph. 
Hahacvic, (1526). Giij"; gott lustvod liebe 
hat an denen , die yhm gleuben. vber das 
erste buch Mose. (1527). siiij^; Abram 
gleubte dem herrn. 1 Mos. 15» 6; sihe» sie 
werden mir nicht gleuben. 2 Mos. 4, 1. 
an die stelle der person tritt eine sacke : 
so wü ich ewren werten gleuben. 1 Mos. 
42, 20 ; du solt falscher anklage nicht gleu- 
ben. 2 Mos. 23, 1 ; aber wer gleubt vnser 
predigt? Jes, 53, 1; der engelischen bot- 
schaflt gleuben. das magnificat. (1521). 
f ij ^ ; vnd müssen nu fort fast des bapsts vnd 
der seinen historien gleuben, welchen seer 
mislich ist zu gleuben. von den concilijs. 
(1539). Tiiij«. 

c) mit acc. der sacke : ein törichter gleubt 
das nicht, ps. 92, 7 ; ein alber gleubt alles. 
spr. Sal. 14, 15; ich aber gleich wol das 
feld hinein alles gleubte. Verlegung des al- 
coran. (1542). Tj^; die weder dis noch 
das gleuben. ebend. Tij^; ich glewb eyn 
offirstand des fleyscbsz vnd eyn ewigs leben. 
ausleg. der ep. vnd euang. vom ckristag, 
(1522). Ej^; ich gleube die Vergebung der 
sunden. eine kockzeitpredigt. (1531). cüj**; 
wer diesen artikel nicht gleubt . . . dem ist 
auch nichts beholffen. eine predigt von den 
engein. (1544). Aiij^; ich thurst aber meyn 
hals dran verwetten, ob der selben lugener 
eyner ... diser artickel eynen von hertzen 
glewbte. das Jkesus Christus ein gebomer 
Jude sey. (1523). Aij*; — mehr denn 
einen einigen gott gleuben. von den Juden. 
(1543). kj**; ein gott vnd viel götter nicht 
könen zu gleich mit warheit gegleubt wer- 
den, ebend. 

d) mit der praep. an : ich gleube an gott 
vater, der mich geschaffen hat, ich gleube an 
gott den son, der mich erlöset hat, ich gleube 
an den heiligen geist, der mich heilig machet. 
deudsck cateck. (1529). Nj'^; darum b ligt 
grosse maeht daran, ob man gleube an den 
erschienenen oder zukünftigen Christum. 
zwo predigt auf der kindertaufe. (1540). 
Diiij'; wie lange wollen sie nicht an mich 
gleuben. 4 Mos. 14, 1 1 ; sie gleuben an die 
leblosen götzen. weisk. 14, 29; vnd gleub- 
ten nic|}t an seine wunder, p«. 78, 32; da 
gleubten sie an seine wort. 106, 12; thut 



busse vnd gleubt an das euangelium. Marc. 
1,15; der eunuchus glewbt an das euangelio 
von Philippo gepredigt vnd wüste doch nicht, 
ob viel odder wenig dran glewbten. t70ft 
menscken lere. (1522). Giij*. früher auch 
nock mit in : wer in mich glaubt von seinem 
leybe sollen fliessen flusse des lebendigen 
Wassers, serm. von dem n. lest. (1520). 
Cj ^ var. XU Joh. 7, 38 ; wen (wenn) wir in 
yim glewben. von dem bapslum, (1520). 
Diij'^; ynn Christum gleuben. post. (1528). 
30 ^ 

e) mit abkängigem salze : darumb werden 
sie gleuben, das dir erschienen sey der herr. 
2 Mos. 4, 5 ; wer gleubts aber, das du so 
seer zömest? ps. 90, 11; gleubt jr, das ich 
euch solchs thun kan? Maltk. 9, 28; wie 
die lieyden , die nicht gleuben , das gott das 
los meystere. der propk. Jona. (1526). 
Eiiij^; das man gleube, gott sey da, der das 
eyd anneme. ebend. 

Cllaubei (gleuben), n. das trawen vnd 
gleuben des hertzens. deudsck cateck. ( 1 529). 

Bj'. 

tiaubeispredigtj f eine predigt die von 
gegenständen des glaubens kandelt: es sind 
glawbenspredigt , die nicht darlegen , das sie 
sagen, sondern zukunfftig verheisen widder 
das, so für äugen stehet, der propk. Haba- 
cuc. (1526). iiij*. 

ClUibeiswerck y n. ein werk, das aus 
dem glauben kervorgekt : mich dunckt lossen 
sey an yhm selbs ein recht glaubens werck. 
der propk. Jona. (1526). Eiiij*. • 

Milbig (gleubig), fidelis, glaubend, an- 
fangs auck okne umlaul glaubig [z. b. von 
dem bapstum. 1520. Bij^; auf das vbir- 
ckrisll. bück. 1521. Gj*), mkd. gloubic, 
geloubic (ff^n. 1, 1019 ^ Lexer S23), akd. 
giloubtc {Graff 2, 73): sey nicht vngleubig, 
sondern gleubig. Jok. 20, 27 ; die gleubig 
waren worden, ap. gesck. 2, 44 ; viel wur- 
den gleubig. 4, 4. mit an: viel wurden 
gleubig an den herrn. 9, 42 ; vnd befolhen 
sie dem herrn, an den sie gleubig worden^ 
waren. 14, 23; an gott gleubig. 16, 34. 
gleubige herrn. 1 Tim. 6, 2 ; gleubige kin- 
der. Tit. 1, 6; gleubige brüder. Col. 1, 2; 
mit dem gleubigen Abraham. Gal. 3, 9. 

subst. : der gleubige. 2 Cor. 6, 1 5 ; der 



GLÄUBIGIN 



131 



GLEICH 



gleubigen isl wenig vnter dcu menschen km> I werckeler. das 14. vnd 15. cap. s. Joh, 



dem, ps. 12, 2; die gleubigen behüt der 
berr. 31, 24; vnter den Christen oder gleu- 
bigen. von ehesachen. (1530). Aij'; ein gleu- 
biger. 1 Tim. 5, 16. 

(IltlUglli £.gleubiginne, f. eine gläubige 
person weiblichen geschleehls, 1 Tim. 5, 16. 

(IltuUsch (gleubisch), mM. gelöubisch 
(Lexer 824) : die christlich gfewbische (durch 
den glauben erlangte) gerechtickeyt. ausleg, 
der ep, vnd euang, vom christag. (1522). 
Cciiii^ posL (1528). HP. 

(UiiUicb (gleublich), credibiUs, glaubhaft, 
glaubwürdigf mhd. geloublich {Ben, 1 , 1 1 9*^. 
Lexer S24), ahd. keloupUh (Graff % 75): 
ein gesiebt, das gleublich war. 2 Macc, 15, 
11 ; glewblicb ist, sie {Maria) sey zu fussen 
gangen mit Joseph, ^usleg. der ep. vnd 
euang.vom christag. (1522). Eiiij*; es ist 
aach wol glewblicb , das er (der apostel 
Paulus) eya weyb habe gehabt, das 1. cap. 
Cor. (1523). Diij •; wie ists gleublich ? wie 
reimet sichs ? das er jnn diesem grewlichen, 
langen, grossen elende solte so gar nichts 
hallen an seiner herrlichen verheissungen. 
wider die sabbather. (1538). Dj*; wie kan 
es aber gleublich sein, das golt sein volk solt 
lenger lassen ausser dem regiment denn im 
regiment sein, ebend. Hiij " ; denn es nicht 
gleublich ist, das s. Jeremias diener, der auch 
Baruch heisst . . . nicht solt höher vnd reicher 
im geist sein, weder dieser Baruch (sehr eiber 
des apokryphischen buches Baruch) ist. 
BindseU 7, 419. 

UtiUich (gleublich), adv. credibiliter, 
auf glaubhafte weise : der kurfurst zu Bran- 
denburg vnd hertzog George zu Sachsen sollen 
(hab ich gleublich gehört) dem kaiser zugesagt 
haben, wider den meuchler. (1&31). Bij*"; nu 
bin ich glaublich bericht, dasz sich derselbig 
Campensis zu Brunswig an lahre vnd leben 
übel gehalten habe, de Weite br. 4, 377. 

filiubling (gleubling>, m. der sich gläubig 
dünkt, ohne es zu sein: wercklose gleub- 
linge. das 14. vnd 15. cap. s. Joh. (1538). 
DnniiiJ^ 

filaibUs, des glaubens ermangelnd, un- 
gläubig : ein glaubloser mensch. Bindseil 7, 
437 ; ein gottloser, glaubloser mensch, von 
der winckelmesse. (1533). Biiij^; glaublose 



(1538). tttiniiij^; das glaublos hertz. post, 
(1528). 73*^; ein glaublos hertz. ausleg. 
schöner spriiche. (1549). F 5^; die glaub- 
lose vnd menschliche gerechtigkeit. Bindseil 
7, 454 ; Hagar des gesetzes vnd glaubloser 
werck ligur ist. gl. zu 1 Mos, 21, 17. 

Cllaubw&rdtgy fide dignus, L. noch glaub- 
wirdig, mhd. geloubwirdec (Lexer 824): 
dan (denn) alszo thüt man auch in weltlichen 
testamenten, das nit allein die wort scbhfft- 
lieh vorfast, sondern auch sigell oder notarien 
zeychen dran gehengt werden , das es yhe 
bestendig vnd glaubwirdig sey. serm. von 
dem n. lest. ( 1 520). Bj * ; das eyn fegfewr sey, 
kan man nit ausz der schriffl beweysen, die 
do sey beweret vnd glawbwirdig. grund vnd 
ursach. ( 1 52 1 ). oij* ; glaub werdige («tr)*men- 
ner. ob kriegsleute etc. ( 1 527). Gi] ^ ; glaub- 
wirdige zeugnis von ehesachen. (1530). Jij'; 
glaub wirdige historia. von den concilijs. 
(1539). Tiiij * ; ein glaubwirdiger wahn. post. 
(1528). 102*; — Christus vnd Paulus offt 
schweren, yhre lere vnd zeugnis den menschen 
nutzhch vnd glaubwirdig zu machen, von 
weltlicher vberkeit, (1523). Giiij*; alhie 
haben sie grosse mühe vnd arbeit, das sie 
glaubwirdig machen, das kein brod mehr da 
bleibe. Jen. 2, 28*. 

Cllaach^ hell, glänzend, mhd. gl6che (Lexer 
1039): ein glauch erz. Ezech. 1, 7 var. — 
vgl. Schöpf tirol.idiot. 193. Schmeller 
bair. wlb, l^ 969. s, auch glu. 

C}leich| adj. aequaUs, mhd, glich, geltch 
(Ben, 1, 972". Lexer 812), ahd. gi-, ki-, 
kalih (Graff2, HO), goih. galeiks. die ur- 
sprüngliche Bedeutung ist, der Zusammen- 
setzung aus ge- und leich (mhd. Itch, ahd. 
lih, goth. leik =- leib, leibliche gestalt, aus- 
sehen) entsprechend, 'von übereinstimmender 
leibes gestalt*, dann : übereinstimmend über- 
haupt, insbesondere völlig,, 

1) gleich, nicht verschieden, überein- 
stimmend, a) ohne casus: vnd sollen alle 
zehen (teppiche) gleich sein. 2 Mos. 26, 
2; epha vnd bath sollen gleich sein. 
Ezech. 45, 11; die lenge vnd die breite vnd 
die höhe der . stad sind gleich, offenb. 
Joh. 21, 16; das Paulus einer andern ver- 
dolmetzung braucht, da ligt auch nicht an, 

17* 



GLEICH 



132 



GLEICH 



die summa des synnes ist doch gleicli. der 
proph. Habacuc. (1526). dij^; «— gleiche 
gestalt. 1 Sam. 6, 5 ; gleiche stimme. Hiob 
AOf 4 ; sie haben alle einerley eingang in das 
leben vnd gleichen ausgang. weisk.l, 6; 
gleidie gaben, ap, gesch, 11, 17 ; dieweil er 
gleichs (desselben) h^ndwercks war. 18, 3; 
gleicfas dünckels. Phil. 2, 2 vor.; es ist da 
gleicher glaub, gleich gutt, gleich erbe vnd 
alles gleich, das 7. cap. Cor. (1523). Hiij"; 
die guter leyden nicht gleiche auszteylung. 
ioider den falsch genanien geisU. sland. 
( 1 522). Hüj** ; sie sollen gleichen teil zu essen 
haben. 5 Mos. 18,8; (die sonne) gehet jmer 
jren gldchen laufit. predigt von der zukwnft 
Christi. (1532). Aiiif ; — damit wird auif- 
gehaben das mittel vnd richtmas aller tugend, 
das man heisst gleich vmb gleich, equalitas 
arithmetica. wider den ww^er. (1540). 
Diiij " ; gleich vnd gleich gesellet sich gern 
(Sprichwort), von den schlüsseln. (1530). 
Biij». 

b) mit dat. zuweilen nur s. v. a. ähnlich : 
herr, wer ist dir gleich vnter den göttern ? 
2 Mos. 15, 11 ; dir herr ist niemand gleich. 
Jes. 10, 6; ob er wol in göttUcher gestalt 
war, hielt ers nicht für einen raub gotte 
gleich sein. Phil. 2, 6 ; wol dir Israel, wer 
ist dir gleich? *5 Mos. 33, 29; Paphnutius 
niuste lernen, er were einem fiddeler gleich, 
der ein mörder gewest war. von den conci- 
Ujs. (1539). Ziij"; vnd gott sprach, lasstvns 
menschen machen, ein bild, das vns gleich sey. 
1 Mos. 1, 26 ; ein bilde, das gleich sey einem 
man oder weib. 5 Mos. 4, 16 ; das ander thier 
hernach war gleich einem beeren. Dan. 7,5; 
es sind aber nicht hewschrecken, sondern den 
hewschrecken odder heymen gleich, vier 
trostL psalmen. ( 1 526). G 5 " ; ein land, das 
ewrm land gleich ist. 2 kön. 18, 32; vnd 
war kein tag diesem gleich. Jos. 10, 14 ; was 
hab ich jtzt geths^n, das ewr that gleich sey? 
rieht. 8, 2; das himelreich ist gleich einem 
menschen, der guten samen auff seinen acker 
seet. Mailh. 13, 24 ; ich weisz nicht, ob der 
kirche etwas möge gleicher seyn , denn (die 
blume) amarantus. lischr. 172**; — man hat 
mich gleich geacht dem staub vnd asschen. 
Hiob 30, 19 ; dem golde gleich geacht. klagt, 
Jer. 4, 2 ; einer hell einen tag für den andern, 



der ander aber helt alle tage gleich. Rom, 14, 
5 ; ists aber ein haus aoff dem dorfie, da keine 
maur vmb ist, das sol man dem feld des lands 
gleich rechen. 3 Mos. 25, 31; den vbel- 
thetem gleich gerechent. Jes. 53, 12; topa- 
sius aus Morenland wird jr fder weiskiit) 
nicht gleidi geschätzt vnd das reineste gold 
gild jr nicht gleich. Biob 28, 19; wie gkich 
sihet der junge g^dl vnserm vetter. Tob. 7,2. 
cj substantiviseh mü abhängigem gen. 
(vgl. Grimm gr. A, TiS): wer bat jemals 
des exempels gleichen gelesen, veramiwortumg. 
(1533). Cüij*; des weibs gleiche ist nicht 
auff erden. Judith 1 1, 16 ; so findet man des 
mans gleichen nicht. 5fr. 36, 25; das deines 
gleichen vor dir nicht gewesen ist. 1 hon. 3, 
12 ; das deines gleichen keiner vnter den kö- 
nigen ist. v. 13; die vogel gesellen sich zu 
jres gleichen. Sir. 27, 10; das meins glei- 
chen nicht ist in allen landen. 2 Mos. 9, 14 ; 
vnd nam zu im jüdenthum vber viel meines 
gleichen. Gal. 1, 14; zu seines gleichen. 
1 Mos. 8, 19 ; es ist seins gleichen nidit. 
1 Sam. 21, 9. vgl. auch dergleichen u. des- 
gleichen, daneben auch noch wie mhd. ((fin, 
min, sin geliche) nUt ungebogenem possesnv : 
herr, es ist dein gleidie nicht. 1 chron. i 8, 
20; herr, wer ist dein gleichen ? ps.Sb, 10; 
es ist in allen königreichen dein gleiche nicht. 
Jer, 10, 7; er ist nidit mein gleiche. Hiob 
9, 32 ; es ist sein gleiche nicht im lande. 1, 
8. 2, 3. einmal begegnet auch der ace. sg. 
seinen gleichen: das ander (sc. gebot der 
zweiten tafel) leret, wie man sich halt gegen 
seynen (Jen. 1, 246*: seinem) gleychen. 
kurtz form der z&hen gebot. (1520). Aij**. 

2) gleich, eben : wenn ers gleich gemadiet 
hat, so strewet er wicken. Jes. 28, 25. 

3) gleich, billig, recht: jrherrn, wasredit 
vnd gleich ist, das beweiset den knechten. 
Cot. 4, 1 ; ein billicher vnd gleicher (rechts-- 
kräftiger) kauff. das diese wort etc. (1527). 
eij*. 

Uelch^ ado. mhd. geliche (Ben. 1, 973*. 
Lexer 813), ahd. gilicho (Graff 2, 112). 

1) aequaliter, aequabiliter , auf gUiühe 
weise, nach gleichem masze, a) neben verbis, 
wobei es jedoch oft zweifelhaft sein kann^ 
ob adv. oder adjeet. bedeutung anzunehmen 
ist: stellet euch nicht dieser weit gleich. 



GLEICH 



133 



GL£1CHB£RTIG 



Rom, 12, 2; vnd sol gleich (gleichmässig) 
geleilet werden. 1 Som. 30, 24 ; vod jr solts 
gleidi austeilen, einem wie dem andern. 
Eieeh.il ^ 14 ; dapreiseten sie sie alle gleich 
(mtl einer tUmme). Jud. 15, 11; der herr 
sorget für alle gleich (auf gleicke weise), 
weish, 6, 8 ; vnd es wurden beide gleich ge- 
plagt. 11,12; gleich leben, vermanung zum 
sacramefU. (1530). Aiij*; gleich thun. 
WtUenb. 1, 222*. — b) neben adj,: gleich 
feind. weish. 14, 9; gleich gros. 2 Mos, 
26, B; gleich vierecket (quadralus). 27, 
1; gleich lang. Exeeh. 45, 7. oder pari,: 
gleich gestalt. 1, 22; gleich gesinnet, nu, 
3, 16. 

2) rede, gerade, in gerader linie: las 
deinen fus gleich für sich (var, schnurgleich) 
gehen, spr, SaL 4, 26; vnd alle deine wege 
gleych ausz sich richten, var. zu spr, 4, 26 
det Bindseü, — recht, aufrichtig : wer gleich 
zuret, wird geliebet spr, SaL 16, 13. 

3) statim, eonfesUm, auf der steUe, als- 
bald: so wolt ich vber liin springen, das mir 
die neben sollen krachen, soll ich auch gleich 
lam werden, das diese wort etc, (1527). 
e j ^; sein königreich zerfiel gleich da er starb. 
Bindseil 7, 364. 

4) gleich := gleichsam, quasi: Jesaiasauch 
selbs gleich mit fingern seine ieser dahin wei- 
set, der proph. Jesaias, (1528). 1^; das 
heysl gott gleych für eynen gauch odder hül- 
Izern putzen achten, das 14. u, 15. cap, s. 
Joh, (1538). aaaiiij*. 

5) gleich also, eben so: vnd thet gleich 
also. Matth. 20, 5. 

6) gleich als, gleich als wenn, gleich sam, 
perinde ac si, perinde quasi: erfüllet ewr 
tagwerck gleich als da jr stro hattet. 2 Mos. 
5, 13; vnd sol einer vber den andern hin- 
fallen gleich als für dem schwert. 3 Mos. 
26, 37 ; das sie auszogen gleich als ein einiger 
man. 1 Sam. 11,7; vnd Johannes sähe den 
geist gottes gleich als {in der parallelstelle 
Marc. 1, 10: gleich wie) eine taube her ab 
faren. Matth. 3, 16; gleich als ich von der 
rechten gotts sage, das diese wort. (1527). 
h ij " ; gleich als (1 534 : wie) ein kannen gie- 
sser die kannen ynn seiner form al)misset. 
vom abendmal Christi. (1528). hüj**; — 
gleich als wenn mans gebe dem der nicht le- 



sen kan. Jes. 29, 12; vnd gehet gleich als 
wenn die kinder bis an die geburt komen 
sind. 37, 3 ; gleich ab wenn jemand für dem 
lewen flöhe. Arnos 5, 19; gleich als wenn 
ein strosack vol stro stecket, vom abendmal 
Christi. ( 1 528). k ij ^ — das er mich schUt, 
ich ertichte , gleich sam {als) were es war, 
das die papisten widder die lutherischen krie- 
gen wollen, wider den meuehler zu Dresen. 
(1531), Bj*. 

7) gleich wie, sieui, veluti: ein garten des 
herrn gleich wie Egyptenland. 1 Mos, 13, 
1 ; gleich wie wir dich nicht angetastet ha- 
ben. 26, 29 ; vnd waren heslich gleich wie 
vorhin. 41, 21; darumb soll jr volkomen 
sein gleich wie ewer vater im himel volkomen 
ist. Matth. 5, 48; gleych wie ich von der 
tauff gesagt, serm, von dem hochwirdigen 
sacrament. (1519). a ij *. 

8) ob gleich, wenn gleich, concessive con^ 
junctionen, bei L, noch durchaus getrennt: 
ob gleich eine hitze kompt, furcht er sich 
doch nicht. Jer, 17, 8; wir wollen sie 
einnemen, ob gleich der herr da wonet. 
Exech. 35, 10; wir deutschen den nüchtern 
heyssen der nit truncken odder voll ist, 
szondem feyn bey yhm selbs vnd messig, 
ob er gleych gessen vnd truncken hat 
ausleg, der ep, vnd euang. vom ehristag. 
(1522). Cj*; ob es gleich (ausent vnd 
aber tausent jar werete. das 15. cap. der 
ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1533). 
Tiij '. — wenn gleich seine höhe in den himel 
reichet . . ., so wird er doch zu letzt vmb- 
komen. Hiob 20, 6; darumb fürchten wir 
vns nicht, wenn gleich die weit vntergienge. 
ps. 46, 3; wenn mir gleich leib vnd seele 
verschmacht, so bistu doch gott alle zeit mei- 
nes hectzen trost. 73, 26 ; wenn sie gleich alt 
werden, werden sie dennoch blühen. 92, 15. 

Clletchkertigy gleichgestaltet, gleich : wyr 
sind auch menschen euch gleychbertig. ap. 
gesch. 14, 15 var. ; das sie gleychbertig seyn 
sollen dem ebenbUd seynes sons. Rom, 8, 
29 var.; gleychbertig den vorigen lüsten. 
1 Pet. 1, 14 var. in den ersten ausgg. des 
n. lest, einige ausgaben haben gleichwertig 
statt gleichbertig, wie auch die gleichgebil- 
deten heilbertig und heilwertig wechseln. 
berlig in gleichbertig steht wohl für bärdig, 



GLEICHE 



134 



GLEICHNIS 



mhd. baerdec (in baerdecheit. Lexer 127). 
vgl. bärde. 

UfifhCi m. der einem gleich ist: denn 
jm ist kein gleicher in allem voick. 1 Sam. 
\0, 24. 8. auch oben gleich adj. 1 c. 

Cllelche^ f, gleichheity übereinsHmmung, 
mhd, geltche {Ben. 1, 973^ Lexer 813): 
was hat der tempel gotles für ein gleiche mit 
dem götzen ? 2 Cor. 6, 1 6 ; denn es ist ia 
kein gleiche vnser barmhertzigkeit gegen got- 
tes barmhertzigkeit. d<u 5.» 6. vnd 7. cap. 
8. Mallh. (1532). Gj". 

Mfichei, mhd. geliehen {Ben. 1, 794*. 
Lexer Sl 4) f ahd. kalthhen (Gra/f 2, 118), 
goih. galeikon. 

1 ) tran8, im 8inne von vergleichen, gleich- 
stellen: aulT erden ist jm {dem levialhan) 
niemand zu gleichen. Hioh 41, 24; alles 
was du wündschen magst ist jr {der Weisheit) 
nicht zu gleichen, spr. Sal. 3,15; ich gleiche 
dich, meine freundin, meinem reisigen zeuge 
an den wagen Pharao, hohelied 1,9; wem 
sol ich dich gleichen ? klagt. Jer. 2, 1 3 ; ich 
gleichet(6) jr (der Weisheit) keinen edestein. 
weish. 7, 9; der massen ist das auch, das du 
mich gleychist den apoteker, die auff yhr 
buchsen gult titeil schreybenn vndgifltdryn- 
nen haben, auf das vbirchristl. buch. (1521). 
Jij*; er gleycht sie eim hunde. post. (1528). 
327 **; wer dürffte ytzt solche stedte Sodom 
gleichen wie Christus die stad Capernaum da- 
gegen helt. vber das erste buch Mose. 
(1527). siij^; on das man sie {die ep. an 
die Hebräer) den apostolischen episteln nicht 
gleichen (gleichstellen) mag. Bindseil 7, 464. 

2) reß. sich gleichen, sich gleichstellen: 
darumb solt jr euch jnen nicht gleichen. 
Mallh. 6, 8. 

3) intrans. gleich sein: gold vnd demant 
mag jr nicht gleichen. Hiob 28, 17; alles 
was man wündschen mag, kan jr nicht glei- 
chen, spr, Sal. 8, 1 1 . 

Gif if hennasien^ gleiche rwf ise, similiter, 
simili ralione, eodem modo, sind absolute 
genitive, die auch noch getrennt vorkommen : 
nach dem nu die kinder fleisch vnd blut ha- 
ben, ist ers gleichermasse teilhalTtig worden. 
Hebr. 2, 14; — wir gleuben durch die gnade 
des herrn Jhesu Christi selig zu werden, glei- 
cherweise wie auch sie. ap. gesch. 15, 11; 



gleicher weise wie auch jr weiland nicht habt 
gegleubet an gott. Rom. 11, 30. 

dlfiehförmig, conformis, mhd. gelich- 
formec {Lexer 814): des (Christi) bilde müs- 
sen wir auch tragen vnd yhm gleichföroiig 
werden, vber das erste buch Mose. Fiiij * ; 
gott gleichförmig, ebend. Sj * ; dem bilde des 
sons gottes vnd allen heiligen gleichförmig. 
Verantwortung etc. (1533). Fiiij*; er sey 
j^ denn gleichförmig in der busse vnd leiden. 
Jen. 1, 23'; ein fromes kind nennet man, 
das von fromen, ehrlichen eitern gebom, den 
selben in aller mas nachfolget vnd gleichför- 
mig ist. ebend. 72 ^ 

Gleichheit fgleicheit), f. aequalilas, «tmt- 
Utudo, mhd. gelicheit (Ben. \, 793 ^ Lexer 
813): gleicheyt des glaubens. das 7. cap. 
Cor. (1523).. Hiij'; gleicheit vnd einigkeit. 
eine bericht. (1528). Gij'; er redet hie 
nicht von der einigkeit, die da heisset eine 
gleicheit. das 17. cap. s. Joh. (1530). 
Mj^; vnd ist eitel gleicheit hie zu sehen vnd 
keine sonderung oder vngleicheit. von den 
Juden. (1543). Dij^ 

Clleichhellig, übereinstimmend: diszer ar- 
tickel ist den vorgesagten yrthumen gieych- 
hellig. ein vrteyl der iheologen, (1521). 
Bij*. 8. auch einhellig. 

Clleichkaify m. die einen kauf abschlie- 
szende handlang, wodurch derselbe rechts- 
kräftig wird: gleich wie man wein trinckt 
zum gleichkauif, das da ein billicher vnd glei- 
cher kauif sey, des man gedencken vnd fest- 
halten sol. das diese wort etc. (1527). ej^ 
— auch Ma tthesius gebraucht das wort 
in diesem sinn {s. Frisch 1, 353'). vgl. 
auch gleich adj. 3. 

Cllcichmasiig (gleichmessig), aequabilis: 
einem yglichen vorteil anhangt sein gleich- 
mässigs nachteyl. post. (1528). 145'; 
leihen von art vnd natur nicht anders ist, 
denn etwas für einen andern darstrecken vmb 
sonst mit bedingen, dasselb oder des gleich- 
messigen vnd nicht mehr vber weü wider zu 
nemen. Jen. 1, 196 ^ 

fileirhmuthig; aequanimis: ein recht hei- 
lig wesen yra geist stehet ynn eynickeit vnd 
gleichmütigem hertzen ym glauben, post. 
(1528). 320". 

(ileichnisy gleiehnlsse^ n. und f., ebenso 



GLEICHSAM 



135 



GLEISZEN 



mhd. dazu, diu gelichnisse (Ben. 1, 973 ^ 
Lexer 815), ahd. kilthnissa, killhnissi {Graff 

2, 115). 

1) HmUiiudo, ähnlichkeit, ebenbild, bild" 
nisy abbild: ym ebreischen lauten die wort 
(1 Mos. 1, 26) also, last vns menschen ma- 
chen ynu vnserm bilde nach vnser gleichnis. 
vber das erste buch Mose, (1527). Fiiij"; 
da goU den menschen schuff, machet er jn 
nach dem gleichnis gottes. 1 Mos, 5, 1 ; du 
solt dir kein bildnis noch jrgend ein gleich- 
nis machen. 2 Mos. 20, 4 ; du solt dir kein 
bildnis machen einiches gleichnis. 5 Mos. 5,8; 
Tnd verwandelten jre ehre in ein gleichnis eines 
ochsen, ps, 106,20; die gleichnis {das abbild) 
des aliars des berrn. Jos. 22, 28 ; da er einen 
altar sähe der zu Damasco war, sandte der 
könig Ahas desselben altars -ebenbild vnd 
gldchnis zum priester Vria. 2 kön. 16, 10. 

2) TQonog, figur, vorbild: ein gleichnis, 
furbilde odder deutzeichen, das diese worl, 
(1527). niij^; wo eine figur, symbolum 
odder gleichnis sein sol , da eins das ander 
bedeuten sol , da mus ia etwas gleichs ynn 
beiden angezeigt werden, darauff die gleichnis 
stehe, vom abendmal Christi. (1528). 
p ij * ; der weinstock ist ein* gleichnis odder 
figur Christi, ebend. p ij ^ ; Ehas ist eine fi- 
gur odder gleichnis Johannis. ebend. ; das 
osterlamb ist eine gleichnis Christi, ebend. ; 
wenn nu Christus wolt ein abendmal einse- 
tzen, da nicht sein leib vnd blut, sondern 
gleichnis seins leibs vnd bluts ynnen were, so 
hette er billich vns das alte Moses abendmal 
mit dem osterlamb gelassen, welches aus der 
massen vnd rund vmb , durch vnd durch , al- 
lenthalben, auffs feinest seinen leib für vns 
gegeben vnd sein blut für vns vergossen zur 
vergebnnge der sunden deutet vnd eine figur 
odder glächnis ist. ebend. 

Z)parabel, gleiehnissrede : vnd er redet 
zu jnen mancherley durch gleichnisse. Matth. 
13, 3 ; so höret nu jr diese gleichnis von dem 
seeman. v. 18; er leget jnen ein ander 
gleichnis für. v. 24 ; also lesen wir auch jm 
euangelio Matth. 18 jnn der gleichnis von dem 
knecht, welchem sein herr alle seine schuld 
geschenckt halte, das 5. 6. vnd 7. cap. s. 
Matth. (1532). aij-, 

(21eichga«, s. gleich adv. 6) 



Clleichstimmigj übereinstimmend: ob aber 
dieser Spruch wol gleichstymmig ij. reg. vij 
vnd j. parali. xxüj geschrieben steht, hat er 
4loch ij. reg. vij. solche vmbstende, das er von 
Salomon nicht mag verstanden werden» post. 
(1528). 108^ 

Uetchtag, m. aequinoclium : der gleich tag 
oder equinoctium. vondencondlijs. (1539). 
Lj* ; im vollen mond mertz nebest dem gleich- 
tage oder equinoctio. ebend. Lij*. 

Clleichwirüg j von gleichem werihe: 
gleichwirdige busse ist eine dem vergehen, 
der Sünde, entsprechende. Jen. 1, 67*.- 

QiMAwalf auch unverbunden gleich wol, 
tarnen : die zal der ziegel solt jr jnen gleich- 
wol aufQegen. 2 Mos. 5, 8 ; wenn sie schon 
in der feinde land sind, habe ich sie gleichwol 
nicht verworffen. 3 Mos. 26, 44 ; ewer 
Schwert frisset gleichwol ewr propheten. 
Jer. 2, 30 ; Jehiskia fragt nichts darnach, für 
gleich wol fort vnd lies schlangen götzer 
bleiben wer da wolt. trostunge an die Chri- 
sten zu Halle. (1527). Ciij^; der erste man 
ist nicht jr eheman, aber sie ist gleichwol sein 
eheweib. von ehesachen. (1530). Bij^; 
also kömpt auch sein reicli on vnser bitten 
von sich selbs, doch bitten wir gleichwol, das 
es zu uns kome. deudsch catech. (1529). 
Qiiij^; doch gleichwol ist der liebe gott so 
sorgfeltig für vns. von der kindertauff. 
(1540). Giij^ 

dleisien (gleissen), glänzen, leuchten, 
scheinen, mhd. gli:;en {Ben. 1, 549''. Lexer 
1036), ahd. gll^an (Graff 4, 289). praet. 
glisz (L. gliess) : vnd wurde also ein liechter 
teuffei, der sich verstellet, das er gliesse wie 
ein himlischer engel. zwo schone predigt. 
(1537). Biij^ 

planck vnd gleissend, vber das erste buch 
Mose, (1527). Ggj ^; weis, gleissend, das 
hell daher glentzet vnd gleisset. ebend. ; das 
gold gleisset nicht, wenn man den rost nicht 
abwüschet. Bar. 6, 23 ; der bindeschlössel 
ist jm brauch vnd vbung gangen, das er gleis- 
set. von den schlüsseln. (1530). Cij*; 
was nit willig geschieht, ist nit gut vnd gleys- 
set nur als were es gut. serm. von dem n. 
test. (1520). Aij"; was für wesen vnd 
werck ausser gottes wort gehet, das ist für 
gott vnheilig, es scheine vnd gleisse wie es 



GLEISZEN 



131 



wolle, detidtch calech. (1529). Diiij*; ein 
manDel kirchen bawen, gülden kleinol schen- 
cken, iten todlen steioea vnd hold dieneo, 
das gleissl, das scheiaeL der 82. psalm. 
(1530). Cüj"; die ledigen, losen unJ nich- 
tigen wercke, die gleisscn, die haben das an- 
sehen, ebend. Dij*; eine rechUchalTeDe liebe, 
die nicht gleisse vnd leuchte wie ein jrwisch. 
H'tllein6. I, 120"; eine taube, der die fed- 
dern weis vnd rotgleissen. Biniaeil 7, 323. 

tllciucn, n. datglänien: die do meynea, 
Eolchs eusserlich gleyssensey der geistliche vnd 
warbafftige stand der Christenheit oder kirehe. 
VON dem bapttmm. (1520). Cij''; das euszer- 
lich gleissen vnd pompen von selb erdachten 
wercken. buUa eene domini. (1522). Eij". 

Ueisier Igleiszner, gleissener), m. heuch- 
ier, seheinheitiger: die gleyszner, diegelere- 
len vnd scheynend heyiigen. der 36. psalm. 
(1521). Bij''; die falschen werckheiligen vnd 
gleissener. vber das erste bvck Mose. (1527). 
bj''. — lu gleisen heucheln aus gleichsen, 
mk4. geltchesen. altd. kalthhis'jn ^ derglei- 
chen lAun, sich versletlen, heucheln, s. 
WeigandtDlb. 1, 443. 

fildsMrci, f, heuchelet : die so in gl eis- 
nereyliigenredersind. t 7Vm. 4. 2; s. Stephan 
sie nicht stralTt von groben sunden, sondern 
von der gleysoerey. post. (1528). 131". 

fileilco (gleiilen), ausrutschen, mhd. gltten 
(Ben. 1, 549". texer .1035): zu seiner leit 
sol jr Tus gleitten. i Mos. 32, 35: das 
meine knöchel nicht gleiten. 2. San». 22, 37 ; 
das meine tritt niclil gleitten. ps. 17, 5; 
seine trit gleiten nicht. 37, 31; mein tritt 
hette viel mhe gegbtten. 73, 2; ein gleiten- 
der fus. spr. Sal. 25, 19. 

Gleuieu, s. gläu»n. 

GIcibeD, s. glauben. 

filtobif, sltakhcb, gleiblieh, glcBbliii, 
a. gläubig, glüu bisch, glaublich, gläuhling. 

fiUlUsiMC, s. gläubigin. 

aiiti, gclled, anfangs auchnoch ohne das 
dehnende egiid, gelid, n. membrum, artus, 
mhd. glil. geht (Ben. 1. 978*. I.exer 820). 
ahd. gilit (Graff 2. IS9). Zusammensetzung 
des pari, ge mit lit glied. der pl. ichuiankt, 
wieschonmhd., iuiiscAengelied,gelide(«ii(ter 
den falsch genaiuen geisll. stand. 1522. 
Hij") undgelieder, doch herrscht letzterer vor. 



GLIED 

1 ) glied des menschlichen und thierischen 
körpert, körperlheil; der leyb vnd seyne ge- 
lider. das 7. cap. s. Pauli su den Cor. 
(1523). Ciiij*; mit vogewönlichem gelied. 3 
Mos. 21, 18; ein ochsen oder schaf, das 
vngewönlicb gelied oder wandelbar gelied 
hat. 22, 23 ; es ist dir besser, das eins deiner 
gebed verderbe vnd nicht der ganze leib in 
die heile geworlTen werde. MalOt. 5. 29; 
auch begebet nicht der siinden ewre glieder 
zu wafTender vngerechligkeit. RBm. 6, 13; 
gleich wie ein leib ist vnd hat doch viel glie- 
der. 1 Cor. 12. 12 ; also ist auch die ztinge 
ein klein glied. Jac. 3, 5. das männliehe 
glied: so wil ich aller narr vnd bannha-tzi- 
ger Christ Hugs lassen ein steino^ messer 
machen vnd ein Jude werden, vnd soll ich 
nicht allein das glied, sondern auch nasen vnd 
obren besclineitten lassen, wider die sab- 
bather. (1538). Bj\ 

bildlich von den gläubigen, sofern sie lu 
dem geistlichen leib, an welchem Christus 
das haupt ist, der, kirehe, gehören: jr seid 
aber der leib Christi vnd glieder. 1 Cor. 12. 
27 ; lasset vns wachsen in allen slUckea an 
den, der das heuht ist, Christus, aus welchem 
der gantze leib zusaraen gefüget vnd ein glied 
am andern hanget, durch alle gelencke, da 
durch eins dem andern Handreichung thut, 
nach dem werck eines jghchen gliedes. Ephes. 
4. 16; wir sind glieder seines [Christi) lei- 
hes. 5, 30; ich gan es auch s. Peter, das 
er eyn edler gelied sey denn ich. ausleg. der 
ep. vnd euang. von der heil, dreykönige fest. 
11525). Eiiij*; dti gottloser vngleubiger 
pfalf ... so du iloch nicht sein (Christi) ge- 
lied, sondern feind bist, von der winckel- 
messe. (1533). Bij". 

2) glied, angehöriger einer gemeine oder 
gesellschaft u. dergl. : ein glid der Christen- 
heit serm. von der bereitung tum sterben. 
(1519). biij*; ein gelied der vbergättlichen 
kirchen. eine bericht. (1528). Biiij"; ia 
sie sind gelieder der kirchen, gleich wie Spei- 
chel, rotz, eiter, schweis ... des leibes ge- 
lieder sind, das schöne eonfilemini. (1530). 
Lij''; denn die römische kirehe ist vnd sol 
sein ein stiick oder gelied der heiligen, dirisl- 
lichen kirchen. wider das bapslum. (1545). 



GLIEDLEIN 



137 



GLIMnPFIG 



3) glied in der abstammung und ver- 
taandlsehaß, generatio, grad : vnd sähe Eph- 
raims kinder bis ins dritte gelied. 1 Mos. 50, 
23 ; der da heimsuchet der veter missethat 
an den kindern bis in das dritte vnd vierde 
ghed. 2 Mos. 20, 5; es sol auch kein hur- 
kind in die gemeine des herrn konien, auch 
nach dem zehenden gelied. 5 Mos. 23, 2 ; jr 
name müsse im andern gehed vertilget werden. 
ps. 109, 13; alle gelied (1522: gelid) von 
Abraham bis auff Dauid sind vierzeben gelied. 
Mallh. 1, 17 ; die not foddert auch etwas zu 
sagen von ehesclieiden vnd andern stücken, 
als von den gelieden der sipschafll vnd der 
gletchen. von ehesachen, (1530). Jj*.; der 
sipschaffi halben vnd geliede der freundschafft. 
ebend. JUij* ; welche aber die verboten gelied 
odder personen sind im weltlichen recht, das 
las ich die Juristen vnd rechtskündigen leren. 
ebend. Jiüj ^. 

4) glied einer keUe, annulus: vnd zwo 
keten von feinem golde mit zwey enden, aber 
die gelied in einander hengcnd. 2 Mos. 2S, 14. 

Uliedlein (geliedlin), n. dim. des vorigen: 
denn sie nicht das geringste geliedlin von der 
artikel einem vns lassen künnen noch wollen. 
arUkel etc. (1538). Diij*. 

lilicdMasiy gflifdwasE fgelidmas, gelied- 
mas), n. s. v. a. glied: ein glidmasz der 
Christenheit, von dem bapstum zu Rome. 
(1520). Cj**; ein christlich ghdm.'isz. ebend. 
Ciiij'; so beuget ein jghcher Christen an der- 
selbigen (der kirche Christi) als ein gelicdmas. 
das 17. eap. Joh. (1530). Rj^ L. hat in 
der reget noch den starken pl. gliedmasse, 
geliedmas (d. t. geliedmasse) : die ehiich glid- 
masz. ausleg. der ep. vnd euang. vom 
christag. (1522). fffiiij"; die wcybisclie 
gelidmas. vrsachvndantwort. (1523). Aiiij''; 
äugen, oren, zunge vnd alle andere gelidmas. 
vber das erste buch Mose. (1527). Lj'; 
die ^iedmas seines fleischs hangen an einan- 
der. Hiob 41, 14 ; denn es stehet ein mech- 
tiger, grosser trost darinn ... das wir alle 
gliedmasse eines einigen leibs sind, das 17. 
cap. Joh. (1530). Mij''. nur vereinzelt er- 
scheint gliedmassen: diese gliedmassen hat 
mir gott von himel geben. 2 Macc. 7, 11. 

lieber bildung und ursprüngliche bedeu- 
tung des wortes s. Weigand wtb. 1, 445. 

DnTs, Wörterbncb. II. 



dliedwattleii, n. kleines glied: vnd ha- 
ben alle zu thun mit dem cleynen glidmaszlyn. 
serm, von dem hochwirdigen sacrament. 
(1519). aüj*. 

ClimeHy gliscere, in einzelnen funken 
glühen: das fewer, weil (während) es noch 
im Zunder glimmet, dempffen. Jen. 2, 498'; 
das glimmend locht wird er nicht ausleschen. 
Jes. 42, 3. häufiger bei L. glümmen ge- 
schrieben: ob hie das liecht Dauid nicht helle 
leucht, so glümmet es doch in dem kinde 
Joas. von den Juden. (1543). Qij^; das 
glümende (1522: glumende) locht. Matlh. 
12, 20; ein glummend locht, von der win- 
ckelmesse. (1534). Hiij''; das glummend 
hökzlin. von den concilijs. (1539). Lij*. 

mhd. glimmen {Ben. 1, 548**.' Lexer 
1034), von glimen «=» glänzen, leuchten, vgl. 
fVeigand wtb. 1, 445. 

6ll«pf, m. mhd. glimpf, gelimpf, (Ben. 

1, 999*. Lexer 817), ahd. gelimpf (Graff 

2, 216); zu ahd. limfan, limphan «» ange- 
messen sein. 

1 ) schonende nachsieht, zarte rücksichl : 
nu aber mein gütiger glimpff vmb sonst ist 
vnd sol vnd mus pochens gelten, von heim- 
lichen vnd gestolen brieffen. (1529). Aiij^ 

2) guter leumund, guter name, guter ruf: 
zu vnterdrücken mein glimpff vnd ehre. 
ebend. Bj^; ehre vnd glimpff nehmen, ebend. 
Biiij'; ehre vnd glimpff ist bald genomen, 
aber nicht bald widder geben, deudsch ca- 
tech. (1529). Kiiij'; des nehisten leumund, 
glimpff vnd gerechtickeit. ebend. Kj^; so 
hals deste mehr ansehen vnd glimpff. eine 
predigt das man kinder etc. (1530). Eüi]*"; 
das jr gemeinet, solcher fauler, lamer zote 
solle in diesen sachen mir schaden thun oder 
euch glimpff bringen, wider Hans Worst. 
(1541). Aüj**; den glimpff zurhalten und 
mehren, de Wette br. 3, 335. 

dlimpffHj zum besten wenden: dasz sie 
allesampt wollten helffen die sachen stillen, 
glimpfen und zum besten foddern. de Wette 
br. 5, 55. — mhd. gelimpfen {Ben. 1, 999'*. 
Lexer 818). 

dliwpig, glimpflich^ schonend, nachsich- 
tig, mhd, gelimpf ec (Ben. 1, 999 **. Lexer 
818): wenn aber die person gros ist, ein 
herr vnd gewaltig odder mein freund ... da 

18 



GLIMPFLICH 



138 



GLOSSE 



schnitze ich die wort dünne, machs glimpfßg, 
kan wol feder lesen vnd mit der warheit vn- 
ter die bauck. der 112. psalm. (1526). 
d6*. 

(JliHplich^ adj. vnd adv. angemessen, 
nachsichlig, schonend: gUnipfflich vnd gütig 
antwort. v<m heimlichen vnd geslolen brief- 
fen. (1529). Aiij*; vnd glimpfflich gnug 
Widder hertzog Georgen meinen feind gelian- 
delt. ebend, Gij ^. — mhd. gelimpflich (Ben. 
1, 999 ^ Lexer 818). 

ClItHieiy glänzen, mhd. glinzen (Ben, 1, 
548 **. Lexer 1034): es gluwet vnd glintzt 
noch nit alles, grund vnd,vrsaeh. (1521). 
c iiij ^ ; jre f üsse glintzeteu wie ein hell glat 
ertz. Exech. 1,1; ah wie glintzet es (das 
sehweri). 21, 15; da zu vnser zeit der 
mönche wercke im bapstum so schön glinlze- 
ten. EisL 1, 531^; deine pfeile füren mit 
glintzen dahin, der proph. Habacuc, ( 1 526). 
oj'', var. zu Hab, 4, 11. 

dlinierBy dasselbe: die weisse Haube, die 
für grosser weisse glintzert. einer aus den 
hohen ariickeln. (1537). Bj ^ 

lil«cke^ f. campana, mhd. gloeke, glogge 
(Ben. l, 550*. Lexer 1036), ahd. glogga, 
glocca (Qraff 4, 292); zu ahd. clocc6n, 
clocch6n = klopfen, anschlagen (s, We i - 
gand wtb. 1, 446): eine glocken giessen. 
Verantwortung. (1533). 4'; die todten 
glocken weihen vnd teuft'en. zwo predigt 
auff der kindertaufe. (1540). Fi]*"; hosti- 
arium heissen sie den so zum stränge gewey- 
het war, das ist der die kirchen schliessen vnd 
glocken leulen solt. von der winckelmesse. 
(1533). Oiij*; gleich wie man bey vns, wenn 
man eine spende gibt, alle glocken lesset 
leutten. das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth, 
(1532). e iij **; mit glocken beleuten. wider 
das bapstum. (1545). Dij'^; eine glocke 
oder schelle yhren eygen klang nicht höret. 
post. (1528). 312'; vnd bombt die grosse 
glock mit zu. der 101. psalm, (1534). 
Bj ^ ; gleich als ein^ grosse glocken ... die 
lufft so vol schallet vnd dohnet, das man 
nicht dafür höret, was man sonst redet, aus- 
leg. der ep, ,vnd euang, von ostem etc. 
(1544). Lliij''. redensart: weil wir zu- 
samen komen sind zur heiligen taufie, so 
wollen wir derselbigen auch eine glocken 



leuten, das ist von diesem heiligen sacrament 
etwas reden, gott zu lobe vnd vns zur vnter- 
richtung. zwo predigt. (1540). AijV 

Mfkemh9ief m. beleg s. altarbote. 

ntktmfkptlM, f.glockenmetaU. de Wette 
br. 3, 184. — mhd. glocke-, glockensptse 
(Ben. 1\ 511 ^ Lexer 1038). 

Cllockeutoi^ m. ton einer glocke: glocken- 
don. post. (1528). 222'. 

ilickier (glockner), m. küster, der das 
glockenläuten besorgt, nM. glockenaere 
(Ben. i, 550**. Lexer 1037): des custers 
vnd glockners ampt in allen kirchen. an den 
Christi, adel. (1520). Diij^ 

Cllorie, f. gloria, rühm, mhd. glorje (Ben. 
1, 551 '. Lexer 1038); alle kunige der er- 
den werden erwirdigenn dein glorie. die 
sieben buspsalmen. (1517). £5**. 

tt^riertn, prangen, mhd. gl6rieren (Ben. 
l, 551'. Lexer 1038), aus tat. gloriari: 
vnd alles des sich rhümen vnd gloriern mag. 
post, (1528). 104^; die grosgeistlichen vnd 
weisen können nicht anders, denn jnen selb 
wolgefallen, sicher sein, in jnen selb gloriern. 
Jen. l, 18^; gloriern, prachten, prangen. 
ebend. 22'; wer gloriern wil, der glorir in 
gott. ebend. 

(il«rlicierei| gloripcare, verherrlichen, 
mhd. gl6rißcieren (Lexer 1038): durch 
den todt glorificieren. serm. von der 
sunde, gerechtigkeit vnd vrteil. (1523). 
Aiij^ 

lil«8se (L. glose, glosa. gl. zu st. in Es- 
ther 4, 3), f. giossa, erklärende anmerkung, 
auslegungy mhd. glose {Ben. 1, 551'. Lexer 
1038): disze edle, clare auszlegung deuten 
vnd Unstern sie mit eyner andern glosz. gr. 
serm. von dem wucher. (1520). aiij'; ein 
feine glos. das 16. cap. s. Joh^ (1538). 
Oij'; die glose odder auslegung. deudsch 
catech. ( 1 529). Oiij ^ ; dis buch (die apostel- 
geschichte) wol möcht heissen eine glose vber 
die episteln s. PauH. Bindseil 7, 430 ; wo- 
mit vnd wenn wollen sie aber jhr glose gewis 
machen? von den schlüsseln. (1530). 
Aiij^; vnd ob sie wollen eine faule glose 
furgeben. ein widderruff vom fegefeur. 
(1530). Cij'; drehet vnd hddert gottes wort 
mit glösen. das 15. cap. der ersten ep. s. 
Pauli an die Cor. (1534). Cij'*. 



GLOSSEN 



139 



GLÜCK 



lilossen (glosen), n. das auslegen, erklä- 
ren: den Propheten Jeremia zuuerstehen, 
darffs nicht viel giosens. Bindseil 7, 347. 
— mhd. gl6sen (Lexer 1039). 

CUssiercn (glosieren), wozu glossen mo' 
chen, auslegen, deuten, mhd. glösieren {Ben. 
1, 551 ^ Lexer 1039): szo werd ich des 
bapsts vrteyll auch nit leydden. darumh szo 
das erst mittel nit für sidi geht wirt sich das 
spü machen, das der bapst letzt wirt machen 
vnnd ich yhn glosziren. originalbr. v. j. 
1519 auf der bibl, zu Gotha cod. ehart. 
379; ich wil dir aber nit bergen meyne 
grosse muhe, die ich daryn zuuordeutschen 
vnd glosiem gehabt, bulla cene domini. 
(1522). Aij**; ich wolt das alle bischoffevnd 
pfaffen solche yhre eigen glosen roüsten gleu- 
ben vnd für warheit halten, das die text im 
euangelio also zu glosiern weren. eine be- 
nchl. (1528). Fij ^ hie wider hilft kein bei- 
nern, deuten, glosiern. von den Juden. 
(1543)t Oiij^ <tt65l.; lügen darft* viel flickens 
vnd glosierens. gl. zu 1 Tim, 6, 4. 

fUdsilein (glöslin), n. dim. zu glosse : ich 
wil hie noch nicht antworten auff die sophi- 
stische vnd arme gloshn. das ander teyl 
Widder d. hyml. prophelen. (1525). Gj^; 
so wollen wir auch jhr listiges, falsches glös- 
lin vom deutopffer odder denckopffer nicht 
leiden, vermanung zum sacrament. (1530). 
Eiij ^ ; so bald kan man ein glöslin finden, da- 
mit man dem teufiel ein Uecht anstecke, das 
5. 6. vnd 7. cap. s. MaUh. (1532). pü]*". 

tilotieB, 'mtl weil aufgesperrten äugen 
sehen', mhd. glotzen (Lexer 1039): hie, da 
er nicht stehet, da glotzen sie, sperren maul 
vnd nassen auff vnd suchen solchen text. 
vom abendmal Christi. (1528). Gij*. vgl. 
anglotzen. 

Um (glw, gluu), glühend, *hell, klar, po- 
lirt\ toie L. selbst das wort in der gl. zu 
Dan. 10, 6 (ein gluu ertz, Frisch 1, 358*' 
liest : ein glun erz) erklärt : (pfeil) der fein 
glat, glw vnd wol bereit ist zu schiessen, gl. 
zu Jes. 49, 2 ; das er (jedenfalls druckfehler 
für es sc. das schwert) jmer fein scharff vnd 
glw bleibe, das 6. cap. Ephes, (1533)« 
Kiij *• ; es ist jtzt ein gantz glw newe weit. 
wider den bischoff zu Magdeburg. (1539). 
Jij ^ ; aber nu sind solche rotten vnser schleilT- 



stein vnd polierer, die wetzen vnd schleißen 
vnsern glauben vnd lere, das sie glw vnd rein 
wie ein Spiegel glentzen. Jen, 5, 261'; die 
äugen rot vnd glw {glühend) funcklen. aus^ 
leg. der ep. vnd euang, von ostem. (1544). 
tij*. 

zu glühen vgl. glüh Weigand wtb. \, 
448. s. auch glauch. 

Cliock^ flicke (gelück vber das erste buch 
Mose. 1527. Hhij*'; gelücke. gl. zu Sir. 
37, 19), n. fortuna, feUdtas, mhd. gelücke 
{Ben. 1, 1049*. Lexer 829); zu lücken, 
locken, vgl. Weigand wtb. 1, 447. 

\)fors, fortuna, geschieh, gunst des 
Schicksals : man hat sehen vnd greylTen müs- 
sen, wie menschen ansehlege vnd hoffenung 
ymer feylen vnd anders gerett denn man 
denckt vnd zu letzt müsse mercken, das eyn 
ander sey, der das redlin treybt, das haben 
denn ettliche gott, ettliche glück genennet. 
vorr. auff die spruche Salomo. Bindseil 7, 
333 ; die beiden nicht gleuben, das gott das 
los meystere, sondern glück gebe es alles. 
der proph. Jona. (1526). Eilij**; alles Ligt 
es an der zeit vnd glück, pred. Sal. 9, 1 1 . 

2) nach wunsh zukommendes, segen, heil, 
wolfart etc. : was solt vns gluck widderfaren, 
wen wir szo vorkeret handeln, an den 
Christi, adel, (1520). Lüj*; alles was er 
(Joseph) thet, da gab der herr glück zu. 1 
Mos. 39, 3. 23 ; bittet, das gott glücke dazu 
gebe. Jud. 8, 25 ; vnd wirst auff deinem wege 
kein glück haben. 5 Mos. 28, 29 ; ein böse 
maul wird kein glück haben auff erden, ps. 
140, 12; er wird das glücke nicht haben, 
das jemand seines samens auff dem stuel 
Dauid sitze. Jer. 22, 30 ; du solt jnen weder 
glück noch guts wündschen. 5 Mos. 23, 6 ; 
wündschet Jerusalem glück, ps. 122, 6; 
gleich wie man einem glück vnd heil wündscht, 
wenn er was newes anfehet. das schöne con- 
fUemni. (1530). Nij*; wer es besser machen 
kan, dem sey gnad vnd glück gewünscht. 
von den condlijs. (1539). Jiij'; gnade vnd 
gluck von gott dem vater zum neuen heilig- 
thum. de Wette br. 2, 136; glück vnd wol- 
fart. vber das erste buch Mose. (1527). 
SS üij * ; -ein kluger könig ist des volcks glück. 
weish. 6, 26. — glück zu, salve: wir 
grüssen also auff deudsch, guten abind, glück 

18* 



GLUCKE 



140 



GLOCKSELIG 



zu etc. gl. XII Matlh, 26» 49 ; glück zu dem 
könige {vulg. vival rex). 1 Sam, 10, 24; 
glück zu, er könig (vulg. salve rex). 2 Sam, 
16, 16. — sprichwörier : weis glück hat, 
der füret die braut heim, von ehesachen, 
(1530). Eij^; je mehr Icute, je mehr glück. 
der 147. psalm, (1523). üij*; yhe erger 
schalck, yhe b^szer glück, der 112. psalm. 
(1526). aiij*. 

3) glücksgüler, reichthum: sein glück {be- 
sitz) wird sich nicht ausbreiten im lande. 
Hiob 15, 19. 

Cilicke^ /*. brulhenne, mhd. klucke (Lexer 
1635), bei L. name des Siebengestirns, die 
plejaden: er machet den wagen am himel 
vnd orion vnd die glucken. Hiob 9, 9; die 
glucken oder die henne sind die sieben kleine 
gestirne. gl. zu dieser stelle ; er macht die 
glucken vnd orion. Arnos 5, 8 ; glucken, die 
pleiades genant sind. gl. zu dieser stelle, 

Cllnr kf ■; vom rufen der bruthenne : vnd 
ist doch eyn armer vngelerter mensch seyn 
leben lang blieben, der widder zu glucken 
noch zu eyer legen getücht hatt. an die rad- 
herm. (1524). Eij*. 

Clnckeii; gelingen, von statten gehen, 
mhd. glücken, gclücken {Lexer S29) : was wir 
nicht mit gott anfahen, das mus zerfallen vnd 
wird nicht glücken, der 112. psalm. (1526). 
a 7 * ; da der könig mit seym volck sähe, das 
yhm so schleunet vnd glücket zu seym 
königreich, da wuchs yhn der mut. der 
proph. Habacuc. (1526). eiij*; vnd es 
glückt jm. 2 Macc. 10, 23; es glückt 
manchem in bösen Sachen, aber es gedeiel 
jm zum verderben. Sir. 20, 9; vnd ist yhm 
durch hülfle des teuffels glücket (geglückt), 
post. (1528). 233*. 

dluckiiaftlg, glück habend, glücklich, 
mhd. gelückhaftec (Ben. 1, 1050. Lexer 
829): war ich nicht glückhaiTiig ? Hiob 3, 
26 var. 

Mickhenne^ f. was glucke: der herr 
spricht, er were gern yhre gluckhenne ge- 
wesen, post. (1528). 136**; wiedieiungen 
hunlin vnter der gluckhennen. ausleg. der 
ep. vnd euangelien vom ehristag. (1522). 
Kiiij ' ; darumb müssen wyr vnsz vnter dieszer 
gluckhennen flugel schmucken, ebend. Lj ^ ; 
vnd reisset dicli hin wie der weihe das küchle 



ausser der gluckhenne flugel« da^ 17. cap. 
s. Joh. (1530). Kiij<>. in schrißen, deren 
herausgäbe L. nicht selbst besorgte, auch 
noch mit hartem änlaut: vnter die flügel 
der kluckhennen. ausleg. der euang. von 
ostem etc. (1527). Q7*. 

llliickhibB, n. dasselbe: er ist eine edle 
henne, ein fein gluckhun. Eisl. 2, 267 *. 

Ciiäf klein (glücklin), n. kleines glück: 
ich habe auch dagegen gesehen etliche so 
kecke vnd stoltz sind gewest, wenn jnen die 
menge anhieng, das sie krafll zufall vnd bey- 
stand liatten, etwa ein glücklin vnd sieglin 
erlaugeten. Eisl. 1, 533*. 

Uäcklich; adv. feliciter, inhd. gelücke- 
liehe {Lexer 829): das lies der herr glückhch 
abgehen. 1 Mos. 39, 3 var. ; also baweten 
sie vnd gieug glückhch von staten. 2 chron. 
14, 7 ; ein man, dem es glückhch von Stadt 
gehet, vber das erste buch Mose. (1527). 
ssiiij'; dem sein mutwille glücklich fort 
gehet, ps. 37, 7 ; so bald ich glücklich 
widerumb herkome. 1 Macc. 7, 35; wer 
nach gottcs wort sich richtet, der handelt 
weislich vnd glücklich, gl. zu Jos. \ , 8. 

dlücklin^ s. glückleiu. 

tiluckseligy beatus, fortunatus, felix, 
glücklich, *voü glück*, mhd. gelücksaelic 
(Lexer 830): so war Jerobeam auch ein 
feiner glückseliger könig. Bindseil 7, 399; 
vnd der herr war mit Joseph, das er ein 
glückseliger man ward. 1 Mos. 39, 2 ; eyn 
man, der glucksehg ist, dem es wol gehet. 
das Jhesus eyn gebomer Jude sey. (1523). 
Ciij'^; das Sprichwort sagt, das hurkiuder 
gluckselig seien, einer aus den hohen arti- 
kein. (1537). Diiij''; nu aber bin ich auch 
glückselig, das man mich auch mutter kan 
hcissen. 176er d<is erste buch Mose. (1527). 
Ttj'; Hiskia war glückselig in alle seinen 
wercken. 2 chron. 32, 30; das sie ym streit 
glückselig sind gewest. der proph. Habacuc. 
(1526). j'; die lageweler, das sind die da 
etliche tag vnsletig, etliche gluckselig orrtern 
tzu reyszen(ret«en). ausleg. der ep. vnd euang. 
vom christag. (1522;. fff iiij ' ; das heyssen 
wir einen sehg tag, einen glückseligen tag. 
post. (1528). 318''; glückselige zeit. J^n. 
1, 265*; glückseliger stand. Hiob 30, 15; 
glückselige schlachten. 2 Macc. 15, 9. 



GLÜCKSELIG 



141 



GNADE 



Cliekseiigy adv. feUciier, prospere, nach 
wünsch, mt'l gulem erfolg: falir glückselig. 
1 kön. 22, 12; wenn nitrs glück9elig gienge, 
habe ich nicht meine freude darinnen gehabt. 
gl. zu Hiob 31, 26 ; etlich lassen mesz halten, 
das sie reycli werden vnd yhn in yhrem han- 
del gluckselig gehe, serm^ von dem n. tesl, 
( 1 520). Dij ^ ; der könig Ludwig solt vUleicht 
glückseliger imil mehr glück) gestritten haben. 
vom kriege tcidder d. T, (1529). Bij*. 

ttllckscligkcitj f. prospetilas, mhd, ge- 
Ittcksaelecheit (Lexer 830) : beware glück- 
selikeit vnd bedechtikeit. spr» Sal. 3, 21 
rar.; auff das sie allein in glückseligkeit le- 
ben. Jen, 1, 400 ^ 

mickscliglich^ glückseligliche, adv, feU- 
ciier: das er sein irdisch reich rugiglieh vnd 
glückseliglich regire. ein ein f eltige weise zu 
beten, (1535). Bj'; also schleunig vnd 
glückseü^ich. derproph,Sacharja, (1528). 
Piiij * ; also volendet Salomo das haus des 
herm, vnd alles was in sein hertz komen war 
zu machen im hause des herrn vnd in seinem 
hause glückseligliche. 2 chron, 7, 11. 

UickspM, n. hazardspiel: wie denn aufl* 
w^ürfTeln vnd andern glückspielen geschieht. 
der proph. Jona. (1526). Eiiij^ 

ClIikeBi candere, L. glüen, anfangs auch 
die md, form gluwen {grund vnd ursach. 
1521. Giiij^), mhd, glüen, glüjen {Ben. 1, 
551 ^ Lexer 1040), ahd. gluoan {Graff 4, 
291): wiemessing, das im ofen glüet. offenb, 
Joh, 1, 15; eisen, das in der essen ligt vnd 
glüet. von der heil, tauffe, (1535). Ej*"; 
sein ödem ist gluende kolen (Jen, 1, 89': 
sein atliem macht kolen glüend). Hiob 41, 
12 var,; eine glüende kole. Jes, 6, 6; die 
drey menner im glüenden ofen. Bindseil 7, 
361 ; in den glüenden ofen geworfen werden. 
Dan, 3, 6; das wort wird yhm ein glüender 
spies ym hertzen gewesen sein, vber das 
erste buch Mose, (1527). Aaij^ un- 
eigentlich: die disleln wachsen, blühen vnd 
gluen daher, wie eine schöne metze. vier 
predigten, (1546). Oiij'. 

UlH, trübe, schmutzig: du trübest das 
wasser mit deinen füssen vnd machest seine 
ströme glum (os*n; Ezech, 34, 18 über- 
setzt L, dasselbe wort durch 'trübe'). Ezech. 



32, 2 ; bis das glum vnd trübe wasser sihc 
setze. Jen, 6, 543 '. 

das wort ist niederdeutsch (brem. me- 
dersächs. wtb, 2, 519) und dasselbe mit 
engl, gloom dunkel, düster, 

ClIiHwen, s, glimmen. 

Sllt| f, pruna, ardor, mhd. gluot {Ben. 
1, 551^ Lexer 1041), ahd. gluot (Graff 
4, 292); zu glühen (vgl, Weigand wtb, 
1, 448 unter glüh): vnd sol einen napff vol 
glut (glühende kohlen) vom altar nemen. 3 
Mos, 16, 12; die kolen ein glut vnd holtz 
ein fewr anrichten, spr. Sal. 26, 21 ; es 
schmidet einer das eisen in der zangen, er- 
beitel in der glut. Jes. 44, 12 ; es wird nicht 
eine glut sein, da bey man sich werme. 47, 
14; lege auch den toplT lehr aufl* die glut. 
Ezech, 24, 11; es brennet liechter lohe vnd 
heller glut. von den Juden etc. (1543). 
diij*; welch ein fewr vnd glut brennet da. 
ebend. eij'; der hellen glut. serm, auf 
Luc. 16. (1523). Bij'; in der belle glut. 
da« 5. 6. vnd 7. cap, s. Matth. (1532). 
Di]-. 

ülitr^tk, feuerroth: das eyssen wirt 
gluttrodt. von der freiheit eines Christen- 
menschen. (1520). Aiiij^ 

CIIm, gluwy s. glu. 

Uiwen^ s. glühen. 

ClMckeH; s. knacken. 

diiadkriefj m. ablaszbrief: die gnadbrieue 
verwesen. Jen. 1, 196*. — mhd. genäde- 
brief (Lexer 850). 

dnaildttntigi giadedurstigi nach gnade 
verlangend: geysthüngrig vnd gnaddürstig. 
grund vnd vrsach, (1521). Fiij * ; bisz wir 
gar gnaddurstig werden, deutsch ausleg. des 
67. psalms. (1521). Aiüj*; da durch der 
mensch solche seine sunde erkenne vnd 
gnaddürstig werd. post. (1528). 194'; 
die dritten aber, die das gesetz fulen vnd yhr 
gewissen sie beysset, die sind gnadedürstig. 
ebend, 1, 197'; die gnaddürstigen ledigen 
geister. ebend. 166'. 

ünade (genade. vber das erste buch Mose. 
1527. rij^ post. 1528. fol. 235'; ajj. 
gesch. 2, 47), gratia, benevolentia , mhd. 
gnÄde, genide {Ben, 2, 337** — 342". 
Lexer 850), ahd. k(g)inAda {Graff 2, 1025). 
die grundbedeutung des Wortes, welches mit 



GNADE 



142 



GNADEHERR 



nieder mu einer tourtel gehört (vgl. Wei* 
gand wlb. 1, 448 u. 2, 266), ist „neigung, 
niederlassung", aus welcher sich die heulige 
hedeutung „wohlwollende, helfende geneigt- 
heit gegen einen geringem, huld, gunsV, 
entwickelt hat, 

1) zumeist steht gnade von dem wohl- 
wollen, der gute, der huld gotles gegen die 

^ menschen: gnade eigentlich heisset gottes 
hulde oder gunst, ^ie er zu vns treget bey 
sich selbs, aus welcher er geneiget - wird, 
Christum vnd den geist mit seinen gaben in 
vns zu giessen. Bindseil 7, 435 ; herr, herr, 
gott barmhertzig . . . vnd von grosser gnad 
vnd trew. 2 Mos, 34, 6 ; die gnade des, der 
in dem busch wonete, kome auff das heubt 
Joseph. 5 Mos, 33, 16; thu wol an Zion 
nach deiner gnade {var, deyner gütte u. deinem 
gutten willen), ps. 5t, 20; ich wil singen 
von der gnade des herrn ewiglich. 89, 2; das 
kind wuchs . . . vnd gottes gnade war bey jm. 
Luc, 2, 40 ; die gnade vnsers herrn Jhesu 
Christi sey mit euch. Rom, 16, 20. pl, gna- 
denerweisungen, gunstbezeugungen : die ge- 
wissen gnaden Dauids. Jes. 55, 3 ; die grew- 
liche, schreckliche verachtunge beide des 
sacraments, euangelij vnd aller gnaden gottes. 
der 111. psalm, (1530). Aij " ; freiheit geben 
vnd gnaden thun. 1 Macc, 10, 28. gnade-» 
gnadengabe : wer die gnade hat, das er mit 
lust vnd liebe keusch kan leben, das 7. cap. 
Cor, (1523). Biiij». 

2) wohlwollen, gunst der menschen gegen 
menschen, doch nicht ausschlieszlich von der 
Zuneigung eines hohem zu einem ^geringem : 
vnd hatten genade bey dem gantzen volck. 
ap. gesch. 2, 47 ; sein {des königs) gnade ist 
wie ein abendregen, spr. Sal, 16, 15; der 
fürsten gnade misbrauchen. st, Esth. 6, 2 ; 
die gunst vnd gnade des testatoris. serm, 
von dem n. lest, (1520). Biij*; der vbir- 
hochvorstendigen gunst vnd gnad weysz ich 
nit zuuordienen. an den christl, adel, (1520). 
ki}^; ausz könighcher gnaden, antwort 
deutsch, (1522). Ciiij''; das aber der psalm 
(101, 1) gnade vnd recht nennet ist gesagt 
nicht von gottes gnaden vnd recht, sondern 
von der gnade vnd recht, so ein fürst gegen 
seim gesinde vnd vnterthan vbet . . . von 
gnade vnd recht, das ist von wolthat gegen 



die fromen vnd straffe gegen die bösen. Jen, 
6, 140*. 

3) redensarten. um gnade bitten, auch 
blosz gnade bitten, gnade suchen, finden, an- 
nehmen, erlangen, erwerben, zu gnaden kom- 
men, in gnaden sein : du soll nicht für dis 
volck vmb gnade bitten. Jer. 14, 1 1 ; schrien 
laut vnd baten gnade. 1 Macc, 13, 45; lasst 
vns gnade suchen mit threnen. Jud. 8, 12 ; 
Noah fand gnade für dem herrn. 1 Mos, 6, 
8; herr, hab ich gnade funden für deinen 
äugen. 18, 3 ; nemet an meine gnade. 2hon. 
18, 31; vnd kundten dennoch mit solcher 
ehre keine gnade erlangen. Jud. 3, 9; das 
dienet nicht gnade zuerwerben. 8, 10; die 
sich bessern, lesst er zu gnaden komen. Sir. 
17, 20; da er bey dem könige in gnaden 
kam. 2 Macc. 4, 24 ; seine heiligen sind in 
gnaden, weish, 3, 9. gnade anbieten, er- 
zeigen, geben, thun: wenn den gottlosen 
gleich gnade angeboten wird, so lernen sie 
doch nicht gerech tigkeit. Jes. 26, 10; ich 
wil jm gnade erzeigen. 1 Mos. 44, 21 ; er 
wird gott bitten, der wird jm gnade erzeigen. 
Hieb 33, 26; ich wil diesem volck gnade 
geben für den Egyplern. 2 Mos. 3, 21; der 
herr gibt gnade vnd ehre. ps. 84, 12; der 
herr hat gnade zu meiner reise gegeben. 1 
Mos. 24, 56 ; aber der herr thet jnen gnade. 
2 kön, 13, 23. mit gnaden, gnädiglich: mit 
gnaden gezüchtiget, weish. 11, 10; den sihet 
gott an mit gnaden. Sir. 11, 13. — bitl ich, 
e. f. g. wollt mirs zu gnaden vor gute haben. 
de Wette ftr. 1, 207. 

4) als ehrentilel hoher (fürstlicher) per^ 
sonen : meinem gnedigstenn vnnd lieben herrn 
hertzog Friedrich churfursten zcu Sachszen 
zcu seyner gnadenn handenn. aufschrift eines 
br. V, j, 1517 im ges, archiv zu Weimar 
reg. N, 108, 4 1 ; dasz es möchte aufgeschoben 
werden bis zu der anherokunft Ihro fürstl. 
gnaden, de Wette br. 6, 288 ; ewr gnaden 
vnd ehrufeslen fugen wir zu wissen, ebend, 
5, 660. in den briefen L,'s begegnet häufig 
die abkürzung e. f. g. =» euer fürstliche 
gnaden. 

diadedttrstig, s, gnaddürstig. 

tinadeherr, gnadherr, m. gnädiger herr, 
ein adlicher: das yhr land vnd leute müsten 
gnadherr heissen. vber das erste buch Mose, 



GNADEJUNRER 



143 



GNADENREICH 



(1527). iiij*; vnd wir solten sie noch dazu 
nicht für feinde hallen, sondern gnadeherr 
heissen. der 110. psalm. (1539). Nij^ 

liiadcjaikerj giaijiikerj m. dasselbe : 
der hapst wen (trenn) er sich wil lassen coni- 
mnnieiern, stille sitzt als ein gnadjungker. an 
den chrisü. adel, (1520). Gj'; vnd solle 
sie noch gnad iuncker heyssen. von weltlicher 
vberkeyL (1523). Aij**; so kan er jr nicht 
heucheln, noch gnadjuncker heissen. das 5. 
6. vnd 7. cap, s, Mallh, (1532). hiiij*; 
was die gnadejuncker vher dem hohen tische 
gebieten, widder das bapstum. (1545). 
Biij ^ 

CiaifB; gnade erzeigen, gnädig sein, 
mhd. gn4den, gen4den {Ben, 2, 343*. Lexer 
851), ahd. g(k)in4dÖD (Graff2, 1030); sihe 
mich an vnd gnade mir (bibel: sey mir gnedig). 
ps. 119, 132 var,; gnade mir, du barmher- 
tziger gott. das 14. vnd 15. cap, s, Joh, 
(1538). gggij"; gnade dir gott, du armer 
Jeremia. vom schem hamphoras. (1543). 
Jiiij * ; hilfl' vnd gnade vns, Heber vater. Jen, 
1, 252 ^ in folgender stelle s, v, a. den 
Ulel gnaden geben: fursten vnd herrn gibt er 
grosse ehre vnd herrligkeit . . . setzet sie auff 
sammat küssen, lesset jnen knie beugen vnd 
gnaden, das 16. cap. s, Joh. (1538). Tiij*. 

ÜBadeibiMi n. ein bild, dessen anschauen 
gnade bringt, in der römischen kirche ein 
wunderthätiges heüigenbild, besonders ma- 
rienbild: der gnadenbilde ist nichts anders, 
denn Christus am creutz vnd alle seine lieben 
heihgen. wie verstehet man das ? das ist gnade 
vnd barmhertzigkeit, das Christus am creutze 
deine sünde von dir nimpt vnd tregt sie für 
dich vnd erwürget sie, vnd dasselbe festiglich 
gleuben vnd für äugen haben, nicht daran 
zweiueln, das heisst das gnadenbUd ansehen 
vnd in sich bilden. Jen. 1, 182'; damit sie 
vns blöd vnd vorlzagt machen vnd das tröst- 
lich gnadeubild vor blenden, als man den taffel 
that in der fasten, das magnificat. (1521). 
euj^ 

CiaienUickj m, das schauen der gnade 
(gottes): am creutz odder jnn dermutter schos 
sihet man nichts denn einen meoschen, an 
dem kein zorn noch schrecken ist, sondern 
eitel freundligkeit vnd hertzliche liebe vns zu 
helffen, wenn du alier solchen bhck faren 



lessest vnd hinauff kletterst jnn die maiestet, 
so mustu anlauffen, erschrecken vnd zu rück 
falleo, weil du dich selber ausser dem gnaden- 
blick rückest vnd jnn die blosse maiestet gaf- 
fest, die dir zu hoch vnd schweer ist, denn 
ausser Christo kan die natur kein gnade noch 
liebe jnn gott sehen, noch erlangen, das 17. 
cap.s. Joh. (1530). Hj*. 

Üiaieabflchj n. das newe testament ein 
euangehum oder gnadenbuch ist. Bindseil 
7, 304. 

üiftäeiiieist, m.geisl der gnaden :ddirumh 
wie jr werdet haben den gnadengeist ... so 
werdet jr auch haben den geist des gebets. 
das \Q. cap. s. Joh. (1538). Bbiiij^ 

üiaieihiniMel, m. in welchen uns gott 
aus gnaden au fnimml : der gnadenhimel. der 
117. psalm. (1530). Fij^ voUständiger 
s. die stelle unter gnadenreich n. 

ttBaienlf hre (gnadenlere), f. das evange- 
lium von Christo : im newen testament neben 
der gnadenlere auch viel andere lere gegeben 
werden, die da gesetz vnd gebot sind. Bind" 
seil 7, 304; weil gott hie (5 Mos. 18, 15) 
eiuen andern Mose verheisset, den sie hören 
sollen, zwinget sichs, das er etwas anders 
leren würde, denn Mose . . . darumb ists ge- 
wis von der gnadenlere vnd Christo gesagt. 
ebend. 7, 312. 

Cnadenlicht (gnadenliecht), n. die gött- 
liche erleuchtung: es mus yhe niclit finster- 
nis da sein, so das liecht wird angezündet, ob 
schön finsternis aus gebrechen des gnaden- 
liechts da ist. aber von dem gnadenliecht 
reden sie nicht, so müssen sie auch von ^em 
selben Gnsternis nicht reden, post. (15281. 
119*. 

üiaienpreisHg, f. das preisen der {gött- 
lichen) gnade: nu last vns sehen die wort, 
die er braucht zu solcher gnadenpreisung. 
post. (1528). 92 ^ 

ÜMdenrcich ; gMiitreich, giaircieh, 
reich an gnade, gnädig, mhd. genädenrScbe 
(Ben. 2, 688''. Lexer 852): gotlreiche, 
gnadreiche menschen. post. (1528). 76^; 
gnadreich vnd gottreich, ausleg. der ep. vnd 
euang. vom christag. (1522). Bij'^; mit 
detn vnglawben machstu diesze thewre trost- 
liche gnadreyche wort tzur lugen, ebend. 
Jj * ; bitte auch daneben gott, das er vns bey 



GNADENREICH 



144 



GNÄDIG 



seinem Hecht vnd gnadenreichen wort erhalte. 
der barfusser münche Eulenspiegel. ( 1 542 ). 
t3*; gnadenreiches sacrament. die ander 
ep, Pelri. (1524). eiiij^; das hochwirdig, 
gnadenreich, heilig sacrament der busse. 
Jen. \, 65*^; (die laufe) fnichtbarlich vnd 
gnadenreich wasser heisset. deudsch calech. 
(1529). Vj**; ist aber mit solchen gnaden- 
reichen Sprüchen vnd hohen deutungen ge- 
sehmücket. vber das erste buch Mose, (1 527). 
r ij " ; der seinen gnadenreichen bund der ver- 
gebunge der sünden nicht aufT vnser verdienst, 
sondern auff sein wort gegründet hat. der 
111. p«a/m. (1530). Hj*». 

üiiadenff ich, gnadereich, n. regnum gra- 
liae, reich der gnade, himmelreich : sein 
(Christi) reich ist ein gnadereich, ein hulflfe- 
reich, ein trostreich für alle arme sunder. ep. 
des proph. Jesaia, (1526). Ej'; auff das 
yhr viel zu dem gnadenreich komen, der er- 
lösung teilhafftig werden, deudsch catech, 
(1529). Qiiij^; du must das gnadenreich 
kindlicher weise also fassen, das gott habe 
durchs euangelion einen newen grossen lümel 
vber vns, die wir gleuben, gebawet, das heisse 
der gnadenhimel. der \\1 . psalm. (1530). 
Fij ^ ; fluchen vnd verfolgen widder das liebe 
gnadenreich treiben, ebend. Gj^. 

finadenspmch, m. gnade zusagender 
Spruch, verheiszung : also sind im alten te- 
stamentneben den gesetzen etliche verheissung 
vnd gnadensprüche. Bindseil 1, 304. 

Üiadenstaidy m. doch ist das auch klar, 
das er yhn wiedder zu gnaden nimpt, erbar- 
met sich vber yhn vnd gäbe yhm eine gnedige 
absolution vnd bracht yhm widder ynn den 
gnadenstand, vber das erste buch Mose. 
(1527). Jij''. 

ünadenstnhl (gnadenstuel , gnadenstul), 
gnadestiel {von den Juden. 1543. Tiij"), 
m. der deckel der bundeslade als thron des 
gnade und Vergebung spendenden goltes, 
n'nte, LXX : llaar'^Qioy , vulg. propitia- 
torium: du solt auch einen gnadenstuel ma- 
chen von feinem golde. 2 Mos, 25, 17 ; vnd 
solt den gnadenstuel oben auff die lade thun. 
v. 21. von Christus f dessen vorbild die 
kapporeth war: welchen gott hat furgestellet 
zu einem gnadenstuel. Rom, 3, 25; darumb 



lasset vns hinzu tretten mit freidigkeit zu dem 
gnadenstuel {d-Qovog ttjg ydQirog), Hebr. 
4, 16; denn so leret mich die schrifft, das 
gott den menschen zween stule gestellet habe, 
einen rechtstul für die so noch sicher vnd 
stoltz sind vnd jre sunde nicht erkennen noch 
bekennen wollen, vnd einen gnadenstul für 
die armen blöden gewissen , die jre sunde 
fulen vnd bekennen, für seinem gericht ver- 
zagen vnd gerne gnade betten, summa des 
Christi, lebens, (1533). Diiij^ 

ünadeirelk, n. die leute, welche allein 
aus gnaden gerecht und selig werden wol- 
len, gegensatz von gesetzvolck, werkheiligen : 
das ander volck ist gnadenvolck ... das sind 
die, so nach dem heiligen euangelio mit dem 
geist verzeichnet werden, wie Paulus zun 
Römern schreibt, vertrawen auff Christum 
nicht auff werck. vber das erste buch Mose. 
(1527). piiij^ 

Ciadeprediger^ gnadpredigcr^ m. 1) 
Prediger der in Christo erschienenen gnade, 
gegensatz von gesetzprediger : ein gesetztrei- 
ber dringet mit drewen vnd straffen, ein 
gnadeprediger locket vnd reytzet mit erzeygter 
göttlicher gütte vnd barmhertzigkeyt. post, 
(1528). 252*. 

2) was ablaszprediger : dise vnd dergley- 
chen sprüch prediget kein gnadprediger gerne, 
hören sie auch nicht gerne ynn das volck 
bringen, denn daraus folget, das das ablas 
niemant not ist. eyn serm. von dem ablasz. 
(1520). Diiij*. 

Cnadcreich, s, gnadenreich. 

Cnadgicrig (gnadgirig), begierig nach 
gnade: die durchs gesetz beschweret, tödtet 
vnd gnadgyrig worden seyud. auff das vbir- 
christl, buch, (1521). Fj*; die selb demut 
macht dich recht gnadgyrig (post, 1528. 
78'': gnadgirig) vnd heylsuchtig. ausleg, der 
ep. vnd euang, vom christag, (1522). Dij'. 

Cnadgierigkeit (gnadgirickeit), f, die be- 
gierde, das verlangen nach gnade : wo aber 
solch demutig gnadgyrickcyt ist, da ist der 
gnaden die thur auffgethan. ebend, Dij '. 

Cnadherr, s. gnadeherr. 

Gaädig (gnedig, vereinzelt auch noch ge- 
nedig, z. b. vber das erste buch Mose, 1527 . 
ej'; q iij"), bamü^ertzig , wohlwollend. 



GNÄDIG 



145 



GNATZIG 



gwulig, mhd. genaedec (Beii. 2, 343 ^ Le- 
xer S50), ahd. kanAdtc (Graff 2, 1028). 

a) von personen : herr, herr, goll bariri- 
hertzig vnd gnedig. 2 Mos» 34, 6 ; du bist 
ein gnediger vnd barmhertsiger gott. Neh. 
9, 31; der gnedige vnd barmherlzige herr. 
ps. 1 1 1 , 4 ; so wirstu vnd deine söne einen 
gnedigen köntg haben. 1 Maee. 2, IS; so 
seit jr einen gnedigen herrn an jm haben. 2 
Mace. 7, 24; Mkd jhn lassen ein gnedigen 
fursten finden. deWetie br. 2, 381. 

h) von sacken : es ist eine gnedige zeyt, 
darynnen gott seinen zom abwendet, eylel 
liebe vnd lust vnd wolgefallen hat an vns wol 
zu thun. post, (1528). 31S''; ich hab dich 
erhöret zur gnedigen zeit. Jes. 49, 8; zu 
predigen ein gnedigs jar des herrn. 62, 2 ; 
vnd wil mein gnediges wort vl)er euch er- 
wecken.' Jer, 29, 10; gnedige zusagung. 
serrn. von dem ablasz. (1520). Cij**; eine 
sanfTte, gnedige straffe, vber das erste buch 
Mose. (1527). Mj**; gnedige gaben go lies. 
der 147. psalm. (1532). Ciüi**; gotles 
gnädiger, guter wille. de Wette br, 6, 221; 
ere sey got im höchsten, frid der erden, gne- 
diges wolgefallen den menschen, von den 
gutten werchen, (1520). Biij*, varzu.Luc. 
2, 14; gnädige frist. de Wette br. 5, 185; 
ein gnädigs antwort. ebend. 3, 371. 

c) gnädig sein, werden mit dat.: gott sey 
dir gnädig mein son. 1 Mos. 43, 29; wem 
ich aber gnedig bin, dem bin ich gnedig. 2 
Mos. 33, 19; das du vnser missethat vnd 
Sünden gnedig seiest. 34, 9 ; gott gab Da- 
niel, das jm der oberste kemerer günstig vnd 
gnedig ward. Dan. 1 , 9 ; szo were eyn hoff- 
nung, das vns gott eyn wenig gnediger 
wurd. ausleg. der ep. vnd euang. vom 
christag. (1522). sssj^ 

d) als epitheton adelicher, fürstlicher 
personen : die gewaltigen heisset man gnedige 
herrn. Luc. 22, 25; meyn gnediger herr 
graff. eyn sendbr. ob auch yemand etc. 
(1522). Aj**; gnedigister herr vnd fürst. 
imginalbr. v.J. 1517 im ges. archiv zu 
Weimar, reg. N. 108. 41; — vnser gne- 
digen fraweii Sibilla hertzogin zu Sachsen. 
oeconomia ehrisUana. (1529). Aij*; vnd 
die weisen giengen wider zu der königin vnd 

Dnrz, W6rterbaclL. IL 



sprachen zu jr, gnedige fraw. vom schem 
hamphoriu, (1543). BjV 

faMigllck (gnediglich), gnediglichen [vber 
das erste buch Mose. 1527. yj''], adv. mit 
mneigungt wohlwollend, mhd. gensdecltche, 
-en (Ben. 2, 344*. Lexer 851): sihet sie 
gnediglichen an. euang. vim den izehen aus^ 
setzigen. (1521). Diiij"; du wolltist dieszen 
N. genediglich ansehen, das tauf bü^lin. 
(1523). a iij'*; vnd der herr sähe gnediglich 
an Habel vnd sein opffer, aber Kain vnd sein 
opffer sähe er nicht gnedigUch an. 1 Mos. 4, 
4. 5 ; also wU ich mich gnediglich annemen 
der gefangenen aus Juda. ier. 24, 5; du 
wolltest deine magd gnediglich hören. Jud. 
11,4; hilff mir gnedigUch. 13, 6 ; gnediglich 
straffen. 2 Maec. 10, 4; gnediglich vnd 
sanfft regieren, st. in Esther 1, 2; gnedig- 
lich trösten, von den Juden. (1543). Yiiij''; 
gnediglich vermanen. an den kurfürsten zu 
Sachsen. (1545). Cüj '' ; e. k. f. g. wird sich 
wol wissen gnädighch gegen ilim zu halten. 
de Wette br. 3, 416. 

fiiaijul^r, s. gnadejunker. 

CnaüUSj ohne gnade, mhd. geni)ldel6s 
{Ben. 2, 344'*. Lexer 851): szo ist nu das 
erst bösz stück aller menschen, das sie got- 
losz, heyllosz, gnadlosz seynn. ausleg. der 
ep. vnd euang. vom christag. (1522). Biij* ; 
ich möcht gerne, das man sie nennet gnadlose, 
denn darumb spricht Paulus, das die heil- 
wertige gnade sey erschienen den gnadlosen 
menschen. post. (1528). 73''. 

UmsiifTtiigtTf s. gnadeprediger. 

flBadreichj s. gnadenreich. 

Cnali, m. ein hautausschlag, schorf mhd. 
gnatz (Ben. 1, 552 \ Lexer 1041): wolt 
gern seinen bösen grind vnd gnatz an mir 
abreiben, die kl. antwort. (1533). Gj*; 
seinen grind vnd gnatz zu reiben, wider 
Hans Worst. (1541). Ai}\ — vgl. Vil- 
mar idiot. 131. 

finatf e^ f L. gnetz und genetz, dasselbe : 
das gesetz vber die beulen gnetz vnd eiter 
weis. 3 Mos. 14, 56 ; ein grind odder genetz 
am leib, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. 
(1532). Giij*. — die etymologie dieses wie 
des vorhergehenden Wortes ist noch dunkel, 
vgl. Weigand wtb. 1, 449. 

Unatiig (gnetzig), mit dem gnatze 5e- 

19 



GNÄTZICHT 



146 



GOLDFASTEN 



haftet: kretzig, gnetzig vnd vnreia. vier 
predigten, (1546). Liij^ 

üiitridil (gnetzicht), dasselbe: hastn aber 
brieff vnd siegel < . . so mus dirs werden, ob du 
schon grindicht, gnetzicht (der originaldruck 
hat gnetzischt, ein Baseler naehdruck : gne- 
tzisdi, ein Nürnberger : kretzischt), stinckend 
vnd auffs vnreinest werest. Jen, 1» 311". 

Snaw, fßvwtf s, genau. 

UntU, s, gnätze. 

fiietiicht^ gB€tiischt> s. gnätzicht. 

Itntlie, m.yyiMfiri, sententia: wir wissen 
aber, das Christus fleisch nicht kan vnter den« 
Spruch gelioren (was aus fleisch geboren ist 
das ist fleisch) wenn es gleich zehen mal ein 
gnome were ... es thut nichts zur Sachen, das 
ein gnome ist. vom abendmal Christi. 
(1534). niij". 

Cnng^ gnigde^ gniige, gaogeii^ gnagiS' 
gMOgsaii^ gnigsaMlich, gnagthner^ gnag- 

IhoD, goigthniog, s. genug, genügde, ge- 
nüge, genügen, genügig, genugsam, genugsam- 
lieh, genugthuer, genugthun, genuglhuung. 

ÜöekelHaDiilelii (göckelmcnlin), n. md, 
nebenform von gaukelmännlein (s, d,): als 
were er {sc, gott) ein narr oder göckelmenlin, 
dem es kein ernst were mit seinem drewen. 
vermanung zum gebet, (1541). Aij •'. 

Saekelnarr, m. gaukelnarr, narr: gerad 
als musten die Deutschen für allen Christen 
aufl* erden des bapsts vnd romischen stules 
gockelnarn sein, an den christl. adel. 
(1520). Fiij-. 

Cockea, ructare, vomere: wenn sie widder 
komen von des teufTels altaren, so komen sie 
her zum heiligthum des herrn mit vnfletigen 
henden die noch stincken vom opffer geruch 
vnd göcken noch von der giß'tigen speise der 
götzen. das diese wort, (1527). piij"; vnd 
hofle, solch lestermaul sey nu ein wenig ge- 
stopfl't, wie wol noch ethcbe mucken vnd 
göcken. von den scMüsseln, (1530). Biiij'*; 
ein stanck dafür man speien vnd göcken 
müsse, ein brief an den ertzbischof zu 
Meintz, (1530). Bij''; die Juden sinds so 
satt, voll vnd truncken, das sie göcken vnd 
vbergehen. ein serm, von dem haubtman zu 
Capemaum. (1535). Ciijs vgl, köcken. 

Mckler, m^gaukler: das ich sie für meine 



stocknarren vnd göckler habe, auf des königs 
von England lesiersehrift. (1527). Aij^ 

Sag, nom. prop, 1) fürst des Volkes 
Magog, Ezech. 38 u, 39. 2) offenb. Joh. 
20, 8 wird Gog als ein besonderes volk 
neben Magog genannt, — L, verstand unter 
Gog die Türken: Gog das sind die Türeken, 
die von den Tattern herkomen, vnd die roten 
Juden heissen. gl. zu offenb, Joh, 20, 8. 

SoM (golt, gollt), n. aurum, das edelste 
metall, mhd, golt (Ben, 1, 553*. Lexer 
1046), ahd, gold {Graff 4, 194), goih. 
gul|) : dasselbs findet man gold vnd das gold 
des lands ist köstlich. 1 Mos, 2, 11. 12; 
Abram aber war seer reich von vieb, silber 
vnd gold. 13, 2; vnd vberzeuch sie (die 
Stangen) mit gold. 2 Mos. 25, 13 ; vnd soll 
zween cherubim machen von tichtem golde. 
v, 18; gedigen gold. zwo hochzeitpredigten. 
(1535). Cij'; man sol den deutschen narren 
das golt ableckern. von dem bapstum, 
(1520). Aiiiji*; die sonne so schier scheinet 
aufT einen kot vnd vnflat als auff gold. der 
101. psalm, (1534). Mj^ vergleichend 
und bildlich : vnd schlieszen, das der ehestand 
gollt vnd der geystlich stand dreCk ist. da^ 
l.cap.Cor. (1523). Dij"; der allmechtige 
wird dein gold sein. Hiob 22, 25. aus gold 
gemachtes, Schmucksachen: wer hat gold, 
der reiss es abe vnd gebs mir. 2 Mos. 32, 
24 ; welcher geschmuck sol nicht auswendig 
sein mit harflechten vnd gold vmbhcngen. 1 
Pet. 3, 3. 

Saldberg, m. goldbergwerk, mhd, goltb6rc 
(Lexer 1047): darümb ist kein goldberg 
noch sylberberg ynn einem lande diesem schätz 
(einem frommen pfarrer) zuuergleichen. der 
82. psalm. (1530). Cüj'*; alle sQber vnd 
goldberge, ein widderruff vom fegefeur. 
(1530). Aiij''; er hat auch silber vnd golt- 
berge unendlich viel, wider den wucher, 
(1540).. Mj*. 

Saldea, aureus, s. gülden. 

Saldfarb, wie gold aussehend: so werden 
die fittiche der tauben vber sylbert seyn vnd 
yhre flugel goltfarb. ps. 68, 14 var, — 
mhd. goltvar {Ben. 3, 237''. Lexer 1050). 

fioldfastea, f. quatemberf asten, mhd. 
gollvaste {Ben. 3, 278*. Lexer 1050): die 



GOLDGEWICHT 



147 



GÖNNEN 



vier goldfasten odder notfasten. das 5. 6. 
vnd 7 rcap. s. Uatlh. (1532). kij". 

teMgewickt, n. das zur ermiUelung der 
sdiwere des goldes übliche gewicht: gold 
nach dem goldgewicht. 1 chron. 29, 14. 

teMgiMei^ m. eine goldmünxe, mhd. 
goltguldin (Lexer 1048): sie hat mir auch 
zween stürtzbecher vnd hundert goldgulden 
drinnen geschenckt. Burkhardi briefw. 
289. 

Mttau^ n. ein hauSj worin gold auf' 
hewahrt wird : da sind löhrheuser, heulheuser, 
doch auch goldheuser, silberheuser» kleinot- 
heuser. Bindseil 7, 382. 

MdUümpcn^ m. aitrt massa : hab ich zu 
den goldklumpen gesagt, mein trost? Hiob 
31, 24. 

teMlMkj n. : Franckfurt ist das sylber 
vnd goltloch, da durch aus deutschem land 
fleusst, was mir quiUet vnd wechst. von 
kauffshandlung vnd wucher. (1524). Aiij*. 

toMschmicil (goldschmid), m. aurifex, 
goldarbeitery mhd. goltsmit {Ben. 2, 427*. 
Lexer 1049): da nam seine mutter zwey 
hundert silberling vnd thet sie zu dem gold- 
schmid. rieht. 17, 4 ; Harhaja der goldschmid. 
Neh. 3, 7 ; der son des goldschmids. v. 31 ; 
an der ecke zum schafthor baweten die goid- 
schmide vnd die kremer. v. 32; der gold- 
sdimide fewr ist wasser gegen diesem feur 
(das fegfeuer). ein widderruff vom fegefeur. 
(1530). Ciüj^ 

ttolifttick^ ein stiick goldes : das ein man 
theurer sein sol denn fein gold, vnd ein 
mensch werder denn golds stücke aus Ophir. 
Jes. 13, 12. 

Mdsflcht, f, goldgier: jr ist gar wenig, 
die solche goltsucht in jnen selbs mercken vnd 
erkennen. Jen. 1, 287". 

l2«Mwage; f. statera auraria, mhd. golt- 
wAge (Lexer 1050) : die weisen bewegen jre 
wort mit der goldwage. Str. 21, 27 ; warumb 
wegestu nicht auch deine wort auff der gold- 
wage? 28,29; ich mus bleiben yn der 
theologischen einfalt vnd der krummen vnd 
theuren wort, so auf der goltwagen ligen 
müssen, mich enssern. Burkhardi briefw. 
362. 

fioMwerk, n.goldarbeit, goldsachen, mhd. 
goltwSrc (Lexer 1050): der auslendische 



kaufTshandel, der aus Kalikut vnd Indien vnd 
der gleychen wahr her bringt, alls solch kost- 
lich seyden vnd golltwerck. von kauffshand' 
lung vnd Wucher. (1524). Aij''. 

(•Ualklsck^ grosxmäuUg: dein goliatisch 
lestemn. auff dfu vbirchrisU. buch. (1521). 
Füij^ 

f}«ii«ry "ntalK ein hebr. masx für trockene 
dinge, welches den zehnten iheil eines epha 
beträgt. 2 Mos. 16, 16. 18. 22. 32. 
33. 36. 

f}0M«rr€r, Hnwohner von Gomorra. 
Malth. 10, 15. 

einen (gönnen), gimen^ mhd. gunnen, 
günnen, d. i. g'-unnen (Ben. 1, 23". Lexer 
1119), ahd. (selten) ^imnan(Gratfl, 271). 
susammenges. aus dem präfix gi (=^ge) und 
ahd. nnnan («■ gestatten, gewähren), vgl. 
Weigand wtb, 1, 450. L. hat noch im 
praes. ind. ich, er gan neben ich günne 
(urspr. conj.), er gönnet, (gönnet, günnet) ; im 
praet. gelten die formen gönnete und (mit 
euphonisch eingeschobenem s) gönsle, gunste 
(vgl. beginnen), part. gegönnt, gegonnet. 

1) gern sehen, dcu* Jemand gutes oder 
Übels zukomme, et es habe, stets mit dat. 
der person. a) mit. gen. der sache : ich gan 
yhm solcher stäupe des reweis wol. von ehe^ 
scuihen. (1530). Dij"; ich gan yhn (t'Anen) 
der ehren fast wol. vom kriege widder d T. 
(1529). Giiij^; da gan ich jnen der ehren. 
Jen. 1, * iiij". b) öfter mit accus. : derhalben 
bitt ich alle meyu freund vnnd feynnd, woll- 
ten myr noch frid vnnd rüge gonnenn. ma^ 
nuscr, zu L.'s erbieten auf der bibl. zu 
Gotha cod. Chart. 379 pag. 9; ich gähn dyr 
guttis. ein sendbr. an bapst Leo X. (1520). 
Aiiij*; ich günne yderman guts. post. (1528). 
235**; die (Juden) uns eben so viel guts 
günnen als jr vater der teufel. von den Juden. 
(1543). gij**; ich gan euch ia keyn vbels. 
zwey keyserlich gepot. (1524). Aij'^; so 
mir gott das leben gan. ein widderruff vom 
fegefeur. (1530). Aüj**; dem yederman 
feind ist vnd nicht die brodrinde günnet. 
vber das erste buch Mose. (1527). Kkiij*; 
der niemand kein böses günnet. das 5. 6. 
vnd l.cap. s. Matth. (1532). Qiüj^; das 
er jm bette ein bund stro gegeben odder die 
brosamen vnler seinem tisch gegonnet. ebend. 

19* 



GÖNNER 



148 



GOTT 



Gij*; dem er doch die rinden vnd kromen 
nicht gönnet, die vnter seinen tisch fnr die 
hnnde fielen, vfider den wueher, (1540). 
Kiij ^. c) mit nachfolgendem salze : ich gan es 
auch s. Peter, das er eyn edler gelied sey denn 
ich. ep. vnd euang. vom chrUtag, (1522). 
Eiiij*; rhümen vnd frewen müssen sich, die 
mir gönnen, das ich recht behalte. p<.35,27. 

2) gestatten, gewähren, zulassen : was 
mir gott gönnet, sol myr s. Peter nicht weren. 
das 7. cap. Corinlh. (1523). Cj^; wers 
besser machen kan, dem ists wol gegonoet. 
Bindseil 7, 327. mit inf, mit zu oder nach- 
satz mit dasz: sie {die perserkönige) yhn 
{den Juden) gunsten, widdermnb die stad 
Jerusalem zu bawen. der proph, Saeharja, 
(1528). Tij*; gönne mir, das ich {yar, lasz, 
das ich) mich an dir ergetze. Phüemon 20 ; 
weyl er szo mechtig ist die wort tzu ver- 
endem, wollen wyrs yhm gern gönnen, das 
er messe kalbskopff odder eselskopff heysse. 
aniwort deutsch. (1522). Ej*'; vnd mns 
dirs gönnen, das du mich angreiftest vnd 
kratzest, der 110. psalm. (1539). Kj^ 

CoMCE^ m. fautor, nihd, gtinner, gunner 
{Lexer 1119): alle gonner, auffhalter vnnd 
ruckhalter derselbigen. hulla cene domini. 
(1522). Aiiij^; enthaltem, furschiebern, 
gönnern (sc. Luthers), zwey key serlich ge» 
pol. (1524). Cij*. 

^•■8t; f.'favor, gewogenheit, md. neben* 
form von gunst (w.m.s,): gonst {ist) besser 
denn silber vnd gold. spr. 22, 1 ; schäme 
macht grosse gonst. Sir, 32, 14; gonst der 
weit. gl. zu spr. SaL 21, 4 ; sein datum auff 
der weit gonst setzen, das 17. cap. s. Joh. 
(1530). Nj*, wer ein Christen ist, der mus 
sich aller wellt gonst . . . verzeihen, ehend. 
Sj * ; aufif das der frume adel deste mehr gonst 
bey gott vnd seinen Christen gewönne, der 
111. psalm. (1530). Aiiij ^ ; ich wolte euch 
gern gegen ewr liebe vnd gonst, mir erzeigt, 
danckbar erzeigen, das schöne confitemini. 
(1530). Aij"; vnd solche freundhche vnd 
gnedige gonst beweiset er vber alle masse 
reichlich, ebend. Aiiij*. 

Sönsdgy gewogen, geneigt: gonstig vnd 
vnterthenich. das Jhesus Christus ein ge- 
borner Jude sey. (1523). Dij ^ ; gonstig vnd 
geneigt, der proph. Sacharja. (152S). 



Piiij*; freundlich vftd genstig. sufnma des 
chnsU. lebens. (1533). Büi]**; der glaub 
macht das er (gott) gönstig ist, poH, (1 528). 
277'. — in titeln: mdnem gonsUgen herm 
vnd freunde, von den Schleichern, (1532)» 
Aij*. vgl. günstig. 

üöistigUdi, gonstigUche, adv. mit gunst, 
wohlwollend, gnädig: wo^et mir solch schrift 
gÖnstiglich zu gut halten, de Wette br. 3^ 
419; so bitte ich wollet yhm gonstigtich 
foderung thun. ßurkhardt briefw. 223; 
wollet diesem Cuntz Pfeilschroid gonstigliche 
forderunge erzeigen, ebend. 269. 

^•rgely f. jugulum, kehle, gurgel: las vns 
dem schalck an die gorgel. das ander teyl 
Widder d. hymL Propheten. (1525). Nj^ 

Strgektecher, m. jugulator, der einem, 
die gurgel absticht, das leben mmwu, m 
folgender stelle bezeichnung eines Wucherers, 
der andern das vermögen, den lebensunter-^ 
halt, entzieht: solche fynantzer heyst man 
gorgelstecher odder kelstecher. von kauffs- 
handlung. (1524). Dj*. 

^•rgebnppe, f. durch erbrechen von sich- 
gegebene speise: die sew, die doch seine (des 
trunkenbolds) gorgelsuppen vmb yhn her 
fressen, der proph. Habacuc. (1526). ij^ 

Üorre, f. bei L. m., schlechtes pferd: er 
gab mir hund vmb hund, gaul vmb gorren 
gut gleich so viel als er gab mir einen hund 
vmb ein hund, einen gaul vmb einen gorren. 
vom abendfnal Christi. (152S). mj^ — 
mhd. gurre (Ben. 1, 592**. Lexer 1124). 
vgl. auch Vilmaridiot. 141. Schmeller 
l^ 932. 

Surren, gurren, vom knurren im bauche: 
so sehen nu die kinder Israel nur auff den 
bauch, wie der gorret. Eist. 1, 367 •*. 

S«8l, m. effusio, mhd. goz (Ben. 1, 541'*. 
Lexer 1063): die gösse des meeris (vulg. 
effussiones maris). 2 Sam. 22, 16 var. 

S«tt (got. grund vnd vrsadh. 1521. 
eiiij'O* ^' äeuSy mhd. got (Ben. i, 555*. 
— 557 ^ JLea?er 1051 — 1053), ahd. got, 
cot (Graf 4, 146—149), goth. guj). 

Ueber die etymologie des wortes ist man 
noch nicht einig (vgl. jedoch Lexer a. a.o.); 
zu den adj. gut, wovon es schon L. her* 
leitete (daher auch achte ich, wir Deudschen 
gott eben mit dem namen von alters her nen- 



ÜOTT 



149 



GÖTTEREI 



nen, feiner vnd artiger denn kein andere 
sprach, nach dem worüin 'git' als der ein 
ewiger quellbrun ist, der sich mit eitel gute 
vbergensset vnd von dem alles was gut ist 
vnd beisset ausfleust. deutsch caieeh. 1529. 
Biij ^), gehört es ohne Zweifel nicht, 

formen, 

der gen. sg, tontet m den früheren 
»Triften L.*s in der regel gottis» gotis (vmb 
gottis willen, serm. van der bereitung tum 
sterben. 1519. aji*; von gottis gnadenn. 
wider die bullen des endchrists. 1520. 
Aiij*; gottis wort, von der beicht, 1521. 
iij*; gottis werck. von begder gestalt. 
1522. Bj'; die matter gottis. das Jhesus 
Christus etc. 1523. Aij*; gottis gnade, das 
7. cap.Cor. 1523. Aij^; gotis gericht. das 
taufikuMein. 1523. biij*), später gottes» 
öfters auch gotts (golts wunder, widder d. 
hywU. Propheten. 1525. Diiij*; gotts Ord- 
nung, vermanunge zum fride. 1525. Biij*; 
der gotts beraubt ist. ep. des proph, Jes. 

1 526. Aiiij *-; gotts wort, das diese wort etc. 

1527. c j'; von der rechten gotts. ebend. 
h ij ' ; ynn gotts namen. ob kriegsleute etc. 
1527. Giij*; gotts gewalt. vom abendmal 
Christi. 152S. rij^; von gotts gnaden, eine 
bericht. 1528. Cij*). im dat. sg. begegnet 
noch häufig die voUe form gotte (x. b. ps, 
49, 8; Matth. 22, 21; ap. gesch. 5, 4; 18, 
13; JImn. 6, 10. 11. 13; 8, 8; 1 Cor. 14, 
2. 28 u. a. St.). statt des gewöhiUichen pl, 
götter begegnet anfangs noch einige mal 
gotte (x. b. du solt mit yhren gölten keinen 
band machen. 2 Mos. 23, 32 in der ersten 
ausg. der fünf büeher Mosis). 

gebrauch. • 

1) allgemein: ein gott nicht anders ist, 
denn das, darauff sich das menschlich hertz 
verlesst, vertrawet, gleubt, hoffet vnd liebet, 
ist nu die zuuersicht recht, so ist der gott 
auch recht, ist die zuuersicht falsch, so ist der 
gott auch nichts. Bindseil 7, 383; ein gott 
beisset das, dazu man sich versehen sol alles 
gui&k vnd Zuflucht haben ynn allen nöten. 
deudsch catedk. (1529). Bj*. 

2) vom wahren gott, wofür nur einige 
MbelsteUen als belege anzuführen genügen 
mag: am anfang schuff gott himel vnd erden. 
1 Mos. 1, 1; der allmechtige gott. 17, 1; 



der ewige gott. 21, 33; der starke gott 33, 
20 ; der lebendige gott. 5 Mos. 5, 26 ; der 
grosse vnd schreckliche gott. 7, 21; der 
hohe gott. Micha 6, 6; der höheste gott. 

1 Mos. 14, 19; gott des himels vnd der 
erden. 24,3; der gott Abraham. 31,53; 
der Ebreer gott. 2Jfo«. 3, .18; der gott 
Israel. 24, 10; der gott Jacob, ps. 46, 8; 
gott der herr. 1 Mos. 2, 4. 7 u. öfter; gott 
Zebaoth. ps. 80, 8. 

3) vom faUehen gott^ abgott, götze, in 
welcher bedeutung neben dem sg. auch der 
pl. gebräuchlich ist: weil die schrifft ge- 
schehen lesst, das die götzen auch götter 
heissen. Bindseil 7, 383; warumb hastu 
mir meine götter gestolen. 1 Mos. 31,^30; 
thut von euch die frembden götter? 35, 2; 
du solt kein ander götter neben mir haben. 

2 Mos. 20, 3 ; (die kinder Israel) machten 
jnen Baal Berith zum gott. rieht. 8, 33 ; der 
gott Camos. 11, 24; der golt Dagon. 16, 
23 ; der gott Maosim. Dan. 11, 38 ; welchen 
der bauch jr gott ist. PhiL.3, 19; der gott 
dieser weit (d. t. der teufet). 2 Cor. 4, 4. 

4) von den magistratspersonen als gottes 
Stellvertretern : die schrifft frum gotfurchtjge 
fursten nennet engel gottis, ia auch gott er. 
das magnificat. (1521). aij*; so bring jn 
sein herr für die götter. 2 Mos. 21, 6; den 
göttern soltu nicht fluchen. 22, 28 ; stehet 
nicht geschrieben in ewrem gesetz , ich Iiab 
gesagt, jr seid götter? Joh. 10, 34. 

5) eliptische redensarten» gott gebe, es 
sei der fall, es sei: gott gebe der selbige leib 
sey hültzern sylbern odder wie er wil. vom 
abendmal ChrisU. (1528). oiij**; gott gebe, 
sie riditen recht odder vnrecht. von ehe^ 
Sachen. (1530). Kj ^ ; gott gebe, die pforten, 
thor vnd fahne sey hultzen odder eisern, von 
Jhesu Christi. (ibZS). Jiij*. — golilob, gott 
sei lob ! ich kan noch wol, got lob, vbirs grasz 
lauffen. vondembapslum zu Rome. (1520). 
Eij ^ ; wir wissen (gott lob) wol, wem Heintz 
mit seinem meuchelmordbrennen dienet, toi* 
der Hans Worst. (1541). Niiij ^ ; des gassen- 
gehens vnd nachtgeschreys ist ja, gott lob I 
nicht sonderlichs wie es vor Zeiten gar gräu- 
lich gewest. de Wette br. 4, 694. 

Cotterei; f. gottesdienst: etwas das göt- 
terey odder gottesdienst nicht angehet, wider 



GÖTTERN 



150 



GOTTESDIENST 



die hyml. prophelen. (1525). Bij ^ ; welche 
ist die rechte götterey odder gottesehre. das 
5. 6. vnd 7. eap. s. Matthäi. (1532). o ij^ 
vgl. abgötterei. 

Sdtteniy göUliche kraft und art ver- 
leihen: so du mein fleisch ergreiffest, so er- 
greiffest du nicht schlecht fleisch vnd blut, 
sondern issest vnd trinckest fleisch vnd blut 
das göttert, das ist es gibt die art vnd krafilt 
der gottheit. EüL 2, 190% 

ÜbtUfüf gÖUlieh: wie ich sage von einem 
menschen bild das ist ein hültzen odder 
steynern bild, also sag ich Christus ist ein 
göltern bild, das so war als yhenes bild holtz 
ist, so war dis bild gott. posL (1528). 105*; 
ein göttern glantz vnd ein göttern bilde. 
ehend. 105''; nicht ein pur mensdien, son- 
dern vermischt mit gott oder ein göttern 
menschen. Bindseü 7, 378. 

^•ttesarker^ m. hegräbnissiätte, todlen- 
hof: wir Deudschen von alters solche begreb- 
nis nennen gottesacker. ausleg, der ep. vnd 
euang. von ostem. (1544). FF 6'. 

Sottesaffe (gottsaffe), m. nachahmer gel- 
tes: dieser teufl^elskopff vnd vnfletiger gottes- 
afle wils jm nach thun vnd machts weit vber, 
dazu auch wider den rechten gott. Bindseil 
7, 379; der gottsaffe Satan, von den con- 
cilijs. (1539). iij*. 

Sottesdieb (gottsdieb), m. sacrilegus : du 
bist ein gottesdieb , denn gottes ist die ehre, 
die nemen jm alle werckheiligen. gl, zu Rom, 
2, 22; wer hat dir gottesdieb die göttliche 
macht gegeben zu vrteilen ander leute hertzen 
vnd sinn ? widder den meuchler xu Dresen. 
(1531). Aiiij^; rauben vnd Stelen als die 
gottsdiebe vnd schelcke. der 147. psaUn. 
(1532). Fij ^ ; so mus jderman sagen vnd be- 
kennen, das sie die grossesten gottesdiebe vnd 
kirchenreuber sind, von der winkelmesse. 
(1533). Giiij*; gottesdieb vnd kirchenreuber, 
ebend. Ciiij% Dj*; gottesdiebe vnd kirchen- 
reuber. wider Hans Worst, (1541). Jiiij*; 
der nam (priester) ist vnsz allen gemein mit 
aller seyner gewallt, recht vnd zuhorung, 
wilchs vnsz disze rewber vnd gottsdiebe gernn 
abreyssen wollten vnd yhn selb alleyn tzu 
eygen. ein widderspruch, (1529). A5^ 

Sottesdleberei^ f. sacrilegium: die weit 
thut jm doch nicht anders, sie ist des teufeis 



gar mit gottesdieberey vnd auffrhur. ausleg, 
der ep, vnd euang. von ostem. (1544). 
CG 6 ' ; das man den leien die eine gestalt des 
sacramenls . . . nimpt vnd raubt ... ist ein 
gantz grewliche gottsdieberey vnd teufelische 
tyranney. Jen. 8, 419*. 

^•ttcfidieier (gottsdiener), m. 1) culior 
dei, Verehrer gottes : pfu des gotts vnd des 
gottsdiensts, da der gott ein bilde ist vnd der 
gottsdiener ein meister ist des gotts den er 
dinheiet. der proph. Habacue. (1526). miij^. 

2) servus dei^ Seelsorger, geistlicher: 
zeuchstu dein kind das ein Seelsorger werden 
kan, da gibstu nicht einen rock, stifftest auch 
nicht ein kloster odder kirchen, du thust w^ol 
ein grössers, du gibst einen heiland vnd gottes- 
diener, der viel tausent seelen zum hymel 
helffen kan. oecon.chrisliana. (1529). Aüij". 

fiottesdieist (gottisdienst, gottsdienst), m. 
dei cultus, sacra, mhd. gotesdienst (Lexer 
1055 unter gotes): gottesdienst der leuiten. 
2 Mos. 38, 21 ; das wort, ich byn deyn gott» 
das mas vnd ziel ist, alles was von gottsdienst 
gesagt mag werden, vnd were nerrisch, das 
ich darunter wollt zihen ettwas das götterey 
odder gottesdienst nicht angehet, widder d. 
hyml. prophelen. (1525). Bij**; feyn were 
es, wo in eyner jglichen hirschafft der gotts- 
dienst auff einerley weyse gienge. deudsche 
messe. (1526). Aij"; die Juden sind nu 
fünffzehen hundel*t jar ausser Jerusalem im 
elende, das sie weder tempel, gottesdienst» 
priesterthumb noch furstenthumb haben, tot- 
der die sabbather. (1538). Aij**; — vnd 
wendet alle gulter dahyn als zum rechten 
gottisdienst. die ander ep. Petri. (1524). 
m j ^ ; solcher dunckel vns abfuret von gott 
vnd abwendet von rechtem gottsdienst. der 
proph, Jona. (1526). Ej"; im hause Israel 
(ist) falscher gottesdienst, aber Juda hei t noch 
fest an gott vnd am rechten heiligen gottes- 
dienst. Hos. 12, 1 ; die furcht des herrn ist 
der rechte gottesdienst. Sir. 1,17; frembde 
vnnütze gottesdienst. Jer. S, 19; ein nich- 
tiger gottesdienst. 10,8; vemünfltiger got- 
tesdienst. Rom. 12, 1 ; ein reiner vnd vn be- 
fleckter gottesdienst. Jac. 1, 27; die wissen 
vnd dencken nicht, was es für ein gros treff- 
lich ding vnd wie ein hoher gottesdienst es 
ist, den sie so schendlich verachten, summa 



GOTTESDIENSTLEIN 



151 



GOTTESKÄrNPFER 



des chrüU» lebens. (1533). Aiiij''; eusser- 
lichorgottesdienst. vher das erste buch Mose, 
(1527). Qqij*; mit viel opffern vnd der 
gleichen eusserlichen gottesdiensten. der 
praph. Sacharja, (1528). Cciiij^; noch 
können wir solchen leichten gottesdienst nicht 
thirn, was sollen wir denn thun jnn grossem 
vnd schvreren gottesdiensten, als da sind die 
zehen gebot halten vnd vmb seinen willen 
alles vbel leiden, der 147. psalm, (1532). 
Aiij*. — esheiss^eiuen gottesdienst anrichten, 
aufrichten, stiften, beschicken: vnd richtet 
einen gottesdienst an. BindseU 7, 305; weil 
jr einen andern gottesdienst anrichtet. Hos. 
4, 14; er riclitet den rechten gottesdienst 
wider auff. Sir. 49, 4 ; es ist nye kein volck 
so rauchlos gewesen, das nicht einen gottes- 
dienst auffgerichtet vnd gehalten habe, deudsch 
catech. (1529). Bij^ vnd sliiTlet für die 
seinen ein gottesdienst. weish. 14, 15; also 
ward der gottesdienst beschickt. 2 cAron. 35, 
10. gottesdienst pflegen: entweder sie wür- 
gen jre kinder zum opffer oder pflegen gottes- 
dienst, der nicht zu sagen ist. weish, 14, 23 ; 
ein jglicher priester ist eingesetzt, das er alle 
tage gottesdienst pflege. Hebr. 10, 1 1. einem 
(etwas) gottesdienst thun, erzeigen: so wil 
ich dem herrn einen gottesdienst thun. 2 Sam. 
15, 8 ; er ist ja besser denn das, dem er got- 
tesdienst thut. tveish. 15, 17; die da men- 
schen fleisch frassen vnd grewlich blut soffen, 
da mit sie dir gottesdienst erzeigen wollen. 
12, 6; welcher {der götUn Diana) doch 
gantz Asia vnd der weltkreis gottesdienst er- 
zeiget, ap. gesch. 19, 27 ; vnd jhren gottes- 
dienst müssen einem madensack vnd stanck- 
balg erzeigen, das schone confitemini. (1530). 
Hij^ 

S«ttCs4ieBsfleil (-lin), n. kleiner, ge- 
ringer, leichter gottesdienst : noch wil vnser 
fauler schelm nicht dran ao solch leicht lustig 
frölich wercklin vnd schönes gottesdienstlin. 
der 1 AI. psalm. (1532). Aiij'*. 

(•ttesfnrcht (gotufurcht), f. timor dei, 
pietas erga deum : wir habens zu scharff vnd 
spitzig gedeut, wenn die schrifft von gottes- 
furcht redet, das wir allezeit haben grosse 
vnterscheyd gemacht de timore fihali et serviU, 
aber auffs einfeltigst ists nichts denn gott mit 
dem hertzen ynwendig vnd mit auswendigen 



wesen dienen, wilches darynne stehet, das 
man yhn ynn ehren halte vnd sich für yhm 
schewe, thue vnd lasse nichts, on was man 
weys das yhm wolgefalle. vber das erste 
buch Mose. (1527). Xx iij * ; ich furchte gott 
von hymei ist auff ebreisch fferedt, denn gotts- 
dienst heyssen sie gottsfurcht. der proph. 
Jona. (1526). Fij*; ich dacht, vieleicht ist 
kein gottesfurcht an diesen orten. 1 Mos. 20, 
1 1 ; kein gottesfurcht bey jnen ist. p«. 36, 2 ; ' 
das mahl vnd freude hielten sie in gottesfurcht. 
Tob. 9, 12; siehe zu, das deine gottesfurcht 
nicht heucheley sey. Sir. 1, 34. 

Ooltesfirchtig (gottsfürchtig), religiosus, 
fromm, nur in den tischr. : Christen vnd gott- 
förchtige hertzen. 187*, in den übrigen 
Schriften und der bibel stets gottfürchtig 

(s. d.). 

^•ttesgtbe^ f. munus dei : denoch ist die 
ehe ia so wol eyn gottisgabe als die keuscheyt. 
das 7. cap. Cor. (1523). Ciij*. 

Stttesgebareili^ g^ttesgebarin^ f. die 

Jungfrau Maria als mutter Christi.: gotles- 
mutter oder gottesgebererin. von den con* 
cilijs. (1539). Sj*; Maria des kindes, so 
Jhesus Christus heisst, rechte natürliche mut- 
ter ist, vnd sie die rechte gottesmutter, gottes- 
gebererin. ebend. Siij*; Maria solle theotocos 
das ist gottesgebererin heissen. ebend. Tij"; 
vnd weiseten vns zu der lieben gottesgeberin 
Maria, zwo schöne predigten. (1537). Dij^. 

fiottesgerechtlgkelt^ f. gerechUgheit, die 
gott gibt und die vor gott gilt : durch den 
glawben synd wyr alleyne für gott rechtfertig, 
darumb auch der glawbe eyn gotlisgerecbtig- 
keyt heysset. die ander ep. Petri. (1524). 
a uj '. 

SotteshtM^ n. statte der gottesverehrung, 
kirche : dieser stein sol ein gotteshaus w^erden. 
1 Mos. 28, 22; vnd der man Micha hatte 
also ein gotteshaus. rieht. 17, 5; wie er 
(David) in das gotteshaus (1522: gottishaus) 
gieng. Matth. 12, 4; yhr habt Zachariam 
getödtet zwischen dem gotteshaus vnd dem 
altar. post. (1528). 135*; vnsere clöster 
vnd stifftkirchen nicht gottesheuser sind, vber 
das erste buch Mose. (1527). Ppij'. — 
nühd. gothüs {Ben. 1, 738 ^ Lexer 1055). 

SotteskiMipfer^ m. der mit gott kämpfte 



GOTTESKASTEN 



152 



GOTTESREGIMENT 



goUessireiter : Israel das ist ein gotteskempffer. 
eben4' bbj^ 

nuifi eeclesiaiiicum : der gotteskasten za Je- 
rusalem. 2 Macc, 3, 6; es taug nicht das 
wir sie in gotteskasten (var. gottiskasten) le- 
gen. Matth. 27/6; vnd Jhesus setzet sich 
gegen den gotteskasten vnd schawet wie das 
volck geld einlegte in den gotteskasten. 
• Marc. 12, 41. 

Iiotteskindi; n. Idnd gotles, gläubiger: 
gleich wie es des predig ampts werk vnd ehre 
ist, das es aus teuffelsdienem gotteskinder 
macht, das man Kinder zur schulen halten 
solle, (1530). Eiij*; die heiligen gotteskinder 
(ironisch von den Juden), von den Juden. 
( 1 543). i iij ^ ; Samariten sind falsche heiligen 
vnd feister vnter gotteskindern. gl. zu Sir. 
50, 28. 

Gotteslästerer (gotlslesterer, gottislesterer, 
gottlester), m. hlasphemus : der mörder vnd 
gotteslesterer Antiochus. 2 Macc. 9, 28; 
vnd verbrandlen die gotteslesterer. 10, 36; 
darauff redert man die gotlslesterer vnd gros- 
sen vhelthetter. 13, 6; du elender gottis- 
lesterer. von dem bapslum. (1520). Eij*; 
das ist eins narren rhum vnd eins gottlesters 
barbari danck. von den Juden. (1543). 
Aiiij**; so bin ich ein goltslästerer 15 jar ge- 
west. tischr. 104**; also leret dich das vater 
vnser zum ersten erkennen ... das du ein 
goUslesterer bist. Jen. 1, 75*. 

MteslästeriMih (gottslesterisch), goHes- 
lästerlich : gantz gottslesterisch vnd vberans 
schmehlich wider Christum gered. Jen. 8, 
420*; gottslesterische beuche vnd wenste. 
ebend. 8, 420''; gottslesterische vnd teuf- 
lische grewel. ebend. 8, 421'; gottslerische 
vnd abgöttische lere, ebend. 

(•iteslisterlich (gottslesterlich), blasphe- 
mus: das mügen sie dem bischoff zu Meintz 
dancke]|, der hats durch seinen gotteslester- 
lichen Detzel angefangen, wider Hans Worst. 
(1541). Liiij'; gottslesterlich volck. von 
den Juden. (1543). Ziiij^ 

Hottcfilistem^ blasphemare : gotteslestern, 
liegen , morden ... hat vber band genomen. 
Hos. 4, 2. 

Hotleslasternng (gottislesterung, gotts- 
lesterung), f. blasphemia : las die erschrecken 



für deinem starcken arm, die mit gottesleste- 
rung wider dein heiUges volck ziehoi. 2 Macc. 
15, 24 ; jtzt habt jr seine gotteslesterung ge- 
hört. Matlh. 26, 65 ; wie redet dieser solche 
gotteslesterung. Marc. 2, 7 ; die christliche 
kirche leydet solch schmach vnd gottisleste- 
rung nicht, antwort deutsch. (1522). Aij*; 
ehebruch, mord vnd gottslesterung. arti- 
ekel etc. (1538). Gj'; lügen vnd gotts- 
lesterung. von den Juden. (1543). Zj^; 
sagen, das das creutz mit /les bapsts wapen 
herrlich auSgericht vermöge so viel als das 
creutz Christi, ist eine gottslesterung. Jen. 
1, 5^ 
, fSiotUAüwtp 8. gotteslöwe. 

Sottedohn (gottslobn), m. (oder n. ? s. 
lohn), praemium divinum: keiser vnd fürsten 
kein grosser gottslohn verdienen kondten, 
denn so sie diese ketzerey ausrotten, das 1 6. 
cap. Joh. (1538). Ej^; es ist gnug, das 
wir vns mit Christo lassen an den backen 
schlahen, es ist aber nicht zu thun, das wir 
es loben sollen als haben sie wol daran ge- 
than vnd ein gotteslohn verdient. Jen. 1, 
317*. 

I2«tted6w€ (-lewe), m. Wwe gottes : Ariel 
(bM^"Tfii) heisset gotteslewe also heissen sie 
die stad Jerusalem vmb des willen, das sie 
durch gott mechtig war, aber nu sol er got- 
teslewe heissen, wider welchen gott streiten 
wil. gl. zu Jes. 29, 1 . 

l2oUesM€B8cli, m. homo dei: du gottes- 
mensch fleuch solches. 1 Tim. 6, 11. 

l>«tlesMntler> f. die Jungfrau Maria als 
fiittUer des sohnes gottes. beleg s, unter 
gottesgebärerin. 

HtttesprleslMr (gottispriester), m. priester 
gottes, geistlicher: ein gotispriester. an den 
bock. (1521). Aüj*; so begere ich von 
dem hochgeystlichen gottispriester. auf da^ 
vbirchristl. buch. (1521). Bij*; dem aller 
hochgelertisten trefflichen gottispriester . . . 
Hieronymo Emszer. eyn widderspruch. 
(1521). Aij*. 

fitttesreglMcnty n. imperium dei, gottes- 
herrschaft: vnd wo nicht gewalt solt vber 
recht gehen, so künde der teuflel der weit 
fürst nicht mehr sein vnd würde eytel gotts- 
regiment sein, der proph. Habacuc. (1526). 
cmj*. 






GOTTESSRBIGH 



153i 



GOTTHHIT 



feftesreichi n. da$ reid^ §oU$$: das ist 
der dritte spmch der schrüft ans dem xcvi. 
psahn gezogen, weldier kleriich Ton dem 
gotteweycfa saget posL (1528). 108^ — 
mhd. gotesrfche (Ben. 2, 694 *). 

i«ttCBMhi (gottesson), m. die xweUe per* 
$an in der gaUheit: dieser einige Tnd ewige 
gottesson. deudieh eateeh. (1529). Niiij^ 
— mM. gotessun {Ben. 2, 733*). 

IMt€8steitj 7* ctvfkM dei: Jerusalem du 
gottesstad. Tob. 13, 10. 

tottesstmfe» f. die ernste gottesstraffe. 
weiih. 12, 26. 

Mtesrerichter, m. eanlemior dei: er 
verachtet die gottesverachter. Jen. 1, 288^. 

MtenfenchtflMg, f. eontemUo dei: es ist 
besser geringe klugheit mit gottesfbreht, denn 
grosse kluglieit mit gottesverachtung. Sir, 
19, 21. 

tettcsfertickei, n. tentatio dei: solchs 
gebet eitel gottesversuchen ist. vom kriege 
Widder d. T. (1529). Cj^ 

€«tte8?erftielier; m. ten^atör dei: wer 
anders helt vnd die Christen durch gesetz 
oder eigen werck leret seUg werden oder 
gnade erlangen mägen, der sey ein gottes- 
Versucher, von den coneiHJs. (1539). Nj*. 

<l«tte8fers«€hnng5 f. tentatio dei: weil 
vns aber jnn gottesdienst nichts gebürt fur- 
zanemen on gottes befehl, vnd wer es für- 
nimpt das ist ein gottesversuchunge. von dol' 
metschen. (1530). Dj*. 

ftottesftlk, n. das volk Israel: du re- 
dest mit einem edlen, auserwelten, heiligen, 
beschnitten gottesvolck. von den Juden. 
(1543). Diüj*. 

üttteswerk^ n. werk, geschöpf gottes: eyn 
man ist auch edler denn eyn weyb, dennoch 
ist das weyb so wol eyu gottiswerck als der 
man. das 7. eap. Cor. (1523). Giij*. 

tetteswille, m. voluntas dei: der gute, 
der woIgefelUge, vnd der yolkomene gottes- 
Wille. Rom. 12, 2. 

<l«tte8W«rl (gottswort), tt. verbwn dei: 
was vns mehr denn gottiswort wirt furtragen. 
auff das vbirchristl. buch, (1521). Gij^; 
das heyUge gottswort. vier trosti. psalmen. 
(1526). Aij*; gottesdienst on gotteswort ist 
allezeit abgötterei. gl. xu Dan. 3, 11. 

ItottfftrMig, wie gott gestaltet, mhd. got- 

DiHTZ, Wörterlrach. IL 



formec (Ben. 3, 388 \ £0aperlO55): die 
gnad gottes macht yhn gottfermig vnd ver- 
gottet yhn. ausleg. der euang. an den für* 
nemtalMi fee$en. (1527). t8^; das sind 
den (<i0iiti) recht gottformige menschen. posU 
(1528). 91 ^ 

«•ttfifchiig (gottfurchtig), gottesßrehUg, 
piuB, reUgiosus. während die Wittenb. bi' 
beln die von L. aussehlieszUch gebrauchte 
form gottfurchtig bis tna 17. jh. beibeheUten, 
bieten süddeutsche ausgaben sch(m m 16. 
jh. gotlsfürchtig. vgl. gotteslürchtig. 

1) adj.: frum gotCurchtige fursten. das 
vmgnifieat. (1521). aij*; ich rede hie von 
den guthertzigen vnd gottfurchtigen menschen. 
von kauffshandlung. (1524). Bj*; Sacharja 
das volck wil zuuor frum vnd gottfurchtig 
machen, der proph, Sacharja. (1528). 
Fj*; die befehl ich frumen gottfurchtigen 
mennern. von ehesaehen. (1530). Giüj'; 
ein trewer man vnd gottfurchtig. Neh. 2, 7 ; 
ein heihg, gottfurchtig weib. Jud. 8, 24; 
eins fromen, gerechten vnd gottfurchtigen 
mannes son. Tob. 9, 9; halt dich stets zu 
gottfurchtigen leuten. Sir. 37, 15; der selb 
mensch war frum vnd gottfurchtig (1522: 
gottfurchtig). Luc. 2, 25; so jemand gott 
fürchtig ist. Joh. 9, 31; bey allen fromen, 
christlicnen , vernünfifÜgen , gottfurchtigen 
hertzen. artickel etc, (1538). büj^; das 
ist ein rechter gottfurchtiger glawbe. ob man 
für dem sterben fliehen müge. (1527). Gif; 
ein gottfurchtiger wille. Jen. 1, 79**. 

2) ^uft«!.: ein gottfurchtiger. Sir. 27, 12; 
der gottfürchtige. 33, 15 ; die gottfurchtigen 
fast auff die gebot achten, der propK Sa^ 
charja. (1528). Zij*; recht schaffen den 
gottfurchtigen vnd steuren den gottlosen. 
der%2.psalm. (1530). Giij *; wer die gott- 
losen nichts achtet, sondern ehret die gott- 
furchtigen. pa. 15, 4 ; er thut was die gott- 
furchtigen begeren. 145, 19; gib dem 
gottfurchtigen vnd eii>arm dich des gottlosen 
nicht. Sir. 12, 4. 

Cottgeflülgi gott gefallend: solcher got- 
gefelliger weg nit gefoddert ya vorhindert vnd 
furworffen wirt von den goUoszen. der 36. 
psdlm. (1521). Gj^ 

Mtkett^ f. 1) deitas, diviniUu, gött- 
liches wesen, mhd. ahd. gotheit, goteheit 

20 



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GÖTTIN 



154 



GOTTLOS 



(Ben. 1, 557 ^ Lexer 1054. Graff 4, 
153): die götzen sind nicht götter, sondern 
von menschen henden gemacht vnd ist keine 
gottheit ib jnen. Bar, 6, 50 ; gottes vnsicht- 
bares wesen, das ist seine ewige kra£Ft vnd 
gottheit. Rom. 1,20; in jm (Christo) wonet 
die gantze fülle der gottheit. Col. % 9 ; die 
gottheytt Christi, ausleg, der ep. vnd euang. 
vom chrislag. (1522). Qij^; also kanstu 
auch nicht die gottheit von der menscheit ab- 
schelen. vom ahendmal Christi. (1528). 
i ij * ; ich mus dem teufiel ein stündlin die 
gottheit gönnen vnd vnserm gott die teuffei- 
heit zuschreiben lassen, der 111. psalm. 
(1530). Gij*; er wil sie (die qbrigkeit) ab- 
setzen vnd die gottheit abzihen. der 82. psalm. 
(1530). Hj'*; darümb mangelt meiner lere 
nichts denn die gottheit des grossen gottes 
mammon. ein widderruff vom fegefeur. 
(1530). Fiij^ 

2) gott selbst, die heilige dreieinigkeit : 
ich bin gestern ym schos der gottheit gewest 
vnd kom jtzt vom hymel. vom abendmal 
Christi. (1528). hij*; mit Sabellio helt 
ers, das gott nicht drey personen sey, doch 
setzt er ein gezweiet in der gottheit. t?er- 
legung des alcoran. (1542). Biij*; die drey 
person ynn der gottheit. vber das erste buch 
Mose. (1527). Dij«. * 

Göttin» f» dea, mhd. gotin, gotinne (Ben. 
1; 558*. Lexer 1056), ahd. gutin (Graff 
4, 153): göttin Diana. 2 Macc. 1, 14; ap. 
gesch. 19, 27. 35. 37. 

Gottisch, göttlich: wie wol es so hübsch 
gleysset, das sie die gottischen (post. 1528 : 
göttischen) philosophi drob geheyssen sind. 
ausleg. der ep. vnd euang. vom christag. 
(1522). Siiij'; so werden nu durch diesen 
text (du solt kein ander götter neben mir 
haben) allein die göttischen bilde] verpoten 
(die bilder welche gott darstellen sollen), 
ausleg. der zehen gepot. (1528). Fiiij^; 
solche personen auch billich göttisch, gött- 
liche odder gÖtter genennet werden, der 82. 
psalm. (1530). Aiiij^ 

Gottlaster, n. gotteslästerung (?): ynn 
keinem frawenhaus solche sunde, solch got- 
laster, solch seelmord vnd kirchenverstörung 
geschieht noch geschehen mag als ynn diesen 
hewsern. post. (1528). 130'. 



Gottlester, s. gotteslästerer. 

Göttlich (gottlich), divinus, mhd. göt-, 
got-, göte-, gotelich (Ben. 1, 557 ^ Lexer 
1054), ahd. got-, gotelih (Graff A, 152). 

1) von gott ausgehend, sich auf gott be- 
ziehend: gotliche Sachen, euang. der zehen 
aussetzigen. (1521). Kij**; ynwissen ynn 
gottlichen sachen. die ep. des proph. Jesaia, 
(1526). Aiiij*; gotlich Ordnung, von dem 
bapstum. (1520). Bj*; were das schwerd 
nicht eyn gottlicher stand, von weltlicher 
vberkeil. (1523). Aiiij"; diese leute die 
Schlüssel nicht halten für ein göUlich stifft. 
von den schlüsseln. (1530). Ej *" ; vorkerung, 
vorgifftung vnd schandbrauch des heyligen 
gottlichen worttis. auff das vbir christliche 
buch. (1521). Diij • ; zu lesterung gottlicher 
majestet. von weltlicher vberkeil*, (1523). 
Aiij * ; abbruch gotlicher gnaden, grund vnd 
vrsach. (1521). o j '; gottliche gewalt. das 
diese wort. (1527). f üij •* ; göttliche rede. 
4 Mos. 24, 4: göttliche ehre. Jer. 17, 12; 
göttliche krafft. weish. 7, 25; göttlicher Se- 
gen. Sir. 47, 7 ; göttlicher befelh. 2 Macc. 
2, 4 ; göttliche hülffe. 12, 11 ; das göttliche 
antwort. Rom. 11, 4; göttliche torheit. 1 
Cor. 1, 25; göttliche lauterkeit. 2 Cor. 1, 
12; göttliche trawrigkeit. 7, lÖ. 

2) fromm, gottesfürchtig : ein göttlich leben 
(var. wandel). 1 Mos. 5, 24; vnd (Noah) 
füret ein göttlich leben. 6, 9 ; sie lassen jhn 
jhr schendhch vnzüchtig leben bas gefallen, 
denn das göttlich vnd eherlich leben, ein 
hochzeitpredigl. (1531). cij**; es sey sitt 
oder vnsitte, szo ist es nit christlich noch 
gottlich. serm. vou dem wucher. (1520). 

c ij '*. 

Gottlieli, adv. mhd. goteliche (Ben, 1, 
558*. Leo^er 1054): solche las zuuor lernen 
jre eigene heuser göttlich regieren. 1 Tim. 
5, 4 ; eine fraw kan bey einem manne ehrlich 
vnd göttlich wonen. gl. zu spr. Sal. 31, 30. 

Gottlos, impius. 1) adj\: gottlose men- 
schen. i,Mos. 16, 26; gottlose leute. 2 
Sam. 4, 1 1 ; die gottlose Athalja. 2 chron. 
24, 7; gottloses maul. ps. 109, 2; gottlose 
lere. Ezech. 5, 6; gottlose weise, weish, 
14, 16; gottloser wandel. Judä 15. 

2) subst. : ich nenne impium ein got- 
löszen, denn es heysset eygentlich den, der 



GOTTLOSEREI 



155 



GOTZE 



ynn got nit trawet noch glewbt. der 36. 
psalm. (1521). Bij**; wiltu denn den ge- 
rechten mit den gottlosen vmbbringen? 1 
Mos. 18, 23; das du einem gottlosen bey- 
stand thust. 2 Mos. 23, 1 ; so der gottlose 
schlege verdienet hat. 5 Mos. 25, 2 ; die 
gottlosen mtlssen zu nicht werden. 2 Sam. 
2,9. 

Cottl«serei, f» goUlosigkeit, rueklosigkeil : 
das ist die gottloserey. Sadi. 5, 8 var. 

tettlosig, gottlos : alles yhr wessen yrrig, 
gotloszig, verdamlich schellten, ausleg. der 
ep. vnd euang. des aduents, ( 1 522). BBij'' ; 
damit sie gotloszig geweszen sind, br, Jud. 
15 var. 

tl«tll«8heit A gotUosigkeit : impietas, vn- 
glaube odder gotiosheit. post. (1528). 
182*. 

C«ttM«cher, m. teer einen -goU macht: 
wiltu nu ein gottmacher werden, so kom her, 
bore zu, er wil dich die kunst leren, das du 
nicht feilest vnd einen gotzen, sondern den 
rechten gott zum rechten gott machest, ver- 
manung zum sacramenl. (1530). Cj*; sie 
sind gottmecher vnd gotmeyster, was yhren 
dunckel recht ist, das soll gott vnd goltis 
seyn. ausleg. der ep. vnd euang. vom chris- 
tag. (1522). Xiiij*. 

(•tlMcister, m. der sich anmaszl meister, 
herr Ober gott zu sein, beleg s. vorher 
unter gottmacher. 

UMrtlA, reich in gott: gnadreich vnnd 
gottreich, ausleg. der ep. vnd euang. vom 
christag. (1522). Bij^ 

Cetta, gen. vgl. gott und die zusammen- 
Setzungen mit gottes-. 

IMtschMleier, m. was gottmacher: noch 
haben sie keinen gott, sondern müssen einen 
bettelschen lausichten gott selbs machen aus 
jrem pfenninge, o der elenden malerij zum 
gott, o barmhertzige {erbarmungswerthe, 
elende) gottschmider. der 147. psalm. 
(1532J. ¥i)K 

^•tlseligj 'selig in gott\ gottes fürchtig, 
fromm. 1) adj.: gottselig vnd gottfürchtig 
(fvatßfjg xal ifoßovf.uvog top d-tdr\ vulg.: 
religiosus ac limens deum). ap. gesch. 10, 2 ; 
es ist aber ein grosser gewin, wer gottselig 
ist vnd lesset jm genügen. 1 Tim. 6, 6 ; die 
da haben den schein eines gottseligen Wesens. 



2 Tim. 3, 5 ; mit heUigem wandel vnd gott- 
seligem wesen. 2 Pet. 3, 1 1 ; wie kan gotl 
odder ein gottseliges hertz anders von euch 
dencken. vom kriege widder d. T. (1529). 
Eiiij*; so gibt Tobias eine feine Uebhche, 
gottselige comedien. Bindseil 7, 417. 

2) subst.: der herr weis die gottseligen aus 
der Versuchung zu erlösen. 2 Pelri 2, 9; 
sie fordern (fördern) die gottlosen vnd bindern 
die gottseligen, der 82. psalm. (1530). 
Ej" ; vnd gibt sie oflt reichlicher den gottlosen, 
denn den gottseUgen. tischr. 35 ^. 

3) adv. : alle die gottselig leben wollen in 
Christo Jhesu müssen Verfolgung leiden. 2 
Tim. 3, 12 ; gerecht vnd gottsehg leben. Tit. 
2, 12. 

CottMligkelt^ f. pietas, gottes furcht : das 
er erfüre, wie gottseligkeit mechtiger ist denn 
alle ding, weish. 1,0, 12; gotUeUgkeit ist 
glaube an das wort gottes odder an die Weis- 
heit, gl. zu dieser stelle ; auff das wir ein 
gerüghch vnd stilles leben füren pögen in 
aller gottseligkeit vnd erbarkeit. 1 Tim. 2, 2 ; 
gottseligkeit beweisen. 2,10; vbe dich selbs 
aber an der gottseligkeit. 4, 7 ; die gottselig- 
keit ist zu allen dingen nütz (bei W. Linck 
von arbeyt vnd betteln. Zwickau) 1523. 
Biiij^: die gotselde aber ist zö allen dingen 
nutz). 4, 8. 

CettsochÜgi nach gott sehnsüchtig (krank- 
haft) verlangend : szo gottsüchtig vnnd liebe- 
sl^ch sind, eyn serm. von dem abl<u vnd 
gnad. (1520). Cij^ 

Citie (göu. 1 Cor. 8, 4), m. idolum, 
götzenbild, abgott, falscher gott, mhd. götze 
(Lexer 1057), nach Weigand wtb. 1,451 
mit g6; SS gegossenes bild zu gieszen, wäh- 
rendes Grimmgramm.3f69ialsdiminutiv 
behandelt. 

1) falscher gott, abgott: der son ist kein 
ander gott noch götze, sondern mit dem vater 
ein einiger rechter ewiger gott. von den 
letzten Worten Dauids. (1543). Gij"; wer 
den bapst wil zum gölzen behalten, der bleibe 
ein bapstgötzer. tröstunge an die christeji 
zu Halle. (1527). Ciij^ tu der bibel wird 
zwischen götzenbild und abgott in der regel 
nicht unterschieden: so wissen wir nu von 
der speise des götzenopßers, das ein götz 
nichts in der weit sey. 1 Cor. 8, 4 ; ein on- 

20* 



6ÖTZEKALTAR 



156 



GÖTZER 



mecbtiger götse. Ba/r. 6, 58; todte götzen. 
ps. 106, 28; leblose göteeiL weUh. 14» 29; 
stumme getzen. Bab, 3, 18; silbern vnd 
gäldea götzoi. Je9. 2, 20 ; die hultzern, 
▼l)erBilberte vnd vergoldete gotzen. Bar, 6, 
56 ; tempel desgötzen Dagon. 1 Maec. 10, 83. 
Hblkehe, auf den gatxendienst sieh de* 
Kiehende redetuar$en: sich zu den götzen 
wenden. 3 Mas. 19, 4; die götzen anbeten. 
Bar. 6, 5 ; den götzen dienen. 2 kön. 17, 
12; den götzen nachlroren. 1 ekron. 6, 25; 
den götzen nachwandeln. E%eek, 20, 16. 

2) dl6 0ussehliesdidhe beieulvmg »Mld, 
göixenbild" hat götze in folgenden stellen: 
die götzen jrer götter thut^ab. 5 Mos. 12, 
3 ; also sage ich hie, das das bildstünnen vnd 
vmbreissen der götzen (die heiUgenbUder 
sind gemein() nicht mag erzwungen werden 
aus diesem teit. ausleg. der gehen gepot. 
(1528). Fj^ 

Mtieialtiur^ m. vnd reis die götzenaltar 
ein. 1 Mace. 5, 68. über denpl.dliw s, altar. 

HölieBdieaer, m. eidwXoXdrQtjg : geitziger 
welcher ist ein gölzendiener. Bphes, 5, 5 ; 
vnd nennet yhn (den geisigen) einen gölzen- 
diener odder abgöttischen, post. (1528). 
330**; die vnverstendigen gotzendiener. das 
Jhesus eyn gebomer Jude sey. (1523). 

SftlieBiHaBstj m. difoTiokaxQtiai ab- 
götterey vnd götzendienst. 1 Sam. 15, 23 ; 
fliehet von dem götzendienst. 1 Cor. 1 0, 1*4 ; 
an statt des rechten gottis diensts auffgericht 
eyn götzen- vnd potzen dienst mit platten, 
kutten, kleidern, pfeiffen, lautten, singen, 
klingen etc. ep, ond euang. des aäiiienis, 
(1522). Pij^ 

(IMwnhant^ n. göUentempel: das götzen- 
haus. Widder d. hymL propheten. (1525). 
Giiij^; das ewr kirche ein götzenhaus vnd 
vnreine sey. wider Hans Warst. (1541). 
Jij " ; so dich jemand sehe zu tische sitzen im 
gotzenbause. 1 Cor. 8, 10; wie er den an- 
dern stedten vnd jren götzenheusem gethan 
hatte. Jud. 4, 2. 

Mteenhirt^ m. ogötzenhirten, die dieherde 
lassen. Sach. 11, 17. in der ausleg. dieses 
propheten: götzenhirten das ist die nicht 
lebendige birten sind, die yhr ampt thun 
mochten, sondern sitzen wie die götzen vnd 



lassen yhn dienen, der praph. Sachafju. 
(1528). €^j*. 

MtSMkalk^ n. gölxe in gestalt eines 
halbes: wir haben auch vnter dem bapstiim 
mit abgötterey es arg gnug gemacht vnd auch 
also götzenkeiber gemacht EisL U 555*. 

4Mlll€BUrahe, f. was götzenhaus: die 
götzenkirchen in Egypten. Jer. 43, 13; zu- 
letzt da er (Salamo) alt wird, leset er sich 
die weiber nerren vnd effen, stifftet den sel- 
ben götzenkirchen vnd götzendienst. der 
iOi. psalm. (1534). Kiüj*. 

fldtienkiecht, m. gotzendiener: pfu dich 
an du götzenknecht. widder d. hyml.pro' 
phelen. (1525). Dj*; ein götzer odder gö- 
tzenknedit. das man kinder sur schtUen 
haUen solle. (1530). Aiij '^ ; ein schendbcher 
verdampter götzenknecht. ausleg. der ep. 
vnd euang. von ostern etc. (1544). Giij". 

HAiuwbmi» n. ein land, worin den götzen 
gedient wird: es (das land der Chaldäer) 
ist ein götzenland. Jer. 50, 38. 

üötiealehrer, m. falscher lehrer: er nennet 
sie birten, weil sie der birten ampt haben, vnd 
doch gotzenlerer vnd trewmersind mit der 
that der praph. Sacharja. (1528). Ddj^ 

Sotiemaeker, m. verfertiger eines götxen: 
die götzenmacher sind allzumal eitel. Jes. 
44, 9 ; die götzenmecher müssen alle sampt 
mit schänden vnd höhn bestehen. 45, 16. 

Sotientpfer, n. iiiwXo&vTov : das jr euch 
enthaltet vom götzenopffer vnd vom bluU 
ap. gesch. 15, 29 ; von der speise des götjsen- 
opffers. 1 Cor. 8, 4. 

Wlseipfftf, m. götxenpriester : also giengs 
den leuiten ym alten gesetz auch gegen den 
götzrapfaffenvndhainpriestern. post. (1528). 
294^; das feine wort bischoff von vnsem 
götzenpfaffen vnd bischofi&laruen schendlich 
verdunckelt vnd verderbt ist. ausleg. der ep. 
vnd euang. von ostem etc. (1 544). L 5 *. 

Mtiensillief, n. nesseln werden wachsen, 
da jtzt lieben götzensilber stehet Hos. 9, 6. 

Hötienspeise, f. was götzenopfer : götzen- 
speyse. widder d. hyml. propheten. (1525). 
Ciiij^ 

Cldtievteiipel, m. er verbrennet auch den 
götzentempel. 1 Macc. 10, 84. 

üitier, m. gotzendiener, ahgötierer: aber 
geistlich wollen wir sie meyden, verdammen 



GOTZJÄMMBRUGH 



167 



QKABW 



vnd straffen, weil wir ödem habeo, als die 
götier. das die$e woH etc, (1527). cj*; 
hie sey nu zwischen vns lichter nicht allein 
Christen, sondern auch beiden, . . . götzer vnd 
aDe wellt, ehend, c iij**; wil'tu götzer (mam* 
wumsäieiier) nicht bedencken, was göttlich 
Tnd efarUch ist. das man Mnder xur schulen 
haUensoUe. (1530). Aiijj*; wer demselben 
gleubet Tnd folget ist ein götzer. wider die 
Z2 arUekel, (1545). Aij*; die abgöttischen 
götzer. deuUch peaUer, (1541). Oiiij\ 

IM^iMBMrlkli (gotzjemerUch) , gotie»- 
jämmeHUh (gotz Verunstaltung von gotts, 
gottes), verstärkende siusammensetxung, sehr 
jSfmnerUeh: gott selbs mus sich hie abermal 
gotz jemerlich lassen zu martern, van den 
Juden. (1543). Guy*. vgL Frommann 
munäarten 1, 135, 4. Sehmeiler wtb. 
1 ^ 960. auch in Hessen gebräuchlich. 

Stak, n. sepulerumf mhd. grap (Ben. 1, 
562*. Lexer 1070), oAd. grab, crap (Graff 
4, 305), ZI» graben: jr rächen ist ein offens 
grab* ps, 5, 10; seine köcher sind offene 
greber. Jer. 5, 16; vnd (Joseph) legte jn 
in ein grab, das war in einen fels gehawen 
ynd weltzet einen stein für des grabs thür. 
Marc. 15, 46; wer waltzet vns den stein 
Yon des grabs (1522: grabis) thür? 16,3; 
begrabe deinen todten in vnser ehrlichsten 
grebem, kein mensch sol dir vnter vns weh- 
ren, das du in seinem grabe nicht begrabest 
deinen todten. 1 Mos, 23, 6; vnd Jacob 
richtet ein mal auff vber jrem grab. 35, 20 ; 
begrabe mich in meinem grabe, das ich mir im 
lande Ganaan gegraben habe. 50, 5; mein 
ödem ist schwach, vnd meine tage sind ab- 
gduirtzt, das grab ist da (es hat ein ende 
mil Mtr). iJ»od 17, 1; dieser allein wird 
za^rabe komen. 1 k&n, 14, 13; vnd wirst 
im alter zu grab komen. Hiob 5, 26; mit 
fartzen tzn grab leutten. bulla cene domini. 
(1 522). Gij ^ ; ich wil jn mit meinem donnern 
vnd blitzen also zum grabe leuten. wamunge 
an s^ L Deudsd^en. (1531). Diij *; mit einem 
zu grabe gdien, ihn zu seiner beerdigung 
begleiten: das sie mit jrem freunde vor der 
letzten stunde reden möchten vnd mit jm zu 
grabe gehen, wider den bischof zu Magde- 
bwrg, (1539). Füij^; das du jhn (den wu- 
cherer) . . . ^nicht vnter andere Christen be- 



grabest noch mit zum grabe gebest, mder 
den Wucher. (1540). Eiiij ^ ; auf dem rücken 
zu grabe gehen, begraben werden: darümb 
sollen sie auch mit jm zum grabe gehen auff 
dem rucken. «iMimaiii^e an s. L Deudsehen. 
(1531). Bj*. 

flnhei, m. fossa, eigenü. gr^he, dmm 
mhd. grabe (Ben. 1, 562*. Lexer 1064), 
ahd. grabo, crapo (Graff A, 307); zu graben. 
der pl. bei L. wie mhd. graben : der gndien. 
Bei 34 ; vnd worffen jn zu den lewen in den 
graben. Dan. 6, 16; macht hie vnd da 
graben. 2 kon. 3, 16; die graben. Neh. 4, 
1 3 ; der stracks zu rennet durch püsch, hecken, 
graben. Jen. 1, 282^ 

linbei, fodare, sculpere, mhd. graben 
(Ben. 1, 560 ^ Lexer 1064), ahd. grabau, 
crapan (Graff 4, 301), goth. graban. zu gr. 

1) f ödere, a) ohne casus: graben mag ich 
nicht. Luc. 16, 3; vnd solt ein scheufflin 
haben vnd wenn du dich draussea setzen wilt, 
soltu da mit grfi)en. 5 Mos. 23, 13; vnd 
grub tieff. Luc. 6, 48. b) mit acc.: das ich 
diesen hrun gegraben habe. 1 Mos. 21, 30; 
da gruben sie einen andern brun. 26, 21 ; 
odder grebt eine grübe. 2 Mos. 21, 33; er 
hat eine gruben gegraben, ps. 7, 16; das 
heisst recht eim andern eine gruben gegrad)en 
vnd selbs darein gefallen, serm, auff MaUh. 
22. (1535). Bij^ c) mtlpraep.; herr, las 
jn noch dis jar, bis das ich vmb jn grabe. 
Luc. 13, 8; du menschenkind , grabe durch 
die wand. Ezech. 8,8; aber alle Egypter 
gruben nach wasser. 2 Mos. 7, 24; ein loser 
mensch grebet nach vnglück. spr. Sal. 1 6, 27 . 

2) ausgraben : bergwerck, da man gold 
vnd Silber grebet. 1 Jfaec. 8, 3 ; die hadder 
ausz der erden graben, an den christl. adel. 
(1520). Dij^ 

3) sculpere, eingr<iben, gravieren: vnd 
solt zween onicherstein nemen vnd drauff 
graben die namen der kinder Israel. 2 Mos. 
28, 9 ; die steinschneiter, die da siegel graben. 
V. 1 1 ; vnd er liess auff die fleche der selben 
seilen vnd leisten graben cheruhim, lewen vnd 
palmenbewm. 1 kön. 7, 36; auff die tafel 
jres hertzen gegraben. Jer. 17, 1; und 
(Christus) führet in seinen Stegreif gegraben : 
ponam inimicos et scabellum pedum tuorum. 



GRÄBESTEIN 



158 



GRAKE 



i/e Weite frr. 4, 461 ; so stejgen auff vnd 
üad auflgestiegen allerley kanst, malen, 
stkken« graben, posl. (1528). 33*. 

€ffakeitefi, m. cippus, leiehenaiein, in 
fiUgender stelle der stein, womit das grab 
Jesu verschloszen war: vnd ist yhm (C%n- 
Sims) alle creator dordileuflliger denn die lafft 
der stynune bt, wie er das ym grabe stein 
beweiset hat vom abenidmcU Christi. 
(1528). kj^ 

Ambcief chea, gnbielchei, m. momumen- 
tmm, grabmal: richte dir auf! grabezeichen. 
Jer. 31, 21; grabmal oder grabzeichen. gL 
XU 2 kön. 23, 17; das man sie Idie gräber) 
mit grabzdchen zieret, vorr, zu den begrab* 
msgesängen v. j\ 1542. Wackernagel 
MrchenUed 802. 

GnAMal, n. dasselbe: vnd Jacob richtet 
ein mal anff vber jrem grab, dasselb ist das 
grabmal Rahel. 1 Mos. 35, 20 ; was ist das 
for ein grabmal? 2 Iton. 23, 17. 

firabtchelt, n. pala, nüid. grabeschtt (Hen. 
2*, 165^ Lexer 1065)*: grabscheit. de 
Wette br. 6, 331 in L.'s hausrechnung ; 
da darffst nicht ein grabscheit ynn die band 
nemen vnd tieff darnach graben, ausleg. der 
euang. an den fümemisten festen. (1527). 
DDiij ^ 

Crabstaltf, f. begräbnisstätte: grabstete 
oder todtenhöfe. ausleg, der ep, vnd euang. 
vonostem. (1544). FF6». 

Crabticliy n. 'linteum ferale* (Frisch): 
gebunden mit grabtücher an fassen vnd hen- 
den. Joh. 11, 44. 

Crabseidte^y n. s. grabezeichen. 

Crad, m. stufe, mhd. grat {Ben. 1, 566 ^ 
Lexer 1072) , ahd. {spät) grad {Graff 4, 
311); aus dem gleichbed. lal. gradus: das 
ist der erste grad odder stuffe zum tode. das 
5. 6. vnd 7. cap. s. Matih. (1532). Rj**; 
die grad der sippschafft. vnlerrichi der visi- 
tatom. (1538). Hüij*; czum andern ist zu 
wissen, das drey vnterseheydliche grad vnd 
orden seyn wol vnd vordinstlich handeln mit 
den zeytlichen gutem, gr. serm. von dem 
Wucher. (1520). aij"; wo wyr Christus 
gepot hallten wollten ynn den ersten dreyen 
graden, sollt der zynskauff nicht so gemeyn 
odder not seyn. von kauffshandlung. ( 1 524). 

Jj^ 



Gnul; m. rOckgral, s. grat. 

Graf; m. comes. L. schrieb anfangs graf 
(graff), später graue d. i. grave {vgl. land> 
graf, markgraf) u dem edlen vnd wolgepornen 
herrnn herm Albrecht graffen ( 1 528 : grauen) 
tzu Mansfellt. ausleg. der ep. vnd euang. 
vom christag, (1522). Aj^; den edeln vnd 
wolgebomen herm herrn Günther, Emst» 
Hoyer, Gebhard vnd Albrecht graffen zu 
Manszfelt. eyn geschieht etc. (1524). Aij"; 
ein grafe jnn seiner graffschafft. das 15. cap^ 
der ersten ep. s. Pa%Ui an die Cor. (1534). 
Qj*; ein graue von Hennenberg, exempet 
einen rechten bischof zu weihen. (1542). 
Fiiij*, Füij**; keyser, fürst, graue, eddeU 
richter. ob kriegsleutte etc. (1527). Eüj**; 
herrn, grauen vnd fürsten. ebend. Dij * ; alle 
grauen, herm, stedte, Schlosser müssen sindi- 
cos, stadschreiber vnd sonst gelerte haben, das 
man kinder zur schulen halten solle. (1530). 

Füi^ 

mhd. grAve {Ben. 1, 567*. Lexer 1074)„ 
ahd. grävo, cr&fo, kravio {Graff 4, 312). 
wahrscheinlich aufgenommen aus dem früh^ 
mittellat. gravio, grafio, graphio vom gr. 
yQaq>tiv schreiben, vgl. Weigand \, 452. 
bes. Lexer a, a. o, 

Grafeastaadj m. comitis dignilas: das nie 
kein zweiffei ist, sein graffenstand sey von 
gott verordent vnd befohlen. Eisl. 1, 215**. 

Gräfii (grefin), f, comitissa, frau eines 
grafen, mhd. graevin, graevinne {Ben. 1, 568*. 
Lexer 1075), ahd. grÄvin {Graff 4, 314). 
beleg s. unter bauersfrau. 

Grafseliaft, graveschaft, f. comitatus, 
mhd. gräüschaft, gräveschaft {Ben. 1, 568*. 
Lexer 1075): der Türck leydet kein erblich 
fürstenthum, graueschafft odder rittergut. 
ob kriegsleutte etc. (1527). Eiiij*; wenn 
einer gerne ein schlos, stad, grafschafft odder 
sonst etwas grosses bette, deudsch catech. 
(1529). Liiij'; ein graffschafft oder fürsten- 
thum. das 14. vnd Ib. cap. s. Joh, (1538). 
000 ij''; ein edle, berümbte graffschafft im 
bistumb üalberstad. Jen. 1, 216'. • 

Gräke (greke), m. Grieche: die Greken 
haben diese land verloren. 1 Macc. 14, 2 ; 
der Römer, Persen , Greken vnd anderer 
historien. vber das erste buch Mose, (1527). 



GRilKEN 



159 



GRANATÄPFELBAUM 



xij^; solchs ist von den Turckeo, Greken 
vnd Hannibal nicht erhöret, exempel etc. 

(1542). cüi^ 

ClrikeB, graeeus, griechisch: dasz er 
{Melanchihon) anstatt seiner gräken lection 
der heiligen schrifft lection sich vnterwunde. 
de Weite br. 2, 491. 

Clriklsch (grekisch, greckisch), dcLSselbe: 
sceptron ist ein greckisch wort von den Ju- 
lien. (1543). Kij**; die gräkische (ortjjn'na/- 
br, grekischen) lection. de Wette br. 2, 491. 
5, 387 ; der stoltze vngelerle bLschoff hat ein 
grekisch böse gebeisse angericht. von den 
coneiUJs. (1539). Sij'; des grekischen 
reichs. 1 Uace. 1, 11. 

CrMü» adj. mhd. ahd. gram {Ben. 1,574 **. 
Lexer 1067. Graff 4, 320), mit dat. wo- 
gegen feindselig, übeltoollend gestimmt : vnd 
Esau war Jacob gram vmb des segens willen. 
1 Mos. 27, 41 ; Joseph möcht vns gram sein. 
50, 15; der herr ist vns gram. 5 Mos. 1, 
27 ; wenn jemand ein weib nimpt vnd wird 
jr gram. 22, 13 ; du bist mir gram vnd hast 
mich nicht lieb, rieht. 14, 16; vnd sind mir 
heffüg gram. ps. 55, 4 ; so ist euch die weit 
gram, das schone confitemini. (1530). 
Fiij •* ; wer mir gram vnd bitter ist, der martert 
sich. Verantwortung etc. (1533). Aüj**; der 
person vnd creatur gottes ist er gram, wider 
Hans Worst. (1541). Biiij''; lügen bin ich 
gram {var. falscheit bin ich feind). ps. 119, 
163; ich bin ewrn feiertagen gram. Arnos 
5, 21 ; ich bin newen Wörtern gram (abge- 
neigt), von den letzten worten Dauids. 
(1543). Bij'. 

Crav» m. unmuth, zom, mhd. {selten) 
gram {Ben. 1, 575'): du zeigest deinen gram 
{var. hass) an mir mit der stercke deiner 
band. Hiob 30, 21 ; wenn freunde einander 
feind werden, so bleibet der gram bis in den 
lod. Sir. 37, 2. 

Cravea, in der redensart: gris schlecht 
(schlägt) gern nach gramen, art lässt nicht 
'von art. Jen. 6, 272*. ebenso bei Stein- 
höfelEsop.29\ 

UfMMtm (gremen), nur noch refl. sich 
gremen, moerere: auff das deine seele sich 
greme. 1 Sam. 2, 33; ich greme mich, das 
mir das hertz verschmacht. ps. 1 19, 28 ; ich 
grem^mich vnd gehabe mich vbel. Jer. 8, 



21 ; weinet nicht vber die lodten vnd gremet 
euch nicht danimb. 22, 10 ; das wir vns tag 
vnd nacht danimb gremeten vnd betrübeten. 
das 14. vnd 15. cap. s. Joh. (1538). 
tttiij*; da gremet sich denn einer zu tode. 
Eisl. 2, 123*. 

mhd, gremen (Ben. 1, 575". Lexer 
1078), ahd. kremjan (Graff 4, 320), goth. 
gramjan. , 

draMen (gremen), n. moeror, trauer, be- 
trübnis, Hummer: ein törichter son ist seiner 
mutter gremen. spr. Sal. 10, 1 ; wer einen 
narren zeuget, der hat gremen (var. macht 
yhm selbs gremen). 17, 21 ; wo viel Weisheit 
ist, da ist viel gremens (var. vnmuts). pred. 
Sal. 1, 18; schmertzen mit gremen vnd leid 
(var. mit leyd vnd vnmut). 2, 23 ; in grossem 
gremen. 5, 16; dort feret gremen her vnd 
traurigkeit. Bindseil 7, 319; meyne seele 
tropffelt für gremen. ps. 119, 28 var. 

ClraMMatisch, grammaticus : es sind grobe 
grammatische schwermer. serm. von dem 
sacrament. (1526). Bb''; so er ein gram- 
matisches teuffelin sein mus. auff die newe 
Zeitung. (1535). Aij^ 

ClraMMatlst, m. grammatista, lehrer in 
den anfangsgründen der spräche: es gehören 
ander leut dazu, denn solche vocabulisten vnd 
grammalisten. das 14. vnd 15. cap. s. Joh. 
(1538). Bbiüj\ 

Clranisehaft, f. feindschafft: das ich dem 
Goslentzer concilium gramschafft vnd feind- 
schafll erwecket. Jen. 6, 337 ". 

Clraaatapfel , n. die frucht des granat- 
baumes, tnhd. gr&nAtapfel (Ben. 1, 48*. 
Lexer 1068): deine wangen sind wie der 
ritz am granatapflel. hohelied 4, 3; vnd 
schnitten daselbs eine reben ab . . . dazu auch 
granatepflel vnd feigen. 4 Mos. 13, 24; ein 
land da granatepffel innen sind. 5 Mos. 8, 8. 
künstlich gebildete granatäpfel dienten als 
sinnbildlicher schmuck an den knäufen der 
tempelsäulen und am säume des hohen- 
priesterlichen leibrocks. 1 kön. 7, 18. 20. 
2 kön. 25, 17. Jer. 52, 22. 23; — 2 Mos. 
28, 33 f 39, 24 ff. 

Clranatapfelbaiii, m. punica granatum: 
das wir sehen, ob die granatepffelbewm aus- 
geschlagen sind, hohelied 7, 12. — mhd. 
gr&nüitapfelbottm. 



6RANATBAÜM 



160 



GRAT 



CniMfhiiM^ graMitenhaM», m. dasselbe: 
Saal aber bKeb zu Gibea ynter einem grana- 
tenbawm. 1 Sam. 14, 2; so stehet der 
wemstock auch jemerlich . . . dazu die granat- 
benme. Joel \, 12; granatbewm {var. 
granatbaom). Hagg. 2, 20. 

irappci, greifen : e. i. h. zu Leiptztg ha- 
ben nach jm grappen lassen. Jen. 6, 327 '. 
nach Weigand u>tb. 1,453 statt gerappen, 
dessen aus dem nd, aufyemmmenes rappen, 
rapen vnser hoehd. raffen ist. 

Aras, n. gramen, mhd. aM. golh. gras 
(ßro/f4, 333. Ben. 1,566*. Lexer 1011, 
wo auch die verschiedenen etymologien 
nachzusehen sind) : vnd gott sprach, es lasse 
die erde auffgehen gras vnd krant. 1 Mos. 1, 
1 1 ; kan auch gras wachsen on wasser? Bioh 
8, 1 1 ; wie das gras werden sie bald abge- 
hawen. p*. 37, 2; verdorret wie gras. 102, 
5 ; die gottlosen grünen wie das gras. 92, 8 ; 
das grüne gras. Marc. 6, 39 ; fleisch ist wie 
gras vnd alle herrligkeit der menschen wie 
des grasses blumen {ältere var. haben: wie 
eyn blume des grassis [grasis]). 1 Pet. 1, 24 ; 
vnd (die kühe) giengen an der weide im 
grase. 1 Mos. 41, 2. besondere redens- 
arten: yhe höher das grasz wechszt, yhe 
neher yhm die senszen vnnd hewgabeln sin'd. 
derSß.psalm. (1521). Aiiij *; ich kan noch 
wol, got lob, vbirs grasz lauffen {bin noch 
nicht überwunden, besiegt), von dem baps- 
tum zu Rome. (1520). Eij*'; ich vermis 
mich nicht vber <die hohen tannen zu fliegen, 
verzweiffei auch nicht, ich müge vber das 
dürre gras kriechen. Jen. 1, 64*; ich musz 
auch einmal kommen, dasz die strasz der für- 
bitt nicht zugar mit grasz verwächst, de Wette 
br. 5, 287 ; die kue gehet im grass bis an den 
bauch (findet reichliche weide), hauspost. 
{Wiitemb. 1545.) Aij«. 

drasbliiiej f. flos graminis : alles fleisch 
ist gras, vnd alle seyne herlickeit ist gras- 
blumen. post. (1528). 336 ^ var. zu Jes. 
40, 6. 

Crasedicke, dicht une gras : aber es will 
dünne werden vnd stehen nicht grasedicke 
solche Prediger (sind nicht sehr häufig), 
de Wßtte br. 4, 292. 

CtrasefreMer^ s. grasfresser. 

drasegrAn^ s. grasgrün. 



CrtseMcke, s. grasmücke. 

finsctt> mhd. grasen (Ben. 1, 566. Eexer 
1071), ahd. gras6n (Graff A, 334), in fol- 
gender stelle uneigentlidi : es scheinet als 
spotte gott vnser reichstage vnd lasse den 
teuffisl die selbigen hindern vnd meistern bis 
der Turcke mit guter weile herzu grase 
(herankomme) vnd also Deudschland on mühe 
vnd on widderstand verderbe, vom kriege 
wider d. T. (1529). Bij-. 

drssfresser, gnsefresser, m. sie sind gras 
vnd grasefresser. post. (1528). 336 ^ 

Crasgrnn, grase^i, grün wie gras, 
mhd. gras-, grasegrüene (Ben. 1, 580**. 
Lexer 1072): vnd gaben dem newen könig 
so starcke giflt, das sein leib grasegrün (Jen, 
6, 324*: grasgrün) ward, einer aus den 
hohen artickeln. (1537). Di^ 

drasMOcke^ grasemncke^ f. ein munterer, 
kleiner Singvogel, mhd. gras-, grasemucke 
(Ben. 2, 226 \ Lexer 1072) : wie der kuckuc 
mit der grasemücken spielet, widder d. hymL 
Propheten. (1525). Fj*; am anfang fräs der 
kuckuc die grasmücke mit feddern vnd mit 
allem, das diese wort etc. (1527). cij^; 
die grasemücken. ebend. 

drassleren^ herrschen, wüihen, aus lat. 
grassari: darümb hat der Türcke auch also 
grassirt vnd gewütet. Eist. 2, 423". — 
mhd. gräi^ieren (Ben. 1, 569*. Lexer 1076). 

drässig (gressig), gräszlich, zornig : racha 
das ist ein grewlich, zorniges, gressiges 
zeichen. Jen. 1, 285*. 

drasdich fgreslich), grauen erregend, 
schrecklich, mhd. grae^lich [Lexer \ 07 6): 
der dampff am tage mache jn greslich. Hiob 
3, 5 ; das greszlich geperd vnd bild des tods. 
serm. von der bereylung zum sterben. (1518). 
a ij ** ; den (lod) kan er so grewlich, greslich 
vnd schrecklich auffmutzen. hauspost. (Jhena 
1559.) 190*. 

dnit (grad), m. rückgrat, mhd. grät {Ben. 
1, 566 ^ Lexer 1073), bei L. nur figür- 
lich : zum dritten schinden sie (die falschen 
lehr er) yhre schuler bis auff den grad (be- 
rauben dieselben so viel als möglich (hrer 
guter) vnd fressen sie binden ans. ausleg. 
der ep. und. euang. von der heyU dreykönige 
fest. (1525). dij^; schindest vnd schabst 
bis auff den grat. deutsch catech. (ff 29). 



GRAU 



161 



GRAUSAM 



Jiüj^; ob sie gleich alle weit haben geschun- 
den bis auff den grat. das schone con/Uemini. 
(1530). Füj"; die armen vnterlhanen bis 
auff den grat ausschinden vnd schätzen (ihnen 
übertriebene lasten auflegen, welche sie xu 
gründe richten), ausleg. der ep. vnd euang, 
vanostem. (1544). t 6 ^ ; der auslendischen 
wahre, die vns weder not noch nütze sind, 
dazu vns schinden bis auff den grat, der 
wollen wir nicht gerahten. Jen. 2, 463^; 
der marckt seuget die pfarrer, so von der 
schnür leben müssen, bis auff den grad aus. 
Burkhardt briefw. 375. 

Cm (graw), grawe {Hiob 41, 23), ca- 
nus, mhd. gri gr4wes(^en. 1, 560*. Lexer 
1063), ahd. grä, graw {Graff ^, 297). 1) 
rom haare' und alter: vor groszem angest 
byn ich alt vnnd graw worden, die sieben 
buszpsalmen. (1517). B 5*; ich bin alt vnd 
graw worden. 1 Sam. 12, 2; es sind graw 
vüd alte vnter vns. Hiob 15, 10; verlas mich 
nicht gott im alter, wenn ich graw werde, 
p«. 71, 18; meine grawe har. 1 Mos. 42, 
3S ; grawe har sind ein krön der ehren, spr. 
Sal. 16, 31; für eim grawen heubt soltu 
auffstehen. 3 Mos. 19, 32; die seuglinge 
mit dem grawen man. 5 Mos. 32, 27 ; es 
waren \iel grawer alter menner. von den 
Juden. (1543). Rij^ 

2) von kleidungsstücken : man fragt nicht 
darnach, ob einer graw odder rot tregt. der 
proph. Sacharja. (1528). Hhüij''; vnd 
giengen alle ynn grawen bauresröcken. widder 
d,hynU. Propheten. (1525). Aiij*; vnd tregt 
doch eynen grawen rock, das ander leyl 
Widder d. hyml. Propheten. (1525). Diij*. 

Clniie (grawe), m. horror, grausen^ mhd. 
grüwe (Ben. 1, 584 ^ Lexer 1108): da für 
jederman einen grawen hat. 2 Macc. 1, 27 ; das 
wir auch einen grawen gewünnen menschen- 
blut zuuergiessen. vber das erste buch Mose. 
(1527). aj^; darob man einen eckel vnd gra- 
wen hat. das 53. cap. Jes, (1539). Bij*. 

Clniiel (grawel), m. in den früheren 
Schriften L.*s erscheinende umlautlose neben^' 
form XU greuel (s. d.) : an wilchen gott grawel 
hau Tit. 1,16 (sept^berausg. des n. lest. 
v.J. 1522); für der nacht grawell (bibel: 
für dem grawen^des nachts), ps, 91, 5 var. 
bei Bindseil, 

DtBTs, Wörterbuch. II. 



Craieli (grawein), umlautlose (ndd.) 
nebenform tu greueln (s. d.): dyr grawelt 
für den abgottern. Rom. 2, 22 vor. 

Cimei (grawen), horrere, mhd. grüwen 
(Ben. 1, 584 ^ Lexer 1108), oAd. (selten) 
grü^n (Graff 4, 300). a) impers, mit dat.: 
fürchte dich nicht vnd las dir nicht grawen. 
b Mos. 1,21; lasset euch nicht grawen, 
Jes. 8, 12; da würde er ein legend boren, 
das im (ihm) grawen mochte, das 5. 6. vnd 
T.cap.s.Matth. (1532). yüj^; mirgrawet, 
w*enn ich dran dencke. von der winkelmesse, 
(1533). Diüj^; das mir grawet vnd bange 
ist. artickel etc. (1538). Aüj^ b) mit 
dat. u. praep. : den Moabitern grawet für 
den kindern Israel. 4 Mos. 22, 3 ; hab ich 
mir grawen lassen für der grossen menge. 
Hiob 31, 34; der herr ist meines lebens 
kraflt, für wem soll mir grawen? ps. 27, 1 ; 
das land da für dir grawet. Jes. 7, 16; 
welchem frumen christlichem hertzen wolt 
nu nicht grawen für solchem feinde Christi? 
vom knege widder d. T. (1529). Ciiij^; 
mir grawet auch für dem exempel des bapsts. 
von ehesachen. (1530). Aij^; dafür dem 
bapst so scheuslich grawet. wider das baps^ 
tum. (1545). Aiiij*; gotte dar für (vor den 
götxen) eckelt vnd grawet. von des jüdischen 
reiches ende. (1525). Aiiij*; sie uns eyn 
sötte machen, daran einem grawen mocht. 
ein serm. von dem ablas. (1520). Bj^ 

türiiCB (grawen), n. mhd, grüwen (Lexer 
1109): so aber yemand das grawen vnd 
schawen für den kranrken anstösset. ob man 
für dem sterben fliehen müge. (1527). 
Biij*; grawen hat mich vberfallen. ps. 55, 
6; grawen hat mich erschreckt. Jes. 21, 4; 
vnd machst mir grawen. Hiob 7, 14; das 
du nicht erschrecken müssest für dem grawen 
der nacht, ps, 91, 5. 

Clrailich, umlautlose nebenform zu greu- 
lich (s. d.): vmb solcher graulicher lesterung. 
von dem bapstum zu Rome. (1520). Dij^ 

Craipe, f. 'enthülstes getraidekom* ( Wei' 
gand), pl. graupen von L. in seiner haus^ 
rechnung (de Wette br. 6, 330) neben grutz 
und reis aufgeführt. 

CJniBpei, vom fallen kleiner hagelkömer: 
wenn es graupet vnd hagelt. Eist. 1, 368*. 

draisan (grawsam), grauen, schrecken 

21 



GRAUSANLICU 



162 



GRE1F£N 



erregend, mhd, gnüwesam (Lexer 1109). 
1 ) von sacken, horribilü, terribUU : wüste 
die gros vnd grausam ist. 5 Mos. 1, 19; die 
grosse vnd gräwsame {var. erschreckliche) 
wüsten. 8« 15; an den grawsamen hechen 
woneten sie. Hiob 30, 6 ; vnd zoch mich aus 
der grawsauien gruben, ps. 40, 3 ; aus einem 
grausamen lande. Jes, 21, 1; grausam ge- 
Üiöne. 1 Maec. 6, 41 ; eine grausame 
Schlacht. 10, 50; grausame mar ter. 2 üacc. 
7, 42; die rausschende wasser sind nicht 
grawsam. von heimlichen vnd geslolen 
irieffen. (1529). Ej'; grausam wetter. 
ausleg, der zehen gepoi. (1528). Dij^; 
grausame iheurung. d<u man kinder zur 
schulen halten solle, (1530). £j ''; ich habs 
gehört von leuten, den ich gleuben mus, das 
in vielen bistumen hei 200, 300, 400 gute 
pfarrhen ledig stehen, ist das nicht ein schreck- 
lich^ grausam ding zu hören vnter den Christen ? 
von den concilijs. (1539). biij*; diese 
grosse grausame schlappe, die schrecklich zu 
lesen vnd zu hören ist. von den Juden. 
(1543). Xij'*; solcher grausamer zorn gottes. 
ebend. Aij''; grawsam vrteil. Bindsein, 
361. 

2) von personen, inhumanus, crudeUs, 
hart, ohne alle liebe vnd barmherzigkeit: 
es {das volk) ist grausam vnd on barmhertzig- 
keit. Jer. 6, 23 ; grausam vnd vnbarmhertzig. 
50, 42; grausame tyrannen. weish. 8, 15; 
ich wil die Egypter vbergeben in die band 
grausamer herrn. Jes. 19, 4. subsL: du 
bist mir verwandelt in einen grawsamen. 
Hiob 30, 21. 

3) adv. sehr, auszerordentUch : es mus 
grausam gros sein. post. (1528). 237*'; 
wenn die selbigen denn solchs sehen, werden 
sie grausam erschrecken, weish. 5, 2. 

draasaillich^ adv. aufschreckenerregende 
weise: wurden sie grausamlich zurstrewet. 
fßeish, 17, 3; der Türcke grausamlich han- 
delt mit denen, so er gefangen weg füret. 
vom kriege widder d. T. (1529). Giiij"; 
der satan ist sehr grausamlich wütend. Jen. 
1, 57"; der teufel auch grausamlich dazu 
hüff't. ebend. 1, 210^ 

Hinndiwari i etzliche werden grauscliwarz 
vnd runzehch davon, de Welle br, 4, 667* 

Urwe, m. comes, s. graf. 



4^nm, grawe, grawd^ psmtlm, grawca, 
s. grau, graue, grauei, grauein, grauen. 

CredÜBj s. gretlein. 

Crefn, s. gräfin. 

Clreif, m. gryphus, mhd. grff, grife (Ben. 
1, 573*. Lexer 1082), ahd. grif und grtfo 
(Grafts, 320) : nu aber kan für den greifißen 
vnd lewen niemand bleiben, das 5. 6. vnd 
1 . cap. s. Matih. (1532). piiij\ 

Clreifen, prehendere, capere, mhd. grifen 
(Ben. 1, 570". Lexer 1082), ahd. grifan 
(Graff^, 314), golh. greipan; zu skr. grabh 
ergreifen (Zacher zeilschr. 1, 15, 115). 
neben dem praet. griff begegnet bei L. auch 
noch die ältere form greif (greiff. ap. gesch. 

3, 7. rieht. 5, 26. 1 Sam. 15, 8. 2 Sam. 

4, 10). 

/. intransitiv. 

1) tasten, fühlen, fassen, hand an etwas 
legen, eigentlich u. bildlich, a) die vier 
synnen als greiffen, riechen, schmecken, hören. 
vom abendmal ChrisU. (1528). riij^; sie 
(die götzen) haben hende vnd greiften nicht. 
ps. 115, 7 ; Üiut yemant der fusz wee, ia 
das cleynist tzinleyn, szo sieht das aug dar- 
nach, greyffen die finger. serm. von dem 
hochw. saerament. (1519). aiij". 

b) mit praep. : das du sollest greiffen an 
einen stiel am beil udder axt. von der keil, 
tauffe, (1535). Giij''; greiff dir selber an 
deine obren vnd greiffestu recht, so wirstu 
finden ein schön par grosser langer raucher 
eselsoren. Witlemb. (1539). 1, *iij**; vnd 
sie tratten zu jm vnd griffen an seine füsse. 
Matth. 28, 9 ; — greiff nicht nach allem was 
du sibest. Sir. 31, 16; wer auff trewme 
helt, der greifft nach dem schatten. 34, 2 ; 
— wer thar es wogen jm zwisschen die zeene 
zu greiffen. Hiob 41, 4. häufig entspringen 
uneigentliche und bilMche redensarten: 
wenn ynn weltlichen sachen yemand dem 
andern also mit lügen an seyne ehre griffe 
{ihn verleumde), das ander teyl widder d. 
hyml. Propheten. (1525). Nij**; so mag ich 
nicht so tieff hyneyn greyffen (auf s. Pauli 
Spruch von der ehepflicht nicht tief ein" 
gehen) vnd vnsauber von der ehepflicht 
schreyben. das 1 . cap. Cor. (1523). Gj*; 
das ist der anfang dis buchs vnd ist warlich 
hoch angefangen, wir aber wollen nicht zu 



GREIFEN 



163 



GREIFUCU 



tieff hynein greiffen {auf eine liefere ani- 
legung um$ niehi einlassen), es ist genug, 
wenn wir den ^aben daraus künnen leren. 
vber das ersie Inteh Mose. (1527). Ciiij**; 
~- ich soll den reyssenden woUTen basz in die 
wolle griffen haben (gegen die falschen pro^ 
pheten mit grosserer schärfe aufgetreten 
sein), von dem bapstum. (1520). Hj*; 
greiff jnn dein eigen bösen vnter deine lincken 
Zitzen {prüfe dich selbst^ nosee le ipsum), 
serm, van dem heubiman tu Capemaum. 
(1535). Düi]**; Mose jnns maul greiffen vnd 
heissen stäl schweigen, predigt vom ver- 
lomen sehaf, (1533). Giiij'; das heyst 
denn gott jnn das maul greyffen. das 14. 
vnd 15. cap, s. Joh, (1538). aaaiiij"; ist 
das nicht eyn toll küner geyst, der gott so 
frech ynn seyne wort greyflft vnd eraus zwa- 
cket was yhm gefeilet ? das ander legi trt- 
der d. hymL propheten. (1525). Cj^; das 
heisst gott jnn sein eigen gericht greiffen. 
die kl. anlworL (1533). Bj'; der in ein 
frembd ampt greiffet. 1 Pet, 4, 1 5 ; -* er 
hat dir fewr vnd wasser fiirgestellet, greiff 
zu welchem du wilt {erwähle welches ßu 
willst). Sir. 15, 16; zur straffe greiffen {sie 
zur anwendung bringen). 5 Mos. 32, 41 ; 
will solches alles nicht helfen, so musz man 
zum scheiden greifen, de Wette br. 5, 667 ; 
vnd w^ollen nu zu der historien greiffen (da- 
zu übergehen). 2 Maee. 2, 33 ; nn greiffen 
wir zur auslegung des andern buchs Mosi. 
Eisl. 1, 279''; nu wollen wir zum text 
greiffen. vber das erste buch Mose. (1527). 
Ciij^; SQ wollen wir ynn gottes namen zur 
Sachen greiffen. von ehesachen, (1530). 
Aiij'*. zur ehe greiffen, sich verheirathen : 
zur ehe zu greyffen sollt man widder gefatter- 
schafft noch pattschaflt ansehen, an Jhan 
von Schleinitz. (1523). Aiij'; greiffe nur 
frisch vnd frölich zur ehe. vber das erste 
buch Mose. (1527). Gij^ einem zu nahe 
grafen, anzüglich werden (? vgl. Schmel- 
ier l^ 990): niemand sich in eines andern 
ampt menge, noch andern zu nahe greiffe, 
noch das jre neme. das 5. 6. vnd 7. cap. s. 
Matih. (1532). Ziij*. 

2) geistiges erfassen, einsehen, begreifen: 
wilch bawr vnd kind sihet vnd greyffet dasselb 
nit? auf das vbirchristl. buch. (1521). 



Cj ^ ; greyffestu schir, wer dieser geyst sey T 
das ander teyl widder d. hyml. propheten. 
(1525). Jj**; da müssen wir ja greiffen, das 
es ein lauter hohmütige gespöl sei des teuffels. 
das diese wort. (1527). d ij * ;* daraus man 
greiffen mus, das sie aus dem ewigen leben 
ein lauter gehey vnd gespötte haben, wamunge 
an s. l. Deudschen. (1531). Eiiij*; das sie 
gewislich müssen jrren vnd vnrecht faren, 
solchs mag ein kind wol greiffen. von den 
Juden. (1543). Aij^; das man wol greyffen 
mag, wie gar einen besondem augenblick got 
auff dieselben kirchen habe, vnterricht. 
(1519). Aiij ^ ; das sage ich darumb, das man 
greiffe, wie der Zwinge! mit gauckeley vmb> 
gehet, vom abendmal Christi. (1534). oij*; 
daraus greiffe nu ein jgiicher fromer christ, 
aus was vr«achen der grobe vnvemünfflige 
man mich meineidig schilt, die hl. antwort. 
(1533). Dj^; da musz Petrus greiffen, er 
habs nicht allein erfischet, hauspost. (Wit' 
temb. IbAb). sommerteil bl. TS*. 

//. trans. ergreifen, gefangen nehmen: 
sie greiff (griff) mit jrer band den nagel. 
rieht. 5, 26 ; vnd griffen den könig zu Ai 
lebendig. Jos. S, 23; aber die Philister 
griffen jn (Stm^on) vnd stochen jm die^ugen 
aus. rieht. 16, 21 ; du solt seiner band nicht 
entrinnen, sondern gegriffen vnd in seine band 
gegeben werden. Jer. 34, 3 ; Herodes hatte 
Johannem gegriffen, gebunden vnd in das ge- 
fengnis gelegt. Matih. 14, 3. 

CIreif ichj greifbar, mhd. grifljfh (Lexer 
1084). 1) sinnlich faszbar: sichtliche, 
greiflliclie, schmeckliche, riechliche, hörliche 
vnd aller sinnen weise erweisliche eiempel. 
ufider den wucher. (1540). Hiiij"; da jr 
mich nicht mehr anrürlich noch greif dich, 
sondern mit dem glauben erkennen vnd haben 
sollet, ausleg. der ep. vnd euang. von ostem. 
(1544). A6**; hilff got wilch greyfüiche 
finstemisz sein mir das. dcks magnifkat.^ 
(1521). ej"; was lichts sollt ynn den köpf- 
fen seyn, da solche greyffliche fmsternis ynnen 
ist? das ander teyl widder d. hyml. prO" 
pheten. (1525). Biij*; eine vnuerschampte 
greiffliche lugen, vermanung zum sacrament, 
(1530). Diiij^ 

2) geistig wahrnehmbar, deutlich: das ist 
ia so greifOich vnd offenbar, von den Juden. 

21* 



GREIS 



164 



GREUEL 



(1543). Lij^; greiflieb ists, das zur zeit 
Herodes der scepter Juda gantz nider fiel. 
ehend. Oiij^; so ists greifflich vnd klar 
gnug, das beyde kirche, bapst vnd concilia 
vnter dem ^olis wort sind, eine herieht. 
(1528). Cj"; das rede ich darumb, das ich 
dyr den teuffel auff decke vnd greifflich zeige. 
das ander teyl toidder d. hyml. propheten. 
(1525). Biij*; vnd zwar hats vns gott jnn 
der nehesten auffrur greifflich gnug angezeigt, 
das wedder macht noch kunst die weit regiere. 
das schöne canfUemini, (1530). Biiij"; auflT 
das ja greifflich kund werde, wie gar menschen 
trotz vnd trosl nichts sey gegen gott. ebend. 
Fiij'; die zwo rede sind offenberlich vnd 
greifflich widdemander. von den condlijs. 
(1539). INij*; wie man auch in des bapsts 
dreckelen greifflich mercken mus. wider 
Hans Worst. (1541). Hij^ 

Ufth, gri8> m. senex, mhd. grfse (Ben. 1, 
577*. Lexer 1088): lasst vns der alten 
greisen {in der ausg, v, j\ 1529: grysen) 
straffe nicht achten, tceish. 2, 10. 

Clrekisch^ s. gräkisch. 

Clremen^ s, grämen. 

CireMpelMarktj m. irödlermarkl, in fol- 
genderfsielle s. v. a, trödelkram (vgl. markt) : 
wie einen schändlichen grempelmarckt. toider 
Hans Worst. (1541). Diiij'. 

UftMfleftlf f. irödlerhandel, kleinhandel: 
{die Juden) nehren sich mit pferdteuscherey 
vnd kleider gremplerey. (iäcä. 419''. 

Clreiiie^ f. finis, mhd, greniz, grenize (Le- 
xer 1079)^, aus slav. granica, graniza. s. 
Weigand wtb. 1, 457. 

l) gebietsende , gebietsscheide : grentze 
odder landsende, da man aus einem lande yun 
das ander tritt, posl. (1528). 273^; an 
der behmischen grentz. Jen. 1, 215*; die 
grentze des welschen landes. wider das 
bapstum. (1545). Biiij*; die grentze des 
lands Canaan. 2 Mos. 16, 35 ; Arnon ist die 
grentze Moab zwischen Moab vnd den Amo- 
ritern. 4 Mos. 21,13; mitten inO bach der die 
grentze ist. 5 Mos. 3, 1 6. scheide zwischen 
wasser und land: du hast eine grentze ge- 
setzt, darüber komen sie nicht, ps. 104, 9. 
redensarten: die grenze weitern. 2 Mos. 34, 
24 ; du solt deines nehesten grentze nicht zu 
rücke treiben. 5 Mos. 19, 14; verflucht sey 



wer seines nehesten grentze engert. 27, 17 ; 
die grentze verrücken. Hos. 5, 10. 

2) gebiet: so wil ich alle deine grentze mit 
fröschen plagen. 2 Mos. 8, 2 ; also wegerten 
die Edomiter Israel zuuergönnen durch jre 
grentze zu ziehen. 4 Mos. 20, 21 ; vnd 
namen alle grentze der Amoriter ein. rieht, 
1 1, 22 ; vnd sie suchten eine schöne dirne in 
allen grentzen Israel. 1 kön. 1, 3; vnd lies 
alle kinder zu Bethlehem tödten vnd an jren 
gantzen grentzen. Matlh. 2, 16. 

UftmiitUf mit der grenze woran rühren : 
Ganaan ligt hynein gegen mittemacht, Egypten 
gegen dem aJsend, das. sie mit einander gren- 
tzen vnd zusamen treffen wie zween zipfel. 
vber das erste buch Mose. (1527). nn ij''; 
Zidon vnd Tyrus, welche grentzen mit Galilea, 
der proph. Jesaia. (1528). 2 '^ ; Madian sind 
yhr nachpawrn vnd grentzen mit yhn an dem 
rotten meer. po«l. (1528). 104'*; Hemath, 
Berotha, Sibraim, die mit Damasco vnd Hemath 
grentzen vnd Hazartichon, die mit Haueran 
grentzet. Ezech. 47, 16; Hamath die mit jr 
(Damascus) grentzet. Sach. 9, 2 ; dieselbige 
stad grentzet mit dem lande Syria vnd der 
slad Damascus. der proph.Sacharja. (1528). 
Aa ij *. 

lüreiuer^ m. grenzbewohner : also sind das 
alle Galilei, grentzer die nicht williglich gottes 
gebot halten. Eist. 1, 36'. 

CreMstailtj f. Stadt an der grenze: alle 
grentzstedte sampt jren dörffern. Jos. 16, 9. 

Ureslich^ s. gräszlich. 

Ilressig^ s. grässig. 

dreteil, die beine auseinanderspreizen: 
du gretest (d. i. gretetest) mit deinen beinen 
gegen allen so für vber giengen. Ezech. 16, 
2 5 . eine bei Bind'seil fehlende var. dieser 
stelle lautet: du sperrest deine beyne auff 
allen die für dir vber gehen, post. (1528). 
130 ^ — mhd. griten (Ben. 1, 577"'. 
Lexer 1089); vom goth. grids schritt. 

dretleln (grettlin), n. Gretehen: vnd ist 
das liebe Grettlin (1528: gredlin) mit den 
rodten schuhen, ausleg. der ep. vnd euang. 
vom christag. (1522). Ccij*. 

dreael (grewel), m. abominaüo, ab- 
scheu, mhd, griuwel (Ben. 1, 585*. Lexer 
1090); von grauen, vgl. grawel. 

1) greuel haben an etwas, grauen, abseheu 



GREUEL 



165 



GREULICH 



vor einem gegeniiand oder einer Handlung 
empfinden, a) gewhiUich mtl der praep, 
an: sie sind, 911 welchen gott grewel hat. 
Tit. 1, Iß; ich hab einen grewel an jnen ge- 
habt. 3 Mos, 20, 23 ; du soll einen ekel vnd 
grewel daran haben. 5 Mos. 7, 26; alle 
meine getrewen haben grewel an mir. Hiob 

19, 19; der herr hat grewel an den blut- 
gingen vnd falschen. p$. b, 1 ; lügen bin ich 
gram vnd habe grewel daran. 119, 163. 
h) einmal mit gen.: volck des man grewel 
hat. Jes. 49, 7. 

2) gegenständ des abseheus, besonders 
aus religiösem {sittliehem) gründe, a) von 
personen: ein mensch, der ein grewel vnd 
schnöde ist. Hiob 15, 16; die thoren sind 
ein grewel mit jrem wesen. ps. 14, 1 ; wer 
solchs thut, der ist dem herrn ein grewel. 5 
Mos, 18, 12; die Edomiter soltu nicht für 
grewel halten, . . . den Egypter soltu auch 
nicht für grewel halten. 23, 7; sie (die 
Egypter) hielten die kinder Israel wie ein 
grewel. 2 Mos. 1, 12. häufig bezeichnung 
des bapstes : nu für ich mit dem verfluchten 
grewel am ersten sentit vnnd leysze vnd schon. 
aniVDort deuisch. (1522). Aiiij''; ich weysz 
DÜ was ich dencken vnd sagen sol widder den 
vDBussprechlichen grewel des endchrists zu 
Rom. grund vnd vrsach. (1521). mj^; 
der grewliche grewel zu Rom, der sich bapst 
Deonet. mder das bapsium. (1545). Aij^ 
h) von Sachen : falsche wage ist dem herrn 
ein grewel. spr. Sal. 11, 1; mancherley 
gewicht vnd mas ist beides grewel dem herrn. 

20, 10. tut a. lest, besonders von levilisch 
unreinen dingen : da seit dem herrn deinem 
gott kein ochsen oder schaf opffem, das einen 
km oder jrgend etwas böses an jm hat» denn 
es ist dem herrn deinem gott ein grewel. 5 
Mos. 17, 1; du solt ketoen grewel essen. 
14, 3; vnd essen sdiweinefleisch, grewel 
vnd meuse. Jes. 66, 17. oai kamfigsten von 
den gölzen: die schrillt heisset die abgotter 
eigentlich ein grewel, darumb das gölte- dar 
for eckelt vnd graweL serm. von des jü» 
diseken reiekes ende. fl525i. Aüij'; ver- 
flacht sey wer ein götzen oder gegossen bild 
macht, einen grewel des herrn. 5 Mos. 27, 
15; also wandelt Salomo Astboreth dem gott 
der von Zidon nach vnd Mdcom dem grewel 



der Ammoniter. 1 kÖn. 11, 5 ; da bawete 
Salomo ein höhe Chamos dem grewel der 
Moabiter . . . vnd Molech dem grewel der 
Ammoniter. v. 7 ; auch feget Josia aus . . alle 
grewel, die im lande Juda vnd zu Jerusalem 
ersehen wurden. 2 kön. 23, 24 ; ein jglicher 
werfTe weg die grewel für seinen äugen vnd 
verunreiniget euch nicht an den götzen Egypti. 
Esech. 20, 7. c) von Handlungen: was der 
gröste grewel ist, mus allezeit gottes namen 
beschönen vnd auff sich nemen. vber das 
erste buch Mose* (1527). Tij "; wollen dazu 
noch allen grewel' verteidigen, artickel. 
(1538). Aüi]**. tfi der bibel namentlich die 
mit dem götzendienst, überhaupt mit allem 
abfall von gott verbundenen greuelhaften 
Handlungen: du solt nicht bey knaben ligen 
wie beim weihe, denn es ist ein grewel. 3 
Mos. 18, 22; kein weib sol mit eim tliier 
zuschaffen haben, denn es ist ein grewel. v. 
23 ; darumb haltet meine Satzung vnd rechte 
vnd Ürat dieser grewel keine, r. 26; vnd sie 
theten alle die grewel der beiden. 1 kÖn. 
14, 24; darumb werden sie mit schänden 
bestehen, das sie solche grewel treilien. Jer, 
6, 15; vnd treiben vnternander freund mit 
freunds weihe grewel. Ezech. 22, 11; damit 
er einen grewel begehet. 18,12. 

UttutlfiiUf m. was sagen sie nu hie tzu 
yhrem abgot vnd grewel götzen. bulla eene 
domini. (1522). Cüj'. 

Clreiela^ grauen, mhd. griuweln, grAweln 
{Ben. 1, 5S4 ^), impers. mit dat.: dir grewelt 
für den götzen. Rom. 2, 22 ; mir grewiet 
für yhr (der falschkeit). ps. 1 19, 163 var,; 
vns eckelt vnd grewelt für dem sacramenl. 
das diese wort etc. (1527). i ij'; allen den 
es grewelt zu hören, das ein mensch rediter 
gott sey. das schone eanfiUwdni. (15^0). 
N4^ 

iBftmtlwafftf f. fre<(«en sehwetnefleuieh vnd 
haben grewelsuppen in jreo töpfllm« Jes» 
65, 4. 

ttffflUch (grewiicfi), adf. und adv. gramen 
erregend, mhd. griuwelidi, gekürzt gfiolwii^ 
als adv. griuweilclie, griulktie (Ben, U 
5S4^ Lexer 1090?. 

\iadj.: volck 69% grewlieber ist d««» 
M>n%t irgend ein«. Jes. 1^, 2; er (der 
kneekt goites) wird nidit märrifcli 90tt:H 



GRIEBE 



166 



GRIECHEN 



grewlich sein. 42, 4; vnd sihe das vierde 
thier war grewlich Tnd schrecklich. Dan. 7, 
7 ; nach meinem abschied werden vnter euch 
komen grewliche. (reiszende) wolffe. ap. 
geich. 20, 29 ; die sie {toeibchen der parden) 
sind grewiicher denn die hee (männehen). 
der proph, Habaeue, (1526). diiij^; die 
greulichen, wilden lawen vnd beerenzeene. 
das 14. vnd 15. eap. s. Joh. (1538). 
Zzüij^; grewliche eyde. von dem bapstum, 
(1520). Gij*; gar viel grewiicher grewel aus 
vnwissenheyt der sprachen geschehen, an 
die radherm, (1524). Cij*; grewliche 
messen vnd abgöttereyen. vom grewel der 
sUUmesse. (1525). Aj^ iCarUiad gibt) 
dem bapst schuld viel grosser grewiicher 
stucke, doi ander legi widder d. hgmL 
Propheten, (1525). Lj^; zu solchs grewlichs 
weszens besserung dieplich. an den christl, 
adel. (1520). Eiij*;*die cardinel vnd deines 
hofes puseron vnd hermaphroditen füren ein 
solch grewlich wesen. mder das bapstum, 
(1545). Fj**; solch vn^eschwungener, grew- 
iicher, grosser betrug, von der mnkelmesse. 
(1533). Fiiij*; ein greulich, vnchristlich 
lestem. auff das vbirchrisUich buch. (1521). 
Diij*; grewlich Scheltwort, der \0\. psalm. 
(1534). Rij ^ ; grewlich schaden drausz folgt. 
von weltlicher vbirkeit. (1523). Dj*; die 
gar grewliche seelmörder sind, die das iunge 
volck yin die klöster stossen. das 7. cap. 
Cor, (1523). Kiij*. in abgeschwächter 
bedeutung als verstärkungswort für sehr^ 
xum erstaunen : ein greuliche lange zeit, vber 
das erste buch Mose. (1527). Yiiij*. 

2) adv.: die wasserwogen brausen grew- 
lich. ps, 93, 4; vnd handelst grewlich mit 
mir. Hiob 10, 16; er lesset sich versttnen 
vnd strafft auch grewlich. 5i>. 16, 12; wenn 
sie {die Juden) auch so greulich gestrafil 
würden, das die gassen vol bluts rönnen. 
vom schem hamphoras, (1543). Aij^; 
warumb hastu meine liebe tauffe so grewlich 
gelestert? von der heil, tauffe. (1535). 
Biij*; weil sich der römisch hoff so grewlich 
für einem freyen concilio furcht, artiekel. 
(1538). Aij*. 

Clriebe (gribe), f. cremium, ausgeschmelzter 
fettwürfel: meyn gebeyn seynde dorre ge- 
braten wie ein {d. i, eine) gribe. die sieben 



busspsalm. (1517). E 5^ var. xu ps. 102, 
4 (in der ausleg. E 6**: eyne griebe); gleich 
wie das fewr anszeagt als (ßtles) feyst vnd 
macht eyn dürre gnben. ebend. E 6 ^ friM- 
lieh für gute, fette beute: das ich von Engel- 
ländern mit warheit mir hab lassen sagen, der 
bapst habe aus Engelland jerlich neun tonne 
goldes gehabt, etliche sagen wol mehr, warlich 
die griebe mocht Constantimis erben zu Rom 
den kol fett machen. Jen. 6, 524*. — mhd. 
griebe m. {Ben. 1, 569 ^ Lexer 1079), ahd. 
griupo {Graff 4, 310). über die etgmologie 
s. Weigand wlb, 1, 457.) 

drieche^ m. Graecus, mhd. Krieche {Ben. 
1, 880^), welche Schreibung auch L, an- 
fangs noch bietet : solche kunst hat nie keyn 
Krieche ersehen, die doch ynn der spräche 
geporn sind, das ander teyl widder d. hyml. 
Propheten, (1525). Diij**; dieser tölpe geyst 
wUl noch aller erst alle Kriechen zur schulen 
füren, ebend. Diiij*; Jauan sind eygentlich 
Jones, das ist die Kriechen, vber das erste 
buch Mose. (1527). cij^; der Jauan ist ein 
vater aller Kriechen, ebend. c üj " ; ebenso 
in den bis xumj. 1527 erschienenen ausg. 
des n. test. (x. b, Joh. 7, 35. 12, 20; ap, 
gesch, 6, 1. 9, 29. 11, 20 u. a. st.); später 
nur Grieche: der Grieche Plato. von den Jü^ 
den. (1543). Aiiij*^; da zu auch die kinder 
Juda vnd die kinder Jerusalem verkaufit habt 
den Griechen. Joel 3, 11; es setzten sich 
auch die Griechen mit grosser macht wider 
sie. 1 Maec. 8, 9. im n. lest, kommen die 
Griechen wiederholt im gegensatze zu den 
Juden vor, doch nicht sowM der abslamm" 
ung als der religion nach, so dasz Griechen 
so viel als heiden und beide zusammen die 
gesummte menschheit bezeichnen: denn es 
{das evangelium) ist eine krafft gottes, die da 
selig machet alle die daran gleuben, die Juden 
fumemlich vnd auch die Griechen. Rom. 1, 
16; denn wir haben droben beweiset, das 
beide Juden vnd Griechen alle vnter der sünde 
sind. 3, 9 ; hie ist kein Jude noch Grieche. 
Gal. 3, 28. 

ClrieclieB {Kriechen), n. Griechenland, 
mhd. Kriechen {Ben, 1, 880 ^) ; durch Alexan- 
der den könig ynn Kriechen, der proph. 
Habacuc. (1526). ciiji\- er {der Türke) 
hat gantz Kriechen, vom krieg widder d, T. 



GRiECHENLAND 



167 



GRIFF 



(1529). Hj^'; die keiserthumb zu Assyrien, 
Fersen, Griecheo. der 147. jwa/m. (1532). 
6j * ; io kome dieweil der fttrst aus Griechen, 
torr. vber den proph. Daniel. Bindseil 7, 
370. 

CriechaÜMMl (khechenland), n. Graecia: 
<ier zigenbock aber ist der könig in Griechen- 
land. Dan, 8, 21 ; der fürst aus Griechen- 
laod. 10, 20; vnd wil deine kinder Zion 
erwecken vber deine kinder Griechenland 
(var. Griechland). Sadi, 9, 13; da kam er 
in Griedienland (var, Kriechenland in den 
ersten ausg, des n. test.), ap. gesch. 20, 2 ; 
vud eben die selbigen sind auch die kinder 
Zion, welche er vber che kinder Griechslandes 
erweckt, das ist die apostel vnd iünger mit 
dem euangeiio yns Kriechenland geschickt 
aus Zion. der proph. Sacharja. (1528). 
Bbiüj'«. 

(iriecherei (kriecherei), f. d. Carlstad mit 
seyner kriecherey (es ist die rede von Carl" 
tlaäs ausUgung des abendmalstextes mit 
herufung auf das griechische ohne genügende 
keimlnis der griechischen spräche)» das 
ander teyl widder d, hymL propheten. 
(1525). Eiij **. vollständig s. die stelle unter 
griechischverständig. 

CIriecUscfc (griegisch, kriechisch, krichesch, 
krichscfa, kriechscb), graecus, mhd, kriechisch 
{Ben. 1, 880 **) : von demkriechscben keyszer. 
an den ehrull. adel. (1520). Liüj^ die 
krichsche kirche. van dem bapsium, ( 1 520). 
Füij^; apostolus auff krichesch heist ein bot 
auff deutsch, ebend, Dj*; erstUcli sollt die 
heylige schrillt heyde aufflateinisdi, kriechisch, 
ebreisch vnd deutsch vnd ob sie noch ynn 
Qiehr sprachen were, drynnen seyn (tu einer 
guten bibUotkek). an die radherim. (1524;. 
Eij^; da* esebkopffwill kriechische spräche 
meystern. das ander teyl widdtr d. hyml. 
Propheten. (1525). Bi}^; nach der griegi- 
sehen spräche, das diese wort eie, (1527j. 
« j'; aus dem griegiacfaen. ebemd.; auff grie- 
gisch. deudsck eateeh. (1529). Aij*: idui 
tauseat gnechiscfaer fosknecfat. 2 Mau. 13, 
2; ein gnecbiscfa (c«r. kneciii»<:h( weib. 
Marc. 7, 26; Tnaotfaeus eine» jiidiMrhen 
Weibes son, aber eines griefhLNrfaen «ater». 
ap.gesdi. 16, 1. 

Mechischfcntiaiigy gn^Ji^ier^tefuli^r, 



der griediischen spräche kundig: wolan so 
will ich d. Garlstad mit seyuer kriecherey den 
kriechischverstendigen befehlen, das ander 
teyl Widder d. hymL propheten. (1525). 
Eiij ^ ; die griechsversteudigeu. vom abendmal 
Chrüti. (1528). mj*; das las ich die 
griechsversteudigeu ausfedtfen. ebend. Aüi]**. 
ttries, m. historisch richtiger griesz, denn 
mhd. grie; {Ben. 1, 577^ Lea:«r 1080), 
grobkörniger sand , dann wie in folgender 
stelle sandiges ufer: inn dem kqmen sie an 
den gries bey dem wasser, In genant, von 
er Leonhard Keiser, (1528). Diiij"; aufT 
dem gries bey dem galgcn. ebend. 

Criff, m. mhd. ahd. grif (B^n. 1, 572 ^ 
Leor^r 1081. G raff 4, 318), bei L. ge^ 
wohnlich in uneigentlicher bedeuiung für : 
geschickte handlung einer sache, Kunstgriff : 
dis ist die regel vnd grifl' die schrifTt auszu- 
legen, wider das bapstum. (1545). Vj'; 
daraus last vns lernen, wilche die rechte kunst 
vnd der rechte griff ist ans aller not vnd 
angst zu kernen, der proph, Jona. (1520). 
Fij * ; die veniunft kan doch den rechten griff 
nicht treffen, solches zu verkomen vnd aus zu 
wortzeln. ausleg. der ep. vnd euang. von 
ostem. (1544). y5''. häufig mit übler 
nebenbedeutung, list, betrug: dis ist eyn 
schwinder griff, ron anbeten des sacraments* 
(1522). Bij*; vnter yhreui handel manch 
böser griff vud schedliclie fynantze ym braurh 
sind. von kaufshandlung vnd wucher. 
(1524). Aij'; vnzeliche, schwinde, b<#Ae grill 
vnd tuck, die itzl vnter den kauffleutti'n zu 
zotten gellen, ebenda Cij'; fUridhu vnd 
sdiwinde griffe (laL technas at/|ue imponturai)). 
deudsch eatech. (1529;. Liij''; spitzige 
renc'ke, geschwinde gnffe, gifflige pra<'liken« 
das 6. cap. Ephes. (1533). Giiij'; %if\i'\tf, 
Sprüche wenlefi %\ti alle mit fielM'fiden gnffm 
verdrelien. das 17. cap. s, Joh. i\%M). 
Fiiij'-; dz solcher Minili^r griff auch ^emerltt 
ward, rem den e^meilifs* i\%^^}. Pj*; 
wenn die ketzer die »a#'heD mit blindirri griffen 
wollen faL^:h maclfen. ebend* f'ij * : »#;bab'li' 
beit aber bei««t atlUrrlry lione Uu:k vunI ge^ 
' «/'hfiinde, bhnde, gifflige griffe so twm Ifrau^ft 
m d#T lere oder gffttM woH, da«W|pfg« zu 
! Milien ^nd %erkeren. amleg, 4er ep, vnd 
\euamg.ton ostem. (1544;. A5'; UmUsT" 



GRIFFEL 



168 



GRIMMIG 



listige griffe, de Wette 6r. 1, 237. etwas 
am griffe haben, kunstgeübl darin sein: nicht 
gewissen haben sie jhr lebtag gehabt, denn 
solche jre eigen Weissagung, sie hattens am 
griffe wie die fiddeler. das schöne confUC' 
mini. (1530). Eij^ 

Mttl, m. Stylus, ritzendes Schreibwerk' 
zeug, mhd. griffel (Ben, 1, 572^. Lexer 
1083), ahd. griiil (Graff 4, 312); aus gr. 
tat. graphium: vnd entwarffs (das goldne 
halb) mit eim griffel. 2 Mos, 32, 4 ; ah, das 
meine rede geschrieben würden . . . mit einem 
eisern griffel auff bley. Hiob 19, 24; ein 
griffel eins guten Schreibers, p«. 45, 2; wol 
ists war, das Mahmet gern bette eiv leicht 
gesetze gegeben, aber es ist jm nicht verbeuget, 
seinen eriffel also zu regim, das er nicht viel 
schweres mit vnter schriebe. Verlegung des 
alcoran. (1542). Siij*". 

Criffleln (grifflin), n. dim. zu griff. 1) im 
sinne von Ust, ranken: es sind eytel rechte 
teuffels grifflin, da d. Carlstad mit vmbgeht. 
das ander teyl widder d. hyml. propheten. 
(1525). Mj*; was von wucher vnd spitzigen 
grifflin gesucht vnd geschrieben ist. wider 
den Wucher. (1540). Aiij^ 2) 6cyn/f : aber 
doch ein kleins kurtzes grifflin zu geben den 
jenigen, so gnade vnd verstand haben, weiter 
darnach zu trachten, sey das mein dienst. 
vorr. auf das a, lest. Bindseil 7, 313. 

Mkel, n. pr, Joh. Agricola von Eisleben, 
seil 1536 professor in Wittenberg, seit 1540 
hofprediger in Berlin: darumb solt ra. (ma^ 
gister) Grikel nicht mich Luther, sondern 
sanct Paul verklagen. Jen. 7, 380^; solchs 
sihet m. Grikel (de Wette br. 6, 255 : Grickel) 
nicht, ebend. 381^; also stehet m. Grikels 
klage wider mich, ebend. 382*. 

M\ltff.(?)gryllus,(Alberus dicL Cciij': 
grill, grillus, heymchin), mhd. grille mf. 
[Ben. 1, 573^ Lexer 1084), ahd. grillo, 
crillo m. (Graffi, 320), bei L, ist das genus 
unentschieden, da das wort nur im pl. be- 
gegnet: also haben die alten poeten vnd 
weisen gespielet von den grillen oder heu- 
schrecken. ausleg. der ep. vnd euang. von 
ostem. (1544). Xx6^ 

ClriMil (grim); m. heftiger zom, iracundia, 
furor, mhd. grim (Ben. 1, 573**. Lexer 
1084) ; zu grimmen: bis sich der grim deines 



bruders wende. 1 Mos. 27, 44; verflucht 
sey jr zorn, das er so heff^ig ist vnd jr grim, 
das er so störrig ist. 49. 7 ; da du deinen 
grim ausliessest verz^ret ei sie wie stoppeln. 
2 Mos, 15, 7 ; kere dich von dem grim deines 
zorns. 32, 12; Pinehas hat meinen grim von 
den kindern Israel gewendet. 4 Mos. 25, 11; 
es ist ein grosser grim' des herrn, der vber 
vns entbrannd ist. 2 kön. 22, 13; da ward 
der könig seer zornig vnd sein grim erbrand 
(«. entbrannte) in jm. Esth. 1, 12 ; da der 
grim des königs Ahasueros sich geleget hatte. 
2, 1 ; das yhr euch nicht furcht ... für dem 
grym des brandschwantzs. ep. an die kirche 
zu Erfurt. (1522). Aj**; hilff gott, wie 
zornig sind die beiden, das sie . . für grossem 
wehe mut vnd grym auch nicht sehen, was 
odder worauff sie antworten sollen, vom 
abendmal Christi. (1528). a ij " ; die lutheri- 
schen müssen alle stunde gewarten, des 
gantzen reichs grim vnd gewalt. wider den 
meuchler. (1531). Giij*; der bapst möchte 
für grimm zubersten. tischr, 311^. gen. 
grims (vol grims. Esth. 3, 5. Dan. 3, 19), 
gewöhnlicher grimmes (des grimmes. Hiob 
40, 6. Zeph. 1, 15; meines grimmes. Jes. 
1 0, 5 ; deines grimmes. 51,17; vol grimmes. 
30, 27). 

ClriniMeii, wie mhd. grimmen (Ben. 1, 
57 3 ^ Lexer \OSb) in zwei bedeutungen ; 
1) vor zom wüten: dawider die weit grimmet 
vnd wütet. Eisl. 2, 22 *. 

2) brüllen: vnd grynunen wie die lewen 
Widder mich, von heimlichen vnd gestolen 
briefen. (1529). Eij\ 

CriMBiei^ n. 1) das grimmig sein: lasz 
dein grimmen, ps. 37, 8 var.; auff das der 
herr von dem grimmen seines zorns abge- 
wendet werde. 5 Mos. 13, 17; auff den tag 
des grimmens. Hiob 2 1, 30 ; o des grimmens, 
des vnwÜlens göttlicher maiestet, post, 
(1528). 21 ^ 

2) statt krimmen tormina (s. d.) : ein vn- 
settiger fräs hat das grimmen vnd bauch wehe. 
Sir. 31, 24; ein vnsettiger fräs kriegt das 
grimmen. 37, 33; die reichen jre sondere 
plage vnd kranckheiten haben, zipperlin, 
grimmen, lerne, hausposl. (Wittemb. ibib) 
sommerteil. 86**. 

Criiimig^ zornig, unfreundlich, wild. 



GRIW 



1«8 



GROB 



mM. i^iaunic, grioamee {Beiu U 674 ^ £e- 
xer 1085), ahd. grinumg (£1^4.325): 
der beir ist grimmig vber alle jre hetf . /m. 
34» 2 ; das die leate hofferlig vnd grimmig 
»Bd. Sir. 20, 21 ; eis grimmiger heBgst 
Jer, 8» 6; ewer widderwertiger seUeichi 
vmbhmr wie eyn grymmiger lewe. 4Mr propk. 
SaeKofj^. (1528). Miy*; vnder gieng von 
Pharao mil grimmigem zora« 2 üfat. 11,8; 
der grimmiga lom des herra. 4 Jfoa. 25, 4; 
sein grimmiger drachen vml Lewen laro. äm$ 
l^.e^.Joh. (1538). FfijS 

(UMi m. auuMag, mki. grisi (Ami» t, 
576^ iMm 1087)» oM. crint (ßraff^f 
330): deui es ist grind. 3 Um. 18, 6; 
wemt aber der grind weiter firisst ia der haut 
V. 7 ; Xoies anssatx heisst aUeriey grimi \nd 
Malern oder mal. |i. s« 3 M09. 13, 4 ; 
grind oddar geneu am leib, dos 5. 6. fand 
7. eap. M. MaUk. (1532). Gü>«; wok geni 
seinen giind vnd gnatz an mir abreiben. He 
1U.ßmiw9rU (1533). €j^ grind vnd gnaU. 
wiäsr a€M» WwiL (1541). A^*; das die 
laus im grinde sieb dicke weide, dar 101. 
jMota. (1534). Jj^; wenn die lanss in 
grini komet« so wird sie bofferlig {tpnA^ 
t0erl). £f /. 2, 467 ^ 

V^imBW. WwwSwflMpy veHeHHHOTB • S9 QC» 

leib sei also essen vnd trinfifcen, sputzen vnd 
aoftwecflen, grinden vnd krauen, dos 16. 
ceji. dar eralen «f. $. faitä nn die Cer. 
(1534). biüj*. 

fifffmUclii gHMkU, «il frind ftdba/Üel, 
mAd. gritttdH («an. 1, 577 \ I«rfr 1087): 
grindiciit («or* grindicb). 3 Jfoa* 21, 20; 
ob dn scbon grindicht, gnetzicht, stinekend 
vnd aois vnreinest werest. aerm. eo» dam 
fi.leai. (1520). Bq^; wir garstigen, lausigen 
grindicfae manche, die M. milioorl. (1533). 
Dinj*. 

Mndigy doesel^e» «iM. grintec (Leser 
1087): reodig, grindig, lausichL vUr fre^ 
diguntic. (1546). Liij^; ist er grindig, so 
sucht man rat, das man den grind möge 
heflen« ebeiidL Liüj*. 

teindkisy n. dtm. %u grind: nu mos man 
leiden, (4) etwa an einem schonen leibe eine 
wartzen oder grindlin sey. uiditr Hans 
Wor$L (1541). UüjK 

Mnnmiy schreien: die letzte olung ist 

DiBTS, WSrtcrtadk IL 



kein sacrament . . . wie die rangen zu Löuen 
grynnen (mti grossem gesckrei geltend mo- 
e^en). lei^br die 32 orfteJkeJ. (1545). 
Bj^ «x^ grynnen sseki leoM Mar ßr grtnen, 
greis^en, mM. grtnen (Ben. 1, 576*. Isxer 
1086). 

%eek, eroema, mhd. grop (Ben. 2, 761\ 
leam 1092), ahd. gerob (ffraf 2» 356. 
4, 309). ob mit eingeschaäetem e, so dass 
g «mrieUUi/l ledre, oder außösung in ge» 
rob(p) anstmeftmen« mius doAiNfeileM 
Meidan. vgL Leaer a. a. 0. 

1) Ol» moiae stark und gross, wnfein: vnd 
schreibt drauff mit deutlichen groben (grossen) 
bucfaalabee. der pro§h. Habaene. (1526). 
hj'; ich sehe wol ich muai mit den pawr 
eien vber die groben bloch kummen. egn 
vrbsgl der iheoiegen. (1521). Di|*; der 
Zwingel ist aUer erst ein vageschickter zymer- 
man vnd hawet grobe spen. das diese tsort 
ete. (1527). mj*; die laa nur ^robe (raiiAe) 
drescherspeise essen, vom eeriomen acAo/. 
(1533). Bij*; geringe grobe kleider • . . wie 
bey vns die kütel vnd grob linwand. gl* su, 
1 dhrom. 22, 16 ; grober rock, werckella^i* 
klaid. gl, sn Jes. 20, 2; der einen groben 
kittel an hat. Sir. 40, 4 ; grob (verdickt, 
geronnen) blut. von den eonci/t/a. (1539). 
Ei-. 

2) McM in die dane faUend, deutlidt, 
eH s en n bar: tust vnd liebe zu groben sttnden. 
vber das erste buch Mose. (1527). Füij«; 
mord, diebruch vndhurerey, geitz, bofbrt, 
hass vnd neid. . . die heisaet man grobe vnd 
erkendliche sunde. von der Sünde beider den 
heiLgeist. (1529). Ag'*; inn dissem groben 
(deutliehen) feynen exempell. ansUg^ der 
ep.vndeuang. vom christag. (1522). Rrij''; 
des mus ich ein grob exempel setzen, von 
den eaneil^. (1539). Sij'; grobe thorheit. 
van den Juden. (1543). Aüj^ grobe nar- 
heiL vmnakendmal ChrisU. (1528). nij«; 
oiit groben vageböfelten lügen, ebend. lUij''; 
solche grobe lügen. arlidl;e/. (1538). Aiij*; 
eine grobe, tölpische, nerrichte lüge, von den 
Juden. (1543). Oiij*. 

3)eo» Personen, umverständig, unge^ 
sehidct, ungebüdet: der vugelert, grober, 
stollMr man. von den eandUJs. (1539). 
Sj^; vnvemiinftig, das man heisst ein groboi 

22 



GROB 



170 



GROBES 



man. gl. zu Rom, 1, 31 ; schertze nicht mit 
einem groben menschen. Sir. 8, 5; ein 
grober, angezogen mensch. 20, 21 ; keyn 
rültze ist itzt so grob wenn yhm was trewmet 
odder duncket , so mus der heylig geyst yhm 
eyngeben haben, an die Christen zu Äntorff. 
(1525). Aij*^; das er nicht dencke, sie seien 
so grob, das sie gar nichts dauon verstehen. 
das 16. cap. Joh. (1538). Gciüj'; der 
grobe geist weis noch nichts was im himel 
sein heist. vom abendmal Christi. (1528). 
Ij''; es sind mir doch ja grobe vugelerte 
hempel. ebend. liiij*; zur schule vnd zum 
vocabulario exquo mit mit den groben ba- 
chanten. undder das bUnd vnd toll verdam- 
nis. (1524). Biij^; man mus den iungen 
groben leuten mit ceremonien vnd eusserlieher 
weise die lere einblewen. das 15. cap, der 
ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534). 
Xj*; die groben fantastischen münchen. 
hausposl. ( fViltemb. 1 545). winlerteyl 49 * ; 
diszer grober bockskopff. au/f das vbirchrisU. 
buch. (1521). Cij**; wie wol die groben 
eselsköpfie . . . schier nichts wol verdeudscht 
haben, von heimlichen vnd geslolen brieffen. 
(1529). Dij**; es sind grobe schendUche 
bapstesel. auff das vermeintlich edict. 
(1531). Fij*^; du bist zu mal ein grober esel. 
von den concilijs. (1539). Nj^ 

CJrobj adv. ahd. grobo {Graff 2, 356). 

1) obenhin j in allgemeinen umrissen: 
wie aber das selb {die Schöpfung des weibes) 
zugangen ist, schweigt er hie still, wird es 
aber hernach verkleren ym andern capitel . . . 
wie er auch sonst gemeyniglich von ersten ein 
ding pflegt grob vnd obenhyn zu schreiben. 
vber das erste buch Mose. (1527). Fiij*. 

2) in hohem grade, sehr: dis stuck, höre 
ich, treyben die Engelender kauffleute am 
grobesten vnd meysten. von kauffshandlung, 
(1524). Dj''; als er (Adam) sihet wie er ge- 
narret hat, feret er zu, wil sich beschönen 
vnd narret erst gröber, vber das erste buch 
Mose. (1527). Liij*. 

3) unverhülU, derb : was tzu gottes dienst, 
dem volck tzu predigen, regiren vnd bessern 
gestiCFt, musz ytzt den slalbuflen, mauitreibern, 
ja das ich nicht grober sag, romischen hurn 
vnd buflen dienen, von guten wercken. 
(1520). Liij**; wo hat ers gelesen? der saw 



im (grob heraus) hindern, vom sehem ham^ 
phoras. (1543). Eüj*. 

4) einfach, deutlich, klar: ich musz aber 
grob (einfach, simpel) reden, von dem bap- 
stum. (1520). Biij^; das mus ich ein wenig 
grob ausstreichen {hoc aliquanto planius ac 
rudiui explicandum est), deudsch cateeh. 
(1529). Bj**; solchs hab ich so grob vnd 
alber daher müssen sagefi vmb der groben 
[vnverständigen) ^ faulen Christen willen. 
vermanung zum sacrament. (1530). Gij*. 

drobeln (grobeh, grobbeln), gribeli^ 
rimari, scrulari, mhd. grübelen {Ben. 1, 
563*. Lexer 1096), ahd. grubil6n, crupU6n 
{Graff4, 308); nie^ xu graben, s. Wei- 
gand wtb. 1, 460. für die sintUiche be- 
deuiung „bohrend graben" ist mir aus L. 
kein beleg zur hand, desto häufiger begegnet 
es im sinne von^- suchen, erforschen, nach' 
forschen, worauf sinnen (vgl. ergröbehi). 

a) absol.: auff das hertzog George nicht 
abermal zu grobein vnd -meine heimUche rede 
zu steleü vrsache habe, von heimlichen vnd 
geslolen brieffen. (1529). Dij"; sie suchen, 
grobein vnd lichten, das sie ia etwas böses 
von vns sagen, auff das vermeini keiserlich 
edict. (1531). Füij*'; lieber gott, wie grub- 
len sie, wie Sachen sie es so mancherley vnd 
gnawe. Verantwortung. (1533). Gij^ 

b) mü acc. : (herzog Georg) grobbelt, 
sucht vnd foddert die liandschhfft. von heim- 
liehen u. geslolen br. (1529). Biij". 

c) mit praep. : wie er soll nach frembden 
brieffen grobein. ebend. Giij*; grobelt er 
aber darnach hinder meinen wissen vnd willen. 
ebend. Giiij*; (S. Frank) sucht vnd gröbelt 
jmer nach -dem hosen, ein dialogus. (1545). 
Aij ^ ; die ketzer vber vnd ausser der schriflt 
jnn diesen hohen, vnerforschUchen sachen 
sich vnterstanden zu gröbein vnd klügeln. 
das 16. cap. s. Joh. (1538). Qiiij*. 

dj mit abhängigem salz: (die list} sucht 
vnd grobelt tag vnd nacht, wie sie vnter dem 
namen vnd schein der billicheit zu marckt 
kome. ob kriegsleutte etc. (1527). Biij^ 

CIrobeSj m. gröbs, kemgehäuse des kern- 
Obstes, voc. ex quo bl. B .7 ^: grubsz, mhd. 
grobis; (Lexer 1091): den selben apffel hat 
jderman noch jm magen, . . wil sich nicht ver- 
de wen lassen, denn auch die rechten heiligen 



GROBHEIT 



171 



GROSCH 



noeb etwas zum wenigsten von dem grobes 
jnn sich haben, wider den wucher. (1540). 
Jj'. heule üblicher, aber unrichUg griebs. 

€r«blieitj f. beschränklheit , eitmehu- 
losigkeil, ungeschliffenheiU bäuerisches toe- 
#eit, mhd, grobheit» gropheit (Ben. 2, 762*. 
Leoper 1003): aber dem bapslesel jucken die 
ohren vnd wil sein ika vnd grobheit gekutzelt 
haben, eine berichl. (1528). Dij'; das er 
s^ner iünger grobheit vnd schwacheit (im) 
glauben so freundlich tregt. posL (1528). 
336*; vnvers^nd vnd grobheit ist das. von 
den eoncilijs, (1539). Yiij * ; vnuern unfl\ das 
ist grobheit vnd vnbescheidenheit gegen dem 
Dehesten, als die dabawerkündigvndstoltzig- 
licb andei; verachten, gl. zu Marc, 7, 22. 

€r«Uai> m. bäurischer, ungeschliffener 
mensch, bei L., wie im 16. jh. überhaupt, 
laL'deutsch grobianus : Hans Grohianus bist 
du. Eisl. 1, 335". 

firoUirh (grohhch), adv. mhd, grobeltche 
[Ben. 2, 762*. Lexer 1091). 

1) simpel, einfach, ungekünsteU: weil 
ynn diesen dreyen stücken kürtzhch, gröblich 
(rudiler) vnd aufls einfelligste verfasset ist 
alles was wn* ynn der schrifTt haben, deudsch 
ealecH. (1529). Aiij**; aber weil sie noch 
nit witzig sein worden, musz ich mit groben 
{beschränkten) kopffen gröblich reden, von 
dem bapstum zu Rome, (1520). Dlij**; als 
das Ichs gröblich rede, von den eoncilijs. 
(1539). diij*; vnd das wir gröblich mit 
groben dauon reden, wider Hans Worst. 
(1541). Oij^ 

2) tti hohem masze, sehr: ist sein nit gnug 
geweszen durch szouiel hundert iar die edle 
nation szo grohhch mit der naszen vmhzu- 
füren, an den chrisll. adel. (1520). Miij*; 
das es (Deutschland) sich die bepstischen 
tyrannen szo gar gröblich liesz effen vnd 
narren, der 36. psalm. (1521). Aij**; wie- 
wol sie es (das dritte gebot) hernach all zu 
enge spanneten vnd grohhch (vehementer) 
misbrauchten. deudsch catech, (1529). Diij*; 
die den feyertag gröblich misbrauchen. 
ebend. Ej *. 

3) handgreiflich, augenscheinlich, offen" 
bar, deutlich : warumb leugstu so gröblich ? 
das ander teyl widder d. hyml. propheten. 
(1525). Bij^; lieber, was denckstu, das gott 



damit meine, das er den Schwarmgeist so 
gröblich lest narren ynn der schrillt, vom 
abendmal Christi. (1528). sij^; solchs 
können sie nicht leugnen, weil sie jr jemer- 
lieber stand vnd erfarung . . . alzu wol vnd 
aku gröbUch vber weiset, wider die sab^ 
bather. (1538). Aiij*; vnd schemet euch 
nicht ewern geilz so gröblich an den tag zu 
geben, von den Juden. (1543). Rj^ 

llroil, grolle 5 m. simultas, heimliche 
feindsehaft, hasz, zom: der vnwille vnd 
grolle. Jen. 5, 484*; dein bitler gifftiger 
groll, das ander teyl widder d. hyml. pro' 
pheten. (1525). Bij^; so wird es auch 
seinen bittern grollen nach euch vrleylen. 
der proph. Habacuc. (1526). diüj*; Jacob 
nicht anders meynet, denn er (Esau) werde 
seinen groll aufl' yhn vnd sein gesinde aus- 
schütten, vber das erste buch Mose. (1527). 
aa ij '^ ; an dem mus jderman seinen giflligen 
vngesetigten grol vnd hass ausgiessen. das 
17. cap. s. Joh. (1530). Giiij*; vud sehen 
nicht, wie sie dem nehesten von hertzen feind 
sind odder einen heimlichen grol widder jn 
tragen, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Malth. 
(1532). Riij*; welchs kurtzumb keinen zom 
noch grollen widder den nehesten leidet. 
ebend. Sij*; so kunnten indesz die vnsern 
den argwöhn oder grollen sanften, de Wette 
br. 4, 589. 

von mhd. grellen laut, vor zom schreien, 
erst im 15. jh. auftauchend. 

Crappei (gropen), m. weiter y eiserner 
Kochtopf, mhd. grope, groppe {Lexer 1093) : 
gab der prophet Ezechiel solch gleichnis, Je- 
rusalem were ein gropen. Jen. 7, 296**; 
sehusseln, bratspies, groppen. de Wette br. 
6, 325. 

die etymologie s. Weigand 1, 459. 

Clroscli) grosche^ graschei^ m. eine sil- 
bermünze, denarius, mhd. gros, grosse {Ben. 
1. 578''. Lexer 1093), aus tat. grossus 
dickpfennig: der grossclien. Jen. 1, 3^; ein 
grossch hat zu der zeit fast 30 lawen pfennig 
vnser meisnisschen müntze gegolten, gl. zu 
Joh. 12, 5 ; ein grossche gilt 30 lawenpfennig. 
gl. zu ap. gesch. 19, 19; ein grosche helt 
30 lawenpfennig. gl, zu offenb. Joh. 6, 6; 
vnd kaufft ein stück ackers vmb hundert 
grosschen. 1 Mos. 33, 19. 

22* 



GRÖSGHLEIN 



17i 



GIOSZ 



irSadikhi (-lin) , n* <ijiii. des vorigen : 
drey lewen pfennige oder ein drey gröschlin. 
§1. Mu 2 Mot. 30, 13. 

41M8I (gros), magnut, mhd. ahd. grb% 
{Ben. h 579*. Lexer 1093. GrafA, 335). 
SU toi. grandis (?) vgl Kuhn zeilsehr, 9, 
320. 11, 179. 

1) grosz in bexug auf maeee un4 umfang 
(ausdehnung): viid gott machet zwey grosse 
fiechler, ein gros liecht das den tag regiere 
vnd em klein liecfat das die nadit regiere. 1 
Mos, 1, 16; das grosse wasser Phrat. 15, 
18 ; das grosse meer. 4 Mos, 34, 6; grosse 
wüste. 5 Mos. 2, 7 ; grosse berge. Jes. 30, 
25; eine grosse stad. 1 Mos. 10, 12; der 
grosse zdie. 2 Mos. 29, 20 ; drey grosse, 
iange zeene. Dan. 7, 5 ; der ein grosser 
mensch war« Jos. 14, 15 ; sihe nicht an seine 
gestalt noch seine grosse person. 1 Sam* 
16, 7 ; die schatten werden gros {lang). Jer. 
6, 4 ; vnd lag ein grosser stein für dem loch 
des bruns. 1 Mos. 29, 2; da hast einen 
grossen {weiten) weg für dir. 1 kön, 19, 7 ; 
wiewol ich mit gewallt hab müssen mich 
aaffhalten, das (dasz es, se. das buch) nicht 
allzu gros {umfangreich) wurde, das man 
Under xur schulen halten solle. (1530). 
Aij*. ndt gen. des masxes: einer eilen gros. 
1 Mos. 6, 16 ; vier eilen gros. 1 kön. 7, 19. 

2) grosz in hexug auf anzoM und menge: 
ich wil dich zum grossen volck machen. 1 
Mos. 12, 2; das er viel guts hatte vnd ein 
gros {xahlreich) gesinde. 26, 14; grosses 
kriegsuolck. Jud. 9, 5. 

3) grosz, heftig, stark: der herr plaget 
den Pharao mit grossen plagen. 1 Mos. 12, 
17; grosse fiustemis. 15, 12; mit grosser 
{lauter) stimme. 5 Mos. 5, 22 ; ein gros 
geschrey. 2 Mos. 11, 6; eine grosse sände. 
32, 21 ; mit gcossem zom. 5 Ho* 29, 28 ; 
grosse freude vnd wonne. 2 Sam. 1, 26; 
grosse {schwere) krankheit. 2 chron. 24, 
25 ; dazu leiden sie grossen hunger. Jud. 1 1, 
10 ; grosse vnd vnmeidliche not vnd dringende 
vrsachen, solchs zu setzen vnd zu schlieszen. 
wider das hapstum. (1545). Aiiij^; grosser 
hasz. auf das vhirchristl. buch. (1521). 
Aij ^ ; so grosse hitze vnd so grossen vnlesch- 
liehen durst. ausleg. der ep. vnd euang. von 
ostem. (1540). h5*; so geschieht dem 



teuffei eine grosse sehalckheit das schone 
confiiemini. (1530). Jiij^ dis ist die 
grosseste sorge der Weichlingen, vier trostl» 
psahnen. (1526). A5^ 

4) grosz, bedeutend, wichtig: vnd hat 
nichts so gros in dem hause, das er für nair 
verholen habe. 1 Mos. 39, 9 ; wo aber eine 
grosse Sache ist, das sie die selb an dich 
bringen, vnd sie alle geringe sachen richten. 
2 Mos. 18, 22; hie hebt sich eine grosse 
{wichtige) frage, vber das erste buch Mose. 
(1527). Dij*. 

5) major natu: da Isaac alt v^r worden 
. . . rieff er Esau seinem grossem son. 1 Mos. 
27, 1 ; vnd hub am grossesten an bis auff den 
jüngsten. 44,12; die drey grösteiTsönelsai. 
1 Sam. 17, 13; er ist mein gröster bruder. 
1 kön. 2, 22. 

6) mächtig, angesehen, vornehm: vnd er 
f Isaac J ward ein grosser man, gieng vnd aam 
zu bis er fast gros ward. 1 Mos. 26, 13 ; 
vnd Mose war seer ein grosser man in ^gYp- 
tenland für den knechten Pharao vnd für dem 
volck. 2 Mos. 11,3; vnd solt nicht furziehen 
den geringen noch den grossen ehren. 3 Mos. 
19, 15; da sandte Balak noch grösser vnd 
herrlicher fürsten denn jene viraren. 4 Mos. 
22, 15 ; auff diesen tag ein fürst vnd grosser 
gefallen ist in Israel. 2 Sam. 3, 38; die 
grossen herrnn. wider den falsch genanten 
geisll. stand. (1522). Aij*'; die grossen 
herrn. antwort deutsch. (1522). Biij*; von 
einem herrn odder grossen man. ausleg., der 
ep. vnd euang. von ostem etc. (1544). 
Xiüj*'; die grossen Hansen, die weish. Sal. 
(1529). Aiii^ 

Clr«8i^ adv. viel, sehr, mhd. gr^^e {Ben, 
1,579**. Lexer 1094): hie las vns nu lernen 
vnd zu herlzen fassen, wie gros an disem ge- 
pot gelegen ist. deudsch catech. (1529). 
Giij^; weü er selbs ausdrücket wie gros yhm 
daran gelegen sey. ebend. Miij * ; es ist an 
diesem erkentnis gros gelegen, von den 
schlüsseln. (1530). Aij"; der man Noah 
hernach der weit gros geholffen hat. vber 
das erste buch Mose. (1527). Siüj'; vnd 
wollt nicht gros dafür nemen. das ander 
teyl Widder die hyml. propheten. (1525). 
Püj*; die sich grosz mühen vnd allen vleya 



GROSZACHTUNG 



173 



GROSZVATER 



forweBdoi. ierwL von dem n. tesL (1520). 
Cöj»». 

iffMUcliiMBgi f. hoehtehäUumg : grosz- 
achtutig des ablas, ierm, von i$m äbloi tnd 
fmad. (1520). Giij"; grosacfatnug der Sünden, 
/«n. 1» 170 K — mhd, grA^achtunge {Leiter 
1094). 

IMsM^ ^ magnüudo^ wM. grosse {Ben. 1, 
580". Leaer 1095): der herr ist gros vnd 
seer löblich vnd seine grosse ist vnanssprech- 
lieh. ^. 145, 3 ; wdcher ist mter euch • . . 
der da künde eme eile lang seiner grosse zu* 
setzen? Xmc. 12, 25; die vberschwengliche 
grosse seiner krtüt. Ephee. \, 19; die 
grosse, mennige md sdiand der sunde. ^fnintf 
vmd vnrnd^, (1521). e üj*; vmb der grosse 
vnd höhe willen solchs Stands, dae 7. eeip* 
Cor. (1523). Jj^ 

firesielterii pL die groszeltem haben jre 
kindeskinder ynd nelTen lieber, denn jhre 
eigaie Ton jhrem leib erzengete kinder. 
Heehr. 46 \ 

€r«sigeiatUdij hoMiegabi, toUgeUiee: 
die grosgeistlichen vnd weisen können nicht 
anders, denn jnen selb wolgefallen, sicher 
sdn, in jnen selb gloriem, gros von sich 
halten. Jen. 1, 18 ^ 

ISfMiheitj f, groetej mhd. grA^heit {Ben. 
1, 579 **. Lexer 1095) : groszheit der sonnen. 
Hechr. 16^ 

Crfssihenigy muÜUg: die groszhertzigen 
fenrichen, die nit durffen an tag sich geben 
vnd doch gerne wollen sighaffÜg werden. 
von dem bapstum. (1520). Ai]^. 

6fssiUch| adv. sehr, aufs höchste, mhd. 
gro^-, groß^licbe {Ben. 1, 579 ^ Lexer 
1096) : das priester sich beweyben . . . ergert 
auch grosszlich vnd ertzürnet auch die papisten 
vbir die massz. von beider gestalt. (1522). 
Cüij * ; wie hett golt seyne gute groszlicber 
mocht ertzeygenn. ausleg. der ep. vnd euang. 
vomchrislag. (1522). Fi^ 

drssnuieherj m. stille den grausamen 
affterreder, anklager vnd grossmacher vnser 
Sünde, den bösen geist. Jen. 1, 254^. 

Crssmichtig (groszmechtig), sehr mäch- 
tig, potenHssimus, in dem titel des deutsehen 
haiiers: der allerdurchleuchtigisten, grosz- 
mechtigisten keyserlichen maiestet, an den 



ehrüa. odeL (1520). Aiij*. — mhd. grA;- 
mehtic oorpulentus {Lexer 1096). 

flrssnrahsMi f. L, grosse mome, grost" 
bmse, die eekieeter des^ groezvaters oder 
der groesm/uUer: vnd ist EUsabeth jhre {der 
mutter Jesu) mume vnd des herm grosse 
mome. vom sd^em hamphoras. (1543). 
Mij*. 

flrsssnithlgkeit, f. me^gnanimileu, mhd, 
grA^uotecheit (Hai. 2, 2601*. l>xer 1096): 
dein hertz wird sich ausbreytten ist leycht 
znuerstehen, das es sey grosmüttickeyt, 
sicherbeyt Vhd freyheit. posl. (1528). 204\ 

flrsamitteri f. avia, mhd. grd^uoter 
{Ben. 2, 269 *. Lexer 1096) : welcher znnor 
gewonet hat in deiner grosmutter Loide. 2 
Tim. 1, 5; Sara seine {Jaeobs) grosmutter. 
vom den Juden. (1543). Gj*; das las ich mir 
nicht' nemen« das ich mich rhüme, Moha sey 
mein rechter natürlicher grosvatö* vnd seine 
ehefrawe (wo* sie gewesen ist) sey meine 
rechte natürliche grosmutter. ebend. Cij*"; 
fraw vemuniltt der alleosis grosmutter. vom 
abendmml ChrieU. (1534). iij**. 

firsasschitrigf hod^eehrl : alles das einen 
menschen mag zeitlich zieren, ihümen vnd für 
den leuten oder vor jm selbs grosschetzig vnd 
gefeUig machen. Jen. 1, 96*. 

firsMthiler^ m. wer groexe Ihaien ans- 
jiehtel: die hoffertigen heiligen, diegrostheter. 
Eist. 1, 28*. 

(Irssithitlgj grosze thaten verrichtend, 
mhd. gro^taetic {Ben. 3, 1 49 K Lexer 1096) : 
Herodes kompt von heros vnd heyst kerlisch, 
hszisch, grossthettig. ausieg. der ep. vnd 
euang. vom christag. (1522). iii ij ^ ; {Maria) 
darff mit einem wort alle mechtigen kranck, 
alle grosztettigen krafftlos machen, das sm- 
gnificat. (1521). fijK 

iirstifaler, m. avus, mhd. grAi^vater {Ben. 
3, 279". Lexer 1096), einmal bei L. auch 
getrennt grosse vater {vgl. groszmuhme) : das 
dritte heubt concilium ist gehalten vnter dem 
keiser Theodosius dem Jüngern, des grosse 
vater war Theodosius der erste, von den 
eondUjs. (1539). Rij"; {Jacob) Abraham 
seinen grosuater hies. von den Juden. ( 1 543). 
Gj*; vnd sind beides nifflel eines grosuaters. 
vom schem hamphoras. (1543). Lij". auch 
mit dem schvo. gen. vatern ; eines grosuatern 



GROSZWICHTIG 



174 



GRUMPE 



nifltel. ebend,; seines grosvatern natürliche 
tochter. ebend, in weiterer bedeulung für 
majore», vorfahren i das ich mich rhüme, 
Noha sey mein rechter naturticher grosvater. 
von den Juden, (1543). Cij**; so schemet 
sich Moses nicht seine grosueter so zu 
schmehen. vber da$ erste buch Mose, (1527 . 
iij"; vnd sollen gottes volck vnd Christus 
grosueter sein, ebend. 

(Irtsiwichtig, sehr wichtig : ein trefflich, 
groswichlig, sonderlich exempel. ausleg, 
der ep. vnd euang. von ostem. (1544). 
Cc5\ 

UrfAtsf.fovea, mhd, gruobe (Ben. l, 562^. 
Lexer 1104), ahd, gruoba, cruopa {GraffA, 
307)» goih, groba; zu graben. 

1) grübe, fovea, fossa: der aber einen 
(sc, centner) empfangen hatte, gieng hin vnd 
machete eine grübe in die erden vnd verbarg 
seines herrn geld. Matth, 25, 18; vnd 
macht vmb den altar her eine gruben. 1 kön, 
18, 32 ; so jemand eine gruben aufithut oder 
grebt eine grübe vnd decket sie nicht zu vnd 
feilet darüber ein ochs oder esel hin ein, so 
sols der herr der gruben mit geld dem andern 
wider bezalen. 2 Mos, 21, 33. 34. insbe- 
sondere cisleme : lasset vns jn (den Joseph) 
erwürgen vnd in eine gruben werffen. 1 
Mos, 37, 20 ; vnd worffen jn in eine gruben, 
aber die selbige grübe war leer vnd kein 
Wasser drinnen, v, 24 ; da namen sie Jeremia 
vnd worifen jn in die gruben Malchia . . . vnd 
liessen jn an seÜen hinab in die gruben, da 
nicht Wasser, sondern schlam war. Jer. 38, 
6. da man sich der trockenen dstemen, wie 
die zuletzt angeführte stelle zeigt, auch zu 
gefängnissen bediente, so steht grübe auch 
für gefängniss überhaupt : das sie versamlet 
werden in ein bündlin zur gruben vnd ver- 
schlossen werden im kercker. Jes. 24, 22 ; 
also gieng Jeremia in die gruben vnd kercker. 
Jer. 3, 16. — einem eine grübe graben, ihm 
nachstellen, um ihn zu fall zu bringen: jr 
fallet vber einen armen waisen vnd grabt 
ewern nehesten gruben. Hiob 6, 27 ; die 
stoltzen graben mir gruben, ps. 119, 85; 
sie haben meiner seelen eine gruben gegraben. 
Jer, 18, 20; das heisst recht eim andern eine 
gruben gegraben vnd selbs darein gefallen. 



ausleg. der ep. vnd euang. von ostem» 
(1544). DDj-. 

2) fodina, bergwerk : es ligt das ertz noch 
halb ynn der gruben, post. (1528). 112'*. 

3 1 grab : das ich nicht gleich werde denen 
die in die gruben faren. ps. 143, 7; die in 
die gruben faren. Jes. 38, 18; bis er eyns 
(einmal) ynn die gruben kömpt. das bene- 
diclus. (1525). Cj>'; es klebt vnd hengt 
der natur an bis ynn die gruben, deudseh 
catech, (1529). Rj '*; wil jch auch hin fürt 
mich mit den bösewichten zuflucben vnd zu- 
schelten bis jnn meine gruben, wider den 
meuchler. (1531). Diij" ; als der ich nu auff 
der gruben gehe (dem ende nahe bin), kurlz 
bekenlnis. (1544). Aij*; vnd gar auff der 
gruben gehet, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matlh. 
(1532). piüj\ 

firihela^ s. gröbein. 

firnbleia (-lin), n. kleine Vertiefung, mhd. 
grüebelin (Ben. 1, 563". Lexer 1097), dim. 
zu grübe: vnd findet, das an der wand des 
hauses gele oder rötliche grüblin sind. 3 Mos. 
14, 37. 

firift, f höhle, höhlung: des brunnen 
grufit. Jes. 51, 1. mhd. gruft (Ifeti. 1, 563'*. 
Lexer 1100), ahd. cruft (Graff 4, 309); 
wohl nicht von graben (Grimm gr. 2, 207), 
sondern entlehnt aus alUlal. grypta, gr. lat. 
crypta. s. Weigand 1, 460. 

(Irimmet (grumetj, n. nachheu: im anfang 
da das grumet aufigieng vnd sihe das grumel 
stund. Arnos 1,1, früher auch grummat, 
im Ib.jh. grüemat, aus mhd. grüenmat(ßen. 
2, 21 *. Lexer 1098) = gras welches grün 
(unreif) gemäht wird, nicht reif wie das 
heu. Weigand 1, 461. 

firnmp«, m. nebenf. zu krume (vgL 
Schmeller 1», 1370. Frisch 1, 552*. 
Adelung2,\0Sß unter krume). 1 ) brocken,. 
Überbleibsel einer sache : gute brocken vnd 
grumpen so vber blieben sind von der fülle 
der lieben heiligen, ausleg. der euang, an 
den fümemisten festen. (1527). aaij*»; 
brosamen, brocken vnd grumpen so vbrigsind. 
hauspost, (Wittemb. 1545). vorr. Aij"; wa 
ist jemals eine stad oder land zerstöret, dauon 
man nicht vbrig funden bette schlacken^ 
grumpen vnd stücke? wider die sabbaiher^ 
(1538). Eij''. 



gron 



175 



GRUND 



2) hildUeh: da höret ich vDler andern 
guten groben gnimpen vber tische (tiiehge^ 
s^rächin, späiEen) curtisanen lachen vnd 
riramen, wie u. s. w. von der winckelmeise. 
(1533). D!i^i^ 

3) redensoH: grosse grumpen fürgeben, 
den «und voll nehmen, ein grossee toori 
führen: wenn einer zu dir kompt vnd dir 
anzeigt von deiner braut odder weihe, sie sey 
nicht rein, gibt grosse grumpen für, wie ers 
gesehen, geboret habe vnd aller dinge gewis 
sey etc. von ehesaehen. (1530). Gij*; das 
er (der Inschof von Naumburg) solche vn- 
geschickte schrifit mochte an die zur Neum- 
bürg vnd das stiflt schreiben,- darin er grosse 
gnimpen fiirgibt, er habe die walh angenomen, 
wiewol beschwerhch vnd wolle alle gnade 
erzeigen, exempel ele. (1542). Ej"; wie 
zmdtk newhch ein toller geist grosse grumpen 
furgab, wie ferlich wir Christen lebeten, das 
wir eine creatur für gott anbetten» die letzten 
Worte Davide. (1543). Tj*. 

(Sria, grine (po«l. 1528. 307*^), vtrt'dt«, 
mM. grüene (Ben. 1, 580*. Lexer 1097), 
akd. gruoni, cruoni (Graff 4, 298). 

1) viridis, von der färbe: grün, gel, 
blaw, rod. von menschen lere zu meiden. 
(1520). Aiij*; von grünen marmeln. Esih, 
1, 6; das yhn grün vnd gelb für den äugen 
schymert. trtder d, bMen des endchrists. 
(1520). Bij«. 

2) von pflanzen und deren theilen: grün 
kraut. 1 Mos. 1, 30; das grüne kraut. 9, 
3 ; VDler grünen bewmen. 5 Mos. 12,2; 
me ein grüner olebawm. ps, 52, 10; vnd 
hdwet drein, weü sie (die dornen) noch so 
grün vnd frisch sind. Bindseil 7, 322 ; grüne 
zweige. 2 chron. 10, 6 ; seine bletter bleiben 
grüne. Jer. 17, 8; dein äuge sihet gern ... 
eine grüne saat. Sir. 40, 22; das grüne 
gras, ifarc. 6, 39; so man das thut am 
grünen holtz, was wil am dürren werden. 
Lue. 23, 3 1 . 

3) frisch, roh: fisch grün {im gegensalz 
zu fisch dürr) sind die rohen, ungesalzenen, 
de Wette br. 6, 330. 

4) jungy neu : da es noch gr(in vnd new 
war. das 16. cap. s. Joh. (153S). Rij''; 
vnd also noch grüne vnd schwach ist ym 
glauben, post. (152S). 307*; ich bin zu 



grün (jung, unerfahren) dazu, das ich oben 
wil anheben. Eist. 1, 328 ^ 

5) der grüne donnerstag, dies viridium: 
am heyligen grünen domstage. bulla cfne 
donUni. (1522). Giij '*; am grünen domstag. 
post. (1528). 46*. auch gründomstag. 
vnterricht der visitatom. (1538). Liq^ 

fimrf (grünt. vondembapstumzuRome* 
1520. Dü^^),m.fundus,mhd.ahd.^ni(Ben. 
1, 58i*. lexer 1101. Graff A, 330), goth. 
grundus (in grunduvaddjus grundmauer) ; zu 
ags. grinden mahlen, zerwMlmen, s. Wei- 
gand wtb, 1, 461. tu allen heule me 
schon mhd. gangbaren bedeutungen. 

1) unterste fläche eines korpers oder 
raumes, eigentl. u. bildlich. 

a) grund, fundus, boden, des wassere, 
besonders des meeres, meeresboden: grund 
des meers. Hiob 38, 16; der den grund des 
meers zum wege macht. Jes, 51, 10; diese 
zoch sie aus dem gründe der üeffen. weish. 
1 0, 1 9 ; das alle gründe ym wasser verlrocken 
werden. Sach. 10, 11 tu der Übersetzung 
v.J. 1528» tu der ausleg. {der proph. Sa^ 
charja. 1528. Eej^) alle tieffe gründe ym 
wasser ; sie fielen zu grund wie die steine. 2 
Mos. 15, 5; gleich als wenn man ein bley 
oder klotz ins wasser wir£Ft, welches balde zu 
gründe sinckt. EisL 1, 364*; da das meer 
vnd wasser zusamen fiel, da tauchten sie zu 
gründe, ebend. 364 ^. hierher die redens" 
art: zu grund gehen für untergehen, ver^ 
derben : die mit dem herrn haddem müssen 
zu grund gehen. 1 Sam. 2, 10; wie ein 
tyran zu grund gehen, ps. 82, 7 ; wer zu 
grund gehen sol, der wird zuuor stoltz. spr. 
Sal. 16, 18; ja du thust fein, lobest vnd 
dienest gott vnd gehest drüber zu grund. 
gl. zu Hiob 2, 9 ; es sind wol mechtiger vnd 
mehr könige vnd wol erger buhen zu grund 
gangen. Bindseil 7, 337 ; als wollten sie alle 
schulen, zucht vnd lere lassen zu gründe 
gehen, das man kinder zur schulen hallen 
solle. (1530). Bij''; wenn solch bergwerck 
fundgrub vnd bandet, nemlich fegfewr, messen, 
walfarlen, stifTten, brüderschafften, ablas, 
bullen etc. müsten zu grund gehen, von den 
concilijs. (1539). Fj''. anders in folgender 
stelle : gottes werck sind rechtschaffen, gehen 
zu grund vud boddem (bleiben nicht auf der 



tiRUND 



176 



GRUND 



oherfläcKe haften, dringen luf em), vher 
das ersie buch Mose. (1527). Bbüj\ 

h) grund des henens, das innerste des 
hersens: es Ut von grund meioes hertzen von 
der golÜoseA wesea gesprochen, ps. 36, 2; 
DU kennet er ja vnsers kertzen grund (tN»r* 
das haymliche ym hertsen). 44, 22 ; es sind 
buken mcht aUeyn ynn der hautt, sondern 
auch ym grund yhres herlzen. das 7. eap. 
Cor, (1523). Aiij'»; ein eiterqnell im gründe 
deshertzen. htmspost. {Jhena. 1559.) 2^9''. 

e) aus dem gründe, von grund auf, grün4^ 
IM; aus dem grund mus es geheüel sein. 
das 16. eap. s. Joh. (1538). Lij^ -^ zu 
gründe, bis an den grundf grikndUeh, ganz 
und gar : da wird denn seine gewalt weg ge* 
nomen werden, da» er zu grund vertilget vnd 
vmbbracht werde. I^oii. 7, 26; da die' gott* 
k>sen zu grund verloren sind. Bindseü 7, 
391 ; ich sag zum ersten, das es gut were, 
das gebtlich recht von dem ersten kuchstaben 
bisa an den letzten wurd zu grund auszge- 
tilget, an den ehrisll adel. (1520). Lij*; 
der Iei€kgegeitz vnd wucher habens {Deutsch^ 
laiuO Ktt grund verderbet, wider den umeher, 
(1540). Aij"; bis ich zu grund verterbe. 
ebend. Biiij*; als der einen hungers sterbet 
vnd zu gründe verterbet. ebend. Düj*'; wo 
ein reich oder fürstenlhumb hoch kompt, da 
ist kän rüg« des neidkards bis es zu grund 
zerstöret werde, uon den Juden, (1543). 
Lj *. — BD gründe, dem innersten wesen 
nach, in Wahrheit: s. Paulus zeygt disze 
eynige an vnd ich weys auch ym grund kein 
sterckere vnd bessere, das 7. cap. Cor. 
(1523). Eiij*; vnd ist doch ym gründe gott 
verleugnen vnd hassen, vber das erste buch 
Mose, (1527). Kiiij*; was ist nu mensch- 
liche wolthat jm gründe denn ein dreifeltige 
vbelthat. das schöne eonßtemini. (1530). 
Oiij*; darumb ists klar, das dieser Jüngling 
die gebot im gründe nicht gehalten hat, wie 
er doch meinet, gl, mu Matth, 19, 21 ; jr 
Christen solt eine rechtschaffene liebe haben, 
die nicht gleysse vnd leuchte wie ein jrwisch, 
vnd doch im grund beucheley ist. Witlemb. 
1, 220 »». 

2) tiefliegende gegend, thal, niederung: 
alle meer, see vnd tieffe wasser stehen ynn 
griinden zwischen bergen, auff ebenem lande 



können sie nicht bleyben, so sind nu der 
berge grttnde das tieffeste tat vnd boden ym 
meer, da die berge vnden zu aamnn rüren. 
der proph. Jena, {ib2ß). Hiij*; des sacra- 
ments ghiub macht alle krumb (krOmmungen) 
schlecht vnd füllet alle grund (thäler), serm. 
vender bms. (1519). bij**; auch gruben 
Isaaes knechte im gründe (vor. tal) vnd funden 
das^bs einen brun lebendiges wassers. 1 
Mos, 26, 19; ynn der awe, ym gründe, der 
proph. Saehairfa. (152S). Füj*; die Ama* 
lekiter vnd Gananiter, die im gründe wonen. 
4 Mos, 14, 25; auff den gebirgen vnd in 
den gründen. Jos, 9, 1 ; die Syrer haben ge- 
sagt, der herr sey ein gett der berge vnd 
nicht ein gott d^ gründe» 1 hon. 20, 28 ; 
du lessest brünnen quellen in den gründen. 
ps. 104> 10. 

3) fester boden worasrfnum fuSMon kann, 
ort Mum stehen: ick versincke in tiefem 
schlam, da kein grund ist. ps, 69, 3 ; gleich 
wie hie Jona aus dem schiff geworffen wird 
yns meer, da er keinen grund fnlet. der 
proph. Jona. (1526). Fiij^; als einsprunck 
vber eynen flachen ström, da man auff beyden 
seytten eyn gewissen grund vnd vfer sdhet. 
ebend, -^ abstraot, etwas sidwres^ zuvor- 
lässiges, gewisses: diesze drey artickel hab 
ich auff schulrecht nur disputirt, offl bekennet, 
es sey man gut duncken, ich wisse aber 
nichts grunds noch gewisses dauon antzu> 
tzeigen. grund vnd vrsach, (1521). oig**; 
das aber etliche bücher von dem Habacuc 
melden, er habe dem propheten Daniel zu Ba- 
bylon essen gebracht yns gefengnis aus dem 
judischen binde bat widder grund noch achem 
{ist weder gewis noch wahrscheinlich), der 
proph. Habacue. (1526). büij^; die Krie- 
chen solchs zuschreiben der königin Semira- 
mis, aber sie haben das wenig grunds (haben 
für diese annähme wenig sichere anhalte-' 
punkte), ebend, lij*. 

4) grundlage, fundament, a) von gebäu-- 
den, X, b, einer mauer, einem hause u, dgL : 
er (der stein) sol mir nicht die Ittcken büssen, 
noch eine fülle stein geben, auch nicht so 
geringe sein als ein werckstück, sondern ein 
eckstein sein jm gründe, das schöne conße- 
mini, (1530). Mj^; gehawene steine zum 
grund des hauses. 1 kön, 5, 17 ; im vierden 



GRUND 



177 



GRCNDEN 



jar im mondea sif ward der grund geleget am 
hause des beim. 6, 37 ; der grund des 
tempels des herm war noch nicht gelegt. 
Eira 3, 6 ; er ist gleich einem menschen der 
ein haas bawete vnd grub tieff vnd legete den 
grund anff den fels. Lw:, 6, 43; vnd die 
maur der stad hatte zwelff gründe, offenb, 
Joh, 21, 14; vnd die gründe der raauren vnd 
der stad waren geschmücket mit allerley eddel 
gesteine. v. 19. b) übertragen auf geistige 
verhäUmese: ich von gotles gnaden, die mir 
gegeben ist, hab den grund gelegt als ein 
weiser bawmeister, ein ander bawet darauff. 
1 Cor.- 3, 10; erbawet aulT den grund der 
apostel vnd propheten, da Jhesus Christus der 
eckstein ist Epkes. 2, 20 ; des newen testa- 
ments grund. Bindseil 7, 303; s. Paulus 
den selben {den Spruch Hab. 2, 4) gleich 
zum grund legt seiner aller schönsten epistel 
zun Römern, der proph. Habacuc. (1526). 
b j * ; bapst vnd romanisten nit mugen leyden 
frag Tiind erforschung des grunds bepstlicher 
gewali. von dem bapstum. (1520). Hj*^; 
vnszer glawb soll eynen grund haben der 
gottis wort sey vnd nit sand vnd mosz. 
ausleg. der ep, vnd euang. vom christag. 
(1522). ffTiij^; vnd auch noch nicht anders 
weis zu predigen zum grund vnser Seligkeit, 
denn von dem herrn Christo, das 15. cap. 
der ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534). 
Diij ** ; das ich dir zeiget einen gewissen grund 
der warheit. spr, SaL 22, 21 ; auff das du 
gewissen grund erfarest der lere, welcher du 
vnterrichtet bist. Luc. 1,4. 

5) argumentum, ratio, beweisgrund: es 
wirt wol mehr dings an {ohne) gruodt vnnd 
bewerung gesagt, serm. von dem ablasz. 
(15 IS). Aüj*; vnd sprach, ich mechte eye 
iawff drausz, weyl ichs mit gutem grund nitl 
widderlegen kunde.ein widderspruch. (1521). 
(1521). Aüj"; zeyge grund, zeyge schrifffc. 
das ander teyl widder d. hyml. propheten. 
(1525). Cj**; wo ist hie schrifft vnd grund? 
ebend. Fij ^ ; sie meinen wol, Lemech der den 
Rain erschlug, sey also gestrafft, das sieben 
von seinem geschlecht erwürget seyen, ist 
aber da kein grund aus der schrifft. vber 
das erste buch Mose. (1527). Qiij''; wer 
nicht wil gleuben, das gott vnd die Christen- 
heit, glaub vnd wort etwas sey, der wird sich 

BiKTZ, Wörterbaoh. IL 



nichts lassen weisen noch vber reden, ist alles 
vmbsonst vnd verloren, was man jm saget, 
gleich als wenn du' einen Türeken woltest 
vberweisen mit vnserm glauben, denn er ge- 
stehet dir nichts vnd leugnet alle deine gründe. 
das 15. cap. der ersten ep.s. Pauli and. Cor. 
(1534). Jtj*^; wenn sie das mit einigem 
grund (beger nicht viel gründe) beweisen, so 
wollen wir vns gefangen geben, wider Hans 
Worst. ( 1 54 1). Cj * ; die fermelung hat keinen 
grund {kann nicht aus der schHft bewiesen 
werden), das ein sacrament sey. wider die 
Z2artikel. (1545). Aiiij^ 

6) grundstiick» grundeigenthum, im gegen- 
sals SU der fahrenden habe : das ich kündte 
keuffen einen garten, acker, haus oder was 
für ein grund ist. wider den wucher. (1 540). 
Cj * ; zur zeit Solonis die stad Athene durch 
den Wucher also hoch verterbet war, das 
nicht allein die gründe vnd guter vber laden, 
sondern auch die burger den Wucherern zu 
leibeigen sich musten verkeuTTen, da setzet 
Solon eine solche masse, das man hinfurt 
keine leibeigen mehr machen thurste, auch 
das man von liegenden gründen keinen wucher 
nemen muste. ebend. Dij*^. 

firmdbosewidity m. erzbösewicht: ein 
grundbösewicht. der 101. psalm. (1534). 
Hiij\ 

firindeij fundare, mhd. gründen {Ben. 1, 
582'. Lexer 1101), ahd. grundjan {Graff 
4, 332). 

1) grund finden, auf den grund kommen: 
vnd es (das w asser) ward so tieif, das ich 
nicht mehr gründen kund. Ezech. 47, 5. 

2) gründen, fuszen, sich stützen auf e(- 
was: darauff der richler gründen, vrteilen vnd 
straffen kan. deudsch catech. (1529). Lj". 

3) Irans, grund zu etwas legen, a) von 
einem gebäude : vom tage an, da des herrn 
haus gegründet ward bis ers volendet. 2 
chron. 3,16; alles volck dönet laut mit lo- 
ben den herrn, das der grund am hause des 
herrn gelegt war, aber viel der alten priester 
vnd leuiten vnd obersten veter, die das vorige 
haus gesehen hatten vnd dis haus für jren 
äugen gegründet ward, weinelen sie laut. 
Esra 3, 11. 12. b) von der grundlegung 
des weltgebäudes , der Schöpfung des him^ 
mels und der erden: wo wärest du, da ich 

23 



GRÜNDEN 



178 



GRÜNDGÜT 



die erden gründet? Hioh 38, 4 ; du hast vor 
hin die erde gegründet, ps. 102, 26; du 
hast mich geliehet , ehe denn die weit ge- 
gründet ward. Joh. 17, 24. c) von der 
gründung eines ^reiches, eines Vereins: sint 
der zeit sie (Egyplen) gegründet ist his her. 
2 Mos. 9, 18 ; da sie {die aposlet) selbs ](urtz 
zuuor gewesen^ vnd geleret, die Christenheit 
gepflantzt vnd gegründet hatten, das 1 5. eap, 
der ersten ep, s, PauH an die Cor. (1534). 
Aij". d) in me}^ abstracter hedeulung, 
slütxen : wo sie das wörtlin heylige finden, 
wollten sie gerne der heyUgen ehre vnd fur- 
bitt gränden. mdder den newen ahgoit. 
(1 524). c iij " ; wie er denn (der 110. psalm) 
auch jnn der schrifft des newen testaments, 
beide von Christo selbs vnd den aposteln ofiH 
angezogen wird als der fümemistei der den 
artickel von der person Christi vnd seinem 
geistlichen- reich vnd gerechtigkeit gründet 
{den grund, das fundamenl, dasu bildet) 
vnd bestetigt. der 110. psalm. (1539). 
Aüj". — mitpraep.: die gerechtickeil, da d. 
Eck sein recht geleydt auff grund. von den 
newen Echischen bullen, (1520). Bij''; ist 
das nicht eyne sünde vnd schände von dem 
geyst, das er solche grosse sache will gründen 
auff solche faule geschwetz. das ander teyl 
Widder d. hyml. propheten. (1525). Ciiij" ; 
wenn eyner auff seynen bewusten vnd er- 
kanten vnuerstand thar artickel des glaubens 
gründen, ebend. Diiij'*; da mit sie {die 
apostel) vns je leren, die schrifft des alten 
testaments nicht zu verachten, sondern mit 
allem vleis zu lesen, weil sie selbs das newe 
testament so mechligtich gründen vnd beweren 
durchs alte testament. Bindseil 7, 303; mit 
vornunfft sich vnterstehen gottis Ordnung zu 
gründen oder schützen, sie sey dan mit glau- 
ben vorhyn gegründet vnd erleuchtet, szo ists 
als wen ich die helle sonne mit eyner finstern 
latern wolt erleuchten, von dem bapstum. 
(1520). Bij"; also gründen sie alle yhr ding 
nit allein mit yhren eygen ertichten lugen, 
sondern auch (das vntreglich ist) mit vor- 
kerun^ {verkehrung), vorgifftung vnd schand- 
brauch des heyligen gottlichen worttis. auff 
das vbirchrisll. buch. (1521). Diy"; wenn 
ichs nicht bette gelesen ynn yhren büchern, 
bette ichs nymer mehr gegleubt, das sie mit 



solchen narren teydingen diesen artickel betten 
wollen gründen, das diese toort etc. (1527). 
h üij ^ ; — vnd hat sich mit der tzey tt so tieff 
eingesetzt, das man meynett solch geystUcher 
stand sey yn der schrifft gegrund. ebend. 
BüjK 

4) sich gründen auff etwas : auff hertzog 
Georgens dunckel vnd wahn gründe ich mich. 
von heimlichen u. gestolen brieffen. (1529). 
Aiiij ^ ; solche letzte wort Dauid gründen sich 
{beruhen) auff gottes eigen worl. von den 
Juden. (1543). Niiij"; so hat der bapst 
hinfurt kein zeugnis der beüigen schrifft für 
sich, darauff er sich gründen vnd fussen 
möchl. Jen. 1, 50*. 

Groadfeste^ f. fundament, eigentUcb u, 
bildlieh, mhd. gruntveste (Ben. 3, 275'. 
Lexer 1103): die grundfest der berge. 5 
Mos. 32, 22; die grundfeste des himels. 
2 Sam. 22, 8; die grundfest des erdbodeus 
offeneten sich. 2 Sam. 22, 16 var.; grund- 
feste des landes. ps. 82, 5 ; grundfeste der 
stad. Jes. 1 6, 7 ; die grundfeste des gefeng- 
nis. ap. geseh, 16, 26; ein pfeiler vnd 
grundfesie der warheit. 1 Tim. 3, 15; eck- 
stein vnd grundfest des zeitlichen friedes auff 
erden, eine predigt das man kinder etc. 
(1530). Fj'. 

firHiidfroinin (grundfrum), durch und 
durch fromm, sehr fromm : das die menschen 
recht grundfrum durch den geyst werdenn. 
auff das vbirchristl. buch. (1521). Fiiij". 

Grundgereeht 9 wirklich, wahrhaft ge- 
recht : niemand ist so feind der waren Weis- 
heit als die weisen, die können gantz nicht 
leiden die wort, werck vnd leben des grund- 
gerechten menschen. Jen. 1, 25*. 

Gmodgiiadenreiehi durchaus, völlig gna- 
denreich. beleg s. unter galgenreue. 

Grnndgat^ völlig, ganz, sehr gut: sie selb 
nit anders wissen, es sey alles grundt gutt 
mit yhn. ausleg, deutsch des v, u. (1518). 
Biij ^ ; warheytt bedeutt, das es ist allis grund 
gut vnd recht ist ynn yhm selb, was er ist 
vnd thutt. ausleg, der ep. vnd euang. vom 
christag. (1522). Yj"; grundgut ymhertzen. 
vber das erste buch Mose. (1527). ,Sj"; 
grundgute theologen. auff das vbirehristL 
buch. (1521). Eij*; grundgute gerechtig- 
keit. Jen. 1, 39 ^ 



GRUNDHOFFART 



179 



6RUNDSCHALGK 



fimMlk^fart^ f. grünSHeher hochmulh: 
vnd euget sidi, das es ein grundhoffart ge- 
wessea ist. au$le§, der ep, vnd euang, des 

aduenU, (1522). RRiüj^ 
(IriMIfeh (gründlich), adj. u. adn., mhd, 

granüich (Lester 1103). 

1) aui det) Hefe, dem gründe des her$en$ 
liefKamend: das sind heutige Tnd sehr gründ- 
liche wort eins Tirarhalftigen rewigen hertzen. 
i«ti. 1, 37*; gottes stercke vnd trost wird 
memant gegeben/ er erbitte es dan mit 
gantzem grand des hertzen, niemant bittet 
aber gmndlieh der noch nit grundlich er- 
schrocken vnd vorlaszen ist. die sieben hu$x^ 
p«alm. (1517). Aiij*; o wye grnndüch {van 
herzen) gan ich dem bapst solch schyrmleut. 
iyn vrieyl der Iheologen. (1521). Diij". 

2)mrkUch, wahr: hyrein geboren alle 
bepste . . . monicb, nonnen vnd alle die ym 
ettszerlichen wesen für Christen gehalten 
werden, sie sein warhafftig, grundlich (dem 
mersien wesen nach) Christen odder nit. 
von dem bapstum, (1520). Giij'; nit 
eoszerliche, sondern gründlich warhafftige 
Christen seittn. ebend. Cüij'»; grundtich rew. 
A'e Heben huszpsalm. (1517). Rj*; das 
sind wort einer gründlicher rew. Jen. 1, 
28*; ansz herlzlicher, gmndlicher gunst zu 
thristo. grund vnd vrsach. (1521). fj"; 
ein bertzlicher, gründlicher, rechter danck. 
^^ Ml. psalm. (1530). Dj"; das ist der 
erste rechte grundliche (der Wahrheit gemäsz 
^rgestelUe) anfang des lutherischen lermens. 
viderHans Warst. (1541). Liij\ 

3) auf festem (gutem) grund ruhend, 
^wnstösslich, sieher: sie sollen Jeremiam 
verantworten oder sich gegen jm wercn mit 
i^lem schein vnd gründlichem bestand, tri- 
^ die sabbather. (1538). Fiij*; ich hab 
^öndlich beweyszet, das die ablasbepste 
teuscher geweszen sind, antwart deutsch. 
(1522). Gj"; was man gründlich (sicher) 
'omNestorio vnd diesem concüio wissen kan. 
^ondeneandlijs. (1539). Sj«. 

4) bis auf den grund gehend, vallständig, 
9öih%lieh, genau: das ist gründhch von der 
Sachen geredt, van den Jikden. (1543). 
Wj*»; vnser endlich, gründlich, ewig ver- 
«Jerbeii. ebend. eij**; mich dünckt ich müs 
gründlich verterben. Jen. 1, 20*; vnd ist 



hie zu mercken, dasz diszer psalm vnd scyns 
gleychen nymer mehr wirt grundlich vor- 
standen ader gebett, es gehe dan dem men- 
schen der anfal vnder die äugen, die sieben 
buizpsalm. (1517). Aiij*; wer aber den 
titel veracht oder nicht verstehet, dem sage 
ich, das er den propheten Jesaiam mit frieden 
lasse, oder je nicht gründlich verstehen werde. 
BindseH 7, 342; die Weissagungen nicht 
gründlich zuuerstehen sind, ehe sie volendet 
werden, ebend. 393 ; bis das e. k. f. g. selbs 
anher komen vnd die sacheif gründhch erfaren. 
ariginalbr. aus d. j. 1537 im ges.-archiv 
zu Weimar. O pag. 143. EEE 9. 

43rHiidIo8j mhd. grunllos, grundelos (Ben. 
1, 5S1^ Lexer 1101). 1) ahne grund, 
badenlas: es ist alles grundlos vnd bodelos 
mit eyttel geytz vnd vnrecht. von kauffs- 
handlung vnd wticher. (1524). Diij''; böse 
fawle grundlose pfutzen. ausleg. des 67. 
psalm. (1521). Aiij * ; ausz diszem hoff ich, 
scy es klar, das der faule grund diszes plau- 
ders gar nyder ligt vnd grundlosz erfunden 
wirt mit allem das er drauif bawet. van dem 
bapstum. (1520). Biij'. 

2) unergründlich: auff das man sehe, wie 
gottes wort, wie helle vnd gemeine es sey, 
dennoch alles grundlos ist, vnd obs gleich 
nach dem verstand auszugründen were (als 
nicht ist), so ists doch der tugent vnd krafft 
halben grundlos, der 111. psalm. (1530). 
Bij '* ; aus grosser, hertzlicher, grundloser liebe. 
vermanung zum sacrament. (1530). Bij*; 
es ist ein zeichen seiner hohesten liebe vnd 
grundlosen barmherlzigkeit, vnd wie kan er 
hoher liebe vnd tieffer barmhertzigkeit erzei- 
gen ? ebend. Gij'* ; die empfangene grundlose 
gnade, ausleg. der ep. vnd euang. van astem. 
(1544). Aaiii^ 

3) adv.: das fürnemste ampt oder krafft 
des gesetzes ist, das es . . dem menschen zeige, 
wie gar tieff seine natur gefallen vnd gründ- 
los (unendlich, sehr) verderbet ist. artiekel 
etc. (1538). Eij*. 

(Irandschalcki m. erzbösewicht: ey, wie 
ist m. Eisleben (J. Agricala) doch ein grund- 
schalk. de Wette br. 4, 36; vom anfang 
Bonifacij VIII. des grundschalks. BindseH 7, 
385 ; er redet mit eitel gnindschelcken. zwo 

23* 



GRÜNDORNSTAG 



180 



GRUSZ 



predigt. (1535). Diiij^; ausleg, der ep. vnd 
euang. von oslem. (1544). lij*. 

6md«rii8tftgj m. der grüne donnerstag, 
s, grün 5. 

firindsprachj m, vnd hie mit, hoff ich, 
ligt das bapstum ynn der aschen, die weyl der 
eynige grundspnich (der spruck, worauf es 
sich gründet, nemlich Matih, 16, 18) yhm 
wider strebt, auff das vhirchrisU, huch. 
(1521). Kiij*. 

firiidstein^ m. zum fundament dienender 
stein: ich lege in Zion einen grundstein. Jes. 
28, 16 ; das man weder eckstein noch grund- 
stein aus dir nemen könne. Jer, 51, 26. 

CrandsleinleiB (-ün), n. dim, des vorigen : 
da sie aber klein grundsteinlin legen, das 
diese wort, (1527). mäj**. 

CrindsDppCy f» sentina, hodensatz, hefe, 
mhd, gruntsopfe (Ben. 2*, 721 ^ Lexer 
1 1 03}^: die grundsuppe bleibet den gottlosen. 
gl. zu ps. 75, 9 (die gottlosen müssen alle 
trincken vnd die hefen aussauffen). meist un' 
eigentlich u. bildlich für das unterste, letzte 
wovon: es ist vorkundigit, dz tzu des end- 
christs tzeytten alle ketzerey sollten ynn eyne 
grundsuppe sich samlen. ausleg, der ep. vnd 
euang, vom christag. (1522). Xij*; der 
born vnd grundsuppe aller ketzerey, yrthum 
vnd Vertilgung des euangelij. widder den 
newen a&^o(. * (1524). aij^; grundsuppe 
aller vntugent vnd büberey. deudsch catech. 
(1529). Hij**; grundsuppe aller grewel vnd 
yrtlium. vom kriege widder d. T. (1529). 
Diüj^; diese betrübte neige, garstige hefen, 
Verdorreter schäum, schimlichte grundsuppe 
vnd mösichter pfui vom jüdenthum. von den 
Juden. (1543). Zj'; vnd sol nu abermal 
zu Trennt das concilium werden, doch so 
fern, das niemand dahin kome on allein seine 
grundsuppe, epicurer vnd was jm (dem 
bapst) leidlich ist. wider das bapstum. 
(1545). Aij*; bapst, cardinel vnd was mehr 
der hellischen grundsuppen zu Rom ist. 
ebend. Aüj ^^ ; solchs roch der bapst mit seiner 
hellischen grundsuppe seer wol. ebend. 
Biiij*; item (cap^ x. vnd xxvüj spricht er (der 
proph, Jesaias), das so viel an diesem wort 
fallen, das kaum die hefen vnd grundsup vom 
volck seüg werde, posl, (1528). 167'; 
jnn der letzten grundsuppe der weit, das 15. 



cap. der ersten ep. s. Pauli an die Cor, 
(1534). Aij-. 

Cmdthor, n. name eines tempelthores. 
2 chron. 23, 5. 

flriieii, virescere, auch noch umlautloses 
grünen, welches mhd. gruonen (Ben. 1, 
580 ^ Lexer 1105), aW. gruonen ((rra/f 
4, 300) entspricht, doch kommt auch nihd, 
schon grüenen in der bedeutung „grün 
werden" vor (Lexer 1 098): die Ebreer heben 
jr newjar an nach d.er nafür, wenn alle ding 
wider new grünet vnd wechset. gl. zu 2 Mos. 
13, 4; das gantze land grünet vnd stehet 
lüstig. gl. zu ps. 89, 13; vnd er (der wein- 
stock) grünete, wuchs vnd blüete. 1 Mos. 
40, 10; welchen ich erwelen werde, des 
stecke wird grünen. 4 Mos. 17, 5; sein 
zweig wird nicht grünen. Hiob 15, 32; die 
gottlosen grünen wie das gras. ps. 92, 8; 
die gerechten werden grünen wie ein blat. 
spr. Sal, 1 1, 28; der feigenbaum wird nicht 
grünen. Habac. 4, 17; ein grünende tanne. 
Hos. 14, 9; eyn grünender lorbaum. der 
3^> psalm. (1521). Ciiij^; alsz wenn gott 
ausz eynem dorren bloch eyn newen grünen- 
den bawm mechte. ausleg. der ep. vnd 
euang. vom christag. (1522). Kij*. 

firnieiii grunnire, mhd, grunzen (Ben. 
1, 576**. leajer 1104), ahd. grunzan (Graff 
4, 329) : h. George für allen andern fast seer 
gruntzet. die kl. antwort, (1533). Hj^; 
darnach wollen sie schmollen vnd gruntzen. 
vom schem hamphoras. (1543). Kij". 

subst.: nu ist doctor Luther ein wenig 
hoffertig vnd gibt nit vil auff der romam'sten 
runtzen vnd gruntzen. von dem bapstum zu 
Rome. (1520). Bj"; szo geht es den trun- 
cken fechtern, die das schwerd bey der 
schneyden vnd den spiesz bey der spitzen 
fassen vnd gaben lecherliche gruntzen (?) für. 
auff das vbir Christi, buch. (1521). Cj". 

(Irttsi (grus), m. salus, salutatio, nihd. 
gruo^ (Ben. 1, 582 ^ Lexer 1105): gnade 
vnnd gluck von gott dem vater.tzum newen 
heyligthum. solchen grusz schreybe ich nü 
m. gnedigster herr an statt meyner erbietung. 
originalbr. aus d. j. 1522 im ges. archiv 
zu Weimar. N. 109, 42; aUerheiligester 
stuel, gnack vnd brich nicht für diszem newen 
grusz. bulla cene domini, (1522). Aj 









>T» 



6RÜSZEN 



181 



GUCKEN 



das ist der grüsz, wie man pflegt vorn an die 

brieff zuschreyben. die ander ep. Petri. 

(1524). aiij'*; vnd gedachte, welch ein 

gms ist das ? Lue, 1 » 29 ; als Elisabeth den 

gnis Maria böreU v. 4 1 ; mein grus mit 

meiner Paulus band. Coloss. 4, 18. ei 

heUsi dnem einen gnisz entbieten, sagen; 

wie kund jr hertz jmer das zulassen, das 

Christus einem verleugketen menschen so 

einen freundlichen grus vnd so lieblichen 

guten morgen entbiete, eine schöne aster" 

predigi. ( 1 538). Aiiij '* ; der könig Alexander 

entbeut seinem bruder Jonathe seinen grus. 

1 Mace, 10, 18 ; vnd euch vnsern grus sagen. 

12, 17. der englische grusz, das ave Maria 

{Luc. 1, 28): der engelisch grusz war Marien 

wunderlich ynn yhren äugen, das magnifical. 

(1521). dij*'; aber hie wollen die papisten 

toll werden vber mich, das ich den engelischen 

grus verderbt habe, von dolmeUehen, (1530). 

Büij«. 

firisien (grüssen), salutare, mhd. grües^en 
(Ben. 1, 583*. Lexer 1099), ahd, gruo^an 
{GraffA, 337). 

1) einen grüszen, mit grusz anreden, ihm 
gutes wünschen: wir grüssen also auif 
deudsch, guten abend, glück zu etc. gl. zu 
Matth, 26, 49 ; so dir jemand begegnet, so 
grüsse jn nicht, vnd grUsset dich jemand, so 
dancke jm nicht. 2 hon. 7, 29 ; vnd nicht 
danckest, wenn man dich grttsset. Sir. 4 1 , 
24 ; vnd künden gott, der yhn begegnet nit 
grüssen. grund vnd vrsach. (1521). f ij ^ ; 
kanstu golt nicht grüssen, der dir begegnet, 
noch dancken der dich grüsset? post. (1528). 
38"; gott grüsset alle weit, aber wenig 
dancken ybm. vher das erste buch Mose. 
( 1 527). Bb iiij" ; er aber grüsset sie freund- 
lich. 1 Mos. 43» 27 ; sie kereten da ein . . . 
vnd grüsseten jn freundlich, rieht. 18, 15; 
so grüsset jn von meinet wegen freundlich. 
1 Sam. 25, 5; grüsset euch vnternander mit 
dem heiligen kus. es grüssen euch die ge- 
meinen Christi. Rom. 16, 16; ich Paulus 
grttsse euch mit meiner band. 1 Cor, 16, 
2 1 . sich grüszen, sich gegenseitig hegrüszen : 
vnd da sie sich vnternander gegrüsset hatten, 
giengen sie in die hütten. 2 Mos. 18, 7; 
eine alte deutsche gruszformel ist: gott 
grüsze dich (euch) , gott segne dich (euch) : 



gott grus dich, meyster. Matth. 26, 49 in 
den ersten ausg. des n. tesl., später: ge- 
grüsset seistu rabbi, was L, jedoch in der 
dieser stelle beigegebenen glosse als *böse 
deudsch* tadelt; gott grus dich, du Ueber 
könig der Juden. 27, 29 var. (später ge- 
grüsset seiestu Juden könig); gott grusse 
euch. 28, 9 var. (später: seid gegrüsset); 
bette ich das beste deudsch hie sollen nemen, 
so bette ich den grus '(gegrüsset seistu hold- 
selige. Lue. 1, 28) also verdeudschen müssen, 
gott grüsse dich du liebe Maria, von dol' 
meUehen. (1530). vBüij". 

2) einen grüszen um etwas. Jemand um 
etwas ansprechen (vgl. hegrüszen): das 
weren rechte gotlis kinder, die nichts an- 
fiengen, sie grüsseten tzuuor gott dnimb. 
ausleg. der ep. vnd euang. vom ehristag. 
(1522). tttüij"; po«l. (1528). 250"; vber 
die vier hohe concilia sind viel andere gewest 
hin vnd wider . . . welche den bischoff zu Rom 
nicht zuuor haben drumb gegrüsset. wider 
das bapstum zu Rom. (1545). £j*. 

finisicapÜelj n. das letzte cap. (der ep. s. 
Pauli an die Römer) ist ein gruscap. (enthält 
die grüsze). Bindseil 7, 447. 

Critie (grutz. in L.'s hausrechnung. de 
Wette br. 6, 380; grütz. 2 Sam. 17, 28j» 
f. grob gemahlene, ausgehülste getraide- 
kömer, mhd. grytze {Lexer 1108): vnd das 
weib breitet eine decke vber des brunnen 
loch vnd breitet grütze drüber. 2 5aifi. 17, 
1 9 ; wenn du den narren im mörser zu- 
stiessest mit dem stempffel wie grütze. spr. 
Sal. 27, 22 ; ob man vns gleych ym mörser 
zustisse (als Salomon spricht) vr^e eyne grütze.* 
zwey keyserl. gepot. (1524). Aj^;vndsolt 
keyn brot noch kuchen noch grutz essen. 
3 Mos. 23, 14 var. 

Cncken^ gucken , sehen, bes. neugierig 
schauen, mhd. gucken, gucken (Lexer 1110), 
bei L. vorherrschend mit hartem (ndd.) an- 
laul kucken : das ers deutlich, klar vnd grob 
schreiben solle ... das man nicht dafür müste 
stehen vnd gucken vnd die buchstaben zelen. 
der proph. Habacuc. (1526). hj'^; vnd 
allein ynn das leibliche essen gucken vnd 
gaffen, das diese wort. (1527). rj^; er 
stehet hinder vnser wand vnd sihet durchs 
fenster vnd gucket durchs gitter. hohelied 



GUCKEN 



182 



GULDEN 



2, 9 ; vnd da die lade des herrn in die stad 
Dauid kam, ktftket Michal durchs fenster. 2 
Sam. 6, 16; yvLd{hebel) gacket zum fenster 
aus. 2 kän. 9, 30 ; als sie nu weinet, kucket 
sie in das grab. Joh. 20, 11; dem teufel ins 
schwartze, finster, hinder lägenloch kucken, 
von den Juden, (1 543). c j ' ; kucke mir in 
den sra {umelellung van ars, podex), mder 
das bapelum xu Rom. (1545). Büij*. 
redensart: aber den zäun gucken, die er» 
Wirung gibt L, selbst in folgender stelle: 
lieber kuck vber den zäun, das ist sihe wie 
mirs gehet, hilff vnd rat mir, sey guter nach- 
bar. wider den Wucher. (1540). Gij^; die 
weit kuckt nicht vber den zäun, wo man 
nicht wil wider herüber kucken . . . aber ein 
Christen sol jmer vber den zäun kucken zur 
notturfft, wenn sein nachbar gleich nimer 
mehr wolt wider herüber kucken, wie 
Christus hie leret, denn gott wird so ehs mit 
* einem vber flüssigem reichen kucken wol er- 
statten, ebend, Gij ^ — iij *. 

fiackei (kucken), n. «. den teilten beleg 
vorher, 

fiilden, giMe«, vereinselt auch noch 
guldin (2. b, ep. s, Petri gepredigt, 1523. 
Mj ' ; Siij % güldin {vber das erste buch Mose, 
1527. kiiij*), aureus, golden, von gold, 
mhd. ahd. guldfn {Ben. 1 , 553 ^. Lexer 1115. 
ßraff4, 196), golh. gul})ei9s. 

1 ) eigentl. : gülden röhr, an den chrisll, 
adel. (1520). Gj "; gülden netz. gr. serm, 
von dem wucher. (1520). aiiij*'; gülden 
schauflTel. wider d, newen abgot. (1524). 
a iij ^ ; ein gülden stuel. das diese wort. 
(1527). fiij^; gülden kröne, ebend.; eine 
gülden {L.'s manuscr. gülden) sylbern odder 
bültzern rosen. vom abendmal Christi. 
(1528). b iiij * ; gülden buchstaben. der 111. 
psalm. (1530). Fij*; gülden spange. 1 
Mos. 24, 22; gülden kleinod. 24, 53; ein 
gülden keten. 41, 42; sübern vnd gülden 
gefess. 2 Mos. 3, 22; silbern vnd güldene 
götter. 20, 23; gülden krantz. 25, 11; 
gülden rinck. 25, 12; gülden heflle. 26, 6; 
güldene kneuffe. 26, 32 ; güldene schellen. 
28, 33 ; gülden altar. 39, 38. 

2) uneigentlich u. bildlich: gülden har 
{capillus flavus). 3 Mos. 13, 30. 32 ; solche 
heisse ich silbern vnd gülden Juristen, die 



dem recht dienen nicht vmb des rechts wHlen, 
sondern nach den personen vmb der taler 
willen, wider den bischof zu Magdeburg. 
(1539). Jij^; darumb diese epistel zu halltea 
ist für eyn rechte guldyn epistel. die ander 
ep, s. Petri. (1524). Siij^; sihe das sind 
die rechten güldenen legenden^ vber das 
erste buch Mose. (1527). gg iij , meine 
gülden freundlin. auf des hönigs zu Engel* 
land lesterschrift. (1527). Bij**; ygHcher 
gerne wolt; das alle weit guldens von yhra 
redete, deudsch cateeh. (1529). Kiij*. 
das gülden jähr, annus Jubüaeus, Jubeljahr 
s, güldenjahr. 

tehleii gUden, vereinzelt auch gilile, 
{z. b. wiederholt Jen. 1, 39*^; ebenso in: 
das diese wort etc. 1527. hiiij*'), m. 
ßorenus, mAd. guldtn {Ben. 1, 553 ^ Lexer 
1115), d. i. dar guldfn phenninc {der gol* 
dene Pfennig), also ursprünglich das adj. 
gülden {golden) mit auslassung des subst. 
pfennig, wie denn auch zu L.*s zeit der 
gülden noch eine goldmOnze war: heist das 
nicht Christum für ein kind odder narren 
halten, dem man einen gülden neme vnd gebe 
yhm einen zalpfennig odder ein espenlaub da- 
für vnd beredet es, das es köstlicher ding 
were denn der gülde? das diese wort. 
(1527). hiüj^; gleich wie ein geuekler den 
albern leuten ins m^Cul gülden gauckelt. wi- 
der das bapstum. (1545). Aiij*; wenn du 
seinen mund auflllhust, wirstu einen halben 
gülden finden. Matlh. 17, 27 var.; ich wolt 
ia etwa ein zelien gülden finden, das ich eine 
kue kenifet zum opffer. der 117. psalm. 
(1530). Giij''; wer zuuor mit xxx gülden zu 
komen ist, der kau itzt kaum mit hundert 
gülden zu komen. vermanung zum gebet. 
(1541). Bj ^ ; da sie dem könige einen gülden 
erfromet haben, der mus alle ehren vnd äugen 
füllen . . . aber da viel tausent gülden dafür 
sind verfaul witzt, da krehet kein hau nach. 
der \0i. psalm. (1534). Giiij"; reynische 
gülden, deudsche messe. (1526). Bj**; vn- 
gerische gülden {dukaten). ebend. — einmal 
begegnet, allerdings in einer nicht von L. 
selbst herausgegebenen sehrift, der gen. 
güldens: ein ortt eins güldens. ausleg. der 
euang. an den ßmemisten festen. (1527). 
büij*. 



GOLDENFHVER 



183 



GURGEL 



MM taiffc er, n. iuchl nach gold, hob- 
sueh$ s. fieber am ende. 

ÜAMe^Jakr (güldeniv, auch getrenmt 
guMlen jar), m. annm juMaetu, jube{iahr, 
§rosKe$ abioix/akr, van Benifaeiue VIIL in 
4er römsehen kir^ eingepihri: Bonifacius 
Mn. der die weit zum ersten mit dem 
^deniar generret vnd verfttret hat vorr. 
rfrer d. profA. DanieL Bindeeill, 385 ; da nu 
solchs beguDst gelt zu tragen vnd der bullen 
narckt gut ward, erdacht er das gülden jar 
Ynd legis gen Rom. arlU^el. (1538). Fij-; 
fluxs eilet der bapst weiter vnd machet viel 
gülden jar auff einander. - el)end, ; wer des 
ablas oder giüden jars wolt teilhafllig sein, 
der solt berewet vnd gebeicht sein, ebend, ; 
\ud sind alle jar sint der zeit dieses concilij 
eitel gülden jar gewest. von den concilijs, 
(1539). Fij^ 

teMevstick, n. goldsehmuck : das sie 
kein trost noch freude haben können, wenn 
man in {ihnen) alle guldenstuck vmb lüenge. 
das 15. cap, der ersten ep, s, Pauli an die 
Cor, (1534). Lj*; alle kleider vnd gülden- 
stück die ein könig odder keiser tregt. 
ebend. Tij*. 

fiBHmd (gumi), 'klehsaß aus pflanzen*, 
mhd. gummi {Lexer 1117), aus lat. gummi 
gr. xififdi : nn griechischen stehet vnter einem 
schino, das heist latine lentiscus, vnd ist der 
bäum, dauon das gumi fleussl. gl zu Susanna 
54 ; wie ein gumi odder wie bey vns das hartz 
aus den kiffern, fichten odder thannen. aui* 
leg. der euang, an den fümemislen festen, 
(1527). Yüj'. 

tampea, tanzen, springen, mhd. gumpen 
{Ben. 1, 526 ^. Lexer 1118): wenn dem esel 
zu wol ist, so gehet er auffs eysz gumpen vnd 
bricht ein beyn. tischr. 339 *'. vgl, auf- 
gumpen. 

fliaieii gönnen: ob er gleich yhnen 
lieber das leben günnet. vber das erste buch 
Mose. (1527). kiiij*"; das keiner dem andern 
guts gönnet, ebend. eiij^; ich günne es jhn 
wol. von dolmetschen. (1530). Aiij^. vgl. 
gönnen. 

Clutt, f. favor, mhd, gunst {Ben. 1, 33^. 
Lexer 1120); zu gunnen (gönnen): 1) ge* 
wogenheü, wohlwollen : e. f. g. wolt sich 
aller gunst vnnd trew zcu ym vorsehen, ort- 



gifialbr. v.j.ibil im ges. arduv zu Weimar 
i^. 108, 41 ; ein Christ nicht aus gunst, noch 
vmb lohn, noch vmb einiger person ansehen 
willen guts thut. der llLpsalm. (1530). 
Giij ^ ; gunst gegen got. die sieben buszpsalm. 
(1517). Aiiij*; gunst vnnd gnade, serm.von 
dem n. lest. (1520). Riiij^; gunst vnd 
gnaden, an den beek zu Leipzig. (1521). 
Aij*; gunst vnd li^e. ausleg. der ep. vnd 
euang. vom ehristag. (1 522). Oo iiij *; gunst 
vnd klugheit. spr. SaL 3, 4 ; Festus aber 
wolle den Juden eine gunst erzeigen, ap. 
gesch. 25,' 9. vgl. gonst. 

2) einwilligung, erlaubnis: damit will er 
dyr nicht weren, das du frey werdest, so du 
kanst mit gunst deyns herrn. das 7. cap. 
Cor. (1523). Hij^ 

fiiittigt benevoluSf wohlwollend, geneigt, 
zugeüian, mhd. gänstic {Ben, 1, 34". Lexer 
1120): vnnd er (d. Staupitz) vorwar gar 
sunderlich e. f. g. gunstig (mit liebe zuge* 
than) ist. originalbr. v. J. 1517 im ges. ar^ 
chiv zu Weimar. N. 108, 41; vnd gott gab 
Daniel, das jm der oberste kemerer günstig 
vnd gnedig ward. Dan. 1,9; sie dem jüdi- 
schen volck zu weilen vngünstig zu weilen 
günstig gewest sind, der proph. Sacharja. 
(1528). Tij^; gott von grund seines hertzen 
geneigt vnd günstig ist jmer zu helffen vnd 
wolzuthun. das schöne confllemini. (1530). 
Aiiij*. in titeln: dem erbarn vnd fürsichtigen 
N. meinem günstigen herrn vnd freunde, von 
dolmetschen. (1530). Aüj *; meinem gunsti- 
gen herrn vnd guten freunde, der lAl.psalm. 
(1532). Aj"». vgl. gonstig. 

fiinstiglichj adv. wohlwollend, mhd. 
günstliche {Lexer 1 120) : dasselbe wolte man 
mir günstiglich zu gute halten. Jen. 1, 394 ' ; 
so wolte man mich günstiglich entschuldiget 
haben, ebend. vgl. gonstiglich. 

(ünnstwillig , freiwillig: das wortleyn 
fürstlichen geiste, das hie steel, heyst yn 
hebreischer sprach auch ein freywilligen adder 
gunstwilligen, vngezwungen vnnd vngereytz- 
ten geist. die sieben buszpsalm. (1517). 
Eiij*. 

finrgel^ f. jugulum : die gurgel abschneiden. 
wider den bischof zu Magdeburg. (1539). 
Ej'^; bey der gurgel nemen vnd zum haus 
hyuaus füren, der 112. psalm. (1526). a6^ 



GURT 



184 



GUT 



wir aber greiffeD jm {den bapsl) nach der 
gurgel vnd käle. Uschr. 240 ^. 

mkd. gurgel (Ben. 1, 592 ^ Lexer 1 124), 
ahd, gurgula {Graff A, 248) nach lal. gur- 
gulio; luftröhre, 

fiurt, hei L. gewöhnlich f., selten m. gür- 
tet, mhd, gurt m. f. (Ben. \, 593*. Lexer 
1125); mtl garten zu goth. gairdan gürten, 
umschlieszen (s. Weigand 1, 390): seine 
gurt. 2 Mos. 28, 8; 39, 5; gerechtigkeit 
wird die gurt seiner lenden sein vnd der 
glaube die gurt seiner nieren. Jes, 11, 5; 
da ist keine gurt mehr. 23, 10; das jr der 
gurt auifgelöset würde. Bar. 6, 43 : vnd 
{Adam u. Eva) machen yhn schürtz odder 
gürte von blettern geflochten, vber das erste 
buch Mose. (1527). Lj^ 

fliirtel^ m. cingulum, mhd. gürtel m. f. 
{Ben. 1,593*. Lexer 1125), ahd. gurtil, 
curtil {Graff 4, 255): das sind aber die klei- 
der die sie machen sollen . . . hut vnd gürtel. 
2 Mos. 28, 4 ; ein gestickter gürtel. 28, 39 ; 
leddern gürtel. 2 kön. 1, 8; leinen gürtel. 
Jer. 13, 1; gülden gürtel. Dan. 10, 5; des 
kinderspiels vnd narrenwercks von langen 
rocken ... breiten gürtein. artickel. (1538). 
Aüij " ; gerechtigkeit wird eyn gürttel seiner 
lenden sein. Jes. 11, 5 var. 

fiarten, cingere, einen gurt anlegen, mhd. 
gürten, gurten {Ben, 1, 593*. Lexer 1126), 
ahd. gurtan, d.t.gurtjan {Graff 4, 253); tu 
goth, gairdan {vgl. gurt). einen gürten, ihm 
einen gurt, einen gürtel anlegen : vnd solt 
jn {Aaron) gürten aussen auff den leibrock. 
2 Mos. 29, 5 ; vnd beide Aaron vnd auch sie 
{seine söhne) mit gürtein gürten. 29, 9. 
bildlich: du hast mich mit freuden gegürtet. 
ps. 30, 1 2. ein thier gürten : vnd {Abraham) 
gürtet seinen esel. 1 Mos. 22, 3. sich gür~ 
ten: sich mit einem leinen gürtel gürten. 3 
Mos. 1 6, 4 ; gürte dich vnd thu deine schuch 
an. ap. gesch. 12,8; da du junger wärest 
gUrtestu dich selbs . . . wenn du aber alt wü*st, 
wirstu deine hende ausstrecken vnd ein ander 
wird dich gürten. Joh. 21, 18; sich nicht zu 
hart gürten, gl. zu Ezech. 44, 1 8. die lenden 
gürten : vnd er gürtet seine lenden. 1 kön. 
18, 46; gürte deine lenden. 2 kön. 4, 29; 
gürte deine lenden wie ein man. Hiob 38, 
3 ; sie {die gute hausfrau) gürtet jre lenden 



fest, spr, Sal. 31, 17 ; lenden gürten heisst 
jn der schrifft das wir sagen sich schür tzen 
vnd rüsten, das einer fertig vnd geschickt- sey 
zu lauffen odder zu kempffen» das 6. cap. 
Ephes. (1533). Hiiij*. etwas mittelst eines 
gurtes anlegen: gürte {var. binde) ein jglicher 
sein Schwert auff seine lenden. 2 Mos. 32, 
27 ; vnd gürtet es {das schwert) vnter sein 
kleid auff seine rechten hüfft. rieht. 3, 16; 
Dauid gürtet sein schwert vber seine kleider. 
1 Sam. 17, 39; gürte ein jglicher sein 
schwert vmb sich. 25, 13 ; gürtet secke vmb 
euch vnd tragt leide. 2 Sam. 3, 31 ; schürtz 
odder gürte, die sie vmb sich her gürteten. 
vber das erste buch Mose. (1727). Lj*'. 

Mrtleri «i. zonarius^ gürtelmacher, in 
L.*s hausrechnung gurtler. de Wette br. 6, 
330. mhd. gürtelaere {Lexer 1126). 

fiuty bonuSy xakoa, mhd. guot {Ben. 1, 
587^ — 589 ^ Lexer 1121. 1122), ahd. 
g(k)uot (Graff Ay 154—159), goth. g6ds 
{neutr. göd, go[)). verschiedene vermuthun- 
gen über die etymologie des Wortes s. Lexer 
1122. 

A. adj, 

1) gut, die erforderlichen eigenschaften, 
die nöthige Vollkommenheit habend, von m- 
nerer gute oder vortrefflichkeit, taugtichkeil 
oder brauchbarkeit sein etc., von personen 
und saehen. a) von personen, tüchtig, ge^ 
schickt: es ligt an einem guten ausleger, 
spricht man. wider das bapstum. (1545). 
Sj ** ; gute schwymmer ertrincken gerne vnd 
gute steyger fallen gerne, ausleg. der ep. 
vnd euang. von d. heyl. drey könige fest. 
(1525). niij*; man mus den auch einen gu- 
ten schützen sein lassen, der nahe dabey odder 
das mehr mal yns blat scheusst. von ehe- 
Sachen. (1530). Ej*; vnd ward ein guter 
schütze (var. ein schützemeister). 1 Mos. 21, 
20 ; vnd Hiram sandte seine knechte im schiff, 
die gute schiffleute vnd auff dem meer erfaren 
waren. 1 kÖn. 9, 27; ein guter meister. 
spr. Sal. 26, 10 ; guter krieger. Jer. 50, 9 ; 
gut kriegsuolck. 1 Macc. 1, 4; ein guter 
Schreiber, ps. 45, 2. 

b) von sacken, in manigfacher anwen- 
düng, z. b. vom vieh, gut bei leibe, fett : ein 
zart gut kalb. 1 Mos. 18,7; zwey gute 
böcklin. 27, 9 ; gute schaf vnd rinder. 



GUT 



185 



GUT 



1 Sam. 15, 9. von einem laDde, acker, bo- 
deo, fruehlbar: in ein gut land, in ein land 
darinnen milch vnd bonig fleusst. 2 Mos, 3, 
8 ; etliches fiel auff ein gut land vnd trug 
frucht. MaUh, 13, 8; vnd werdet allen 
guten acker mit steinen verderben. 2 kön. 
3, 19; vnd war doch auffeim guten boden, 
an viel wasser gepflantzt. Exech, 17, 8. gute 
ifetle, reidiUehe) weide : der wolff kan wol 
leyden, das die schaff gutte weyde haben, ep. 
s, Peiri gepreäigl. (1523). aaüi]**; fett vnd i 
gute weide. 1 c^ron. 5, 40. von bäumen 
und frucfaien: vnd werdet feilen alle gute 
(fruchtbare) bewme. 2 kön. 3, 19 ; ein guter 
{gesunder) bawm bringet gute fruchte, aber 
ein fauler bawm bringet arge fruchte. Matlh. 
7, 17 ; in dem einen korbe waren seer gute 
feigen ... im andern korbe waren seer böse 
feigen. Jer. 24, 2 ; ein guter apfel. das 5. 
ß.vndl.cap.s.Malth. (1532). hhij^ die 
sieben gute {voUe) ehern. 1 Mos. 41, 26. 
ein gutes (fruchtbares) jähr : vnd samle alle 
speise der guten jare. 41, 35; ein gut iar 
odder gute zeit, darinnen gott friede vnd frucht 
auff erden gibt, der 147. psalm. (1532). 
Aij ^ ; wir müssen ia bekennen, das dis uxj. 
iar ein gut iar sey. ebend, die redensarl: 
einen ein gut jähr haben laszen s. jalir. gut 
(günstiges) weiter : s. Vrban sol gut weiter 
zum wein geben, gl, xu Jer, 44, 17 ; samlet 
eyn weyl es scheynet vnd gutt weiter ist. an 
die radherm. (1524). Bj*; so schreyben 
die heyden von dem tyrannen Dionysio, da er 
den tempel beraubet hatte vnd gut weiter zu 
schiffen kreig, das er sich rhümet vnd sprach, 
sehet wie gut wetter gibt gott den kirchen 
dieben. der proph. Habacuc, (1526). f iij' ; 
ein guter platzregen. tischr, 188". — er 
kauD fast gute wort spinnen, wirt aber nit 
gut tuch darausz. originalbr. aus d.j. 1517 
im ges. archiv zu Weimar N, 108, 4 1 ; gute 
wahr (waare), gr, sermon von dem wucher, 
(1520). cj''; gute (echte, köstliche) perlen. 
Malih. 13, 45; guter wein. Joh. 2, 10; gut 
draubenblut. 5 Mos, 32, 14; gute frische 
meyesche putter. von der u)inckelmesse, 
(1534). Kj^; peltz, da haut vnd har nicht 
gut ist. ebend, Eiij ^ ; gut (dauerhaft, fest) 
gebew. das man kinder etc, (1530). Düj*. 
ein guter Schilling in der redensart ; einem 

Dun, WiJrterbneh. II. 



einen guten Schilling geben s. Schilling. «- 
vnd war ein weih guter vemunfft. 1 5a». 
25, 3 ; leuiten, die ein guten verstand (rtcA- 
Uges Verständnis) hatten am herm. 2 d^roii« 
30, 22 ; ynn gutem vnd nützlichem verstand. 
vom abendmal Christi, (1528). Aüg*;ein 
guter rat. 2 Sam. 17, 7 ; gott einen guten 
rat geben, der lOi. psalm. (1534). Oj*'; 
ein gutter anfang. an den chrisU, adeL 
(1520). Uiiij^; ein seer gute vnd feiste lü- 
gen, auf das vermeint keiserl.edict. (1531). 
Bj*'; gut (richtig) deudsch. das 6. cap. 
E]^s. (1533). Biiij'. 

2) gut dem masze nach, vollständig, an^^ 
sehnlich, bedeutend: wol sieben guter, gros* 
ser, deudsche meilewegs von der stad. Bind* 
seil 7, 357 ; vnd zoch vber land ein gute 
(lange, geraume) zeit. Luc, 20, 9 ; ein gut 
teil (eine nemliche anxahl) schlaffen. 1 
Cor, 11, 30. hierher gehört auch in gutem 
(schönem, hohem) alter sterben, begraben 
werden: vnd Gideon starb im guten alter. 
rieht. 8, 32; vnd (David) starb in gutem 
alter. 1 ehron, 30, 28; du solt in gutem 
alter begraben werden. 1 Mos. 15, 15. 

3) seinem ztoecke entsprechend, zweck* 
mos zig, nützlich: vnd gott sähe das das 
liechl gut war (var, sähe das liechi für gut 
an). 1 Mos. 1, 4; vnd gott sähe an alles 
was er gemacht hatte vnd sihe es war seer 
gut. 1, 31 ; es ist nicht gut, das der mensch 
allein sey. 2, 18. mit zu: brauchbar, taug- 
lieh, dienlich zu etwas : das herlz, die gallen 
vnd die lebbern behalt dir, denn sie sind seer 
gut zur artzney. Tob, 6, 6; die galle vom 
fisch ist gut die äugen damit zu salben, v. 
10. mit dat. der person: nützlich, heilsam, 
vortheilhaß für jem,: bis ich lernete, was 
den menschen gut were. pred, Sal. 2, 3 ; 
was von anfang geschaffen ist, das ist dem 
fromen gut, aber dem gottlosen schedlich. 
Sir. 39, 30; das were vns nicht gut, das wir 
von gottes wort vnd gottes gesetz abfielen. 
1 Macc, 2, 21 ; es ist euch gut, das ich hin- 
gehe. Joh, 16, 7 ; es ist dem menschen gut, 
das er kein weib berüre. 1 Cor. 7, 1. 

4) den sinnen angenehm, gratus, Jucun* 
dus, suavis, und zwar a) dem gesichle: 
Dauid war guter (schöner) gestalt. 1 Sam. 

24 



GUT 



186 



GUT 



16, 12. 6) dem ^feruche: ein gut gerttcht 
ist besser denn gute {woMrieehende) salbe. 
pred. Sal. 7, 2; das man deine gute salbe 
rieche, hohelied }, 8; vnd wird stanck für 
gut gertich sein. Je$. 3, 24. o) dem §6- 
sehmaeke: gut zu essen. 1 Mos. 2i 9; das 
von dem bawm gut eu essen were. 3» 6; 
iss, mein son, honig» denn es ist f^i{$chmeM 
gui). spr.Sal.2A, 19. d) dem sinnlichen ge* 
meingefM überhaupt: vnd er sähe die rüge, 
das sie gut (angenehm) ist. 1 Mos. 49, 1 5 ; 
hie ist gut sein. Maith. 17, 4. gutes leben, 
gut gemach, gute tage eto., angen^imes^ 
fröhliches leben, wohllebenf Wohlergehen: 
darumb wird sein gut leben keinen bestand 
haben. Hioh 20» 21 ; wer ist der gut leben 
begert? vnd gerne gute tage hette? ps. 34, 
13 ; wohleben vnd gute tage. Esther 8, 17 ; 
Jubal hat sein dalum auff gute tage, lust vnd 
freude gesatzt. tiber das erste buch Mose. 
(1527). Rj*; sich dergutten tage verzeyhen. 
das 7. cap. Cor. (1523). Biiij''; es müsten 
gar starcke beyne seyn, die gute tage solten 
tragen, der proph, Eabacuc. (1526). eij''; 
rüge vnd gutte gemadi. das 7. cap. Cor, 
(1523). Jiiij*'; vnd gaffet auff des andern 
gut gemach, das man kinder etc. (1530). 
Gij '* ; das zwey eheleute kein gute stunde 
beynander betten, vber das erste buch Mose. 
(1527). pj'. guten morgen, guten abend, 
gute nacht wünschen : es sind wol viel die 
gfttte wort geben vnd sprechen g5tten mor- 
gen zfi dem nehisten, denr.ken aber ym her- 
tzen, der teuffei holl dich. ep. s. Pelri ge- 
predigt. (1523). Siiij^; so lieblichen guten 
morgen entbieten, eine schöne osterpredigt. 
(1538). Aiiij^; dieser segen ist nicht ein 
menschlicher segen, da man mit werten 
segenet oder guten morgen oder abend 
wundscht. von den letzten werten Dauids. 
(1543). Oiiij'; das sind die letzte wort als 
des, der da wil hinweg scheiden und gute 
nacht oder den segen gibt, das 14. vnd 15. 
cap. s. Joh. (153S). Ttiij". e) angenehm, 
erfreulich überhaupt:' vnd meinet er were 
ein guter (angenehmer) böte. 2 Sam. 4, 10 ; 
du bringest heute keine gute botschafft. 18, 
20 ; gute botschafft, gute meher, gutte new- 
eeytung, gutt geschrey. vorr. auff das n. 
iest. ausg. v.J. 1522 M. 2*; 



der guten mehr bring ich so viel, 
dauon ich singen vnd sagen wil. 

Wackernagel kirchemlied 146. 
hieran reiht sich die formet 

5) gutes muthes, guter dinge sein, emfge^ 
räwmt, vergnügt, fröhUch sein: vnd giengen 
hin zu jren faütten ft*ÖUcfa vnd guts muts. 1 
kön, 8, 66 ; stehe auff vnd iss brot vnd sey 
gutes muts. 21, 7; am siebenden tage, da 
der könig guts muts war. Esther 1,10; man 
wird yhr gar wenig finden, die guts muts 
seyen, nidit trawren noch klagen, wenn sie 
den mammon nicht haben, deudsch cai. 
(1529). Bj^; — da nu jr hertz guter dinge 
war. ridU. 16, 25; las dein hertz guter 
ding sein. 19, 6 ; lachen vnd guter ding sein. 
das 16. cap. s. Joh. (1536). Diiii*"; ^rin- 
gen vnd guter ding sein, ebend. Tij *> ; frö^ 
beb vnd guter dinge sein, von den coneil^s. 
(1589). Aüj*. 

6) angesehen, edel, vornehm: du bist aus 
einem guten geschlechte. Tob. 5, 20; es 
bittet abermal die gute frawe Hanna von der 
Dame. Burkhardt briefw. 274. 

1) in ethischem sinne, a) von gott, dem 
vollkommensten wesen ustd quell alles guten 
(von dem alles was gut ist vnd heisset aus- 
fleust. deudsch cot. 1529. Biij''): was 
heissestu mich gut? niemand ist gut, denn 
der einige gott. Matth. 19, 17 ; der herr ist 
gut vnd from. ps. 25, 8 ; gut vnd gnädig. 
86) 5. b) von mensd^en, bieder, recht- 
schaffen, fromm: ein gut mensch bringet guts 
erfür aus seinem guten schätz des hertzen vnd 
ein bdser mensch bringet böses erfür. Matth. 
12, 35 ; Joseph war ein guter fromer man. 
Luc. 23, 50 ; ich byn nicht gutt gnug, das 
du vnter mein dach gehist. £mc. 7, 6 var. 
freundlich verbunden, zugeneigt: Udier herr 
vnd guter freund, von den Juden. (1543). 
niij^; vnd hielt sich heimlich bey guten 
freunden. Tob. 1, 23; ich habe auch d. 
Wenceslao geschrieben für meinen guten alten 
mitbruder. de Wette br. 4, 177. c) von xu- 
ständen «. handlungen etc. : gut, rechte ge- 
setxmäsxig : sihe disze beichten das fiir sund 
vnnd yrthum, das sie tzuuor haben für gütt 
vnd recht gehalten, antwort deutsch. (1522). 

IBg*; was dich gut vnd recht dünckt vns zu 
thun, das thu. Jos. 9, 25 ; vnd thun was 



GUT 



187 



GUT 



recht vnd gut ist. 1 Mos, 18» 19. gute 
[reine) lehre : man kund nymmer no viel ausz> 
werlTen mit gutter lere aist die böezen hewln 
ter eyn werffen mit falscher lere, mdäer den 
faUd^ ^emwUen geisü. stand. (1522). Ai^^ 
gute {edle) sitten : die g^ot gutter sitten. 
§nmdvnävrsa£k. (1521). liüj*. gut(rMii, 
mkig) gewissen «. gewissen, guter wille: so 
bore ich woU vnser glaube stünde auff dem 
guten willen der schreyber vnd drucker. 
das a m der teyl widder d. Aymi. prapheUn. 
(1525). Güij*; es solt an gutem willen vil* 
leicht weniger denn bey dem Turcken man* 
geln. vom krieg wider d. T. (1529). Gig*, 
gute (dem gebot gottes gemdsse, goU «0OM- 
geßiüge) werke: das ist ein gut werek, so 
die scfahflH foddert. das 14. vnd 15. eap. s. 
Joh, (1538). Mj*; die gutten wexck der 
liehe gegen den nehisten. widder den neteen 
abgoU. (1524). aij*. gut (goUgefälUges) 
leben, egm ssndbrief an hopst Leo X, 
(1520). Ay^; vnd vleissigen vns guten Wan- 
del sufiiren bey allen. Hehr. 13, 18; ein gut 
beet igeket). ausleg. deutseh des v. «. 
(1518). Gj*; ein gutte {teahre, rechte) rew. 
gruskd wud vrsach. (1521). eüii^ ein gu- 
tes {freundliches, liebreid^es) wort: ein gut 
wort findet eine gute stat {sptiehwort). gl. 
SM spr. Sal. 15, 1 ; vnd gebe meynen bor- 
gem gute wort, ich wolle sie redlich bezalen. 
von kaufshandlung, (1524). Dij"; vnd 
solloi kein gut wort mehr von mir hören. 
wider den meuehUr. (1531). Diij*. 
B. subst. 

1) der gute, fromme, im gegensatse zum 
bösen, gottlosen {vgl. gut 7 b) : der gute wird 
erben aulT kinds kind, aber des sünders gut 
wird den gerechten furge^rt. spr.Sal. 13, 
22; die bösen müssen sich bücken für den 
guten. 14, 19; es begegnet dnem wie dem 
andern, dem gerechten wie dem gottlosen, 
dem guten vnd reinen wie dem vnreinen. 
pred. SaL 9, 2 ; gott lesst seine sonne auiT 
gehen vber die bösen vnd vber die guten. 
MaUh. 5, 45. 

2) das gute smd zwar a) das gute, %ßas 
jememd tkut, im eUUsehen sinne : da ist keiner 
der gut» thue. j^. 14, 1.3; las vom bösen 
vnd tbu guU. 34, 15; 37, 27; hasset das 
böse vnd liebet das gute. Ämos 5y 1*5 ; jr 



hasset das gute vnd hebet das arge. Micha 
3, 2; ob dem guten halten, ps, 38, 21; 
(der heiUge geist) reytKt vnnd anhellt tzum 
gutten. ausleg, der ep. vnd euang. des 
aduents. (1522). Bij''; was soltistu guttis 
schreyben. ati/fiiiiai7frird^rwli.^üA. (1521). 
JÜ*; der nichts guttis gedenckt. grundvnd 
vrsaeh. (1521). bj^ b) das gute, das 
Jem. widerführt, gluck: gott wird doch 
Pharao gutes weissagen. 1 Mos. 41, 16; der 
herr hat Israel guts zugesagt. 4 ^os. 10, 
29 ; gttU wündschen. 5 Mos. 23, 6 ; haben 
wir guts empfangen von gott vnd selten das 
böse nicht auch annemen? Eiob 2, 10; wer 
ein ehefraw findet, der findet was guts. spr. 
Sal. 18, 22. 0) gutes thun mit dat. derpers,, 
jem. wohllhaten erweisen, benefaeere: vnd 
er (Marao) thet Abram guts. 1 Mos. 12. 
16; darumb thet gott den wehmüttern guts. 
2 Mos. 1, 20 ; wegere dich nicht, dem dürff- 
tigen guts tu thun. spr. Sal. 3, 27 ; der den 
armen viel gutes gethan hat. Tob. 9, 9. mit 
der praep. an : so lasset vns gutes thun an 
jederman, aUermeist aber an des glaubens ge- 
nossen. Gal. 6, 10. 

C. adverbiale redensarten. 

1) gut, ohne Schwierigkeit, leicht, be^ 
quem: es ist des nachts still vnd gut schlaffen. 
das ander teyl widder d. hywU. propheten. 
(1525). Eüj*; im Winter ist nicht gut wandern. 
gl. SU Matth. 24, 20 ; da haUe freilich der teufel 
gutnuichen. vnterrieht dervisitatom.{\ 538). 
Aüj^; du hast gut reden, das l^.cap.s.Joh. 
(1538). Ffij^ 

2) gut dafür sein, daßr einstehen, bürgen: 
wer will vns gutt dafür seyn, das die vetter 
{kifchenväter) nit yrren ynn yhrem auszlegen ? 
ausleg. der ep. vnd euang. vom christag. 
(1522). fifj'; wer wil mir bürge vnd gut dafür 
seyn, das sie recht sagen, post. (1528)* 27 8^ 

3) es gut haben, glücklich sein: wol dir, 
du hasU gut. ps. 128, 3; prediget von den 
gerechten, das sie es gut haben. Jes. 3, 10 ; 
wie es die gerechten zuletzt gut haben werden. 
weish. 2, 16. 

4) es ist gut, bene, xaXa>(, wiM: wird er 
sagen, es ist gut, so steht es wol vmb deinen 
knecht. 1 Sam. 20, 7 ; er sprach, warumb 
wütu zu jm? . . . sie sprach, es ist gut (ear. 
wol). 2 kön. 4, 23. 

24* 



GUT 



188 



GUT 



5) für gut haben, nehmen, fwrlieb nehmen^ 
äamü zufrieden sein, sich gefallen lassen : 
e. f. g. wollt für gutt haben (mit meinem 
schreiben furlieh nehmen, oder: mir mein 
schreiben zu gute halten? vgl, hernach zu 
gut halten), für grosser eyle hatt die fedder 
müssen lauffen, ich habe nicht mehr tzeytt. 
originalbr, v. j. 1522 im ges. archiv zu 
Weimar N, 109, 42; wo ich yhm aber 
wurd tzu wenig thun, woltist für gut haben, 
ich wils ein ander mal bessern, bulla cene 
domini, (1522). Aiij**; weil wir in diesem 
elend sein müssen vnd noch nicht daheim sind, 
so müssen wir dem wirt alle ehre vnd der 
herberge jr recht thun vnd für gut nemen, 
was vns widerferet. ausleg, der ep. vnd 
euang, von oslem, (1544). N 6*; am guten 
tage sey guter dinge vnd den bösen tag nim 
auch für gut. pred. SaL 7, 15. 

In für gut nehmen, haben, 151 gut adj, ; 
in dem folgenden zu gute (gut) halten, wie 
in zu gute kommen, ist gute dat. sg, von das 
gut {s, gut n. 1). 

6) einem etwas zu gute (gut) haben, halten, 
nicht übel nehmen, freundlich nachsehen : sol- 
len das yhn zu guthaben, post, (1528). 90^; 

e. k. f. g. wollen mir solche schrifft gnediglich zu 
gut halten, originalbr, v,j, 1537 im ges. archiv 
«u Weimar, pag, 143. EEE 9; die starri- 
gen aber vnd vngelinden, die niemant nichts 
tzu gutt halten, ausleg, der ep. vnd euang, 
desaduents, (1522). Yüij*"; bitte freundlich 
mir das zu gut (zu) halten, das man kinder 
elc, (1530). Aiüj**; wer wolt einem breut- 
gam solche seine vnfursichtigkeit (nicht) zu 
gut halten? von ehesachen, (1530). Giiij^; 
ich mus euchs zu gut halten, das 16. cap, 
s, Joh, (1538). Ddiiij^; das kan man dem 
guten manne nicht zu gute halten, tisehr. 
180^; liebes kind, pflege deines vaters im 
alter . . . vnd halt jm zu gute, ob er kindisch 
würde. Sir, 3, 15. in demselben sinn 
braucht L, auch vor (für) gute haben : es ist 
myr zcu vül, das e. f. g. szo weyt ynn meynn 
Sache vnd mühe gezcogenn wirt, die weyl 
aber die not vnnd gott szo fuget, bitt ich e. 

f. g. wolt myrs zcu gnaden vor gute habenn. 
originalbr, aus dem /. 1519 in der bibl, zu 
Gotha cod, chart» 379. (s. auch für gut 
haben, nehmen 5). 



7) zu gute kommen s, gut n. 1). 
eilt, n. bonumy mhd. ahd, guot (Ben, 1, 
589^ Lexer 1122, Graff 4, IßO). 

1) das gute, nur noch in zu gute, zu gute 
kommen, zu gute halten (vgl, vorher gut G, 
6). a) zu gute (gat) «== zum nutzen, vor^ 
theil, stets mit dal, der pers,: alle werck 
sollen gerecht seyn dem nehesten zu gutt. 
von der freyheyt eines Christen menschen. 
(1520). Cij**; die gutter der kirchen, die 
der adel den seinen zu gut gestifft hat. von 
den newen Eckischen bullen, (1520). Aij*; 
denn der herr wird sich wenden, das er sich 
vber dir frewe, dir zu gut. 5 Mos, 30, 9 ; 
wenn du aber wider in die stad giengest, . . . 
so würdestu mir zu gut den ratschlag 
Ahitophels zu nicht machen. 2 Sam. 15, 34 ; 
sie (die- obrigkeit) ist gottes dienerin, dir zu 
gut. Rom, 13, 4; wir haben aber trübsal 
oder trost, so geschieht es euch zu gute. 2 
Cor, 1,6. b) einem zu gute (gut) kommen, 
zum vorüml, zum nutzen gereichen, dienen : 
der got dienet, dem kummet die vormenschung 
(menschwerdung) Christi tzu gut. dasmagni" 
ficat. (1521). kij*; das dirs zu gut kome. 
5 Mos. 30, 9 ; solchs alles kompl den fromen 
zu gut. Sir, 39, 2. 

2) gut, guter, opes, vermögen, besitz, 
habe : darnach sollen sie ausziehen mit gros- 
sem gut. 1 Mos. 15, 14; vnd Abraham gab 
alle sein gut Isaac. 25,5; gut macht viel 
freunde, spr. Sal, 19, 4 ; gib mir vater das 
teil der guter, das mir gehört, vnd er teilet 
jnen das gut. Luc. 15, 12; gib mir die leute, 
die guter (var. habe) behalt dir. 1 Mos. 1 4, 
2 1 ; knecht, der allen seinen gutem furstand. 
24, 2 ; mammon ist ebraisch vnd heist so viel 
als reich tumb odder zeitlich gut. auslegung 
der euang. von ostem. (1527). n6*; die 
menge des guttes odder reichthumb. ebend. ; 
hauszknecht vbir seyne geystlich gutter. auff 
das vbirchrisU. buch. (1521). Biij*; denn 
wer wü aussprechen, was der liebe fride für 
ein vnaussprechlich gut ist ? das man kinder 
zur schulen halten solle, (1530). Fj^ die 
Verbindung geld und gut «» vermögen s. 
geld. Sprichwörter und sprichwörtliche re- 
densarten: vnrecht gut drühet (gedeihet) 
nicht, ein einfeltige weise zu beten. (1535). 
Diij * ; vnrecht gut faselt nicht, kommet an 



GUTBEDUNKEN 



189 



GUTHERZIG 



dritten erben Dicht, tisehr, 143'': gutmacht 
mot, mut macht hohmut, bohmiit macht ar- 
mut, armnt aber weh thut. der proph. Ha- 
bacuc, (1526). eij"*. 

3) grundbesitz, grundslück : gebet vns 
aach ein gut vnter vnsers vaters ))rüdern. 
4 Mos, 27, 5 ; wenn einer ein gut nicht be- 
erben noch erkeuflen wolt. Ruth 4,7; gleich 
ih wenn ein fürst odder lehenherr einem 
edefanan ein gut schenckt odder leihet, wie 
das gesetz v, euang. zu vnterscheiden» 
(1532). Aiiij^; gründe vnd guter, wider 
den Wucher. (1540). Dij*, vollständig $, 
die stelle unter grund 6. 

CafbdlMBkeay n. das gutdünken, gutach- 
ten, Judicium: mit angehengter bitt, das 
bemelte reichslende yhr gutbeduncken vnd 
rat, durch was mittel vnd wege solchem 
meynem fumemen zu begegnen seyn mocht, 
dem bapst zu eroffenen, originalbr, v. j, 
1523 im ges, arehiv zu Weimar. pag, 
74. FF 2. 

Citdaikel^ m. was gutdünken, meinung: 
ich lasz eynem yglichen seyn guttdunckeü. 
warumb des bapsts Imeher vorprant, (1520). 
Biij'; da verkleret er sich vnd weret dem 
mancherleygutdnnckel. post. (1528). 269"; 
das du solches haltest on eigen gutdönckel. 
1 71m. 5, 21. häufiger 

CitdiBken, gatdiake«, n. arbitratus, 
Judicium, meinung, mhd, guotdunken (Lexer 
1122): ich hab offt bekennet, es sey mein 
gut duncken, ich wisse aber nichts grunds 
noch gewisses dauon antzutzeigen. grund 
vnd vrsach, o iij**; doch lasz ich epem yg- 
lichen hie seyn gntt duncken. ausleg, des 
67 . psalm. (1521). Eij '^ ; ich sage aber meyn 
gutdancken. das 7. cap. Cor. (1523). Bj"; 
yhm ein yglicher gott abmalet nach seinem 
Wahn vnd gutdüncken. vber das erste buch 
Mose. (1527). Yijj^ sie {die fürsten) 
stellen sich ia eben also, als stünde es ynn 
yhrem gutdüncken vnd wolgefailen, ob sie 
yhre vnterthan sollen retten vnd schützen für 
gewalt des Turcken odder nicht, vom kriege 
Widder d. T. (1529). Eiij*; ich kome nicht 
getrolt aus eigenem fumemen vnd gutdüncken. 
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). Bj*. 

(■■tdlBkler, m. der sich gut {klug) dünkt: 
es gefellet gott also, das er solch geheimnis | 



verberge für den klugen vnd weisen, für den 
schwetzern vnd gutdüncklern. Eist. 1, 403*. 

ÜHte (gutte, guete, güete), f. bonitas, 
benignitas, mhd. güete {Ben. 1, 591 *. Lexer 
1111), ahd. guott {GraffA, 1 66), goth. g6dei. 
1) l>onitas: gehorsam ist aller werck adel 
vnd gute. Bindseil 7, 306. 2) benignitas: 
hesed das ist barmhertzickeit vnd ich guete 
habe verdeutscht, heysst eygentlich das, wenn 
man yemand freundschafft, liebe odder wol- 
that erzeygt. ebend. 329; die blossen 
vnuordiente gutte gottis. euang. von den 
zehen aussetzigen. (1520). Diij*; gottis 
guete. der proph. Jonas. (1526). Aij''; er 
{gott) schencket vns seine gnade vnd alle 
guter aus lauterer güete vnd liebe, vber das 
erste buch Mose. (1527). Nj"; hilff mir 
vmb deiner gute wülen. ps. 6, 5 ; die wege 
des herrn sind eitel gute vnd warheit. 25, 
10; die güete der fursten. brieff an d. 
(Fristen zu Slraspurg. (1525). A 5 ** ; einem 
alle gutte vnd freundschafft erbieten vnd er- 
zeigen, summa des christl. lebens. (1533). 
Biiij*. mit gute, gutwillig: wer nicht wü mit 
gute gott gehorsam seyn, der mus yhm doch 
zu letzt mit vngute gehorsam seyn. der 
proph. Jona. (1526). Ciij*. 

Ünterleiai pL zu gütlein, gütchen: gott 
wartet alhie seines hauses, seiner habe vnd 
güterlin. Eist. 1, 385". 

datfarf j n. pr. bonus portus : da kamen 
wir an eine stete, die heisset Gutfurt. ap. 
gesch. 27, 8. 

C}|ifheit| f. bonitas, gute, mhd. guotheit 
{Ben. 1, 592''. Lexer 1122): in dyszem 
werck müssen alle werck gan vnd yrer gut- 
heit einflusz gleich wie ein leben von ym ent- 
pfangen. von den gutten wercken . (1520). 
Aiij* ; wenn sich aber got vorpirget vnd seiner 
gutheit gleutze zu sich zeugt ... so gabt auch 
lieb vnd lob zu gleich ausz. das magnifical. 
(1521). c ij '* ; wie denn Christus auch gethan 
hat, der seine gutheit ynn die rapus geworffen. 
ausleg. der euang. von ostem. (1527). i j'' ; 
es {das evangelium) rhümet nicht mehr denn 
gottes werck, seine gnade, seine gütheit (gute) 
vber vns, vnd das wir seine werck, seine 
gnade vnd seine gütheit vnd yhn selbs haben 
sollen, post. (1528). 198 \ 

C^Mtkeriig^ ein gutes herz habend, wohl' 



GÜTIG 



190 



GUTTHAT 



gewinnt, mhä, guoth&rzec (Lexer 1122): 
gegen solchen guthertzigen menschen müssen 
wir vns viel anders halten, denn gegen den 
halsstarrigen. Eisl. l, 91^; ich rede hie von 
den guthertzigen vnd gottfurchtigen menschen. 
vonkauffshanäiung, (1524). Bj' ; eintweder 
sie sind bitter» gififtig, böse vnd meinen solchs 
nicht gut, oder sind guthertzig vnd meinens 
recht, von d#ti eoneüijs. (1539). Biij*'; 
es mügen gulhertzige leutte heissen, sie sind 
aber irrehertzige vnd verfürethertzige leute. 
wider Hans fVorsL (1541). Giiij*'; barm* 
hertzig oder guthertzig. po$L (1528). 230*. 

diitig^ benignus, gute habend, günstig, 
freundlich, wUhd. güetec (Ben. 1, 592*. 
Lexer 111t): der herr, der gütig ist, wird 
gnedig sein. 2 ehnm. SO, 18; ein gütigs 
hertz. spr, 14, 30; ein gütiger man. 2 
Mace. 15, 30; gastfrey, gütig, züchtig soll 
ein bischof sein, TiL 1,8; keusch. heusHch, 
gütig (1522: guttig) sind eigenschaften der 
Jungen weiber, 2,5; das gütige wort gottes. 
Hebt, 6, 5; nu aber mein gütiger glimpff 
vmbsonst ist von heimlichen und gesiolen 
brieffen, (1529). Aiij**; er solte sich* an 
solcher gütiger, demütiger antwort lassen 
benügen. ebend. Aij^. 

fliitigkeitj f. benignitas, gute, gnade, 
mhd, güetecheit (Lexer 1111): ein bilde 
seiner (gottes) gütigkeit, weish, 7, 26; ich 
weis, lieben brüder, das jr selber vol gütig- 
keit seid. Rom. 15, 14; die frucht des 
geistes ist allerley gütigkeit. Ephes, 5, 9; 
gütickeit ist die frucht des geist, das ein 
Christen mensch gut, das ist nützlich ist vnd 
gerne gut vnd wol thut seim nehisten. post. 
(1528). 331 ^ 

Clatiglich; adv. mit gute, freundlich: vnd 
sprachen» wirstu diesem volck freundlich sein 
vnd wirst sie handelen gütiglich, vnd jnen 
gute Worte geben, so u. s. tc. 2 ehron. 10, 
7 ; eine tegUche kindessunde, die der vater 
wUliglich vnd gütiglich tregt. der proph, 
Jona. (1526). Kiij*. 

Sitleia (gülUn), ». güuken, dm. zu gut 
M.: also ist auch eines fromen heuslin oder 
gutlin. der 65. pia/m. (1534). Hij''; er 
hat mir mein gütlein fein gebessert, vom 
sehem hamphoras. (1543). Eüj"; seins 



gtttlins halben, de Wette br. 5, 106; das 
gutlin vnd armes erbdächlin. ebend. 5, 107 r 
DiÜicIl, gatliclis adj. u. adt. wM. guot-, 
güetlich, guot-, güetltche (Ben. 1, 592'. 
Lexet 1123). 

1) gütig, freundlich, liebevoll: vermaaet 
sie so gütlich auch so ernstlich, das nicht 
besser kündte geschrieben werden, von den 
candlijs. (1539). Jüij'*; Hans Metzscb ist 
viel vnd oftmals von mir gutlich vnd ernstlich 
vennanet. Burkhardt brisfw. 192; das sie 
für jn (wie Christen gebürt) beten, jn gütlich 
vnterrichten. Jen, 1, 86''; hie sol man sie 
gütlich vnterrichten. 1. 276*. 

2) friedlich, in gute: vnd diese böse sache 
zum ende oder gütlichen (friedlichen) abtrage 
fördern, de ^fetle br, 4, 658; die sachen 
gütlich vnd friedlich hin zu legen (beiiuUgen). 
vfidderdenmeuehler. (1531). Aiij^; wollet 
jr meine junger sein, so erweget euch des 
vnd gebt euch gütlich drevQt das nicht ander» 
draus wird, jr müsset dahin geworffen sein. 
das li. vnd 15. cap. s. Joh. (1538). 
rrr ü^ ' ; mitten ynn der mordgrubenn gutlieh 
leben, ausleg. der ep. vmd euang. vom 
chrütag. (1522). Ciü]-. 

3) sich, einem gütlich thun, sich oder an-- 
dem etwas zu gute thun, besonders durch 
speise und trank : der eine malzeit zurichten 
vnd den gesten gütlich thun wil. 2 Macc. 
2, 28 ; jm (sieh) gütlich thun in seinem leben. 
pred. Sal. 3, 12; die {f eidmaus) thet jr 
(sich) gütlich mit eichebi, gersten, nässen vnd 
womit sie kund. Jen. 5, 272^; je gütlicher 
man jhnen (den Schweinen) thut, je neher sie 
der schlachtbanck süpuI. tischr. 28*. 

UntikU, f mhd. gootlat (Ben. 3, 147 ^. 
Lexer 1123). 1) gute that, gutes werft.* 
wenn jr allein die liebet, die euch heben, was. 
ist das für ein gutlbat ? lieben doch die sünder 
jre liebhaber, vnd wenn jr nur denen wolthut^ 
die euch lieben, was ist das für ein guttbat? 
thun doch das auch die sünder, vnd wenn jr 
leihet denen, von welchen jr h<^ wider zu 
haben, was ist dss für ein gntthat? Jen. \, 
202 N var. zu Luc 6, a^— 34. 

2Xwolklthat: das ebreische wörtlin hesed» 
das auff griechisch eleemosyne vnd bis her im 
deudschen barmbertzigkeit geheissen, ich aber 
gedeudscht habe gute heis&t auff dendsch 



GITTUÄTER 



191 



GUTWE-LIGKEIT 



€if[eDtlich das wir wolthat odda* guUhat 
nennai. 4ai tekone e^nfUemim, (1530). 
Bij ' ; er hat VHS därfftigen seine grosse, reiche« 
ewige gulthat gegeben. posL (1528). 58*^; 
yfar habt die gatthat hyn. amleg. der teken 
gepoi. (1528). Gj'; zum dritten wil er, das 
man solch hertz anch mit dem werck beweise 
vnd mit allerley frenndschaflt vnd gutthat vnd 
spridit, thnt wol denen die euch hassen, das 
5. 6. vnd 7. eap. $. Matlk. (1582). ciJ^ 

IMtklt« (gnttheter), m. mM. guottaeter 
^— ^ßMlhäter (Ledwr 1124), bei L, s, «. a. 
^»eHAeUiger: davon die werckheiligen vnd 
guttheter gar nichts wissen. Jen. 1 , 258 ^ 

iitthitlg (gntthetig), wohlUUUig, mM. 
guoltKtec {Lemer 1124): so wol- vnd gut- 
thetig soUen wir sein» das wir audi da hdlfen 
vnd raten, darzu wir durch welthcb recht 
nicht köndten gezwungen werden, i^ier pre- 
digten. (1546). Hiiij''; auch die vnuernünff- 
tige thier jres gleichen gutthetig vnd milde 
sind. Jen. 1, 287 ^ 



ttntwerki n. gutee werk : also ist das erste 
höhest vnd aller eddelste gutwerck ynn diesem 
gepot der glaube ynn gott. mutleg. der teken 
gepot. (1528). Hj^ 

liitwiiilg, gulen teiUen habend, freund- 
Ite^, mkd. guotwillic {Ben. 3, 663 ^. Lexer 
1124): vnd baten sie, sie wollen weiter 
gegen jre leute so gutwillig sein. 2 Maee. 
12, 31 ; freundlich, das ist, es ist gut mit yhr 
vmbgehen, sihet nicht savnr, meydet niemand, 
zeygt sich yederman gutwillig mit Worten, 
wercken, geberden, poit. (1528). 313*; 
ich komme freylich langsam gnug mit meiner 
danckbarkeit, mein lieber, guter freund, fih* 
euer gutwiUiges hertz, so ihr gegen mir er- 
zeigt habt, de WeUe br. 4, 586. 

ttntwilligkelti f. das UfohlwoUen : hab ich 
einen mut geschepfft von solchem gnedigen 
eiempel vnd mich vermessen, wie das fürst- 
lich geblüt, so auch der fürstliche mut {ge^ 
sinnung), zuuor in gnediger senffte vnd gut- 
wilhgkeit gleich vnd eins sey. Jen. 1, 255^. 



H. 



Der buchstabe h, die spirans der guttural' 
reihe, ist theils ursprünglich, d. h. in der 
äUeren spräche {tnhd., ahd., goth,) bereits 
ebenso vorhanden, theils aus verwandten 
laufen (wie x. b. den Spiranten j und w) 
hervorgegangen, theils nur dehnungsteichen. 

\) In einigen fällen, in welchen altes 
echtes h nhd. in g übergetreten ist, gewahrt 
L„ «m alten sprachgebraüche festhaltend, 
iheUweise noch den ursprüngUdien laut: so 
bietet er x. b. nicht allein ziemlich regel- 
mäsxig den inf. schlahen {schlagen), sondern 
auch noch häufig die praesensformen ich 
schlahe, du schlechst, er schlecht neben 
schlage, schlegst, schlegt. femer hat sich bei 
ihm inlautendes et^tes h erhalten in höhest, 
nehest, heute höchst, nächst. 

2) Statt des heutigen, etymologisch (e* 



I rechtigten, aber stummen h im auslaut ver- 
wendet L., mhd, brauche folgend, nicht 
; selten ch ; den bereits vorw. XYHL ange* 
' führten beispielen füge ich hier noch floch 
pulex {gen. flohes das 15. cap. der ersten 
ep. s. Pauli an die Cor, 1534. f ij^) hinxu, 
umgekehrt begegnet besonders in den spä' 
teren Schriften ah für ach, hohmuth, hoh- 
müthig für hochmuth, hochmüthig. 

3) Aus* oder abfall des h ist eingetreten 
in scheuen {mhd. schiuhen), wofür L. jedoch 
noch scheuhen neben schewen hat ; femer in 
befehl, befehlen (mhd. bev^lch, bev^lhen), 
welche beiden worter L. zwar noch befelh, 
befelhen schreibt, doch scheint das h in 
diesem fall nur dehnungszeichen xu sein (s. 
hernach), in gedeihen, welches L. stets ohne 
h schrieb, ist das wurxelhafte h wieder her- 



H 



192 



HAAR 



gestellt, über die aphaerese des anlautenden 
h in er für h^r dominus und der parlikel 
her (in erab, erauf, eraus, erbei, erdurch, 
erein, erfür, emach, ernieder, erunter, erzu) 
s, die betreffenden arlikel. 

4) Assimilation des h ist erfolgt in junker 
und pfarrer ; L. hat noch oft die Schreibung 
jungher, pfarher. in den mit heil componierten 
subst», in welchen bei L,, me mhd,, das h 
der endung mit dem voraufgehenden ch, seh 
verschmilzt, ist heute das h wieder herge^ 
stellt, s, Vorwort s, XYIIL 

5) Beispiele des Übergangs von j zu h 
sind blähen, blühen, brühen (brühe), drehen, 
frühe, glühen, krähen, mähen, mühen, nähen, 
wehen, welche L. zum theil regelmäszig ohne 
h schreibt, wie z, b. früe, glüen, zum theil 
schwankend bald mit bald ohne h, wie z, &. 
blülien, brühe. — Vertreter eines früheren 
w ist das h in ruhe, ruhen (mhd. ruowe, 
ruowen), bei L. rüge, rugeü. Heyne in 
Grimm wtb. 4^ 4 sieht in den bei L. vor^ 
kommenden Schreibungen falh, kalh, malh, 
melh (neben fal, kal, mal, mel) Vertretung 
eines alten w durch h ; ich glaube jedoch 
hier, wie bei gemalh, stalh, walh, zalh (in 
anzalh), gelb, auch befelh und befelhen, 
dehnendes h annehmen zu müssen. 

In hühel =^ hügel ist h aus älterem v (b) 
hervorgegangen, 

6) Der gebrauch des dehnungs-h ist bei 
L. noch von beschränkterem umfange als 
gegenwärtig; er bietet z, b, kal, tal, wal, zal, 
far (= gefahr), jar, war verus, lam, zam, 
ban, fane, han, zan, kele gula, Stelen, welen 
(wählen) , leren docere (lere doctrina, gelert 
doctus), zeren (in verzeren), nemen, denen 
tendere, fro, stro, hole, dole, kole, boren,'ror, 
l}one, son, bulen (bule, buler), hun i4. s, w,, 
von welchen Wörtern einzelne hin und wie- 
der auch schon bei L, h haben, für ihn, 
ihm, ihr, führen die nach 1530 erschienen 
drucke jn, jm, jr ein, während L, später wie 
früher nur yhn, yhm, yhr schrieb. Seine 
Stellung nimmt dieses h bald vor, bald 
hinter dem vocale, dessen dehnung angezeigt 
werden soll, zuweilen sogar, wie die unter 
5 aufgeführten beispiele zeigen, nach vorauf- 
gegangenem consonanten: es begegnen z. b, 
die Schreibungen jah und jha, kahn tmd 



khan, rhat und rath, nehmen und nhemen, 
bevehden und bevheden, roh und rho, röhr 
und rhor, auffruhr und auffrhur. ein rest des 
frühem brauchs, es vor den vocal zu stellen, 
ist uns bis auf heute geblieben in der 
Schreibung th (s, t). 

7) in einigen fällen hat dieses dehwungs- 
h eine eine eigentliche silbenzerdehnung 
herbeigeführt: auszer .ehe prius (mhd. e), 
ehe matrimonium (in Zusammensetzungen 
bei L. anfangs noch eh, ee, e, vgl, ehelich, 
ehelichen, ehemann), wehe dolor (neben wee) 
und den verben gehen, stehen, mit ihren 
praesentialformen ich gehe, du gehest, er 
gehet, wir gehen u. s. w,, welche formen L. 
in die nhd, Schriftsprache eingeführt hat, 
finden sich vereinzelt bei ihm 'auch ehere 
honor, meher fama^ meher (mehr), seher 
(sehr)y wehere (wehre), sehenlich (sehnlich), 
ahel (aal)f nihe (nie), womit er auf düringi- 
schem brauche fuszt, s. Grimm wtb. 
4^ 5. 

Ha^ mhd, hä (Ben, 1, 594 ^ Lexer U29), 
interj. und zwar besonders 

1) der freude, in wiederholter Stellung 
das lachen ausdrückend : ha, ha, ha, ... 
meinet jr, todeske embrigek, das wir solche 
narren sein als jr seid ? wider das bapstum, 
(1545). Yij^ 

2) ausdruck des stolzes , Selbstgefühls, 
der gleichgültigkeit : wo der schalckhafillige 
knecht wirt sagen in seinem hertzen, ha mein 
her bleybt lang aussen, von dem bapstum zu 
Rome. (1520). Fiij", var, zu Matth. 24, 
48 ; dencken, ha der Türcke ist nu weg vnd 
geflohen, was wollen wir viel sorgen vnd vn- 
nütze koste drauff wenden ? eine heer predigt. 
(1529). Aij''; ha, was gehet mich ein ander 
an? das 5. 6. vnd 7. cap.s. Matth. (1532). 
ccüij"; vnd sprechen, ha, wenn mein son 
deudsch schreiben, lesen vnd rechen kan, so 
kan er gnug. eine predigt, das man etc. 
(1530). Giiij^ 

3) des Spottes , hohnes : ha, solcher leute 
zeucht man viel auff mit einem kübel vol 
milch, wider Hans Worsl. (1540). Niiij\ 

4) des Schreckens: o ha, lieber herr, wie 
geschieht dir ? eine bericht. (1528). gij^ 

Haar^ n. crinis, capillus, bei L, har 
(einige mal haer, z. b. vom abendmal Christi. 



HAAR 



193 



HAAR 



1534. niij*'; auch bahr var. xu ps. 119, 
120 bei Bindseil; in den tisehr, bereits mit 
geminaiion haar>, ahd, mhd. hir [G raff 4, 
9S1. ffen. ^633^ JLe:r«r 11S2). der pL 
lautet har (3 Mos. 13, 3. 4. 21; 14, S. 9) 
tmd hare (4 Mos, 8, 7; Matih. 10, 30; 
Luc, 12. 7). 

1 ) haare am menschen, gewöhnlich wird 
ohne nähere hezeiehnung nur das köpf haar 
verstanden und es wohl dann auch dem hart 
entgegen gesetzt: wer sich der meynung be- 
schD}ite, wie er seyn har, barlt oder hutt be- 
scbnytte . . . der thet keyn sunde. ausleg. der 
ep. md euang. vom ehristag. (1522). Zz j**; 
ein Tihemagd, die ein schön har hat. haus* 
post. (Jhena. 1559). 479 **; ^mb seiner 
schonen gelben har willen, oh kriegsleute. 
(1527). Ej*; sein har war weis wie wasse 
wolle, offenb. Joh. ], 14. graues haar ist 
zeichen des aliers: graw bar ist der alten 
schmuck, spr. 20, 29; wenn j|n ein vnfal 
auff dem wege begegnete, da jr auff reiset, 
würdet jr meine grawe har mit hertzeleide in 
die gruben bringen. 1 Mos. 42, 38. vnd 
hattest schon lauge har gekriegt. Ezeeh. 16, 
7 ; emem man eine unehre ist, so er lange 
har zeuget, vnd dem weibe eine ehre, so sie 
lange har zeuget. 1 Cor. II, 14. 15; eine 
glalze für ein kraus har. Jes. 3, 24. 

Ir solt ewr har am heubl nicht rund vmb- 
her abschneiten. 3 Mos. 19, 27; vnd sollen 
auch nicht die bar frey wachsen lassen, son- 
dern sollen die har vmbber verschneiten. 
Ezech. 44, 20 ; vnd stehet seine reformation 
darynn, das man die langen har verschneyte. 
die weissagunge Joh. Lichlenbergers. (1527). 
Aij ' ; wü sie sich nicht bedecken, so schneite 
man jr auch das har abe, nu es aber vbel 
stehet, das ein weih verschnitten har habe 
oder beschoren sey, so lasset sie das heubt 
bedecken. 1 Cor. 11, 6. gänzliches kahl- 
scheeren, sowie ausraufen der haare war 
hei vielen Völkern des allerthums zeichen der 
trauer: las die har abscheren vnd gehe kalb 
vber deine zarte kinder, mach dich gar kalb 
wie ein adeler, denn sie sind von dir gefangen 
weg gefüret. Micha 1,16; schneit deine har 
ab vnd wirff sie von dir vnd heule kleglich 
auff den höhen. Jer. 7, 29 ; das beyde gros 
vnd klein sollen sterben ynn diesem lande 

DixTE, Wörterbncli. II. 



vnd nicht begraben noch geklagt werden vnd 
niemand sich vber sie reisse odder har aus- 
reuffe. 1 6, 6 na(^ dem manuscr. der über" 
Setzung des proph. Jeremias ; an allen örtern, 
da sie zuuor frölich gewest war, raufll sie jr 
har aus. stüeke in Esther 3, 2. in folgender 
stelle scheint das haardbschneiden zeichen 
der kfiegsgefangenschaft: vnd sihest vnter 
den gefangenen ein schön weib vnd hast last 
zu jr, das du sie zum weibe nemest, so füre 
sie in dein haus vnd las jr das har abscheren. 
5 Mos. 21, 12. 

2) haar am thierischen körper: ein Jude 
stickt so vol abgötterey vnd zeuberey als neun 
küe har haben, das ist vnzelich vnd vnendlich. 
rom schem hamphoras. (1543). Fj*; was 
hilflts aber viel flicken vnd pletzen am peltz, 
da haut vnd har nicht gut ist? von der 
winckelmesse. (1533). Eüj**; gleich als 
wenn ein kürsner solt einen bösen peltz 
flicken, da weder haut noch bar gut ist. irt« 
der das bapstum. (1545). Dj*. 

3) sprichwörtliche redensarten, wobei ich 
der anordnung Heyne's in Grimms wtb. 
4^ 12 ff. folge. 

a) auf der Schönheit des gelben haares 
fuszt die redensart: das geschieht nicht um 
deiner gelben haare {deiner schönheil) willen: 
wie viel weniger wird solch {Offenbarung des 
evangeliums) erschienen sein vmb deiner 
Weisheit, gewalt, adel, reychtumb vnd deines 
gelben hares wdlen. post. (1528). 91^ 
vnd lest sich duncken, er sey nicht vmb seiner 
vnterlhanen willen, sondern vlnb seiner 
schonen gelben har willen fürst, ob kriegs^ 
leutte etc. (1527). Ej"; das deine sünde 
nimer sünde vnd vergessen sind, ist nicht 
deiner gelen bar schuld, sondern der gnaden 
vnd Vergebung. Jen. 4, 460 * ; in etwas an' 
derer fassung: ich habe hie helffen wehren 
vnd trewlich widerraten, nicht e. k. f. g. 
schönes har angesehen, sondern arme leute. 
4, 471*. 

b) im haar, in haaren gehen, keine köpf' 
bedeckung tragen, noch Jungfrau, unver^ 
heirathelsein: magd heyst eyn solch weybs- 
büd, das noch iung ist vnd mit ehren den 
krantz tregt vnd ym bar gehet, das man. 
spricht, es ist noch eyne magd vnd keyn fraw. 
das Jhesus Christus eyn gebomer Jude sey. 

25 



HAAR 



194 



HAAR 



(1523). Biiij*; eine jungfraw oder magd, 
die noch jnn hären vnd im kranUe gehet vnd 
keine fraw worden ist. vom schein ham' 
pharas, (1543). Nij^; etliche weiberwolten 
in hären gehen. Bindseil 7, 448. 

e) die haare stehen^ gehen gen, zu berge, 
rieklen sich vor entsetzen, schrecken oder 
angst empor, den bereits unter berg 1, 258** 
febrachlen belegen füge ich hier noch einige 
hinzu: weret jr bischoue, wie ewer namen 
Tnd ampt foddert, so würden euch die har 
gen berge stehen für diesem spruch. verma- 
nung an die geistlichen. (1530). Gij"; 
meym fleysch stehn die har zn berge für 
deyner furcht, var, zups. 119, 120, wo die 
bibel hat : ich fürchte mich für dir, das mir 
die haut schawert, und die der sehrift „von 
der beicht" beigefügte Übersetzung dieses 
psalmen : meynem fleysch haben die halur ge- 
fttrewbt für deynem schrecken. 

d) einem in die haare fallen, mit einem zu 
haaren kommen, sich mit ihm raufen, strei' 
ten : ein bube feilet offt dem andern jnn die 
har vnd sind vnter einander nicht freund. 
das 5. 6. vnd 7. cap, s, Matth, (1532). 
Kij * ; kommen wir mit einander zun haaren 
Tnd reuffen vns. tischr. 403^. sich mit 
einem in die haare legen, zu haar Hegen, mit 
jem, streiten, kämpfen : hie wollen wir vns 
auch nicht ynn die har legen vnd fechten mit 
den lesterern vnd sehendem dieses sacraments. 
deudsch catech, (1529). \\\\\^\ ein Christ 
sol das wissen, das er mitten vnter den teufeln 
sitze vnd das jm der teufel neher sey, denn 
sein rock oder hembd, ja neher denn sein 
eigene band, das er rings vmb vns her sey vnd 
wir also stets mit jm zu har ligen vnd vns mit 
jm schlahen müssen, ausleg, der euang, von 
ostem.^ (1544). Aaij^ 

e) bei, mit den haaren, mit gewalt zu etwas 
heranzi^en : vnd vrteilen Paulum als habe er 
Habacuc vnrecht vnd bey den baren mit ge- 
walteingefurt. der proph, Habacuc, (1526). 
hiüj*; wie wol sie viel stück darin nicht 
verstanden vnd gar offt hey den baren gezogen 
haben. Bindseil 7, 415; so bringen sie etwa 
einen spruch erzu mit den baren aus sanct 
Augustino odder sonst einem heUigen vater. 
post. (1528). 278^; das du aber etlicher 
Vetter spruch mit den baren tzeugist auff 



deyne trewm. auf das vbirchrisU. buch.. 
(1521). Biüj*; diese göttliche gebot zeucht 
er mit den baren, das jm die schwarten 
krachen, zu der busse. Jen. 1, 61*; darumb- 
lesst sie Christus auch faren, wil niemand 
zwingen noch mit den baren erzu ziehen. 
das 5. 6. vnd 7. cap. s, Matth. (1532). 
Dj * ; wir wollen niemand mit den baren erzu 
züien. ebend. n üij ". 

f) haare haben -» reich sein: wenn wir 
einen hdler setzen, so müssen sie einen 
gülden dran setzen, denn sie haben har, wir 
sind blosz. tischr. 149* bei Grimm. 

g) haare lassen, herhaXtenf unangenehme» 
erdulden, vertust leiden: denn ich achte 
kein heusUn so geringe, wo man sich draus 
wehren wolle, die feinde müssen har drüber 
lassen. Jen. 4, 481^; da er {der teufet} 
sonst lesset falsche lerer vnd andere gottlose 
leute wol sicher vnd im friede vnd rüge 
bleiben, allein die gottes wort haben, die 
müssen jme' hare lassen vnd Verfolgung von 
jme leiden. Eist. 1, 285*. 

h) als hild der unzählbaren menge dienen 
die haare in folgenden stellen : es haben mich 
meine sünde ergriffen, das ich nicht sehen 
kan, jr ist mehr denn har auff meinem heubt. 
ps. 40, 13; die mich on vrsach hassen, der 
ist mehr, denn ich har auff dem heubt habe. 
69, 5. 

t) toie man den vogel an den federn er- 
kenntf so gibt für den menschen das haar 
ein erkennungszeichen ab, daher die redens- 
art : der haare sein : bistu der har, lieber, so 
greiff dir selber an deine obren. Witlemb» 
1, ♦iij'*; bistu der har, so trolle dich aus 
meinem lande, widder die hymelischen pro^ 
pheten. (1525). Fij"; des dancke euch gott, 
seyt yhr der har vnd so frume redliche leute. 
das diese wort etc. (1527). kiij*. 

k) haar als bild des kleinen, winzigen, 
unbedeutenden: es (das wort gottes) hat die 
abgötterey, rotten vnd yrthum ... so rein 
auffgereumbt, das nicht ein har {nicht das 
geringste) dauon vberblieben ^ist. der 117. 
psalm. (1530). Büij'; drumb geh ich nicht 
eyn har drauff, wenn tausent Augustinus 
tausent Heintzen kirchen dazu wider mich 
weren. antwort deutsch. (1522). Eüij*. 
— ein haar breit: wo das nicht were, wurde 



HAARAi 



195 



HAARLOCKE 



keio measch eiii bar breit weder nacb seinem 
wort noch semcm sacrament fragen, ««r- 
mammm§ ntm saermnenL (1530). Fiüj*; 
Tnd wo mein andere gelübde ein bar breit 
wider cks erste gelübde sind, da wil ich sie 
mit fussen tretten. der\\l.p$mlm. (1530). 
Hj ^ : was haben sie gethan ? niemand gestolen, 
geraubeC noch jemand Tmb ein har breit zu- 
nähe gewesen, doi 17. eap. Joh, (1530). 
5üii^. s. amek haarbreit. — vmb ein haar: 
heiiestn mir herr gott nicht geholffen, so het 
es nicht vnib ein haar gefeylet, das nein seele 
Jim der bdle wer blieben. po$L (1528). 
156**, vmr. zu jm. 94, 17; es feikt jhm 
nicht vmb ein bar, so eben traf ers. da$ 
tdMne eemfUemini. (1530). Eiij"; das nicht 
sol nah ein har feilen oder misraten. von den 
Joden. (1543). Nj**. bei einem haar: ob du 
gleich alle regel, geselz vnd werck des nonni- 
sdien Orden thust bey eynem har {aufs 
pmtkÜiehsU). posL (152S). 188*. — kein 
haar krümmen, nicht das geringste zu leide 
th/un : das könige vnd fürsten keinem roönche 
odder pfaffen . . . tliursten ein har krümmen. 
der S2. pstUm. (1530). Aij^; vnd niemand 
öffenüich wider einigen pletting mucken noch 
jm ein har krümmen thürste. der 1 1 0. psalni, 
(1539). Müij**; sein lesterbuch ist ein scharff 
Schwert, das dem Heintzen^ sampt seinen 
teufein vnd papisten selbs durch jr hertz 
gebet, vns aber nicht ein har krümmet, mder 
Hans WorsL (1541). Biiij". 

l) alliUerierend fügt sich haar zu haut: 
vnd bleiben des teuf eis eygen mit liaut vnd 
har {ganz und gar), das diese wort etc. 
(1527). aiiij*; da kein har noch haut von 
den papisten vberbliebe. Widder den meuehler, 
(1531). Ciiij''; sondern ist durch marck vnd 
bein, fleisch vnd blut/ haut vnd har gar vn- 
rein, ron Jhesu Christo, (1533). Gj"; 
fleisch vnd bein, haut vnd har. das 16. cap, 
s,Joh, (1538). Ffj'; dem volck haut vnd 
har abzuziehen. Jen, 1, 143*. 

latmt (harab), tn der redensart einem 
baarab geben, ihm rine empfindliehe nieder- 
lüge bereiten : aber da gibt er dem Luther 
erst recht harab, da er den Spruch Johannis 4 
füret, ^omdbendmal Christi, (1528). sij*; 
aber hie geben die hochgdarten Juden vns 
verfluchten gojim recht harab, da sie schrei- 



ben M. a. 19. vom sehem hampharae. 

(1543j. Jüij«. 

laafffcnnd (harbandj, n. vine^um cofil* 
iortnn, mkd, hirbant (Ben* 1, 132*. Lexmr 
1 182) : ein schon weyb on zucbt ist wie 
saw mit einem gülden harband (var, 
Spangen auff der nasen). spr, Sal, II, 22; 
die ringe, die harband. Jes, 3,21; vnd gol 
gab dir harband an deine stim (vor, stim- 
Spangen). Ezeeh, 16, 12. 

lanrkKit (harbreit), n. blosze zusammen^ 
rOckung von haar breit {vgL oben nnler haar 
3> h): yhr keiner doch nit eyn hartireytt 
seynes ampts pflegt, ausleg, der ep, vnd 
euang. vom ehristag, (1 522). Dd iüj * ; hun- 
dert tödte sollt eyn finimer Christ leyden, ehe 
er eyn harbreyt ynn der bawren sache he- 
wüliget. ermanunge zum friede. (1525). 
Fiij*; nicht ein harbreyt weychen, jiofl. 
(1528). 292*; aber yhr keiner dencket vmb 
ein harbreit zu bitten, deudsehcat. (1529). 
Qj * ; vnd doch die kirche lassen vntergehen, 
ehe sie wollen vntergehen, ja ein harbreit von 
jnen lassen vntergehen. von den concilijs, 
(1539). Bj^ 

Innren (haeren, baren), kiren (heren), 
crtnf u«, bei L, noch mit beibehaltung des «f- 
ten i der ableitungssilbe in harin, herin, 
mAd. haerin {Ben, 1, 635*. Lexer 1183): 
ein harin sack, offenb, Joh, 6, 12 ; eyn haryn 
sack, der proph, Jona, (1526). Jiüj^; 
harin hembd. von menschenlere zu meiden, 
(1520). Aiij^; haerin hembd. von Jhesu 
Christo, (1533). Gj^; wollen odder herin 
hembd. das 5. 6. vnd 7. cap, s, Matih. 
(1532). ggij*^; jnn herin kleidern gehen. 
ebend, Ij*. 

InarflecUen (barflechten), n. das flechten 
der haare: welcher geschmuck sol nicht aus- 
wendig sein mit harflechten vnd gold vmb* 
hengen. 1 Petr, 3, 3. 

InnrIiHseke (liarhusche) , f. ohrfeige, 
schlappe : der Türck , wenn er in Teutsch* 
land kompt, so wirt er vns eine gute har- 
husche geben. ItacAr. 426^; oder zeucht mir 
sonst eine harhuschen. ebend, 206*. 

lanrig (harig), crinüas^ pilosus: hang vnd 
rauch wie ein feil, vber das erste buch Mose, 
(1527). Jiiij*. 

Innrloeke (harlocke), f, cineinnus, mhd. 

25* 



HAARSCHÄDEL 



196 



HABEN 



hÄrloc m. (Ben. 1, 1041'. Lexer 1184): 
er meinet (mit zöpfen) die harlocken, welche 
nach natürlicher alter weise, ungeflochten vnd 
zurück geschlagen, den Weibsbildern fast wol 
stehen, wenn sie mit völligem angesicht vnd 
rötlichten backen er aus sehen vnd die har zu 
beiden seiten herab hengen vber die obren 
vnd achseln. gl. zu hohelied 4, 1. 

laanckädcl (harscheddel), m. behaarter 
Schädel: aber gott wird den kopfT seiner 
feinde zuschmeissen sampt jrem harscheddel 
(var, den scheddel mit den baren, LXX: 
xOQv(pijy T^i/og, vulg. verlicem capilli), 
ps. 68, 22. 

labe^ /. mhd. habe (Ben. 1, 601 ^. Lexer 
1129), ahd. haha (Graff 4^, 737); zu haben. 
1 ) das haben, besitzen : wer am wenigsten 
gleubt, dem ist das heyl am fernisten nach der 
besitzung vnd habe zu reden, post. (1528). 
2^ 2) was man hat, besitzthum jeder art: 
die selben sehen den ehlichen stand an als 
were es eyn vbrige furwitzige, menschliche 
habe, das 7. cap. Cor. (1523). Aiij*; vnd 
vnter des des welllichen guts brauchest vnd 
gehen lassest wie es gehet als ein fahrende 
habe, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). 
o j * ; einerley gemein gut vnd gesampte habe. 
, zwo hochzeitpredigten, ^536). Fiiij^; mit 
aller jrer habe, die sie gewonnen hatten. 1 
Mos. 12, 5; jre habe war gros. 13, 6; habe 
an rindern vnd schafen. pred, Sal. 2, 7 ; 
bah vnd gut. 1 Macc. 12, 23 ; jre guter vnd 
habe verkaufften sie. ap. gesch. 2^ 45. 

label^ nom. propr., nebenform von Abel 
( b^io ) f d^^ zweiten sone Adams : vnd sie 
(Eva) gebar Habel seinen bruder. 1 Mos. 4, 
2 ; Habel ward ein schefer. v. 2 «. öfter. 
Daher 

Habclsch : die gnade gibt den freyen, kind- 
lieben habelschen geyst. ausleg. der ep. vnd 
euang. vom christag. (1522). Jiiij*. 

laben^ habere, mftd. haben (Ben. 1, 
594**— 599*. Lexer l\Sl—ilU), ahd. 
hab^n, hapen (Graff 4, 711—728), goth. 
haban. lieber die ursprüngliche bedeutung 
und Verwandtschaft des wortes s, Grimm 
wlb. 4\ 45. 46. 

A. Die formen von haben sind bei L. 
im allgemeinen die in der heutigen Schrift- 
sprache gebräuchlichen . bemerkenswerth ist 



nur, dasz einige frühere drucke im praet. 
den mit dem conj. zusammenfallenden indic. 
bitte. (bette, het) st. hatte haben und für 
das pari, praet. gehabt vereinzelt die a^si- 
milierte form gehat begegnet : das alte (sc. 
testament) das nit mehr dan einen (hohen- 
priester) het (Jen. 1, 300**: hatte), von 
dem bapstum. (1520). Eiiij*; der hohe 
priester ym alten testament het (Jen. 1, 302^ : 
hatte) ausz gottlicher Ordnung ein sonderlich 
kleyd. ebend. Fiij^; vnd musten yhm das 
abkeuffen, da tzu sie von got recht betten 
(hatten), ebend. einen beleg des bette ==» 
hatte aus L*s. eigenhändigen br. s. hernach 
B, 3. das part. gehat für gehabt bieten fol- 
gende stellen : s. Paulus hat mehr gethan vnd 
geerbeitet denn alle apostel, aber (gedr. ader) 
darumb nicht ein besser apostelampt gehat. 
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). 
nn iiij ^ ; so hettens ja die Juden erlangt, 
welche haben die schrifift gehat. von Jhesu 
Christo. (1533). Bij*. Die contraMerte 
form han für haben verwendet L. nur noch 
in liedem, z. b.: 

du solt ehrn vnd gehorsam sein 

dem vater vnd der mutter dein, 

vnd wo dein band jn dienen kan, 

so wirstu längs leben han. Jen. 8, 398 " ; 

vater vnser im himelreich, 

der du vns alle heissest gleich 

brüder sein vnd dich ruffen an, 

vnd will das beten von vns han. 

ebend. 8, 398 ^ ; 
auff das wir ja nicht zweiueln dran, 
das wir hiemit gebeten han. ebend. 8, 399\ 
B. Bedeutung und gebrauch. 
Die vielfachen bedeutungen dieses wortes 
gruppieren sich um die beiden begriffe des 
haltens und des besitzens, die sich Jedoch 
nicht immer genau scheiden lassen. 

1) der sinnliche begriff des haltens ist 
wie nhd. überhaupt nur noch in ganz be- 
stimmten fugungen vorhanden, z. b. in der 
band haben (halten) : vnd ich hatte den becher 
Pharao in meiner band. 1 Mos. 40, 1 1 ; mit 
dem Stabe, den ich in meiner band habe. 2 
Mos. 7, 17; vnd (Moses) hatte zwo tafeln 
des Zeugnis in seiner band. 32, 15 ; ah, das 
ich jetzt ein schwert in der band bette. 4 
Mos. 22, 29 ; Usia hatte ein reuchfas in der 



HABEN 



197 



HABEN 



band. 2 chron. 26, 19; der hatte ia seiner 
band eine scharffe sicbel. offenb, Joh, 14,14. 
MdUeh für in der gewaU haben : alle mea- 
schen hat er in der band. Hiob 37, 7 ; gotl 
der deinen ödem vnd alle deine wege in seiner 
band hat. Dan. 5, 23. 

2) anhaben^ bei, mt sich haben {tragen, 
föhren) : Johannes hatte (trug) ein kleid von 
kameelharen. MaUh, 3, 4 ; vnd soll schuch 
ao ewren füssen haben. 2 Mos. 12, 11; vnd 
balle ein ehern heim auff seinem heubt, vnd 
ein schüppicht pantzer an. 1 Sam, 17, 5; 
der hatte eine güldene kröne auff seinem heubt. 
offenb. Joh. 14, 14; ein jglicher bat sein 
schwer! an setner hüfllen. hohelied 3, S; 
vnd halte einen gülden gürlel vmb seine len- 
den. Dan, 1 0, 5 ; ich liab ein vierieil eins 
silbern seckeb bey mir. 1 Sam. 9, 8 ; vnd 
hatte mit sich allerley guter seines herrn. 1 
Mos. 24, 10; vnd es kam zu jm viel voicks, 
die hallen mit sich lamen, bhnden, stummen, 
krüpler. Matlh. 15» 30. 

3) ein gespräcb, eine Unterredung, einen 
ralh mit jemand haben {halten, führen): 
Abner halte eine rede mit den ehesten in 
Israel. 2 Sam. 3,17; vnd iiatten eine rede 
mit Jhesu. Marc, 9, 4 ; hab ich ynn der 
warbeyt ynn vielen wortenn nil anders er- 
fundenn, die wyr den abent von e.f.g. bellen 
(hatten), originalbr. aus dem j. 1517 im 
ges. archiv zu Weimar, N, lOS, 41; die 
kriegsknecble aber hallen einen rat die ge- 
fangenen zu tödlen. ap, gesch, 27, 42; vnd 
hatte seinen rat mit Joab. 1 hon, 1, 7. 

4) ein äuge, ein aufsehen, acht, achlung 
auf emas haben, das äuge, die aufmerksam- 
heil dauernd worauf gerichtet halten: ich 
wil meyn äugen sleet auff dich haben, das 
magnificat, (1521). dj*. weitere beispiele 
s. unter acht {bd, 1, 40*), achlung (1, 42*), 
aufsehen, n. (1, 144*), äuge (1, 154% 11). 

5) haben -»» enthalten: ein sekel sol 
zwenzig gera haben. Ezech. 45, 12; ein 
mina bat hie sechzig sekel. gl, zu dieser 
stelle, in sich haben, in sich fassen, schlies- 
zen : vnd diszen texl mercke du recht woH, 
denn er ball viel ynn sich, das 7. cap. Cor, 
(1523). Ciij' ; was aber jhene zwo verklerung 
jnn sich haben {welchen sinn sie in sich 



schlieszen, was sie bedeuten), ist genug ge- 
sagt, das n , cap, Joh. (1530). Füj'. 

6) haben von der persönlichen haltung 
und zwar a) wie in den alten 'dialecten noch 
einfach intransitiv : ich mus haben, als helle 
mich ein bund gebissen, das diese wort, 
(1527). siiij*. b) gewöhnlicher refl. sich 
haben, sich verhalten : nu beschreibt er die 
hoffnung, das leben des newen menschen, 
wie man sich darinne haben sol. Jen, 1, 37^ 
3, 25 ** ; so demütig aber als ich mich habe, 
so mir golt eine kranckheil zu füget, so de- 
mütig sol ich mich auch gegen böser oberkeit 
liaben, die eben der selbe gotl mir audi zu- 
fügt. 1, 243*; das reich gotles hat sich also. 
Marc, 4, 26 ; figur vnd erfullung der figurenn 
haben sich kegenn ander {verhalten sich zu 
einander) wie ein leyplicb vnd geistlich ding, 
ron dem bapstum zu Rome. { 1 520). Diij **. 
c) oder unpersönlich es bat sich, es verhält 
sich: es hat sich nicht also. 2 Sam, 20, 20 ; 
also halt sichs auch mit allen andern slückon 
des allen leslamenls. ron weltlicher vberkeii, 
(1523). Cj*. 

7) haben, halten in geistiger bedeutung, 
für etwas halten, meist in Verbindung mit 
der praep. für: vnd haben den für einen 
grewel, der beilsam lerel. Amos 5, 1 ; das 
ist der, welchen wir etwa für ein spolt hallen 
vnd für ein hönisch beyspiel. weish, 5, 3 ; 
vnd stet an vns, das wir den bapsl mugen 
für ein lieubt haben oder niU von dem bap- 
stum zu Rome. (1520). Fij'. für gut ha- 
ben, halten : jederman das betteln nicht für 
gut hat. Jen. 1, 357 ^ s, auch gut C,^. 
ohne für : darin ich sie fast verdechlig gehabt 
hatte, rechenschaft, (1533). Aij^ 

S) in ehren haben, wofür auch in ehren 
hallen vorkommt {s, halten) : vnd habt solche 
in ehren. Phil, 2, 29; darumb das er golt 
in ehren halle. Hebr. 5, 7 ; Juda dich wer- 
den deine brüder ... ynn eheren haben. 
vber das erste buch Mose, (1527). ssiij^; 
daher befielilet er euch sie in zwiefältiger 
eren zu haben, de Wette br, 5, 739 bei 
Grimm. 

9) haben, bekommen, erlangen, erhalten, 
empfangen : keufft euch Weisheit weil jrs on 
geld haben künd. Sir, 51, 33 ; guter meisler. 



HABEN 



198 



HABEN 



was sol ich guts thon, das ich das ewige 
leben müge haben. MaUh. 19» 16; gott hab 
jmer lob, das er die gottlosen so hat weg- 
gericht. 2 Macc. 1, 17. hierher auch habe 
(empfange) dank, beleg s, dank Z, a. Über» 
gäbe einer pergon oder sache wird mtl da 
hast du (habt ihr) begleitet: da hastu das 
deine. Matth. 25, 25 ; da habt jr samen vnd 
beseet das feld. 1 Mos. 47, 23; da hastu 
dein weib. 12, 19; da habt jr die hüter. 
Matth. 27, 65. 

1 0) haben wollen, poseere, poslulare : 
gott hats so haben wollen (es ist sein tcille 
gewesen), das ich bey euch gewesen bin. 
Tob. 12,. 18; das sie wissen, es sey gottes 
gebot vnd kein schertz, er wolle es ernstlich 
haben, gl. zu Tit. 2, 15; alls habe ich ge- 
sagt, gott wolle die sunde haben, an die 
Christen zu Antorf. (1525). Aiiij*'; aber 
der alt Adam will seyn leben haben, das 
benediclus. (1525). Cj>'. 

11) haben, zu eigen haben, besitzen, ein 
äuszerst häufiger gebrauch des worles. a) 
das object sieht gewöhnlich im acc: ich 
habe den man des herrn. 1 Mos. 4, 1 ; Sarai 
hatte kein kind. 11, 30 ; vnd er (Abraham) 
hatte schafe, rinder, esel, knecht vnd megde. 

12, 16 ; das tal Siddim halte viel thongruben. 
14, 10; du wirst eine fette wonung haben 
auff erden. 27, 39 ; ich hab eine schwere 
spräche. 2 Mos. 4, 1 ; wenn ein man an 
seinem fleisch einen Aus hat. 3 Mos. 15, 2; 
alles was einen feil hat. 22, 20; kranckheit 
haben. 2 chron. 21, 15; schmertzen haben. 
Hiob 14, 22; Weisheit haben. 26, 3; zuuer- 
sicht haben. Rulh 2, 12; gewalt haben. 
Marc. 10, 42; macht haben. 1 Mos, 31, 
28; ein gros ansehen haben. Sir. 37, 29 u. 
s. w. formelhaft sind recht, unrecht haben : 
ists nicht also, das ich recht habe vnd jr vn- 
recht habt. Ezech, 18, 25 ; solt ich vnrecht 
haben? v, 29. ebenso wahr haben: dein 
wort man lesst nicht haben war. Jen. 8, 
400 *'. b) statt des acc. hat haben den gen. 
bei sich : vnd bette der liebe nicht. 1 Cor. 

13, 1 ; das heysst denn eyn weyb haben als 
hett ich sein nicht, das 7. cap. Cor. (1523). 
Jüij**, c) in diesem sinne kommt auch das 
part. praes. habend vor: die reichen vnd 
habende, wider den wucher, (1540). Kiij''; 



besondern ist das geschenck vordechtig, szo 
der borger dem leyher odder der durfilige 
dem habenden schenckt. groszer serm. von 
dem Wucher. (1520). cj'*. d) einmal be^ 
gegnet auch ein passivischer gebrauch des 
worles haben im sinne von besitzen, inne 
haben: solehs alles kan gehabt werden on 
glawbe vnd geyst, wie es denn die Juden des 
mehrer teyl hatten, wo es aber on geyst vnd 
glawbe gehabt wird, da thuts nidit mehr, 
denn macht für gott deste grösser schuld. 
der proph, Habacuc. (1526). dij". 

12) In einigen redensarten drückt haben 
bloszes Vorhandensein aus; so namentlich 
wenn es unpersönlich gebraucht wird: es 
hat keine fahr (es ist keine ge fahr vorhanden). 
1 Thess. 5,3; es wird für vnd für keine not 
haben, ps. 10, 6; es habe keine not. 75, 
7 ; frage auch fleissig darnach . . . wie es ein 
gelegenheit habe vmb ewer schw^acbeit. Jen. 
8, 223 ^ 

13) haben mit dem refl. persönlichen dat. 
(vgl. Grimm gramm. 4, 705) : Juda sprach, 
sie habs jr, sie kan vns doch ja nicht schände 
nachsagen. 1 Mos. 38, 23; vnd habe dir 
das zum zeichen. Jes. 38, 7 ; hab dir mein 
trewen rad. antworl auf die IzedeL (1520). 
Aiiij^; wiltu nicht das sacrament der hebe . . . 
so hab dir krieg, zwielracbt, vnfriede vnd alle 
vnruge. vermanung zum sacrament. (1 530 ). 
Hij ^ ; findet ^er) als denn, das yhm verdreusst, 
so hab ers yhm vnd ein gut iar dazu, von 
heimlichen vnd geslolen brieffen. (1529). 
Ciiij*; wil er aber nicht auffhören, so lasse 
er mich mit seinem büchlin vngeheiet vnd 
habe jm das mein letzt vrteil vnd antwort. 
Jen. 8, 192^; werden sie aber auch drüber 
geschlagen, so haben sie es yhnen. vom 
kriege Widder d. T. (1529). Giiij'\ 

14) haben mit einem in f. (vgl. Grimm 
gramm. 4, 628): wo ihr anders recht glaubt 
vnd Christum warbaftig in euch habt leben 
vnd regieren, de Igelte br. 2, 575 bei 
Grimm, durch zu vermittelt: was haben 
wir mit dir zu schaffen ? Lue. 4, 34 ; man 
drücke die leute mit arbeil, das sie zusehaffen 
haben. 2 Mos. 5, 9 ; die alle zusehaffen 
hatten in der hütten des stifls. 4 Mos. 4, 37. 

15) das object von habeü wird naher he^ 



HABEN 



199 



HABERSTROU 



9iiwumi a) durch ein adj\: eine waare feil 
haben, beitpiele s, unter feil 3. jemand lieb, 
werth haben : wie ein lieber bule einen btilen 
beb hat, so werden dich deine kinder lieb 
haben. Jes. 62, 5; (eitern und herm) lieb 
TBd werd haben. Jen. 8, 383 *, woßr auch 
i jedoch mii leiser niiance des Hnnes) lieb 
und werth halten: vnd vmb deines friedes 
willen warestu lieb vnd werd gehalten. Sir. 
47, IS. hierher gehört auch es gut haben : 
wol dir, du hasts gut. p$, 128, 2 ; prediget 
von den gerechten, das sie es gut haben. 
Jes. 3, 10. 

h) durch ein adeerb : sie haben jren lohn 
dahin. Maiih. 6, 2. 5, 16; jr habts nu hin- 
durch vnd den sieg an dem alten drachen er- 
obert, predigt von den lieben engein. 
(1544). Düj*; es haben nun e. k. f. g. die 
drei praebenden widderumb heim, de Wette 
kr. 2, 529 bei Grimm. 

16) haben als hilfsxeitwort {vgl. Grimm 
§ramm, 4, 146 ff.). Im allgemeinen erfolgt 
htkanntUch die Umschreibung des praet. mit 
haben für transitive verben, für intransitive 
durch sein oder werden, die anwendung 
dieses leitenden grundsatzes ist Jedoch nicht 
ohne schwanken, indem eine ansaht verben 
der hewegung und des zustandes ihr praet. 
mit beiden hilfszeitwörtem bildet, wofür 
Heyne im wtb. 4«^ 71 ff. reichliche bei- 
spiele bringt, denen ich nur noch toenige 
zusußgen habe. 

zu begegnen: wie es Christo vnd den 
Propheten auch begegnet liat (widerfahren 
ist), vber das erste buch Mose. (1527). 
viij*. 

zu fliehen: warumb hastu heimlich ge- 
flohen? 1 Mos, 31, 27, neben: warumb 
bistu heimlich geflohen, var, zu dieser 
stelle. 

zu geben : wo hastu ynn die schule gangen ? 
antwort deutsch. (1522). Dlij**, weitere 
lelege s. unter gehen / (2, 42 ^). 

zu stehen mit sein hätten auch ein paar 
heispiele aus X. angeführt werden können : 
bis das er für der gemeine für gericht ge- 
standen sey. 4 Mos. 35, 12; Jos. 20, 9; 
zween könige sind nicht gestanden für jm. 
2 kön. 10, 4; die eltesten die für seinem 



valer Salomo gestanden waren. 2 ehron* 
10, 6. 

Die verba praeterito^praesentia können, 
mögen, dürfen, müssen, sollen, wollen, die 
für das umschriebene praet. nur haben ver* 
wenden, wandeln in ^sem falle ihr parti* 
cipium, wenn es nicht allein steht, sondern 
noch einen inf. bei sich hat, scheinbar 
ebenfalls in den infinitiv, z. b. : wie habt jr 
das thun dürflen? 1' Mos. 44, 15, doch hat 
L. auch noch: das man drumb das geleyd 
nit het durflt brechen, widder die eekischen 
bullen vnd lügen. (1520). Bij^ 

labeBf n. das haben, der besitz : das er 
nu sagt, vnser heyl sey itzt neher, denn da 
wirs gleubten, mag nicht von der nehe des 
habens odder besitzung verstanden werden. 
post. (1528). 2^ 

Malier^ m. avena, mhd, haber, habere 
{Ben. 1, 605". Lexer 1134), ahd. habaro, 
haparo (Graff 4, 760). über die etymologie 
dieses wertes vgl. Grimm gesch. d. d. spr. 
s. 47 und wib. 4\ 78. bei L. noch mit 
schwacher declination, doch nimmt auch 
der nom. das n der obliquen casus auf: alles 
kraut das sich besamet das ist allerley ge- 
treyde, kom, weitzen, rocken, gersten, 
habern. vber das erste buch Mose. (1527), 
Giij ** ; der somer vnd herbst (bringt) allerley 
getreide ... kern, gersten, habern. der 65. 
psalm, (1534). Jij^ vereinzelt auch mit 
f statt b: weitzen, gersten, haffern. Jen. 5, 
21*; ihr wollet ilu* . . . 12 scheffel kom vnd 
24 hafern leihen, de Wette br. 5, 358. 
vgl. auch haferkörnlein. 

Haberkasten^ m. kästen zur aufbewahrung 
des habers. tischr. 339^. 

labersaek^ m. sack mit haber: wülen 
drinnen wie ein saw jm habersack, der 111. 
psalm, (1530). Düj*; das ist aber in keinen 
weg zu leiden, das er die schrifft, vnsern 
trost, nicht anders handelt, denn wie die saw 
ein habbersack. Jen. 1, 60^. 

Haberstroli I n. stramen avenaceum: da 
schnattern sie die lieben psalmen dahin wie 
die gense das haberstro. ein widderruff vom 
fegefeur. (1530). Pj^; denn die selbigen 
können nicht beten, on das sie den psalter 
mögen hinschnurren vnd schnattern , wie die 
gense jr haberstro fressen, das 16. cap. s. 



HABICH 



200 



HADER 



Joh. (1538). Xij'; wie die gens das haber- 
stroh hinweg schnattern, ausleg. der ep. 
vnd euang, van ostem. (1544). Ssiiij'*; 
was sol der kuhe musr'aten, sie jsset wol 
haberstro. tischr. 4*. redensari: in einen 
bawren gehöret haberstro {similes habent 
labra lactucas. Agricolat sprichto.), Jen. 
3, 144*. 

labiehy habicht^ m. accipiler, mhd. 
habech (Ben. 1, G05\' Lexer 1130), ahd. 
habuh, hapuh, habich (Graff 4, 754); zu 
vUai. capus falke, von capere {s. We ig and 
wlb, 1, 467). L. gebratichl noch beide 
formen , habich in den früheren , habicht in 
den späteren Schriften : ich weysz yhe, das 
eyn habich repphuner fehet. ausleg. der ep. 
vnd euang. vom christag. (1522). dddiij"; 
die stiffter haben wollen damit (mit den gü" 
lern) versehen frume, züchtige, christliche 
personen, nicht die da stünden vnd blöken 
odder habich {Jen. 5, 86**: habicht) trügen, 
sondern die da studierten, lesen vnd beten. 
vermanung an die geistlichen. (1530). 
Eüj**; sonderlich was grosse vogel sind, als 
habicht, reyger, adeler. der proph. Habacuc. 
(1526). kiij^; der adler, der habicht, der 
fisschar. 5 Mos. 14, 12; fieuget der habicht 
durch deinen verstand. Hiob 39, 26. 

lächtlin^ s. hechtlein. 

Hacke; f. Werkzeug zum hacken, mhd. 
*acke (Ben. 1, 607^ Lexer 1137): mit 
dem karst oder hacken zu jm einhawen. das 
14. vnd 15. cap. s. Joh. (1538). Zzij'; 
das volck drinnen füret er er aus vnd teylel 
sie mit segen, vnd eisern hacken vnd keilen. 
1 chron. 21, 3. 

Hackenj ferire, concidere, pastinare, mhd. 
backen {Ben. 1, 607 ^ Lexer 1138), ahd. 
hakjan {Graff 4, 762). Ueber etymologie 
und Verwandtschaft mit hauen s. Grimm 
kl. Schriften 3, 119. 120. wlb. 4^ 103. 

1) von streitenden personen, concidere: 
sihe wie ein burger den andern , ein bawr 
den andern mit christlicher liebe vnd trewen 
meinet, das ist neidet, hasset, hacket, placket, 
schadet, wider den wucher. (1540). Lj"; 
denn sie sind vnternander selbs noch nie eins 
gcwest, werden auch nimer mehr eins, was 
der frey wille solle sein, hacken vnd beiss^ 
sich selbs drüber wie die tollen sew vntern- 



ander. au/f das vermeint keiserlich edict, 
(1531). Düij*. 

2) mit der hacke das erdreich bearbeiten, 
pastinare : ich wil jn {den weinberg) wüste 
ligen lassen , das er nicht geschnitten noch 
gehackt werde. Jes. 5, 6. 

3) bildlich: etwas unordig untereinander 
hacken, eine sache ohne Ordnung vortragen r 
so fort an in den andern capiteln hacket ers 
so vnördig vnternander, das niemand sagen 
kan, warumb dis forne, jenes binden, oder 
dis mitten stehe. Verlegung des alcoran, 
(1542). Miij*. 

HaekeDi m. uncus, s. haken. 

laekenschntie^ m. s. hakenschatze. 

läcklein, n. uncinulus, s. häklein. 

ladel (haddel), m. lumpen, fetzen, zer^ 
rissenes zeug: also ist der genseprediger 
auch keins bessern schmucks werd, denn das 
er sich mit solchen lausichten lumpen vnd 
stinckenden haddeln an den tag gehe, wider 
den bischof zu Magdeburg. (1539). Dj*** 
— mhd. hadel {Ben. 1, 608"). das wort 
ist, nach dem bekannten Wechsel zwischen 
r und 1, auch formell gleich dem folgenden 
hader. 

Hader (hadder), m. wie mhd. hader {Ben. 
1, 607 ^ Lexer 1138) in zwei hauptbe^ 
deutungen, die jetzt weit von einander ab^ 
stehen, gleichwohl aber einen gemeinschafl* 
liehen Ursprung haben, s. Grimm wtb^ 
4^ 112. 

1) gefetztes stück zeug, lumpen: die 
merlerer . . . gingen ynn haddern vnd bösea 
kleidem herein [einher), ausleg. der zehen 
gepot. (1528). B5**. 

2) zank, streit: feindschafft, hadder (^'()e/^, 
vulg. contenliones), neid, zorn, zank. Gal. 
5, 20; das nicht hadder, neid, zorn, zank.. . 
da sey. 2 Cor. 12, 20; der eid macht ein 
ende alles hadders. Hebr. 6, 1 6 ; vber dem 
hadder der gemeine. 4 Mos. 27, 14; wenn 
ein hadder ist zwischen mennern. 5 Mos.. 
25, 1; ym hass vnd hadder leben, das 7. 
cap. Cor. (1523). Fij''; hie fehet an der 
ewige zanck vnd hadder zwischen dem bi- 
schoff zu Rom vnd dem zu Gonstantinopel 
vmb das primat oder höhest oberkeit. von 
den concilijs. (1539). Qi]**; es hat sich ein 
hadder vber deinen werten ym abendmal er- 



HADER 



201 



HADEILX 



habea. vom abenitMU CkriMÜ. (1528). 
xij*; wer widder schlegl macht hadder 
(Sprichwort), erwuumnge xwm friede. (Ib2b)> 
Büj''; h. annchten. tpr. SmL 6, 14. 19; 
la> 18 ; h. anfangeo. 17» 14; h. anzünden. 
^>. 28, 11; h. eitttragen. vom obemämßl 
ChrüU. (1528). fij^; h. Tertngen. doi 
5. 6. vnd 7. eap. s. MoUh. (1532). Umy; 
den h. stillen, spr. Sal. IS» IS. StUem üi 
der pl. von hader» weicher bei L. hader «MMf 
hädef (hedder) lautet: alle hadder istreU- 
Sache») tu. sich bringeoi von dem bapehim 
zu Rom. (1520). Gij^ die hedder ^nd krieg. 
an den chrüU. adel. (1520). Fj\ 

Inder, m. Streiter, s. haderer. 

IndcrMef, m. hrief welcher hader ver^ 
ursacht: den selbigen hadder brieff, wekhs 
halben mich fa. George auffnirtsch schilt» habe 
idijut nicht. Verantwortung. (1533). 3^ 

Ind^rei^ f, streit, gezänk: es mag yhr 
deyne h. (heiligkeit) mit leychten kurUen 
Worten alle disze hadderey zu yhr nemen vnd 
aasztilgen. an bapst Leo X, (1520). Bij^ 
— mhd, haderte (Lexer 1138). 

laderer j m. Streiter, sänker: ich wii mit 
deinen hadderern haddern. Jes. 49, 25. 
auch gekürzt hader : herr haddere mit meinen 
haddem. ps. 35, 1. ebenso var. zu Jes. 
49» 25. 

Inder/rage, f, Streitfrage: die hader ffage 
was doch die kirche vnd jre gewalt sey. 
ausleg. der ep. vnd euang. von oslem. 
(1544). a5*. 

laderbiftig, zänkisch, streitsüchtig: es 
sol aber ein bischoff vnstreffiich sein . . . nicht 
hadderhafftig {in den ersten ausgaben des 
neuen test,: hadderig). 1 Tim. 3, 3; ein 
zankisch, hadderhaütigs volck. vber das erste 
buch Mose. (1527). Cciiij*»; es ist allwege 
ein haderhafftig volck gewesen. Eisl. 2, 70^ 

laderheriy n. herz das am hader lust 
hat: (Christus) nimpt weg den khegsmut 
vnd das hadderhertz. ep. des proph, Jes. 
(1526). Dij»». 

laiierig; was haderhaftig» w.m. s. 

IMerleia (hederlin), n. dm. zu hader in 
der bedeulung „lumpen**: ein alt zerrissen 
garstig hederlin. hauspost. (Wittemb. 1545). 
winterteil 14*. 

laderliHyei m, lumpen, fetzen: für dir 

DxBTx, Wörterbuolu IX. 



herr ist mein bester sammat vnd gülden stück 
erger denn kein haderlumpe, hausposi. 
(WiUemb. 1545). wimterieü IZ^; mit ge- 
ringen haderlumpen bedeckt. Usehr, 353^; 
es ides bapsts decret) ist ein zusammen ge- 
ralt ding wie ein bettlers mantel zuhauffen 
geflickt von vielen haderlumpen. ebenda 
270'. 

laderMaan, m. streitsüchtiger wumm: ein 
hadderman. 2 Sam. 21, 20 var. 

tsdermMMkif m. sie sollen vns nicht an 
jre gerichtsstüle vnd haddermerkte ziehen. 
tisehr. 161 * bei Grimm. 

, f. schelte^ zunächst für ein 
frauenzimmer (vgl. meUe), dann 
für eine zänkische person überhaupt, ohne 
rückzieht auf das geschlecht; in folgender 
stelle scheint es sogar den gegenständ des 
Streites zu bezeichnen : „aber gott ist seine 
zuuersichl** (ps. 14, 6), ist die vrsach, dar- 
über sich aller volusl vnd vneinigkeit erhebt, 
er prediget nicht anders, derselbe gerechte, 
denn gottes gnade, das ist die hadermetz, dar- 
über hebt sich der kampff. Eisl. 2, 55 *. 

Indern (haddern), mhd. hadern (Lexer 
1139). 1) streiten: a) die gerne haddern 
sind allzumal narren, spr, Sal. 20, 3 ; nicht 
haddern. Tit. 3, 2; vnd ob man lange zenckt 
vnd haddert, musz es doch zu letzt auff hören. 
gr. serm. von dem wucher. (1520). a iig>* ; 
in des wollen wir sie lassen haddern ... bis 
sie der sachen eines werden, wider das 
bapstum. (1545). Kiij\ b) mit einem oder 
wider einen hadern: das volck haddert mit 
Mose. 4 Mos. 20, 3; die mit dem herrn 
haddern, müssen zu grund gelien. 1 Sam. 
2, 10; weh dem, der mit seinem schöpffer 
haddert. Jes. 45, 9; hadder nicht mit je- 
mand on vrsache. spr. Sal. 3, 30 ; ah meine 
mutier, das du mich geboren hast, wider den 
jederman haddert vnd zanckl im gantien 
lande. Jer. 15, 10. reflexiv: wenn sich 
menner mit einander haddern. 2 Mos. 21, 
18; da sie sich mit einander haderten, ap, 
gesch. 7, 26; ein christlich gemalh sich nicht 
haddern soll mit seynem vnchristlichen ge- 
malh. das 7. cop. Cor, (1523). GiijS c) 
der gegenständ des Streites wird durch die 
praep, um, über vermittelt: wolt jr vmb 
Baal haddern? rieht, 6, 31 ; vmb das zeitlich 

26 



HADERN 



202 



HAGEL 



gut haddern vnd streyten. von dem hapstutn, 
(1520). Giij''; vnd sollen vns nicht so fast 
vmb die wort haddern. der proph, Jona, 
(1526). Kiiij''; also haben die zwo kirchen, 
Rom vnd Gonstantinopel, gehaddert vmb den 
nichtigen primat. vondeneoncilijs. (1539). 
Oiij"*; denn worumb vnd worüber sollen 
Christen kriegen vnd haddern, wenn sie also 
gesynnet sind, ep, des proph. Jes, (1526). 
Dij''; vnd darüber haddert man sich auch. 
ebend. ; hie fahen sie an sich mit jm zu had- 
dern vber dem, das er den wassersüchtigen 
gesund machet. Jen, 8, 216**. 

2) er wird nicht jmer haddern noch ewig- 
lich zorn halten, ps. 103, 9, nach L.'s 
ei^er erklärung in der gl, zu dieser stelle : 
haddern, vngnedig sein ; ich wil nicht jmer- 
dar haddern vnd nicht ewiglich zürnen. Jes. 
57, 16. 

Hadern, n. der substantivisch gebrauchte 
inf. des vorigen verbums: im vj. (cap. der 
1. ep, s, Pauli an die Cor.) straffet er das 
haddern vnd zancken für gerichte. Bindseil 
7, 450 ; jr haddern macht, das man die obren 
zuhalten mus. Sir, 27, 15; yhr wurdet des 
bancketen vnd hadderns vmb das hohe sitzen 
vnd andere vnnützer bracht eine weile lassen. 
vom kriege Widder d. T. (1529). Eiiij'. 

Htdersaehe, f.. Streitsache : szo thun sie 
nichts das zur Christenheit dienet, nur gelt 
vnd haddersachen vmb die bistumb vnd pre- 
laturen treiben sie. an den christl. adel, 
(1520). Ciiij*; sondern sollen jrer canoni- 
schen vnd hadersachen von prebenden warten. 
von den concilijs. (1539). g üij " . 

laderwasser, n. aqua contradictionis : 
das ist das hadderwasser , darüber die kinder 
Israel mit dem herrn hadderten. 4 Mos. 20, 
13; da jr hadderlet am hadderwasser. 5 
Mos. 33, 8 ; vnd versuchte dich am hadder- 
wasser. ps. 81, 8 ; vnd sie erzümeten jn 
am hadderwasser. 106, 32. 

lafen, m. portus. ein ndd. wort, wel- 
chem hochd. habe, habene f, {Ben. 1, 602*, 
603*. Lexer 1129. 1134) entspricht. L, 
gebraucht für den ankerplalz, landungsort 
der schiffe anfurt (s, d.), dagegen verwendet 
er einmal das ndd. have im sinne von ufer, 
gesta4e : vnd wil die vbrigen am haue (C]in, 
LXX: naqaXia) des meers vmbbringen. 



Ezech, 25, 16, wofür spätere bibelausgaben 
hafen setzen. 

iafer, s. haber. 

laftieri m. tapfer, mhd. havenaere {Ben. 1, 
641*. Lexer 1X9^), ähd, hafanari (Graff 
4, 838): es ist also geschrieben (Jes. 64, 
8) : wir seyn sein than, er ist vnser haffner. 
der than musz die kunst vnd band d^ haff*- 
ners nit meistern, sondern sich meisSrn vnd 
machen lassen, de Wette br. 2, 442 in dem 
trostbrief an die Christen zu Augsburg v. j. 
1523. Heyne wtb. 4*, 127 glaubt, L,. 
der sonst hafner so wenig als hafen =» topf 
verwendet, habe, diesmal den adressaten zu 
liebe den ihm sonst nicht geläufigen süd- 
deutschen ausdruck gebraucht. Da jedoch 
der originaldruck dieses briefes {quellen- 
verzeichniss n. 80) gleich der entsprechen- 
den bibelstelle töpfer hat, so vermuthe ich, 
dasz bei de Wette ein süddeutscher nach- 
drucfc, der töpfer in hafner änderte, zum 
abdruck gekommen ist, 

laften, haerere, mhd. haften {Ben, 1, 
604'. Lexer \ HO), oÄd. haften (öra/f 4, 
744): so seien sie verflucht für dem herrn, 
das sie mich heute Verstössen, das ich nicht 
hafffce in des herrn erbteQ. 1 Sam. 26, 19 ; 
weil ich nicht auff meinen worten, sondern 
was die kirche erkennen wird, haffte vnd 
stehe. Jen. 1, 122*; diese wort^agterzu 
allen die das sacrament empfahen, darumb 
mustu an den selben mit dem glauben hafl^n. 
3, 168*; denn da zu hat gott geordnet, das 
ein jglicher sein ehelich weih oder man habe, 
das er daselbs sein lust vnd begirde hafften 
vnd werden lasse, das 5. 6. vnd 7. cap. s, 
Matth. (1532). Tj*. einmal verirtil haften 
das transitive heften: alszo bes'chhesz ich, 
das die christliche kirche sey nit an yrgend 
eyne stall, person, odder zeytt gehafftet. auf 
das vbirchristl. buch. (1521). K}\ 

Hagelf m. grando, mhd. hagel (Ben, 1, 
609 s Lexer 1141), ahd. hagal {Graff ^, 
797): ich wil morgen vmb diese zeit einen 
seer grossen hagel regen {regnen) lassen. 2 
Mos. 9, 18; also lies der herr hagel re- 
gen vber Egyptenland, das hagel vnd fewr 
vntemander füren, v. 23. 24 ; vnd der don- 
ner vnd hagel höreten auff. v. 33 ; da lies 
der herr einen grossen hagel vom himel auff 



HAGELN 



203 



HAHNREI 



»e fallen. Jcm. 10> 11 ; vnd der höhest lies 
semen donner aus mit hagel vnd hUtzen. p$, 
18, 14; wenn es schon daher wechst, wie 
bald kund ez mit hitze, wetter, hagel ver- 
derbet werden, der 147. p$alm, (1532). 
Ciiij*. In der regei iii hagel ein eoUecUvum, 
die etHxelnen hageUiücke heisien hei L. 
lagelst^e (ß. d.), doch verwendel er dafür 
%%ch äin pL bagel: vnd werden grosse hagel 
komen, die es feilen. Ezech. 13, 11 {vgL v. 
IB); er macht durch seine krallt die wolcken 
dicke, das hagel eraus fallen. Sir, 43, 16; 
die schrifll nennet die hagel vnd bhtzen gottes 
pfeil vnd spere. der proph. Habaeuc. 
U526). oi^ 

la|;eln^ grandinare, mhd, hagelen {Lexer 
1142): recke deine hand auff gen himel, das 
es hagele vber gantz Egyptenland. 2 Mos. 
9, 22 ; vnd der herr lies donnern vnd hageln. 
V. 23. biläUch: da solts aller erst eitel 
schwenner regen, hageln vnd schneyen. vom 
ahendmal Christi, (1528). xij^ 

lagein, n, der inf, des vorigen substanti- 
visch: bittet aber den herrn, das aufhöre solch 
doonem vnd hageln gottes. 2 Mos, 9, 28. 

lagelsteittf m. einzelnes hagelslück: ich 
wil einen windwürbel reissen lassen in mei- 
nem grim vnd einen platzregen in meinem 
zoTn vnd grosse hagelsteine im grim, die 
soUens alles vmbstossen. Ezech, 13, 13; 
vnd lies seer grosse hagelsteine fallen auff die 
feinde. Sir, 46, 6. — mhd, hagelstein {Ben. 
2^ 614 ^ Leaser 1142). 

lagelstHm, m. stürm der hagel mit sich 
führt, hagelschauer : wie ein hagelsturm, wie 
ein schedlich weiter. Jes, 28, 2. 

lagettf m. mhd, hagen {Ben. 1, 606^. 
Lexer 1142), ahd. hagan (Graff 4, 798), 
von L, nur noch anfangs und zwar in der 
hedeulung y,hain** gebraucht: das sind die 
allar vnd hagen, dauon die propheten klagen, 
vber das volck von Israel, das keyne statt 
^ar sie richtet eynen eygen hagen vod allar 
aufi. ausleg, der ep, vnd euang. vom chris- 
tag. (1522). pppj**. 

lageabHlte, /*. frucht (butte) der hage- 
tose : vnd wenn es verblühet, so werden eitel 
hagenbulten draus, die gar voll steine sind, 
niemand neeren noch speisen, das 5. 6. vnd 
7. cap,s,Matlh. (1532). üij'. 



lakli dürre, austrocknend, bei L, hol: 
ein böser, dürrer, holer wind, der da aus- 
trocket vnd versiegen macht alle hörne« an«- 
leg, der ep, vnd euang. von ostem elc, 
(1544). AAüij^— AtfM. hdl (gespr. hll) 
und liael. Vilmar idiot, 145. der ab^ 
stamwMng nach dunkel, 

Mwkm (han), m. gallus, mhd, han, haue 
(Ben. 1,626*. Lexer 1164), ahd. hano 
(Graff 4, 958), goth, hana; zu tat, canere, 
singen, bei L, erscheint neben dem n, sg, 
han noch öfter hane : in dieser nacht, ehe der 
haue krehet, wirstu mich drey mal verleugnen. 
Matth, 26, 34 ; Marc, 14, 30; vnd als bald 
krehet der hane. Matth. 26, 74; vnd der 
han krehet. Marc, 14, 68; vnd der han 
krehet zum andern mal. v. 7 2 ; des bannen 
geschrey. post, (1528). 249 ''. der pl, 
lautet hane und hauen: zween hane auff 
einer misten leiden sich nicht, vermanun^ 
an die geistlichen, (1530). Fibj**; dassichs 
nicht reime zween hanen auff einer misten. 
von Jhesu Christo, (1533). Bj*; dencke 
an das hünlin in Esopo, das von dem hane 
gebissen ward, da es sähe, das sich die hanen 
vnternander seibs auch bissen, tröstet es sich 
vnd sprach u, s, w. toider den wucher, 
(1540). Kiij*. reden^arlen ; es krähet kein 
hahn darnach, die sache beachtet niemand, 
darum bekümmert sich niemand, beleg s. 
unter erfrommen, der hahn ist nicht gut von 
seinem mist zu treiben, im eignen hause 
kann man nicht leicht einem etwas an- 
haben: grosse gewaltige ieute, die waren 
also gesessen, das nicht müglich war, sie aus- 
zutreiben, sonderlich von so geringem schwa- 
chem volck, wie man spricht, der han ist 
nicht gut von seinem mist zutreiben, vnd ein 
man vermag mehr ynn seinem hause, denn 
viere draussen. vber das erste buch Mose. 
(1527). Mi»». 

labneBscbrel (hanenschrey) , m. galUci'- 
nium, als Zeitbestimmung für die anbrechende 
morgendämmerung : jr wisset nicht, wenn 
der herr des hauses kompt, ob er kompt am 
abend, oder zu milternacht, oder vmb den 
hanenschrey {var. vmb des hanenschrey), oder 
des morgens. Marc, 13, 35. 

Haharei (hanrei), m. ein mann, dessen 
ehefrau ungetreu ist: so klagt er {gotl der 

26* 



M 



HAIN 



204 



HALB 



kerr) jnn allen propheten, das er seine braut 
lieb babe vnd sie wolle doch eine hure seyn, 
also lous vnser herr gott dn hanrey sein 
(wie man jnn Sachsen redet), der 101. pialm. 
(1534). Piij^ 

Das wort, welehei auch Älherus dtcl. 
siij* {cuculus ... ein hanrey) aufführt, er* 
«ctoni nach Grimm wlb. 4^ 170 zuerst 
ml6,jh, und ist aus bahn und reie, reige, 
tanZf zusammengesetzt. Nach Weigand 
wib, 1,471 ist rey fremdher. eine andere 
etymologie s. Schmeller l^ 1115. 

MainLf m, nemus, lucus, mhd. {noch selten) 
hahk, mit ausgefallener gulturalis von hagen 
{s, d,). L., der das wort nur in der hibel 
verwendet, übersetzt damit: 

1) das hebr, y\b^j eiche, als ortsbezeich- 
nung im pl., also eine gruppe von solchen 
grossen bäumen bezeichnend, die woM 
hain, kleiner wald, genannt werden kann, 
1. b. 1 Mos» 13, 18: die eichen Mamre's, 
X. bayn Mamre, ebenso 14, 13 u. 18, 1. 5 
Mos» 11, 30: die eichen Morels, L, hain 
More. 

2) btiM , tamariske, z. b. 1 Sam. 22, 6, 
wo das wort jedoch in der einzahl mit dem 
bestimmten arlikel gebraucht wird, also 
einen einzelnen, bekannten bäum bezeichnet, 
unUr welchem Saul, recht sprechend, sasz 
{L, wohnte). vgL i eller bibl, wtb. 1, 552. 

3) $l'*^UJM , ohne zweifei (vgL rieht, 3, 
7 mit 2, 13^) gleichbedeutend mit n'ihl^:;, 
die phönizische götlin Astarte, deren götzen" 
bild wahrscheinlich aus einem groszen, in 
der erde befestigten, senkrechten bäum- 
stamme {in der regel wohl der stamm der 
gerade aufschieszenden, der göttin geweihten 
tamariske) bestand, diese hölzernen säulen 
standen entweder allein oder in Verbindung 
mit den steinernen säulen des Sonnengotts 
Baal, meist auf höhen in eingehegten lust- 
hainen, „gärten" {vgL Jes. 1, 29 ^. ; 65, 3 ; 
66, 17), unier immergrünen bäumen (5 
Mos. 12, 2; 1 kön, 14, 23; 2 kön. 16, 4; 
17, 10). vgl. Ger lach die heil, schrift, 
anmerk. zu 2 Mos. 34, 13 und Zell er 
bibl. wtb. 1, 553. L. folgte mit der Über- 
setzung hain der Septuag. und vulgat€t: jre 
altar soltu vmbstürtzen . . . vnd jre haine 
{LJX: rä ukat], vulg. lucos) ausrotten. 2 



Mos. 34, 13; zubrich den altar Baal, der 
deines vaters ist, vnd hawe ab den bayn (to 
aXaog Sept., nemus vulg.) der dabey stehet» 
rieht. 6, 25; die vier hundert vnd funffzi^ 
Propheten Baal, auch die vier hundert pro- 
pheten des hayns {LXX: ngo^i^ag rwi^ 
aXacHy, vulg.: lucornm), 1 kön. 18, 19. 

Itlagötie^ m. götzenbild der Astarte : er 
setzet auch einen hayngötzen (LXX: to 
Yh)ni6y rov äXaovgy vulg.: idolum luci),. 
den er gemacht hatte, in das haus. 2 kön^ 
21, 7. 

EsAmfiitütff m. priester der göttin 
Astarte: also giengs den leuiten ym alten 
gesetz auch gegen den götzenpfaffen vnd 
haynpriestern. posi. (1528). 294 *". 

lake^ IwkeB^ m. uncus, L. hacken, de 
WeUe br. 6, 330. — mhd. b4ke, häken^ 
neben hacke, hacken {Ben. 1, 612*'. Lexer 
1145), ahd. hAco, hägo, neben hacco und 
haggo {Graff 4, 763); zu haben hängen. 5. 
Grimm wtb. 4', 177. 

lakeBSchilf e 9 m. der aus dem hakeo 
{„ein bis in das 17. jh. gebräuchliches 
schweres feuergewehr, mit einem haken an» 
Schaft, mittels dessen es auf einem beson-- 
deren gesteüe befestigt ward." Heyne bei 
Grimm) schieszt : wenn vns gott nicht bette 
die lieben heiligen engel zu bütem vnd 
backenschützen zugegeben . ^ . so were es 
baldt mit vns ausz. tischr. 210". 

■akleia (hecklein), n. kleiner haken, un^ 
culus : vnd macht funffzig gülden hecklin, vnd 
füget die teppich mit den hecklin einen an 
den andern zusamen. 2 Mos. 36, 13; vnd 
brachten die wonung zu Mose, die hätten vnd 
alle jre gerete, hecklin, bretter, riegel, seulen, 
füsse. 39, 33. 

lalby adj. und adv., dimidius, send*, als 
adj. mhd. ahd. haip {Ben. 1, 614*. Lexer- 
1151. Graff 4, 889), go(h. halbs, als adv^ 
mhd. halbe {Ben. 1, 614''. Lexer 1146). 
von Heyne in Grimm wtb. 4^ 184 auf 
die gr.-lat. wurzel carp zurückgeführt. 

1) halb im eigentlichen sinne, den einen 
von zwei gleichen (heilen bezeichnend: eine* 
ele lenger ist denn ein halbe, ausleg. der 
euang. von ostem. (1527), i5^; eynen 
halben gülden. Matih. 17, 27 var.; ein» 
I halben sekels schweer. 1 Mos. 24, 22; ein 



HALB 



205 



HALBEN 



halb iü. 4 üo«. 28, 14; <ler halbe stam 

Xinasse. 34, 14; das halbe gebirge Gilead. 

5 Moi. 3» 12 ; in^eiin da mir auch dein halbes 

haus gebest, so kerne ich doch nicht mit dir. 

Ikon, 13, 8; eine halbe stunde. Tob. 11, 

13 ; ein halb iar. vermanung lum saeramenL 

Ü530). Bij*'. halb — halb: minotaurus das 

war ein thier halb ein mensch, halb ein ochse. 

tUehr, 126**. zuweilen bezeichnet halb 

mefcr den endpunki eines von zwei gleichen 

(heilen, als diesen theil selbst, es läszt sich 

ämm dwreh mitte ersetzen: da sie gen 

Baran kamen, welches auff halbem wege ist 

gegen Nineiie. Tob. 11, 1. ähnlieh in foU 

9e%der stelle: da aber Jesaja noch nicht zur 

stad halb hinaus gegangen war. 2 kön, 20, 4. 

2) halb t«i gegensalz zu ganz oder voll 

A«r einen gröszem oder geringeren theil 

(iHsdrückend: er wil nit mit falscher halber 

igelheiUer) lieb geliebt sein, von dem bapS' 

tum. (1520). Giiij**; eyn halb galgen rew. 

grimd vnd vrsaeh. (1521). fiij"; vnfriede 

wol zu rechen ist für eine halbe helle, der 

S2. psalm. (1530). Dj^ mit halben (un- 

deutlidien, unverständlichen) Worten reden. 

das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). 

Kiij^ ; vnd denn gern wollen hundert gülden 

geben fnr einen halben gelerten, da sie jtzt 

nicht zehen gegeben hetten für zween gantz 

gelerten. das man kinder zur schulen hat* 

ten solle. (1530). Bj^ 

3) adv. : die zogen jn aus vnd schlagen jn 
^nd giengen dauon vnd Hessen jn halb tod 
liegen. Luc. 10, 30; eyn halb todter ver- 
zagter mensch, das ander teil tcidder die 
hyml, Propheten. (1525). Nj " ; das vnzeitige 
obs, das abfeilet ehe es reiff wird. Witlemb. 
l,iii\ 

lalfc^ praep. mit gen., um — willen 
toegen : das er dem könige geld brechte vnd 
jn etlicher nötiger sachen halb erinnerte. 
2 Macc. 4, 23. vgl. derhaib. gewöhnlicher 
das folgende halben. 

lalbeB^ praep. mit gen., eigentlich dat. 
pi. des Substantivs halbe seile, vgl. deinet- 
halben,eurethalben, ihrethalben, meinethalben, 
seinethalben, unserthalben, auch derhalben u. 
deshalben. 

1) halben steht im sinne von betreffend, 
in rOcksicht, in beziehung auf: nicht sage 



ich das des mangels halben. Phil. 4, 11; 
das arm volck mit öffentlichem vorspieten 
yrre gemacht wirt meiner bncher halben. 
vnlerricht der beichtkinder. (1521). aji*; 
hie vnterricht s. Paulus die eheleutt, wie sie 
sich gegeneinander hallten sollen der ehe- 
pflicbt halben, das 7. cap. Cor. (1523). 
Biiij'*; vnd wir also allenthalben das vnser 
thun vnd für gott vnsers ampts halben ent- 
schuldigt seien, das man kinder zur schulen 
halten solle. (1530). Bij"; vnd sihet eins 
dem andern {eheUch und hurenleben) so fast 
ehnlich, das des beywesens oder beywonens 
halben kein vnterscheid ist. zwo hochzeit' 
predigten. (1536). Aiij*; e. k.f. g. wollten 
ihm doch des koms halben gnädige frist vnd 
bezahlung stimmen lassen, de Wette br. 
5, 185. 

2) häufiger hat halben rein ursächlichen 
sinn: aus grund, wegen: deines opffers 
halben straffe ich dich nicht, ps. 50, 8 ; du 
weist, das ich nicht böser lust halben diese 
meine Schwester zum weihe genomen. Tob. 
8, 9; als aber der junge Tobias seiner hoch- 
zeit halben lange aussen war. 10, 1 ; dieauff 
Bethzura kundten hungers halben nicht lenger 
darin bleiben. 1 Macc. 6, 49; dieser hoff- 
nung halben werde ich, lieber könig Agryppa, 
von den Juden beschuldiget, ap. gesch. 26, 
7 ; wie das e. f. g. solt vngnade emfangen 
haben vber doclor Staupitz . . . ellich schrey- 
bens halben, originalbr. v,j, 1517 im ges» 
archiv zu Weimar N, 108, 41; wenn er 
ynn solchen stand geratlen were vnfalls hal- 
ben. Widder den falsch genanten geistl. 
stand, (1522). Hij"; es ist itzt newlich ein 
buchlin vnter hertzog Georgen zu Sachsen 
namen ausgangen, darynn ich werde ange- 
griffen eines brieffs halben, von heimlichen 
vnd gestolen brieffen. (1529). Aij"; s. Va- 
lerius war ein bischoff zu Hippon vnd kund 
der sprachen halben vbel predigen, exempel 
etc. (1542). Giiij'. 

HalbeOy verb. dimidiare, mhd. halben 
{Ben. 1, 617". Lexer 1147), ahd. halben 
{Graff 4, 888), L. umgelautet helben, mhd. 
helben (Lexer 122S), wa^ auf ein ahd. 
halbjan zurückweist: aber gentze oder helbe 
den Christum, wie du wilt, so gibstu gleich- 
wol das gantze sacrament nicht, sondern 



^ 



HALBER 



206 



HALLBUBE 



raubest ./das halbe ivider OprisiutfK gebot. 
Jen. 6, 346'. 

Iftlber^ praep,, nur vereinzelt ersehet- 
nende nebenform xu halb und halben : Ster- 
bens halber. Burkhardt briefw. 237;' 
seines vater&jialber. 238. 

lalbgelelrt^ parL semdoctus: solche 
halbgelerte leute die vnnützesten leute amff 
erden sind, vnd were jhn viel besser, das sie 
gar nichts kündten. der 111, psalm. (153(U^ 
Bj^; denn ich bin auch ein halbgelerter 
doctor. das 16. cap, s. Joh. (1538). Qj". 

lalfcsacraHeatcr^ m. hezeichnung eines, 
der das saeramenl des abendmals nur unter 
einer geslali gereicht haben will, mit aus- 
schlusz des kelches : mich wundert, wie die 
schismatici, parteischen romischen Christen 
vnd halbsacramenter nit rodt oder bleych da- 
für werden, grund vnd vrsach, (1521). 
h iiij *•. 

lalfcscblafeBil^ part, praes.: gleich als 
wenn ich einen trunckenen, halbschlaffenden 
oder einen narren fragt, wider Hans Worst. 
(1541). Cij*. 

lalbthell, m. oder n.? dimidia pars, 
hälfte: s. Johannes vher den kreis zu der 
jungfrawen gieng jnn jr halbteil vnd vmbfieng 
sie liebhchen. die lügend, (1537). Biiij*. 
auch adverbial: weil es vns, wenn wirs 
recht ansehen nur halbteil sawer wird, das 
5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. 24, 28. 

lalbwacbead^ part. praes. : mit schlum- 
mernden vnd halbwachenden äugen, von 
den schlüsseln. (1530). Aiij*. 

Hälfte (helftej, dimidia pars, in genauem 
und ungenauem (ungefährem) sinne: ist 
aber der schuldiger nit arm, so lasz yhn Wid- 
der geben, so viel er mag, es sey gantz, die 
helfft, dritte oder vierde teyl. von weltlicher 
vberkeytt. (1523). F 5*; vnd Mose nam die 
helffte des bluts vnd thets in ein hecken, die 
ander helfft sprenget er auff den allar. 2 
Mos. 24, 6 ; das sol das opffer sein Aarons 
vnd seiner söne, das sie dem herrn opffern 
sollen am tage seiner salbunge, das zehende 
teil ephi von semelmelh des teglichen speis- 
opffers, eine helfil des morgens, die ander 
helfft des abends. 3 Mos. 6, 20 ; sprach der 
könig: teilet das lebendige kind in zwey teil, 
vnd gebt dieser die helfile vnd jener die helffte. 



1 konp ^j 25;. v^d es geschach hin fürder, 
das die jüpglin^ die helM theten die erbett, 
die ander helfft hielten spiese, schilde , bogen 
vnd pantzer. Neh. 4, 1.6; die helffte des 
königreichs. Esth. 5, 3 ; die helfiW meiner 
guter gebe ich den armen. Luc. 19, 8; vncl 
ist in war, dasz ich diesen |iunnier (1530) 
mehr denn die hälft bah müssen feyern. de 
Wette dr. 4, 178 ; vnd sihe, es ist mir nicht 
die helfft gesagt, du hast mehr Weisheit vnd 
guls, denn das gencht ist. 1 kön. 10, 7 ; 
so hat auch Samaria nicht die helfft deiner 
Sünde gethan. Ezech. 16, 51. zuweilen be^ 
zeichnet hälfte nur den endpunkt eines hal-' 
ben teils, die mitte : vnd macht am altar eia 
gitter . . von vnten auff bis an die helfft des 
altars. 2 Mos. 38, 4 ; mein gott, nim mich 
nicht weg in der helfft (vor. in dem mittel) 
meiner tage. ps. 102, 25, was L. in der 
gl. zu dieser stelle erklärt: ehe ich miclis 
versehe. 

Das worty welches erst seit L. sich nach 
und nach in die deutsche Schriftsprache 
eingebürgert hat, ist ndd. Ursprungs; ahd. 
würde es halbida {von halb) lauten, was je ' 
doch nicht zu belegen ist. 

lalfte in adjecUvischer fügung: also 
hebt er auch alhie an jnn vns den tod zu 
schwedien, das er an vns nicht mehr ge- 
winnet, on das er die Scherben vnd nur das 
helffte stück an vns weg nimpt.* das 15. cap» 
der ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534). 
Sij«. 

lallj m. sonus, schall, klang, mhd. hal 
(Ben. 1, 685*. Lexer 1146): jhr {der pre- 
digt) hal ist ausgangen jnn alle weit, der 
117. psalm. (1530). Büj>', var. xu ps. 19^ 
5 ; er wird singen ein lied ... des hall er- 
schallen wird bis an der weit ende. Jer. 25, 
30; als das volck den hal der posaunen 
höret. Jos. 6, 20 ; es {das ross) achtel nicht 
der drometen halle. Hiob 39, 24; seiner 
sackpfeiffen hall ist der aller beste schall. 
ein brief an die zu Franckfort. (1533). 
Cj ^ ; wie wol die schlege verloren sind, ist 
doch zu hoffen, das der klang vnd hall ett- 
lichen andern die obren fülle, von dem fal- 
schen blut. (1533). Aüj*. 

lallbafcey m. denn wie Vergerius desz 
bapsts legat in Teutschlande war, da hetten 



HALLDROMETE 



207 



HALS 



in ^e haOlmbeD, als des biigsts mutlep, schier 
mit dreck zu tod^ geworlRn. lifvAf. 215'* 
hei Grimm mit der erklärung: ,*u>ohl ein 
hube^ der sich an den verkanfshallen des 
marfUeM ^umher treibt , straexenhube, gössen^ 



(« 



jmge 

lalllr»«ietib f- halUrampele, irompete 

^itomü das halljahr (s. d.) angebliisen wurde : 

TDd die halldrometen in seine hand. 4 Mosi 

lalle, /*. nkkd. halle (Leser 1148), ahd. 
halb (Gra/r 4, 859), von L. in der bibel- 
uberteixung verwendet I ) von einem offenen 
bau mit einem blosz aufsäulen oder pfosten^ 
rvkenden dache: es ist aber zu Jerusalem 
bey dem schafhause ein teich, der heisset aufT 
kreisch Bethhesda, vnd hat fünff halle ((rroa, 
vfäg. porticus). Joh, 5, 2. 

2) käufiger von einem von säulen getra^ 
genen vorbau, x. b, am pallaste Salomos: 
er bawet auch eine halle von seulen. l hon, 
1, 6; vnd bawet auch eine halle zum richt- 
stuel. V. 7. des tempels: vnd bawet eine 
halle für den tempel, zwenzig eilen lang, 
nach der breite des hauses, vnd zehen eilen 
breit für dem hause her. 1 fcd'n. 6, 3 ; vnd 
Jhesus wandelte im tempel in der haHe Salo- 
monis. Joh, 10, 23 ; vud waren alle in der 
\\a\le Salomonis einmütiglich. ap. gesch, 
5, 12. 

ffallelaja ihalelu ia), der hebr» jubelruf 
!l*"^bV?l, preiset Jehova! häufig in den 
psalmen vorkommend, x. b. ps, 104, 35; 
105, 45; 106, 1. 4S u. sonst ößer; dar- 
nach höret ich eine slim grosser scharen im 
himel, die sprachen : haleluia {var. halleluia). 
offenb. Joh. 19, 1 ; 

des wir sollen frölich sein, 
gott loben vnd danckbar sein, 
vnd singen haleluia, haleluia. Jen, 8, 396". 
Haiyabr (halljar), n. das alttestamenlUche 
Jubeljahr^ welches durch den hall der po^ 
saunen verkündet wurde: vnd jr solt das 
funfizigst jar heiligen vnd solts ein erlasiar 
heissen im lande allen die drinnen wonen, 
denn es ist ewr halliar, da sol ein jglicher bey 
euch wider zu seiner habe vnd zu seinem ge- 
schlecht komen, denn das funfTzigst jar ist 
ewr halliar. jr solt nicht seen, auch was von 
jm selber wechst (var, das von yhm selbst 



gewedim, welche zu gewachsen «. lli^ 
nachsulragen^ist) nicht emdten, auch was 
on erbeit wechst im Weinberge nicht lesen. 
3 Mos, 25, 10. 11 ; las die priester sieben 
posaunen des halliars nemen.. Jos. 6, 4. vgl. 
auch erlaszjabr u. freijahr. 

lalljaknkenii n. hom, womit das hall' 
jakr angeblasen wurde : wenn man das hall- 
iarshorn bleset Jos. 6, 5. 

lallJakrtpesaiBey f dasselbe: sieben 
priester lasset sieben halliarsposaunen tragen. 
Jos. 6, 6 ; da trugen die sieben priester die 
sieben halliars posaunen, v, 8. 

tslm, m. gras'f getreidestengel, mhd. 
ahd. halni (Ben. 1, 613 ^ Lexer \\49. 
Graff 4 t 926): wie gehet das zu, das der 
halm aus der erden wechst aus einem einigen 
körn vnd so viel körniein auff der ehre Iregt ? 
serm. von dem sacrament. (1526). A6'; 
der teufel hesse nicht einen halm noch blat 
auifgehen vnd wachsen, wo yhm goU nicht 
wehret, der 147. psalm. (1532). Ciiij'; 
jnn dem faulen vnd verwesen, wenn es {das 
weizenkom) nichts mehr taug noch bleibt, 
kriegt es erstlich eine wurtzel vnter sieh vnd 
ein stenglin odder halm vber sich, das 15. 
cap, der ersten ep. s, Pauli an die Cor. 
(1534). cij^; sieben ehern wuchsen aus 
einem halm. 1 Mos. 40, 5 ; wiltu wider ein 
fliegend blat so ernst sein vnd ein dürren 
halm verfolgen? Hiob 13, 25. 

Ueber die etymologie des wortes s. 
Grimm wtb. 4^ 237. 

lalMlela (helmlin), n. hälmchen, kleiner 
halm: vnd doch nicht wissen noch verstehen 
mögen wie es zugehet, viel weniger mit vnser 
krafft vermögen ein helmlin aus der erde zu 
bringen, von Jhesu Christo. (1533). Lij*; 
gott mus es selbs bawen, wo etwas sol her-> 
aus wachssen, sonst must der bawr wol ewig 
pflügen, seen vnd sich zu tod erbeiten, ehe 
er ein helmlin heraus brechte. Jen. 1, 136*. 
— mhd. halmel, helmel (Ben. 1, 613^ Le* 
xer 1151). 

Iah, m. Collum, mhd. ahd. hals (Bett. 1, 
617^ Lca?cr 1154. Graff 4, 921). 

I. hals tili eigentlichen sinne, und xwar 

1) die auszenseite desselben bezeichnend 
a) am menschen: aber die feil von den bock-* 
litt tket sie jm vmb seine hende vnd wo er 



m^^m^mmmm^t^mmmmmm^mmd 



r 



HALS 



208 



HALS 



glat war am halse. 1 Mos. 27, 16; vnd 
hieng jm ein gülden keten an seinen hals. 
41, 42; gestickte bundte kleider vmb den 
hals. TiehL 5, 30 ; das koller, das ein keiser 
am halse zu tragen pflegt, einer aus den 
hohen artikeln. (1537). Aiiij^; so thut in 
die brach vnd henget sie an den hals, wider 
Hans Worst. (1541). Aiiij*; wer aber 
ergert dieser geringsten einen , die an mich 
gleuben, dem were besser, das ein mülstein 
an seinen hab gehenget würde vnd erseufft 
würde im meer, da es am tieffesten ist. 
Malih. 18, 6. mit auffgenchtetem halse gehen 



töchter Zion stoltz sind vnd gehen mit auff- 
gerichtem halse. Jes. 3, 16. das fallen um 
den hals ist gebärde herzlicher liebe: Esau 
aber lieff jm entgegen vnd hertzet jn vnd fiel 
jm vmb den hals vnd küsset jn. 1 Mos. 33, 
4 ; vnd er fiel seinem bruder Benjamin vmb 
den hals vnd weinet, vnd Benjamin weinet 
auch an seinem halse. 45, 14; vnd fielen 
Paulo vmb den hals vnd küsseten jn. ap. 
gesch. 20, 37. das treten auf den hals ist 
zeichen der unlerdräckung, Unterwerfung: 
da aber die fünff könige zu jm eraus bracht 
waren, neff Josua dem gantzen Israel vnd 
sprach zu den obersten des kriegsuolcks die 
mit jm zogen, kompt erzu vnd trettet diesen 
königen mit füssen auff die helsse. vnd sie 
kamen erzu vnd tratten mit füssen auff jre 
helse. . Jos. 10, 24; auff jre helse wirstu 
iretten. Baruch 4, 25. ebenso die fesselung 
des halses : mache dich los von den banden 
deines halses, du gefangene tochter Zion. 
Jes. 52, 2. es heiszt den hals abhauen, 
brechen (entzweibrechen), entzweifallen, stür- 
zen, abstürzen : wenn ich sehe wie ein reuber 
oder mörder einem den kopff abhawet, so ist 
das werck eben dem gleich an zu sehen, so 
der fürst oder richter einem den hals abhawen 
lest, zwo hochzeiipredigten. (1536). Aiiij"; 
fiel er zurück vom stuel am thor vnd brach 
seinen hals entzwey. 1 Sam. 4, 18; dauon 
(von dem tempel) sie hinab stürtzeten vnd 
den hals brachen, zwo schöne predigten, 
(1537). Cij'; da man mus gleiten vnd 
straucheln bis man hals vnd bein bricht. ausL 
sdiöner Sprüche. ( 1 549). Giiij • ; uneigent- 
Uch : so bricht damit sein glaube nicht den 



hals noch bein. die letzten worte Dauids. 
(1543). Aiij*»; — da wird der erstochen, hie 
feilet dieser den hals entzwey. trostunge an 
die Christen zu Halle. (1527). Aiij*; wer 
aber kein äuge hat vnd sol gehen , der gehet 
vber holtz vnd stein bis er feilet vnd den 
hals stürtzet. das 5. 6. vnd 7. cap. s.Matth. 
(1 532). üij 1* ; bis sie darüber jn selbs den 
hals sturtzen. ebend. Giij * ; (die Nazarener) 
wollen jm den hals den fels hinunter ab- 
stdrtzen. vom schem hamphoras. (1543). 
Miiij K 

b) von thieren: vnd nam die spangen die 



ist gebärde des stolzes: darumb das die^an jrer kamelen helse waren, rieht. 8, 21 ; 



kanstu dem ross kreftt geben t>der seinen hals 
zieren mit seinem geschrey? Hiob 39, 19; 
er (der levialhan) hat -einen starcken hals. 
41,13; wer ein schaf opffert ist als der einem 
hund den hals breche. Jes. 66, 3 ; vnd sollen 
sie (die kuh) hin ab füren in einen kiesicfaten 
grund . . . vnd daselbs ün grund jr den hals 
abhawen. 5 Mos. 21, 4. 

2j der innere hals, die luft^ und speise» 
röhre, zuweilen mit einschlusz der mund» 
höhle, z, b. honigseim ist süss in deinem 
haise. spr. Sal. 24, 13; vnd haben falsche 
Zungen in jrem halse. Micha 6, 12. a) als 
gliedj das zum athmen, sprechen dient: ich 
habe mich müde geschrien, mein halss ist 
heisch, ps. 69, 4; vnd reden nicht durch 
jren hals. !15, 7; racha ist das rauch 
scharren ym halsz. gl. zu Matih. 5, 22 in 
der Septemberausgabe des n. test,v,j. 1522. 
b) als glied, das zum essen dient : das sacra« 
ment ynn den hals gestossen als ynn einen 
brodsack, ob man für dem sterben fliehen 
müge. (1527). Giiij''; wer sein maul offen 
vergesse, das jhm eine mucke jnn hals flöge. 
auff das vermeint keiserUch edict. (1531). 
Eiij*; fris lieber wolff, fris, das dir bald ein 
bein quehr jm halse bleibe. Widerlegung. 
(1535). Aiüj». 

3) redensarten, welche sich an hals in 
der bedeutung 1 angesetzt haben, a) an 
das legen des jochs auf den hals der zug-» 
Ihiere, wodurch diese jedes eigenen willens 
bar werden, kniffen sieh die bildlichen re» 
densarten, welche feindliche Unterdrückung, 
unfreiwillige dienstbarkeit , knechtschaft, 
bezeichnen: vnd wird ein eisern jochauff 



NacbtTäge und bericlitigaiigeii zur 1. liefemng des 11. bandes. 



Schon jeUt mögen noch folgende^ früher übersehene Wörter nmehgetragen werden: 

SeUage (gehenge), n. ein am haU (?) getragener xierrath, mhd, gehenke (ileii. 1, 160^ 
Leser 789); rosenpahn das ist ein gdienge oder kösilidi kleinot in einer rosen gestalt. 
gL xupe. 60,1. 

Seiilenfeli m. sum gnt reizender böser geiet: etliche feine, vemOnflnige, dapffere leule 
mit diesem geilzleafel vnd wucherteufe] also besessen sind, das sie wissentlidi vnd wol 
bedachtes Verstands den erkandten Wucher treiben« ßindseil 7, XXI. 

ieliigewinst m. gewinnangeld : aber geldgewinstbraditen sie nichtdavon. fieM.5, 19 var. 

ficnnglieh fgnuglich), genugsam, hinreichend: wie wol auch das latiniscfa vnd kriechisch 
nicht erlanget gnuglich das ebreisch. post. (1528) 73^ 

fierickIkalUy f. halle, worin gerieht gehalten wird: vnd macht sie sur gertchüialle. 
1 kön» 7, 7 var, 

üfsnailMadier, m. orsi: Raphael das ist artzl oder gesundmaclier. vorr. aufs buch 
Tobia. BindeeU 1,4\S. 

filanbcnsktMpfi m. kämpf um den glauben: die gerechten redlieh gelitten vnd jm 
glaubenskampf gestritten haben, das schöne confUenUni (1530). Hüj^ 

UattbenssachCy /*. den glauben betreffende saehe: jnn der sacramenten vnd glaubens- 
Sachen. recAeiiscAa/'( (1533). Aij*. 

fiUckenUangf m. ghckenton: meinstu das gotl sich mit glockenklang, kereenrauch» 
gollgleissen vnd desgleichen geschwürmis wird lassen zalen? post. (1528). 85*. 

lirikfssckrlftj /*. epitaphium: solche sprüche vnd grabeschrillt ziereten die kirchhöfe 
besser, denn sonst andere weltliche zeichen, schild, heim etc. Jen. 8, 411*. 

SnwMgig. graue augen habend: alle gleich schwartz vnd alle gleich grawaugig. Jen.5,21*. 

Dagegen sind die beiden artikel: Üeckisans («. 30*) und Cle klsMU {s, 59*j zu streichen. 
Zu folgenden %eörtom bringe ich noch einige belege nach: 

üefcniBch, m. usus : wenn es nicht gebrauch gewesen were ynn dem lande, vber das 
erste buch Mose (1527). Rri^^; ein handwerksman, der seines handwerks rocht vnd 
gebrauch nicht weis, deudsch catech. (1529). Aij*. 

i>bihrlick: gebürlich zins. summa des christl. lebens (1533). Aiiij*. 

fiefnllen «> fallen (s, 35^): vnd müssen die zinse gefallen, vber das erste buch Mose 
(1527), rrij*. 

fiesatS) n. gesell >* vnd hüt dich für der menschen gsatz, 

davon verdirbt der edle schätz. Jen. 8, 403**. 

fiewncksen »- wachsen : auch nicht emdten, das von yhm selbst gewechst. var. tu 
3 Mose 25, 11. 

firnndstein^ m, also ist ein iglicher fürst oddes herr seines landes oddcr voleks eckstein, 
frls vnd grundstein. d«r 82. pro/m (1530). Fiiij*. 

finnsti /. 2) erlaubniss : e. f. g. wollt uns gnädiglich dieses nothbaus gunst vnd laub 
erzeigen, de Wette br, 1, 283. 

Druckfehler. 

s. 9*, z, 10 V. 0. lies: Aiüj^ s. 110^ s. 10 v, o. ^i««: geuatter«l.geater 

- 14^ - 13 V. tt. - Ists nu * lir, - 20 r. o. fi7^0 naeA vieren da« z 

- 30*, - 12 V. w. - gedashlnisse - 148^ - 12 v. u. lies: mhd. g6^ 

- 32\ - 19 r. t«. - zu statt p. - 152^ - 27 «. o. - b»;^« 

- 32^ - 8 r. 0. - schuldigen 



S3afigf, Cdfat ($af)or in S8a<}'enborf) , 2)te it^xt bom 9lei4 ©ottee otin 92euer 
^ateci^idmudin ^toölf ^auptftüden. 8. t869. 
«uögabc mit 23ortt)ort. 12 9^gT. 

ausgäbe o^nc ißorttjort. 10 Syigr. 

Äl einer Äatcc^iemite für bic ^rifWic^c »olfdfdtuU. 8. 1869. cart 5 9^gr. 

Bnrkhardt. Dr. C. A. H« (Grossh. Archivar in Weimar), Dr. Martin Lnther's Brief- 
wechsel. Mit vielen unbekannten Briefen und unter vorzüglicher BerücksichtiguDg 
der de Wette'schen Ausgabe, gr. 8. 1866. 3 nibr. 

Dunger. Dr. Hermann (Oburl. in Dresden), Die Sage vom trojanischen Kriege 

Habn« A., Lehrbuch des christlichen Glaubens. Zweite verb. Auflage. 
Zwei Bände, gr. 8. 1857—1858. 3 TWr. T*/« Ngr« 

in den Bearbeitungen des Mittelalters und ihre antiken Quellen, gr. 8. 1869. 16 Ngr. 

$anb)oerFdltcbtr, ^eutf^e. @efamme(t unb herausgegeben ton O. @ t^ a b e ($rof. in 5^0ntg«« 
berg). SKit Xitclbilb. 8. 1864. 1 %\)ix, 

Hnefrel, Dr. Richard (in Leipzig), üeber Otfrid's Yersbetonung. gr. 8. 1869. 

10 Ngr. 

Jonekbloet's 9 W. J. A«, Geschichte der Niederländischen Literatur. Vom 
Verfasser und Verleger des Öriginalwerkes autorisirte deutsche Ausgabe von Wilhelm 
Berg. Mit einem Vorwort und Verzeichniss der niederländischen Schriftsteller und 
ihrer Werke von Prof. £rnst Martin (in Freiburg). Zwei Bände. Erster Band, 
gr. 8. ISIO. 2 Thhr. 20 Ngr. 

Der zweite Band erscheint im Herbst 1872. 

3ufK, Dr. Äatl (^rof. in aJ^arburg), SBtndclmann. €cin geben, feine SBerfc «nb feine 
3ettgenoffen. (grfter ©anb : Söinaelmanu in 3)cutfc§Ianb. 9JJit ©ü^en au8 bcr Äunfl* 
unb ®ete^rtengcf(^ic^te be« 18. So^r^unbcrt«. ^aäf gebrudten unb l^anbf^riftUc^en OueUcn 
bargepettt. ^thft einem «Porträt Stnrfelmann*«, nact bem Originale ber 91ugel. 
Äauffmann gelberen toon 5R. Slabn in Sürici. 2cj. 8. 1806. 3 Z^x. 

^oberftetn, 91. (?rof. in 'Sc!tu(|)forta) , ©runbrig ber ^cfcbicbte ber ©eutfd^en 
9fiationaI*i4tcrotur. Stierte »erbcffcrte unb Vjöttig umgearbeitete Sluflage. 2)rei ©änbc, 
ar. 8» 1866. . 10 X^Ir. 

Äoftlet, Dr. SHeinjolb («ibliottclar in SBeimar), ^erber'ö (Sib unb feine franj8flf(<te 
Oueüe. or. 8. 1S67. 12 ißgr. 

Bvmpelt, JDf. H. B« (in Breslau), Die deutschen FronomiDa und Zahlwörter. Historisch 
dargestellt, gr. 8. 1870. 1 TWr. 

»if^er, Dr. S5^il6clm (?rof. in Safel), 3)ie @age öon ber Söefveiuug bcr SBatbjtäbtc 
no4 i^^ter aHmäügen 2(u«bilbung untcrfuc^t. 9^cbft einer ^Beilage: 2)aö Sltefte Xellen* 
f*auft>ieL 8. 1867. I S^Ir. 

»olWliebct, 2)te bifiorifd^en, ber 'Deutfeten t3om 13. bis 16. Sal^r^unbcrt. «uf SSer* 

onlaffung unb mit Unterflüfeung @r. Tla\. bc8 Äönig« SDlayimilian I. laon SBatjern ]^erou«ge* 

geben burc^ bie ^^iflw. (£ommi|fion hd bcr Äönigl. Slfabcmie bcv Sßiffcnfcbaften in ÜJiünci^en. 

©efammelt unb erläutert toon iR, ö. Öiliencro'n (®eb. (£abinct«ratb in SWeiningen). 8icr 

Sänbe unb 92a ertrag (bie Xöne unb ba9 al^>^abctifcbe ^erjei^nig ent^altenb). (Scm^let. 

2ey. 8. 1865—1869. U X))lx. 15 SflQX. 

(grfter «anb (1243—1469). 1865. 3 2:i?lr. 10 Sf^gr. Sttjeiter Söanb (1471—1507). 

1866. 3 %\)lx. 10 iRgr. ^Dritter ©onb (1506-1529». 1867. 3 X^lr. 10 91gT. 

3Jtertcr ©anb (1530— 1554). 1869. 3 SC^lr. 15 g^gr. giacbtrag. 1869. 1 X^lr. 

Sßa^dmtttQr SS., (Suro^äif^e @ittengef(!(|ictte t>om Urf)>runge tooltM^fimlicber <$e« 
ftaltungen bi« auf unfere Seit, günf Steile, gr. 8. 1831—1839. (17 %\)lx. 2»,i Slgr.) 

6 S^lr. 20 SRqx. 

«Ugemcine «uUurgefc^icbte. SDreiX^eile. gr.8. 1850—1852. (7 2:^r. 22»/» 9^.) 

4 ^l^lr. 

de Wette, Wilb. Mart. Leber«, Lehrbuch der hebräisch-jüdischen Archäo- 
logie nebst einem Grundrisse der hebräisch- jüdischen Geschichte. Vierte Auflage, 
bearbeitet von Dr. F. J. Kaebiger (Prof. in Breslau). Mit 2 Tafeln, gr. 8. 1864. 

2 Thlr. 7»/» Ngr. 

ITindisefa, Dr. Ernst (in Leipzig), Der Heliand und seine Quellen, gr. 8. 1808. 

24 Ngr. 

Winer, 6« B«, Grammatik des neutestamentlichen Sprachidioms, als 
sichere Grundlage der neutestamentlichen Exegese. Siebente Terbesserte und 
vermehrte Auflage, besorgt von Dr. G. Lünemann (Prof. in Göttingen), gr. 8. 
1867. , 2 Thhr. 77« Ngr. 

Drack V. BtnchMd. L«Jp*i«.